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Full text of "Verhandlungen der Zoologisch-Botanischen Gesellschaft in Österreich"

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Yerhaiidlungen 

der kaiserlich-königlichen 

oologisch - botanischen Gesellschaft 

in Wien. 

Herausgegeben von der Gesellschaft. 

Redigiert von 

A. Handlirsch nnd Dr. V. Pietschmann. 

Jahrgang 1913. 
LXIII. Band. 

Mit einem Porträt, 9 Tafeln und 79 Abbildungen im Texte. 

Ausgegeben wurde: 

Heft 1/2. S. (1)— (48), 1-80 am 30. April 1913. 

„ 3/4. S. (49)— (64), 81 — 192 „ 20. Juni 1913. 

„ 5/6. S. (65)— (96), 193—288 „ 15. Juli 1913. 

„ 7/8. S. (97)— (144), 289—368 „ 1. Oktober 1913. 

„9/10. S.(145)-(152), 369-542 „ 10. Dezember 1913. 



Wien, 1913. 

Für das In- und Ausland besorgt durch Alfred Höldsr, 

k. u. k. Hof- und Universitäts-Buchhäiidler, 
Buchhändler der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften. 



Adresse der Redaktion: Wien, 111/3, 3Ieehelgasse 2. 



I)ruck von Adolf Ildl/.liaiiNon, 
K> «in4 k. Hör- und UnivcrakUit» Huclitlmckur In Wien 

\ 



580.^^ 

ACES LIBRARY 



Leitung der Gesellschaft 

Präsident (gewählt bis Ende 1913): 
P. T. Herr Prof. Dr. Richard Wettstein Ritter v. Westersheim. 

Tizepräsidenten (gewählt bis Ende 1913): 

P. T. Herr Prof. Dr. Karl Grobben. 
„ „ Dr. Franz Ostermeyer. 

Generalsekretär (gewählt bis Ende 1913): 
P. T. Herr Rudolf Schrödinger. 

Redakteur (gewählt bis Ende 1913): 
P. T. Herr Kustos Anton Handlirsch. 

Rechmingsführer (gewählt bis Ende 1913): 

P. T. Herr Oberrechnungsrat i. P. Julius Hungerbyehler Edler 
V. Seestätten. 

Ausschlißräte (gewählt bis Ende 1913): 

P. T. Herren: Dr. Othenio Abel, k. k. Univ.-Prof., Heinrich 
Braun, Ingenieur, Stadtrat; Dr. Karl Brunner v. Wattenwyl, k. k. 
Hofrat; Dr. Alfred Burgerstein, k. k. Universitäts-Professor; Theodor 
Fuchs, k. k. Hofrat; Dr. August Ginzberger, k. k. Universitäts- 
Adjunkt; kais. Rat Dr. Eugen v. Halä^csy; Dr. Heinrich Freiherr 
V. Handel-Mazzetti, Assistent; Dr. August Edler v. Hayek, städt. 
Bezirksarzt; Franz Heikertinger; Dr. Karl Holdhaus, k. u. k. 
Adjunkt; Dr. Josef Hoc kauf, k. k. Universitäts-Professor; Dr. Karl 
Ritter V. Keissler, k. u. k. Kustos -Adjunkt; Dr. Ludwig Linsbauer, 
k. k. Professor; Prof. Dr. Ludwig Lorenz v. Liburnau, k. u. k. 
Direktor; Prof. Dr. Emil Edler v. Marenzeller, k. u. k. Kustos i. P.; 

Z. B Ges. 63. Bd. a 



732829 



(2) 



Leitung der Gesellschaft. 



Dr. Hans Molisch, k. k. ÜDiversitäts-Professor; Ferd. Pfeiffer 
Kitter v. Wellbeim, Inspektor; Dr. Paul Pfurtsclieller, k. k. Pro- 
fessor; Dr. Viktor Pietschmann, k. u. k. Assistent; Dr. Theodor 
Pintner. k. k. Universitäts-Professor; Ernest Preißmann, k. k. 
Regierung'srat; Prof. Dr. Hans Rebel, k. u. k. Kustos; Dr. Karl 
Reehinger, k. u. k. Adjunkt; Dr. Viktor Schiffner, k. u. k. Univ.. 
Prof.; Dr. Karl Schima, k. k. Hofrat; Friedrich Siebenrock, 
k. u. k. Kustos; Direktor Dr. Franz Spaeth, Magistratsrat a. D.; 
Prof. Dr. Stadelmann; Dr. Fritz Vierhapper, Privatdozent; Dr. 
Franz Werner, k. k. Universitäts-Professor; Dr. Karl Wilhelm, 
Hochschul-Professor; Dr. Alex. Zahlbruckner, k. u. k. Kustos. 

lledaktions - Comite. 

Obmann: Herr Kustos Anton Handlirsch, Schriftführer: Herr 
Dr. Viktor Pietschmann; P. T. Herren: Prof. Dr. Alfred Burger- 
stein, Dr. L. V. Lorenz, Prof. Dr. Theodor Pintner, Dr. Karl 
Rechinger, R. Schrödinger, Dr. Fr. Vierhapper, Dr. Alex. 
Zahlbruckner und die Schriftführer der Sektionen. 

Bibliotheks- Comite. 

P. T. Herren: R. Schrödinger, Dr. Alex. Zahlbruckner. 

Sektion für Botanik. 

r)])inanii: Herr Dr. Aug. Edl. v. Hayek. — Obmann-Steilver- 
tretcr: IJerr Regierungsrat Ernst Preißmann. — Schriftführer: 
Herr Dr. Erwin Jan eben. 

Sek Ii Oll für Koleopteroloj2;ie. 

Ohinaiin: Herr Direktor Dr. Franz Spaeth. — Obmann- 
Stellvertreter: Herr Dr. K. Hold haus. — Schriftführer: Herr 
F. Ih'ikcrtinger. 

Sekti<Mi nir Iiepi(l(»i)teroloj»^!e. 

0)»iiijinn: Wcw Prof. Dr. II. Rebel. — Obmann-Stellvertreter: 
Herr ZcMtraliiiKpcktor Joliaiiii Prinz. — Srhrirtflllirer: Herr Dr. 
Egon (ialva^ni. 



Leitung der Gesellschaft. (3) 

Sektion für Paläozoologie. 

Obmann: Herr Prof. Dr. 0. Abel. — Obmann-Stellvertreter: 
Herr Kustos Anton Handlirsch. — Schriftführer: Herr Rudolf 
Lohr. 

Sektion für Zoologie. 

Obmann: Herr Prof. Dr. K. Grobben. — Obmann-Stellvertreter: 
Herr Direktor Dr. L. v. Lorenz. — Schriftführer: Herr Dr. F. 
Maidl. 



Gresellschaftslokale : 

Wien, ni/3, Mechelgasse 2. — Täglich (mit Ausnahme der Sonn- 
und Feiertage) von 3 — 7 Uhr nachmittags geöffnet, Freitag bis 8 Uhr. 

Kanzlistin: Frau Grete Ferlesch (XVH., Veronikagasse 29). 



Alle Zuschriften und Zusendungen sind zu richten an die: 
„K. k. zoologisch-botanische Gesellschaft", ohne spezielle Adres- 
sierung an einen Funktionär der Gesellschaft. 



a* 



(4) 



Versammlung der Sektion für Zoologie. 



Bericht der Sektion für Zoolog^ie. 

Versammlung am 10. Mai 1912. 
Vorsitzender: Herr Prof. Dr. K. Gröbben. 

Herr F. Raab bespricht „Die Verwandtschaftsbezie- 
hungen der Eiiphausiiden." 

Hierauf hält Herr Dr. A. Haempel einen Vortrag: „Über 
das Hörvermögen der Fische." 

Versammlung am 8. November 1912. 
Vorsitzeuder: Herr Prof. Dr. L. Lorenz v. Liburnau. 

Herr Prof. Dr. K. Grobben spricht „Über den Perikar- 
dialsinus des Fhißkrebses." 

Hierauf hält Herr Prof. Dr. F. Werner einen Vortrag: „Über 
Fledermausfliegen." 



Versammlung am 10. Januar 1913. 
Vorsitzeuder: Herr Prof. Dr. K. Grobben. 

Herr Dr. 0. Storch hält einen Vortrag: „Über Bewegung 
und Picwegungsorgane der Polychäten." Eine ausführliche 
Arbeit Uber dieses Thema wird seinerzeit in den Publikationen der 
kaiserl. Akademie der Wissenschaften in Wien erscheinen. 

Versammlung am 14. Februar 1913. 
\ oi,sit/,( 11(1(1 : ||( II Prof. Dr. K. Grobben. 

Hei der zuerst vorgenonimcnen Neuwahl der Funktionäre 
wiird«' der biHhcri^^-c Obmann und Obmannstellvortrcter per accla- 
inaliouem wiedergewählt. An StelU; des bisherigen SchriftfUhrers 



Versammlung der Sektion für Zoologie. 



(5) 



der Sektion und jetzigen Mitredakteurs der „Verhandlungen", Herrn 
Dr. V. Pietschmann, wurde Herr Dr. Franz Mai dl gewählt. 

Hierauf spricht Herr Dr. E. Uhlenhut „Über kausale Ana- 
lyse der Irisschwärzung am Salamanderauge mit Hilfe 
der Transplantationsmethode." 

Schließlich hält Herr Dr. H. Karny einen Vortrag: „Über 
gallenbewohnende Thysanopteren", der im nachfolgenden 
auszugsweise wiedergegeben erscheint: 

Daß Thysanopteren oder Blasenfüßer als Pflanzenschädlinge 
eine wichtige Rolle spielen, ist schon seit langem bekannt: ich 
brauche hier nur an die verschiedenen Getreideschädlinge zu er- 
innern, die unrichtigerweise als Limotlirips cerealkim bezeichnet 
zu werden pflegen (obwohl diese Spezies bei uns gar nicht vor- 
kommt), ferner an die Schädiger der Wiesengräser, die in neuerer 
Zeit von E. Reuter eingehend studiert worden sind, an die Treib- 
hausschädlinge aus der HeliotJirips-Gvu^Tpe u. v. a. Die Erkenntnis 
aber, daß Thysanopteren auch als Cecidozoen in Betracht kommen, 
verdanken wir erst neueren Untersuchungen. Daß diese Tatsache 
erst so spät bekannt wurde, hängt damit zusammen, daß in dieser 
Beziehung hauptsächlich tropische Formen eine wichtigere Rolle 
spielen, während ihnen gegenüber die bei uns am stärksten ver- 
tretene Familie der TJirijndae fast ganz in den Hintergrund tritt. 

Ehe ich nun kurz über unsere gegenwärtigen Kenntnisse der 
Thysanopterocecidien und ihrer Erreger referiere, muß ich zuerst 
zur allgemeinen Orientierung eine Gruppentibersicht der Blasen- 
füßer vorausschicken, da ich dieselbe nicht als allgemein bekannt 
voraussetzen kann. In Anlehnung an BagnalP) und Hood teile ich 
die Thysanopteren folgendermaßen ein: 

I. SO. Terebrantia: 

Fam. ÄeolotJiripidae Halid. 
„ Reter othripidae Bagn. 
„ Thrijndae Halid. 
„ PanchaetotJiripidae Bagn. 
„ Ceratothripidae Bagn. 



1) Ann. Mag. Nat. Hist., 1912, p. 220—222. 



(6) 



Versammlung der Sektion für Zoologie. 



II. SO. Tubulifera: 

Farn. Ecacantlwthripidae Bagn. 
„ Fhloeothrlpidae Halid. 
„ Megatliripidae mihi.^) 
„ Hystricotliripidae mihi.^) 
„ IdolotJo'ijndae Bagn. 

III. SO. Polystigmata: 

Farn. Urothripidae Bagn. 
Aus der letzten der genannten drei Unterordnungen sind Ce- 
cidozoen nicht bekannt, aus der ersten einzig und allein aus der 
Familie der Tliripidae. Die von ihnen verursachten Gallen sind 
stets sehr einfach gebaut, meist nur Wachstumshemmungen oder 
Stauungserscheinungen, also eigentlich als Pseudocecidien zu be- 
zeichnen. Unter den einheimischen Spezies kommt hier als wich- 
tigste Thrips tdhaci in Betracht, der von Grevillius^) in den 
Cecidien auf Vicia cracca und Stellaria media neben PhysotJirips 
hasicoruis, FranMiniella intonsa, FhysotJirips atratus und Tmeto- 
tlmps suhapterus gefunden wurde, von Cotte^) in provengalischen 
Hltitengallen auf Sisym'bnum officinale und Clematis jachnamii. 
Auch hat Ludwig^) ähnliche Verkrüppelungen und Verbiegungen 
der Blätter von Jfellehorus foetidus beschrieben, die nach ihm eben- 
falls auf Thripis tabaci zurückzuführen sind. Unter den nearktischen 
Thripiden kommen vor allen anderen Fhysofhrips citri und Fh. pyri 
in Betracht, die auf einer ganzen Anzahl nordamerikanischer Kultur- 
pflanzen als Schädlinge eine wichtige Rolle spielen. Ferner beob- 
achtete Cock ereil in New Mexiko Blumengallen auf Jlihcs cercuni^ 
die von Franidlniclla trÜicl hervorgerufen waren. Schließlich möchte 
ich noch die javanischen Arten Thrips serratus und Th. sacchari 
als Schädiger des Zuckerrohres erwähnen, sowie einige von mir 
kürzlich publizierte Fnthrij}S-H\)C'/ACH. 

Für McfjathripH, Mcffaluthrips, Bacilloilirips, Siphonoihrips und Bac- 

trothripB. 

*) Für llyntricothripH und Lecuweniu. 

') Marrelliii, I'JOO, p. 1--8; 1910, p. 101-107. 

*) liecherrlicH 8ur los Gallcs de Provence, 1912, p. 222, 224. 

*) AIIk- '/citHrlir f. Kntoniolo^ri,.^ ]()()2, p. 110. 

•) (v'aiwid. Kntom,, 190:1, p. 20:{. 



Versammlung der Sektion für Zoologie. 



Weitaus am wichtigsten sind aber — zwar nicht für unsere 
Geg-enden, aber für die Tropenländer — als Cecidozoen die Tubuli- 
feren; unter ihnen kennen wir nun schon eine große Anzahl von 
Gallenerregern, und zwar aus allen Gruppen außer den Ecacan- 
thothripiden und Megathripiden. Am längsten bekannt sind davon 
die Blattfaltungen auf Ficus spec, deren Erreger von Zimmer- 
mann^) aus Java als GynaikotJirips iizeli, von MarchaP) aus 
Nordafrika als Flüoeotlirips ficonim beschrieben worden ist; außer- 
dem fand Zimmermann in den Ficus-GsiWen auch noch den Meso- 
thrlps jordani, M. parvus und GigantotJirips elegans. Eine solche 
BlattrandroUung ist von J. und W. Docters van Leeuwen-Reijn- 
vaan^) von Ficus mispidata abgebildet worden. Wahrscheinlich 
handelt es sich auch bei dieser um dieselben Parasiten, doch ist 
dies noch nicht ganz sicher, weil ich gerade von dieser Ficus-kri 
bisher noch kein Material erhalten habe. Charakteristisch ist bei 
dieser Galle, daß die Träufelspitze dabei immer unverletzt bleibt. 
Außer den auf Ficus lebenden Spezies entdeckte Zimmermann 
auch noch zwei andere: den auf verschiedenen Pflanzen, aber stets 
nur vereinzelt vorkommenden Anclrotlirips melastoniae und den von 
ihm auf Chavica clensa und Melastoma polyanthum in Blattgallen 
aufgefundenen Qynaikothrips chavicae, der seither als Schädling 
eine wichtigere Rolle spielt; denn es hat sich herausgestellt, daß 
diese Spezies auch die von W. Docters van Leeuwen-Reijn vaan^) 
beschriebenen und abgebildeten Blattorsionen auf verschiedenen 
Piper spec. verursacht. 

Auch aus anderen Weltteilen sind seither schon Thysauoptero- 
cecidien bekannt geworden; so erwähnt Bagnall^) den Panuro- 
tlirips caudatus aus Kapland von Blattgallen der Curtisia fraginea 
und Ihering^) hat brasilianische Thysanopterocecidien abgebildet, 
die zwar nur wenig auffallende pustelartige Vorwölbungen auf den 
Blättern darstellen, aber vielleicht deswegen Beachtung verdienen. 



1) Bull, de rinst. Bot. de Buitenzorg, Nr. VIT, p. 12—19. 

2) Bull. Soc. Entom. France, 1908, p. 252. 

3) Bull. Jard. Bot. Buitenzorg-, 1912, p. 23. 

*) Mededeel. Allgem. Proefstation Salatiga „Cultuurgids", 1909, Nr. 9, p. 1. 

Ann. South African Museum, V, 8, 1910, p. 428. 
6) Entom. Brasil., 1908, p. 106, 107. 



(8) 



Versammlung der Sektion für Zoologie. 



weil sie sieh auf einem Polypodium fanden; der Erreger wird von 
I bering nicht weiter beschrieben, sondern er gibt nur an, daß es 
sich um ein neues Tubuliferengenus handelt, die beigegebene sche- 
matische und ungenaue Abbildung ermöglicht nicht einmal, die 
Gruppenzugehörigkeit darnach festzustellen. Auch aus Nordamerika 
sind schon mehrere gallenbewohnende Thysanopteren angegeben 
worden, jedoch ohne genauere Beschreibung ihrer Gallen: Zygo- 
thrips longiceps^) von Solidago, Idolotlirips armatus von Solidago 
cauadeusis, Trklwth'lps hrevicruralis von Salix fluviatilis, Liothrips 
macconnelU von einer nicht näher angegebenen Bignoniaceae, L. ha- 
Jceri von Ficus nitida, L. umhripennis mexicana von Quercus, Cryp- 
tofhrips Salicis von Salix, PJüoeothrips armiger von Lauriis und 
Hoplandrothrips microps von Quercus palustris. 

Trotz aller dieser Angaben sind aber doch nach wie vor die 
javanischen Thysanopterocecidien am genauesten bekannt, und 
zwar dank der eifrigen Sammeltätigkeit J. und W. Docters van 
Leeuwen-Keijnvaans, die die von ihnen entdeckten Gallen in 
ihrer Arbeit über „Einige Gallen aus Java" in der Marcellia (1909 
bis 1912) publiziert haben, während sie das Thysanopterenmaterial 
mir zur systematischen Untersuchung einsandten; das Material der 
ersten Sendungen habe ich gleichfalls in der Marcellia (1912, 
p. 115 — 1G9) veröffentlicht, das später erhaltene wird in einer 
größeren zusammenfassenden Arbeit über diesen Gegenstand mit- 
geteilt werden, die ich gemeinsam mit Docters van Leeuwen- 
Keijnvaan in Biiitenzorg publiziere. Meine nachfolgenden Aus- 
führungen werden sich zum Teile auch schon auf dieses bisher 
noch nicht veriWfentlichte Material beziehen. 

Iii (Ich meisten Fällen handelt es sich um Blattfaltungen, 
ÜlaltraiHlrolhingcn und Torsionen. So fand Lecuwcn-Ucijnvaan 
auf l'inirhouKi valida einfaclie lilattumbiegungen nach unten, zu- 
sammen mit Gelbfleckung; diese Galle wurde von drei ganz ver- 
Kcliicdcnen 'I liysanopterenartcn bewolint; ihr Erreger ist wohl zwei- 
felKm der riesige, ' j,— 1 cm hinge I(i()l()tliri])ide Amuihinoihrips 
nigrodrntaim, denn er fand sich in allen derartigen Cceidien; in 

•) Nicht — wio ich im CcnhMihlMtt f. i^ikt., riiniH. Infkr., II. Abt., 
XXX. H(l., 1911, p. 571 vcruclKMitlirli jih^m-i^miIm-ii liabc, — ZytjothripH ininuiu, 
•<in(l«:rn di« von llood nt-u hciHcliricbeno Art. longiccps. 



Versammlung der Sektion für Zoologie. 



(9) 



zweien war aber außerdem noch eine ganze Anzahl des Phloeo- 
thripiden Gynaikoihrips gracilis vorhanden und in einer lebte auch 
der winzige, nur 1'3 mm lange Thripide Euthrips cingulatus. Denn- 
noch ist es nicht ganz ausgeschlossen, daß vielleicht sogar auch 
diese letztere Art an der Gallenbildung mit beteiligt ist, denn eine 
ihr ganz nahe verwandte Spezies (Euthrips deformans) erzeugt 
Blattrollungen auf Hijgrophüa salicifoUa. Eine Anzahl dieser java- 
nischen Thysanopterocecidien ist in den zitierten Arbeiten in der 
Marcellia auch abgebildet worden, so die Galle des Cryptothrips 
tenuicornis auf Homalomena spec. (XI, p. 142), eine Blattrollung auf 
Melastoma pohjantlium {yi\l^ p. 109), in welcher Leeuwen-Reijn- 
vaan nur den Liothrips longirostris vorfand, während Zimmer- 
mann aus ganz ähnlichen Gallen den Gijnaihothrlps chavicae und 
Androtliri])S melastomae beschrieben hat; ferner (IX, p. 178) die 
Galle des Gynaihothrips litoralis auf Fagraea litoralis', die durch 
Bolerothrips crassicornis eingerollten Blätter von LorantJms pen- 
tandrus (IX, p. 187); IX, p. 188 eine Thysanopterengalle von 
Memecylon intermedium^ deren Erreger mir nicht bekannt geworden 
ist; endlich die durch Cryptothrips intorquens verursachte Blattorsion 
auf Smilax spec. (IX, p. 191). 

Am interessantesten von allen von J. und W. Docters van 
Leeuwen-Keijnvaan publizierten Thysanopterocecidien erscheint 
mir aber das zuletzt (XI, p. 78) beschriebene und abgebildete, das 
sich auf Heptapleimmi ellipticiim vorfand; interessant einerseits 
deshalb, weil es in seiner Bildung von allen anderen bisher be- 
kannt gewordenen Tubuliferengallen wesentlich abweicht, denn diese 
Cecidien bilden englumige, dünne, 4 — 12 mm lange und 2 — 3 mm 
dicke Röhren von der Gestalt unregelmäßig gekrümmter Hörner 
auf der Oberfläche der Blätter; andererseits aber sind trotz dieser 
aberranten Form ihre Erreger denen anderer Gallen sehr ähnlich, 
so zwar, daß ich im Anfang — als mir noch nicht viel Material davon 
vorlag — überhaupt nicht imstande war, sie vom gewöhnlichen 
Gynaihothrips chavicae zu unterscheiden; erst eine neuerliche reich- 
lichere Sendung aus Java ermöglichte es mir auf Grund verhältnis- 
mäßig recht geringfügiger Merkmale vom typischen G. chavicae 
die subsp. heptapleuri abzutrennen, doch handelt es sich hier zweifel- 
los um Formen, die morphologisch fast gar nicht unterscheidbar 



(10) 



Versammlung- der Sektion für Zoologie. 



sind, während sie in biologischer Hinsicht sehr wesentlich vonein- 
ander abweichen. 

Mit den Hcpiapleurnm-QtdWQYi kommen wir nun zur Bespre- 
chung höher spezialisierter Thysanopterocecidien, wie sie aus anderen 
Ländern beschrieben wwden sind. Da ist zunächst die von Kieffer 
(Marcellia, 1908, p. 165 — 167) publizierte Galle des Gecidotlwi/ps 
hursarum zu erwähnen, die diese Spezies auf einem nicht näher 
bestimmten Baum in Stidindien hervorbringt. Diese Galle habe 
ich nicht selbst gesehen, aber nach der von Kieffer gegebenen 
Abbildung scheint sie am ehesten an gewisse Pemphigidengallen 
zu erinnern. 

Am höchsten spezialisiert sind aber unstreitig die australischen 
Thysanopterocecidien, die schon einigermaßen an gewisse Cynipiden- 
gallen erinnern. Frogatt, der sich viel mit diesen Gallen be- 
schäftigt hat, deutet sie als Anpassungserscheinung an das heiße 
und trockene Klima der austrahschen Steppengebiete: die holzig 
verdickte Galle schützt die darin lebenden Tubuliferen gegen die 
Sonnenglut und die heißen Winde und ermöglicht ihnen so, un- 
günstige, heiße Vegetationsperioden zu tiberdauern. Er beobachtete, 
daß in gesammelten Gallen die darin lebenden Tierchen noch nach 
einem Monat frisch am Leben waren. Von diesen australischen 
Gallen sind bisher drei publiziert worden: die des OnychotJirips 
tepperi auf Acacia anenra, die des Kladothrips rugostis auf einer 
kurzblätterigen Acacia und die des OncotJirips tepperi auf Acacia 
SclerophijUd. 

Alicr auch in anderer Beziehung verspricht das Studium der 
Thysanopterocecidien noch recht interessante Besultate. Die post- 
embryonale Entwicklung ist nämlich selbst bei einheimischen Phy- 
»aj>oden noch verhältnismäßig wenig genau bekannt, was damit 
zuHaiiiiiicnhängt, daß es in der Natur recht schwer ist, die ver- 
schiedenen Stadien den Arten nach zusammenzustellen, weil meist 
eine (größere Anzahl verscliiedencr Sj)ezicR zusammen vorkommt. 
Eh ist daher nittig, zum Zweck solcher Untersuchungen die be- 
treffende zu untersnchende Spezies gesondert aufzuziehen und ihre 
Kntwickching genau zu verfolgen. Dieser Mlilic hat uns nun bei 
den ^^alleiihildcndcn Arten die Natur llberlio])en, indem sie hier 
HelliBl melHt Ucinkulturen anlegt: in den Gallen machen nändich 



Versammlung der Sektion für Zoologie. 



(11) 



die Tierchen ihre ganze Entwicklung durch, und zwar auf einer 
bestimmten Wirtspflanze in der Regel nur eine oder doch nur 
ganz wenige, voneinander meist leicht unterscheidbare Arten. Da- 
her ist es mir gelungen, von einer ganzen Anzahl gallenbildender 
Thysanopteren auch die Jugendstadien zu untersuchen und zu be- 
schreiben, so von Euthrips deformans, Dolerothrips pidicornis, 
D. fryhomi, B. crassicornis, JD. anmdicornis^ Gryptotlirips conoce- 
pJiali, Gynaikothrips iiseli^ G. litoralis, G. cJiavicae, G. pallipes, Gi- 
gantotJmps elegans und Leeuwenia gladiatrix. Bei GynaihotJirips 
useli und wahrscheinhch auch bei einigen andern Spezies hat das 
erste Larvenstadium bestimmt schon siebengliedrige Fühler; es ist 
mir nämlich geglückt, von der ersteren Art eine junge Larve im 
Momente des Durchbrechens der Eischale aufzufinden. Demgegen- 
über hat bei Leemvenia gladiatrix, deren Entwickelung ich schon 
in der Marcellia (XI, p. 165) veröffentlicht habe, das erste Larven- 
stadium — wenn anders nicht eine Mißbildung vorliegt, was mir 
aber unwahrscheinlich erscheint — nur filnfgliedrige Fühler. Ge- 
wöhnlich verläuft die Entwicklung in der Weise, daß wir nach 
dem Verlassen des Eies noch vier voneinander in Färbung, Form 
und Größe verschiedene Larvenstadien zu unterscheiden haben, 
sodann eine Pronymphe, dann noch zwei voneinander in der Aus- 
bildungsweise der Fühler- und Flügelscheiden deutlich verschiedene 
Nymphenstadien und dann erst die Imago. Doch scheinen auch 
Abweichungen von dieser Regel vorzukommen. 

Ich hoffe, daß es mir gelungen ist zu zeigen, daß das Studium 
der Thysanopterocecidien nicht nur dem Systematiker und Ceci- 
dologen vieles Interessante bietet, sondern auch der Biologie und 
der Erforschung der Wechselbeziehungen zwischen Tier und Pflanze 
manche wertvolle Anregung zu geben geeignet ist und schheßlich 
auch die Entwickelung einzelner Spezies genau zu verfolgen ge- 
stattet. 

An den Vortrag schloß sich noch eine kurze Diskussion, in 
der Herr Kustos A. Handlirsch und Herr Dr. F. Mai dl darauf 
hinwiesen, daß es merkwürdig sei, daß in manchen Thysanoptero- 
cecidien mehrere Arten von Thripsen gefunden würden. Es sei 
wohl analog wie bei manchen Eriophyiden- und Aphidengallen an- 



(12) 



Versammlung der Sektion für Zoologie. 



zunebmen, daß nur eine Art wirklich als Erreger der Galle fun- 
giere und die anderen nur Mitbewohner seien. Im übrigen scheine 
eine gewiße Vorsicht bei der Beurteilung von Gallen als Thysano- 
pterocecidien am Platze zu sein. Es sei ganz gut möglich, daß 
manche als solche angesehene Gallen von anderen Tieren erregt 
und daß erst später Thrij^se in dieselben eingewandert seien. Dieser 
Verdacht wurde besonders dadurch erregt, daß die einzelnen „Thy- 
sanopterocecidien" einen sehr verschiedenen, an manche andere 
Zoocecidien erinnernden Habitus zeigten. Immerhin würde es sich 
wohl bei einer großen Zahl der angeführten Gallen um echte 
Thysanopterocecidien handeln. 

An die Vorträge schlössen sich interessante Demonstrationen 
von Schnitten und lebendem Material zu dem erstgenannten und 
von mikroskopischen Präparaten, exsikkaten Gallen und Alkohol- 
material zu dem letztgenannten Vortrag. 



Bericht der Sektion für Lepidopterologfie. ^ 

Versammlung am 6. Dezember 1912. 
Vorsitzender: Herr Prof. H. Bebel. 

I. Der Vorsitzende legt nachstehende Druckwerke vor: 

Lepidopterorum Catalogus, Pars — 8: 
Mcyrick, E., Adelidac, Micropterygidae, Gracilariidae. 
Zerny, 11., Syntomidae. 

Pront, L. ]>., Geomctridae: Prcphinac, Ocnochrominae. 
AiidrcB, M. A., Notes liil)liographi(|ues. (Soc. Ent. d'Egypte, 

r.t) 1.) 

Köper, Sl(^r (Iber die Funktion des Nervensystems der 
Schmetterlinge wäbrciid der sukzessiven Stadien ihrer 
MctaniorphoBc. (Zool. Anz. 1912.) 

Ii. DfT \ orHilz(!nde legt die IJeKcbrcihiing v'iui^r neuen hei- 
tiiiHchcn Noctuidc vor: 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



(13) 




Hydrilla kitti nov. spec. (9). 

Herr Prof. Dr. M. Kitt erbeutete durch Liclitfang Mitte Juli 1912 
am Kalvarienberg- bei Otz eine gut erhaltene Noctuide (9), welche 
am meisten der zuweilen auftretenden 
großen, vollgeflllgelten Form von Hydrilla 
palustris Hb. 9 gleicht, wie das Hofmuseum 
ein solches von Gresten (leg. Schleicher) 
besitzt, sich aber davon sofort durch die 
einfachen, fadenförmig bleibenden Fühler 
unterscheidet, welche bei palush'is-\sQ\h- 

chen filzio- verdickt erscheinen. „ j^]? }'S in o 
^ ^ Hydrilla htti lihl. 9- 

Die sonstige Bildung des Kopfes, der 

Palpen und Beine stimmt mit Hydrilla xmlustris 9 überein. Der 

Hinterleib ist langgestreckt, staubgrau, mit kaum vorstehender 

Legeröhre. 

Die Vorderflügel sind entschieden breiter mit schärferer Spitze, 
fast einfarbig glänzend schwarzbraun, ohne erkennbare Zeichnung, 
wogegen bei ^a??(5fns- Weibchen auf den im Vergleiche stets lichter 
bleibenden Vorderflügeln stets deutliche Mittelpunkte und Quer- 
streifen auftreten. Die etwas helleren Fransen sind dicht schwärz- 
lichbraun bestäubt. 

Die Hinterflügel scheinen ebenfalls breiter als bei palustris- 
Weibchen zu sein und sind wie dort samt den im Basaldrittel mit 
einer lichten Teilungslinie versehenen Fransen glänzend staubgrau. 

Unterseits sind die Vorderflügel glänzend hellgrau mit einem 
dunklen Vorderrandfleck bei drei Viertel der Flügellänge, die Hinter- 
flügel längs des Vorderrandes dunkler, mit deutlichem schwarzen 
Mittelpunkt. Vorderflügel 14-5, Expansion 28 mm. 

Nach Herrn Prof. M. Kitt, dem eifrigen Erforscher des Otz- 
tales, benannt, welcher die sehr dankenswerte FreundHchkeit hatte, 
das Unikum der Landessammlung des Hofmuseums zu widmen. 

Es sei noch bemerkt, daß Herrich- Sch äff er auf der Noct. 
Tab. 58 in Fig. (2)94 als idiginosa ein 9 abbildet, welches mög- 



^) Vgl. Berge-Eebel, p. 234. Auffallenderweise läßt Hampson (Cat., 
VIII, p. 416) die vom meist ganz verschiedene Flügelform und Fühler- 
beschaöenheit des 9 unerwähnt. 



(1-1) 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



licherweise zur vorlieg-euden Art gehört. Keinesfalls ist Fig. 294 
das 9 von IhjdnUa glufeosa Tr., zu welcher Art es im Katalog 
(Nr. 2023) noch fraglich gestellt erscheint. 

III. Derselbe macht ferner unter Material vorläge nachstehende 
Mitteilungen: 

Iber (las Weibchen, die ersten Stände und systematische 
Stellung von ^^Ftiinea raiblensis Mn." 

Über das Q und die ersten Stände dieser sehr seltenen, al- 
])incn Psychide lagen bisher keine Nachrichten vor und dadurch 
blieb auch die systematische Stellung der Art zvs^eifelhaft. 

Entdeckt wurde die Art von Mann Ende Juni 1869 in der 
Kruramholzregion der Gravenlahn bei Raibl, wo einige cf" früh am 
Morgen schwärmend erbeutet wurden. Die Fundstelle ist seither 
verniuhrt und ein neuer, in den Dolomiten gelegener Fundort wurde 
erst durch Prof. G. Stange bekannt, der am 27. Juli 1902 beim 
Aufstieg von Tre Croci zum Monte Cristallo in gut 2400 m Höhe 
ein frisches cT erbeutete, welches er in sehr liebenswürdiger Weise 
dem llol'museum widmete. In neuerer Zeit wurde die Art durch 
ll( rni \{. S})itz auch in den Julischen Alpen am Triglav gefunden, 
wo es ihm auch gelang, das 9, Sack und Raupe zu entdecken. 
Nachdem Herr Spitz im Juli 1911 am Triglav in 2400m Höhe 
an Steinen zwei Säcke gefunden hatte, aus welchen sich ein 
entwickelte, wendete er im heurigen Jahre allen Eifer darauf und es 
glückte ilim auch, an gleicher Fundstelle anfangs Juli 15 Säcke an 
grasigen Stellen und an Steinen angesponnen zu finden, aus welchen 
Hicli bis 23. Juli ein o' und drei 9 entwickelten. Einige wenige 
Säcke enthielten auch noch lebende Kaupen. Am IS. Juli erbeutete 
er, ebenda in der frillien Morgensonne, bei vollständiger Windstille 
6 cT 8cli wärmend. 

W'dH vorerst das Aussehen des 9 anbelangt, so ist dasselbe 
von typischer /'iiwra-Vorm^ das heißt, es besitzt einen stark ge- 
krlhnriitcn, rötliclilnaiiiH ii KiM-jx-r, dunkelbraunen glänzenden Kopf 
und Hoh'lien NackciiKcliild, wohl entwickelte Fühler und P)eine und 
eine lan^^e jA-^^erölire, welche an der liasis einen breiten Kranz 
gclblicli^^aucr After wolle zeigt. Länge des Körpers (ohne Lege- 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



(15) 



röhre) ca. 3 5 mm. Das 5 verläßt deü Sack und klammert sich, wie 
andere Funiea-Vs' eibcheu, an demselben fest. 

Die Raupe, von der mir ein Trockenpräparat zum Vergleich 
vorliegt, ist nach freundlicher Mitteilung des Herrn Spitz im Leben 
schmutzig gelbhchweiß, nach vorne lichter, präpariert jedoch fleisch- 
rötlich, mit stark glänzendem schwarzbraunen Kopf, welcher vorne 
eine undeutliche gelbliche Gabelzeichnung zeigt. Die Rtickenschilder 
der Brust sind ebenfalls glänzend dunkelbraun und durch einen 
hellen Mittelstreifen geteilt, das zweite und dritte Rückeuscbild über- 
dies auch noch seitlich licht durchschnitten. Auf einzelneu Wärz- 
chen der Brustsegmente stehen feine, lange Haare. Die langen Beine 
sind sehr breit schwarzbraun geringt. Das Analschild dunkelbraun. 

Im ganzen gleicht die Raupe am meisten jener von Fumea 
hetulina Z. 

Der ca. 5 mm lange bräunliche Sack ist mit einzelnen Halm- 
stücken der Länge nach belegt und gleicht einem schwach be- 
kleideten Fumea cc/sfa-Sack. Die Halmstücke am weiblichen Sack 
scheinen etwas kräftiger gewölbt zu sein. 

Was die systematische Stellung der Art betrifft, so wurde 
dieselbe allerdings bereits von Mann als „Fumea'' beschrieben, es 
geschah dies aber nur wegen ihrer entfernten Ähnlichkeit mit 
Fumea reticulatella Brd., welche in der Katalogsauflage von 1861 
in der auch echte Epklinopieryx-kYiQi^ enthaltenden Gattung 
„Fumea^ stand. 

Eine bereits vor Jahren vorgenommene Untersuchung der im 
Hofmuseum befindlichen beiden Typen bestimmte mich, die Art wegen 
der breiten Flügelform und der lichten, fast hyalinen Färbung zur 
Gattung Psychidea Rbr. zu stellen, welche Stellung dieselbe daher 
auch in der dritten Katalogsauflage, bei Spuler und Berge-Rebel 
beibehielt. 

Die nunmehr erfolgte Entdeckung des 9 schließt jeden Zweifel 
an der Gattungszugehörigkeit aus; raibhnsis ist eine echte Fumea, 
welche die abweichende Färbung des männlichen Falters wohl 
ihrem hochalpinen Vorkommen verdankt. Auch die Raupe und 
Sackbildung stimmen ganz mit Fumea überein. 

Da die erste Beschreibung Manns ziemlich dürftig ist, lasse 
ich hier noch eine solche ausführlichere des 6 folgen. Der kleine 



(16) 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



Kopf zeigt eine rauhe, graue Beschuppung. Palpen und Rüssel 
fehlen. Die hell gelblichgrauen Fühler sind sehr kurz (ca. nur bis 
ein Viertel des Vorderrandes reichend), je mit 14 Paar kurzen 
Kammzähnen versehen, die bis zum neunten Fühlerglied allmählich 
an Länge zunehmen, von da ab aber plötzlich sehr kurz werden. 
Ihre feine Bewimperung ist nnr bei starker Vergrößerung sichtbar. 
Die halbkugeligen Facettenaugen sind wie sonst bei Fumea. Thorax 



Copula (wie bei den übrigen Fumea- kvi^n) zweifellos am weiblichen 
Sack erfolgt. 

Die VorderflUgel sind gestreckt, ihr Vorderrand in der Mitte 
zumeist deutlich eingedruckt, die gerundete Spitze etwas abgeschrägt, 
der Saum sehr schräg, Innenwinkel vollständig gerundet, der Innen- 
rand an der Wur/el stark zurücktretend. 

Die Ilinterflllgcl sind (vom Innenwinkel zur Spitze gemessen) 
80 breit uIh die Vordcrflllgel (omni) und zeigen eine stumi)f gerun- 
dck' Spitze. 

Aiirh daH Ocäder ist w'w. sonst in der Gattung Fumea] die 
Vordcrilllgel zei^rcii eine lange eingeschobene Zelle. 

Di(; DeckK(liiij)pcn aller Flllgel sind wie bei Fumea nicht 
haarfiirmig, nur aul den llinterllllgeln vorwiegend länglich. 



Fif?. 2. . Type, Gravcnlalin (Mn.). 
Fi>. 3. cT- Triglav, 18. Juli 1912 (Spitz.). 
Fig. 4. Männlicher .Sack mit Puppcn- 




Fumea raihlensis Mn. (P/a) 



hülle. 



und Brust sind mit gelblich- 
grauen Haarschuppen schütter 
bekleidet. Die hellen, gelblich- 
grauen Beine zeigen kaum dunk- 
ler gefleckte Tarsen und sind 
wie bei Fumea gestaltet. Ihre 
Vorderschiene besitzt einen sehr 
langen Sporn, der die Hälfte 
Schienenlänge erreicht, die Mit- 
telschienen ein und die Hinter- 
schiene zwei lange Spornpaare. 
Der Hinterleib ist ziemlich 
schmächtig, spitz endigend, 
glatt, aber schütter mit gelb- 
grauen Haarschuppen bekleidet. 
Er kann keiner größeren Längs- 
ausdehnung fähig sein, da die 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologii 



(17) 



Die allgemeine Flügelfärbung erinnert an jene der Solenohia- 
Arten. 

Die Vorderfliigel sind hell gelblichgrau^ schwach glänzend, mit 
Querreihen bräunlicher Fleckchen, durch welche eine gitterförmige, 
variable Zeichnung gebildet wird (vgl. Fig. 2 und 3). Die Hinter- 
flügel sind einfarbig hellgrau. Die Fransen aller Flügel sind ein- 
färbig , seidenglänzend hellgelblich , im Basaldrittel dichter. Sie 
werden am Innenrand der Hinterflügel lang haarförmig. 

Unterseite der Yorderflügel bräunlichgrau, der Vorderrand 
heller gelblich mit dunklen viereckigen Fleckchen, namentlich gegen 
die Spitze. Die übrige dunkle Zeichnung der Oberseite schimmert 
nur schwach durch. Hinterflügel und Fransen aller Flügel wie 
oberseits gefärbt. 

Vorderflügellänge 9, Expansion 17 — 18 mm. 

Bemerkt sei noch, daß Herr Spitz an gleicher Fundstelle am 
Triglav auch zwei Soleyiohia- Xri^n erbeutete, von denen die eine 
größere, breiterflügelige kxi (aljjicolella Rbl. i. 1.) mir auch schon 
anderwärts aus den Hochalpen bekannt wurde, wogegen die andere, 
kleinere, an S. inconsxncnella Stt. erinnernde Art (triglavensis Rbl. 
i. 1.) mir bisher unbekannt war. 

Schließlich spreche ich Herrn Robert Spitz für die Gestattung 
der Publikation seiner interessanten Entdeckungen sowie für Über- 
lassung von Belegmaterial an das Hofmuseum meinen wärmsten 
Dank aus. 

IV. Herr Leo Schwingenschuß demonstriert nachstehende 
Tagfalterarten in schönen Serien: 

1. Melitaea cynthia Hb. vom Glockner, Stilfserjoch, Zermatt, 
Campolungo und Simplon. An letzterer Lokalität hatten sich am 
20. Juli bei trübem Wetter eine sehr große Zahl von Faltern in 
niederen J?o?ipm(s-Büschen geborgen. 

2. Erebia flavofasciata Heyne-Rühl vom Campolungopaß. In 
der näheren Umgebung desselben reicht die Art in ihrer Verbrei- 
tung bis 2000 m herab. Einzelne Stücke sind von der Form thiemei 
Bart, nicht zu trennen, die also auch als Aberration auftritt. Ober- 
seits ganz einfärbig zeichnungslose Stücke sind als ab. extrema 
(n. ab.) zu bezeichnen. 

Z. B. Ges. 63. Bd. b 



(18) 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



V. Herr Baurat Hans Kautz berichtet über die 
Zucht eines Hybriden. 

{Taeniocampa stahilis View. (/ X Taeniocampa gothica L. 9-) 

Am 30. März 1911 erbeutete ich in Neuwaldegg während eines 
mit Herrn Robert Spitz unternommenen Nachtfanges ein I. sta- 
hilis 9 in Copula mit einem T. gothica d". Die Copula war innig, 
als ich gegen Uhr nachts nachhause kam, waren die beiden 
Falter noch vereint. Das Weibchen legte während der nächsten 
zwei Tage auf Rindenstiicke über 150 Eier, aus welchen am 12. 
und 13. April die Räupchen schlüpften. Dieselben nahmen von ver- 
schiedenen vorgelegten Pflanzen nur Ahorn^ womit sie bis zur Ver- 
puppang gefüttert wurden. Einige Raui)en übernahmen die Herren 
Hofrat Schima und Robert Spitz in Zucht, letzterer hat auch die 
Präparation einiger Raupen in meisterhafter Weise vorgenommen. 

Von den erhaltenen Puppen, über 100 Stück, schlüpften in 
der Zeit vom 26. Februar bis 21. März 1912 86 Falter, c^V und 
9 9 in fast gleicher Anzahl, darunter einige verkrüppelt. 

Schon bei den Hybriden-Raupen war es mir nicht möglich, 
irgend einen Unterschied zwischen ihnen und T. (/o^/wca-Raupen 
herauszufinden, ebenso erging es mir bei den Faltern, welche von 
normalen r/o^//^ca-Stücken nicht zu unterscheiden sind, sie gleichen 
demnach vollkommen dem Muttertiere. 

Herr Professor Rebel teilte mir mit, daß sich in der Zeit- 
schrift für wiss. Ins.-Biol., Hd. VII, Heft 1 ex 1911, p. 27, eine 
Notiz von Gerwien befindet, worin derselbe bekannt gibt, daß er 
die gleiche Zucht erfolgreich durchgeführt habe; dieselbe ergab 
ebenfalls in den Kaupen und Faltern keinen Unterschied gegen 
fjolhlrn, so (lafi Gerwien annimmt, daß gothica 9 schon vorher 
von einem gothica r/ befruchtet gewesen sei. 

Dieser Annahme möchte ich nicht ohneweiters zustimmen. 
Ich müßte CH als ein inerkwürdiges Spiel des Zufalles auffassen, 
(laß auch mein gothica erst nac.h vorhergegangener normaler Be- 
fruchtung noch eine zweite ('()})ida mit einem slabitis eingegangen 
Hein Rollte. 

Und Helbst aw^v'^v.Uvu^ daß wirklich in Ix^iden l*';illen eine 
zwciinali;:c ('oj)ula Ktatt^-efiinden hal, so halte ich diese 'i'atsache 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



(19) 



für keine befriedigende Aufklärung- des so auffallenden Zuchtergeb- 
nisses, weil nicht einzusehen ist, weshalb durch die erste normale 
Copula der Einfluß einer nachherigen zweiten Copula bei einer 
Tiergruppe gänzlich aufgehoben werden sollte, bei welcher oft erst 
stundenlang nach erfolgter Copula jedes Ei einzeln erst während 
des Durchganges durch einen längeren Eileiter befruchtet wird. 

Ich möchte demnach die Vermutung aussprechen^ daß die 
stammesgeschichtlich viel ältere gotlnca keine Merkmale der viel 
jüngeren Form sfabilis aufkommen läßt, wenigstens nicht in dem 
Maße, daß wir solche mit unseren Sinnesorganen wahrzunehmen in 
der Lage wären. 

Es dürfte wohl auch von Interesse sein, den männlichen Ge- 
nitalapparat dieses Hybriden zu untersuchen, zu welchem Zwecke 
ich einige d cf dem Naturhistorischen Hofmuseum in Wien zur Ver- 
fügung stellen werde. 

Ich beabsichtige, die Angelegenheit noch weiter zu verfolgen, 
und werde versuchen, im Zuchtwege ein sicher jungfräuliches go- 
thica 9 mit einem stalnlis ö zur Copula zu bringen. 

Herrn Professor Rebel sowie den Herren Hofrat Schima und 
Robert Spitz danke ich verbindlichst für ihre Aufklärungen und 
die mir gewordene Unterstützung. 

Herr Professor Rebel bemerkt, daß es von großem Interesse 
gewesen wäre, eine Inzucht der Hybriden zu versuchen, wobei in 
zweiter Generation vielleicht eine Aufspaltung in die Merkmale der 
großelterlichen Tiere eingetreten wäre, 

VI. Herr Dr. Karl Schawerda legt eine für Niederösterreich 
neue Noctuide, nämlich 2Iiana literosa Hw. vor, welche von ihm 
am Köder in Drosendorf am 30. Juli 1. J. erbeutet wurde. 

VII. Derselbe weist eine Serie von Parnassius aiwllo (ein cT, 
neun 9) aus Drosendorf im Vergleiche zu solchen von Dürnstein 
und aus alpinem Gebiete Niederösterreichs vor. Die Drosendorfer 
und Dürnsteiner) Stücke kommen der mährischen Form albus Rbl. 
und Rghfr. sehr nahe. Andere Stücke aus der Wachau (Spitz, 
Galvagni) gleichen solchen alpiner Herkunft. 

b* 



(20) 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



VIII. Derselbe macht auf einen störenden Druckfehler im 
Sektionsberichte vom 5. Januar 1912 aufmerksam, wo es [in diesen 
„Verhandlungen", Jahrg. 1912, p. (115)] in der Unterschrift der 
Fig. 5 heißen muß: Parnassiiis apollo ab. sphenagon Schaw. (und 
nicht theiodes). 

IX. Herr Ingenieur Rudolf Kitsch elt (als Gast) weist zwei 
Pärchen von Larentia miätistrigaria Hw. var. olhiaria Mill. vor, 
von denen ein cT und zwei q bei Monfalcone am 27. Oktober 1912 
und ein bei Arco in Südtirol am 1. November erbeutet wurden. 
Die Art ist für die Monarchie neu. 

Herr Prof. Rebel spricht den Dank für die Überlassung eines 
Belegstückes von Monfalcone an das Hofmuseum aus. 

X. Herr Josef Kitsche macht unter Materialvorlage nach- 
stehende Mitteilungen: 

Der Kohrwald bei Spillern, ein von Schmetterlingssammlern 
gerne besuchtes Territorium der Wiener Gegend, bringt alljährlich 
einige interessante Objekte von Faltern. So fing ich daselbst am 
19. Mai 1912 eine ab. dissoliita Schultz von Fapllio machaon L., 
die mit einem der Länge nach geteilten schwarzen Strich am Quer- 
aste der Hinterflügel gekennzeichnet ist. 

In den Ferien sammelte ich im Hochschwabgebiete, unter- 
nahm aber auch einige Male Touren in das Gebiet des Reichen- 
steines bei Eisenerz von Prebichl aus. In diesem Gebiete, in welchem 
Parnasshts 2^lfochus var. shjrlacus Frühst, fliegt, hatte ich das Glück, 
ein Weibchen dieses Falters zu erbeuten, bei welchem ganz deut- 
lich zwei Innenrandflecke zu konstatieren sind; diese Form erlaube 
icli mir ab. plurimaculata zu benennen. 

Kill zweites Weibchen, an demselben Orte gefangen, ist die 
von Herrn Hoffmann aus Krieglach in Steiermark mit dem Namen 
ruhromarulata bezeichnete Form, die wie ab. hardtvic/cU Kanc 
von /V/r;/r/ssi?/.s pltorJms durch die drei roten Kostalflecke der 
Vorderflllg(;I charakterisiert ist. 

im Kohrwald erbeutete ich am 19. Mai 1912 ein Weibchen 
von l'if'rts hrassicar L., dadurch aiilliilli«;, daß die schwarze Aj)ikal- 
färbiinc zwiHchen dem driften Mcdiariadernast und (/ubitus 1 sich 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



(21) 



gegen den oberen Diskalfleck strahlenförmig erweitert und schwärz- 
lich bestäubt erscheint. 

In Mödling fing ich auf dem Frauenstein am 4. Mai die ab. 
cT napella Lambillon von Pieris napi L. Die Diagnose nach Berge- 
Rebel besagt, daß diese Form sehr klein, gelblich, ohne oder nur 
mit sehr kleinen Diskalflecken versehen ist. Das Tier mißt ca. 16 mm. 
Auch von der ab. subtalba Schima wurde ein Weibchen am 12. Mai 
ebenfalls in Mödling erbeutet. 

Am 11. August 1911 fing ich auf dem Wege von Scheibling- 
kirchen gegen Reitersberg in Niederösterreich eine interessante 
Form der Colias hyale L. 5 , bei welcher die Submarginalreihe rot- 
brauner Flecke auf der Vorder- und Hinterflügelunterseite voll- 
ständig fehlt. Herr Emil Hoffmann, welcher heuer im Sommer am 
13. Juli ein Männchen ähnlicher Aberrationsrichtung auf der Zwiesel- 
alpe bei Hallstatt fing, stellte mir in liebenswürdiger Weise dieses 
Tier zur Verfügung. Ich erlaube mir, diese Form ab. demarginata 
zu benennen. 

Auf der Bürgeralpe (Schönleiten) bei Aflenz in Obersteiermark 
wie auch auf dem Reichenstein bei Eisenerz beobachtete ich Falter 
von Vanessa urticae L., die mir auffielen, da zwischen den drei 
großen schwarzen Kostalflecken die Zwischenflecke statt gelb 
weiß erscheinen, wie sonst nur der Anteapikalfleck. 

Am 16. und 23. Juni 1912 fing ich im Rohrwald unter Meli- 
taea maturna L. ein Männchen und ein Weibchen, bei welchen die 
gelben Flecke nach der zusammenhängenden rotbraunen Flecken- 
binde strahlenförmig zusammengefllossen sind. 

Am 16. Mai 1912 fing ich von der Pararge hiera F. die ab. 
schultsi Schmidt mit einem deutlichen großen Augenfleck auch in 
Zelle 3 der Vorderflügel. 

Unter OrtJioUtha limitata Sc. bei Aflenz fielen mir solche auf, 
die sich als besonders dunkel charakterisierten, sie erscheinen auch 
kleiner, weniger spitzflügelig. Ich weise solche vom 12. und 16. Au- 
gust 1909 und 2. August 1912 vor und glaube diese Tiere ab. fu- 
mata benennen zu dürfen. 

XI. Herr Zentralinspektor Johann Prinz berichtet über einige 
interessante Lepidopterenfunde. 



(22) 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 




A. Aus der Umgebung von Hajmäsker in Ungarn. 

Im Veszpr6mer Komitat am Südliange des aus Kalk bestehen- 
den Gebirgszuges „Bakonyerwald" gelegen, ca. 10 km von der 

Nordspitze des Plattensees, Meereshöhe 
198 m. Die Ausläufer des Bakonyerwaldes 
bilden hügelige, teilweise mit Eichen be- 
wachsene, teilweise als Pußten dienende 
steppenartige Flächen, die, insoweit sie im 
Besitze des Ärars sind (Artillerie- Schieß- 
und Übungsplatz), in der Vegetation ge- 
y.^ ^ ) schont werden, wodurch sich bereits eine 

Fgen culminaria Ev. c^. namhafte Grasnarbe angesetzt hat. Ostlich 

schließen ausgedehnte, derzeit noch unvoll- 
kommen entwässerte Sumpfwiesen an, die teilweise als Weiden be- 
ntitzt werden. 

Von Fangergebnissen ist besonders zu erwähnen: 

1. Egea culminaria Ev. Am 7. Juni 1912 drei männliche 
Exemplare an Felswänden südlich der Station Hajmäsker aufge- 
scheucht. Bisher nur aus dem südöstlichen Rußland und den asia- 
tischen Steppen bekannt. 

2. Eplhlema candidulana Nolck. Am 15. August 1907 ein 
Stück im Dorfe 861y (südöstlich von Hajmdsk6r) am Lichte gefangen. 

3. riatyedra vilella Z. Mitte Juni 1912 mehrere Stücke im 
Orte llajni/isk(jr am Liclite gefangen. 

4. Borkhanscula poJcornyii Nick. Gefangen am 27. Mai 1912 
ein Stück in einem Waldschlag nördlich der Station. 

B. Aus der Umgebung des Bades Tüffer in Südsteiermark. 
Markt und Bad 'riilfer liegen in der südlichen Steiermark 

(nächste Station unterhalb Cilhj am Sanndusse. Meereshöhe 2;H m. 
Üie Umgebung l)ildet ein sehr gutes Fanggebiet, namentlich ist 
der nördlich der Ortschaft gelegene stcik', Kelskegel (Kalk) des 
Ilum ein rcichhaltigcH Terrain, das von mir fleißig begangen wurde. 
Im XXII. JalircHberichtc des Wiener entomologischen Vereines 
wurde ein VcrzeicliniH der dort gefundenen Lepidopteren aufge- 
führt, wolchcR nun i inc Ergänzung erfahren wird. Besonders be- 
mcrkeuHwert Hind: 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



(23) 



1. Metasia opJiialis Tr. Mitte August 1912 ziemlich zahlreich 
am Hum gefangen. 

2. Steganoptyclia hinotana Wocke. Am 16. August 1912 zwei 
Exemplare in einer Villa an der westlichen Lehne am Lichte 
gefangen. 

3. Deuterogonia pudorina Wocke. Ein Exemplar am 15. Au- 
gust 1911 am Lichte gefangen. Bisher nur aus Schlesien bekannt 
und wohl neu für Steiermark und auch für Osterreich überhaupt. 




F\g. 6. Heliconius cydno ab. Cordula Neust. J^. (Yi) 



4. Bepressaria yeatiana F. Ein Exemplar am Hum am 26. Au- 
gust 1912. Im allgemeinen ein seltenes Tier. 

5. LecitJiocera hriantiella Tur. Am 16. August 1912 zwei 
Stücke am Hum gefangen. In Osterreich bisher aus Südtirol und 
Ungarn bekannt; für Steiermark jedenfalls neu. 

Herr Professor Rebel spricht den wärmsten Dank für Über- 
lassung eines Belegstückes von Egea ctdminaria an das Hofmuseum 
aus. Dasselbe ist in vorstehender Figur abgebildet worden. 



XII. Herr Heinrich Neustetter legt die Beschreibung 
einer neuen Heliconius-F orm. vor. 



(24) 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



Heliconius cydno-cordula nov. subsp. 

Das k. k. Naturhistorisclie Hofmuseum in Wien erhielt von 
der Firma 0. Popp in Karlsbad eine neue Heliconius Form^ deren 
Beschreibung" mir Herr Professor Dr. H. Rebel in liebenswürdiger 
Weise überließ. 

Größe und Flügelform wie bei cydno Dbl. Die Vorderflügel 
auch in der Färbung wie cydno, die schwefelgelbe Querbinde etwas 
verkleinert, nicht so weit in den Innenwinkel ziehend. Der Haupt- 
unterschied liegt in den Hinterflügeln, diese sind nämlich vollstän- 
dig schwarz, ohne jede Spur einer weißen oder gelben Binde. Da- 
durch unterscheidet sich Cordula sofort von allen anderen Cydno- 
Formen. Unterseite der Vorderflügel wie bei cydno, die der Hinter- 
flügel aber ohne weiße Binde. Ein cf aus Merida (Venezuela). — 
Type im Naturhistorischen Hofmuseum. 



Versammlung am 3. Januar 1913. 
Vorsitzender: Herr Prof. H. Rebel. 

I. Der Vorsitzende legt nachstehende Druckwerke vor: 
Pagen stech er, Dr. A., Über Parnassius pJioehus F. (Jahrb. 

des Nass. Ver. für Naturkunde, 65. Jahrg.) 
Skala H., Lepidopterenfauna Mährens. H. Teil. (Verb, des 
Naturf. Ver. in Brünn, 51. Bd., 1Ü13.) 

II. Prof. Bebel berichtet ferner über eine Aufsammlung, 
welclie Herr Schi man ko im Juni und Juli 1911 in Südtirol und 
angrcDzcnden Gebieten Oberitaliens gemacht und dem Hofmuseum 
frcundlidist übergeben hat. Als die bemerkenswertesten Arten 
daraus werden vorgewiesen: 

1. Ptcris crgane H. G. gen. aest. rostagni Tur. 

Kin , aus den Vcnetianer Alpen von Cellina, am 27. Juli in 
ca. 500 m Seehölic erbeutet. 

2. Melanargia galatca var. tnrcica B. 

Aus den Vcnetianer Alpen liegen von Cellina (500 m) und 
'J ramonti (fjOOmj, am 27. und 21). Juli gesammelt, eine Anzahl 
weiblicher und auch ein männliches Stück vor, welche insgesamt 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



(25) 




Fig. 1. Melanargia galatea var.tiircica B. cT. 



eine extreme überhandnähme der schwarzen Färbung aufweisen 
und zweifellos der echten turcica B., deren kurze Originaldiagnose 
„fere tota nigra" gut zutrifft, angehören. Die VorderflUgel sind 
oberseits namentlich in der Mittelzelle vollständig schwarz, auch 
die weißen Flecke im 
Außenfeld sind stark 
eingeschränkt und bei 
dem abgebildeten ~ 
ganz durch Schwarz 
verdeckt. Die Hinter- 
flügel zeigen noch 
weiße Flecke in wech- 
selnder Ausdehnung. 
Auch die Unterseite 
aller Flügel ist vor- 
herrschend schwarz 
gefärbt. 

Von der Form 
turcica liegt nur eine 
Abbildung von Mil- 
liere (Ic, PL 13, Fig. 
1) vor, welcher ein : 
aus der Umgebung 
von Digne abbildet. 

Als nicht zu tur- 
cica gehörig muß die 
Abbildung bei Seitz 
(Pal. Gr.-Schm., Taf. 
38 a) bezeichnet werden, welche nach dem Hebten Zellenfleck der 
Vorderflügel nur ein dunkles ^ von procida darstellt. 

Ab. lugens Obth. (Et. XX, PI. 2, Fig. 16) stellt ein oberseits 
zeichnungsloses schwärzlichbraunes cT vor und scheint eine echte 
melanotische Aberration darzustellen, wogegen turcica mehr den 
Charakter einer nigrotischen Lokalform besitzt. 
3. Arctia maculosa var. simplonica B. 

Ein frisches 9 am Limojoch in 2150 m Seehöhe am 24. JuU 
erbeutet. Das Limojoch liegt bei Fannes, nordwestlich von Cortina. 




Melanargia galatea var. turcica B. ^. 



(26) 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



Es ist dies der erste sichere Fundort der Form simplonica inner- 
halb der Monarchie. 

III. Die Herren Viktor K. J. Richter und Fritz Hoffmann 
senden die Beschreibung der ersten Stände von Ägrotis multi- 
fida Led. ein: 

1. Das Ei von Ägrotis multifida Led. Von Viktor Richter. 

Herr Lehrer B. Astfäll er (Meran-Mais, Südtirol) hatte die 
Freundlichkeit, mir einige Eier von Ägrotis multifida Led. zur 
Untersuchung zu übermitteln. Sie vy^urden am 6. September 1912 
abgelegt, waren matt und schmutzig gelblichweiß. Am 13. September 
verfärbte sich das Eiinnere rötlichgrau und in ungefähr zwei Drittel 




Fig. Fig.'-4. Fig. 6. 

Fig. 3— G. Das Ei von Ägrotis midtißda Led. 



der Eihöhe war eine aus unregelmäßigen (bei starker Vergrößerung 
rotbraunen) Flecken zusammengesetzte rötliche Ringzonc und am 
Mikmpylenpol ein ebenso gefärbter Punkt ersichtlich. Bis zur voll- 
ständigen Entwickhing des Embryo veränderte sich die Farbe des 
Eiiiihaltes alhniililicli. Vor dem Entschlüpfen des Räupchens waren 
di(; Ei(;r dann bliiulichgrau, l)ci stärkerer Vergrößerung dunkel 
Hcliwarzbiaiin. Die Eisciiale ist durchscheinend, weißlich. Das 
erste Iliiiipchen Hchlll|)rte am 2;"). September 1912; die Dauer des 
pjstadiuniK wiilirt deshalb ca. drei Wochen. 

In der Form gleicht das Ei einem Kugelfragmcntc, das am 
BaHisraiidc; ziemlich stark abgerundet ist. Es hält 73 mm im 
DurcliincHKcr und ()•;")(; mm in der Höhe. Die Mikropylarzonc ist 
etwaH erhaben (Fig. (>. Vergrößerung 20:1). 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



(27) 



An der Seitenfläche zeigen sich meist 20 kräftige hohle Meri- 
dionah'ippen, die oben ziemlich hoch, basalwärts flach sind, gegen 
den oberen Pol in der Stärke abnehmend (etwas unregelmäßig) 
krummlinig verlaufen und den Scheitel mäßig überragen. Diese 
Rippen, von denen meist 10 bis zur Mikropylenrosette reichen, 
während die anderen regellos in ungefähr zwei Drittel der Eihöhe 
enden, sind dorsalwärts scharf (Fig. 5, Querschnitt)^ so daß man 
den Eindruck gewinnt, als wären die radiären Rippen mit feineren 
Rippen bedeckt. Die einzelnen Rippen werden in den Zwischen- 
räumen durch 20 bis 24 feinere Querrippen in (unregelmäßiger) 
konzentrischer Anordnung verbunden, und zwar dichter gegen die 
Basis zu (Fig. 3). Das Rippenwerk ist um die Mikropylarzone 
am besten ausgeprägt (Fig. 4). (Fig. 3 — 5 Vergrößerung 100:1.) 

Die meist 10- zipfelige Mikropylenrosette, mit einem Durch- 
messer von 0*08 mm, ist gut zu erkennen und nie gleichförmig. 
Die einzelnen Rosettenblätter sind außen schön gerundet (Fig. 4). 

Der Eigrund ist fein längs- und quergefurcht und matt, die 
Eischale gelbgrau. 

2. Raupe und Puppe von Ägrotis midtifida Led. Von 
Fritz Hoffmann. 

Die aus dem Ei geschlüpfte Raupe ist lichtbraun, Bauch und 
Füße weißlichbraun, Kopf und Nackenschild schwarzbraun. Am 
Körper befinden sich lichtbraune, gut sichtbare Warzen mit dunklem 
Mittelpunkt und einer darin sitzenden weißlichen, abgestutzt er- 
scheinenden Borste. Auf jedem Segment befinden sich acht Warzen, 
Brustfüße dunkelbraun, durchscheinend. 

Da die Raupe nach der ersten Häutung und später ein ähn- 
Hches Kleid trägt wie im erwachsenen Zustande, so ist nur eine 
Beschreibung im letzteren nötig. Knapp nach der Häutung ist die 
ganze Raupe wie auch bei den meisten anderen Arten bedeutend 
lichter als nach Verlauf einiger Zeit, in welcher der Ton nach- 
dunkelt. In normalem erwachsenen Zustande ist sie licht braungrau, 
ca. 35 mm lang, ihrem unterirdischen Aufenthalte entsprechend ge- 
färbt, sie ist eine echte Erdraupe. Über den Rücken läuft eine 
doppelte, hinter dem Segmente abgesetzte, dunklere, undeutliche 
lichtbraune RückenUnie, seitlich von dieser befindet sich je eine 
undeutliche, gerieselte, breite graue Nebenrückenlinie; die Stigmen 



(28) 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



sind schwarz, am 2. und 3. Segment jedoch lichtbraun. Der 
Bauch, Bauchfüße und Afterklappe sind unten weißbraun. Der 
Kopf herzförmig-, glänzend braun, Mundteile schwarzbraun. Das 
durch eine lichtbraune Mittellinie geteilte glänzende Nackenschild, 
welches bloß das 1. Segment breit bedeckt, ist von der Farbe des 
Kopfes und verläuft gegen denselben in eine Spitze. Die Hemi- 
sphären des letzteren sind dunkler als der übrige Teil des Körpers. 
Brustfüße von der Körperfarbe, an den Spitzen braun. Am ersten 
Segment befindet sich noch neben dem Stigma ein erhabener ovaler, 
glänzend brauner Fleck von der Größe des Stigmas. Unter den 
Stigmen ist die Haut etwas faltig. 

Die Gestalt der erwachsenen Raupe ist analog der verwandter 
^l(7>o/^s-Raupen walzenförmig, an den Enden fast nicht verjüngt, 
nackt erscheinend, nur bei starker Vergrößerung erkennt man die 
börstchenbesetzten feinen dunklen Punktwarzen. 

Die Puppe ist nach dem Abstreifen der Raupenhaut weißlich- 
gelb, bleibt sodann gelb und wird erst bei Entwicklung des 
Falters bräunlich und vor Schlüpfen desselben schwarzbraun. Sie 
hat das Aussehen gewöhnlicher Ägrotis-Fui^pen. Der an den Spitzen 
wie fein abgehackt erscheinende Kremaster trägt rückenseits zwei 
lange, feine, spitze und divergierende Haken; sie sind gelb, am 
Grunde braun. 

Die vom Falter verlassene Puppenhülle ist zart und halb 
durchsichtig, gelbbraun von Farbe. 

Die Puppe ruht in einer leicht zerbrechlichen, ziemlich ge- 
räumigen Erdhöhle. 

Aus einer Zucht von ca. 20 Eiern schlüpfte ein Falter am 
If). November P.)12. Alle anderen Raupen wuchsen aus, kamen 
aber aus der Erde auf die Oberfläche und schrumpften hier ein. 

Die Eier verdanke ich der Freundlichkeit des Herrn B. Ast- 
fiiiler, Lehrer in Meran, welcher den Falter in folgenden Lokali- 
täten ting: 

1. Schnalfital fTirol) in 1000 m Höhe, an sonnigen, steinigen 
und trockenen Abhängen am Licht anfangs September 11)12 (Glim- 
nHTKchicfcrj. Die Eiablage erfolgte erst nach mehreren 'i'agen auf 
(irahblättcr und Kräuter. 



Versammlung der Sektion Tür Lepidopterologie. 



(29) 



2. Martelltal (Ortlergebiet), 2300 m, oberhalb der Soy (Gold- 
raineralm), 5. August 1912, sowie oberhalb der Ortschaft Martell 
am Göflaner (Laaser) Schartel bei 2300 m am 4. August 1912. 

3. Der Falter soll einmal in Gossensaß zahlreich gefangen 
worden sein. Herr Prof. Hell weg er besitzt ein Exemplar aus 
Innsbruck (Stadt). Von Heran selbst nicht bekannt. 

IV. Herr Leo Schwingenschuß spricht unter Demonstration 
eines reichen, in der Schweiz selbst gesammelten Materiales über 

JErehia christi ßätz. und Erehia epiphron Yar. vale- 

siana M. D. 

Erebia christi Rätz. ist wohl in ausgezeichneter Weise im 
Berge-Rebel beschrieben und auch deren Unterschied gegenüber 
den ähnlichen Erebien in kurzen, sehr zutreflfenden Worten hervor- 
gehoben. 

Wenn ich mich nun gleichwohl veranlaßt fühle, gerade E. christi 
Rätz. und E. epiphron var. valesiana M. D. einer genaueren Be- 
trachtung zu unterziehen, so hat dies darin seinen Grund, daß 
einerseits die Unterschiede zwischen diesen beiden Formen im 
Berge-Rebel nicht erschöpfend behandelt sind und auch im Rah- 
men dieses Werkes nicht behandelt sein könnten, anderseits aber 
eben diese beiden Erebien sich am nächsten stehen und zudem zu 
gleicher Zeit auf den gleichen Fangplätzen zu finden sind. 

Bevor ich mit der Beschreibung beginne, sei jedoch noch er- 
wähnt, daß die im Berge-Rebel bei christi angegebene Diagnose: 
„von epiphron durch die ganz gerundeten Hinterflügel zu unter- 
scheiden", für ein geübtes Auge bei gut erhaltenen Exemplaren voll- 
kommen ausreichend ist und demnach meine Ausführungen nur 
einen weiteren Behelf zur sicheren Bestimmung insbesondere in 
solchen Fällen bieten sollen, wo es sich um defekte Stücke handelt 
und ein Vergleichsmateriale fehlt. 

Die Unterschiede zwischen E. christi und valesiana möchte 
ich nachstehend I. in ganz konstant und II. in nur regelmäßig 
auftretende trennen. 

1. Als konstante Unterschiede sind anzuführen: 
1. die Flügelform, indem 



Versammlung der Sektion für LepMopterologie. 



a) Christi die Vorderfliigel mit gerundetem Apex, die Hinter- 
flügel vollständig gerundet, 

b) ralesiana die Vorderflügel mit spitzigem Apex, die liinter- 
flügel auf Ader Mg stumpfwinkelig geeckt zeigt; 

2. die Hinterflügelunterseite, indem 

a) bei cJirisH der dunklere Basalteil sich gegen das leicht 
grau angeflogene Saumfeld stets deutlich abhebt, hingegen 

h) bei valesiana Basalteil und Saumfeld fast immer gleich 
gefärbt erscheinen, sich nie deutlich voneinander abheben, 
zudem stets dunkler als bei christi und leicht rötlich an- 
geflogen sind. 
Endlich ist 

3. die Hinterflügeloberseite des Weibchens dadurch verschieden, 

daß 

a) christi auf derselben stets 4 — 5 längliche, schwarze Augen- 
flecke hat, die der Form der schwarzen Flecke entspre- 
chend ovalförniig rot eingefaßt sind, während 

h) valesiana höchstens 3 — 4 schwarze, rot geringelte Punkte 
besitzt. 

Regelmäßig auftretende Unterscheidungsmerkmale. 

1. Vorderflügeloberseite: 

a) christi. Beim Männchen ist die fast immer vorhandene 
rostrote Binde nach außen und innen stets scharf und 
regelmäßig abgegrenzt, eine leichte Bogenlinie bildend; 
auch beim Weibchen hebt sich die entsprechend breitere, 
lichtere, rötlichgclbe Binde gegen den bisweilen dunkel 
rotbraun angeflogenen Basalteil immer gut, nach außen 
stets scharf ab (wie beim Männchen). 

In der Iiindc erscheinen die schwarzen Augenpunkte 
hauptsächhch in den Zellen 3—6; in Zelle 2 sind sie 
beim Männchen nie, beim Weibchen sehr selten und dann 
auch nur sehr klein vorhanden und es herrscht die Ten- 
denz, in den Zellen 3 (> Augen zu bilden. 
hj valrsiffua. Die sowohl beim Männchen als auch beim Weib- 
chen nach außen weniger deutlich, nach innen sehr un- 
rc;r('lriiii(ji;r bci^rcnzte und gegen (hm Basaltcnl gerne zer- 
fließende, rostrote Binde trägt die schwarzen Augenpunkte 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



(31) 



nur in den Zellen 2—5, nie in Zelle 6, und es herrscht 
die Tendenz, in den Zellen 2, 4, 5 Augen zu bilden. 

Es ist demnach jene der beiden Erebien, welche 
in Zelle 6 schwarze Punkte hat, immer christi, hingegen 
jene, die in Zelle 2 einen und in Zelle 3 keinen oder 
einen schwächeren Punkt als in Zelle 2 aufweist, immer 
valesiana. 

2. Vorderflügelunterseite. 

Die fiir die Augenpunkte bezüglich der Oberseite 
angeführten Unterscheidungsmerkmale gelten in noch aus- 
gesprochenerer Weise für die Unterseite. 

Weiters bleibt 

a) bei christi die Saumbinde stets deutlich begrenzt und ist 
rostrot, beim Weibchen sogar bis weißlichgelb aufgehellt, 
hingegen hebt sich 

h) bei valesiana die Saumbinde kaum von der übrigen Fär- 
bung der Unterseite ab. 

3. Hinterflügeloberseite. 

a) christi zeigt fast immer längliche schwarze Augenflecke, 
die entsprechend dem schwarzen Flecke ovalförraig rot 
eingefaßt sind, während 

h) valesiana die schwarzen Augenpunkte, wenn sie über- 
haupt vorhanden, rot geringelt hat. 

4. Hinterfltigelunterseite. 

a) christi hat gewöhnlich im Saumfelde schwarze, nie rot 

geringelte Punkte, hingegen 
h) valesiana gewöhnlich keine schwarzen Punkte; sind sie 
aber vorhanden, dann erscheinen sie fast immer rot geringelt. 
Weiters wäre noch zu erwähnen, daß christi durchschnittUch 
größer als valesiana ist und die Flugzeit für christi bereits zu Ende 
geht, wenn sie für valesiana beginnt. 

SchHeßlich möchte ich noch hervorheben, daß sich auch Karl 
Vorbrodt in seinem Werke: „Die Schmetterlinge der Schweiz" 
veranlaßt fand, gerade bei den beiden eben geschilderten Erebien 
die Unterschiede speziell hervorzuheben. 



(32) 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



V. Herr Dr. K. Schawerda spricht ausführlich über einige 
Lepidopterenarteu aus Bosnien und der Herzegowina. Seine Mit- 
teilungen werden am nächsten Sektionsabend ergänzt und als wei- 
terer Nachtrag zur Fauna der genannten Länder publiziert werden. 

VI. Herr Professor Rebel spricht über einige Aberrationen 
von Melitaea aurelia Nick. 

1. Melitaea aurelia ab. charlotta Rbl. (Verh. u. Mitteil, des 
Siebenb. Ver. für Naturwiss., LXH. Bd., 1912, p. 4). 

Herr K. Predota erbeutete bei Szurduk (Siebenbürgen) am 
30. Mai 1911 ein aberratives cT, welches vollständig der ab. nava- 
rina von 31. atJialia entspricht. Die Flügeloberseite ist nämlich 



bis auf eine Antemarginalreihe rotbrauner, auf den Vorderflügeln 
liin^'-liclier Flecke cinfilrbig schwarzbraun. Unterseits ist der Basal- 
Icil aller Flügel schwärzlich verdunkelt. 

2. Melitaea aurelia ab. corythalina Rbl. (Rov. Lap., 1913). 

Hin frisches cT von Budurasza, am 23. August 1912 von Herrn 
K. Predota erboutet, und ein geflogenes o ebendaher vom 10. Sep- 
tember gehören einer weiteren, bisher unbenannt gebliebenen Aber- 
ration an, welche große Analogien zu M. athalia ab. corythalia 
III) .'lufweiHt. 

Die Vorderfiligel sind vorherrschend rotgelb mit schwarzen 
.Makeln in der Mittelzelle, einen kleinen Fleck unter der ersten Makel 
und Hehwarzeni hinteren Qn(THtreif(;n. Auch die Adern sind gegen 
den Hchwarzcn Saum zu breit Hchwärzlich. Die IliutcrflUgel vor- 




S 



Fig. 7. Fig. 8. 

Fig. 7, 8. Melitaea aurelia ab. charlotta Rbl. cf. 
Ober- und Unterseite. 



"Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



(33) 



herrschend schwarzbraun mit rotgelbem Mittelpunkt und solcher, 
beim lichteren 9 breiteren Fleckenbinde vor dem Saum. Unterseits 
sind alle Flügel nur im rotgelben Basalfeld schwarz gezeichnet, die 
Vorderfliigel hierauf durchaus hell rotgelb mit verloschenem äußeren 
Querstreifen, die Hinterfliigel hellgelb, nur mit rötlichem (beim 9 
verloschenem) äußeren Querstreifen. 

Von der vorstehenden ab. cliarlotta Rbl. unterscheidet sich ab. 
corytJialina sehr auffallend durch die aufgehellten (nicht verdun- 
kelten) Vorderflügel und die starke Aufhellung aller Flügel im 




Außenteil der Unterseite. Nur die Oberseite der Hinterflügel ist 
bei beiden Aberrationen einander ähnlich. 

Ein auf der Oberseite der ab. corythalina ähnliches frisches 
Stück (cfj erbeutete Herr Baurat H. Kautz am 22. Juni 1910 am 
Frauenstein bei Mödling (Niederösterreich). Die Unterseite dieses 
Stückes ist jedoch namentlich auf den Vorderflügeln stark ver- 
dunkelt und stimmt ganz mit jener von ab. cliarlotta Rbl. überein. 
Das Stück stellt also eine Kombination beider Aberrationen dar 
(ab. charlotta-corythalina). 

Versammlung am 7. Februar 1913. 
Vorsitzender: Herr Prof. H. Rebel. 

I. Der Vorsitzende bringt eine Zuschrift der Direktion des 
n.-ö. Landesmuseum vom 29. Januar 1913 zur Verlesung, wonach 

Z. B. Ge5 G3. Bd. C 



(34) 



Versamnilung der Sektion für Lepidopterologie. 



der lepidopterologischen Sektion zur Förderung der lepidoptero- 
logischen Sammlungen des n.-ö. Landesmuseums für das laufende 
Jahr ein Betrag von 300 Kronen zur Verfügung gestellt wird und, 
sofern nicht besondere finanzielle Schwierigkeiten entstehen, ein 
gleicher Betrag auch für die folgenden Jahre zu diesem Zweck in 
Aussicht genommen ist. Aus dieser Angelegenheit erwächst der 
Sektion die Verpflichtung, einerseits für eine entsprechende Material- 
abgabe an das n.-ö. Landesmuseum zu sorgen, andererseits den zu- 
gewiesenen Betrag im Interesse der faunistischen Erforschung von 
Niederösterreich zu verwenden. 

In Gemäßheit des Sektionsbeschlusses vom 6. Oktober 1911 
hat das für diese Angelegenheiten gewählte, Arbeitskomitee, be- 
stehend aus den Herren Dr. E. Galvagni, Fr. P reiß eck er, Dr. 
H. Zerny und Dr. G. Schlesinger, unter dem Vorsitze Prof. 
Rebeis seine Tätigkeit bereits begonnen. 

Kücksichtlich der Geschäftsführung wird von dem Vorsitzen- 
den der Antrag gestellt, dem Komitee gegen Berichterstattung in 
den Sektionsversammlungen vollständig freie Hand zu belassen. 

Dieser Antrag wird einhellig angenommen. 

Der Vorsitzende richtet hierauf einen warmen Appell an die 
Sektionsmitglieder wegen Abgabe von Material für das n.-ö. Landes- 
museum, das ausnahmslos genaue Fundortsbezeichnung und Zeit- 
an*;al)en tragen soll. Als Abgabsstelle wird das Naturhistorische 
llofmuseum bestimmt, wohin die Materialsendungen an den Vor- 
sitzenden (Prof Bebel) mit der Bezeichnung „Für das n.-ö. Landes- 
museum" zu richten sind. 

Herr Dr. Schlesinger sj)richt eingehend über die wünschens- 
werte Beschaffenheit des Materials, welches nacii dreierlei Richtung 
in der n.-ö. Landessammlung V(M-vvendung finden soll: 

1. Zu einer wissenscliaftlichen Sammlung mit Serien, die auch 
BcIcf^stUcke für Fundorte enthalten wird. 

"2. Zu (Mner KcpräsentantcnsanimUing der gangbaren Arten für 
BcHtiinmungszwecivC des ]'ul)liknins. 

;J. Zu einer bioh)gi8chen Schausammlung, die sich auf einzelne 
bcKonderH wichtige Vertreter beschränken kann. 

V^;l, dioMO „VnrhHiidliiii^n-n", .liilir^j. TJU, p. (171). 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



(35) 



An die Ausführungen Dr. Schlesingers knüpft sich eine 
längere Diskussion, an der sich besonders Herr Ministerialrat Dr. 
Schima beteiligt. 

Bezüglich der Verwendung der zur Verfügung stehenden Geld- 
mittel wird in erster Linie die Ausführung von sogenannten In- 
formationsexkursionen in faunistisch weniger bekannte Teile von 
Niederösterreich geplant, wobei auch die Gewinnung von Sammel- 
kräften, namentlich in Lehrerkreisen, ins Auge gefaßt werden soll. 

Die Herren Dr. Galvagni und Fr. Preißecker haben sich 
bereit erklärt, ersterer als Exkursionsleiter, letzterer als Kassever- 
walter zu fungieren. 

Auch für die mühevolle Herstellung von sogenannten bio- 
logischen Präparaten ist eine Geldentschädigung in Aussicht ge- 
nommen. 

Schließlich ist auch die baldige Herausgabe eines Prodromus 
der Lepidopterenfauna von Niederösterreich geplant, in welchem 
alle bisher bekannt gewordenen Arten und Nebenformen samt ihrer 
nach Rubriken geordneten Verbreitung Aufnahme finden w^erden. 

n. Der Vorsitzende legt hierauf nachstehende Druckwerke vor: 

Culot, Noctuelles et Geometres d'Europe, Lief. 1 — 15 (ä Frc. 5). 

Schmidt A., Die Entwicklungsgeschichte von Oxytripia orhi- 
culosa Esp. (Ann. Mus. Nat. Hungar., 1912.) 

Perlini, Lepidotteri della Lombardia, Part. I, 1912. (Atti 
der Ateneo di Scieuze, Littere ed Arti Bergamo, XXII, 
1910—1911, mit Taf.) (Vorgelegt von Herrn Dr. Gal- 
vagni.) 

III. Herr L. Schwingenschuß demonstriert ein reiches Serien- 
material namentlich von JEudrosa-ArtQu aus den Alpen. 

IV. Herr Prof. Rebel berichtet nachträglich über Parnassius 
apollo transsißranicus Schweitzer. 

Im verflossenen Sommer war es mir möglich, in Siebenbürgen 
Parnassius apollo transsylvanicus an seinen Originalfundplätzen in 
Anzahl zu erbeuten. 

Dank der sehr freundlichen Unterstützung und Begleitung des 
Herrn Paul Tiltscber, des eigentlichen Entdeckers dieser Apollo- 

c* 



(36) 



Versammlung' der Sektion für Lepidopterologie. 



Rasse, lernte ich die Flugplätze derselben in Gyergyö-Szt.-Miklös 
sowie im Bade Borsz^k kennen. Die ausnehmend schlechte Witte- 




1,2. J'arnnssius npollo iranssi/lvanicns Scliweitz. 
1. ö' von liorH/i-k. 2. V von (jycrgyo-Szt.-Mikloa. 



run^' bccinträclitif;t(; alI(T(iiii^-H das SannnolrcHullat. Iinnierliin wurde 
eine gute Serie von »Slllckcn erbeutet, die eine Beurteilung der 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



(37) 



Form im Vergleich zu dem nahe verwandten Apollo carpathicus 
Rbl. Eghfr. gestattet. 

Im allgemeinen ist die Flügelform eine viel gestrecktere als 
bei dem auifallend breit- und rundflügeligen carpathicus. Die Grund- 
farbe der Flügel ist bei transsylvanicus ein reineres Weiß, die Augen- 
flecke der Hinterflügel sind stärker schwarz geringt; das g von 
transsylvanicus ist durchschnittlich viel stärker schwarz bestäubt als 
jenes von carpatliicus. Beiden Formen gemeinsam sind die sehr 
starken schwarzen Flecke der Mittelzelle der Vorderflügel, welche 
bei transsylvanicus aber durchschnittlich doch ein etwas geringeres 
Ausmaß zeigen. 

Im ganzen ist transsylvanicus eine recht konstante Form, die 
an ihren beiden Hauptflugplätzen, nämlich in Gyergyo-Szt.-Miklös 
und Borsz6k, keine Verschiedenheiten aufweist. In der ersten Be- 
schreibung bei Schweitzer (Ent. Z., XXV, 1912, p. 249) ist das 
Ausmaß zu groß angegeben. Bei normaler Spannung beträgt die 
Expansion der vorliegenden cT zwischen 64 — 73 mm, jene der 9 
zwischen 67 — 72 mm, beziehungsweise die Vorderflügellänge beim 
38 — 45, jene des $ 41 — 45 mm. Die Augenflecke der Hinterflügel 
sind (wie gewöhnlich) beim 9 beträchtlich größer als beim d^. 

Parnassius apollo transsylvanicus wird in der letzten Preisliste 
von Staudinger-Bang-Haas (Nr. 56) als Synonym von Candidus 
Verity angesehen. Letzterer Name wurde von Verity (Rhop Pal., 
p. 305, 308, PI. 54, Fig. 7) einer Serie von Stücken gegeben, die 
von Bavlangliget ( Barlau gliget) herstammte und sich im männlichen 
Geschlecht durch die sehr gestreckten, rein weißen Flügel und 
die überaus starken schwärzlichen Autemarginalflecke auszeichnet. 
Das 9 soll sehr ?)ri#m^eri-ähnlich sein. 

Da der Fundort doch ein etwas verschiedener ist und die 
überaus starken schwärzlichen Marginalflecke auf transsylvanicus 
nicht zutreffen, halte ich die Trennung beider, allerdings sehr nahe 
verwandter Lokalformen vorderhand für augezeigt. 

V. Herr Dr. K. Schawerda bringt seine Mitteilungen, betreffend 
einen siebenten Nachtrag zur Lepidopterenfauna von Bos- 
nien und der Herzegowina zum Abschluß. Die Publikation des- 
selben wird in den „Verhandlungen" der Gesellschaft erfolgen. 



(38) 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



Versammlung am 7. März 1913. 

Vorsitzender: Herr Zentralinspektor J. Prinz (in Vertretung- von Prof. 

Rebel). 

I. Herr Dr. H. Zeruy berichtet über die Tätigkeit des Arbeits- 
komitees (betreffend die Herausgabe einer Lepidopterenfauna von 
Niederösterreich) und legt das Konzept eines „Aufrufes" vor, 
welcher in diversen Provinzblättern und Schulzeitungen erscheinen 
und die Heranziehung namentlich von Lehrern zu Aufsammlungen 
bezwecken soll. 

Ferner legt derselbe den Beginn des Manuskriptes zum Pro- 
dromus der Fauna von Niederösterreich zur Ansicht vor. 

Schließlich fordert derselbe die Sektionsmitglieder auf, mit 
der Abgabe von Material für das n.-ö. Landesmuseum an das Hof- 
museum als Sammelstelle zu beginnen. 

IL Der Vorsitzende legt zur Ansicht folgende Drucksachen vor: 
Cha])man T. A., An unrecognised European Lycaena, iden- 

tified as Agriades thersites (Boisd. Ms.), Cantener (Tr. 

Ent. Soc. Lond., 1913). 
Meixner, Dr. Ad., Die Lepidopterenfauna Steiermarks von 

Michael Schieferer. (Mitt. Naturw. Ver. f. Steierm., Bd. 48, 

Jahrg. 1911.) 

JH. Herr Dr. H. Zerny l)erichtet über ein Unterschei- 
dungsmerkmal des Männchens von Erebia ligea L. und 
CKri/ftlc Ksp. 

Im Jahre 1911 ver()ffcntlichte P. Suschkin (Rev. Russe 
d Ent , XI, p. 2(17) eine Notiz, in der er das erstemal darauf auf- 
morkHaiii nuiclit, daß in dem Auftreten von Androkonienflecken 
.-mf der X'ordcrlliigeloberseite des Männchens von Krchia ligea L. 
«•in diirch^Teifendcr Unterschied dieser Art gegen K. curydlc Esp. 
liof^e, bei welch letzterer Androkonienfhicke vollständig fehlen. 

SuHchkin fand an Stücken von K. l'ujca Ij. aus Zentralrußland 
und von fi/futrusis aus Sibirien Androkonienllecke in den 

Zellen 1 />, 1 r, 2 und des Vorderßligels; sie bilden eine etwas 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



(39) 



schräg verlaufende Reihe, in Zelle 2 und 3 unmittelbar an die Zelle 
herantretend. Keine Androkonienflecke fand Suschkin sowohl 
bei E. euryale Esp. aus den Schweizer Alpen, euryaloides Tgstr. 
(? Fundort) und jewisseiewsis Trybom (aus Zentralsibirien) wie auch bei 
,^adyfe Hb." (ohne Angabe eines Fundortes), und ist auf Grund dieses 
Befundes geneigt^ diese letztere Form zu euryale Esp. zu ziehen. 

Das reiche Material des Wiener Hofmuseums von Erehia 
ligea L. stammt aus den Alpen, dem niederösterreichischen Wald- 
viertel, den Karpathen 
und den Gebirgen Bos- 
niens, der Herzegowina 
und Bulgariens, das von 
E. euryale Esp. aus den 
Alpen, Sudeten, Karpa- 
then und den Gebirgen 
Bosniens und Bulgariens. 
Nach Untersuchung des- 
selben bin ich zu folgen- 
dem Resultat gekommen : 

Die Androkonien- 
flecke sind bei den mei- Fig. l. Kechter Vorderfliigel von Erehia ligea L. 
sten Stücken von Erehia Vergr. 3 mal. 

ligea L. schon in trocke- 
nem Zustande bei seitlicher Ansicht als schwarzgraue, etwas er- 
habene Stellen sichtbar; vollkommen deutlich werden sie nach 
Aufhellung des Flügels mit Xylol. Die Androkonienflecke finden 
sich bei E. ligea nicht nur, wie Suschkin angibt, in den Zellen 
\h, Ic, 2 und 3 des Vorderflügels, sondern auch in den Zellen 4 
und 5 und bei den meisten Stücken auch im distalen Teile der 
Mittelzelle (zwei getrennte Flecke, siehe die Abbildung). 

Bei den einzigen zur Verfügung stehenden Stücken von 
livonica Teich (von der Insel Osel) und von ajanensis Meu. (aus 
Ostsibirien) sind die Androkonienflecke in derselben Lage und 
Ausbildung vorhanden wie bei ligea L. f. typ. 

Bei vier als ,^adyte Hb." bezeichneten Stücken aus Norwegen 
(Tromsö) und Lappland sind die Androkonienflecke ebenfalls vor- 
handen, jedoch kleiner und die einzelnen Schuppen viel weniger 




(40) 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



dicht gelagert, so daß die Flecke bei Aufhellung und Betrachtung 
in durchfallendem Lichte weniger deutlich hervortreten als bei 
ligea L. f. typ. 

Der Name adyte Hb., Fig. 759 und 760, wird gegenwärtig zum 
Teile für Stücke nordischer Herkunft gebraucht, zum Teile aber 
auch für Stücke aus den Alpen. ^) Nun besitzen aber alle nor- 
dischen „ac7j/^e"- Stücke, die ich sah, Androkonienflecke und 
sind deshalb zu ligea L. zu stellen, alle als ,^adyte Hb." bezeichneten 
Stücke aus Mitteleuropa dagegen zeigen keine Spur davon und 
gehören daher zu euryale Esp. Da zu Hübners Figuren 759 und 
760 kein Text existiert und beide Arten sehr stark variieren, 
dürfte es sich kaum je mit Sicherheit feststellen lassen, zu welchen 
von beiden Arten die betretfenden Abbildungen gehören, und wir 
sind nur auf Vermutungen angewiesen. Die Abbildungen, Ober- 
und Unterseite anscheinend eines männlichen Exemplares dar- 
stellend, zeigen eine Form von der normalen Größe von euryale, 
auf der Oberseite mit scharf begrenzten, zusammenhängenden Quer- 
binden und mit ganz runden Ozellen darin; auf der Unterseite 
sind die Binden ebenfalls zusammenhängend, auf den Vorderflügeln 
ist aber auch das Mittelfeld mit Ausnahme des Kostalrandes rot- 
braun und auf den Hinterflügeln fehlt die proximale weiße Be- 
grenzung der Binde vollkommen. Von den vier mir vorliegenden 
nordischen „a%^e"- Stücken haben nun drei eine ganz deutliche 
weiße Begrenzung der Saumbinde auf den Hinterflügeln, wenn sie 
aucli nicht so kräftig ist wie bei ligea f. typ.; bei einem Stücke 
ist sie sehr stark reduziert, aber immerhin noch kenntlich. Stücke 
mit vollkommen fehlender weißer Begrenzung der Saumbinde der 
Hinterflügel fand ich nur unter mitteleuropäischen, also zu euryale 
Ksp. gehörigen Stücken. 

Das Fehlen der weißen Bindenbegrenzung, des rotbraunen 
Diskus der Vorderflügelunterscite und die runden Ozellen würden 
wohl eher für eine Zugehörigkeit von adyte Hb. zu euryale Esp. 
Hpreclien und es wäre adyle Hb. dann auf rw//rii^-Stücke mit 
felilendcr weißer Bindenbegrenzung der llinterflügel anzuwenden, 

') Dan Zitat ,Spr., Stctt., K. Z. ISr.O, p. 'MW l)ei adyU IIb. im Kat. St^,nv 
Khl. (Nr. 302 h) gehört mx ligea L. f. typ. 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



(41) 



für die nordische kleine Form von ligea L. aber ein neuer Name 
einzuführen. 

Das Vorhandensein, bez. Fehlen von Androkonienflecken auf 
der Vorderflügeloberseite des Männchens von Erebia ligea L. bez. 
eurijale Esp. bildet jedenfalls ein sehr wertvolles und wohl das 
einzige durchgreifende Kriterium für die Unterscheidung beider 
Arten, das in allen Fällen, wo aberrante Zeichnung Zweifel auf- 
kommen läßt, ein sicheres Auseinanderhalten beider Arten, die oft 
auf denselben Flugplätzen durcheinander vorkommen, ermöglicht. 
Es ist die Auffindung dieses Merkmales durch Suschkin umsomehr 
zu begrüßen, als auch die Untersuchung des männlichen Kopulations- 
apparates durch Chapman (Trans. Ent. Soc. London, 1896, p. 214, 
PI. 5, Fig. 1, 2) keine wesentlichen Verschiedenheiten in diesem 
Organ bei den beiden Erebien nachweisen konnte. 

Androkonienflecke in genau derselben Form und Anordnung 
wie ligea L. f. typ besitzt auch E. aethiops Esp. 

Hiezu bemerkt Herr F. Preissecker, daß auch ihm beim 
Aufweichen einer größeren Partie Falter von Erehia ligea L. und 
euryale Esp. das Vorhandensein von Androkonienflecken bei E. ligea 
L. aufgefallen war und ihm ermöglichte, alle männlichen Stücke 
der beiden Arten, die auf demselben Flugplatze gesammelt waren, 
mit Sicherheit zu unterscheiden. 

IV. Herr Prof. Friedr. Anger (als Gast) macht Mitteilung über 
das Vorkommen nachstehender Arten: Argynnis aiMrape Hb. auf 
einem Moor bei Gröbming (oberes Ennstal, Nordsteiermark), wo ein g 
am 8. Juni 1912 erbeutet wurde (vid. Prof. Rebel). 

Oeneis aello Hb. auf dem Stoderzinken (ebenda). 

Ägrotis hyperhorea Zett. am Schladminger Törl (vid. Rebel). 

V. Herr Prof. H. Rebel sendet nachstehende Beschreibungen 
neuer Mikrolepidopteren ein: 

1. Cnepliasia icertheimsteini Rbl., Rov. Lap., 1913 (cf, 9). 

Eine durch die lanzettliche Form der Vorderflügel und die grob 
punktförmige Bestäubung derselben sehr ausgezeichnete Art. 

Die bis zur halben Vorderrandlänge reichenden Fühler sind 
beim d dicker und mit ziemlich langen Wimperpinseln besetzt. 



(42) 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



Ihre Färbung ist hellgrau, mit schwärzlich abgesetzten Glieder- 
endeu. Die Palpen relativ schlank, von 1^2 Augendurchmesser- 
läuge, das Mittelglied dunkelgrau beschuppt, nach vorne wenig er- 
weitert, aber stark abgeschrägt, das Endglied sehr kurz vorstehend. 
Kopf und Thorax sind grau, letzterer vorne viel dunkler bestäubt. 

Die Beine sind außen bräunlich, die Tarsen licht gefleckt, die 
Hinterschienen gelblichgrau behaart. Der Hinterleib überragt weit 
den Afterwinkel der Hinterflilgel und zeigt in beiden Geschlechtern 
ein stumpfes Ende. Er ist grau mit helleren Segmenträndern. 

Die Vorderflügel mit gebogenem Vorderrand, deutlich vortre- 
tender Spitze und sehr schrägem Saum, zeigen eine schmutzig weiß- 
graue Grundfarbe und einzelne über die ganze Fläche unregelmäßig 




Fig. 2, 3. Cnephasia wertheimsteini Rbl. , 9 • (^/i) 



zerstreute feine schwarze Punkte. Als Zeichnung tritt eine bräun- 
liche Verdunklung an der Basis und ein gegen den Innenrand er- 
weiterter, nach innen eckig begrenzter bräunlicher Schatten nach 
der Mitte auf. Zuweilen erscheinen die Vorderflügel beim fast 
zeichnungslos dunkler grau mit feinen weißen Längsstreifen in der 
Falte und darüber. Eine sehr feine dunkle Staublinie liegt an der 
J>asi8 der kurzen weißgrauen Fransen, die auch an ihrem Ende 
eine St.'iiiblinie zeigen. 

Die breiten Ilinterfiügel mit deutlich vorgezogener Spitze sind 
li(;llgrau, die hier breiten Fransen weißgrau mit einer dunkleren 
'I'(;ilijngslinie nahe ilirer Basis. IJnterseits sind die Vorderiliigel 
dunkelgrau zeichnungHloH, die Hinterllügel heller staubgrau. 

Da» V *>«8itzt eine noch viel schärfere Vorderflügelspitze als 
da» und ist heller grau gefärbt. 

Vorderniigcllänge 10— J 1 mm, Expansion 21 23 mm. 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



(43) 



Die Typen bilden vier cf und zwei 9, wovon drei cT in Er- 
Mihalyfalva am 14. und 15. September 1911 und ein g in Csehtelek 
am 7. August 1911 durch Fräulein Charlotte von Wertheim- 
stein, das restliche Pärchen aber bei Flamiinda (Kincstari Puszta) 
am 24. und 25. September 1912 durch Predota erbeutet wurde. 
(M. C.) 

2. Xystophora hrunickii nov. spec. (9.) 

Groß und sehr robust. Die schwärzlichbraunen Fühler deut- 
lich gezähnelt, bis ^/^ der Vorderrandlänge reichend, die sichel- 
förmigen Palpen gelblich, stark bräunlich verdunkelt, mit glatt be- 
schupptem Mittelglied und fast ebenso langem, nacktem Endglied. 
Kopf und Thorax rußigbraun, die Beine 
heller gelblich^ mit dunkel gefleckten Tar- 
sen. Der Hinterleib rußigbraun, am Rücken 
der drei ersten Segmente heller bräunlich. 

Die breiten, hell glänzenden Vorder- 
flügel zeigen eine gelbliche Grundfarbe, 
die aber fast überall durch eine rußig- 
braune Bestäubung verdrängt wird, so daß 
eigentlich nur gegen die Spitze zu und Xyst.hrunic-kiiWo\.<^. {^U) 
längs des Innenrandes die gelbliche P^är- 

bung in Form von hellen Vorderrandflecken, beziehungsweise als 
Randbegrenzung erkennbar bleibt. Am Querast liegt ein tiefschwarzer, 
derber Mittelpunkt. Die gelblichen Fransen sind stark schwärzlich 
verdunkelt. 

Die breiten Hinterflügel (fast 1) mit lang ausgezogener Spitze 
sind glänzend grau mit gelblicher Basis der Fransen. Letztere 
sind schwärzlich, am Innenrand von fast doppelter Flügelbreite. 

Unterseits sind die Vorderflügel mit Ausnahme der gelblich 
bleibenden Adern stark schwärzlich bestäubt, auch die Hinterflügel 
hier etwas dunkler. 

Vorderflügellänge 8 mm, Expansion 16 mm. 

Nur ein Stück von Herrn Baron Julian Brunicki in Podhorce 
bei Stryj in Galizien am 20. Juli 1911 an der Lampe erbeutet. 
Nach ihrem Entdecker, dem eifrigen Erforscher der Lepidopteren- 
fauna von Stryj, benannt. Die Art wird am besten bei Xijst. scor- 
cUscella Rbl. eingereiht. (M. C.) 




(44) 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



3. Psecadia rothschildi Rbl. (Rov. Lap., XIX, p. 179.) 

Eine sehr kleine, durch einfarbig erzgraue Vorderflügel sehr 
ausgezeichnete Art, die unaufgespannt einer Scythris aus der se- 
liniella-Grn^pe gleicht. 

Der gedrungene Körper, Fühler, Palpen und Beine sind ein- 
farbig erzgrau. Die Fühler reichen nur wenig über die Mitte des 

Vorderrandes der Vorderflügel; das Mittel- 
lHHlll glied der nur schwach aufgebogenen Pal- 
pen ist schlank, wenig durch Schuppen 
verdickt, das dünne spitze Endglied ^/^ des 
Mittelgliedes lang. Die Analklappen des 
kräftigen Hinterleibes zeigen auf ihrer 
Innenseite schwache Spuren einer orange- 
Fig. 5. Psecadia rotli- gelben Beschuppung. Die fast gleichbreiten 
schildi Rbl. ö"- (Vi) Vorderflügel sind zeichnungslos, dunkel 
erzgrau, mit schwachem Glänze. Die ein- 
farbigen Fransen etwas lichter. Die Hinterflügel reiner grau, mit 
dunkler Teilungslinie nahe der Basis der lichteren Fransen. Vor- 
derfliigellänge 7 3, Expansion 14 mm. 

Nur ein ganz frisches cf wurde von Herrn Castellitz in Glav- 
cina, Komitat Krasso-Szöreny, am 24. April erbeutet. (M. C.) 

Die Art steht keiner bekannten besonders nahe und kann 
nach Vs. aurifluella Hb. eingereiht werden. 

4. Coleophora riffelensis nov. spec. cT. 

Herr Prof. G. Stange fand einige Säcke an den Felsen am 
Riflelbcrg in ca. 2500 m Höhe angesponnen und zog daraus zwei 
männliche Falter, welche einer neuen Art aus der Fulvosquamella- 
(Irupi)C angehören. 

Von der zunächst stehenden fulvosquamella leicht durch die 
sehr bedeutende Größe, weiße, fast ungeringte Fühlergeißel, viel 
breitere weiße; Längsliiiicn der Vorderllügcl und durch grobe schwarze 
Scliuppcn auf densell)en verschieden. Auch ist der Busch des zweiten 
PalpenglicdcH sehr kurz, beziehungsweise das Palpencndglied viel 
länger als bei ftdvosfjuamella. 

Fühler ^/r„ oberscntH weiß, nur unten mit grau abgesetzten 
Giicdercndcn. Die i'alpcn sehr lang, fast so lang wie Kopf und 




Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



(45) 



Thorax, bräunlich, innen weißlich, das Palpenendglied mehr als 
^/o des Mittelgliedes lang, dessen Busch sehr kurz bleibt. Die 
Basalglieder der Fühler, der Scheitel und Thoraxriicken sind oliven- 
bräunlich, die Schulterdecken weißlich. Die Beine olivenbräunlich, 
die Hinterschienen auf der oberen und unteren Kante breit weiß 
gerandet mit weißen Sporen. Der Hinterleib dunkel mit hell oliven- 
bräunlichem Afterfliigelbusch. Die ziemlich breiten Vorderfliigel mit 
lang lanzettförmiger Spitze zeigen eine olivenbraune Grundfarbe 
und einen rein weißen bis zum Beginne der Fransen reichenden 
Vorderrandstreifen. Zwei damit zusammenhängende Schrägstriche 
sind ebenfalls weiß, desgleichen ein sehr breiter bis in die Fransen 
reichender Faltenstreif und ein viel schmälerer Innenrandstreifen. 
Zerstreut auf der Flügelfläche, besonders dicht aber am Falten- 
streifen, liegen grobe schwarze Schuppen. Die Fransen bräunlich, 
an der Basis des Saumes mit weißer Beschuppung. Hinterfliigel 
samt Fransen bräunlichgrau, desgleichen die dunkle Unterseite, 
auf welcher nur der Vorderraud der Vorderflügel streifenartig 
hell bleibt. 

Vorderflügellänge 8, Expansion 17 mm. 

Der Röhrensack mit schrägem Mund und dreiklappigem After- 
ende ist über 10 mm lang, weißlich, mit Längsreihen schwärzlicher 
Glimmerteilchen belegt. (Der ähnliche, aber viel kürzere Sack von 
fuhosquamella soll nach Wocke ein nur zweiklappiges Afterende 
haben). 

Je ein c als Type im Xaturhistorischen Hofmuseum und in 
der Sammlung Prof. Stanges. 

5. Lithocolletis hauderiella nov. spec. (cT, 9.) 

Der L. alpina Frey sehr nahe verwandt, Avie diese als Larve 
auch in Älnns viridis in unterseitiger Mine lebend, durch nach- 
stehende Merkmale aber, nach dem mir vorliegenden Material bei- 
der Arten, sicher zu trennen: hauderiella zeigt viel glattere, daher 
auch glänzender beschuppte Vorderflügel mit lebhaft goldbrauner 
(beim 5 viel lichterer; Grundfarbe, wogegen alpina eine rauhere, 
glanzlosere Beschuppung und eine in beiden Geschlechtern fast 
gleiche, düster graubraune Grundfarbe aufweist. Die beiden ersten 
weißen Häkchenpaare sind bei hauderiella basalwärts schwarz ge- 



(46) 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



Fandet, was bei alpina nur ausnahmsweise und viel feiner der 
Fall ist.i) 

Die Fühler sind bei beiden Arten sehr lang (ca. bis ^/g des 
Vorderrandes reichend) und gleichgefärbt, das heißt, die Geißel ist 
schwärzlich und erst ihr letztes Fünftel weiß mit dunklem Punkt 
an der äußersten Spitze. Die Stirne ist weißgrau, bei haiiderieTla-(^ 
geradezu weiß, die Kopfhaare hinten verdunkelt, beim Q gelb- 
lich. Die Vorderbeine sind dunkelgrau, die Mittel- und Hinterbeine 
viel heller, mit weißlichen Flecken auf den Tarsen. Der Hinterleib 
schwärzlichgrau, beim cT breit abgestutzt, beim 9 mit gelblicher 
Spitze, aus der meist die Legeröhre etwas hervortritt. 

Auf den Vorderflügeln reicht die weiße, gegen den Vorderrand 
namentlich beim cT viel deutlicher als bei alpina schwarz gesäumte 
Wurzelstrieme bis ^j.^ und endet stumpf. Das erste Vorderrand- 
häkchen ist das größte, reicht bis in die Flügelmitte herab und 
überragt mit seinem etwas nach außen gekrümmten, kaum spitzeren 
Ende das meist breite, rhombische erste Innenrandhäkchen. Beide 
sind namentlich auf ihrer Innenseite fein schwärzlich gesäumt, 
auch beim 9 viel schärfer als es je bei alpina der Fall ist. Das 
zweite Häkchen paar ist schmäler als bei alpina, wie das erste nach 
innen schwarz gerandet und zuweilen zu einer sehr steil stehenden 
sclinudon Querbinde vereint. Die beiden weiteren Vorderrand- 
liäkclicn und das breite, wischartige Häkchen im Innenwinkel sind 
kaum dunkel gesäumt. Der schwarze Spitzenfleck ist sehr scharf, 
auch die schwärzliche Saumlinie dahinter sehr deutlich. Vorder- 
flllgellänge 3 (9) bis 4*8 mm. 

Von Herrn Franz H ander, dem die Art zubenannt sei, auf 
Oranitl)()dcn bei Linz in ca. 550 m Seehöhe gezogen. Er fand die 
.Mino in AInns viridis-WWiWdYw, unterseitig zwischen Nel)cnri])})en, 
nicht selten mehrere in einem Blatte und holte noch kurz vor 
W'eiliiiachtcMi eine größere Anzahl Minen, aus denen sich Ende 
Januar aber nur wenige Falter und dafür desto mehr Parasiten 
(Ptcromalinenj entwickelten. Die hellbräunliche Mine bildet eine 
oder mehrere Htark hervortretende, kantige Längsfalten. 

') Die ^fCK^Titcili^cn A)l^^•lb('n l'^rcy inid II c i n c 111 m n 11 sind durcii 
wiclicn*, von Wock<' v<'rifiziort(^ a/ymia- lOxiMnpIurc, von d(!r S.uialix) widerlegt. 
(«leiclic Stllck« frhi<'lt ich auch vom Krzcr lioichcnsteiii (lljiudcr). 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



(47) 



Höchst wahrscheinlich gehören die von Frey (Mitt., 1870, 
p. 292) bei Zürich in der Ebene auf Älnus viridis gefundenen 
Minen ebenfalls zu liauderiella und nicht zu alpina. 

Mit L. alniella Z. haben beide Arten (alpina und liauderiella) 
keine sehr nahe Verwandtschaft. Erstere ist eine viel kleinere Art 
mit fast einfarbigen Fühlern, viel flacherem ersten Innenrand- 
fleckchen und vorherrschend weißlich gefärbtem 9. 



Referat. 

über Chrysanthemtim (Pyrethrum) einer ariifolium. (Die Insekten- 
blüte.) Von J. S laus -Kantschied er, k. k. Oberinspektor und Leiter der 
k. k. landwirtschaftlichen Lehr- und Versuchsanstalt in Spalato. (Zeitschr. 
f. d. landwirt. Versuchswesen in Österr. Wien, 1913. S. 1—8.) 

In Dalmatien wird diese Pflanze fast im ganzen Lande mehr oder 
minder häufig angebaut. Auch spontan kommt sie selbst in den Gebirgen 
Dalmatiens und Montenegros reichlich vor. 

Die Blüten dieser Komposite besitzen, bekannter Weise, die Eigen- 
schaft, im getrockneten und gepulverten Zustand auf Insekten betäubend, 
beziehungsweise tödlich zu wirken. Bis heute ist jedoch noch nicht mit 
Sicherheit festgestellt, ob diese Insektizide Wirkung einer Verstopfung der 
Tracheen der Insekten oder aber einem toxisch wirkenden Bestandteil des 
Bliitenpulvers zuzuschreiben ist. Letztere Annahme dürfte aber auf Grund 
der Versuche Fujitanis die wnhrscheinlichere sein, weil mit Äther oder Chloro- 
form behandeltes und wieder getrocknetes Insektenpulver sich beinahe un- 
wirksam erweist; auch ist es ja bekannt, daß altes, in nicht hermetisch 
schließenden Behältern aufbewahrtes Chrysanthemum-Fiilver eineEinbuße seiner 
Insektiziden Wirksamkeit erleidet. Nach älteren Forschern soll das Insektizide 
Prinzip des Chrysanthemum-Fnlvers ein bei gewöhnlicher Temperatur festes, 
braun gefärbtes, ätherisches Öl, die Pyrethrosinsäure sein. Außerdem wurden 
aus den Chi-ysanthetmim-BWiten ein Alkaloid, das Chrysanthemin und neben 
einem harzartigen Stoffe Gerbstoff, Zucker, auch ein phlorog-lucinartiger 
Körper, das Pyrethrosin, isoliert. Im Jahre 1909 stellte Fujitani durch Aus- 
ziehen der Chrysanihemum-Blüten mit Äther und weitere Reinigung einen Ester 
her, den er Pyrethron nannte. Beim Verseifen entsteht ein Spaltungsprodukt, 
das Pyrethrol C21 H34O. Das Pyrethron ist ein Nervenmuskelgift. Insekten 
und Fische sind gegen das Gift sehr empfindlich. 

Die Blüten werden sowohl in Dalmatien als auch in Triest zu Pulver 
verarbeitet. Die größten dalmatinischen Mühlen befinden sich in Sebenico. 
In Triest wird die Vermahlung der Chrysanthemum-BWiten in zirka 10 Mühlen 
durchgeführt und dies ist der Platz, wo auch die meisten Verfälschungen 
vorgenommen werden. 

Die in Dalmatien üblichste Verfälschung besteht darin, nicht nur 
die Blüten, sondern auch einen Teil der Blumenstiele zu vermählen. Die 



(48) 



Referat. 



gröberen Verfälschungen mit mineralischen Beimengungen werden anderswo 
durchgeführt. 

Der Nachweis von mineralischen Beimengungen ist sowohl chemisch 
als mikroskopisch leicht durchführbar. Wenn man das Pulver in einem Rea- 
gensglase mit Chloroform übergießt und durchschüttelt, fallen die mineralischen 
Bestandteile zu Boden, während das Chrysanthenium-Fulver in die Höhe steigt. 
Auch liefert die Aschenbestimmung oft gute Anhaltspunkte für die Er- 
kennung von Fälschungen mit mineralischen Zusätzen. Die Asche des dalma- 
tinischen Insektenpulvers übersteigt nie 7'67o5 ^i" höherer Gehalt deutet so- 
mit auf mineralische Zusätze; die Asche ist stets mangauhaltig. 

Unter dem Mikroskope fallen sofort die in reichlicher Menge vor- 
handenen Pollenkörner auf, sie sind rund und stachelig, besitzen drei Austritts- 
öffnungen für den Keimschlauch und sind gelbbraun gefärbt. In Insekten- 
pulvern, welche aus geschlossenen Blüten erzeugt wurden, ist selbstverständlich 
auch die Anzahl der Pollenkörner größer als in jenen, welche aus offenen 
Blüten gewonnen wurden, demnach liefert dieser Nachweis ein vorzügliches 
Mittel zur Erkennung der Qualität des zu untersuchenden Pulvers. 

Charakteristisch ist auch das Vorhandensein von zweiarmigen Haaren, 
welche große, dünnwandige, nach beiden Enden alhnählich zugespitzte 
Schläuche mit einem feinen Schlitz in der Mitte darstellen und von ziemlich 
regelmäßigen Zellen, die monokline (rhomboederähnliche oder prismatische) 
Kristalle von oxalsaurem Kalk einschließen. Diese mit Hilfe eines im Mikro- 
skope eingeschalteten Polarisationsapparates leicht zu findenden Elemente 
rühren vom Parenchym des Fruchtknotens her. 

Die vom Markgewebe herrührenden großen rundlichen und farblosen 
Zellen, die oft reichlich getüpfelt sind, können trotz ihrer Größe im Pulver 
unverändert und in größerer Quantität gefunden werden. 

Schließlich sind auch Sklerencliymzellen, die höchstens zehnmal so lang 
als breit und reich getüpfelt sind, vorhanden, sie rühren von den Hüllkelch- 
blättrhen der Körbchen her. Andere dickwandige Elemente sind in reinem 
Chrysanthemum-FnU'er nicht zu finden und das Vorhandensein von solchen 
deutet auf eine Verfälschung. 

Wenn auch die mikroskopische und chemische Untersuchung gewisse 
Anhaltspunkte für die Beurteilung zu liefern imstande ist, so bleibt doch 
als enfsrheidendes Merkmal für die Beurteilung der Güte eines Chri/sanUicmum- 
PuKmts nur das physiologische Experiment mit Fliegen. Eine gewöhnliche 
Eprouvette von zirka 25 cm' Inhalt wird mit ungefähr 1 g Insektenpulver 
beschickt, gut durchgeschüttelt und verschlossen. Fliegen, die nacii dem 
Durchschütteln in die Eprouvette gebracht werden, müssen, falls das Pulver 
von vorzüglicher Qualität ist, innerhalb einer halben Minute verenden, ist 
daH Insektenpulver als gut zu bezeichnen, so muß der Tod innerhalb fünf 
Minuten eintriiten, überdauert die Fliege diesen Zeitraum, so ist das Insekten- 
pulver »Ih minderwertig und alt zu bezciichnen. 

DicHc kurzgefaßte, aber gediegene Monographie der lnsekt(uipulver- 
Htninle <;nthält alles WisscMiswerte, insbesondere über die Anbau Verhältnisse 
(lieH<-8 wichtigen rrodiiktcs Dalniatiens und der benachbarten Länd(!r. 



L. Ad amo vic. 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



(49) 



Bericht der Sektion für Lepidopterologie. 

Versammlung am 4. April 1913. 

Vorsitzender: Herr Prof. H. Rebel. 

1. Der Vorsitzende macht im Namen des faunistischen Komi- 
tees Mitteilung* über die Fortschritte in der Bearbeitung des „Pro- 
dromus der Lepidopterenfauna von Niederösterreich", über den 
Versand des die Herausgabe der Fauna betreffenden Aufrufes an 
verschiedene Provinzblätter und Lehrerzeitungen sowie über einen 
Materialeinlauf für das n.-ö. Landesmuseum von Herrn Fritz Wagner. 

IL Derselbe und Herr Dr. Galvagni legen nachstehende 
Druckwerke vor: 

Drenowsky, AI. K., Zweiter Beitrag zur Lepidopterenfauna 

des höchsten Teiles des Zentralbalkans. (Zeitschr. f. 

wissensch. Insektenbiol., VHL) 
Rothschild, N. Ch. and Wertheimstein, Charl. de, The 

Butterflies of the Csehtelek District of Central Hungary. 

(EntomoL, 1913.) 
Sparre-Schneider, J., Til Dovres Lepidopterfauna. (Avtryk 

av Troms0 Mus. Aarsh. 34.) 
Turati^ Cont. E., Faunula valderensis. (Bull. Soc. Ent. Hai. 

XLII— XLIII.) 

Derselbe^ Un Record Entomologico (Sardegna). Atti Soc. Sc. 

Nat. Pavia, Vol. 41 (1913). 
Derselbe, Alcuni Lepidotteri inediti. (Firenze, 1911 — 12.) 

III. Der Vorsitzende bringt einen Brief des Ingenieurs Hans 
Haberfellner aus Arzberg (Bayern) zur Verlesung, worin derselbe 
um Determinierung von Lepidopterenausbeute aus dem Fichtel- 
gebirge ersucht. 

IV. Herr Fritz Preißecker- weist eine Form von Äcalla lite- 
rana L.^ welche sich durch starke schwarze Bindenzeichnung der 
Vorderflügel auf weißlichem Grunde auszeichnet, in zwei Stücken 

Z. B. Ges. 63. Bd. d 



(50) 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



(Gaisberg bei Stein, 8. September 1908 und Richardshof bei Möd- 
Hug-, 28. Aug-iist 1907) vor und bemerkt hiebei: 

Die Grundfarbe der Vorderflügel sowie Kopf und Thorax sind 
weißlich mit kaum merkbarem grünlichen Anfluge. Die bläulich- 
schwarze Yorderflügelzeichnung besteht aus einem Schrägbande im 
Wurzelfelde, welches bei Ys ^^s Vorderrandes ansetzt und schräg 
nach hinten in den bis zur Falte und etwa Ys der Flügellänge 
breit dunklen Innenrand ausläuft, einem sehr breiten, ein wenig 
vor der Vorderrandmitte beginnenden und bei des Innenrandes 
endigenden Mittelbande, welches mit einem großen Vorderrand- 
flecke (bei ^/^ des Vorderrandes) zusammenfließt, und endlich einem 
an dem Hinterende des letzteren hängenden rundlichen Fleckchen 
im Saumfelde. Tiefschwarz sind ein bis ^/g der Flügellänge reichen- 
der, breiter, gebrochener Wurzelstrahl in der Falte, ein das Mittel- 
band ober der Flügelmitte durchquerender Längsstrahl und mehrere 
kurze, aus aufgeworfenen Schuppen gebildete Querwellen. Die 
Saum- und Fransenbezeichnung gleicht jener von ab. squamana F. 
und ab. irrorana Hb. 

Hübner bildete in Fig. 93 unter der Benennung squamulana, 
w^elche er aber auch drei anderen, ganz verschiedenen Uterana- 
Formen beilegt (Fig. 92, 94 und 95), ein ganz gleich gezeichnetes, 
in der Grundfärbung jedoch mehr grünes Tier ab.^) 

Herr P reißecke r benennt die vorgewiesene Form, da die 
dunkle Bindenzeichnung als das Wesentlichste erscheint, nigro- 
fasciana, so daß mit dieser Bezeichnung auch gleichgezeichnete 
'J'ierc anderer Gruudfärbung belegt werden können. 

\'. Herr Baurat II. Kautz gibt eine vorläufige Mitteilung über 
(las Zuchtrcsultat von Acidfilia virgularia var. a^lstr(lU^i Vi. von 
Tortorosc, wobei sich auch mehrfach eine, bis auf das Saumfeld 
fast zeiclinungslose (unbenannte) Form ergeben hat, deren Publi- 
kation dcnmiichst erfolgen soll. 

Ministerialrat Dr. Schinia benicrkt, daß er dieselbe Form 
auch von Lacroma besitze. 

' I>« r .NaiiM' stfiKinndfiiKi IIb. ist «liircli did linuinrof ^'•cfUu'ktc Form, 
1 i^. 'JJ, in yViispriicli ^^cnouimcn, wurde jcdocli nln Synonym /.u fulvomixtana 
Stjih. (Htiiiul.-Keb.-Katalo^,', Nr. H58(0 (;in/,'('/.oijon. 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. (51) 

VI. Herr Robert Spitz macht Mitteilung über die Zucht von 
Larenüa tempestaria H.-S. und gibt die Beschreibung der Raupe 
und Puppe. 

Während meiner vorjährigen Sammelexkursion Mitte Juli im 
Triglavgebiete in Krain fand ich am Rande von Steinhalden am 
Triglav in 2400 m Höhe einige mir unbekannte kleine Räupchen 
von Gnoplws-2iü\^(im Aussehen, und zwar in der Nähe der Fang- 
stellen von Lar. tempestaria^ Gnoph. zelleraria und caeliharia, Basyd, 
tenehraria usw. Da ich daselost auch die mir schon bekannten 
Raupen der letztgenannten drei Arten in erwachsenem Zustande 
fand, vermutete ich in den unbekannten die jungen Raupen einer 
dieser Arten. 

Ich zog diese Räupchen separiert in Puchberg am Schneeberg 
— wo meine Familie Sommeraufenthalt hatte — bis anfangs Sep- 
tember weiter und obwohl ich sie nicht viel beobachten konnte, 
da ich hiezu nur an Sonntagen Zeit fand und die Tiere eine ver- 
steckte Lebensweise führten, ward es mir bei fortschreitendem 
Wachstum bald klar, daß ich es mit keiner GnopJios- oder Dasy- 
c^ia-Raupe zu tun hatte. Ich setzte den Raupen, so oft ich konnte, 
auch verschiedene Alpenflanzen des nahen Schneeberges vor und 
wie ich bemerkte, nahmen sie mit Vorliebe Alpenweide (Salix myr- 
sinites) Belliastrum miclielii, Bellis perennis, Blüten von Campa- 
mila und Gentiana und die noch nicht aufgeblühten Blütenknospen 
von Hieracinm. Später, nach der Übersiedlung nach Wien fütterte 
ich mit Bellis perennis, Hieracium, Leoniodon und Lactuca sativa 
weiter. Offenbar konnten die Raupen aber, wie so viele andere 
exklusive Höhenbewohner, die khmatische Veränderung nicht er- 
tragen, denn Mitte September bemerkte ich einige kränkliche Raupen 
(diese präparierte ich), einige waren schon unbeachtet eingegangen 
und aus einigen erhielt ich Puppen, welche am Boden des Behäl- 
ters in leichtem Gespinnste zwischen Moos eingesponnen waren. 
Im Freien dürfte die Verpuppung zwischen Steinen erfolgen. 

Die Puppen hielt ich weiter, auch den Winter über im unge- 
heizten Vorraum meiner Wohnung und gab einigemale Schnee in den 
Behälter. Zu meiner großen und freudigen Überraschung schlüpfte 
schon am 26. Februar als erstes Resultat der Zucht ein etwas ver- 
krüppelter Falter (cf) von Larentia tempestaria und am 31. März 

d* 



(52) 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



ein tadelloses 9 normaler Größe. Es ist scharf gezeichnet und der 
breite Raum im Mittelfeld der Vorderflügel zwischen den Querstrei- 
fen bräunlich beschuppt. 

Die Kaupe ist ziemlich kräftig. Der Körper nach vorne vom 
zweiten Ringe an schwach verjüngt, die letzten Ringe verstärkt, 
stark querfaltig, mit kleinen, fein beborsteten Wärzchen besetzt. 
Grundfarbe erdgrau oder steingrau, besonders auf den Querfalten 
durch dunkle Bestäubung verdüstert, wodurch der Körper geringt 
erscheint. 

Alle Zeichnungen des Körpers bräunlich- oder schwärzUchgrau. 
Am schärfsten tritt die auf den Einschnitten unterbrochene Rücken- 
zeichnung hervor. Sie bildet auf den ersten vier Segmenten einen 
doppelten Rückenstreifen, auf dem 5. — 8. je eine mit der Spitze 
nach vorne gerichtete gleichmäßige, auf den letzten Segmenten un- 
deutlichere Pfeilzeichnung. Seitenstreifen doppelt. Der obere ver- 
läuft bogenförmig, ist auf den mittleren Segmenten abgesetzt und 
die einzelnen Bogenenden durchschneiden einander. Besonders auf- 
fallend sind die mit braunen Warzen besetzten zapfenartigen Höcker 
an den Seiten des 1., 2. und 9. Segmentes. 

Kopf etwas kleiner als das erste Segment, bräunlich, matt, 
mit dunkelbraunen beborsteten Wärzchen besetzt. Stirne etwas ab- 
geplattet, glänzend gelbbraun. Augen und Mundteile schwarzbraun. 

Brustfiiße glänzend gelbbraun und ebenso wie die die Körper- 
farbe aufweisenden Bauchfüße und Nachschieber mit starken Borsten 
besetzt. 

Die zwei Raupen, nach welcher die Beschreibung aufgenommen 
wurde, sind liO mm lang. Sie sind dreiviertel erwachsen. 

Im lebenden Zustande ist die Gestalt gedrungener, ähnlich 
einer (hioji/ws caclibaria-]\'<iu\ic. Die Zeichnung ist in der Jugend 
nicht so deutlich und aucli im erwachsenen Zustande mehr oder 
weniger aufgelöst. 

Nacli meinen licobachtungen muß ich die Raupe für polyphag 
halten. 

l>i(^ l'iipjx; ist glänzend, lichtbraun, mit stark gewölbtem 
Klickenteil und eingezogenem Ko|)f. Krcmastcr mit einem Stachel. 

Herr Sch wingenschuß teilt mit, daß er und Herr Fr. 
Fleisch mann schon vor Jahren (li(; Zucht von Lar. tcmpedaria 



Versammlung- der Sektion für Lepidopterologie. 



(53) 



aus dem Ei versucht hätten, daß aber die mit Galiimi g-efütterten 
Raupen sämthch bei der zweiten Häutung- eingegangen seien. 

Prof. Rebel bemerkt im Nachtrage zu der von ihm (nach 
einem 9) gegebenen Beschreibung des Falters/) daß bei deutlich 
gezeichneten Stücken zuweilen eine undeutliche dunkle Saumhnie 
auftritt und auch die Fransen in ihrer dichter beschuppten Basal- 
hälfte in Verlängerung der Adernenden dunkel gefleckt erscheinen. 

VII. Herr Prof. Rebel demonstriert ferner zwei von Herrn 
Martin Holtz bei Rodaun von Acer campestre gezogene männliche 
Falter von Änisopteryx aesctilaria Hb., bei welchen auf den Vorder- 
flügeln jede Spur der beiden Querstreifen vollständig fehlt. Dagegen 
tritt der schwärzliche Teilungsstrich der Vorderflügel sehr deutlich 
hervor. Ein gleiches, nur viel kleineres Stück hat Herr 0. Hab ich 
bereits im Jahre 1883 in Wien gezogen. Alle drei erwähnten Stücke 
dieser Form, für welche der Name astrigaria vorgeschlagen wird, 
befinden sich im Hofmuseum. 

VIII. Herr Otto Bubacek demonstriert zwei Kasten mit selbst- 
gesammeltem schönen Material von Tenerife (Kanarische Inseln). 

IX. Herr L. Schwingenschuß weist eine Anzahl Arten vor, 
darunter Stücke von Lycaena donzelii B. vom Stilfserjoch mit leb- 
hafterem Blau, die für var. septentrionalis Krul. angesprochen werden. 
Ferner Lycaena pJieretes ab. lumdata Courv. vom Moserboden. 

X. Herr Prof. Rebel lenkt die Aufmerksamkeit darauf, wie 
ungenau der Lebenszyklus selbst unserer häufigsten Tagfalter noch 
bekannt sei. So hat der englische Forscher Frohawk durch Zucht 
nachgewiesen, daß von den im April abgelegten Eiern eines über- 
winterten 9 von Pohjgonia C-alhiim ein Teil (ca. 407o) der Nach- 
kommen sich zur hellgefärbten Form Imtchinsoni Robs., der größere 
Teil (ca. 60%) aber sogleich wieder zur dunklen Stammform ent- 
wickeln. Während die Stücke der Form Imtchinsoni sich gleich im 
Sommer paaren und noch im Spätsommer eine Faltergeneration er- 



^) II. Jahresber. d. Wiener Ent. Ver., p. 51. 



(54) 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



geben, deren Stücke ausnahmslos zur dunklen wieder überwintern- 
den Stammform gehören, schreiten die dunklen Geschwister der Form 
liuklnnsom noch im Hochsommer zur Überwinterung und paaren 
sich erst im Frühjahr. Es überwintern also ausnahmslos nur Stücke 
der Stammform, die aber verschiedenen Generationen angehören. 
Die Form hitchinsoni kann als ein nur partiell gewordener Hora- 
dichroismus aufgefaßt werden. 

Etwas anders liegen die Verhältnisse bei Polygonia egea Cr., 
indem bei dieser Art der Horadichroismus bereits vollständig ge- 
worden zu sein scheint. Die Form I-alhum Esp. (entsprechend 
der dunklen Stammform von C-alhum) ist die allein überwinternde 
Herbstgeneration und der lichten Sommerform (= egea Cr., ent- 
sprechend der lichten hutchinsoni) scheinen alle Individuen anzu- 
gehören [vgl. Rbl. in diesen „Verhandlungen", 1909, p. (242)]. 

Ähnliches wie bei Folygonia G-aTbiim berichtete kürzlich auch 
M. Gillmer (Int. Ent. Z., VI, p. 301) über die Fortpflanzung von 
Vanessa tirticae: „Die Falter schlüpfen im Juni und schon nach ein 
paar Tagen, also in der heißesten Jahreszeit, schreitet ein Teil 
dieser Brut zur Überwinterung. Der andere Teil derselben paart 
sich, legt Eier ab, aus denen im August eine neue Brut hervor- 
geht; ein Teil derselben verfällt wieder auf einmal in den Winter- 
schlaf, während der andere Teil die Art von neuem fortzupflanzen 
sucht. Der Herbst ist aber in den meisten Fällen zu strenge und 
tötet die Nachkommenschaft ab, bevor sie den Imagozustand er- 
reicht". Vielleicht ließe sich bei sehr genauer Untersuchung auch 
bei Vaurssa urticae ein Unterschied im Aussehen der beiden sich 
80 verschieden verhaltenden ludividuengruppen der Sommerform 
entdecken. 

XI. Herr Prof. Kebel si)richt schließlich über die rationelle 
Benennung aberranter Exemplare, welche die Merkmale mehrerer 
bereits benannter Aberrationen in sich vereinen. 

AnlüDlich (üner bricilichcn Anfrage hat diese schon öfters ven- 
tilierte nonicnklatorische Frage aktuelles Interesse erlangt. 

VorauHgcHcliickt muß werden, daß es sich bei Aberrationen 
cifTcntlicli um keine HysteinaiiKchcn Kategorien handelt, demnach 
auch die allgemeinen Nomcnklaturregeln hier keine Anwendung zu 



Versammlung' der Sektion für Lepidopterologie. 



(55) 



finden haben. Dennoch erheischt die oft schon beobachtete Tat- 
sache der Kombination, beziehungsweise Vereinigung der Merkmale 
benannter Aberrationen in einem Individuum eine einheitliche Re- 
gelung, die entweder darin gelegen erscheinen kann, daß man einen 
neuen Namen gibt oder aber die Erscheinung durch ein Kombina- 
tionsprodukt der bereits vorhandenen Namen auszudrücken sucht. 
Letzterer Weg, welcher die Nomenklatur nicht mit neuen Namen 
beschwert, ist weitaus vorzuziehen. 

Der naheliegende Gedanke, ein aberrantes Exemplar, welches 
die Merkmale der benannten Aberrationen a und b in sich vereint, 
als ab. a + b zu bezeichnen, ist logisch nicht ganz einwandfrei, 
da die Merkmale kein selbständiges Dasein führen, sondern immer 
nur an Individuen auftreten und ein als „a" bezeichnetes Indivi- 
duum nicht zugleich auch ein Individuum „b" sein kann. Auch 
schließt begrifflich die Aberration „a" die Aberration „b" aus. Eine 
Summierung durch ein +- Zeichen zwischen beiden Aberrations- 
namen erscheint daher minder empfehlenswert. 

Die einfachste Lösung wäre, die Aberrationsnamen nach dem 
Vorzeichen „ab." einfach hintereinander mit einem Bindestrich zu 
schreiben^ z.B. Parnassius apollo lihumicus 3ib. pseudonomion-gra- 
phica. Allenfalls beigesetzte Autorennamen hätten in Klammern zu 
stehen. 

Versammlung am 3. Mai 1913. 
Vorsitzender: Herr Prof. H. Bebel. 

I. Der Vorsitzende macht Mitteilung über das Einlaufen des 
Betrages von 300 Kronen vom Niederösterreichischen Landesmuseum 
und über dessen Verwendung; ferner über die baldige Vollendung 
der Bearbeitung des „Prodromus der Lepidopterenfauna von Nieder- 
österreich" und über Materialeinläufe für das Niederösterreichische 
Landesmuseum^ und zwar von nachstehenden Herren: Hauptmann 
H. Hirschke, Baurat H. Kautz, Prof. M. Kitt, H. Neustetter 
und Rob. Spitz. 

II. Der Vorsitzende legt nachstehende Druckwerke mit kurzen 
Referaten vor: 



(56^ 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



Hampson, Sir George F., Catalogue of tlie Lepidoptera Pha- 
laeuae (Noctuidae). Vol. XII. 

Krüger, G. C, Beiträge zur Entwicklungsgescbichte italieni- 
scher Lepidopteren. (Entom. Mitteil., II, Nr. 4.) 

PoultoD^ E. B., Polymorpliism in a Group of Mimetic Butter- 
flies of tlie Ethiopan Nymphaline Genus Psetidacraea. 
(Nature, Vol. 90, Nr. 2237, Sept. 1912.) 

Skala, Hugo^ Zur Zusammensetzung der Makrolepidopteren- 
fauna der österr.-ungar. Monarchie. (Lotos [Prag], Bd. 61, 
Nr. 3.) 

III. Herr Heinrich Neustetter berichtet über eine, Massen- 
wanderung von Ilypogymna mönö-Kaupen und über das frühe Er- 
scheinen einiger Lepidopteren, 

Während eines zweitägigen Sammelausfluges nach Klausen- 
Leopoldsdoi'f beobachtete ich am 1. April am Rückwege von dort 
eine Massenwanderung der IIy;pogymna monö-Raupen. Dieselben 
kamen von einer großen Wiese herab, die sich längs der Straße 
hinzog und bedeckten dieselbe auf einige hundert Meter Länge in 
tausenden Exemplaren, so daß man keinen Schritt machen konnte, 
ohne die Tiere zu zertreten. Die meisten Raupen waren noch 
klein, manche aber doch schon fast erwachsen, alle aber suchten 
die Straße zu übersetzen und hatten eine Richtung von West nach 
Ost genommen. Ebenso unvermittelt wie der Zug begonnen hatte, 
liürtc er auch wieder auf, obzwar die Wiese noch lange an der 
Straße weiter lief. Tags zuvor liatte ich auf demselben Weg noch 
keine einzige Kaupc gesehen.^) 

Weiters wäre von gleicher Lokalität zu erwäiincn das früh- 
zeitige Erschein(in von ricr. rapae, FucJil. cardamines, Lept. sinapis 
var. lafJnjri, I/ftfijh malvac und Aglia tau, welch letztere Art ziu- 
samiuen mit ilitdrumk rrrsirolora flog und an mehreren Stellen 
lieoimclitet wurde, so am llengstlberg, Schiipfelgitter und am Wege 
nafli St. Corona. 

\U 'i fiiMMn Nj.iitcrrM l'>(!,siicli Min H. Mni <I. .). f.-indcn nicli ;iiir der 
daihtcii WicM«' ikkIi mcIif /jildnMclu! und I'njijx'n (hciliinli^^ Hiel)(;n 

.St|)ck per C^u.idiutuictcrj (NciiMtcttcr). 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



(57) 



Herr Dr. Alfr. Kolisko bemerkt zu vorstehenden Mitteilungen, 
daß er im heurigen Jahre bereits am 21. März mehrere Eucliloe car- 
(Jamities-M'Aunchen in Schwallenbach in der Wachau beobachtet habe. 

Herr Ministerialrat Dr. Schima teilt mit, daß Herr Prof. Kitt 
in Mannersdorf noch am 20. April ein Pärchen von Endromis ver- 
sicolora gefunden habe. 

Herr Zentralinspektor Prinz erzählt von einem Raupenzug 
von Pieris hrassicae, welcher vor Jahren in Galizien einen Eisen- 
bahnzug zum Stillstehen gebracht hatte. 

IV. Herr Baurat Hans Kautz w^eist ein reichhaltiges Material 
von Äcidalla virgularia Hübn.-Formen vor, welche er im Sommer 
lÜlO und 1912 in Portorose erbeutet, beziehungsweise durch Zucht 
erhalten hat^ und bemerkt hiezu:^) 

Die im Süden fliegende Ä. virgularia-Form ist vor allem durch 
die rein weiße oder gelbUchweiße Grundfarbe von der Stammform 
verschieden. Sowohl hinsichtlich der Größe wie auch der Zeich- 
nung variiert sie sehr auffallend. Die weißen Falter sind bedeu- 
tend kleiner als wie normale Stücke der Stammform, es finden 
sich aber auch sehr große Exemplare; die durch Zucht erhaltenen 
Falter sind meistens größer als die gefangenen. 

Die Zeichnung ist entweder normal, meistens sehr fein, oft 
sind nur bei fehlenden Quer- und Mittelstreifen die Punkte auf den 
Rippen vorhanden, der Mittelpunkt ist stets sichtbar. 

Um sicherzustellen, welche Stücke als var. canteneraria B., 
beziehungsweise var. aiistralis Z. anzusehen sind, studierte ich gründ- 
lich die hierüber bestehende Literatur, wobei mir Herr Prof. Rebe 1 
hilfreich an die Hand ging, wofür ich ihm hiemit bestens danke. 

Bei diesem Studium gewann ich die Überzeugung, daß die 
beiden obgeuannten Varietäten nicht zu trennen sind. Denn Zeller 
beschreibt drei Formen seiner „australis^ ^ welche er mit a, h und c 
bezeichnet und — gekürzt wiedergegeben — wie folgt charak- 
terisiert: 

Form a Größe und Zeichnung normal, jedoch mit gelblich- 
weißer Grundfarbe. 



^) Vgl. auch die vorläufige Mitteilung im Sektionsbericht vom 4. April 
1. J., sub V. - 



(58) 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



Form h viel kleiner als Form a und schwächer gezeichnet. 
Form c Grundfarbe weiß. 

Der Beschreibung nach ist die var. canteneraria B. identisch 
mit der var. australis Z., Form h. 

In meiner Ausbeute aus Portorose finden sich alle drei australis- 
Formen, a, h und c, vertreten, welche durch zahlreiche Übergangs- 
stücke untereinander verbunden sind, und habe ich sie als var. 
aHsfralls Z. in einer Serie meiner Sammlung einverleibt. 

Besondere Beachtung verdient jedoch ein von mir erbeutetes 9, 
welches sich von allen anderen Stücken auffallend unterscheidet 
und namensberechtigt ist, dies umsomehr, als die Zucht einige mit 
diesem q vollkommen übereinstimmende Stücke^ und $9, ergab. 
Ich benenne diese neue Form nach meinem Sammelfreunde, Herrn 
Lehrer Franz Hauder in Linz, ab. Hauderi und beschreibe sie 
wie folgt: 

Grundfarbe weiß oder gelblichweiß, in der Größe sehr vari- 
ierend. Die ganze Flügelfläche mehr oder weniger dicht mit ein- 
gesprengten grauen Schuppen besetzt. Der Mittelpunkt ist vor- 
handen, alle übrige Zeichnung (Querstreifen, Mittelstreifen und die 
dunklen Punkte auf den Adern) fehlt vollständig. Die dunkel an- 
gelegte Wellenlinie hebt sich scharf von der ungezeichneten Flügel- 
fläche ab, die unterbrochene Saumlinie und die Fransenpunkte sind 
deutlich sichtbar. 

In der Staudinger-Preisliste ist auch eine var. minuscularia 
(der Autor ist mir unbekannt) ausgewiesen. Herr Leo Schwingen- 
schuß, dem ich für seine Bemühungen bestens danke, überbrachte 
mir aus seiner Sammlung ein Stück der var. minuscularia^ von 
J'liilippcvillc in Algerien stammend. Dasselbe ist sehr klein, rein 
weiß, mit sehr kleinem Mittelpunkt, die Quer- und Mittelstreifen 
fehlen, die dunklen Punkte auf den Adern sind bräunlich gefärbt, 
Saumlinie und Saumzeichnung sind normal. Einige von mir in 
Portorose erbeuteten Stücke stimmen mit der eben beschriebenen 
var. niihKsrularia vollkommen ülierein, so daß ich auch diese Forin 
nicht für naniensberechtigt halte. 

V. llrir Prof. I(( hcJ spricht über zwei paläarktische Noc- 
tuidcn: 



Versammlung- der Sektion für Lepidopterologie. 



(59) 




1. Agrotis (Euxoa) beatissima nov. spec. (c/^, g). — Agr. 
conspicua Rbl. u. Rghfr. (nec Hb.), Ann. Naturh. Hofm., IX, p. 54, 
Nr. 46; XXIV, p. 333, Nr. 43. 

Herr Otto Bubacek erbeutete bef seiner letzten Reise nach 
den Kanarischen Inseln anfangs Juli 1912 bei Aqua mansa auf 
Tenerife ein einzelnes, fri- 
sches cT einer Eiixoa-kxi^ 
welches er in sehr dankens- 
werter Weise dem Hofmu- 
seum widmete. Dieses cf 
gehört zweifellos als anderes 
Geschlecht zu dem bisher 
als sehr fragliche Agr. con- 
spicua angesehenen gefloge- 
nen weiblichen Stück, wel- l- ^d''''^'' heatissima Rbl. cf. 
ches sich seinerzeit in der 

Ausbeute Richters von Gran Canaria vorfand. Beide Stücke ge- 
hören, wie sich nunmehr nach Kenntnis des cf ergibt, ebenso zwei- 
fellos einer neuen Art an, 
deren Diagnose im nachste- 
henden gegeben wird: 

Die Stirne zeigt in sehr 
deutUcher Weise die für Ett- 
xoa angegebene Cbitinbil- 
dung. Die Fühler sind beim 
bis -/g ihrer Länge säge- 

zähnig und sind büschelför- 

, . , . j ^ Fig. 2. Aqrotis heatissima Rbl. 9- 

mig bewimpert, jene des ^ ^ 

sind borstenförmig und ziem- 

hch schütter bewimpert. Die aufsteigenden Palpen zeigen ein ziem- 
lich langes, an der Spitze mit einer kleinen Grube versehenes End- 
güed. Vorder-, Mittel- und Hinterschienen sind mit einzelnen roten 
Dornen besetzt. 

Der Thorax ist vorherrschend veilgrau gefärbt. 

Die sehr gestreckten Vorderflügel mit stumpfer Spitze und 
stark abgerundetem Innenwinkel zeigen eine veilbraune Grundfarbe, 
Die Ausfüllung der drei Makeln, eine Vorderrandstrieme und zwei 




(60) 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



makelförmige kurze Innenrandstriemen sind hell veilgrau. Aus der 
Wurzel kommt eine schwarze Strieme, welche sich in die undeut- 
liche Zapfenmakel fortsetzt. Auch die lang ausgezogene Rund- 
makel und die Nierenmakel sind tief schwarz begrenzt. Die sehr 
undeutliche lichte Wellenlinie bildet drei, nach innen dunkler be- 
schattete Bögen. Nur der innere Querstreif ist als Begrenzung 
der beiden erwähnten Striemen gegen den Innenränd deutlich. Der 
stark wellenrandige Saum zeigt eine feine schwarze Saumlinie. Die 
veilbraunen Fransen mit heller Basallinie. 

Die Hinterflügel braungrau, beim heller, mit dunklem Mittel, 
punkt, ihre Fransen bräunlich mit weißer Endhälfte. Der Hinter- 
leib gelbgrau, beim cT mit breitem gelblichen Afterbüschel, beim 9 
mit hervorstehender Legeröhre. 

Die Unterseite der Vorderfltigel braungrau, längs des Vorder- 
randes schmal, längs des Saumes breiter weißlichgrau. Jene der 
Hiuterflügel beim weißUch mit dunklem Mittelpunkt und solchem 
hinteren Bogenstreif, beim 9 braungrau mit breit weißgrau be- 
stäubtem Vorderrand. Vorderflügellänge 20 — 21, Expansion 42 bis 
44 mm. 

Die Art paßt am besten in die Triticigruppe und unterschei- 
det sich von der sehr variablen Ägr. canariensis Rbl. sofort durch 
die kürzer gezähnten männlichen Fühler, die veilbraune Grund- 
farbe der Vorderflügel und deren viel größere Makelzeichnung. 

2. Ifadena anilis B. (Kat. Nr. 1G72.) 

Von dieser lange Zeit verschollen gewesenen Art erhielt Herr 
Fr. Wagner kürzlich zwei männliche Stücke vom Originalfundort 
Digne und überließ eines derselben dem Hofmuseum. 

Die Art wurde zuerst von Boisduval nach einem von Donzel 
in Digne erbeuteten einzelnen, geflogenen 9 als FoUa diagnosti- 
ziert, welches l)uj)onchcl (IV, PI. 09, Fig. 1) sehr schlecht, 11er- 
rich-Schäffer aber in Fig. 385 sehr kenntlich abbildete. Vorher 
hatte Guen6e eine zutrcflende Beschreibung des Stückes gegeben 
und änderte erst später den Namen in alhcsccns um. Recht zu- 
treirende kritische Bemerkungen über 7/. anilis machte Wiskott 
bei Gelegenheit der Aufslellung von Luperina stand/ussi (Stett. 
Eni. 7j.^ 181)4, p. In der neueren Literatur ist die Art nur 

bei Spul er aln eine weillgraue y1(/w.s7r/-Forni kurz besj)roclien 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



(61) 



(Bd. I, p. 357) und in einem weiblichen Stück (Taf. 30, Fig. 4) 
sehr kenntlich abgebildet. 

Hampson (Cat. Phal.) und Warren (Pal. Großschmetterlinge) 
lassen dieselbe ganz unerwähnt, Culot (Noct. Eur.) blieb die Art 
in natura unbekannt. 

Mit dem vorliegenden Stück stimmen die Textangaben bei 
Guen^e und die Bilder bei Herrich-Schäffer und Spuler sehr 
gut tiberein. 

Infolge der unbewimperten Augen kann die Art nicht zur 
Gattung Polia im Sinne Leder er s gehören. 

Als einzig sicherer Fundort ist Digne anzusehen, da für ihr 
angebliches Vorkommen in Wallis 
(nach H.-S.) und bei Regensburg 
(nach Spul.) keine Bestätigung 
vorliegt. Der Fundort „Zürich" 
im Kataloge Stgr.-Rbl. bezieht sich 
auf Liiperina standfussi. 

Im nachfolgenden wird eine 
kurze Beschreibung des Stückes 
gegeben : 

Die Augen sind nackt, unbe- 
wimpert. Die Fühler kurz säge- ^' ^«^'^^ ^- ^^ 
zähnig und büschelförmig bewim- 
pert. Die grob beborsteten Palpen zeigen ein sehr kurzes, stumpfes 
Endglied. Der Rüssel ist stark. Der Thorax grob behaart, der 
Hinterleib auf den zwei ersten Segmenten mit Rückenschöpfen und 
basalen haarigen Seitenbüscheln. Die Schienen sind unbedornt. 
Das Geäder stimmt mit jenem der Gattung Eremobia Stph. (Hmps. 
Cat. VII, p. 408). 

Die Flügel sehr gestreckt, weißgrau, die Vorderflügel un- 
deutlich gezeichnet, mit fein schwärzlich umzogenen weißlichen 
Makeln, von denen namentlich die Niereumakel groß erscheint. 
Die Wurzel, ein gegen den Vorderrand sich stark verengender, sehr 
auffallender Mittelschatten und die äußere Begrenzung der gezack- 
ten Wellenlinie sind dunkel eisengrau. Der auf allen Flügeln ge- 
wellte Saum zeigt eine dunkle Saumlinie, die weißlichen Fransen 
sind schwärzlichgrau gemischt. Die Hinterflügel mit verloschenem 




(62) 



Versammlung der Sektion für Lepidopterologie. 



Mittelpunkt und rein weißer Querbinde vor dem Saum. Die Fransen 
weißlich. Unterseite aller Flügel weißgrau mit schwach bräunlich- 
grauem Vorderrand. 

Vorderflügellänge fast 20, Expansion 42 mm. 

Die Art steht keiner anderen besonders nahe, läßt sich aber 
in ihrer grauen Färbung am besten noch mit Hadena platinea oder 
H. seta var. curoi vergleichen. Von beiden sofort durch die stärker 
sägezähnigen Fühler des cT, gestrecktere Flügelform, zusammen- 
hängende dunkle Saumlinie und viel reiner weißen Hinterflügel 
zu unterscheiden. Hadena platinea ist auch kleiner und breit- 
flügeliger. 

Zu IL adiista Esp. kann anilis (wie dies Spul er annimmt) 
wohl kaum gezogen werden. Die ganz abweichende weißgraue 
Färbung, der bis an den Vorderrand reichende, fast senkrechte 
Mittelschatten der Vorderflügel und die viel größere weiße Nieren- 
makel sprechen dagegen. Immerhin dürfte eine sehr wünschens- 
werte Untersuchung des männlichen Genitalapparates eine bessere 
Einsicht gewähren. 



Referate. 

Hncmpel Oskar, Leitfaden der Biologie der Fische. Mit 55 Abbildun- 
gen iin Text, Stuttgart, Verlag von Ferdinand Enke, 1912. 

Das vorliegende, hübsch ausgestattete Büchlein bringt auf 169 Seiten 
(\v(»zu noch 7 Seiten Literaturverzeichnis in gedrängter Form und 4 Seiten 
Register kommen) das Wissenswerteste aus der Biologie der Fische nach dem 
gegenwärtigen Stande unserer Kenntnisse. Ks ist eine Sej)aratausgabe des 
vom Verfasser bearbeiteten Teiles „Fische" in der vom Privatdozenten 
Dr. M. Hilzheimer herausgegebenen, im gleichen Verlage erschienenen 
„Biologie der Tiere" und wird nicht nur der großen Zahl der Zierfischlieb- 
haber, sondern auch den Nutzfischziichtcrn sowie dem Berufszoologen als 
lOinfiihruiig in das (icbiet Hichcrlich sc^hr willkommen sein, umsomehr, als dem 
(•igcnflichcn biologifschen 'l'cil (iine allg(;meine Übersicht über den l^au und 
die l imktion der Organe de;» Fischkörixsrs voransgesehickt ist. Die reiche 
Literatur über die Biologie der Fische bis in die jüngste Zeit ist nach Mög- 
lichkeit bcrrücksichtigt, und zwar nicht bloß das, was in rein wissenschaft- 
lichen I'ublikationcn (Mithalten ist, sondc^rn mit liecht auch das Wichtigste aus 
der hcutzutngi! bcrcitH sehr ansehnlichen und nicht mehr zu übergehenden 
Ajjuarienlitcratur. Der cigcntlicli biologisclK; Teil gli(^(l(ut sich in zwei Ab- 
Achnittc: L Die Fisclio in ilirer Abhängigkeit von den cliemi.seli-pliysikalisclien 



Referate. 



(63) 



Bedingungen ihres Wohnraumes (Kapitel: Das Wasser als Lebenselement der 
Fische; Salzgehalt, Gasgehalt, Temperatur, Tiefe, Druck- und Lichtverhältnisse; 
Die Anpassungserscheinungen der Fische: Ufer- und pelagische, Tiefsee- und 
benthonische Fische; die Luft als temporäres Aufenthaltsmedium der Fische: 
Landwanderungen; Kletter- und Flugfische. IL Die Lebensäußerungen der 
Fische in Beziehung zu anderen Lebewesen. (A. Gleicher Art: Fortpflanzung; 
Scliwarmbildung und Wanderungen; Variation, Eassenbildung und Vererbung. 
B. Verschiedener Art: Nahrung; Schutzfärbung, Mimikry, Fang- und Abwehr- 
mittel; Synökie, Symbiose, Parasitismus; Parasiten, Krankheiten und Feinde; 
der Fisch als Zuchtobjekt des Menschen.) 

Man w^ird in dem Buch kaum irgend ein in Betracht kommendes Thema 
unerörtert finden und wenn auch naturgemäß die Behandlung des Stoffes mit 
Hinsicht auf den zur Verfügung stehenden Raum eine kurze sein mußte, so 
ist es doch mit Hilfe der Literaturangaben leicht möglich, sich genauer zu 
orientieren. Freilich sind dem Verfasser etliche L-rtlimer unterlaufen, die be- 
reits in einem Heferat von Steche (in: Die Naturwissenschaften, I. Jahrg., 
1913, Heft 7, p. 172) besprochen sind; diese können aber bei einer sicher zu 
erwartenden neuen Auflage leicht ausgemerzt werden; ebenso wären einige 
Druckfehler, wie ^Platosus"' anstatt Plotosus (p. 154), „Stichling" anstatt Bitter- 
ling (p. 117 unten) richtig zu stellen; auch ist Flatystoma (p. 159) keine See- 
anemone, sondern ein Wels, in dessen Kiemenhöhle die kleinen Welse 
Stegophilns und VandelUa leben, und ebenso bewohnen diese Welse nicht 
die Kiemenhöhle aalartiger Fische (OpMclithys, Äpterichthys), sondern diese 
Aale wieder die Kiemenhöhle von Lopliius. Trotzdem bildet aber das Buch 
eine nützliche Ergänzung zu denjenigen Werken, welche vorwiegend mit der 
Systematik der Fische sich befassen und von denen dasjenige von Plehn 
(Die Fische des Meeres und der Binnengewässer) gegenwärtig recht ver- 
breitet ist, F. Werner. 

Handblich, der Bieneukunde in Einzeldarstellungen. Von Prof. Dr. Enoch 
Zander, Leiter der kgl. Anstalt für Bienenzucht in Erlangen. Stuttgart, 
Verlagsbuchhandlung Eugen Dimer. Bisher erschienen: 1910, I. Die Faul- 
brut und ihre Bekämpfung. Mit 4 Tafeln und 8 Abbildungen. Preis 
90 Pf.; 1911, IL Die Krankheiten und Schädlinge der erwachsenen 
Bienen. Mit 8 Tafeln und 13 Abbildungen. Preis M. 1.30; 1911, IIL Der 
Bau der Biene. Mit 20 Tafeln und 149 Abbildungen. Preis geb. M. 5.—; 
1913, IV. und letzter Teil. Das Leben der Biene. Mit 120 Abbildungen. 
Preis geb. M. 4.—. 

Die Literatur über die Honigbiene ist bereits unübersehbar. Umsomehr 
sind, M'ie übrigens auch auf allen übrigen Gebieten des Wissens, zusammen- 
fassende Darstellungen wie die vorliegende zu begrüßen. Ursprünglich wahr- 
scheinlich nur oder doch mehr für den Praktiker berechnet, ist aus dem Werk- 
chen etwas geworden, das auch dem Theoretiker sehr angenehm sein dürfte, 



(64) 



Referate. 



und zwar ebeusowohl dem zünftigen Gelehrten wie den für naturwissenschaft- 
liche Ding-e sich interessierenden Laien, ein Mittel, sich schnell und trotzdem 
eingehend über irgendwelche Eigentümlichkeiten der an Eigentümlichkeiten 
ja so reichen Honigbiene zu belehren. Die Haupt Vorzüge des Werkes sind 
damit schon angedeutet: Eeichhaltigkeit und Konzisität. Man wird wohl nir- 
gends ein Wort zu viel finden. Fragen, über die wirklich Bände geschrieben 
worden sind, sind oft auf wenigen Zeilen so dargestellt, daß man wenigstens 
das Problem klar vor sich sieht, wenn es auch noch nicht gelungen sein sollte, 
zu einer endgültigen Lösung zu gelangen. An der Spitze eines jeden Kapitels 
stehende Literaturlisten zeigen dann jedesmal den Weg zur weiteren Vertie- 
fung in die Fragen. Der Inhalt der beiden ersten vorwiegend für den Prak- 
tiker berechneten Bändchen ergibt sich schon aus den Titeln. Das dritte 
Bändchen behandelt die äußere Gestalt und den inneren Bau der Honigbiene 
im allgemeinen, das Schutz- und Stützgerüst des Körpers, die Wachsdrüsen 
und die Wachsbildung, den Stachelapparat, die Beine, die Flügel und den 
Flug, die Anhänge des Kopfes (Fühler und Mundwerkzeuge), den Darrakanal, 
die Atmungsorgane und die Atmung, das Herz und den Kreislauf, die Ge- 
schlechtsorgane und die Fortpflanzung und das Nervensystem, immer im Ver- 
gleich mit den Verhältnissen bei nahestehenden Tierformen-, es leistet damit 
auch dem systematischen Entomologen und natürlich besonders dem Hymeno- 
pterologen bei der Orientierung auf dem ihm ferner liegenden, aber doch an- 
grenzenden Wissensgebiet der Morphologie und Anatomie gute Dienste. Ein 
Anhang belehrt kurz über die Anfertigung mikroskopischer Präparate. Das 
vierte Bändchen behandelt die Stellung der Biene im Tierreich, die biologische 
Eigenart der Honigbiene, ihren Bau, die Lebenseigentümlichkeiten und Auf- 
gaben der Einzelwesen (Königin, Drohne, Arbeitsbiene), das Bienenleben im 
Kreislauf des Jahres, das Orientierungsvermögen, die Nahrung und den Nah- 
riingserwerb und endlich die Biene im Dienste der Pflanzen. Der Autor be- 
tont im Vorwort, daß er bei der Niederschrift des Buches beständig das Ziel 
vor Augen gehabt habe, das Leben der Bienen aus der Umgebung heraus 
zu verstehen, um die Bienenkunde von all den unhaltbaren Spekulationen zu 
bewahren, die wie ein Alp auf allem gesunden Fortschritt lasteten. Und in 
der Tat liat der Autor nirgends den festen Boden der Tatsachen verlassen. 
INychoIogi8chen Feinschmeckern rate ich, das besprochene l^uch und M. Mae- 
terlinck's „Das Leben der Bienen" kurze Zeit nacheinnnder zu lesen, sie 
werden noch niemals den Unterschied zwischen einem modernen Dichter und 
Naturforscher so schön und deutlich erkannt haben, wie nach dieser Lektüre. 



Dr. F. Maid), Wien. 



Versammlung- der Sektion für Botanik. 



(65) 



Bericht der Sektion für Botanik. 



Versammlung am 21. Juni 1912. 
Vorsitzender: Herr Kustos Dr. A. Zahlbruckner. 

Herr Prof. Dr. W. Figdor sprach über die Erscheinung* der 
Anisophyllie bei Vertretern der Gattung StrohilantJies. 

Sodann hielt Herr Dr. P. Fröschel einen Vortrag: „Die Elek- 
trizitätsproduktion der Organismen, Ausblick auf eine Elek- 
trophysiologie der Pflanzen." 



Sprechabend am 28. Juni 1912. 
Vorsitzender: Herr Kustos Dr. A. Zahlbruckner. 

Herr Dr. V. Vouk referierte über den gegenwärtigen Stand 
der Fragen über die Lichtsinnesorgane der Laubblätter. 

Dr. Heinrich Frh. v. Handel-Mazzetti legte folgende Pflau. 
zen von neuen Standorten in Tirol und Vorarlberg, eine 
davon als neu für die österreichisch-ungarische Monarchie vor: 
Pinns Engadinensis (Heer) Asch, et Grbn. Im Larsenntal in den 
Lechtaler Alpen auf Kalk, 1300 m (von meinem Bruder Her- 
mann gesammelt). Im Otztal zwischen Zwieselstein und Söl- 
den waldbildend, ± 1450 m. 
Triseütm disticliopliyllum (Vill.) Beauv. Schiefergerölle am West- 
hang des Plattenjoches zwischen Meran und dem Sarntal, 
2200—2400 m. 
Foa caesia Sm. Mit vorigem. 

Poa Badensis Hnke. in Übergangsformen zu Poa alpina L. Begraste 

Hänge der Bündnerschieferfelsen ober der Fliesser Alpe bei 

Finstermünz, 2000—2300 m. 
Jiincus triglumis L. An einer Quelle ober der Haller Alpe im 

Larsenntal gegen das Kahle Jöchl (Lechtaler Alpen), 2000 bis 

2100 m, Kalk (leg. Hermann). 

Z. B. Ges. 63. Bd. e 



(66) 



Versammlung der Sektion für Botanik. 



Antherlciim LiUago L. Waldlichtungen am Hange des Lago nionte 
gegen Fucine im Val di Sole, 1700 m. 

Tamus communis L. An Gebüschen bei Rungelin nächst Bludenz 
und noch an südlich exponierten Felshängen (630 m) bei 
Lorüns im äußersten Montavonertale (HermannJ. 

Iris Pseiidacorus L. Sumpfwiesen bei Nüziders nächst Bludenz (leg. 
meine Mutter Fredine). 

Fjpipogon aphyllits (Schm.) Sw. Triesen in Liechtenstein, am Wege 
auf die Lavena-Alpe, 550 m (Hermann). 

Orcliis pallens L. Sehr selten im Galgentobel bei Bludenz, Kalk, 
900 m (Hermann). 

Salix intermedia Host (grandifoliaX incana). In einer Bachrunse 
am Südhang des Amolo bei Tione in Giudicarien. 

3Ielandriiim silvestre (Schk.) Röhl. An den Bachläafen im Fimber- 
tal (Paznaun) gegen den Pellinkopf auf Bündnerschiefer in 
± 2500 m Höhe häufig in einer Form mit gedrängter In- 
floreszenz. 

Minuartia mpestris (Scop.) Schz. et Thell. Schutt und Felsen am 
Pellinkopf im Fimbertal, 2400—2850 m. 

Arenaria MarscJilinsii Koch. In feinem Glimmerschiefergrus am 
Siidhang des Kreuzjochs ober Eyrs und am Südostliang des 
Rauhen Jochs im Pfelderertal (Vinstgau), 2400 — 2600 m. 

Callianthemum coriandrifolium Kchb. Kalkschieferschutt am Pellin- 
kopf im Fimbertal, 2300—2800 m. 

Clcmatis alpina (L.) Mill. Brandnertal bei Bludenz: Maisass ober 
dem „Kegele" am Wege zum Burtschakopf und am Fuße des 
Mottenkopfes (leg. Schulleiter Schall er t in Brand nach Mit- 
teilung meines J5ruders). 

IhnVtrlrKtii aljwsfrc Gaud. Felsen bei Zagl un Pfelderertal (Passcier), 
1 i.')0 III. 

iiitiitrlrnm foetidntn L. Am Torrcnte Drignana bei Celedizzo im 

Val di Solo, 1400 m. 
hnilxL (^firi)ifliiara IIppc. Gipf(;l des Pellinkopfes im Fimbertal, 

28 17 m. 

Sn / i/'nr^fi rn)icif(,1i(i L. Ostlicli voll St. Anton im Montavon im 
(iipHbaclitälchcn am Wege nach Bartliolomäbcrg im Tannen- 



Versammlung der Sektion für Botanik. 



(67) 



walde, ca. 1100 m (Hermann). An Granitblöcken am Wege 
von Pelizzano ins Val Fazon, sehr Läufig (Val di Sole). 

Saxifraga adscendens L. Am Südosthang- des Rauhen Joches im 
Pfelderertal (Passeier), 2400— 2600 m. 

Trifolium Thalii Vill. Matten ober dem Fimberhäusl im Fimbertal 
(Paznaun), Kalkschiefer, 2200 m. 

Trifolium j^dlescens Schreb. Schieferschutt am Westhang des Platten- 
jochs bei Meran, 2200— 2400 m. 

Ästragalus pendidiflorm Lam. Mit vorigem. 

Oxijtropis Halleri Bg. Gesteinfluren gegenüber Innerhitt im Pfel- 
derertal, 2200—2400, herabgeschwemmt bis 1500 m. 

Oxytropis Lapponica (Wahlbg.) Gay. Gesteinfluren (Kalkschiefer) 
an der Schweizer Grenze am rechten Hange des Fimbertales 
zwischen Heidelbergerhütte und Fimberhäusl, 2200 m. 

BJiamnus pumila L. Marmorband am Südosthang des Rauhen Joches 
im Pfelderertal (Passeier), 2200— 2400 m. 

Dapline striata Tratt. Fimbertal gegen den Pellinkopf, 2200 m. 

Erica arhorea L. Porphyrhänge in Südostexposition ober dem Wirts- 
haus AI Paradiso zwischen Condino und Cimego in Giudi- 
carien, 500 — 600 m. Der Standort liegt gegen 10 km nörd- 
licher und etwas höher als der einzige bisher bekannte dieser 
Art in Tirol. 

Primida longiflora All. Marniorband am Südosthang des Rauhen 

Joches im Pfelderertal, 2200—2400 m. 
Ligustrum vulgare L., floribus flavis! Im trockenen Föhrenwald 

(Südexposition) zwischen Hinterplärsch und Latz bei Binden z, 

600 m (Fredine). 

Gentiana hracliypJiylla Vill. Pellinkopf im Fimbertal; Kreuzjoch bei 

Matsch im Vinstgau, 2300—2800 m. 
CerintJie glahra Mill. Hochstaudenfluren bei Prais nächst Pfunds 

(Ober-Inntal) am Steige in das Stubental, 1750 m. 
Lycopus mollis Kern. Waldbächlein am Rande der Wiese „Luvens" 

zwischen Natters und Götzens bei Innsbruck. 
Veronica fruticidosa Jacq. Kalkfelsen auf dem Rücken des Montikl 

bei Bludenz, 500 m (Fredine). 
Euplirasia hrevipila Burn. et Grmli. Häufig an der Tonalestraße 

unterhalb Strino, 1200— 1600 m. 



(68) 



Versammlung der Sektion für Botanik. 



Bipsacus püosus L. An der III bei der Tscliallengabrücke unter 

Bludenz (Fredine); Langen am Arlbcrg (Hermann). 
GampanHla Cenisia L. Kalkliältiger Schutt auf dem Pellinkopf im 

Fimbertal, 2400—2850 m. 
Campannla racemosa (Kras.) Witasek. In lichten Wäldern bei Jung 

brunn nächst Dölsach im Drautal (leg. Dr. B. Watzl). 
Trimorplia (Erigeron) neglecta (Kern.) Vierh. Matten auf Kalkschie 

fer ober dem Fimberhäusl gegen den Pellinkopf, 2300 — 2400 m 
Trimorplia (Erigeron) SchleicJieri (Grmli.) Vierh. Schiefergerölle am 

Westhang des Plattenjoches bei Heran, 2100 m. 
Ärtemisia Genipi Web. Pellinkopf im ^imbertal, 2300 — 2800 m. 
Artemisia aljr'ma (DC.) Fritsch. An Schieferfelsen ober Stein im 

Pfelderertale (Passeier), 1500 m. 
Cirsnim decolorans Koch (acauleX oleraceum). Malbuntal in Liech 

tenstein, gegen die Stögalpe (Hermann). 
Centaurea plumosa (Lam.) Kern. — pseudophrygia C. A. Mey. (pl. in 

tercedens, teste Hayek). An der Baumgrenze im Pfelderer 

tale bei Heran gegenüber Innerhitt, 2000 m. 
Centaurea heleniifolia (Gr. et Gdr.) Fritsch. Hochstaudenfiuren auf 

Biinduerschiefer bei Prais nächst Pfunds (Ober-Inntal) am 

Steige in das Stubental, 1750 m. 
Taraxacum ceratopitorum (Ledeb.) DC. In feinem Detritus des Biind 

nerschicfers auf dem Gipfel des Pcllinkopfes an der Schweizer 

Grenze im Fimbertal, 2847 m (24./V1I. 1911). Neu für Öster 

reich. 

Tararacum afjullonare Hand.-Mzt. in Dalla Torre u. Sarnth., Fl 
V. Tirol, VI, 3, p. GS7 (PJl 1) (= 7'. Hoppeanum H.-H. olim, pro 
parte, nou (irisch.). An südlich exponierten Bündnerschiefer 
fclscu ober der FlioÜcr Alpe bei Finstermünz, 2100— 2300 m 
Auf einem Stcinriegcl ((iiinimcrschiefer) am Wegrand unter 
der Kunner Alpe gegenüber Hatsch im Vinstgau, 1820 m. 

Crepis hlfiUfirioides (L.) Vill. Begraste Felsliänge ober der Fließer 
Alpe neben vorigem. 

(Wrpis I/rrril Mor. iCrej}is juhaln Koclij. Gipfel des Pellinkopfe 
mit Idra i (u nm errat ojthorum. 



Versammlung' der Sektion für Botanik. 



(69) 



Versammlung am 18. Oktober 1912. 
Vorsitzender: Herr Kustos Dr. A. Zahlbruckner. 

Herr Friedrich Morton hielt einen durch zahh*eiche Licht- 
bikler illustrierten Vortrag über die „Vegetations Verhältnisse 
der Insel Arbe". 

Sprechabend am 25. Oktober 1912. 
Vorsitzender: Herr Kustos Dr. A. Zahlbruckner. 

Herr cand. phil. Hans Neumayer zeigte einige bemerkens- 
wertere Funde aus Einöd bei Neumarkt in Steiermark, insbesondere 
von den zum Teil felsigen Abhängen (PhyllitI) oberhalb der Straße 
zwischen dem Bahnhofe und der Neumarkter Klamm: 

Cardaminopsis arenosa (L.) Hay. b) intermedia (Neilr.) Hay. ; 
Barharaea vulgaris R. Br. (in einer kurzfrüchtigen Felsenform!); 
Hypericum montanum L., H. perforatum L. ssp. angustifolkim (DC.) 
Fröhlich; Sempervivum arenarium Koch (det. Wettstein); Vicia 
silvaticaL.; Änthyllls affmis Britt. > J.. alpestr'is (Kit.) Heg. (det. 
Becker); Cytisus capitatiis Scop. ; Stacliys recla L.; Campannla 
racemosa (Kras.) Witasek (det. Hayek); Artemisia alpina (DC.) 
Fritsch; Centaurea Scdbiosa L. > C. alpestris Hgtschw. (det. Hayek); 
Folygonatum midtlflorum (L.) All.; 3Ielica ciUata L. ; Festuca rubra 
L., F. sidcata (Hack.) Nym.; Bromus tedornm L. 

Ferner legte derselbe einen Zweig von PJiododendron liirsu- 
tum L. vor, das (zusammen mit einem zweiten Individuum mit 
etiolierten Blättern) im Graschuitztale bei Römerbad in Unter- 
steiermark unter überhängenden, niitteltriadischen Kalkfelsen in nur 
240 m Seehöhe gefunden wurde. Beide Exemplare hatten weder 
Blüten noch Reste von vorjährigen Früchten. Der Standort ist der- 
selbe, an welchem vor einigen Jahren Rud. Czegka sen. Helio- 
sperma Veselshji Janka, das unter diesen Felsen ungemein häufig 
ist, und später dessen Sohn Cerastium sonticum G. Beck gesammelt 
haben. 

Schließlich besprachen die Herren Dr. A. Ginzb erger, Dr. E. 
Jan eben und Dr. V. Vouk die neuere botanische Literatur. 



(70) 



Versammlung der Sektion für Botanik. 



Versammlung am 27. November 1912. 
Vorsitzender: Herr Kustos Dr. A. Zahlbruckner. 

Herr kais. Rat Dr. E. M. Kronfeld hielt einen Vortrag: „Zur 
Deutung" der Rose in der alten Baukunst." 

Sodann sprach Herr cand. phil. H. Neumayer über die Sy- 
stematik der Sileneen. 

Sprechabend am 29. November 1912. 
Vorsitzender: Herr Kustos Dr. A. Zahlbruckner. 

Herr A. Teyber sprach unter Vorlage der betreffenden 
Herbarexemplare über seine neueren floristischen Funde in Nieder- 
österreich und Dalmatien. 

Herr Privatdozent Dr. A. v. Hayek legte das schon öfter, aber 
bisher stets irrtümlich für die Flora von Tirol angeführte Verhascum 
crassifollum Lam. (F. montanum Schrad.) vor, das er im vergan- 
genen Sommer in größerer Anzahl bei Sölden im Ötztale, beson- 
ders an dem Abhang hinter dem Gasthause zum Alpenverein^ ge- 
sammelt hatte. Daselbst fand sich auch der Bastard V. crassi- 
folinm X Lychnites. 

Schließlich legten die Herren Dr. A. Ginzberger, Dr. E. Jan- 
chen und Dr. V. Vouk die neuere botanische Literatur vor. 



Versammlung am 20. Dezember 1912. 
Vorsitzender: Herr Kustos Dr. A. Zahlbruckner. 

Herr Dr. W. Himmelbaur sprach über „Die Fusarium- 
I'.laltrollkrankheit der Kartoffeln." 

Einleitend zeigt der lledner ein Autochrombild einer sogenann- 
ten „bhiltiollkrankcn" KartoHelstaude. Derartige Erscheinungen im 
Ackerbau nillsHen unbedingt Aufmerksanik(^it erregen und es haben 
Hieb aneli dazu berufene Faktoren, \vi<! das kais. biologiselie (U^sund- 



Versammlung- der Sektion für Botanik. 



(71) 



beitsamtin Dahlem bei Berlin und ein unter der Aegide des k. k. 
Ackerbauministeriums in Wien gebildetes Komitee mit dieser Krank- 
heit befaßt. Im Auftrage dieses Komitees wurden nachstehende 
Untersuchungen ausgeführt. 

Redner fand in allen Teilen der Pflanzen — aber nur in de- 
ren Gefäßen — (Wurzel, Stengel, Blatt; Stolo, Knolle) ein Pilz- 
myzel verbreitet (Demonstration von Zeichnungen). Das Pilzmyzel 
gehört, wie schon seit langem bekannt, der Gattung Fusarium Link 
(Fungus imperfectus) an. Redner macht darauf aufmerksam, daß 
dieses Myzel wegen polymorpher Erscheinungen sicher Heterogenes 
umfaßt. 

Die Pflanze wird durch Wunden des unteren Stengels infiziert. 
In dieser Gegend werden nämlich, hauptsächlich in der Nähe von 
Rissen, sehr häufig ganze Myzelnester gefunden. (Demonstration 
von Zeichnungen.) — Außerdem kann die Mutterpflanze die Toch- 
terknolle und die Tochterknolle die Enkelpflanze direkt durch Hinein- 
wachsenlassen von Myzel infizieren. 

Zwischen Pflanze und Pilz setzt ein Kampf ein. Es kommt 
vor, daß der Pilz nicht weiterwachsen kann, es tritt aber meist 
der Fall ein, daß durch ein Stadium des Rollens, des sich Bräunens 
der Gefäße (Pektinverschleimung der Holzwände durch Enzyme 
des Myzels) eine derartige Herabsetzung der normalen Funktionen 
eintritt (verminderte Nährstofflieferung und Verarbeitung, infolge- 
dessen Chlorose, Nanismus, geringe Ausbildung des wenig in An- 
spruch genommenen Siebteiles etc.), daß die Pflanzen in einer oder 
in mehreren Generationen zugrunde gehen. 

Redner hat einen typischen Fall geschildert. Da aber in der 
Literatur so viele Widersprüche bezüglich eines eventuellen Primär- 
befalles durch Pilze und einer dann folgenden sekundären Schwä- 
chung und umgekehrt herrschen, da ferner zahllose Beobachtungen 
bezüglich der günstigsten Aufbewahrungsart, der Kultur, der kli- 
matischen Verhältnisse etc. einseitig verallgemeinert wurden, glaubt 
Redner in mehreren Schematis zeigen zu müssen^ wie manchmal 
recht breit getretene Fälle auf — auch hier, wie überall, beobach- 
tete — Zustände einer fortgesetzten Krankheit (durch Infektion) 
oder einer bloßen Schwächung oder einer möglichen Gesundung 
der Nachkommen eines und desselben Individuums sich zurück- 



(72) 



Versamiiilung der Sektion für Botanik. 



führen lassen. Hier wie überall sind ferner die gleichen Möglich- 
keiten einer andauernden Schwächung oder einer endlichen Gesun- 
dung vorhanden und es ist also nicht nötig, schwankende Theorien 
für Eiuzelbeobachtungen aufzustellen. 

Der ganze Krankheits verlauf reiht sich unzähligen anderen, 
gleich verlaufenden Krankheitserscheinungen der Organismen ein. 

Die aus obigem eigentlich selbstverständliche mögliche Viel- 
fältigkeit des Krankheitsverlaufes wird, im Verhältnis zu anderen 
Organismen, durch das Abwechseln je einer ober- und unterirdischen 
Lebensform bei den Kartoffeln verdoppelt. 

Impfungsversuche, Beobachtungen der Infektionsmöglichkeiten 
etc. sind im Gange. 

Redner verweist zum Schlüsse auf ausgestellte mikroskopische 
Präparate und Reinkulturen des Ftisarmm-Myzeh. 

Sodann hielt Herr Professor Dr. 0. Richter einen Vortrag: 
„Über den Einfluß der Narkotika auf die horizontale 
Nutation." 



Sprechabend am 27. Dezember 1912. 
Vorsitzender: Herr Kustos Dr. A. Zahlbruckner. 

Herr Privat-Dozent Dr. A. v. Hayek demonstrierte zwei inter- 
essante Cirsien-Hastarde, nämlich: 

Cirsium Nevolean um ( mrniolimmy^spinosissimnm) nov. hybr. 

Caiilis crecins slnqdex apice p'dis fcrruginels suhlomcnfoms. 
Folia snperiora ovato-lanceolata cordato-amplexkaulia pinnatifida 
lohis ohIo)ifps suhtrdohis grosse dentatis Sjmoso-ciUaUs retimdato- 
venosis, sidjlus ad nervös püis ferriigineis ohsila, suprema lancco' 
lata in lohos icmiissimos in spinas validas exeuntes ad meditnn 
fissa. Cajy'dnla in apice catdis sena sessdia, foliis supremis appro- 
rimntis rapihda snperanldms snfjulta. Involncrum ovalo-glohosum, 
jthl/llis li)ieari-l(tn(:col(ilis in spinam validam exemddms paiidls in-i 
fimis spiuoso-riliatis. Florcs citrini^ corollac'iubus Umho qualero lon4 
gior. — (Jarniolia. In montc Triglav loco diclo Vodn'ikova Korck 
allitudine J7(Knn Irgü J. Ncvole. A 



Versammlung der Sektion für Botanik. 



(73) 



Cirsium paradoxum Hay. 

SteDgel aufrecht, über 1 m hoch, im oberen Drittel zwei, 
teilig, der eine Ast an der Spitze gedrängt fast ährig vierköpfig, 
in den Achseln der unter dem Blutenstand stehenden beiden Blätter 
je ein sitzendes fehlschlagendes Köpfchen tragend, der andere zwei- 
köpfig mit einem verlängerten zweiblätterigen einköpfigen Ast; unter 
dem Blütenstand in den Achseln des nächst unteren Blattes noch 
ein kurzer, reich beblätterter einköpfiger Ast, auch in den nächst 
unteren Blattachseln verkümmernde köpfchentragende Sprosse vor- 
handen. Blätter oberseits grün, fast kahl, mit hellerem Adernetz, 
unterseits dünn graulich filzig; die unteren?, die mittleren und 
oberen mit tief herzförmig stengelumfassendem Grunde sitzend, mit 
breit rundlichen, grob gezähnten und mit in einen relativ kräftigen 
gelblichen Dorn endigenden Zähnen versehenen Öhrchen; die mitt- 
leren länglich eiförmig, groß^ etwa bis zur Mitte fiederspaltig, mit 
eiförmigen, grob gezähnten und grob dornig gewimperten Ab- 
schnitten, die folgenden länghch mit lang vorgezogener Spitze, ent- 
fernt fiederlappig, die obersten aus breit rundlich-herzförmigem 
Grunde lanzetthch vorgezogen, besonders gegen den Grund zu von 
ziemlich kräftigen, gelblichweißen, am Grunde dunkeln Dornen ge- 
wimpert. Köpfchen kurzgestielt oder sitzend, ohne Hochblatthülle, 
aufrecht oder mit schwach gebogenem, kurzem (1 — 3 cm langem) 
Stiel. Hülle breit eiförmig, 2 cm lang; Hüllschuppen lanzettlich, 
trübgrün, die unteren mit sehr kurzer Dornspitze, die oberen ohne 
solche, die äußeren etwas zurückgebogen. Blüten hellrötlich, ohne 
deutlich abgesetzten Saum, bis zur Mitte fünfspaltig, am vorliegen- 
den Exemplar noch nicht völlig entwickelt. 

Ein zweifelloser Bastard von Cirsium pauciflorum mit einer 
zweiten Art. Der ganze Habitus der Pflanze, die zahlreichen Köpf- 
chen, die eigenartige Bedornung und die relativ schmalen Blätter 
sprechen sehr dafür, daß es sich um eine Hybride von C. pauci- 
florum yc. C. arvense handle; gegen diese Annahme spricht eigentlich 
nur das Fehlen des für C. arvense charakteristischen kurzen bis 
zum Grunde fünfspakigen Saumes der Blumenkrone, die helle Blüten- 
farbe und endlich die große Seltenheit von Bastarden des C. arvense 
überhaupt. Wenn aber C. arvense außer Betracht kommt, kann es 



(74) 



Versammlung der Sektion für Botanik. 



sich nur um eine abnorme Form des Bastardes C. oleraceum Xpauci- 
florum bandeln. 

Diese interessante Pflanze wurde von Herrn Eugen Kbek 
bei Trieben in Obersteiermark gesammelt. 

Hierauf sprach Herr Dr. Franz v. Frimmel über Stellaria 
pallida Pire und ihr Verhältnis zu St. media (L.) Cyr. 

Sodann besprachen die Herren Dr. A. Gin zb erger, Dr. E. 
Jan eben und Dr. V. Vouk die neuere botanische Literatur. 



Versammlung am 17. Januar 1913. 
Vorsitzender: Herr Kustos Dr. A. Zahlbruckner. 

Zu Beginn der Sitzung fand die Wahl der Funktionäre für 
das Jahr 1913 statt. Herr Kustos Dr. A. Zahlbruckner lehnte eine 
Wiederwahl zum Obmann ab, ebenso Herr Generalsekretär R. 
Schrödinger eine Wiederwahl zum Obmannstellvertreter. Beide 
Herren brachten den Beschluß der Sektion vom 16. Dezember 1910 
in Erinnerung, nach welchem der Sektionsobmann in der nächsten 
Wahlperiode nicht wieder gewählt w^erden soll. Sodann wurden für 
das Jahr 1913 einstimmig gewählt: zum Obmann Herr Privatdozent 
Dr. A. V. Hayek, zum Obmannstellvertreter Herr Kegierungsrat E. 
P reiß mann, zum Schriftführer Herr Privatdozent Dr. E. Jauchen. 
Hierauf übernahm der neugewählte Obmann den Vorsitz. 

Herr Privatdozent Dr. F. Knoll (Graz) hielt einen Vortrag über : 
„Neue Untersuchungen über die Epidermis pflanzlicher 
Kcsselfallen." 

Der Vortragende faßte unter dem Begriff Kesselfallen alle 
jene Organe zusammen, die kleinen Tieren, meist Insekten, das 
Eintreten in einen kesseiförmigen Hohlraum gestatten, 
die aber den hineingeratenen Tieren für kurze Zeit oder 
für immer den Austritt verwehren. 

Fllr kurze Zeit werden 'i'icre nur in solchen Einrichtunge 
gefangen gelialten, die in den Dienst der Pollenübertragung gesteil 
Kind, wie etwa Ix-i den Blüten von Arlslolochla ('InnatUis un 
den BilitenHtäiiderj einiger ylr?/w/ -Arten. Wenn die Tiere wiedc 



Versammlung der Sektion für Botanik. 



(75) 



frei gelassen werden, nehmen sie den Pollen mit sich fort und 
übertragen ihn in eine andere Kesselfalle dieser Art, um ihn an 
den Narben abzuladen und gleichzeitig eine neue Gefangenschaft 
zu beginnen. Dagegen erlangen die Besucher anderer Kesselfallen 
ihre Freiheit nimmer wieder^ sie gehen in diesen zugrunde und 
dienen mit ihrer Körpersubstanz teilweise dem Aufbau der betref- 
fenden Pflanze (Sarracenia, Nepenthes). 

Ohne Rücksicht auf. die ökologische Bedeutung des Organs 
lassen sich die Kesselfallen nach ihrem charakteristischen 
Bau um zwei Typen gruppieren. Den ersten Typus vertritt 
Äristolochia Clematitis. Die Blüte von Ä. Glematitis hält kleine 
Dipteren bis zum erfolgten Offnen der Antheren dadurch fest, daß 
die sich entfaltende Blüte in der ganzen Länge der Perigonröhre 
mit „Reusen haaren" ausgekleidet ist. Diese lassen sich an ihrer 
gelenkartig verdünnten Basis wohl so weit nach abwärts (in der 
Richtung gegen das Blüteninnere) verbiegen, daß die Insekten ins 
Innere der Blüte gelangen können, doch lassen sie sich vor der 
erwähnten Zeit nicht so weit nach aufwärts (gegen den Blüten- 
eingang) biegen, um ihnen den Austritt zu gestatten. Durch Ver- 
schrumpfen dieser Haare wird den gefangenen Insekten schließlich 
der Ausgang wieder freigegeben. 

Während dem Tiere, das aus der Falle entfliehen will, beim 
ersten Typus (Äristolochia Clematitis) Haare als Hindernis den 
Weg versperren, ist bei dem zweiten Typus der Ausgang un- 
V er sperrt, und die Falle wird dadurch zu einer solchen, daß die 
Tiere beim Versuch, an den steilen Wänden des Kessels empor- 
zuklettern, nirgends einen festen Halt finden können. Aber 
auch in diesem Falle ist es die Beschaffenheit der Epidermis, die 
das Organ zu einer Fangvorrichtung macht. In einem solchen Or- 
gane werden die Tiere um so leichter in Gefangenschaft verbleiben, 
je unvollkommener ihre Kletterorgane ausgebildet sind. Insekten 
mit gut ausgebildeten Kletterorganen (z. B. Ameisen) besitzen stets 
Krallen und Haftlappen an den Endgliedern der Beine. Mit 
den Krallen können sich die Insekten an solchen steil stehenden 
Epidermen festhalten, die horizontal oder etwas aufwärts gerichtete 
kurze Haare, eine sehr runzelige Oberfläche oder tiefe Fugen zwi- 
schen den Epidermiszellen besitzen. Die Kesselfallen des zweiten 



(76) 



Versammlung der Sektion für Botanik". 



Typus besitzen dieser Anforderung entsprechend zwischen den Epi- 
dermiszellen nur ganz seichte, oft ganz ausgeglichene Rinnen, dazu 
völlig glatte oder von oben nach unten gerippte Epidermisaußen- 
wände; bei manchen überragen die Epidermiszellen dachziegclartig 
mit ihrem unteren Rande den oberen Teil der nächstunteren Epi- 
dermiszellen (Sarracenia) oder von jeder Epidermiszelle ragt eine 
stumpfe Papille schräg nach abv^ärts (Gleitzone der Spatha ver- 
schiedener Amm-kxim). 

Die Glätte und das fugenlose Aneinanderliegen der Epidermis- 
zellen hindert jedoch nicht, daß die mit Haftlappen ausgestatte- 
ten Insekten die Falle leicht v^ieder verlassen können. Die Aus- 
schaltung dieser llaftlappen, die mit Klebevorrichtungen ausgestattet 
sind, geschieht am sichersten durch Wachsüberzüge von körniger 
Beschaffenheit (Nepentlies). Sobald ein Insekt mit einer Haftscheibe 
den Wachsüberzug berührt, bleiben die sich leicht ablösenden Wachs- 
körnchen an der Haftfläche kleben und machen sie so wirkungslos. 
Wenn die Haftlapi)en aller Beine in ausgedehntem Maße von Wachs- 
körnchen bedeckt und dadurch ausgeschaltet sind, verliert das Tie 
seinen Halt und stürzt ab. (Daß es sich nur um die mechanisch 
Wirkung der Wachsüberzüge handelt, ließ sich leicht durch Ver 
suche feststellen.) Die Wirkung der Klebscheibcn kann auch da 
durch beeinträchtigt werden, daß die Ei)idermisoberflächc durch 
Ab.schcidung von Flüssigkeit (aus eigenen Drüsen) beständig feucht 
gehalten wird (Sarracenia). Wenn die Oberfläche der P^pidermis 
derartig beschaffen ist, daß beim Anheften der Haftlappen ein 
großer Teil der wirksamen Klebflächen hohl liegt und dadurch 
ausgeschaltet wird, so muß ebenfalls das Aufkriechen mit Hilf 
der Ilaftla})pen sehr erschwert oder ganz unmr)glich gemacht werden 
Dies geschieht dann, wenn die Ei)idermiszellen dachziegelartig ein- 
ander überlagern (Sarracenia) oder wenn jede Epidermiszelle eine 
entsprechend große, nach abwärts gerichtete Papille (Arum) trägt. 
Wenn sich ein Insekt auf der steilen Oberfläche einer derartig be- 
flcha neuen Epidermis anhalten will, so werden diese Versuche, festen 
Jlalt zu linden, immer mit d(;n Vorderbeinen ])egonnen. Das Insekt 
Cetwa eiiHJ Ameise) streicht mit dem \W\\\ immer wieder von oben 
nacli unten, indem es seine ilaflciiirichfiingen der Wand an|)reßt. 
Wenn sich an einer solchen {Epidermis die Zellen dacliziegelartig 



Versammlung der Sektion für Botanik. 



(77) 



(lecken oder nach abwärts gerichtete Papillen vorhanden sind, so 
macht das darüber streichende Insektenbein die gleiche Bewegung 
wie ein Stock, dessen Spitze räch über die Ziegel eines Daches 
heruntergeführt wird: die Spitze springt von Stufe zu Stufe, wobei 
der Stock in eine zitternde Bewegung versetzt wird. Dieses Zittern 
ist an solchen Insekten oft deutlich zu sehen. Wenn nun ohnedies 
die Möglichkeit des Anhaftens so sehr verringert ist, muß dieses 
Erschüttern des Körpers, das beim Haltsuchen der Vorderbeine 
entsteht, das Haften der hinteren Gliedmassen noch mehr erschweren. 
In dieser Hinsicht treten auch die umgewandelten Schließzellen der 
Kanneninnenwand von KepentJies in den Dienst der Kesselfalle. 

Je steiler die ^yand des Kessels, desto wirksamer werden 
alle diese Einrichtungen.^) 

Sodann sprach Herr Privatdozent Dr. E. Jan eben über: „Die 
Wildform des Feigenbaumes und ihre Lebensgeschichte." 
Der Vortragende stützte sich dabei auf das neue Buch von Dr. 
Ruggero Ravasini : „Die Feigenbäume Italiens und ihre Beziehungen 
zueinander" (Bern, 1911). 

Sprechabend am 24. Januar 1913. 
Vorsitzender: Herr Privatdozent Dr. A. V. Hayek. 

Die Herren Dr. A. Ginzberger, Dr. E. Janchen und Assistent 
J. Gicklhorn legten die neue Literatur vor. 

Zuletzt zeigte Herr Dr. E. Janchen einige neue Lieferungen 
von Dittrich und Pax, Herbarium cecidiologicum. 

Versammlung am 21. Februar 1913. 
Vorsitzender: Herr Privatdozent Dr. A. V. Hayek. 

Herr Privatdozent Dr. A. v. Hayek hielt einen Vortrag: 
„Zur Entwicklungsgeschichte der ungarischen Steppen- 
flora." Näheres hierüber ist später in den „Ungarischen botanischen 
Blättern" (Bd. XH, 1913, Nr. 1—5, S. 16—20) erschienen. 



^) Eine .-lusfübrliche Veröffentlichung der hier kurz angeführten ünter- 
suchungsergebnisse wird folgen. 



(78) 



Versammlung der Sektion für Botanik. 



Hierauf hielt Herr Privatdozent Dr. V. Gräfe einen Vortrag: 
„Über die Erzeugung- organischer und organisierter Substanz 
aus anorganischer/' Der Inhalt desselben war in Kürze folgender: 

Das Problem der Darstellung organischer Substanz aus anor- 
ganischer ist von der Chemie längst gelöst, auch wichtige Natur- 
produkte können im Laboratorium in letzter Linie aus anorga- 
nischer Substanz hergestellt werden; immer bedarf es aber dazu 
eines großen Apparates, während die Pflanze auf scheinbar ein- 
fachstem AVege die komplizierten Stoffe ihres Körpers bereitet. Einen 
gewissen Einblick gaben uns die in den letzten Jahren gemachten 
Erfahrungen über die synthetisierenden Wirkungen des Sonnen- 
lichtes, der ultravioletten Strahlen, der dunklen elektrischen Ent- 
ladung. Wir sind heute imstande, lediglich mit Hilfe einer Energie- 
form aus wässeriger Kohlensäure Kohlehydrate darzustellen, und 
auch auf die Bildung von Eiweißkomplexen werfen die photo- 
chemischen Untersuchungen neues Licht. Sehr Avichtig erscheint auch 
das Zusammenwirken von organischen und mineralischen Kom 
ponenten. Das physiologische Experiment verifiziert die Ergebnisse 
der chemischen Untersuchungen. 

Eine ganz andere Frage ist die Erzeugung organisierter 
Substanz, ein Problem, welches scheinbar schwieriger, in Wirklich 
keit aber einfacher liegt als das erstere. Bei der Formbildung sind 
im wesentlichen physikalische und kolloidchemische Faktoren be- 
teiligt, deshalb ist es auch schon lange gelungen, komplizierte Tier- 
und Pflanzenformen auf physikalisciiem Wege nachzuahmen, wäh- 
rend die Erzeugung von Pflanzenstoffen auf einfachem Wege eine 
Errungenschaft der neuesten Zeit ist. 



Sprechabend am 28. Februar 1913. 
Vorsitzender: Herr Privatdozent Dr. A. V. Hayek. 

Herr Dr. A. G in zb erger demonstrierte lierbarpflanzcn aus 
San Domingo und besprach hiel)ci in großen Zügen die pllanzcn- 
^cop^raphiHchcn Verhältnisse dieser Insel. 

Hierauf l('<;tcn die Herren AsHiHtent J. CJicklliorn, Dr. A. 
(iiuzberger und Dr. E. . janchen die neue Literatur vor. 



Versammlung der Sektion für Botanik. 



(79) 



Versammlung am 14. März 1913. 
Vorsitzender: Herr Privatdozent Dr. A. V. Hayek. 

Herr Dr. Fritz Zweigelt (Klosterneuburg) hielt einen Vortrag 
über das Thema: „Was sind die Phy llokladien der Aspara- 
geen? 

Die Asparageen-Phyllokladien haben in der Literatur sehr 
stark voneinander abweichende Deutungen erfahren. In meiner 
Arbeit^) hatte ich Gelegenheit, mich eingehend mit dem anatomi- 
schen Bau der hieher gehörenden Gattungen: Asparogus, Myrsi- 
pliyUum, Semele, Dana'e und Busens zu beschäftigen und mich be- 
müssigt gesehen, die Phyllokladien als wahre Caulomgebilde an- 
zusprechen. Velenovsky^) erklärte allerdings, und zwar aus mor- 
phologischen Gründen, die Phyllokladien von Asparagus und Myr- 
sipliyllum für Stengelgebilde, nahm jedoch für die besagten Assi- 
milationsorgane von JDanae^ wiederum ausschließlich von morpho- 
logischen Gesichtspunkten, die Blattnatur in Anspruch, erklärte 
die Phyllokladien von Busens für nicht einheitliche Bildungen, da 
die obere Hälfte (dem Hochblatte homolog) ein echtes Phyllom sei, 
dessen Fläche nach unten in die flügelartig verbreiterte Achse über- 
gehe, so daß unser Phyllokladium also halb Phyllom, halb Caulom 
wäre. Bei Semele sei die Sache durch Häufung der Infloreszenzen 
erheblich komplizierter, jede Infloreszenz entspreche mit ihren Zipfeln 
und Brakteen einem blühenden Phyllokladium von Busens und alle 
diese wären in der Fläche zusammengewachsen. 

Was zunächst die Anatomie der Phyllokladien von Asparagus 
anbelangt, so läßt sie unzweifelhaft deren Caulomnatur erkennen. Die 



^) F. Zweigelt, „Vergleichende Anatomie der Asparagoideae, Ophio- 
pogonoideae, Aletroideae, Luzuriagoideae und Smilacoideae, nebst Bemerkun- 
gen über die Beziehungen zwischen Ophiopogonoideae und Dracaenoideae". 
Denkschriften der kaiserl. Akad. der Wiss., mathem.-naturw. Klasse, Bd. 88, 
Wien, 1912. 

2) Die Arbeit seines Schülers Danök, die kürzlich erschien und eben- 
falls für Velenovskys Idee eintrat, konnte hier nicht mehr berücksichtigt 
werden. Sie wird später Gegenstand einer eingehenden Besprechung werden. 
Die Gegenschrift wird auf Grund weiterer Untersuchungen neue wertvolle 
Beiträge zur Festigung der Caulomtheorie bringen. 



(80) 



Versammlung der Sektion für Botanik. 



Gefäßbündel verlassen, zu einem Zylinder zusammengeordnet, den 
Stengel, erfahren allerdings später Veränderungen. MyrslphyUum 
zeigt allerdings große Blattäbnlichkeit. Die Gefäßbündel verlaufen 
in einer Ebene, die Assimilationszellen sind auf die physiolo- 
gische Oberseite, die Stomata auf die physiologische Unterseite be- 
schränkt. 

Für Bana'e muß zunächst auf den Unterschied zwischen den 
grundständigen Laubblättern der jungen Pflanze und den Phyllo- 
kladien der erwachsenen hingewiesen werden, was schon Szafer 
eingehend behandelt hat. Die Bündel wandern als Zylinder ins 
Phyllokladium ein und erfahren erst allmählicb eine Abflachung. 
Die physiologische Oberseite ist gewissermaßen erst „im Werden", auf 
ihr finden sich sehr wenige, großenteils rückgebildete Spaltöffnungen. 
Ähnliche Rückbildungen ließen sich auch bei Semele beobachten. 
Die Anatomie verbietet^ die Phyllokladien dieser beiden Gattungen 
als Blätter zu erklären. Sehr charakteristisch ist Euscus in dieser 
Hinsicht: das ganze Phyllokladium wird, von den durch alhnähliche 
Diflerenzierung sich abspaltenden „Seitennerven" abgesehen, von 
einem Zentralzylinder als Mittelnerv durchzogen^ den Berndtzky 
Zentralzylinderchen nannte. Velenovskys Ansicht, die sterilen sei- 
tenständigen und terminalen Phyllokladien von Husens und Bana'e 
seien echte Blätter, und zwar seien sie den am ganzen Stengel zu 
Seil Uppen reduzierten Laubblättern homolog, muß aus anatomischen 
Momenten ebenfalls zurückgewiesen werden. 

Für alle Asparageen Phyllokladien nmß als Hauptgrund für 
die Annahme ihrer Caulomnatur die Art und Weise, wie die Gefäß- 
l>iindel aus dem Stamme in das Phyllokladium eintreten, ins Trefl'en 
geführt werden. Weiters läßt uns die Anatomie der reduzierten 
Laubblättcr keinen Au;^^enblick u\\ Zweifel darüber, daß wir sie 
als Stätten lebhafter ehemaliger Assimilationstätigkeit betrachten 
mllssen. Bezüglich der genaueren Literaturangaben siehe meine 
sub genannte Arbeit. 

Hierauf demonstrierte Dr. H. Sommerstorff eine größere 
Anzahl lebender JMIanzen aus den Gewächshäusern des botanischen 
(Martens. 



Versammlung" der Sektion für Botanik. 



(81) 



Sprechabend am 18. April 1913. 
Vorsitzender: Herr Regierungsrat E. Preißmann. 

Prof. Dr. V. Scbiffner sprach: „Über einige neue und 
interessante Algen aus der Adria." 

Der Vortragende bespricht und demonstrierte in Herbarexem- 
plaren, teilweise auch in frischem Materiale und mikroskopischen 
Präparaten, folgende Arten: 

1. Nitophyllum laceratum (Gmel.) Grev. — Pelagosa. Neu für 
die Adria! 

2. Halymenia trigona Kiitz. — Neu für die Adria! Der Vor- 
tragende fand diese kritische Pflanze im Herbar des k. k. bota- 
nischen Institutes als: ,^I)ictyota dicJiotoma. Inmariadr. — P. Titius 
1862." Nach Sylloge Alg., p. 1514, soll Hai trigona auf Tab. 90 
im XVL Bande der Tabulae phycol. eine Scinaia darstellen, was 
nicht bestritten werden soll; jedenfalls ist aber der anatomische 
Bau des Thallus von dem der Scinaia furcellata erheblich verschieden. 
Dieselbe Pflanze fand sich auch im Herbar des botanischen Insti- 
tutes (ohne Bestimmung) von Biarritz (leg. Duchek). 

3. Fauchea repens (Ag.) Mont. — Pelagosa. 

4. Polysiphonia suhulifera (Ag.) Harv. — An Cystosiren von 
Pte. Ronco im Golf von Triest. 

5. Croiiania aUemiata J. Ag. — Vom selben Standorte. Wird 
demonstriert (auch mikroskopisch), weil die Richtigkeit der Be- 
stimmung von einer Seite angezweifelt wurde. 

6. Callophyllis laciniata (Huds.) Kütz. — Pelagosa. Neu für 
die Adria! — Eine eigentümliche sehr breitlappige Form, leider 
steril. Die definitive Bestimmung dieser sehr kritischen Pflanze ist 
Prof. Dr. P. Kuckuck in Helgoland zu verdanken. 

7. Gymnogongrus Griffcthiae (Turn.) Mart., mit parasitischem 
Äctinococcus aggregatus Schmitz aus dem Herbar Wulfen als „Fucus 
fastigiatus" und dieselbe von Bisgrad in Dalmatien (leg. W. Zay 
1905 sub nom. falso „Gelidium corneum"). 

8. Ualopteris filicina (Grat.) Kütz. — Bei Pelagosa. 

9. Edocarpus glohifer Kütz. — Auf Fadina pavonia im Golf 
von Triest. 

Z. B. Ges. 63. Bd. f 



(82) 



Versammlung der Sektion für Botanik. 



10. SporochniiS dichotomus Zanard. — Pelagosa. Diese inter- I 
essante Pflanze, welche von namhaften Algologen mit Nereia Mon- fl 
tagnei verwechselt worden ist, wurde vom Vortragenden sicher mit ' 
Spor. dicliot. identifiziert. Die Pelagosa-Pflanzen sind glücklicher- 
weise reich fruchtend. Der Vortragende weist nach, daß diese 
Pflanze kein SporocJinus ist, sondern zur Gattung Garpomitra ge- 
hört. Zanardini hat keinen Längsschnitt durch den Fruchtkörper 
gemacht und daher den kragenartigen Wulst an der Basis, welcher 
übrigens an verschiedenen Exemplaren in sehr verschiedenem Grade 
entwickelt ist, übersehen. Auch legte er viel Gewicht darauf, daß 
die bei seinem Spor. dichotomus mächtig entwickelten Haarzweig- 
pinsel an den Sproßenden, die allerdings leicht abfällig sind, bei 
den Cmpomitra-Arten nicht erwähnt werden. Durch sorgfältigen 
Vergleich mit reichen Materialien im Herbar des k. k. Hofmuseums 
konnte Schiffner den Nachweis erbringen, daß Sporochnus dicho- 
tomus Zanard. identisch ist mit Carpomitra Cabrerae Kütz., die 
bisher nur von wenigen Stellen im atlantischen Ozean und im 
Mittelmeer bekannt war; Sporochnus dichotomus Zanard. ist also 
als Synonym zu Carpomitra Cabrerae zu stellen. 

11. Sphacella subtilissima Reinke. — Pelagosa. Neu für die 
Adria! — Diese winzige, sehr zierliche Alge ist bisher nur bei den 
Haiearen von J. Rodriguez gefunden worden, ansitzend an Zwei- 
gen von Carpomitra Cabrerae (Original-Exemplar im Herbare des 
Hofmuseums verglichen). Merkwürdigerweise kommt sie auch bei 
Pelagosa in ganz gleicher Weise vor und bildet auch hier schrot- 
korngroße, sehr dichte Häschen an derselben Alge. Uniloculäre 
Sporangicn sind aiicli hier sehr zahlreich vorhanden. 

12. Cystosira dubia Valiante. — Pelagosa, steril. — Diese 
interessante Pflanze wurde schon von G. Lichtenstern in der ' 
Adria gesammelt (Mitte des Quarnero, 50 m tief), aber fälschlich 
für Fuchs ceranoides gehalten (Exemplar im Herbare Schiffner). 
Nach der Meinung des Vortragenden dürfte C. dubia der 'i'y])us 
einer nen(;n (lattung sein, worüber aber nur die l)isher noch unbe- 
kannte Fruktilikation sicheren Aufschhiß geben kann. 

1.'5. (Jysfmira opunlioides iiorg. — Pelagosa, fruktif. — Neu ( 
fllr die Adria I. bisher nur von wenigen IMinkten des siidlichen ( 

MiltelmecrcH l>ekannt. I 

I 

( 

I 



Versammlimg- der Sektion für Botanik. 



(83) 



14. Im Anschluß daran demonstriert der Vortragende eine 
seltene Süßwasser-Floridee: Lemanea mamiUosa Ktitz. var. suhtilis 
(Ag.) Sirod., die er unbestimmt im Herbar A. Kerner vorfand. 
Der Standort ist: Tirol; Bärenbad — Stöcklen im Stubaital. Die Art 
ist neu für Tirol I 

Anschließend an diese Besprechung und Demonstration zeigte 
der Vortragende prachtvolle Exemplare von Cystosira gramdata (L.) 
Ag. und G. myriophyllioides Sauv. im frischen Zustande und einige 
mikroskopische Präparate parasitischer Florideen vor und macht 
auf die pflanzengeographisch interessante Tatsache aufmerksam, 
daß fast alle der in letzter Zeit bei Pelagosa in größeren Meeres- 
tiefen aufgefundenen seltenen und für die Adria neuen Algen, wie 
z. B. Callophyllis laciniata, Halopteris filicina, Carpomitra Cahrerae, 
Sphacella suhtilissima, Laminaria Bodriguem Born. u. a., in ganz 
ähnlicher Genossenschaft auch bei den ßalearen vorkommen, so 
daß die Algenflora dieser beiden sehr entfernten Punkte über- 
raschende Übereinstimmung aufweist. 

Hierauflegte Dr. K. Rechinger Phanerogamen aus Korfu 
vor, die er auf einer etwa zehntägigen Sammelreise im April 1912 
daselbst gefunden hatte. Die Reise hatte hauptsächlich das Sammeln 
von Kryptogamen zum Zweck; Blütenpflanzen wurden nur neben- 
bei mitgenommen. Es wurden vorgelegt: Parietaria lusitanica, 
Stellaria media var. macropetala Haläcsy, Silene paradoxa, S. noc- 
turna, S. italica, Cotyledon chloranthus Heldr. et Sart., Galycotome 
villosa, Trifolium pjliysodes, T. resiipinatum^ Änthyllis Dlllenii, An- 
thyllis tetrapflujlla, Hymenocarpus circinatus, Tetragonolohus purpu- 
reus, Ästragalus atticus, Geraniiim hnitium Gasp., Stachys decum- 
hens, Gampamda Spiruneriana Hampe var. hirstda, Crepis Beiäeriana 
Boiss., Trisetum aureiim, Orchis longicruris, Anacamptis xjyramida- 
lis. An die Vorlage dieser Pflanzen knüpften sich Bemerkungen 
allgemeiner Art über die Vegetationsformationen auf Korfu. 

Zuletzt sprach Dr. F. v. Frimmel: „Über einige antike 
Samen aus dem Orient." Ausführliches über die diesbezüglichen 
Untersuchungen wird später veröff'entlicht werden. 



(84) 



Versammlung" der Sektion für Botanik. 



Versammlung am 25. April 1913. 
Vorsitzender: Herr Privatdozent Dr. A. V. Hayek. 

Prof. Dr. Oswald Richter sprach: „Über Besonderheiten 
im anatomischen Bau eines japanischen Zwergbäumchens 
von Cryptomeria japonica.^^ 

Der Vortragende hatte Gelegenheit, vier von Herrn Prof. 
Molisch aus Japan mitgebrachte Zwergexemplare von verschiedenen 
Koniferen anatomisch zu untersuchen. Davon zeigte die etwa 70- bis 
80 jährige Cryptomeria japonica in den Rindenmarkstrahlen des 
Stammes und der Äste zahlreiche Steinzellen in jedem Markstrahl 
entweder in der Ein- oder Mehrzahl. Man kann diese an die von 
Molisch entdeckten Steinthyllen äußerlich erinnernden Sklerenchym- 
bildungen in gleich schöner Weise am Tangential- wie am Radial- 
und Querschnitt zur Anschauung bringen. Besonders auffallend ist 
das Auswachsen dieser schließlich zur Funktionslosigkeit des Mark- 
strahls führenden Steinzellen in die Nachbarzellen. Schnitte von 
denselben Stellen in Kontrollexemplaren aus den Sammlungen des 
Prager und Wiener deutschen pflanzenphysiologischen Institutes 
zeigten keine Spur ähnlicher Bildungen. Diese Steinzellenbildung 
ist also als Folge der Zwergkultur anzusehen, wobei es dahinge- 
stellt bleibt, ob durch gesteigerte Transpiration bedingte Säftekon- 
zentration oder durch erhöhten Turgor bedingte gesteigerte Mem- 
branbildung die endliche Ursache der Erscheinung ist. 

Hierauf sprach Prof. Dr. Viktor Schiffner „Über Abwege 
phylogenetischer Forschung, erläutert an dem Falle von Monoclca^^. 
Näheres über dieses Thema findet sich in der Osterr. botan. Zeit- 
schrift, Jahrg. 1913, Nr. 1—4. 

Zuletzt erläuterte Dr. Hermann Sommerstorff eine größere 
Anzahl lebender Pflanzen aus dem botanischen Garten. 

Sprechabend am 16. Mai 1913. 

Vorsitzender: Herr Privatdozent Dr. A. v. Hayek. 

Prof. Dr. Wilhchn Figdor besprach an der ilaiid eiiHM* in 
Alkohol konHcrvierten Soldaudld, alpina (Fundort: Schönicitcnjoch 



Versammlung der Sektion für Botanik. 



(85) 



l)ei Schluderbach, Tirol) die Erscheinung der Calycanthemie, die 
bei dieser Art nach Pen zig- (Pflanzen-Teratologie, Bd. II, [1894], 
p. 135) noch nicht beobachtet worden ist (Fig. 1). Gleichzeitig 
demonstrierte derselbe ein lebendes Exemplar einer Soldanella 
piisilla, das aus der Teichl bei Obervellach in Kärnten stammt, mit 
koroUinischer Ausbildung des Kelches ^) (Fig. 2 und Fig. 3). Beide 
Fälle ähneln einander sehr; sie unterscheiden sich höchstens dadurch, 




Fig. 1. 

Soldanella alpina. 
Vergr. 1 : 1-25. 




Fig. 2. 
Soldanella pusilla. 
Vergr. 1 : 125. 




Fig. 3. 

Soldanella pusilla. 
Kelch allein. 

Vergr. 1 : 1-25. 



daß die verbildeten Kelchzipfel, die stets die gleiche Färbung wie 
die Korolle aufwiesen, bei ersterer Art feiner geschlitzt erscheinen 
als bei letzterer. Nachdem die Blüten der Soldanella piisüla be- 
fruchtet worden waren, gingen sie aus der nickenden Lage in die 
aufrechte über und der Kelch vertrocknete allmählich. Weitere 
Beobachtungen müssen lehren, Tvorauf die in Bede stehende terato- 
logische Erscheinung zurückzuführen ist. 

Dr. Heinrich Freih. v. Handel-Mazzetti sprach „Über eine 
neue Labiatengattung aus Kurdistan." (Vergl. Osterr. botan. Zeit- 



^) Vgl. F ritsch: Calycanthemie bei Soldanella. In diesen „Verhand- 
lungen", Bd. XL, Jahrg. 1899, p. 52. 



(86) 



Versammlung der Sektion für Botanik. 



scbrift; Jahrg. 1913, Nr. 6.) Die Gattung Pentapleura mit der ein- 
zigen Art Pentapleura suhulifera Hand.-Mzt. steht den Gattungen 
Origaniim und Zataria nahe. 

Sodann legten J. Gickelhorn, A. Ginzberger und E. Jan- 
chen die neue Literatur vor. 



Versammlung am 23. Mai 1913. 
Vorsitzender: Herr Privatdozent Dr. A. v. Hayek. 

Cand. phil. Alfred Wilschke sprach „Über die Verteilung 
der phototropischen Sensibilität in Keimlingen". 

Der Vortragende besprach zunächst die Empfindlichkeit der 
Pflanzen äußeren Einflüssen gegenüber, besonders dem Lichte gegen 
über und schilderte dann die von ihm selbst ausgeführten Versuche 
über die Verteilung der phototropischen Sensibilität in Gramineen 
keimlingen. Bei Untersuchung dieser Frage wurde eine neue Me 
thode verwendet, die es ermöglicht, für jede einzelne Zone eines 
Keimlings die Empfindlichkeit mathematisch genau festzustellen. E 
wurde einwandfrei dargelegt, daß die Spitze eines Keimlings als 
llauptperzeptionsorgan des phototropischen Reizes fungiert. Nähere 
Angaben über diese Arbeit werden demnächst in den Sitzungs 
berichten der kais. Akademie der Wissenschaften in Wien ver 
öffentlicht. 

Ferner sprach Dr. Wolfgang Himmel baur 

(Iber die systematische Stell uiij»- der Berberidaeeen au 
Oruiid aiiatoiniseher Uiitersuchuiigeii. 

Der Vortrag brachte einen kurzen Oberblick über eine dem 
nächst in den Denkschriften der kais. Akademie der Wissenschafte 
in Wien erscheinende größere Abhandlung. 

Jiedner stellte es sich zur Aufgabe, einerseits die vennut 
liehen ZuHammenhängc von Gruppen der lierberidaceen-Gattungcn 
wie z. H. Malionia-Berhcris, Epimedmm-Ijcontice, Biphylleia-rodo- 
phiflltim etc. aufzudecken, an(l(irerH(;its Heziehungen der ßcrbori 
dacecn zu weiteren Familien der krautigen J'(Aymrpiccae zu finden. 



Versammlung der Sektion für Botanik. 



(87) 



Dieser Vorsatz war auf anatomischem Wege allein nicht zu lösen; 
es mußten Tatsachen morphologischer^ paläontologischer, chemischer, 
ökologischer etc. Xatur herangezogen werden, um halbwegs befrie- 
digende genetische Reihen aufstellen zu können. Im Vortrage 
wurden hauptsächlich die anatomischen, und zwar im Besonderen 
die stammanatomischen Verhältnisse hervorgehoben. Bezüghch ande- 
rer Dinge wurde auf die eingangs erwähnte Abhandlung verwiesen. 

Als Stammbautypus der Berberidaceen und Verwandten stellt 
Redner einen Stamm hin, der mechanisch durch einen geschlosse- 
nen Festigungsriug (Bast und Sklerenchym) außerhalb des Sieb- 
teiles und durch ein bis mehrere Kreise von Gefäßbündeln im In- 
nern gekennzeichnet ist. Die Gefäßbündel selbst können an beiden 
Polen durch Bastsicheln gestützt sein. Ein solcher Bauplan findet 
sich bei nordamerikanischen und ostasiatischen Formen von Leonüce 
und von Epimeclium stark ausgeprägt. 

Während einer mit anderweitigen Reduktionen im vegetativen 
Aufbau, im Blütenbau etc. verbundenen Wanderung nach Westen 
tritt, namentlich bei Leontice^ ein allmähliches Auflösen dieses Festi- 
gungsringes auf; die rein mechanischen Grundlagen des Stammes 
schwinden immer mehr, bei Arten, die am weitesten vom Zentrum 
der Berberidaceen (Nordamerika, Ostasien) entfernt sind, ist fast 
gar kein sichtliches Skelett vorhanden. 

Die ganz gleiche Erscheinung einer Auflösung dieser Elemente 
findet sich auch bei Formen, die zwar nicht ihrer Heimat nach, 
wohl aber ihrem sonstigen Verhalten nach abgeleitet sind, wie bei 
Jeffersonia und Aclüijs oder bei Dlplußleia und ihrer Tochterform 
Fodoplußlum. 

Berheris leitet Redner vom E2)ime€liiim-L€ontice-Ty^ns haupt- 
.sächlich aus folgenden Gründen ab: 

Der Stammbau der jungen Berheris macht im Anfang während 
langer Zeit die Stadien des erwachsenen Epimediums durch. Die 
morphologischen, biologischen und weiteren anatomischen Verhält- 
nisse von Berheris gleichen denen von Epimediiim-Leonfice ganz 
außerordentlich; hätten sich, wie es wohl sonst der Fall zu sein pflegt, 
aus einer Holzform (Berheris) krautige Formen entwickelt, so wären 
bei diesen ganz neu und ganz anders in Erscheinung tretenden 
Individuen sicher nicht mehr so große Ähnlichkeiten mit der Mutter- 



(88) 



Versammlung der Sektion für Botanik. 



form zu finden. Die geogTaphische Verbreitung und der überaus 
große Formenreichtum von Berheris-llahonia sprechen auch dafür, 
daß wir es mit jungen Gattungen zu tun haben, bei denen Man- 
ches noch nicht fixiert ist (Verhältnis von Dorn und Blatt, ßlüten- 
standsbau, Blattwerk etc.). 

Nandina schließt sich dem Epimed'mm-Leontice-lLy\)\\^ stamm- 
anatomisch an; morphologisch zeigt sie gewisse Ursprünglichkeiten 
(Kelchblattzahl, Fruchtknotenanlage etc.). 

Glaiicidhim und Hydrastis entfernt Redner von den Ranun- 
culaceen hauptsächlich wegen des über das innere hervorragenden 
äußeren Integumentes und stellt sie nach ihrem Stammbau und 
einigen anderen Eigentümlichkeiten in die Nähe von Podophyllum. 

Was die Anschlußformen betrifi't, so wird der Stammbau der 
Lardizabalaceen und der der Menispermaceen besprochen, der sich 
gut an Nandina anschließt. Auch, sonst sind Eigentümlichkeiten da, 
die die Reihe: Nandina — Lardizabalaceen — Menispermaceen als 
annehmbar erscheinen lassen. — An die krautigen Formen derBerberi- 
daceen lassen sich stammanatomisch die Papaveraceen anschließen, 
und es ist anregend zu sehen, daß in ihnen die gleiche Entwick- 
lungsrichtung des Festigungsringes (allmähliche Auflösung) herrscht, 
wie unter den Berberidaceen. Diese Tendenz fällt noch dazu mit 
dem vermutlich größeren oder geringeren Alter der (Jnterfamilien 
(Eschscholtzieae, Chelidonieae, Papavereae, Fumarioideae) gleich- 
sinnig zusammen. — Was die Ranunculaceen anbelangt, so zeigt 
Redner, daß auch in ihrem Stammbau die gleiche Möglichkeit einer 
größeren oder geringeren Ausbildung des Festigungsringes besteht. 
Die Ranunculaceen sind im übrigen wahrscheinlich eine Parallelreihe 
der Berberidaceen. 

So stellen sich denn die Berberidaceen auch in stammana 
tomischer Hinsicht als das Zentrum der krautigen Polycarpicae hin 
Sie erlitten während ihrer Wanderung von borealen Gegenden Nord 
anierikas und Ostasiens nach Westen allerlei Reduktionen im vege 
tativen Aufbau, im Hllitenstandsbau, im Stammbau, sie werde 
immer ,.monokotyIc(l(niischer". Das Auftreten von Heduktionsformc 
während einer Wanderung ist mit der neueren Vererbungslehre gu 
vereinbar, nach der die Stamm (Wild- il^rmen eine vi(;l gr()ßer 
Anzahl von Erbeinheiten (Faktoren) besitzen als aus ihnen ablcit 



Versammlung- der Sektion für Botanik. 



(89) 



bare Formen. Von den Berberidaceen strahlen während dieser Wan- 
derungen Fornienreihen ab, wie Nandina — Lardizabalaceae — Meni- 
spermaceae, wie die Papaveraceae, und alle diese Formen sind 
stammanatomisch einheitlich oder voneinander leicht ableitbar. 

Die Führung' und Weiterentwicklung* der Polycarpicae in extra- 
tropischen Gebieten wurde von krautigen halbperennen Organismen 
übernommen. Dies mag damit zusammenhängen, daß derartige In- 
dividuen in jeder Beziehung anpassungsfähiger sind. Es ist in 
letzter Linie vielleicht die gleiche Erscheinung, die wir auch anderswo 
und in anderen Organismen-Reichen sehen: das Zurücktreten großer 
Formen, das Emporkommen kleinerer plastischer Wesen. 

Zuletzt demonstrierte cand. phil. Hans Neumayer mehrere 
mikroskopische Präparate von Moehringia- und PetrocoptisSsuneu 
mit Elaiosomen. 



AUg^emeine Versammlung 

am 1. Mai 1912. 
Vorsitzender: Herr Prof. Dr. R. v. Wettstein. 

Der Leiter des Generalsekretariats bringt den Beitritt nach- 
folgender neuer Mitglieder zur Kenntnis. 

Ordentliche Mitglieder : 

P. T. Vorgeschlagen durch: 

Herr Czwiklitzer, Dr. Richard, Wien, II. 

Zool. Institut d. Universität . . . Prof. B.Hatschek, Prof. H.Joseph. 
„ Gicklhorn Jos., Demonstrator, Wien, 

I., Universität Prof. v. Wettstein, Prof. Molisch. 

Hierauf hält Prof. Dr. v. Wettstein unter Vorführung von 
reichem Belegmaterial den von ihm angekündigten Vortrag: „Ex- 
perimentelle Untersuchungen über Artbildung." 



(90) 



Bericht über die allgemeine Versammlung. 



Allgemeine Versammlung^ 

am 5. Juni 1912. 

(Abgelialten im Hörsaale des II. anatomischen Institutes der Universität Wien.) 

Vorsitzender: Herr Prof. Dr. R. v. Wettstein. 

Der Vorsitzende gedenkt in warmen Worten des schweren 
Verlustes^ welchen die Gesellschaft dadurch erlitten hat, daß binnen 
kurzer Zeit zwei ihrer Ehrenmitglieder, Geh. Rat Dr. E. Strasbur- 
ger und Direktor Ludwig Gangibauer, aus dem Leben geschieden 
sind. Nachdem die Versammlung ihrer Trauer über das Hinscheiden 
dieser beiden um die Wissenschaft hochverdienten Männer zum 
Ausdruck gebracht hat, erteilt der Vorsitzende das Wort an Prof. 
Dr. Ferdinand Hochstetter zu dem von ihm angekündigten Vor- 
trage „Über einige neuere Methoden der Herstellung ana- 
tomischer und eutwicklungsgeschichtlicher Präparate für 
Unterrichts- und Forschungszwecke". Der inhaltsreiche und 
allseitig mit hohem Interesse aufgenommene Vortrag war durch 
viele instruktive Demonstrationen und durch Vorführung zahlreicher 
Präparate auf das wirksamste unterstützt. 



Allgemeine Versammlung^ 

am 6. November 1912. 
Vorsitzender: Herr Prof. Dr. R. v. Wettstein. 

Nach der Begrüßung der Versammlung durch den Vorsitzen 
den bringt der Leiter des Oeneralsekretariats zur Kenntnis, da 
nachfolgende neue Mitglieder der Gesellschaft beigetreten sind: 

Ordentliche Mitglieder : 
P, 'J\ Voif^osch lagen durch: 

Tri. J;ini/J,Mi .MMiic, ,Wi('n, I,, Siil/giicH 1«3 IMof. F. Werner, Dr. M. Koniliild. 
Herr Kgger Alois, k. k. liecliimiigsr.'if, 

Wien,!., ll;iti(|('lHniiiiiHt«',rinni . . Inspektor A. Wieniiuin, .1. Hrunii- 

tlniler. 



Bericht über die allgemeine Versammlung. 



(91) 



P. T. Vorgeschlagen durch : 

Herr Philipps Franz, Fabrikant, Köln am 

Khein, 49, Klingelpütz Dr.F.OstermeyerjHptm.Hirschke. 

„ Wiesner Salomen, Büd-Szt. Mihäly, 

Com. Szabolcz Dr. A. Eogenhofer. 

„ Wolf Dr. Moriz, Wien, I., Planken- 
gasse 1 Oblt. Wiedemann, Dr. Kammerer. 

Der Vorsitzende bringt der Versammlung- zm' Kenntnis, daß 
im Kreise der Gesellschaft die Absiebt aufgetaucht ist, das Anden- 
ken des verstorbenen Ehrenmitgliedes Direktor Ludwig Gangibauer 
durch Gründung einer Gangibauer-Stiftung zu ehren, welche sich 
das Ziel gesetzt hat, einen Fond zu schaffen, aus dessen Erträgnis 
Preise für entomologische Arbeiten ausgesetzt werden sollten. Zu- 
gleich teilt er mit, daß der Ausschuß beschlossen hat, dieser von 
ihm mit Freuden begrüßten Stiftung mit einem Gründuugsbeitrage 
von 1000 Kronen beizutreten. Diese Aktion sei dem Ausschuß da- 
durch erleichtert worden, daß ein Mitglied der Gesellschaft, das in 
selbstloser Weise seinen Namen nicht genannt wissen will, eben 
zu diesem Zwecke den Betrag von 500 Kronen zur Verfügung ge- 
stellt hat. 

Dr. Karl Holdhaus, der nun im Namen des vorbereitenden 
Komitees der Gangibauer- Stiftung das Wort ergreift, gibt eine kurze 
Darstellung der Gründungsgeschichte der Stiftung und dankt allen, 
die sich um diese Stiftung bemüht haben, insbesondere dem selbst- 
losen Spender jener 500 Kronen. 

Zugleich konnte er die erfreuliche Mitteilung machen, daß 
trotz der Kürze der Zeit die Bemühungen des vorbereitenden Ko- 
mitees schon so von Erfolg begleitet waren, daß bereits 5000 Kronen 
Rente angeschafft werden konnten, welche nunmehr das Stamm- 
kapital der Stiftung bilden. Da im Einverständnis mit dem Aus- 
schusse beschlossen worden ist, die Verwaltung der Stiftung in die 
Hände der Gesellschaft zu legen, deponiert er dieses Stammkapital 
zu Händen des Präsidenten der Gesellschaft. 

Die Versammlung gibt durch lebhaften Beifall ihrer Sympathie 
für die ins Leben gerufene Stiftung Ausdruck und anerkennt zu- 
gleich durch diesen Beifall die Verdienste des vorbereitenden 
Komitees. 



(92) 



Bericht über die allgemeine Versammlung. 



Hierauf hielt Herr Franz Thonner einen durch zahh'eiche 
Lichtbilder illustrierten Vortrag: „Meine Reisen im Kongoge- 
biete." 

Nach Schluß des Vortrages demonstrierte Prof. Dr. R. v. 
Wettstein eine größere Serie interessanter Orchideenkreu- 
zungen aus dem botanischen Garten in Schönbrunn. 

Außerordentliche General-Versammlung* 

am 4. Dezember 1912. 
Vorsitzender: Herr Prof. Dr. R. v. Wettstein. 

Der Leiter des Generalsekretariats bringt den Beitritt nach- 
folgender neuer MitgUeder zur Kenntnis: 

Ordentliche Mitglieder: 

P. T. Vorgeschlagen durch: 

Herr Meschnigg Josef, Ingenieur, Seebach 

b. Villach Dr. K. Holdhaus, F. Heikertinger. 

„ Moni z-B a r r e t o, Prof. Dr. Egas, Bahia, 

S. Pedro 36 Prof. R. v. Wettstein. 

„ Nabßlek, Voytech, Wien, XIV., 

Schwendergasse 29 Dr. Janchen, Dr. Handel-Maz- 

zetti. 

„ Neuwirth Vinzenz, k. k. Prof., Wien, 

XVII. /l., Palffygasse 20 .... Louis Keller, Pius Fürst. 

Da der verdienstvolle Generalsekretär der Gesellschaft Herr 
Josef Brunnthaler, dessen Funktionszeit erst am 31. Dezember 
alj^^^elaufen wäre, leider durch Krankheit gezwungen war, auf sein 
Amt zu resignieren, mußte in dieser General -Versammlung die Wahl 
eines neuen Generalsekretärs mit nur einjähriger Funktionsdauer 
(31. Dezember 1912 l)is 31. Dezember 1913) auf die Tagesordnung 
gesetzt werden. Der Vorsitzende leitet diese Wahl mit nachfolgenden 
Worten ein: „Unsere verehrten Mitglieder wissen, daß unser General- 
sekretär leider schon seit längerer Zeit infolge ernster Erkrankung 
verhindert ist, seine Funktionen auszuüben. Das überaus freund 
liehe und uncigennlltzige Fintreten des Herrn K. Scliriidinger, der 



Bericht über die außerordentliche General-Versammlung. 



(93) 



die Funktionen des Generalsekretariats tibernahm, machte es bisher 
möglich, Herrn Brunnthaler als Generalsekretär zu beurlauben. Der 
Umstand aber, daß bisher keine wesentliche Besserung im Befinden 
des Herrn Brunnthalers eingetreten ist und daß er abermals sich 
genötigt sieht, für längere Zeit den Süden aufzusuchen, bestimmte 
ihn, dem Ausschuß schriftlich seine Eesignation anzumelden. Dem 
Ausschusse blieb nichts anderes übrig, als, den zwingenden Umstän- 
den Rechnung tragend, diese Resignation anzunehmen, allerdings 
mit dem Ausdrucke aufrichtigsten Bedauerns und wärmsten 
Dankes. Sie wissen alle, mit welcher Energie und Arbeitsfreudig- 
keit Herr Brunnthaler sich in den Dienst der Gesellschaft gestellt 
hat und wie viel Sie ihm zu danken haben; Sie werden gewiß 
dem Antrag des Ausschusses freudig zustimmen, Herrn Brunnthaler 
den wärmsten und aufrichtigsten Dank der General -Versammlung 
zu votieren. Wir alle sind einig in dem Wunsche, daß er bald 
wieder in den Besitz voller Gesundheit gelangen möge. 

Herrn Schrödinger aber können wir nicht besser unseren 
Dank für sein opferfreudiges und wie gesagt uneigennütziges Ein- 
treten bekunden, als indem wir Ihnen den Antrag stellen, Herrn 
Schrödinger zum Generalsekretär zu wählen. 

Nachdem die Versammlung durch allgemeinen Beifall ihre Zu- 
stimmung zu dem Dankesvotum an Brunnthaler und zur Wahl 
Schrödingers kundgegeben, richtet der Vorsitzende an Herrn Schrö- 
dinger die Anfrage, ob er diese Wahl annehme. 

Hierauf erwidert Herr Schrödinger, daß er der Versammlung 
für das ihm entgegen gebrachte Vertrauen danke und auch unter 
den jetzt veränderten Umständen der Gesellschaft seine Arbeits- 
kraft gerne zur Verfügung stelle. — Allerdings nur in demselben 
Sinne wie bisher. So wie er bisher nur die Arbeit Brunnthalers 
ersetzen, nicht seine Stelle einnehmen wollte, so liege es ihm auch 
jetzt ganz ferne, das Amt eines Generalsekretärs dauernd an seine 
Person fesseln zu wollen. Ihn leite bei der Übernahme des Ge- 
neralsekretariats für das kommende Jahr keine andere Absicht als 
die, der Gesellschaft Zeit und Muße zu gewähren, die schwierige 
Auswahl eines neuen Generalsekretärs in aller Ruhe und Überlegung 
und ohne jede Überstürzung durchzuführen. Nachdem die Ver- 
sammlung ihre Zustimmung zu den Erklärungen Schrödingers zum 



(94) 



Bericht über die außerordentliche General-Versammlung. 



Ausdruck gebracht hat, geht der Vorsitzende zum nächsten Punkte 
der Tagesordnung' über und erinnert die Versammlung, daß das 
langjährige Mitglied kais. Rat Dr. med. Eugen v. Halde sy in den 
nächsten Tagen seinen siebzigsten Geburtstag feiert und stellt 
Namens des Ausschusses den Antrag, dieses um die Gesellschaft so 
viel verdiente Mitglied durch Verleihung der Ehrenmitgliedschaft 
auszuzeichnen. Der Antrag wird mit allgemeinem Beifall aufge 
nommen. 

Nach Schluß des geschäftlichen Teiles der General -Versamm 
hing hält Herr Prof. Dr. 0. Abel den von ihm angekündigten Vor- 
trag: „Meine paläontologische Expedition nach Griechen 
land 1912". 



Lichtbilderabend am 10. Dezember 1912. 

Wie in den letzten Jahren hatten auch heuer eine größer 
Anzahl Mitglieder die Liebensv^ürdigkeit, ihre neueren wissenschaft- 
Hchen Photogramme der Gesellschaft in Diapositiven vorzuführen 
Zur Demonstration gelangten Diapositive von Friedrich Morton 
Prof. Franz Müller (Krems), Ing. H. Schloss, Josef Oster maie 
(Dresden), Fritz v. Wettstein, Otto v. Wettstein, ferner einig 
Serien aus der Sammlung des botanischen Instituts in Wien. 

Der wärmste Dank der Gesellschaft gebührt allen Mitwirken 
den, insl)esondere aber Fräulein Amalie Mayer, die, wie im Vor 
Jahre, das Arrangement des Abends in ebenso liebenswürdiger wi 
erfolgreicher Weise übernommen hatte. 



Allg*emeine Versammlung* 

am 8. Januar 1913. 
VorKitzender: Herr Prof. Dr. R. V. Wettstein. 

Der (iciM ralsckrctiir bringt dcu licitritt nnchroIgeiKlcr neuer 
Mitglieder zur KenntiiiH: 



Bericht über die allgemeine Versammlung. 



(95) 



Ordentliche Mitglieder: 
P. T. Vorgeschlagen durch: 

Fräul. Abels Liese, stud . Wien. XVIII. 1.. 

Sternwartestraße 33 Dr. Otto Storch, R. Lohr. 

Herr Arlt. Dr. F. Eitter v., Wien. XIII. 2. 

Cumberlandstraße 21 Prof. 0. Abel. E. Schrödiuger. 

. Höf 1er Karl, stud., Wien. XIII./2, 

Ouno Kloppgasse 6 Prof. Stadlmanu, 

Kühn Otmar. Wien, XVL 'l.. Lindauer- 
gasse 7 Prof. Zach. Dr. Zikes. 

- Lemmel-Seedorf. v.. k. k. Oberst. 

Wien. III. L, Schützengasse 21 . . Prof. Schiffner, Dr. E. Janchen. 
„ Mauczka, Dr. Viktor. Hofrat. Wien. 

I., Fiihrichgasse 8 Dr. E. Jauchen. K. Eonniger. 

„ Schwarz Otto, Ingenieur. Wien. 

XIIL 2. Hadikgasse 104 .... Prof. Stadlmann. 
Thirring Ernst, stud.. Wien. II.. Aus- 
stellungsstraße 11 Prof. Abel, E.Lohr. 

Hierauf berichtet Dr. Fr. Megusar über seine ..Ökologischen 
Studien an Höhleutiereu" und belegt seine Mitteilungen durch 
Demonstration lebender und konservierter Tiere, sowie durch zahl- 
reiche Lichtbiidprojektionen. 

Nach diesem Vortrag führten Prof. Dr. Joseph und Dr. Otto 
Storch eine größere Auswahl ihrer neuen zoologischen Mikrophoto- 
gramme vor. 



Allgemeine Versammlung 

am 5. Februar 1913. 
Vorsitzeuder: Herr Prof. Dr. R. V. Wettstein. 



Der Generalsekretär bringt 
Mitglieder zur Kenntnis: 

Ordentliche 

P. T. 

Fräul. Bruckner Elsa. stud.. Wien, 
Keilgasse 10 



den Beitritt nachfolgender neuer 

Mitglieder : 

Vorgeschlagen durch: 

III.. 

. . Dr. E. Jauchen, Dr. v. Hayek. 



(96) 



Bericht über die allgemeine Versammlung. 



P. T. Vorgeschlagen durch 

Herr Donabaum Hans, Schulrat, St. Pölten, 

Schießstattpromenade 34 . . . . K. Ronniger, R. Schrödinger. 
„ Ed er Eugen, P., Katechet, Lambach, 

Oberösterreich den Ausschuß. 

„ Egert Friedrich, stud. phil., Wien, I., 

Universität, II. Zool. Institut . ... Prof. H. Joseph, Dr. Storch. 
„ Hamann Gustav, Apotheker, Wien, 

X./l, Triesterstraße 17 A. Handlirsch, Apotheker Löwy. 

„ Kornfeld Werner, stud. phil., Wien, I., 

Universität, II. Zool. Institut . . . Prof. H. Joseph, Dr. Storch. 
„ Verhoeff, Dr. K. W., Pasing, Otilo- 

straße IIa A. Handlirsch, R. Schrödinger. 

Prof. KarlTechet hält den von ihm angekündigten Vortrag: 
„Über die Anwendung der Mendelschen Regeln auf den 
Menschen." 



Allgemeine Versammlung* 

am 5. März 1913. 
Vorsitzender: Herr Prof. Dr. R. v. Wettstein. I 

Nach Erledigung der geschäftlichen Angelegenheiten spricht 
Dr. Karl Rudolph aus Prag „Über den gegenwärtigen Stand 
der Chondriosomen-Forschung auf botanischem Glebiete". 
Seine Ausführungen waren von zahlreichen Demonstrationen und 
Projektionen begleitet. 

Den Schluß des Abends bildete ein gleichfalls durch zahlreiche 
Lichtbilder illustrierter Vortrag des Dr. Adalbert Klaptocz: „Meine 
Reise nach Französisch-Guinea". 



Bericht über die ordentliche General -Versammlung. 



(97j 



Ordentliche General-Versammlung' 

am 7. Mai 1913. 
Vorsitzender: Herr Prof. Dr. R. v. Wettstein. 

Nachdem der Vorsitzende die Versammlung eröffnet und zu- 
gleich mitgeteilt hat. daß der Generalsekretär Eudolf Schröding er 
leider durch Krankheit verhindert sei, der General -Versammlung ^ 
beizuwohnen, erstattet er nachfolgenden Jahresbericht: 

Hochverehrte Versammlung! 

Die vorjährige Jahres -Versammlung gab uns Gelegenheit, ein 
seltenes Jubiläum zu feiern; wir feierten das 50jährige Protektorats- 
Jubiläum Seiner kais. Hoheit des Herrn Erzherzogs Rainer. Als 
wir damals den Anlaß benutzten, um unsere Gefühle der Dankbar- 
keit und Verehrung auszudrücken und zum sichtbaren Zeichen dieser 
Empfindungen die Erzherzog-Rainer-Medaille für hervorragende 
wissenschaftliche Verdienste stifteten, da ahnten wir nicht, daß 
schon so kurze Zeit später diese Stiftung den Charakter einer 
Erinnerungs-Stiftung für einen Dahingeschiedenen annehmen werde. 
Wir haben schon unmittelbar nach dem Hinscheiden unseres laug- 
jährigen und hochverehrten Proktektors unsere Trauer in solenner 
Form zum Ausdrucke gebracht: es erschien mir aber unseren Ge- 
fühlen entsprechend, wenn ich heute anläßlich der Jahres -Versamm- 
lung nochmals dieses traurigen Ereignisses einleitend gedenke. 

Auch sonst hat das vergangene Jahr uns schwere Verluste 
gebracht. Aus der Zahl unserer Ehrenmitglieder schied Prof. Dr. 
Eduard Strasburger in Bonn, einer der Männer, die sich rühmen 
können, durch jahrzehntelange Forscherarbeit einen ÜberbHck über 
die Gesamtheit der Lebenserscheinungen des Pflanzenreiches erlaugt 
zu haben, zugleich ein Forscher, dessen Arbeiten auf dem Gebiete 
der Cytologie wesentlich zum Aufbau unserer Kenntnisse beitrugen. 
Das Hinscheiden unseres treuen Freundes Michael F. Müllner, 
der in so munifizenter Weise unserer Gesellschaft in seinem Testa- 
mente gedachte, wurde schon im vorjährigen Jahresberichte unter 

Z. B. Ges. 63. Bd. ff 



(98) 



Bericht über die ordentliche General -Versammlung. 



Würdigung seines von treuer Freundschaft und von hoher Achtung 
vor der Wissenschaft zeugenden Vorgehens erwähnt. 

Es starben ferner das Ehrenmitglied Direktor Ludw^ig Gangi- 
bauer in Wien, das lebenslängliche Mitglied Prof. Samuel Scudder 
in Cambridge, die Herren Hofrat Prof. Dr. W. Blasius in 
Braunschweig, Rudolf Jussel in Bregenz, Dr. Eugen Kleibl, 
Heinrich Locke, Polizeirat Franz Sanddny und 0. Zugschwerdt 
in Wien. 

Besonders schmerzlich traf uns das Hinscheiden Direktors 
Gangibauer, vielen von uns persönlich befreundet und ein her- 
vorragender Vertreter jener streng induktiv arbeitenden Richtung 
der Biologie, die, Verzicht leistend auf die momentanen Erfolge glän- 
zender Ideen und weittragender Deduktionen, Werke von bleiben- 
dem Werte schatft. Ein Kreis von Freunden des Verstorbenen hat 
sich zu dem Zwecke zusammengetan, um durch Beschaffung eines 
Gangelbauer-Fonds die Mittel zur Errichtung einer Stiftung aufzu- 
bringen, die unter der Verwaltung unserer Gesellschaft stehend, die 
Förderung der Entomologie zum Zwecke haben soll. Das Komitee, 
in dessen Mitte insbesondere Herr Prof. Dr. Oskar Simon y eine 
rührige Tätigkeit entfaltete, hat bisher den Betrag von rund K 6000 
gesammelt und unserer Gesellschaft übergeben. 

In diesem Zusammenhange möchte ich gleich, dem nächsten 
Jahresberichte vorgreifend, einer neuen Zuwendung gedenken, welche 
wir der freundlichen Gesinnung eines verstorbenen Mitgliedes ver 
danken. 

Der am 2. Januar d. J. in Wien verstorbene Herr Karl Mayer 
hofer, k. k. llofopernsänger, hat laut Zuschrift des k. k. Bezirks 
gerichtes Hietzing vom 23. April d. J. der k. k. zoologisch-bota« 
Mischen Gesellschaft den Betrag von K 1000 testamentarisch vei 
macht. Mit herzlichstem Danke haben wir von dieser edlen Hand- 
lung Kenntnis genommen, die uns an eine Persönlichkeit erinnert, 
welche durch ihr liebenswürdiges heiteres Wesen sich in unserem 
Kreise viele Freunde erwarb. 

Es darf wohl als ein hocherfreuliches Zeichen des Verhältnisses 
unserer Mitglieder zu unserer Gesellschaft aufgefaßt werden, wenn 
^vrndc in den letzten Jahren sich solche letztwillige Verfügungen 
mehren. 



Bericht über die ordentliche General -Versammlung. 



(99) 



All den Dahiageschiedenen werden wir ein treues Andenken 
bewahren. 

Die Tätigkeit der Gesellschaft bewegte sich im vergangenen 
Jahre in den bewährten Bahnen und war eine nach allen Rich- 
tungen sehr rege. Über die Versammlungen und Publikationstätig- 
keit werden die Herren Funktionäre des Näheren berichten. 

Hier möchte ich nur darauf hinweisen, daß zu den bestehen- 
den ständigen Komitees und Sektionen im abgelaufenen Jahre ein 
neues ständiges Komitee hinzugetreten ist, eines für Naturschutz. 
Dasselbe hat die Herren Dr. Oster meyer zum Obmann, v. Lorenz 
und Hayek zu Obmannstellvertretern, Gin zb erger und Holdhaus 
zu Schriftführern gewählt und in der kurzen Zeit seines Bestandes 
eine sehr rege Tätigkeit entfaltet. Schon früher hat sich unsere 
Gesellschaft mehrfach mit Fragen des Naturschutzes der Heimat 
befaßt, ich erinnere nur an die über ihre Anregung erfolgte Rege- 
lung des Wiener Marktverkehres in bezug auf lebende Pflanzen, 
an ihre Einflußnahme auf das niederösterreichische Pflanzenschutz- 
gesetz und an die Schaffung der (7ram6e-Reservation im Marchfelde. 
In neuerer Zeit hat die Naturschutzbewegung einen solchen Um- 
fang angenommen, daß es zweckmäßig erschien, speziell für die 
biologische Seite in unserer Gesellschaft ein eigenes Organ zu 
schaffen. Unser Komitee hat auch schon einige Erfolge zu ver- 
zeichnen; es gelang ihm mit der Gemeinde Nikolsburg ein Ab- 
kommen zu treffen, nach dem der pflanzengeographisch hochinter- 
essante Standort der Ävena desertoriim auf dem Galgenberge ge- 
sichert erscheint, es hat durch gütige Vermittlung des Herrn Prof. 
V. Maren zeller Verhandlungen mit Herrn Baron R. Dräsche ge- 
pflogen, welche die Erhaltung der schönen Pflanzen- und Tierstand- 
orte auf dem Eichkogel bei Mödling als wahrscheinlich erscheinen 
lassen, und in einigen anderen Fällen hat es mit Erfolg die Initia- 
tive ergriffen, wenn es sich um den Schutz einzelner Tier- und 
Pflanzenarten handelte. 

Die auf die Schaffung einer pflanzengeographischen 
Karte von Osterreich abzielenden, vom hohen Ackerbauministerium 
subventionierten Arbeiten haben im Berichtsjahre ihre Fortsetzung 
gefunden. An den Aufnahmsarbeiten beteiligten sich die Herren Dr. 
Ginzberger, Dr. Vierhapper, Prof. Nevole, Prof. Dr. Schar- 



(100) 



Bericht über die ordentliche General -Versammlung. 



fetter, Prof. Dr. PodpÖra, Prof. Dr. Heimerl, Alois Teyber 
und Fr. Morton. 

Das vom k. k. Unterrichtsministerium subventionierte Komitee 
zur Beschaffung naturwissenschaftlicher Lehrmittel für 
Schulen setzte seine verdienstvollen Arbeiten unter der Leitung des 
Herrn Prof. Dr. Stadl mann fort. 

Die weitverzweigte Tätigkeit unserer Gesellschaft verdankt 
ihre Erfolge dem einträchtigen und opferwilligen Zusammenarbeiten 
zahlreicher Personen; ich kann hier nicht jedes einzelnen gedenken, 
mögen alle Funktionäre des herzlichsten und aufrichtigsten Dankes 
versichert sein. 

Speziell möchte ich mich aber mit Worten des Dankes an 
Herrn R. Schrödinger wenden, der in uneigennützigster Weise 
im Berichtsjahre die Funktionen unseres schwer erkrankten General- 
sekretärs übernommen und in einer für unsere Gesellschaft überaus 
ersprießlichen Weise geführt hat. 



Bericht der Herren Redakteure Kustos A. Handlirsch 
und Dr. V. Pietschniann. 

Der 62. Band unserer „Verhandlungen" umfaßt 684 Seiten 
und enthält außer den Berichten über alle Veranstaltungen der Ge- 
sellschaft 77 wissenschaftliche Originalarbeiten und Mitteilungen 
aus allen Zweigen unserer Wissenschaft. Wenn auch naturgemäß 
wieder die systematisch-deskriptive Richtung überwiegt, so finden 
sich doch auch in diesem Jahrgange wieder einige Arbeiten all- 
gemeiner Natur, welche nicht nur für den Spezialforscher von In- 
teresse sind. 

Nach vielen lioniiihungen ist es uns, dank einer vom hohen 
Ministerium für Kultus und Unterricht gewährten Subvention, end- 
lich gelungen, den Weiterbestand unserer für größere zusammcn- 
fasHcnch; Arbeiten bestimmten „Abhandlungen" zu sichern. Es 
konnten aus den vorhandenen Mitteln die Kosten für die ersten zwei 
Niiniriiorn des VII. Landes bestritten werden, welche eine Mono- 
graphie, der Dictyoj)horiiieii mit f) 'J'afeln von Dr. Melichar und 
die pflan/.engeograpliiselie Aiifiialime der Fisencrzer Alj)en mit einer 
Karte von Herrn J. Nevole enthalten. Eine inykologische, reich 



Bericht über die ordentliche General -Versammlung. 



(101) 



illustrierte Arbeit von Dr. Theissen ist gegenwärtig im Druck und 
weitere Manuskripte liegen bereit. Das weitere Gedeihen dieses 
Unternehmens wird von der Unterstützung abhängen, die wir durch 
zahlreiche Abonnements aus der Reihe der Mitglieder und sonstigen 
Interessenten erhoffen, umsomehr, als der Abonnementspreis ein 



außerordentlich mäßiger ist. 



Bericht des llechnungsfülirers Herrn Julius v. Hunger- 

byeliler. 

Einnahmen pro 1912: 

Jahresbeiträge mit Einschluß der Mehrzahlungen . . K 7.740.63 

Subventionen „ 3.350 . — 

Subvention des h. k. k. Ackerbau-Ministeriums für die 
pflanzengeographische Aufnahme Österreichs 

(1. Halbjahrsrate) „ 500. — 

Subvention des h. k. k. Ministeriums für Kultus und 

Unterricht für Herausgabe der „Abhandlungen" „ 1.000. — 
Vergütung des h. n.-ö. Landesausschusses für die 

Katuralwohnung im Landhause „ 5.000. — 

Verkauf von Druckschriften „ 1 .000 . 20 

Interessen von Wertpapieren und Sparkassa-Einlagen „ 1.215.17 
Vom Komitee für die Beschaffung von Lehrmitteln 
für Schulen als Regiekostenersatz für die Jahre 
1908—1912 „ 1.000.— 

Summa . . K 20.80G.— 

Ausgaben pro 1912 : 

Honorar des Herrn Generalsekretärs K 1.200. — 

Besoldung der Frau Kanzlistin und des Dieners. . „ 2.168.85 

Remunerationen und Neujahrsgelder „ 162. — 

Gebührenäquivalent . „ 41 . 10 

Versicherungsprämie für Bibliothek, Herbar und Ein- 
richtung (gegen Feuersgefahr und Einbruch) . „ 153.17 

Transport . . K 3.725.02 



(102) 



Bericht über die ordentliche General -Versammlung. 



Transport . . K 3.725.02 
Beheizung, Beleuchtung- und Instandhaltung der Ge- 

sellsehaftslokalitäten „ 1.003.18 

An die Wiener Bezirks-Krankenkasse, Versicherungs- 
beitrag (für Kanzlistin und Diener) . . . . „ 60 . 12 
Kanzleierfordernisse und allgemeine Regie . . . „ 994 . 37 
Porto und Stempelauslagen „ 893 . 88 



Herausgabe von Druckschriften: 

Verhandlungen", Bd. 62 (10 Hefte) . . . . „ 6.039.34 
„Abhandlungen", Bd. VII, 1. Heft: Monographie 
der Dictyophorinen (Homoptera). Von Dr. L, 



Melichar (mit 5 Tafeln) „ 1.503.30 

Bücher- und Zeitschriftenankauf „ 1.414.69 

Buchbinderarbeiten für die BibHothek „ 522.77 

Honorar für Referate „ 4 . 50 

Auslagen für pflanzengeographische Aufnahmen . . „ 900 . — 
An die Stiftung zur Schaffung eines Gangibauer- 
Preises „ 500. — 

Sonstige verschiedene unvorhergesehene Auslagen . „ 426.44 

Amortisation: Ankauf von 3600 Kronen Mairente . „ 2.993. — 

Summa . . K 20.980. 71 



Ferner besitzt die Gesellschaft an Wertpapieren: 

K 15.600. — nom. Einheitliche konvertierte steuerfreie 4 ^/o ige 
Kronenrente (Mai-Novemberrente), 

K 5.000. — nom. Einheitliche konvertierte steuerfreie 4"/oige 
Kronenrente (Januar-Julirente), 

K 6.700. — nom. Österreichische steuerfreie 4^'/,) ige Kronenrente 
( mit März-Septcmber-Kupon), 

K 400. — nom. Osterreichische steuerfreie 3^2 Vo^^^ Investi- 
tionsrciito (mit Fcbruar-August-Kupoii), 

1 Stück Kudolfs-Los, Serie 3898, Nr. 48, per 10 fl. ö. W. Nom., 

2 „ Aktien des „Botanischen Zentralblattes", Nr. 6 und 7, 
ddo. Leiden, 1. Januar 1902, ii 250 fl. Nom. 



Bericlit über die ordentliche General -Versammlung. 



A^rzeichnis 
der im Jahre 1912 der Gesellschaft gewährten 



Subventionen : 

Von Sr. k. ii. k. Apost. Majestät Kaiser Franz Josef 1. K 400. 
Von Ihren k. u. k. Hoheiten den durchl. Herren Erz- 
herzogen : 

Kainer „100. 

Eugen „100. 

Franz Salvator „ 50. 

Friedrich „100. 

Karl Franz Joseph „ 100. 

Von Sr. Durchlaucht dem regierenden Fürsten Johann 

von Liechtenstein „ 100. 

Von Sr. Majestät dem Könige von Bayern . . . . „ 80. 

Von Ihrer kgl. Hoheit Prinzessin Therese von Bayern „ 20. 

Von Sr. kgl. Hoheit dem Herzoge von Cumberlaud „ 40. 

Vom hohen k. k. Ministerium für Kultus und Unterricht „ 600 . 

Vom löbl. Gemeinderate der Stadt Wien „ 1500. 

Subventionen für spezielle Zwecke: 

Vom hohen k. k. Ministerium für Kultus und Unterricht 

für Beteilung von Schulen mit Lehrmitteln . . K 2000 . 
und für Herausgabe der „Abhandlungen" . . „ 1000. 

Vom hohen k. k. Ackerbauministerium für die pflanzen- 
geographische Aufnahme Österreichs (für das 
1. Halbjahr 1912) „ öOO. 



"Verzeichnis 
der für das Jahr 1912 geleisteten höheren Jahresbeiträ 



von 14 K aufwärts. 

Von den P. T. Herren : 
Dräsche Freih. v. Wartimberg, Dr. Richard . . . K 100. 
Wettstein Ritter v. Westersheim, Prof. Dr. Richard, 

k. k. Hofrat „ 50 . 

Steindachner, Dr. Franz, k. k. Hofrat ..... „50. 



Beridit über die ordentliche General -Versaiiimhiii}?. 



Schwarzenberg, Fürst Adolf Josef, Durcblaneht . . K 30. — 
Dziiiszynski Clemens, Marenzeller, Dr. Emil von, 
Nopesa, Baron Dr. Franz, Ostermeyer, Dr. 

Franz, je „ 20. — 

Strauß Ferdinand «18- — 

Boßler L., Ingenieur „16. — 

Rossi Ludwig, k. k. Major, Low Paul, je 15.— 

Bunzlau Max, Imhof, Dr. Otbmar Emil, Netuscbil 
Franz, k. k. Major, Tscberning, Dr. Aug., Uni- 
versitäts-Bibliotbek in Tübingen, Wesley W. and 
Sobn, London, je „ 14.— 



Bericht des Bibliothek-Komitees. 

Die Geschäfte der Bibliothek besorgte Herr Kustos Dr. A. 
Zahlbruckner. 

Der Zuwachs der Bibliothek im Jahre 1912 betrug: 

Ä. Zeit- und Gesellschaftsschriften: 

als Geschenke ... 2 Nummern in 3 Teilen, 
durch Tausch ... 301 „ „ 380 „ 
„ Kauf .... 21 „ „67 „ 



Zusammen . . 324 „ „ 450 

jy. Einzelwerke und Sonderabdrücke: 

als Geschenke ... 126 Nummern in 148 Teilen, 
durch 'J'ausch ... 54 „ „ 69 „ 
„ Kauf . . . . 12 „ „ 17 „ 

Zusammen . . 192 „ „ 234 „ 

Ks konnten daher der Bibliothek 684 Nummern einverleibt 
\v(M(ien. 

Geschenke für die Bibliothek widmeten: Lady Hanbury- 
La .Mortola und die Herren: Dr. L. v. A mmoii-MlInchen, Kustos 
.1. I'ornni Ii Ihn* Weimar, Konservator .1. liruii nthaler-Wien, ]*rof. 
|)r. II. Di ngler AKchairenburg, Cl. Dziurzy nski-Wien, J^rof. Dr. 



Bericht über die ordentliche General -Versanimliing-. 



(105) 



K. Fritsch-Graz, Dr. E. Galvagni-Wien, Adjunkt Dr. A. Ginz- 
berger-Wien, J. Guerin-Ganivet, Regieruugsrat Dr. E. v. Halacsy- 
Wien, Privatdozent Dr. A. v. Hayek-Wien, Prof. Dr. A. Hetschko- 
Wien, Prof. Dr. W. Himmelbauer-Wien, Prof. F. Höhm-Prag, 
C. V. Hormuzaki-Czernowitz, Privatdozent Dr. E. Janchen-Wien, 
Prof. Dr. P. Kammerer- Wien, Dr. H. Kar ny- Wien, Kustosadjunkt 
Dr. K. V. Keissler-Wien, B. T. Kobatsebew-Sofia, St. Kopec- 
Krakau, H. Kylin-Stockholm, R. Legendre, Prof. Dr. K. Lins- 
bauer-Graz, Prof. Dr. L. Linsbauer-Klosterneuburg, Prof. Dr. A. 
Magocsy-Dietz-Budapest, Prof. Dr. E. v. Marenzeller-Wien, Prof. 
W. May, Dr. A. Modry-Wien, E. Olivier-Moulins, A. d'Orcbymont, 
Dr. R. Pampa nini-Firenze, Konservator Z. C. Pantu-Bukarest, 
Prof. Dr. A. Pas ob er- Prag, Finanzrat Dr. K. Preißecker-Wien, 
Kustosadjunkt Dr. K. Recbinger-Wien, 0. M. Reuter-Helsingfors, 
J. F. Rock-Honolulu, Hauptmann L. Rossi- Agram, Dr. G. Schle- 
singer-Wien, Dr. E. Schreiber-Görz, R. Scbrödinger-Wieu, Dr. 
J. Schuster-München, Dr. F. Sokolar-Wien, Direktor Dr. F. 
Spaeth-Wien, Dr. G. Stadler, Prof. Dr. J. Stadlmann- Wien, 
Lehrer A. Tey her- Wien, P. F. Theyszen, F. Thonner- Wien, 
Dr. A. Voigt-Hamburg, Prof. A. Voß-München, Prof. B. Watzl-Wien, 
Prof. Dr. R. v. Wettstein- Wien und Kustos Dr. A. Zahlbruckner- 
Wien; ferner das königl. Gesundheitsamt in Berlin und die Verlags- 
• buchhandlungen : P. J. Goeschen-Leipzig, Strecker & Schröder- 
I Stuttgart, Franckh-Stuttgart, Th. Thomas-Leipzig, Bibliographi- 
sches Institut-Leipzig und Wien, C. Kabitsch-Wiirzburg, Quelle & 
I Meyer-Leipzig, C. Fromme- Wien, F. Lehmann-Stuttgart, 
j Der Berichterstatter erfüllt eine angenehme Pflicht, indem er 

I im Namen unserer Gesellschaft allen Spendern den herzlichsten 
Dank ausspricht. 

Verausgabt wurden für die Bibliothek: 



Zusammen . . K 1957.46 

Von den Ankäufen seien hervorgehoben die kompleten Serien 
der Zeitschriften: „Natural Science"-London und „Zeitschrift für 
Botanik". 



für Ankäufe . . . , 
„ Buchbinderarbeiten 



K 1414.69 
„ 522.77 



(106) 



Bericht Uber die ordentliche General -Versammlung. 



Neue Tauscbverbindung-en wurden eingegangen mit: 

Allattani Közlem6nyek in Budapest, 

Naturwissenschaftliche Gesellschaft in Bayreuth, 

Entomologische Mitteilungen in Berlin, 

Agricultural Station of Massachussetts, 

College of Hawaii in Honolulu und Queensland-Museum. 

Das Entlehnungsbuch weist 79 Interessenten auf, welche 
216 Bände entlehnten. 



Ordentliche Mitglieder : 

P. T. Vorgeschlagen durch: 

Herr Chiari Alfred, Ingenieur, Zantke, Post 

Gr.-Heilendorf, Mähren . ... Prof. v.Wettstein, R. Schrödinger. 
„ Käufei Franz, Jurist, Wien, VH./l, 

Westbahnstraße 21 Michael Curti, Albert Winkler. 

„ Sei 11 er Anton, Direktionsbeamter, 

Wien, XIII./7, Geylinggasse 11 . Dr. v. Frimmel, Dr. K. Rechinger. 

Die Versammlung nimmt sämtliche Berichte genehmigend zur 
Kenntnis. 

Hierauf hielt Herr R. Semon (München) einen Vortrag: 

Über die Vererbung von funktioneHen Veränderun?»en. 

In einer Versammlung von Fachbiologen das vielumstrittene 
Prol)lem der Vererbung „erworbener Eigenschaften" im Kähmen eines 
Vortrages im ganzen zu behandeln, dürfte unmöglich sein. Dazu 
ist das in Betracht kommende Tatsachenmaterial viel zu groß, die 
Frage selbst zu vielseitig und einer Betrachtung von ganz ver- 
schiedenen Gesichtspunkten aus zu sehr bedürftig. Ich möchte des- 
halb heute nur eine Seite dieser vielgestaltigen Frage einer etwas 
niiborcn Betrachtung unterziehen: die Vererbung funktioneller Ver- 
än(l(;rijn^en. 

W ir sind wohl alle darüber einig, daß es nicht zweckmäßig 
ist, die Fragestellung bei unserem Pro))lem so zu formulieren: Ver- 
erbt sich eine Kigenscliaft in dieser oder jener bestimmten Form?, 



Bericht über die orflentliche General -Versammlung. 



(107) 



sondern daß wir besser fragen: Vererbt sich die Disposition zur 
Hervorbringiing dieser oder jener Eigenschaft? Dispositionen nun 
lassen sich im individuellen Leben durch Reize beeinflußen und 
verändern. Derartige Veränderungen sind zum Teil auf das indivi- 
duelle Leben beschränkt und treten bei der Nachkommenschaft 
nicht wieder in Erscheinung, wenn man diese dem betreffenden 
Reize nicht von neuem aussetzt. In anderen Fällen aber zeigt 
sich die betreffende Disposition bei der Nachkommenschaft, auch 
wenn man sie unter indifferenten Bedingungen hält, bleibend ver- 
ändert. Dies wird heutzutage allseitig anerkannt, ja war auch 
Weismann, als er im Jahre 1883 seinen ersten Angriff gegen die 
Annahme der Vererbung erworbener Eigenschaften richtete, durch- 
aus klar. Reize vermögen die erblichen Dispositionen oder Reaktions- 
normen, vermögen den Genotypus in der Tat zu verändern. Aber, 
so behaupten die Einen unter Führung Weismanns, dies vermögen 
nur Reize, die als elementare Energien (thermische, photische, me- 
chanische^ chemische usw. Energie) zu den Keimzellen vordringen; 
nicht aber der im Soma des Organismus zu Erregungsenergie 
transformierte Reiz. Weismann bezeichnet bekanntlich solche 
ohne Vermittlung des Soma in den Keimzellen entstandene Ver- 
änderungen als blastogene und leugnet das Vorkommen von 
durch Vermittlung des Soma in den Keimzellen entstandenen, so- 
matogenen Veränderungen. 

Wenn man nun diesen Standpunkt nicht teilt, sondern die 
Ansicht vertritt, daß auch im Soma zu Erregungsenergie transfor- 
mierte Reize, daß überhaupt Erregungsenergien verändernd auf die 
Keimzellen einwirken können, so hat man angesichts sehr zahl- 
reicher negativer Ausschläge in dieser Richtung die Pflicht, die er- 
regungsenergetischen Einflüsse, die möghcherweise auf die Keimzellen 
einwirken können, genauer zu analysieren und sie nicht in einen 
Topf zu werfen, was vielfach geschieht. Wir können dann unter- 
scheiden: 

1. Durch stärkere äußere Reize ausgelöste Erregungen, die 
man als ektogene Erregungen bezeichnen kann. 

2. Die durch die Funktion der Organe bedingten, mit der- 
selben untrennbar verknüpften Erregungen: funktionelle Er- 
regungen. 



(108) Bericht. ii1)ei- die ordentliche General -Versammlung. | 

3. Die durch das bloße Vorhandensein eines Körperteils be- 
dingten Erreg-ung-en, die ich, weil ich bisher keinen besseren Aus- 
druck gefunden habe, mit dem mich selbst nicht völlig befriedigenden 
Ausdruck morphogene Erregungen belegt habe. 

Das Vorhandensein dieser letzteren sind wir gezwungen auf 
Grund unserer Erfahrungen über Regulation und Regeneration an- 
zunehmen. Jedes Tier reagiert im ausgebildeten Zustande oder 
doch wenigstens in ontogenetisch frühen Stadien auf die Entfernung 
eines Gliedes mit Regeneration des Defekts; auch an verstümmelten 
Pflanzenkörpern entstehen diejenigen Organe als Adventivbildungen 
neu, die der Pflanze genommen sind, oder aber sie werden regulativ 
ersetzt. An einer entgipfelten Tanne oder Fichte richtet sich ein 
Seitenast aus seiner geneigten Stellung senkrecht auf und wird 
zum Hauptsproß; alles Tatsachen, die uns zu der Annahme führen, 
daß sich die Abwesenheit wie die Anwesenheit jedes Teiles im 
Gesamtzustand der reizbaren Substanz des Organismus bemerklich 
macht. Durch eine Reihe von Tatsachen, auf die ich hier nicht 
näher eingehen will, werden wir aber zu dem Schlüsse geführt, 
daß diese morphogenen Erregungen in der Regel, vielleicht über- 
haupt, zu schwach sind, um eine Induktion der Kleinzellen herbei- 
zuführen und dadurch eine erbliche Wirkung auszuüben. 

Gerade umgekehrt verhält es sich mit den durch stärkere 
äußere Reize ausgelösten Erregungen. Hier hat die moderne ex- 
l)erimeiitelle Biologie, die in Wien an der biologischen Versuchs- 
anstalt in dieser Richtung besonders glänzende Resultate erzielt 
hat, gezeigt, daß durch stärkere äußere Einwirkungen verhältnis- 
mäßig leicht niclit nur das Soma eines Organismus, sondern auch 
gleichsinnig die Entwicklungsdispositionen seiner Keimzellen verändert 
werden können. Und bei einer Anzahl dieser Experimente läßt sich 
meiner Meinung nach der nahezu sichere Nachweis führen, daß die 
Induktion der Keimzellen durch im Soma transformierte Erregungs- 
energie, nicht aber durch die elementaren Energien der unverändert 
bis zu den Keimzellen vorgedrungenen Reize stattgefunden hat. 

Diese neuen Tatsachen werden Ihnen aber naturgemäß be- 
kannt sein, und auch auf die kritische Würdigung derselben möchte 
ich heute verzichtc^n, um mich auHschlicßlicli der noch übrig blei- 
benden (iriip|>e Komatischer Erregungen zuzuwenden, den funk- 



Bericht über die ordentliche General -Versammlung. 



(109) 



tio 11 eilen. In ihrer Stärke nehmen sie eine mittlere Stellung- ein 
zwischen den äußerst schwachen morphogenen und den durch 
starke äußere Reize ausgelösten, ihrerseits sehr starken ektogenen 
Erregungen. 

Übrigens ist eine völlig durchgreifende Trennung der funk- 
tionellen Erregungen von den ektogenen nicht möglich. Mehr oder 
weniger indirekt sind auch die ersteren stets von äußeren Ein- 
flüssen bedingt. Jeder Gebrauch und jeder Nichtgebrauch eines 
Organs hängt von letzteren mit ab, und die hier von uns vorge- 
nommene Trennung hat lediglich eine praktische, keine entschei- 
dende prinzipielle Bedeutung. 

Immerhin ist es aus praktischen Gründen unerläßlich, die 
durch den vermehrten oder verminderten Gebrauch bedingten Ver- 
änderungen von den durch starke äußere Eingriffe bedingten zu 
trennen. Sie unterscheiden sich in allen ausgeprägten Fällen ge- 
netisch sowohl durch die Stärke der in Frage kommenden Er- 
regungen als auch im Zusammenhange damit dadurch, daß die 
einen in verhältnismäßig sehr kurzer Zeit nach nur wenigen Wieder- 
holungen der Einwirkung hervorgerufen werden können, die anderen 
aber dazu äußerst zahlreicher Wiederholungen und deshalb großer, 
gewöhnlich außerordentlich großer Zeiträume bedürfen. 

Bisher sind in letzterer Richtung nur höchst spärliche Ver- 
suche angestellt worden, und diese erstrecken sich durchgehends 
auf viel zu kurze Zeiträume. Es klingt ja ganz imposant, wenn 
wir hören, daß Payne 69 Generationen einer Taufliege, Drosopliüa 
ampehplnla, im Dunkeln gezüchtet hat, und es könnte als bedeu- 
tungsvoll angesehen werden, daß er dabei Degenerationsvorgänge 
irgendwelcher Art an den Augen der Tiere nicht wahrnehmen 
konnte. Wenn man aber die Raschheit der Vermehrung dieser 
Tiere berücksichtigt, findet man, daß sich die ganze Versuchsreihe 
nur über wenige Jahre erstreckt, und daß der damit gegebene Ge- 
samtzeitraum der Einwirkung viel zu kurz ist, als daß man da 
einen erkennbaren Ausschlag erwarten könnte. Dazu kommt, daß 
es sich hier um den Vertreter einer Klasse handelt, die auch so- 
matisch auf den Einfluß der Dunkelheit viel schwächer reagiert 
als andere Klassen, als z. B. die Crustaceen, die Amphibien und 
andere Insekten, die man vom Ei bis zum Imago in völliger 



(110) 



Bericht über die ordentliche General -Versammlung. 



Duukelheit hält, zeigen keinerlei Störung der Pigmententwicklung 
des Körpers. Bei vielen Crustaeeen dagegen genügt schon ein 
Dunkelaufentbalt von wenigen Monaten, um eine Depigmentation 
der äußeren Körperbedeckung einzuleiten. Bei Daphniden tritt 
unter solchen Umständen auch eine starke Depigmentation des 
Auges ein, bei Gammarus und Asellus aber nur die ersten An- 
deutungen dieser letzteren. Hier herrschen also die größten Ver- 
schiedenheiten, und es ist selbstverständlich, daß es unter solchen 
Umständen bei Vererbungsversuchen keineswegs gleichgültig ist, 
mit welchen Objekten man arbeitet. Die ökologischen Beobach- 
tungen von Schneider und Vir6 lehren ferner, daß bei Gammarm 
und Asellus jedenfalls außerordentlich lange Zeiträume zur Erzielung 
erblicher Resultate erforderlich sind. 

Schneider, der die Fauna der Gewässer in einer großen 
Reihe von Bergwerksschächten untersucht hat, fand nur in den 
älteren, nicht aber in den jüngeren Clausthaler Schächten eine merk- 
liche Rückbildung der Augen bei Gammarus piäex, wodurch sich 
diese Formen der gänzlich augenlosen Grottenform Gammarus 
(Nipliargus) puteanus nähert. Noch längerer Zeit scheint die Augen- 
rückbildung bei Asellus zu bedürfen. Lange suchte Schneider 
vergeblich, und richtete deshalb sein Augenmerk darauf, unter- 
irdische Gewässer in immer älteren Ausschachtungen zu unter- 
suchen. Von den Clausthaler Schächten wandte er sich zu den 
Freiberger Grubenrevieren und fand endlich das Gesuchte in Stollen- 
werken, welche die Clausthaler Gruben an Alter bedeutend über- 
trefTen. In einem der ältesten der Freiberger Schächte (Rote 
Grube), der seit Menschengedenken nicht mehr befahren wird und 
etwa 400 Jahre alt sein dürfte, fand er ein abgeschlossenes Wasser- 
becken, das ausschließlich einen Asellus beherbergt, dessen Auge 
zwar noch aus vier Beclicrocellcn besteht, bei welchem die Glas- 
körper aber einer nicht zusammenhängenden Pigmentmasse nur noch 
locker eingefügt sind und auch zu der nur mangelhaft ausgebildeten 
('ornea in keiner engeren Ik'ziehung mehr stehen. Diese P)efunde 
SchneiderH werden durch paralh'Je, unabhängig {ingestellte Be- 
obachtungen \'ir('',K an der Fauna der uiitcrinlisclicn (iewässer des 
Pariser lieckcnH bestätigt und (;rweilert. 



Bericht über die ordentliche General -Versammlung. 



(III) 



Die Daphniden reagieren^ wie ich bereits erwähnt habe, von 
vornherein, sowohl was Pigmentierung der Körperdecke als auch 
was Augenpigment anlangt, stärker auf Entziehung des Lichtes. 
Ob sich bei ihnen schneller als bei Gammariden und Aselliden auch 
erbUche Wirkungen in dieser Richtung werden erzielen lassen, was 
man nach gewissen^ freilich erst Anfänge darstellenden Versuchen 
von Kapterew vermuten könnte, ist vorläufig noch zweifelhaft 
und kann nur durch längere Fortsetzung solcher Versuche unter 
allen nötigen Kautelen entschieden werden. 

Welche Bedeutung der zeitliche Faktor in allen den Fällen 
besitzt, wo es sich nicht um eingreifende äußere Reize handelt^ 
dafür möchte ich noch ein weiteres Beispiel, und zwar aus dem 
Gebiete der Akklimatisation der Pflanzen, anführen. Sät man al- 
pine Pflanzen im Tieflande aus und kultiviert sie dort, so erlei- 
den sie bekanntlich sofort ganz bestimmte Veränderungen und 
nehmen den Charakter von Tieflandpflanzen an; dasselbe findet in 
umgekehrter Richtung statt, wenn man Tieflandpflanzen in alpiner 
Lage kultiviert. Aus diesen Beobachtungen, die von Nägeli und 
dann besonders von Bonnier angestellt worden sind, hat man 
vielfach den Schluß gezogen, daß das Milieu lediglich auf das Soma 
der betreffenden Organismen wirke, und daß durch diese Beob- 
achtungen der Gedanke, das Milieu könne erbliche Wirkungen 
hervorbringen, widerlegt sei. Ein sehr voreihger Schluß, gegen 
den sich schon die Versuche Bonniers selbst ins Feld führen 
lassen. Denn dieser Forscher fand bereits, ebenso wie Lesage, 
bei seinen Akklimatisation s versuchen einen gewissen erblichen Ein- 
fluß insofern, als die Veränderungen sich in der zweiten Generation 
häufig im Vergleich zur ersten verstärkt zeigten. Es ist aber 
ferner ganz unstatthaft, bei solchen Versuchen den zeitlichen Faktor 
derart außer Betracht zu lassen, wie es bisher noch fast immer 
geschehen ist. Dies beweisen in vollem Einklänge mit den eben 
besprochenen Beobachtungen Schneiders und Vires folgende in- 
teressante Tatsachen, die Zederbauer ermittelt hat. Eine geno- 
typische Form von Cajpsella hursa xiastoris, welche iaraxacifolium 
ähnelt, bewohnt die Tiefebenen Kleinasiens und zeigt die bekannten 
Charaktere der Form: die breiten Blätter, die weißlichen Blüten, 
den 30 — 40 cm hohen Stengel. Eine Landstraße führt zu einem 



(112) 



Bericht über die ordentliche General -Versammlung. 



Plateau von 2000 — 2400 m Höhe, und längs dieser Straße hat sich 
die Pflanze infolge von Verschleppung durch den Menschen ver- 
breitet. Oben auf dem Plateau hat sie gewisse alpine Charaktere 
angenommen, bestehend in verlängerten Wurzeln, zwerghaftem, 
2 — 3 cm hohem Stengel, xerophilem Bau der Blätter, rötlichen 
Blüten und einer bedeutenden Zunahme der Behaarung der ganzen 
Pflanze. Daß die Auffassung von der Art ihrer Verbreitung richtig 
ist, wird durch die Tatsache bewiesen, daß, wenn man Samen der 
Pflanze aus dem Tieflande in höhere Lagen verpflanzt, die ange- 
führten alpinen Merkmale sofort als direkte somatische Antworts- 
reaktion in Erscheinung treten. Nahm nun Zeder baue r umge- 
kehrt Samen derjenigen Pflanzen, die das Hochplateau bewohnen, 
wo ihre Vorfahren viele Jahre oder Jahrhunderte lang gelebt haben, 
und säte sie in Wien aus, so trat folgendes ein: Innerhalb von 
vier Generationen verschwand der xerophile Bau der Blätter, die 
anderen alpinen Charaktere aber erhielten sich und variierten 
nur innerhalb mäßiger Grenzen. Die Stengel zeigten nur eine 
Zunahme von durchschnittlich 1 — 2 cm, die Wurzeln wiesen ent- 
sprechend kleine Veränderungen auf. Die die Infloreszenzen tragen- 
den Stengel und die Blütenorgane behielten ihre alpinen Charaktere. 
Nur die Bltitenfarbe ist wieder zum Weiß zurückgekehrt. Die 
strukturellen und daraus folgenden funktionellen Veränderungen 
sind, wie wir sahen, ursprünglich direkte somatische Antworts- 
reaktionen. Man kann, wie der bekannte Experimentator und Ak- 
klimatisationsforscher Mac Dougal sagt, „der Folgerung nicht aus- 
weichen, daß der Eindruck des alpinen Klimas auf das Soma sich 
dem Keimi)lasma allmählich derartig mitgeteilt hat, daß er von 
ihm weitergegeben werden kann, und daß dauernd wiederholte 
lieizung durch klimatische Einflüsse der wesentliche Faktor bei 
der allmählichen Fixation gewesen ist." 

Ich bin auf diesen interessanten Fall von Akklimatisation 
liier eingegangen, um die IJedeutung des zeitlichen Faktors bei 
allen Exf)orimcntcn, bei denen nicht starke äußere Reize zur An- 
wendung gebracht werden, zu zeigen. Auf dem (Gebiete der Ak- 
klimatiHation besitzen wir übrigens auch Ergebnisse, die auf rein 
exp(;rinientcller (irundlage beruhen und bereits heute als positive 
ZeugnisKC für erblielien Einfluß des Milieus erklärt werden können. 



Bericht über die ordentliche General -Versanun hing. 



(113) 



Ich erinnere nur an die Mitteilungen von Bordage über das 
Immergriinwerden des Pfirsichbaumes in den Tropen und die erb- 
liche Übertragung dieses Charakters auf die Nachkommenschaft. 

Ich möchte noch auf ein anderes Erscheinungsgebiet im Be- 
reiche der Botanik mit wenigen Worten eingehen, aus dem sich 
eine Art Gegenprobe auf das bisher Angeführte anstellen läßt. Be- 
kanntlich führen eine Anzahl Pflanzen, die ganz verschiedenen 
Pflanzenfamilien angehören, Akazien, Mimosen, Robinien, PJiaseolus- 
Arten usw. unter dem Einflüsse der täglichen Belichtung und nächt- 
lichen Verdunklung Bewegungen aus, welche man als Schlafbewe- 
gungen, nyktinastische Bewegungen bezeichnet. Entsprechend der 
tagesperiodischen 12 stündigen Belichtung, 12 stündigen Verdunklung 
finden diese Bewegungen in einem 12 : 12 stündigen Turnus statt. 
Diese Bewegungen, schon seit lange bekannt und auch wissen- 
schaftlich studiert, wurden im Jahre 1875 von Pfeffer einer als 
klassisch zu bezeichnenden experimentellen Untersuchung unter- 
worfen, die außerordentlich viel Neues von bleibendem Werte zu 
Tage gefördert hat, Pfeffer nun zog damals und auch später aus 
der Tatsache, daß diese Bewegungen im Laufe einer Anzahl von 
Tagen allmähhch aufhören, wie man sagt, „ausklingen", wenn man 
die Pflanzen andauernd entweder im Hellen oder im Dunkeln hält, 
den Schluß, daß jede erbliche Fixierung dieser Periodizität ausge- 
schlossen sei, und er erklärte, die nyktinastischen Nachwir- 
kungen seien nicht erblich geworden, obwohl sie unter 
dem Einflüsse des Tagwechsels in einer gewaltigen Zahl 
aufeinanderfolgender Generationen wiederholt wurden. 

Dies wäre in der Tat ein bedenklicher Einwand gegen die 
erbliche Wirkung von durch außerordentlich lange Zeiträume hin- 
durch wiederholten Milieueinflüssen und dadurch bedingten funktio- 
nellen Betätigungen. Experimentelle Untersuchungen aber, die ich 
angestellt habe, ergaben, daß eine erbliche Einwirkung dennoch 
stattgefunden hat, daß die periodischen Milieueiuflüsse, denen die 
Vorfahren generationen so lange Zeit ausgesetzt worden sind, an 
den Nachkommen nicht spurlos vorübergegangen sind. Verfuhr ich 
nämlich so, daß ich Keimpflanzen von Älhiszia lophanta, die im 
Dunkeln aufgezogen und in ihrem individuellen Leben niemals 
einem 12 : 12 stündigen Beleuchtungswechsel ausgesetzt worden 

Z. B. Ges. 63. Bd. h 



(114) 



Bericht über die ordentliche General -Versammlung. 



waren, nicht, wie dies bisher immer gemacht worden war, entweder 
konstanter Dunkelheit oder konstanter Helligkeit aussetzte, sondern 
daß ich einen ganz fremdartigen Turnus anwendete — ich wählte 
6 stündige Belichtung und 6 stündige Verdunkelung sowie 24stün- 
dige Belichtung und 24 stündige Verdunkelung — , so begannen sie 
unter diesem Einfluß Schlafbewegungen auszuführen. Die so indu- 
zierten Bewegungen waren aber keineswegs das reine Produkt der 
äußeren Reize, sondern erfolgten im 12 : 12 stündigen Tagesturnus 
der nur leicht durch die im fremdartigen Turnus einfallenden 
äußeren Reize modifiziert war, was noch reiner hervortrat, wenn 
man die intermittierende Belichtung unterbrach und die Pflanzen 
dann längere Zeit kontinuierlicher Helle oder kontinuierlicher Dunkel 
heit aussetzte. Pfeffer hat später diese Versuche wiederholt un 
im Grunde ganz analoge Resultate erhalten, wollte aber dennoch 
zunächst eine inhärente, erbliche Bewegungsdisposition zum 12:12 
stündigen Bewegungsturnus nicht unbedingt zugeben, vor allem 
weil „autonome" Bewegungen in diesem Turnus nicht auftrete 
sollen. Spätere Versuche von Stoppel sowie Stoppel und Knie 
über das Offnen und Schließen von Blüten (Calendula, Bellis 
deckten aber das Vorhandensein auch einer autonomen Bewegungs 
tätigkeit im Turnus der Tagesperiodizität auf, und Pfeffer fan 
schließlich selbst für die Blätter von Phaseoltis, daß die Schlaf 
bewegungen unter ganz bestimmten Bedingungen (Verdunkelun 
des Gelenks bei gleichzeitiger Ikleuchtung der Lamina) auch be 
konstanter Beleuchtung dauernd fortgesetzt werden. Auch Pfeffe 
ist jetzt von dem Vorhandensein einer tagesperiodischen, erblic 
bedingten Bewegungstätigkeit überzeugt und macht nur noch di 
Einschränkung, daß der Beweis nicht durch meine Versuche, son 
dern durch die späteren Stoppeis und seine eigenen erbracht sei 
Das ist ja aber Nebensache. Die Hauptsache ist, daß damit da 
Gegenteil seiner früheren Behauptung erwiesen ist, die nyktina 
Ktischen Nachwirkungen seien nicht erblich geworden oder, wi 
Weismann es ausdrückte, Einflüsse, die tausende von Generationc 
hindurch (Mngewirkt haben, hiitten keinerlei Eindruck im Keim 
)»laHma hinterlaHHcn. 

Der (^ben dargCHtclIte Nachweis benihi auf experimenteller 
BasiH. Auch in dem vorhin wiedergegebenen, von Zederbauer 



Bericht über die ordentliche General -Versammlung. 



ai5) 



untersuchten Fall sind Teile der Beweiskette einer experimentellen 
Prüfung unterworfen. Die betreffenden eigenartigen Dispositionen, 
um die es sich da handelt, sind aber nicht experimentell neu ge- 
schaffen oder umgeschaffen worden. Die rein experimentelle Um- 
bildung von Dispositionen ist allerdings bereits schon wiederholt 
gelungen, aber mit Sicherheit bisher fast immer nur mittels stär- 
kerer äußerer Reize, wie wir sie in den Experimenten Kammerers 
und anderer angewandt sehen. Es erhebt sich nun die Frage: 
Haben wir unser Urteil über den uns hier beschäftigenden Teil 
des Gesamtproblems, die Vererbung funktioneller Veränderun- 
gen, so lange zu vertagen, bis der Beweis durch Zuchtexperi- 
mente geführt ist, und haben alle anderen Zeugnisse keine Beweis- 
kraft? Vieles läßt sich gegen die Einnahme eines solchen Stand- 
punktes einwenden, der ganz allgemein jede historische Forschung 
im Bereiche der Biologie mundtot machen würde. Erlassen Sie mir, 
heute darauf einzugehen und gestatten Sie mir es. mich auf den 
Standpunkt des Biologen und Paläontologen Osborn zu stellen, 
der die Ansicht vertritt, man käme durch Triangulation der durch 
die verschiedenen Visierhnien des Experimentators, des verglei- 
chenden Anatomen und des Paläontologen gewonnenen Ergebnisse 
der Wahrheit näher als durch die ausschließliche Einnahme eines 
einzigen, notgedrungen einseitigen Standpunktes. 

Von einer solchen Triangulation möchte ich Ihnen hier kurz 
ein Beispiel vorführen. Es betrifft das großartige, schon von uns 
vorher berührte Naturexperiment, dessen Ergebnisse wir vor uns 
sehen, wenn wir die Augen der Fauna vollkommen lichtloser Höhlen 
untersuchen. Analoge Beobachtungen hönnen wir auch in der Tief- 
see anstellen, doch sind dort die Befunde dadurch kompliziert, daß 
infolge der starken Phosphoreszenz vieler Bewohner der Tiefsee 
das dort herrschende Dunkel kein absolutes ist, so daß nur bei 
einem Teil der Bewohner die Sehorgane außer Funktion gesetzt 
und in der Folge rückgebildet sind, bei einem anderen dagegen 
besonders hohe Anforderungen an die funktionelle Leistung der- 
selben gestellt werden, was sich durch besonders hohe Ausbildung 
der Augen (Teleskopaugen usw.) bemerkbar macht. 

Vollständiger Lichtmangel herrscht dagegen in einer Anzahl 
von unterirdischen Höhlen, und auf die dadurch bedingte Außer- 

h* 



(116) 



Bericht über die ordentliche General -Versammlung. 



fiinktionsetzuiig der Augen hat die Bewohnerschaft, welchen Klassen 
und Ordnungen des Tierreichs sie auch angehören mag, in weitestem 
Umfange mit Rückbildungserscheinungen am Sehapparat geant- 
wortet. Wir begegnen da, je nach der untersuchten Art, allen Graden 
von Verkleinerung und Verkümmerung bis zu gänzlichem Schwund 
des Auges und endlich auch des Sehnerven und Ganglion opticum. 
Daß daneben auch höhlenbewohnende Arten mit scheinbar oder 
auch wirklich noch völlig normalen Augen vorkommen, ist gegen- 
über der überwältigenden Fülle der Rückbildung in den verschie- 
densten Tiergruppen ohne weitere Bedeutung. In meiner mono- 
graphischen Bearbeitung des Problems der Vererbung erworbener 
Eigenschaften bin ich näher auf diese eine kleine Minderzahl bil- 
denden Ausnahmen eingegangen und habe sie zum Teil genauer 
analysiert, so daß ich mich hier mit der Angabe begnüge, daß sie 
die Regel nicht umstoßen, sondern bestätigen. Diese Regel lautet: 
Auf eine dauernde gänzliche Lichtentziehung antwortet der tierische 
Organismus, welcher Klasse und Ordnung er auch angehören mag, 
im Laufe der Generationen mit einer sehr allmählich beginnenden, 
aber mit der Zeit immer weiter fortschreitenden Rückbildung der 
Augen. 

An dieser Tatsache ist nicht zu rütteln. Es fragt sich aber, 
ob wir den Mangel des Lichtreizes und den unmittelbar mit ihm 
in Zusammenhang stehenden Ausfall der Funktion als direktes 
Kausalmoment auffassen dürfen und müssen, oder ob er nur in- 
direkt bedingende Ursache ist. Eine solche indirekte Rolle haben 
Weismann und Cucnot dem Lichtmangel und Funktionsausfall 
zuzuerteilen versucht. Weis mann, indem er zunächst Panmixie, 
später aber, diese Erklärung aufgebend, Germinalselektion für die 
Rückbildung verantwortlich machte, wobei er sich vorstellte, daß 
die die Augencntwicklung bestimmenden Determinanten unter diesen 
L'mstiinden selektiv geschädigt würden und allmählich dem Unter- 
^^an^^e verfielen, Cu(ünot, indem er ebenfalls bestritt, daß der äußere 
Licht reiz onto^'-eiKjtisch und phylogen(;lisch irgend eine direkte Be- 
deutung lial)c und eb(;nfallH den Ausfall auf die Verdrängung der 
Elemente des pcriplK^rfui und zentralen Sehorgans durch die stärker 
in Anspruch gcnonirncncn und iilx^rwucherndcn Elemente des Riech- 
und 'JaHtsinriK zuiilckfiil)i-t(!. 



Bericht Uber die ordentliche General -Versammlung-. 



(117) 



Hier nun konnte das Experiment einsetzen und eine Ent- 
scheidung- bringen. Der berühmte Olm, Proteus anguinus, der die 
unterirdischen Höhlen besonders des Karstgebirges um Adelsberg 
bewohnt, besitzt ein hochgradig rückgebildetes Auge, das übrigens 
beim neugeborenen Tiere nicht ganz so rudimentär ist wie beim 
etwas älteren, wo ontogenetisch bereits Gebildetes (z. B. die Linsen- 
anlage) wieder rückgebildet wird. Kamm er er nun unterwarf diese 
Tiere einer von außerordentlichem Erfolge gekrönten Experimental- 
untersuchung, auf die ich hier, so anziehend sie an sich ist, nicht 
näher eingehen kann, sondern von der ich nur die wesentlichen 
Resultate mitteilen will. Hielt Kamm er er die Olme von Geburt 
an so im Hellen, daß es ihnen unmöglich war, tagsüber ihre Augen 
dem Lichteinfliiß zu entziehen^ und verhinderte er auch durch inge- 
niöse Mai3nahmen, daß sich in der Haut über den Augen, also dem 
Cornealbezirk gewöhnlicher Augen entsprechend, Pigment ansam- 
melte und das Augeninnere verdunkelte, so erfolgte nicht nur keine 
Rückbildung des bereits Gebildeten, z. B. der Linsenanlage, sondern 
das Auge erreichte nach fünfjährigem Lichtaufenthalt eine Größe, 
die mit derjenigen der lichtlebenden Kiemenmolche übereinstimmt. 
Sein Durchmesser übertrifft dann dasjenige der nicht experimentell 
beeinflußten Molche, die auf der Höhe ihrer Augenentwicklung stehen, 
um das Vierfache. Auch in seiner inneren Anlage unterscheidet sich 
das so vergrößerte Auge kaum noch von den funktionierenden Augen 
der im Licht lebenden Molchgattungen. Die Augenkapsel ist in 
Sclera und Cornea, die Aderhaut in Chorioidea und Iris (mit Pu- 
pille) differenziert, vordere und hintere Augenkammer und Glas- 
körper haben sich ausgebildet. Die Linsenanlage hat, statt sich 
rückzubilden, eine enorme Menge von Linsenfasern entwickelt und 
hat in der Länge um das 18 fache, in der Breite um das 12^/^,fache 
zugenommen, Sie ist mittels Zonula am jetzt ebenfalls vollkommen 
ausgebildeten Ciharkörper befestigt. An den Sehzellen haben sich 
zwei wohl unterscheidbare Formen von Außengliedern, Stäbchen 
und Zapfen, ausgebildet, die an der Retina des Olm im Normal- 
zustand nie zur Entwicklung gelangen ; sie tauchen teilweise in das 
Pigment eines typisch ausgebildeten Tapetum nigrum. 

Diese enorme Weiterentwicklung über den Entwicklungsgrad 
des Dunkelauges hinaus ist lediglich durch den fünf Jahre hindurch 



(118) 



Bericht über die ordentliche General -Versammlung. 



fortgesetzten Liclitreiz erzielt worden. Teile, wie z. B. die Linsen- 
fasern, die Stäbchen und Zapfen der Netzhaut usw., sind dabei zur 
Ausbildung' gelangt, die im normalen Dunkelauge des Olms auf 
keinem Stadium auch nur angedeutet sind, und Cuenots Ansicht, 
daß die ontogenetische Rückbildung nicht direkt mit der Abwesen- 
heit der Lichtgewalt zusammenhänge, ist dadurch schlagend wider- 
legt. Dasselbe gilt für die Erklärung der Augenrückbildung durch 
Panmixie oder Germinalselektion. Die „Determinanten" oder „Gene" 
für die Bildung der Linsenfasern, der Stäbchen und Zapfen sind 
ja gar nicht geschädigt, und untergegangen, sie sind vollkommen 
erhalten. Sie bedürfen nur zu ihrer Wiedererweckung, zu ihrer 
Ekphorie, eines stärkeren Anstoßes als bei den Augen von Licht- 
tieren, wo sie sich ontogenetisch auch dann manifestieren, wenn 
man die Tiere dauernd im Dunkeln hält. Diese Erschwerung der 
Ekphorie ist also die einzige, freilich schwerwiegende genotypische 
Veränderung, die am Auge des Proteus in der bisher erreichten 
Phase der Rückbildung realisiert ist. 

Vorhin habe ich die in allen möglichen Tierklassen und Ord- 
nungen regelmäßig erfolgende Rückbildung der Augen bei durch 
viele Generationen dauernder Lichtentziehung als ein großartiges 
Naturexperiment bezeichnet. Dies ist nicht etwa ein einzelstehender 
Fall. Paläontologie und vergleichende Anatomie lehren uns viel- 
mehr, daß Aulierfunktiontreten eines Organs unweigerlich zu 
seiner allmählichen Rückbildung, endlich zu seinem gänzlichen Ver- 
luste fuhrt. Dafür gibt es zahllose Beispiele. Ein weiteres, sehr 
markantes will ich hier kurz anführen. 

Es ist eine bekannte Tatsache, daß bei den Wirbeltieren das 
Auftreten mit voller Sohle nur einen langsamen Gang gestattet, und 
daß, je mehr die Lebensweise eine raschere Fortbewegung bedingt, 
um so mehr der ursj)rlinglichc Sohlengang ( Plantigradie) aufgegeben 
und zum Zehengang fDigitigradie) übergegangen wird, bis endlich 
bei d(;n schnellsten und ausdauerndsten Läufern und Springern 
Ifand und Fuß nur noch auf d(;n Spitzen der Endphalangen ruhen, 
wobei j)ari j>assu die KraUen sich um})ihlenj |)hitt, hufähnlich, end- 
lich zu wirklichen Hufen werden. .)e schneller die Fortbewegung, 
um HO kleiner, so/iisa^^'n konzc^iitriertcM', wird alier ghiichzeitig auch 
der Linkreis der auHrtitcMiden Klüche, mittels welcher sich das Tier 



Bericht über die ordentliche General- Versammlung. 



(119) 



vom Boden abschnellt. Es benutzt dann dazu nicht mehr die 
sämtlichen Zehen, sondern vorwiegend die zentral gelegenen, und 
setzt die peripheren mehr und mehr außer Tätigkeit. Wir beob- 
achten nun in allen stammesgeschichtlicheu Reihen der höheren 
Wirbeltiere, wie sich in gleichem Schritt mit dieser Funktions- 
entziehung die peripheren Zehen mit allen ihren zugehörigen Or- 
ganen, besonders ihrer Muskulatur, mehr und mehr rückbildeu, d. h. 
Yon Stufe zu Stufe verkleinern, schließlich ganz verschwinden. 

Dieser Vorgang vollzieht sich, ganz ähnhch wie die Rück- 
bildung der Augen der Höhlentiere, mit größter Regelmäßigkeit 
immer wieder in den verschiedensten Gruppen der höheren Wirbel- 
tiere, und in jeder Reihe durchaus selbständig. 

Bei den Unpaarhufern verfallen zuerst die 1. und 5. Zehe, 
dann die 2. und 4. der Rückbildung, so daß bei dem heutigen 
Pferde bekannthch bloß die 3. Zehe funktioniert, während 1. und 5. 
ganz fehlen, 2. und 4. nur noch in den unbedeutenden Rudimeuten 
der ..Griffelbeine" erhalten bleiben. 

Bei den Paarhufern geht an der vorderen wie hinteren Ex- 
tremität zunächst die 1. Zehe verloren (die übrigens auch bei den 
Unpaarhufern zuerst von der Rückbildung betroffen wird); dann 
werden 2. und 5. rudimentär, schließlich verschwinden sie und nur 

3. und 4. Zehe bleiben unter teilweisen Verschmelzungsvorgängen 
erhalten. 

Ganz parallele Vorgänge beobachten wir aber auch unter 
gleichen funktionellen Bedingungen in anderen, weit entfernten 
Säugetiergruppen, wo sie sich natürlich ebenfalls ganz selbständig 
ausgebildet haben: so bei den springenden Nagetieren, z. B. dem 
dreizehigen Dipus 1. Zehe verschwunden, 5. ganz rudimentär), 
endlich bei den springenden Beuteltieren, wo die 4. Zehe als 
Sprungzehe funktioniert, die 1. verschwunden, 2., 3., 5. Zehe mehr 
oder weniger rudimentär geworden sind. 

Ja selbst bei den Vögeln und sogar bei den Sauriern läßt 
»sich dieselbe Wirkungsw^eise der Funktion, beziehungsweise des 
Ausfalls der Funktion, beobachten. So haben sich unter den Lauf- 
vögeln bei den vollkommensten Läufern, den echten Straußen, 
die Zehen bis auf die 3. und 4. Zehe ganz rückgebildet, auch die 

4. Zehe ist reduziert und funktioniert nur noch beim Stehen. Die 



(120) 



Rcric'lit über die ordentliche General -Versa niniluii}^. 



o. Zehe ist zur eigentlichen Laufzehe geworden und trägt einen 
großen, breiten^ stumi)fen^ hufähnlichen Nagel. Interessant ist auch 
der Übergang zu ausgeprägter Digitigradie, den man hier deutlich 
beobachten kann. — Parallele Keduktionsvorgänge lassen sich end- 
lich auch bei den Dinosauriern nachweisen. 

Wenden wir uns nun aber von den digitigraden Wirbeltieren 
zu den plantigraden und betrachten wir den uns am nächsten an- 
gehenden Sohlengänger, den Menschen. Wir haben soeben bei 
den Digitigraden eine stets gesetzmäßig eintretende erbliche Wir-! 
kung des Nichtgebrauchs kennen gelernt. Der Sohlengang beding! 
nun, wie wir alle wissen, eine regelmäßig eintretende Wirkung des 
Gebrauchs: eine im Vergleich zu anderen Hautstellen (mit Aus- 
nahme der Innenfläche der Hand) sehr starke Verschwielung der 
Sohle und der plantaren Fläche der Zehen. Die Frage erhebt sich, 
ob diese Wirkung der Funktion, die sich in zahllosen Generationen 
wiederholt hat, erbliche Eindrücke hinterlassen hat. Als ich mir 
vor einigen Jahren diese Frage vorlegte und in der neueren ana- 
tomischen und embryologischen Literatur nachsah und auch einige 
befreundete Spezialisten konsultierte, erhielt ich keine brauchbaren 
Auskünfte und stellte deshalb eigene Untersuchungen an, die sofort 
ein positives Resultat ergaben. Währenddessen stieß ich aber in 
Darwins „Abstammung des Menschen" auf eine Notiz, in der auf 
das Zeugnis des Chirurgen Paget hin angegeben wird, daß bei 
Föten schon lange vor der Geburt die Haut an den Fußsohlen dicker 
ist als an irgend einem anderen Teile des Körpers. Darwin fügt 
hinzu, es ließe sich kaum zweifeln, daß dies eine Folge der ver- 
erbten Wirkungen des eine lange Reihe von Generationen hindurch 
stattgefundenen Druckes sei. Die betreffende Ikobachtung nun ist, 
wie weiteres Nachforschen ergab, nicht etwa von Paget, sondern 
von dem alten Anatomen Siegfried Albin (Albinus) schon 1754 ge- 
macht worden, der seinerzeit seine diesbezüglichen Prioritätsrechte 
gegen Albrecht v. Hall er krilftig verteidigen mußte. Allmählich 
geriet diese interessante Entdeckung wieder in Vergessenheit und 
hat keinen Eingang in die neuere embryologische IJteratur ge- 
funden. 

ich flihrt(; bei njcincr Unlcrsuchung eine VergI(Mchung der 
Soidcnhaut mit derjenigen des 1^'ußrUckens durch und fand die be- 



Bericht über die ordentliche General -Versammlung'. 



treffenden Unterschiede schon im dritten Monat des Embryonal- 
lebens auf das Deutlichste ausg-esprochen. Ich achtete auch darauf, 
ob sich vielleicht innerhalb der einzelnen Abschnitte der 
Sohle Unterschiede der Verschwielung während des Embryonal- 
lebens bemerklich machen, erhielt aber keine hinreichend deut- 
lichen Resultate und gab deshalb diesen Teil der Untersuchung zu- 
nächst auf. 

Auf die sonstigen embryologischen Resultate meiner Unter- 
suchung will ich hier nicht eingehen.^) Ich hatte mir nun bei meinen 
Untersuchungen auch die Frage vorgelegt: Wie reagiert im indivi- 
duellen Leben die menschliche Haut an Stellen, die normalerweise 
nicht einem stärkeren Druck ausgesetzt sind, die also nicht der 
Planta pedis und Palma manus angehören, auf einen solchen 
Druck? 

In der von mir zu Rate gezogenen pathologisch-anatomischen 
Literatur erhielt ich keine befriedigende Auskunft über die Be- 
schaffenheit solcher „funktioneller Schwielen", sondern fand nur 
verstreute Angaben, denen ich ein, wie sich später herausstellte, 
gerechtfertigtes Mißtrauen entgegenbrachte. Es fiel mir aber ein, 
daß wir in den hochgradigen kongenitalen Klumpfüßen ein Unter- 
suchungsobjekt besitzen, das auf diese Frage in einer außerordent- 
lich klaren Weise Antwort geben müßte. Infolge der hochgradigen 
Einwärtskrümmung dieser Füße berührt nicht die Sohle, sondern 
der Fußrücken den Boden, auf dem Fußrücken ruht beim Stehen 
wie beim Gehen das ganze Gewicht des Körpers und übt auf seine 
Hautbedeckung den Druck aus, dem normalerweise die Sohle aus- 
gesetzt ist. Hier erfolgt denn auch an den dem Drucke ausgesetzten 
Stellen eine starke Verschwielung; bei einem mir zur anatomischen 
Untersuchung zur Verfügung stehenden hochgradigen kongenitalen 
Klumpfuß, den ich der Güte von Herrn Prof. Ben da verdanke, 
befand sich eine mächtige Schwiele mitten auf dem Fußrücken, 
etwa entsprechend der Ausdehnung des Talus; drei andere kleinere 
auf dem Rücken der 5., 4. und 3. Zehe. Auch die Verschwielungen 

^) Die ausführliche Arbeit ist inzwischen im Archiv für mikroskopische 
Anatomie, Bd. 82, Abt. II (für Zeugungs- und Vererbungslehre), 1913 er- 
schienen unter dem Titel: Die Fußsohle des Menschen. Eine Studie über die 
unmittelbare und die erbüche Wirkung der Funktion. 



(122) 



Bericht über die ordentliche General -A'^ersammliing. 



der Zehen erwiesen sich als echte funktionelle Schwielen und 
keine Clavi. 

Auf den Bau der funktionellen Schwielen werde ich erst 
nachher mit einigen Worten eingehen und zuerst einen naheliegenden 
Gedanken erörtern, auf den ich bei meiner Untersuchung sonder- 
barerweise nicht sofort gekommen bin. Der Besitzer eines solchen 
Fußes setzt zeitlebens beim Stehen und Gehen Hautstellen einem 
Drucke aus, dem sie normalerweise nicht unterliegen. Dafür fehlt 
aber der Druck des Körpergewichtes an den Stellen, die ihm an 
normalen Füßen zeitlebens ausgesetzt sind, d. h. an der Sohle und 
der Plantarfläche der Zehen. Wie reagieren diese Stellen auf das 
Ausbleiben des normalen Druckes? Als ich diese Frage untersuchte, 
fand ich außer anderem zu meinem Erstaunen, daß die Sohle des 
kongenitalen Klumpfußes topographisch genau, wenn auch in ihren 
absoluten Werten etwas abgeschwächt, dieselben Differenzen der 
Verschwielung zeigt, wie wir sie beim normalen Fuß finden, wo 
wir sie naturgemäß (und bis zu einem gewissen Grade mit Recht) 
für Produkte des im individuellen Leben einwirkenden Druckes 
ansehen. Sie entsprechen dort genau den Differenzen der Belastung 
der betreffenden Stellen. 

Beim Stehen ruht die Hauptlast des Körpers in erster Linie 
auf der Ferse, in zweiter auf der Ballengegend, d. h. der Gegend 
über den Kfipfchen der Metatarsalknochen, besonders dem Ballen 
der großen Zehe. Beim Gehen erfolgt die sogenannte „Abwick- 
lung" von der Ferse über die Ballen auf die Beeren der Endglieder 
der Zehen, besonders die Beere der großen Zehe, von wo aus die 
Abstoßung, beim raschen Gehen und Laufen die Abschnellung des 
Körpers erfolgt. Ferse, Ballen und Zehenbeeren sind dement- 
sprechend dem stärksten Druck ausgesetzt, Fußgewölbe und die 
Haut der basalen Zehenglieder dagegen dem schwächsten. Ganz ent- 
8i)rcchend dieser verschiedenen Jielastung findet man nun an nor- 
malen funktionierenden Füßen den Grad der Verschwielung ausgebil- 
det. Sie ist am stärksten an der Ferse, nächstdcm an den Ballen und 
den Beeren d(M' Zehen; ganz außerordentlich viel schwächer im 
Fußgewi)! hf und näclistdem an der Haut (hir basalen Zelienglieder. 

Ich war nun K(dir erstaunt, auch an einem Klumpfuß, dessen 
Solde im individuellen Leben niemals einem derartig al)gestuften 



Bericht über die ordentliche General -Versammlung. 



(123) 



Drucke ausgesetzt worden war, dieselbe Abstufung der Verschwie- 
lung- zu linden, die uns an dem normal funktionierenden Fuße 
entgegentritt. Wie gesagt, hatte ich auf solche Differenzen inner- 
halb der Sohle bei meinen embryologischen Untersuchungen bereits 
vorher geachtet, hatte aber keine recht greifbaren Resultate er- 
halten. Nach den Befunden am Klumpfuße fiel mir ein, daß ich 
vielleicht zu frühe Stadien untersucht hätte, und ich wandte mich 
deshalb nunmehr von den Embryonen zur Untersuchung von Säug- 



Erwachsen 



Klumpfuß 



Säugling 
im 6. Monat 




Ferse Gewölbe Ballen 1. Glied Beere 



der großen Zehe. 

fingen in einem Lebensalter, in welchem jede typische Druck- 
belastung des Fußes durch Stehen und Gehen noch ausgeschlossen 
ist, also zu SäugHngen im Alter von 3 — 8 Monaten. Besonders 
genau habe ich zwei, den einen aus dem Anfang, den anderen 
aus dem Ende des 6. Monats untersucht, ferner auch Kinder, eines 
von 13, das andere von 11 Monaten, die wegen tibergroßer 
Schwäche nie gestanden haben, geschweige gelaufen sind. Bei 
allen untersuchten Objekten ohne Ausnahme fand ich nahezu genau 



(124) 



Bericht über die ordentliche General -Versammluiif? 



dieselben topographischeu Differenzen der Verscliwielung' der Sohle 
wie beim kongenitalen Klumpfuß, und wie die umstehenden 
Kurven zeigen, unterscheiden sich die Kurven funktionsloser Füße 
im wesentlichen nur durch ihre geringere Steilheit von derjenigen 
des durch seine Funktion dem normalen Drucke ausgesetzten P\ißes. 
Der individuell erlebte Druck steigert also nur ein wenig 
Differenzen der Verschwielung, die bereits erblich in 
großer Feinheit und Vollkommenheit vorgebildet sind. 

Auf einen interessanten Punkt möchte ich noch aufmerksam 
machen. Bleiben die Sohlen über das Säuglingsalter hinaus funk- 
tionslos, weil die Kinder aus Schwäche überhaupt nicht gehen 
konnten oder (Klumpfuß) den Fußrücken zum Gehen benutzten, 
so schwindet das bereits im späteren Embryonalleben und Säug- 
lingsalter, also vor der Funktion, gebildete äußere Relief der Haut 
infolge von Kückbildungserscheinungen im Epithel und dadurch be- 
dingten Schwundes der Blaschkoschen Falten des Epithels, durch 
welche das äußere Relief der Planta und Palma bedingt ist. Wir 
haben hier eine hübsche Analogie zum Proteus- Auge^ bei dem sich 
ebenfalls ontogenetisch bereits vor der Funktion Gebildetes später 
wieder rückbildet, wenn die funktionellen Reize ausbleiben. 

Nur mit wenigen Worten will ich hier noch auf die Frage 
eingehen: Wie wirkt der Druck des Stehens und Gehens im 
individuellen Leben auf die ihm ausgesetzten Ilautstellen? Ant- 
wort darauf erteilt am besten die Untersuchung solcher Ilautstellen, 
die keine spezifische Prädisposition zur Verschwielung besitzen, 
also z. ß. die Haut des Fußrückens, die bei Klum})füßen anor- 
maler Weise einem solchen Druck unterliegen. Die Untersuchung 
sowohl der kleinen Zehenschvvielen als auch der großen Tarsal- 
scliwicle an dem mir zur Verfügung stehenden Klumpfuße ergab^ 
daß genau wie an der normalen Fußsohle mit der Stärke die Gr()ße 
der Verscliwielung zunimmt und daß dieselbe sich ausspricht: 

1. in der Dicke sowie; der Hoschaß'enheit (Festigkeit^ Struktur) 
der 1 lornscliiciit, 

2. in dem Verhalten des unverhornten Epithels, dem Indietiefe- 
wacliKen der PeteleiHt(!n und einer entsprechenden Frliiilinng d(!r 
l'ajiillen der Lederliaut. 



Bericht über die ordentliche General -Yersammhino-. 



(125) 



Alle diese Veränderimgen erfolgen genau proportional der 
Stärke des lange Zeit Lindurcli wiederholten Druckes. Wir haben 
sie also als eine Reaktion der Haut an jeder beliebigen Stelle des 
Körpers, nicht etwa nur der besonders prädisponierten Haut der 
Fußsohle und des Handtellers anzusehen. Daraus ergibt sich ohne 
weiteres, daß, wenn keinerlei topographisch-spezifizierte Prädispo- 
sitionen für die Verschwielung der Sohle vorhanden sein würden, 
der im individuellen Leben beim Stehen und Gehen ausgeübte 
Druck allein an sich das Bild hervorrufen müßte, wie wir es an 
der Sohle des normalen Fußes finden. Das Vorhandensein solcher 
spezifischer Dispositionen ist aber andererseits durch die Unter- 
suchung der Sohlen von funktionslosen Füßen (Säuglinge, schwache 
Kinder, Klumpfuß) erwiesen. Sie sind ererbt. 

Nun wird man mir vielleicht hier einwerfen: das ist doch 
nichts neues. Das wissen wir ja schon längst in bezug auf die 
ontogenetische Bildung anderer Teile und Organe. Jedes Gelenk 
der Wirbeltiere z. B. wird ontogenetisch bis in seine feinsten Struk- 
turen fertig angelegt, ehe es zu funktionieren beginnt. Ist damit 
die Vererbung funktioneller Erwerbungen bewiesen? Das behaupte 
ich im letzteren Falle keineswegs. Denn wenn ich es auch für 
überaus wahrscheinlich halte, daß bei der Ausbildung der Wirbel- 
tiergelenke funktionelle Momente eine große, wahrscheinlich die 
bestimmende Rolle gespielt haben, so ist andererseits zu berück- 
sichtigen, daß die Geschichte jedes dieser Gelenke eine außerordent- 
lich lange und wechselvolle gewesen ist, da sie von den Amphibien, 
zum Teil schon von den Fischen beginnend über Reptilien, Ur- 
säuger, Prosimier und Simier bis zum Menschen führt. Wer will 
bestreiten, daß auf diesem langen und durchaus nicht immer für 
jedes Gelenk geraden Wege nicht auch neben der Funktion die 
Auslese unter Keimesvariationen eine Rolle gespielt hat, welche 
ohne Beziehung zu der betrefi'enden funktionellen Inanspruchnahme 
auftraten? Das läßt sich in diesen Fällen nicht ausschließen, eben- 
sowenig wie bei der Entstehung des Pferdehufs oder des mensch- 
lichen Nagels, die ebenfalls ontogenetisch vor der Funktion fix und 
fertig angelegt werden, aus der indifferenten Amphibienkralle. 

Diesen Bedenken unterliegt aber die Beweiskraft der prä- 
funktionell ausgebildeten Sohlendifferenzierung nicht. Sie ist in 



(126) Bericht über die ordentliche General -Versammlung. 

der ermittelten Form nur so alt wie der aufrechte Gang der mensch- 
lichen Stammform; eines ihrer Hauptcharakteristika hängt mit der 
Ausbildung der Gewölbeform des menschlichen Fußes zusammen, 
die dem Fuße der anthropoiden Affen noch fast ganz fehlt. Ihre 
Entstehung durch Auslese aus durch anderweitige Momente bedingte 
Keimesvariationen läßt sich mit Sicherheit ausschließen, weil ihr 
keinerlei Nutzwert innewohnt, insofern es genügen würde, daß die 
Sohle bei Beginn der Funktion nur eine mittlere, nicht weiter topo- 
graphisch spezialisierte Dicke und Widerstandsfähigkeit besäße, und 
weil die funktionelle Inanspruchnahme während des individuellen 
Lebens ohne die topographisch spezialisierten Prädispositionen zu 
genau denselben Resultaten führen würde wie mit denselben. 

Dieser Fall ist mithin so beschaffen, daß nachgewiesen ist: 

Erstens ein vollkommener Parallelismus zwischen der Wirkung 
der Funktion im individuellen Leben einerseits und der präfunktio- 
nellen erblichen Verschwielung andererseits. 

Zweitens die Unmöglichkeit, diesen Parallelismus in diesem 
Falle auf Parallelinduktion im Weismann sehen Sinne zurückzu- 
führen. Denn die betreffenden Druckreize treffen wohl das Sorna, 
in diesem P'alle die verschiedenen Abschnitte der Sohle, in den ver- 
schiedenen Abstufungen. Unmöglich aber können sie die Deter- 
minanten der Keimzellen ohne Vermittlung der Sohle in genau den- 
selben Abstufungen treffen. 

Drittens ist in diesem Falle auch die Herausbildung dieser 
erblichen Dispositionen durch Auslese unter Mutationen, welche ohne 
Ikziehung zu der funktionellen Reizung aufgetreten wären, aus 
den oben dargelegten Gründen auszuschließen. 

Wie wir gesehen haben, steht dieser Fall nun keineswegs 
vereinzelt da. Wo immer man es unternommen hat, die Refuiidc 
der Paläontologie, vergleichenden Anatomie, Embryologie und Öko- 
logie experimentellen Proben zu unterwerfen, immer ist durch die- 
selben die Regel bestätigt worden, daß die durch lange Zeit und 
viele Generationen fortgesetzte Einwirkung der Funktion, bezie- 
liun;^^sweiKe der Fortfall der Funktion erbliche Eindrucke hintcr- 
lällt. Ich eriiiiirre nur an die Versuche von Zed erbau er mit 
('(i/fsrlla, an meine eigenen über die Schlaf bewegungen der Pflanze, 
an die l'>x periitienfc Kaninu^rers an Proteus, die die direkte Wir- 



Bericht über die ordentliche General -Versammlung. 



(127) 



kling des Lichtes und der Dunkelheit auf die Augenentwicklung 
dartun. Ähnlich verhält es sich mit den von mir hier nicht dar- 
gestellten Versuchen von Cunningham über den Pigmentverlust 
an der Unterfläche der Flachfische und den Versuchen von Braus 
über die Bildung des Perforationsloches am Operculum der Bo7n- 
hinator-LsiYYeii. 

Alles dies sind Früchte der kurzen Zeit, seit man begonnen, 
diesen Dingen gründlicher nachzuforschen und sie experimentellen 
Gegenproben zu unterwerfen. 

Man kann verschiedener Ansicht darüber sein, ob die Frage 
nach der Vererbung erworbener Eigenschaften schon heute als ent- 
schieden angesehen werden kann. Noch behaupten beide Parteien^ 
die sich hier gegenüberstehen, Sieger zu sein. Ich möchte mich 
darauf beschränken, zum Schlüsse eine kurze Übersicht zu geben, 
wie es denn in den verschiedenen Positionen, um die hier gestritten 
wird, zur Zeit aussieht. 

In bezug auf die morphogenen Erregungen muß nach dem 
heutigen Stande unserer Kenntnisse zugegeben werden, daß sie 
in der Regel keine erkennbare erbliche Wirkung ausüben, jeden- 
falls daß eine solche noch in keinem Falle nachgewiesen ist.^) 

Umgekehrt dagegen steht es mit den ektogenen, durch starke 
äußere Reize ausgelösten Erregungen. Daß durch äußere Reize 
erbliche Veränderungen in den Keimzellen hervorgebracht werden 
können, ist eine unbestrittene Tatsache. Der Versuch, in allen 
Fällen eine Induktion der Keimzellen durch die untransformiert bis 



^) Nach Lektüre der mittlerweile erschienenen IV. Mitteilung Kamme- 
rers über Vererbung erzwungener Färb Veränderungen: Das Farbkleid des 
Feuersalamanders in seiner Abhängigkeit von der Umwelt, Archiv für Entw.- 
Mech., 36. Bd., 1. und 2. Heft, Leipzig, 1913, kann ich obigen Satz nicht mehr 
uneingeschränkt aufrecht erhalten. Der ausführliche Bericht Kammerers 
über den Erfolg seiner Transplantationen von Ovarvien, scheint darauf hinzu- 
deuten, daß unter ganz bestimmten Verhältnissen auch morphogene Erregun- 
gen eine Induktion der Keimzellen hervorzubringen vermögen. Allgemein 
möchte ich noch zu dieser letzten zusammenfassenden Kamm er er sehen Arbeit 
bemerken, daß sie in allen ihren Teilen, was Experimente, Beobachtungen 
und Reflexion anlangt, eine Meisterleistung ist, deren Überzeugungskraft sich 
niemand entziehen kann, der ohne vorgefaßte Meinung an die dort behandelten 
Probleme herantritt. 



(128) 



Bericht Uber die ordentliche General -Versammlung. 



ZU ihnen vorgedrungenen elementaren Energien anzunehmen, ist 
meiner Ansicht nach undurchführbar, weil er in einer Reihe von 
Fällen zu geradezu verzweifelten Unwahrscheinlichkeiten seine Zu- 
flucht nehmen muli. 

Funktionelle Erregungen üben, wie eine Reihe von Tatsachen 
beweisen, in der Regel nur äußerst langsam, d. h. in großen Zeit- 
räumen durch viele Generationen fortgesetzt, eine erbliche Wir- 
kung aus. Hinreichend lange fortgesetzte Zuchtexperimente in dieser 
Richtung besitzen wir noch nicht, haben aber die Aufgabe, die- 
selben nunmehr anzusetzen und ihre ausreichend lange Fortsetzung 
vorzubereiten, was übrigens in den amerikanischen Akklimatisations- 
laboratorien nach der Angabe Mac Dougals bereits geschehen ist. 
Abgesehen von diesem Mangel, der lediglich durch unsere ver- 
spätete, beziehungsweise unzulängliche Inangriffnahme dieser Ex- 
perimente bedingt ist, sprechen außerordentlich zahlreiche und ein- 
deutige Tatsachenkomplexe der Paläontologie, vergleichenden Ana- 
tomie und Embryologie sowie der Ökologie für eine erbliche Wirkung 
der Funktion, und wo immer im konkreten Falle tiefergehende 
Untersuchung und Experimente diese Tatsachenkomplexe näherer 
Prüfung unterworfen haben, haben sie ohne Ausnahme zu einer 
Bestätigung dieser Auffassung geführt. 

Ob unter diesen Umständen das Festhalten an der Vererbung 
„erworbener Eigenschaften" wirklich ein derartig veralteter, über- 
wundener Standpunkt ist, wie es uns im Laufe des letzten Jahr- 
zehntes so oft und so apodiktisch versichert worden ist, oder ob 
nicht vielleicht die ihr entgegenstehende, auf ihre Modernität so 
stolze Ansicht ein wenig revidiert werden muß, dies zu entscheiden, 
möchte ich Ihnen überlassen. 



Versammlung der Sektion für Koleopterologie. 



(129) 



Bericht der Sektion für Koleopterolog^ie. 

Versammlung am 16. Januar 1913. 
Vorsitzender: Herr Dr. Karl Holdhaus. 

Herr Inspektor A. WingelmüHer hält einen Vortrag über 
die Speziessystematik der Koleopterengattung Cionus. 

Versammlung am 17. April 1913. 
Vorsitzender: Herr Dr. Karl Holdhaus. 

I. Besprechung über die geplante Herausgabe eines Verzeich- 
nisses der Käfer von Niederösterreich. Es wird der Beschluß ge- 
faßt, ein Verzeichnis der Käfer von Niederösterreich zusammen- 
zustellen und der Organisationsplan für die Durchführung dieser 
Arbeit festgelegt. 

II. Herr Sektionsrat H. v. Krekich-Strassoldo überreicht 
die folgenden Beschreibungen neuer Anthiciden; 

Notoxus assamensis nov. spec. 

Schmal und gestreckt, ganz rostrot, nur die Spitze der Flügel- 
decken und eine breite Medianbinde dunkelbraun. 

Kopf ungefähr so breit als das Halsschild, mit flacher Stirne; 
Augen groß, ziemlich rund, vorstehend. Schläfen kurz, zu der in 
der Mitte etwas ausgebuchteten und an den Ecken mit zwei knopf- 
artigen Fortsätzen ausgezogenen Basis konvergierend. Fühler schlank, 
bis zum oberen Rand der dunklen Medianbinde reichend, erstes 
Glied lang und gegen die Spitze verdickt, zweites Glied kürzer 
als das dritte, Endglied um die Hälfte länger als das zehnte, spitz. 

Halsschild länglich oval, fein und zerstreut punktiert, die 
Punkte gegen das Horn zu in ziemlich dichte Granulierung über- 
gehend. Horn fast Ys so lang als das Halsschild, beim cf schmäler 
als beim 9, mit ca. 14 Zähnen, wovon die zwei an der abgerun- 

Z. B. Ges. 63. Bd. i 



(130) 



Versammlung der Sektion für Koleopterologie. 




deten Spitze stehenden mehr minder miteinander verbunden sind; 
Kamm nicht erhoben, durch einige dunkle Tuberkehi schwach um- 
säumt. Das Halssschild ist mit kurzen, etwas abstehenden, lichten 
Haaren, die rechts und links eines unscheinbaren Längseindruckes 
nach auswärts gerichtet sind, nicht dicht und überdies mit wenigen 
abstehenden Haaren bekleidet. Basalrand in der Mitte ziemlich 
schmal, nach den Seiten zu stark nach aufwärts gerichtet und den 
ziemlich starken Seiteneindruck oben zu einfassend. Der Seiten- 
eindruck ist dicht weißlich behaart. 

Flügeldecken fast dreimal so lang als breit, 
fast parallel, gegen die Spitze verschmälert; Basal- 
drittel braungelb mit lichtgelbem Rande gegen 
die dunkle Medianbinde, die 
das ganze zweite Drittel ein- 
nimmt, aber nicht bis zum 
Seitenrande reicht. Letztes 
Drittel dunkel, nur gegen die 
Spitze etwas heller, vom zwei- 
ten Drittel durch eine an der Naht unterbrochene 
rotgelbe schmale Binde getrennt. Punktierung 
fein, nicht sehr dicht; Behaarung fein, anliegend, 
teilweise dunkel, teilweise licht (namentlich gegen 
die Seitenränder etwas silberglänzend); überdies 
einige weiße, gröbere, nicht anliegende und in 
Reihen stehende Haare. Enden der Flügeldecken 
beim cT schräg und spitzig ausgezogen, beim 9 
einfach abgestutzt. Kndtergit beim breit und quer, beim g 
spitz. Deutliche Schulterbeule; Omoplaten ziemlich erhoben; Schild- 
chen klein, dreieckig; Postbasaleindruck ziemlich stark, schräg. 
Nahtstreifen im letzten Drittel etwas erhoben und an den Seiten 
iDäßig eingedrückt. Seitenrand sehr schmal, wenig erhoben. LJnter- 
Hcite rotgclb, nur die letzten Stcrniie dunkel. 

Fübe ganz rotbraun, kräftig. Vordertibicn des / etwas ge- 
bogen. — Länge 3-8 mm. 
Assam (Sudiga;. 




Fig. 1. 

Notoxus 
assamensis. 



1 '/ im British MuHcn?i 
in W icn. 



(ohne Lokalität) im llofmuseuni 



Versammlung der Sektion für Koleopterologie. 



(131) 



Notoxus Andre^vesi nov. spec. 

Klein, ganz rotbraun, Flügeldecken mit dunkler Zeichnung. 

Kopf so lang als breit, vorne mit breit ausgezogener gerader 
Oberlippe, Basis konkav, die Ecken wulstig gespitzt; Augen groß, 
etwas nierenförmig, wenig vortretend; Schläfen gerundet. Stirne 
in der Mitte schwach eingedrückt. Fein, nicht dicht punktiert, mit 
langen, nach vorne gerichteten, gelblichen Haaren ziemlich dicht 
bekleidet. Fühler schlank, den Posthumeraleindruck erreichend, 
gegen die Spitze mäßig verdickt, 2. Glied et- 
was kürzer als das 3. ; Endglied um die Hälfte 
länger als das 10., spitz. 

Halsschild gerundet, vor der Basis mäßig 
eingeschnürt, Basalrand in der Mitte schmal, 
gegen die Seiten nach aufwärts gezogen. Zer- 
streut, nicht sehr fein punktiert, mit langen, 
zum Teile aufrechten gelblichen Haaren be- 
kleidet. Horn in beiden Geschlechtern fast 
so lang als das Halsschild, Kamm an der Basis 
des Hornes etwas erhoben und nach vorne 

flach verlaufend, durch einige wulstartiere Er- , 

' ^ ® Notoxus Andrewesi. 

hebungen undeutlich gesäumt, sonst granuliert. 
Hornrand seitlich mit je 4 — 5 nach aufwärts 

gerichteten und überdies an der Spitze mit zwei enger nebenein- 
anderstehenden ebensolchen Zähnen (die manchmal zu einem ein- 
zigen breiten Zahne verbunden sind) bewehrt. Horn oben und 
unten mit mehr oder minder langen, zum Teile gekrümmten Haaren 
ziemlich dicht bekleidet. 

Flügeldecken an der Basis kaum 1^2 mal so breit als das 
Halsschild, etwas mehr als doppelt so lang als in der Mitte breit, 
Seiten gegen die Mitte etwas verbreitert, dann gegen die Spitze 

I allmählich abnehmend. Spitzen beim q vereint gerundet, beim 
abgestutzt mit einer kleinen zahnartigen Ausbuchtung. Schultern 
mit spitzer Ecke; Omoplaten etwas erhoben; Postbasaleindruck 

1 mäßig, gerade; Nahtstreifen schmal, in der zweiten Hälfte etwas 

I erhoben. Ziemlich dicht und grob punktiert, die Punktierung gegen 
die Spitze abnehmend; mit gelbHchen, abstehenden, länglichen 

I Haaren ziemlich dicht bekleidet. 




(132) Versainmlung- der Sektion für Koleopterologie. 

Die dunkle Zeichnung- der Flügeldecken besteht gewöhnlieh 
aus einer schmalen, die Basis einnehmenden Binde, aus einer großen, 
die Naht, aber nicht den Seitenrand erreichenden kreisrunden Makel, 
die längs der Naht mit einer kleineren, gleichfalls rundlichen, weder 
den Seitenrand noch die Spitze erreichenden Anteapikalmakel ver- 
bunden ist. Bei einigen Exemplaren ist die dunkle Färbung über- 
wiegend, so daß nur eine größere Postbasalmakel, eine kleinere 
Postmedianmakel, der Seitenrand und die Spitzen der Flügeldecken 
eine lichtere gelbrote Färbung aufweisen; bei solchen Exemplaren 
sind auch die Seiten des Halsschildes gedunkelt. 

Füße mäßig lang, ziemlich kräftig. — Länge 2 8 — 3 mm. 

Vorderindien: Nilgiri Hills. Von Herrn H. L. Andrewes ge- 
sammelt und nach ihm benannt. 

(Sammlung Andrewes in London und Hofmuseum in Wien.) 

Notoxus variabilis nov. spec. 

Klein, Kopf und Flügeldecken dunkel- bis schwarzbraun, letztere 
mit ränderlichen gelbroten Makeln, Halsschild orangegelb, manchmal 
gedunkelt, Fühler und Beine rotgelb, erstere zuweilen 
an der Spitze gedunkelt; überall mit langen, halb auf- 
rechten, gelblichen Haaren ziemlich dicht bekleidet. 
1 Kopf so lang als breit, etwas schmäler als das 

llalsschild; Augen rund, klein, wenig vorstehend; 
mäßig stark, nicht dicht punktiert; Stirnc in der Mitte 
etwas eingedrückt; Fühler den Postbasaleindruck er- 
reichend, schlank, gegen die Spitze mäßig verdickt, 
2. Glied eher kürzer als das 3., Endglied doppelt so 
J'^'- ^ lang als das 10., spitz. 

rnriahiliff. Halsschihl kugclig, vor der Basis wenig einge- 

schnürt; I)asalrand tief, gegen die Seiten etwas eckig 
liinaiif^;ez()gen; an den Seiten seichte, (lichter behaarte Gruben. Horn 
ziemlich l)reit und dick, an der Basis nicht verengt; oberhalb in ebener 
Linie ausgezogen; Kamm nur durch zwei kurze parallele Beihen 
länglicher wulstartiger Erhebungen angedeutet; die Mitte des Hornes 
ist sonst mit ziemlich groben Körnungen versehen; gegen den 
Band zu ist das Horn verlieft und endet in eine tiefe elli[)tisclic 
Lini(;, die die Basis der nach aufwärts gerichteten breiten und wenii; 
hohen Zähnen bildet; deren stehen 4 — f) an jeder Seite; überdies 



i 




Versammlung- der Sektion für Koleopterologie. 



(133) 



an der Spitze zwei enger aneiuaiiderstehende, manchmal vereinigte 
ebensolche Zähne. Das Halsschild ist wenig dicht punktiert. 

Flügeldecken kaum um breiter als das Halsschild in der 
Mitte; Schultern vorgezogen mit schwach gerundeten Ecken; Seiten 
parallel, Spitzen in beiden Geschlechtern quer abgestutzt, mehr 
oder minder deutlich zahnartig ausgezogen; wenig tief, aber dichter 
punktiert als das Halsschild; Schildchen klein, dreieckig; Omo- 
platen etwas erhoben; Postbasaleiudruck schwach; Nahtstreifen im 
Apikaidrittel etwas erhoben; Seitenrand durch eine tiefe Linie 
breit abgesetzt, erst gegen die Spitze schmäler werdend und ab- 
nehmend. — Unterflügel schwarz angeraucht. — Füße nicht lang, 
kräftig. — Unterseite des Kopfes und des Leibes dunkel, des Hals- 
schildes rötlich; glänzend, schwach punktiert, mit gelblichen langen 
Haaren nicht dicht bekleidet. — Länge 2 8 — 3'5 mm. 

Vorderindien: Nilgiri Hills. 

Dieser Notoxus ist sowohl in der Größe als auch in der Fär- 
bung sehr veränderlich. Die größeren Exemplare, die ich für 9 
halte (eine anatomische Untersuchung war bei der geringen An- 
zahl der mir zur Verfügung gestandenen Exemplare vorläufig nicht 
möglich), haben viel hellere Flügeldecken mit dunkler Makelung 
(siehe Abbildung) und ein etwas breiteres Horn; die Flügeldecken 
der kleineren Exemplare (die cT sein dürften) sind entweder ganz 
schwarz oder schwarz mit einer gelblichen, wenig deutlichen, knapp 
vor der Spitze stehenden runden Makel; manchmal überdies mit 
einer von der Schulter ausgehenden, gegen die Naht gerichteten 
ebensolchen, oft größeren Makel. Horn etwas schmäler. 

Notoxus variahilis erinnert durch seine Größe, seine veränder- 
liche Färbung und den Mangel deutlicher äußerer Sexualcharaktere 
an Notoxus sectator Qued. aus Ost- und Südafrika. 

(Sammlung Andrewes in London und Hofmuseum in Wien.) 

Notoxus noctivagus nov. spec. 

Ziemlich groß, gestreckt, rotbraun mit schwarzer Flügeldecken- 
zeichnung, mit kurzen weißlichen und überdies mit länglicheren 
stärkeren und abstehenden Haaren dicht bekleidet, daher matt er- 
scheinend. 

Kopf so breit als lang, Stirne flach, Augen groß, rund, ziem- 
lich vorstehend. Fühler schlank, die Schultern erreichend, End- 



(134) 



Versammlung der Sektion für Koleopterologie. 





glied 1^2 üaal so lang als das 10. Glied, spitz. Behaarung hinter den 
Augen länger und dichter und einen abstehenden Büschel bildend. 

Halsschild kugelig, breiter als der Kopf, vor der Basis mäßig 
eingeschnürt. Basalrand in der Mitte schmal, gegen die Seiten 
breiter, hier divergierend und den wenig tiefen, mit dichterer Be- 
haarung bekleideten Seiteneindruck begrenzend. Dicht und ziem- 
lich grob punktiert. Das Halsschild geht ohne einen besonderen 
Kamm zu bilden in das breite Horn über und ist nur in der Mitte 
des Hornes mäßig konvex. Die Punktierung wird hier zu dichter 
Körnung; das Horn selbst ist an der Basis nicht verengt und hat 
an den Seiten je vier kleine, wenig erhobene 
Zähne und überdies an der Spitze eine breite, 
wulstartige, nicht hohe Aufstülpung. 

Flügeldecken an der geraden Basis kaum 
um die Hälfte breiter als das Halsschild an 
seiner breitesten Stelle. Seiten parallel, gegen 
die Spitze plötzlich verengt und vor der ab- 
gerundeten Nahtecke etwas eingebuchtet. Omo- 
platen nicht erhoben. Schildchen klein, läng- 
lich dreieckig; Postbasaleindruck kaum vor- 
handen; Seitenrand deutlich, mäßig erhoben. 

Die dunkle Zeichnung der Flügeldecken 
besteht aus einem kleinen Fleck gerade an 
der Schulterspitze, aus einem schwach begrenzten, um das Schild- 
chen beginnenden, bis zum Apikaiviertel reichenden ziemlich breiten 
Nahtstreifen, der sich am Ende in eine nach auswärts gerichtete 
Makel erweitert; überdies hinter der Mitte an den Seiten eine den 
Seitenrand erreichende, quer gestellte längliche Makel. Bei einem 
Exemi)larc endet der Nahtstreifen schon unterhalb der Mitte und 
geht undeutlich in die Seitcnmakeln über. 

Füße ziemlich lang, kräftig, lichter gelb, die Wurzeln der 
Mittel- und Hintertibien etwas dunkler. — Länge 4 mm. 

Ein Exemplar aus Bengalen im Hofmuseum in Wien; ein 
Exemplar vorn (ianges-Dclta am 4. Dc/cmber 1909 bei Licht er- 
beutet, im Indian Museum in Kalkutta. 

Durch die hcHondcre (icstalt des Hornes und die Zeichnung 
der Filigcldeckcn auHgczcichnct. 



Fig. 4. 

Notoxus noctivagus. 



Versammlung der Sektion für Koleopterologie. 



(135) 



Notoxus informicornis nov. spec. 

Mäßig- groß mit plumpem Halsscbilde und Hörne, dunkel 
rotbraun bis sebwarz. Horn rot, vier Makeln an den Flügeldecken 
gelbrot bis rotbraun; Füße und Fiibler beller rotbraun : Füblerenden 
gedunkelt. Stark anliegend bebaart: die Makeln an den Flügel- 
decken mit Silberbaaren bedeckt. 

Kopf so lang als breit, grob punktiert, an der Stirue liacb. mit 
starken, weißlieben anliegenden (an der Stirne gescheitelten) Haaren 
dicht bekleidet. Augen klein, mäßig vortretend, fein facettiert. 
Fübler scblank, gegen die Spitze mäßig verdickt, die Scbulter- 
makel erreicbend. 8., 9. und 10. Glied ziemlich kugelig: Endglied 
nicht ganz doppelt so lang als das 10. Glied, 
in der Mitte schwach abgesetzt, mit stumpfer 
Spitze. 

Halsschild viel breiter als der Kopf, nur 
wenig schmäler als die Basis der Flügeldecken, 
ohne deutliche Einschnürung in ein breites, 
manchmal (beim c^?) an der Wurzel schwach 
gezahntes und nur gegen die Spitze mäßig aus- 
gehöhltes Horn übergehend; Kamm breit, sehr 
mäßig erhoben, der undeuthche Eand durch zer- 
streute Tuberkeln — mit welchen übrigens die 
ganze obere Hornpartie bedeckt ist — schwach 
angedeutet. Das Halsschild ist sonst dicht und runzelig punktiert 
und mit weißlichen Seidenhaaren, namentlich gegen die Basis zu, 
dicht bekleidet. Das Halsschild ist knapp vor dem schmalen Basal- 
raude ziemlich kräftig eingeschnürt. 

Flügeldecken kaum doppelt so lang, als das Halsschild (mit 
dem Hörne) und an der Basis nur wenig breiter als der Durch- 
messer des Halsschildes. Seiten ziemlich parallel, um die Mitte 
wenig verbreitert, in gleichmäßiger Rundung zur Spitze abnehmend; 
Nahtecken etwas abgestutzt. Kein Postbasaleindruck; Omoplaten 
nicht erhoben: Xabtstreifen kaum sichtbar; doch ist die Färbung 
längs der Naht zumeist lichter. Seitenrand ziemlich breit, wenig 
erhoben. Die Flügeldecken sind überall ziemlich zerstreut und seicht 
punktiert, dazwischen fein cbagriniert und mit länglichen, anlie- 
genden Haaren, die an den Makeln eine weiße glänzende Färbung 




(136) 



VersammluDg der Sektion für Koleopterologie. 



annehmen (bei einem Exemplare bildet die Silberbehaarung eine 
ganze Qiierbinde, die sich über die rückwärtigen Makeln hinzieht), 
dicht bekleidet. 

Die Makeln bestehen aus zwei größeren, dreieckigen, an dem 
kleinen dreieckigen Schildchen sich vereinigenden Schultermakeln 
und aus je einer kleineren runden Makel unterhalb der Mitte. — 
Länge 2 9 — 3 2 mm. 

Argentinien (S. Rosa in der Provinz Mendoza). 

Äußere Gleschlechtsunterschiede undeutlich. Das 9 dürfte größer 
sein als das cf ; das Horn des 9 dürfte an der Basis noch weniger 
eingeschnürt sein als jenes des cT. Auch dürften die zwei Exem- 
plare mit schwach geschwungenen Vordertibien cf sein. 

In je zwei Exemplaren in der Kollektion A. C. Jensen, Haarup 
in Silkeborg und im Hofmuseum in Wien. 

Formicilla decorata nov. spec. 

Klein, sehr glänzend, fast unpunktiert, ganz rötlichgelb, am 
Kopfe und Halsschilde ein dunklerer Schatten, an den Flügeldecken 

mit einer oberhalb der Mitte gestellten, die 
Naht nicht erreichenden, wenig begrenzten 
dunkelroten Binde und einer zweiten, voll- 
ständigen, an der Naht nach vor- und 
rückwärts schmal vorgezogenen, dunkleren 
Binde im zweiten Drittel (beide Binden 
den Seitenrand nicht erreichend) sowie 
einer kleinen dunklen Schultermakel. Ge- 
llügelt. 

Kopf eirund, länger als breit, mäßig 
konvex, Augen glasig, rund, wenig vor- 
Formicüla decorata. stellend, stark facettiert; kaum punktiert, 
mit wenigen abstehenden Haaren. Fühler 
lang, schlank, die Schultern erreichend, gegen die Spitze wenig 
verdickt. 

HalsHchild lang, seh maier als der Kopf. Vorderlobus mäßig 
gerundet, vom Iliiif( rlobns durch eine kräftige Einschnürung ge- 
trf'iint; I^)aMalniM(l dcutli('li. Fast un])unktiert, mit sehr wenigen 
abHt(;liendcn Ilaaren. 




Versammlung der Sektion für Koleopterologie. 



(137) 



Flligeldecken kurz, an den Seiten gegen die Mitte stark ver- 
breitert, Spitzen schwach abgestutzt. Ziemlich konvex^ glänzend, nur 
mit wenigen eingestochenen, etwas in Reihen stehenden Punkten. 
Spitzen mit einigen aufrechten Haaren. Kein Postbasaleindruck. 
Schildcheu relativ groß, rundlich, in der Mitte leicht eingedrückt. 
Seitenrand sehr fein, vollständig und um die Nahtecken in den 
schmalen Nahtstreifen übergehend. 

Füße lang, schlank, ganz rötlichgelb, nur Tarsen etwas lichter. 
— Länge 2*5 mm. 

Argentinien (S. Rosa, Provinz Mendoza). Von Herrn A. C. 
Jensen, Haarup in Silkeborg, gesammelt. Zwei Exemplare, hievon 
eines im Hofmuseum in Wien. 

Pseudoleptaleus lepidus nov. spec. 

Klein, sehr glänzend, Flügeldecken breit und nur so lang als 
Kopf und Halsschild zusammengenommen. Körper dunkel rotbraun, 
Basis des Halsschildes lichter; Flügeldecken mit einer trapezför- 
migen, weder die Naht noch den Seitenrand erreichenden, ziemlich 
breiten gelben Makel und einer zweiten, gleich gefärbten, aber ver- 
schwommeneren runden Makel im Apikaidrittel. Füße und Fühler- 
wurzeln blaßgelb. 

Kopf fast rund, Augen ziemlich groß, vortretend. Punktierung 
sehr zerstreut, wenig tief. Fühler sehr lang, reichlich die Mitte 
des Körpers erreichend, 1. Glied lang und dick, 2. Glied kürzer 
als das 3., die folgenden Glieder nicht zylindrisch, sondern drei- 
eckig, das 6. und 7. Glied am breitesten, vom 8. bis zum 10. Gliede 
wieder abnehmend, 5. — 10. Glied dunkler; Endglied doppelt so lang 
als das 10., lichter rot, spitz. 

Hals ziemlich lang; Endglied der Maxillen lang, beilförmig, 
aber mit gerundeter Spitze. 

Halsschild gestreckt, schmäler als der Kopf, Vorderlobus fast 
kreisrund, sehr konvex, von dem engeren, spitz-buckeligen Hinter- 
iobus durch eine ziemlich breite Einschnürung getrennt. Punktierung 
fein und zerstreut, nur in der Einschnürung etwas dichter und 
grober. Basalrand ziemlich breit. 

Flügeldecken nur um die Hälfte länger als in der Mitte breit, 
mit abgestutzter Basis und scharfer Schulterecke, an der Basis 
doppelt so breit als das Halsschild, hinter der Mitte ziemlich stark 



(138) 



Versammlung der Sektion für Koleopterologie. 



verbreitert; Spitzen gemeinsam, schwach abgestutzt. Sehr zerstreut 
und schwach punktiert und mit wenigen abstehenden borstenför- 
migen Haaren gegen die Spitze zu bekleidet. Nahtstreifen nur im 

letzten Drittel schwach wahrnehmbar. 
Postskutellareindruck kaum vorhan- 
den; Omoplaten schwach erhoben; 
Schildchen klein, dreieckig; Seiten- 
rand schmal und schwach erhoben. 

Füße lang und schmächtig; Schen- 
kel wenig verdickt; Schenkelenden 
und Tibienwurzeln leicht gebräunt. 
Tarsen der Hinterbeine fast so lang 
als die Tibien; erstes Tarsenglied so 
lang als die drei Endglieder zusammen. 
Das hat etwas nach innen gebogene 
und in der Mitte schwachkantig ver- 
breiterte Mitteltibien; dessen Vorder- 
Fig. 7. Fseiidoleptaleiis lepidus. tibien sind gegen die Spitze zu an 

der Außenseite spitzkantig ausgezogen 
und auch an der Innenseite etwas verbreitert; das erste Glied der 
Vordertarsen ist nach innen zu eingebuchtet, nach außen aus- 
gebuchtet und etwas verdreht. — Länge 2*5 mm. 
Ost-Himalayagebiet (Siliguri, 3. — 4. Juni 1911). 
Ein cf im Indian Museum zu Kalkutta. 
Eine durch die besondere Gestaltung der Füße des cf leicht 
kenntliche und von allen bekannten Lejotaleus- Arten verschiedene 
Spc/ies. 

Ischyropalpus Jenseni nov. spec. 

(iell)braun, oft Kopf und llalsschild dunkler braun, die Flügel- 
decken veränderlich duid^cl gemäkelt; entweder ist die ganze hin- 
tere Hälfte dunkelbraun bis schwarz oder es besteht eine zienilicli 
breite I'ostmcdianbinde; auch ist die ]5asis manchmal gedunkelt. 
(JI(Mf'liniäßig /(Mstreiit und seicht |)nnktiert, am Ilalsschilde und am 
Kopfe Htcjllenweise dicht chagriniert; libcrall mit nicht langen, nicht 
ganz anliegenden lichtgelben Haaren, die am Ilalsschilde etwas 
dichter stehen, bekleidet. TMiße und Fühler rötlieligelb. Palpen 
groß, drei(;cki^'-, Ijciinuiiiig, lichter gell). 




Versamrahmg der Sektion für Koleopterologie. 



(139) 



Kopf so lang- als breit, Basis ziemlich gleichmäßig gerundet; 
Augen eirund, vorstehend. Fühler fast die Mitte der Flügeldecken 
erreichend, schlank, gegen die Spitze sehr mäßig verdickt, 2. — 10. 
Glied ungefähr von der gleichen Länge, Endglied etwas länger als 
das 10. Glied, spitz. 

Halsschild kaum breiter als der Kopf, schwach herzförmig. 
Basalrand tief, seitlich in die Einschnürung nach aufwärts über- 
gehend. 

Flügeldecken ^2 breiter als das Halsschild, mehr als doppelt 
so lang als breit, fast parallel, mit deutlichen ziemlich eckigen 
Schultern; Spitzen separat gerundet. Seitenrand schmal abgesetzt, 
Omoplaten mäßig erhoben, Postskutellareindruck schwach; Naht- 
streifen in der hinteren Hälfte mäßig eingedrückt. 

Füße schlank, Schenkel stark verdickt, die Tarsen, nament- 
Uch der Hinterbeine sehr lang. — Länge 2'8 — 3 mm. 

S. Rosa (Provinz Mendoza in Argentinien). 

Die dunkler gefärbten Exemplare sehen dem Ischyropaljms 
Curtisi Sol. aus Chile — dessen Zugehörigkeit zum Subgenus Ischyro- 
palpus ich hiemit feststelle — ähnlich, aber durch die dichtere Be- 
haarung, die minder deutliche Zeichnung der Flügeldecken und die 
schmächtigere Gestalt verschieden. 

Von Herrn A. C. Jensen, Haarup in Silkeborg, gesammelt. 
Typen in dessen Sammlung und im Hofmuseum in Wien. 

Ischyropalpus attenuatus nov. spec. 

g. Schlank und sofort daran erkenntlich, daß die Flügeldecken 
an der Basis nur wenig breiter sind als das Halsschild und gegen 
die Spitze zu noch schmäler werden; schwarz, nur die Basis der 
I Fühler, die Mundteile, die Tibien und Tarsen rotbraun; au den 
Seiten unterhalb der Schultern eine vertikale rotgelbe und im 
Spitzen viertel eine rundlichere rotgelbe Makel; beide Makeln nicht 
I begrenzt und durch die dichte, feine, anliegende gelbhche Behaa- 
I rung undeutlich; auch Kopf und Halsschild sind ähnlich seiden- 
j haarig bekleidet. Kopf und Flügeldecken sind fein, regelmäßig, 
ziemhch dicht und seicht, das Halsschild viel dichter und runzehg 
punktiert. 

Kopf rund, dick, etwas länger als breit; Augen wenig vor- 
stehend, Basis ziemlich gerundet. Fühler die Schultern erreichend, 



(140) 



Versammlung der Sektion für Koleopterologie. 



schlank, Endglieder schwach verdickt; 2. und 4. Glied gleich groß, 
3. Glied länger; Endglied fast doppelt so lang als das 10. Glied, 
mit stumpfer Spitze. 

Halsschild viel breiter als der Kopf, vorne breit gerundet, 
zur Basis (die die Breite des Kopfes hat) ziemhch gerade konver- 
gierend. Basis etwas ausgezogen mit ziemlich tiefem Rande. 

Flügeldecken eher flach, mehr als 2^2 mal so lang als breit, 
Schultern kurz, aber deutlich gerundet; Spitzen breit abgestutzt. 
Kein Postbasaleindruck, Omoplaten nicht erhoben; Schildchen flach, 
etwas bogig-dreieckig. Nahtstreifen kaum sichtbar. 

Füße mäßig schlank, Schenkel Avenig verdickt. — Länge 
25 mm. 

S. Rosa (Provinz Mendoza in Argentinien). Von A. C. Jensen, 
Harrup in Silkeborg, gesammelt. Zwei Exemplare, 9, davon eines 
im Hofmuseum in Wien. 

Durch die kleine Gestalt und durch die ganz parallelen Flügel- 
decken, die nur um ein geringes breiter sind als das Halsschild, 
ausgezeichnet. 

Bericht der Sektion für Zoologie. 

Versammlung am 11. April 1913. 
Vorsitzender: Herr Prof. Dr. K. Grobben. 

Herr Prof. Dr. F. Werner spricht: „Über die Schlafstellung 
der Fische'^ An den Vortrag schloß sich eine kurze Diskussion an. 

Hierauf spricht Herr Dr. F. Maidl über „Merkwürdige se- 
kundäre Geschlechtscharakterc bei einer Wespengattung". 

Der Vortragende bemerkt einleitend, daß es sich bei diesem 
Vortrag um den Versuch handle, Erkenntnisse und Tatsachen von 
ail^'-(;mciiierem Interesse, welche dem Genus- und Spezies Systc- 
Miatiker bei der Sichtung und B(;arl)eitung seines Materials gewisser- 
maßen im Vorübergehen auffielen, einen) weiteren Kreise als dem 
der (engsten Fachkollc^reu niitzutiMlcn und fordert alle Kollegen 
auf, seinem Beispiel zu folgen. Der Vortrag selbst ist als eine vor 



Versammlung der Sektion für Zoologie. 



(141) 



läufige Mitteilung zu betrachten, da der Vortragende mit der Ab- 
fassung einer Monographie der afrikanischen Wespengattung Sy- 
nagris F. beschäftigt ist, die unter anderem auch eine ausführliche 
Darstellung des Vortragsthemas enthalten wird. 

Versammlung am 9. Mai 1913. 

Vorsitzender: Herr Direktor Prof. Dr. L. Lorenz v. Liburnau. 

Herr Kustos A. Handlirsch spricht über „Holometabolie 
und Klima". Eine ausführliche Arbeit über dasselbe Thema wird 
seinerzeit in den Publikationen der kaiserl. Akademie der Wissen- 
schaften in Wien erscheinen. 

Hierauf spricht Herr Prof. Dr. Th. Pintner über „Die Un- 
sterblichkeit der Einzelligen". 



Referate. 

The Humble-Bee, its life-history and liow to domesticate it with descriptions 
of all the british species of Bomhus and Bith^jrns. By F. W. L. S laden. 
Illustrated with photographs and drawings by the author and five colou- 
red plates photographed diroct from nature. Macmillan and Co. limited, 
St. Martin's street. London, 1912. Preis M. 11.—. 

Allen Freunden der buntbepelzten Brummer ist Hoffer's Arbeit „Die 
Hummeln Steiermarks", 1882— 1883, wohl bekannt. Das vorliegende Werk ist ein 
moderner und englischer Hoffer und in vieler Hinsicht ein Fortschritt über 
diesen hinaus, womit ich jedoch keineswegs das genannte, klassisch zu nennende 
Hummelwerk herabsetzen will, das seinerzeit und mit den damals zur Ver- 
fügung stehenden Mitteln das Bestmöglichste geleistet hat. Um gleich den 
I Hauptvorzug des mir vorliegenden neuen Werkes zu nennen: Die Bilder der 
I Nester und die kolorierten Tafeln. Namentlich letztere sind einfach als muster- 
I giltig für Insektenabbildungen überhaupt zu nennen. Wer sich nur etwas 
\ näher mit den Hummeln befaßt hat, weiß, daß zwei schwer zu beschreibende 
Dinge viele Arten dem Kenner auf den ersten Blick kenntlich und von ande- 
i ren nahe verwandten unterscheidbar machen, nämlich: Der Charakter des 
Pelzes (ob kurz und wie geschoren oder lang, ungleich und mehr struppig 
etc.) und der eigentümliche Ton bestimmter Farben (z. B. des Rot an der 
Spitze des Hinterleibes etc.). Beides zeigen die vorliegenden Tafeln mit ge- 



(142) 



Referate. 



radezu verbliiflfender Naturwahrheit. Man vergleiche z. B. das Rot an der 
Spitze des Hinterleibes von Bombus lapidarius mit dem von Bomhus lappo- 
niois oder den Charakter des Pelzes dieser beiden Arten! Der Inhalt des 
Buches gliedert sich in: Einleitung, die Lebensgeschichte vom Bomhus, die 
Kuckucksbiene Psithyrus, Parasiten und Feinde der Hummeln, das Auffinden 
und Ausnehmen von Nestern, Hummelhäuser, Zähmung der Hummeln, Be- 
schreibung und Unterscheidung der englischen Hummelarten, Anleitung zum 
Anlegen einer Hummelsammlung, Anekdoten und Notizen, Anhang und In- 
haltsverzeichnis. Das Buch verdiente eine gute Übersetzung ins Deutsche! 

Dr. F. Mai dl, Wien. 

Lindau G. Spalt- und Schleimpilze. Eine Einführung in ihre Kenntnis. 
(Sammlung Göschen.) 

Ein so schwieriges und viele spröde Seiten aufweisendes Gebiet wie 
die Bakteriologie in Grundzügen populär darzustellen, kann nur jemand mit 
großer Sachkenntnis und guter Feder. Lindau, der seit vielen Jahren in 
der niederen Pflanzenwelt arbeitet, hat diese Aufgabe in obigem Büchlein 
gut gelöst. Das Werkchen führt in die Grundlagen der niederen Pilzkunde 
ein. Es werden berührt: Die Vorstellungen über Abstammung und Verwandt- 
schaft der Bakterien; unsere Kenntnisse über Morphologie, Zellteilung und 
Fortpflanzung dieser; in einem anregend geschriebenen Abschnitt die Verbrei- 
tung, das Vorkommen, die Biologie; die Erregung von Krankheiten bei Mensch, 
Tier und Pflanze, die Bekämpfung und soweit tunlich die Einteilung der 
Spaltpilze. 

Anhangsweise werden die Myxobakteriaceen und in einem zweiten Teile 
die Schleimpilze erwähnt. Ein Literaturverzeichnis ermöglicht ein tieferes 
Eindringen in das Gebiet. H. 

MarzeH, H. Die höheren Pflanzen unserer Gewässer. Strecker & 
Schröder, Stuttgart. 

Mar Zell, der vielen Lesern als Etymologe in Ilegis Flora von Mittel- 
europa bekannt sein dürfte, hat die höiiere Pflanzenwelt unserer Gewässer 
einer biologischen Schilderung unterzogen. Die Darstellung umfaßt eine all- 
gemeine Einleitung, dann eine Besprechung der wichtigsten einheimischen 
Wasserpflanzen und endlich einige lOrörterungen über die ökologische Bedeu- 
tung dicHcr (iewächse, lilicr Bepflanzen von A(piarien etc. Eine Jiestininiungs- 
tabelle von Wasserpflanzen ist hervorzuheben. Die wichtigsten Vertreter sind 
in guten Z(;iclinungen und Photographien abgebildet. Dtir Inhalt i^t sachlich 
Hchr reich und die nenoren Forschungen über Biologie der Wasserpflanzen 
sind mit großem V()it(!il bcniit/t. H. 



Versammlung der Sektion für Botanik. 



(143) 



Bericht der Sektion für Botanik. 

Versammlung am 20. Juni 1913. 
Vorsitzender: Herr Privatdozent Dr. A. v. Hayek. 

Herr cand. phil. Bruno Schussnig sprach über „Die Ent- 
wicklung des Prothalliums von Änogramma leptopliyUa.^^ (Vgl.Osterr. 
botan. Zeitschr., LXIII, 1913, Nr. 3, S. 97—100, Tafel II.) 

Sodann hielt Herr Heinrich Andres aus Bonn a. Rh. einen 
Vortrag-, betitelt: „Einiges aus der Systematik der Pirolaceen." 

Zuletzt demonstrierte Herr Ingenieur Hans Schloß ein blü- 
hendes Exemplar von Brymonia Turrialvae und besprach den in- 
teressanten Blütenbau dieser Gesneriacee. 



Sprechabend am 27. Juni 1913. 
Vorsitzender: Herr Privatdozent Dr. A. v. Hayek. 

Herr Dr. August Ginzberger erstattete nachstehenden Be- 
richt über die Exkursion zu den pflahzengeographischen 
Reservationen bei Nikolsburg und Ottenthai (am 22. Mai 
1913). 

Beide Reservationen bezwecken die Erhaltung charakteristi- 
I scher Stücke der Formation der „pontischen Steppe" oder „pon- 
I tischen Heide", die, einst im wärmeren Niederösterreich weit 

verbreitet, wegen ihrer leichten Urbarmachung und ihrer vorzüg- 
\ liehen Eignung für Getreide- und Weinbau, fast überall unter den 

Pflug genommen wurde und heute auf geringe Reste beschränkt 

ist, deren landwirtschaftliche Verwendung täglich eintreten kann. 
Die Erwägung, daß es sich dabei um die Erhaltung einer 

hochinteressanten Formation handelt, sowie, daß dahin ab- 
1 zielende Maßregeln nicht lange verschoben werden dürfen, wenn 

es nicht zu spät sein soll, hat die zoologisch-botanische Gesellschaft 



(144) 



Versammlung- der Sektion für Botanik. 



schon vor mehreren Jahren bestimmt, ein Grundstück bei Otten- 
thal (nordöstliches Niederösterreich, Bezirk Mistelbach) auf Antrag 
der Herren Dr. August Ginzb erger und Alois Teyber zu pachten. 

Abgesehen von der schön entwickelten Steppenformation hat 
diese Reservation noch einen besonderen Anziehungspunkt, nämlich 
das von A. Teyber entdeckte Vorkommen ^) von Cramhe tataria, 
einer in Westsibirien und Südrußland verbreiteten, außerdem im 
südlichen Mähren, in Galizien und Ungarn an einzelnen Stellen 
vorkommenden Crucifere, deren einziger Standort in Niederöster- 
reich eben das genannte Gelände bei Ottenthai ist, wo sie nach 
einer Zählung von 1909 in ca. 150 Exemplaren vorkommt; einzelne 
Stücke wachsen auch auf den Rainen der benachbarten Wein- 
gärten. 

Die Reservation besteht aus zwei aneinanderstossenden Grund- 
stücken am Abhänge des sogenannten „Zeiserlberges" nördlich von 
der Straße Ottenthai — Pottenhofen. Das größere, ca. 90 m lang 
und 40 m breit und gegen Süden geneigt, ist Eigentum der Ge- 
meinde Ottenthai; seine unveränderte Erhaltung bis Ende des Jahres 
1933 ist durch den Pachtvertrag gesichert. Das kleinere Grund- 
stück, ca. 45 m lang und 40 m breit und gegen Westen gerichtet, 
gehört einem Wirtschaftsbesitzer in Ottenthai; dieser Pachtvertrag 
läuft bis 1920; der Besitzer darf mähen, aber keine Bäume pflanzen. 

Die andere Reservation umfaßt die beiden Kuppen des „Gal- 
genberges" südsüdöstlich von Nikolsburg; sie liegt im südlichen 
Mähren, kaum 1 km von der niederösterreichischen Grenze. Ihre \ 
Spezialität ist das massenhafte Vorkommen des „Steppenhafers"^ 
Avenastriim desertorum, eines in Westsibirien, Turkestan, Südruß- 
land und bis Ostgalizien verbreiteten Grases, das von J. Podpörai 
1902 in Böhmen (Berg Rannä bei Laun)^) und 1912 auf dem Galgen- 
berg aufgefunden wurde ^); A. Teyber hat es auch im angrenzen- 
den Niedenistcrreich (Kaller Heide südöstlich von Nikolsburg) ge- 
funden.'*; Die SchaH'ung der Reservation geht auf die Anregungi 
von A. Ginzbergcr und A. 1'cyber zurück, auf deren Intcrven- 

') V^,'l. diese „ Verhandlunfren", MI, 1902, j). 592. 

') Vgl. ÖHteir. ImtMii. ZcitHclnift, LH, 1902, p. 333. 

=>) Ibid., LXII, 1912, p. 249. 

*) Ibid , I.XIII, 1913, p. 21. 



Versammlung- der Sektion für Botanik. 



(145) 



tion der Bürgermeister von Nikolsburg, Herr Alois Winter, im 
Gemeinderate beantragte, die auf dem Galgenberg bereits begonne- 
nen AulForstungen von Rotföhren und Eschen nicht nur nicht weiter 
auszudehnen, sondern auch die zahlreichen bereits gesetzten Föhren 
zu entfernen und anderweitig zu verwenden, ebenso die Eschen, 
welche an den Abhängen des Hügels stehen, abzuschneiden, wäh- 
rend die Aufforstung am Grunde des Hügels, die den angestrebten 
Zweck in keiner Weise beeinträchtigt, unberührt bleiben soll. Der 
Gemeinderat erhob diesen Antrag in der Sitzung vom 21. Novem- 
ber 1912 zum Beschluß. Die zoologisch-botanische Gesellschaft ist 
Bürgermeister und Gemeinderat von Nikolsburg für dieses ver- 
ständnisvolle Eingehen auf ihre Absichten zu großem Danke ver- 
pflichtet. 

Die Besichtigung der beiden Reservationen fand am 
22. Mai 1913 statt; 34 Personen beteiligten sich daran. Vom Nord- 
bahnhof wurde über Lundenburg nach der kaum 10 Minuten vom 
Galgenberg gelegenen Haltestelle Drasenhofen gefahren und dann 
wurden sofort die beiden Kuppen des Hügels besucht. Ävenastrum 
desertorum war in bestem Zustande; die Massenbestände, an der West- 
seite am schönsten entwickelt, boten in ihrem goldigen Braun, im 
Winde wogend, 'ein prächtiges Bild. Mehrere Teilnehmer botanisier- 
ten und notierten eifrig, so daß das Verzeichnis der von Podp6ra 
1. c. angegebenen Blütenpflanzen um folgende Arten vermehrt 
werden kann: 



Festuca glauca, 
Süpa capillata, 
Avenastnwi piibescens, 
Thalictrum minus, 
Cytisus 7'atishonensis, 
Viola mnbigua, 

Helianthemum ovatum ( = ohscu- 

rum), 
Eryngium campestre, 
Pimpinella saxifraga^ 



Bupleiirum falcatum, 
Sahir eja acinos^ 
StacJiys recia, 
Fhlomis tuberosa, 
Melampyrum cristattim, 
Centaurea scahiosa, 
Centaurea rlienana, 
Inula oculus Christi, 
Inula hiria. 



Der von Podpöra angeführte Diantlius carthusianorum ist 
nach unserem Befund durchaus B. pontederae, 

Z. B. Ges. 63. Bd. k 



(146) 



Versammlung- der Sektion für Botanik. 



An den ziemlich zahlreichen, zum Teil kleine Wände bildenden 
Jiirakalkfelsen wachsen außer den von Podpöra, 1. c. ange- 
führten Gefäßpflanzen: 



Ferner fanden sich an den Felsen oder in deren nächster 
Nähe einige Moose, und zwar nach Bestimmung von Prof. V. 



Die Flechten bestimmte Schulrat Dr. J. Steiner. 
Auf Erde wurden gesammelt: 

Toninia (llialloedema) coeruleonigricans (Lightf.) Th. Fr., 

Gladonia pyxidata (L.) Fr. 

An Felsen fanden sich: 

Verrmaria internipta (Anzi) Stnr., 

V. rupestris Schrad., • 

F. hrachy Spora Arid., 

V. (Lithoicea) nigrescens Fers, und var. ntpicola Mass., 
Dermatocarpon (Catopyrenium) monstruosiim (Mass.) Wain., 
Ärthopyrenia (Äcrocordia) conoidea (Fr.) A. Zahlbr., 
Biatorella (Sarcogyne) Simplex (Dav.) J^raun et Kostr., 
Äcarospora percaena (Schaer.) Stnr., 
Collema puTposum (Bernh.) Ach., 

Lccanora (Äspicilia) calcarea var. chalyhaeoides Stnr., 
L. (Eulecanora) dispersa (Pers.) Ach., 
L. crenulata (Dicks.) Nyl., 

Jj. fPlacodlum) muralis var. versicolor (Pers.) Körb., 

y>. alhrsams (Iloffm.) Th. Fr., 

Candelariella vllellina (Flirb.) Müller, 

C. cerinella (Flk.) A. Zalilbr., 

C. granulata fSchaor.) A. Zalilbr., 

(Jalojtlaca (KuralojdacaJ ]tyracca, (Ach.) 'V\\. V\\^ 



Asplenmm nita muraria, 
Alyssum arduini, 
Sedum alhum, 



Sedum acre, 

Sempervivum soholifenim (det. 
R. V. Wettstein). 



Schiffner: 



Tortida montana, 
Tortella inclinata^ 
Grimmia pidvinata, 



Schistidium hrunnescens, 
OrthotricJmm anomalum, 
HomalotJiecium sericeum. 



Versammlung der Sektion für Botanik. 



(147) 



C. aurantiaca (Lightf.) Th. Fr., 
G. coronata (Krplh.) Stur., 

C. variahilis (Pers.) Th. Fr. und var. ecrustacea Arid., 

C. (Fidgensia) lactea (Mass.) Stnr., 

C. (Gasparrima) callopisma (Ach.) Tornab., 

C. Nideri Stnr., 

G. murorum (Hoffm.) Th. Fr., 

G. ptisüla (Mass.) A. Zahlbr., 

Buellia (Diplotomma) alhoatra (Hoffm.) Th. Fr. f. saxicola Fr., 
B. epipolia (Ach.) Oliv., 

Rinodina (Eurinodina) Bischoffii (Hepp.) Krb. 





uandschaft zwischen Ottentbai und Pottenhofen. Das dunkle Trapez in der Mitte 
ist die „ Cramöe-Reservation". 

29. Juni 1909. Phot. A. Ginzberger. 

In Nik Olsburg, wo uns der Bürgermeister Alois Winter be- 
grüßte, wurde das Mittagmahl eingenommen. Darnach traten 24 Per- 
sonen den Marsch zu der Reservation bei Ottenthai an, wäh- 
rend die übrigen die Hügel bei Nikolsburg bestiegen. Der Weg 
der Hauptgruppe führte zunächst nach Ottenthai und von hier zu 
der Reservation am Zeiserlberg. Grambe tataria, eine mehr- 

k* 



(148) 



Versammlung der Sektion für Botanik. 



jährige/) aber nur einmal blühende (monokarpische oder hapaxanthe) 
Pflanze, zeigt in instruktiver Weise alle Stadien von ganz niedrigen 
jungen Exemplaren mit wenigen Blättern, über halbmeterhohe mit 
mächtigen, stark geteilten Blättern, die wohl in einem der nächsten 
Jahre zum Blühen kommen dürften, bis zu den kugelförmigen, bis 
über 7^ m hohen blühenden Büschen, die, nur ganz wenige kleine 
Blätter entwickelnd, alle im Laufe der Jahre in der mächtigen, tief 
in den Boden eindringenden Wurzel angesammelten ßeservestolfe 
zur Ausbildung des reich verzweigten Blütenstandes verwendet 
haben. Einige dieser Stöcke waren voll erblüht, andere trugen 
junge Früchte, deren oberes samentragendes Glied kugelig und 
grünhchweiß gefärbt ist. 

Der sonstige Bestand der Reservation an Blütenpflanzen 
ist nach den früheren und den bei der beschriebenen Exkursion ge- 
machten Beobachtungen folgender: 



Stipa pennata, 
Avenastrum puhescens, 
Melica clliata, 
Bronms erectus, 
Briza media^ 
JÜactylis glomcrata^ 
Festuca pseiidovina, 
Poa pratensis, 
Koderia gracilis, 
Carex Michelii, 
A sparafjus offklnalis, 
Orcliis mlliiaris, 
Silcne otiics, 
Anemone silvestris, 
Adonis vcrnalk, 
Th (dirfrum ßci HOSu m, 
Cratargus monogi))m, 
J'rtotus spinosa, 

l'n/rßififlfi rrria, 



Potentilla arenaria, 
Bosa sp., 

Sanguisorha minor, 
Medicago falcata, 
Trifolium montanum, 
Dorycnium germ anicum, 
Lotus corniculatus, 
Astragalus onohrychis, 
Astragalus austriacus, 
Coronilla varia, 
Cytisus hirsutus, 
Oxyfropis pilosa, 
Vicia tenuifolia, 
lÄnum hirsutum, 
Linum flavum^ 
Geranium sanguineum, 
Euphorbia virgata, 
Bictamis albus, 
Polygala maior. 



l';«H Alter <1(M- I'flanzo l)(^t,r;if,'t ii.ach I'.(U)l);iclituii{;-('ii, die; A.Tdybcr 
im (Jarti'Fi inaclitc, von di-r Kciiiiiin^ hlH zur Jiliito 0—7 .laliro. 



Verhandl. der h.lc. zool-hot. Ges., rp^^ j-^ Ä. Ginzberger: Exkursion nach 
Band LXIII, 1913. ' ' NiJcolsburg und Ottenthai. 




29. Juni 1909. 



Cramhe tataria fruchtend. 



Phot. A. Ginzberger. 



Versammlung der Sektion für Botanik. 



(149) 



Viola Mrta, 
Viola amhigua, 
Lavafera thuringiaca, 
Eryngium campestre, 
Peucedanum cervaria, 
Peucedanum alsaticum, 
Falcaria vulgaris, 
Prlmida veris, 
Nonnea pulla, 
Plüomis tuber osa, 
Stachys recta^ 
Sülvia verticillata, 
S. pratensis, 
S. nemorosa, 

Veronica teucrium ( = pseudo- 

chamaedrys ), 
Melampyrum arvense, 
Asperiäa cynanchica, 
Aspenda galioides, 

Auf nackter Erde fanden 

Camptothecium lutescens, 
Hypnum clirysophyllum, 
Eurliyncliium praelongum, 
Fissidens sp. 

Nach Besichtigung- der Ottenthaler Reservation wurde der 
Weg über Pottenhofen nach Neu-Ruppersdorf fortgesetzt und dann 
ein Pfad über eine „Gaisberge" genannte Hügelkette eingeschla- 
gen, die botanisch noch manches Interessante bot (Änthyllis affinis 
var. decipiens Sagorski in Menge). 

Über Kii-chstätten und Neudorf wurde in der Dämmerung die 
Eisenbahnstation Staatz erreicht und mit der Staatsbahn die Rück- 
fahrt nach Wien angetreten. 



Galium verum, 
Campamda glomerata, 
Aster amellus, 
Aster linosyris, 
Inula salicina, 
Imda omdus Christi, 
Achillea collina, 
Chrysanthemum leucanthemumj 
Chrysanthemum corymhosum, 
Centaurea scahiosa, 
Centaurea rhenana, 
Leontodon hispidus, 
Scorsonera Jacquiniana, 
Taraxacum laevigatum, 
Crepis praemorsa, 
Hieracium pilosella, 
Hieracium umhelliferum 
C. H. Zahn). 



sich einige Moose: 



(det. 



Nach dem vorstehenden Exkursionsberichte legten J. Gickl- 
horn, A. Ginzberger und E. Janchen die neue Literatur vor. 



(150) 



Versaninilung- der Sektion für Botanik. 



Am 29. Juni 1913 unternahm die Sektion für Botanik unter 
Führung' des Herrn Privatdozenten Dr. August v. Hayek eine 
Exkursion in das Thayatal. Von der Bahnstation Schönwald- 
Frain wurde der Weg durch den Saugraben nach Frain genommen, 
wo die Mittagsrast stattfand. Sodann wurde über die Eisleiten 
nach Hardegg und von dort zur Bahnstation Pleissing -Waschbach 
gewandert. Von auffälligeren Pflanzen, welche auf der auch in land- 
schaftlicher Beziehung sehr lohnenden Exkursion gefunden wurden, 
seien genannt: Silene nemoralis (auf Kalkschiefer an den Abhängen 
südlich von Hardegg), Cimicifuga foetida (im Walde unter der Eis- 
leiten), Ranunculus fluitans (in der Thaya bei Frain), Hesperis sil- 
vestris (Eisleiten), Thlaspi alpestre (Wälder bei Frain mehrfach), 
Vicia pisiformis (zwischen Frain und der Eisleiten), AcMllea Neil- 
reichii (an Felsen und trockenen Stellen bei Frain und Hardegg). 



Referate. 

Fortschritte der iiaturwisseiischaftliclieii Forscliuiig. Herausgegeben von 
Prof. Dr. Emil Abderhalden. VIII. Band, 308 Seiten mit 217 Textabbil- 
dungen und einer Tafel. Urban & Schwarzenberg, Berlin und Wien, 1913. 

Der vorliegende Band enthält dem Programme des Unternehmens ge- 
mäß zusammenfassende und über den derzeitigen Stand unserer Kenntnis orien- 
tierende Arbeiten aus den verschiedensten Forschungsrichtungen der Natur- 
wissenscliaft, betitelt: „Der gegenwärtige Stand der Forscliungen auf dem 
Gebiete der Metallogrupliie" von Doz. Dr. W. Guertler, Bcrlin-(Jrunewald; 
„Unser Wissen über die ältesten Tetrapoden" von Prof. F. Broili, München; „Die 
wissenschaftliche und ökonomische Bedeutung der Teicliwirtschaft" von Doz. 
Dr. Walter Cronheim (f), Berlin; „Über die (fallen der Pflanzen" (Neue llesul- 
tatc und Streitfragen der allgemeinen Cecidologie) von Prof. Dr. Ernst Küster, 
P>onn a. Rh.; „Fortpflanzungsverhältnisse: Paarung und Eiablage der Süß- 
wasserinsekten" von Dr. C.Wcscnberg-Lund, liilleröd (Dänemark) und „Bau- 
kunst und Erdbeben" von Prof. Dr. F. Frech, Breslau. Alle aufg(!zählten 
Arbeiten w(!rden e])enso dem engercin Fachgenossen wie insbesondere dem 
einen Cberl>iick und Einblick in fniuide, al)er vielleicht verwandte Wissens- 
gebiete suchenden Naturhistoriker willkommen sein. Wird es doch von Jahr 
zu .lahr selbst dem Fachmannc auf einem eng begrenzten (iebiot infolge des 
enormen AnHchwrIlens und der Zersplitterung der IJteratur immer schw(!rer, 
alle neuen Ergebnisse der I"'ors(hiing zu v(^rf()Ig(;n und im Auge zu behalten. 
Eine cin^elMMMbr B('H|>rechung alhsr Arb(Mt(!n würde zu w(!it führen, (!S sei 
mir t-csfalf'-t nur drcri ArlM'ifcn licranszugrcifen, (hsren Ergebnisse eine kurze 



Keferate. 



(151) 



Darstellung zulassen, nämlich die Broilis, Küsters und Frechs. Jener 
kommt zu dem Resultat, daß die Tetrapoden ein beti ächtlich höheres Alter 
besitzen, als wir auf Grund der bisherigen Funde annehmen, daß verschiedeut- 
liche Beziehungen zwischen den Stegocephalen und den Ganoiden, namentlich 
den Crossopterygiern bestehen, daß aber ein wirklich vermittelndes Glied sich 
bis jetzt nicht hat finden lassen, daß dagegen weit innigere verwandtschaft- 
liche Beziehungen zwischen den Stegocephalen und den Cotylosauriern aus 
der „Ordnung" der Theromorphen nachzuweisen sind, welche sich nach unseren 
Anschauungen als die primitivsten Reptilien überhaupt darstellen, daß außer 
der genannten „Ordnung" im Perm gleichzeitig noch drei heterogene Formen- 
gruppen von Reptilien existierten, die Rhynchocephalen, Mesosaurier und 
Pterosauriden, und daß endlich die „ältesten" Reptilien keineswegs in Wirk- 
lichkeit die ältesten sind, sondern daß dieselben wahrscheinlich zur Zeit des 
Unterkarbon, möglicherweise bereits im Oberdevon mit ihrer Entwicklung ein- 
setzten. Aus der an zweiter Stelle genannten Arbeit Küsters entnehmen wir 
unter anderem, daß die Gallen ätiologisch betrachtet ebenso verschiedenartig 
untereinander sind wie in morphologischer und anatomischer Beziehung und daß 
sich zumindest einige der Wachstums-, Gestaltungs- und Diflferenzierungspro- 
zesse, die wir bei der Gallengenese sich abspielen sehen, mit den aus anderen 
Kapiteln der Pflanzenpathologie bekannten Vorgängen vergleichen und wohl 
auch identifizieren lassen, daß aber andererseits bei der Entstehung der Gallen 
außerdem noch Faktoren wirksam sind, die — soweit wir bisher wissen -— 
nur bei diesem Vorgang im Spiele sind. Dabei könne es sich nur um che- 
mische Reize handeln. Trotz unserer Unkenntnis über die chemische Natur 
des Gallenvirus sei es deshalb nicht verfrüht, die chemische Theorie der 
Gallengenese mindestens als berechtigte Arbeitshypothese anzuerkennen. 

Zum Schlüsse möchte ich noch die Aufmerksamkeit auf die im Inhalts- 
verzeichnis an letzter Stelle genannte Arbeit Frech s „Baukunst und Erdbeben" 
lenken, weil sie ein Gebiet behandelt, daß man kaum unter den Grenzgebieten 
der Naturwissenschaft zu finden hoffen wird, nämlich das zwischen Erdbeben- 
forschung und Kunst-, speziell Architekturgeschichte. Der Autor kommt zu 
dem interessanten Resultat, daß für den Sieg des Kuppelbaues bei kirchlichen 
Monumentalbauten über den bisher üblichen Basilikastil im sechsten Jahr- 
hundert neben anderen in der allgemeinen Kulturentwickluug liegenden Grün- 
den auch rein konstruktive Erwägungen der möglichsten Sicherung gegen 
Erdbebenschaden maßgebend waren. F. M. 

Bestimmuiig und Vererbung des Geschlechtes bei Pflanze, Tier und 
3Iensch. Von Dr. Paul Kammerer, Privatdozent an der Universität in 
Wien. 101 Seiten mit 17 Abbildungen im Text. Theodor Thomas Verlag, 
Leipzig, Geschäftsstelle der Deutschen Naturwissenschaftlichen Gesellschaft. 
Preis 1 Mark. 

Das Buch behandelt in vier Kapiteln, Geschlechtsentstehung, Geschlechts- 
verteilung, Geschlechtsvererbung und Geschlechtsbestimmung betitelt, ein wei- 



(152) 



Referate. 



tereu Kreisen ebenso interessantes als schwer klarzumachendes Thema, schwer 
klarzumachendes deshalb, weil es, will es nicht die Kenntnisse des Fachmannes 
bei einem Laien voraussetzen, zugleich ein Repetitorium der Protozoenkunde, 
der Histologie, namentlich in Hinblick auf die komplizierten Vorgänge, welche 
sich bei der Zellteilung überhaupt sowie bei den der Reifung der Geschlechts- 
produkte, Eier und Spermatozoon, vorangehenden „Reifungsteilungen" insbe- 
sondere im Arkanum der Zelle, dem Kern, abspielen, und der Mendel sehen 
Vererbungslehre sein muß. Hoffen wir, daß es trotzdem wenigstens die Auf- 
gabe erfüllt, dem Leser die Kompliziertheit dieses Problems sowohl, wie der 
meisten anderen Erscheinungen der belebten Natur vor Augen zu führen. 

F. M. 



Psylliodes attemiata Koch, der Hopfen- oder 
Hanf-Erdfloh. 



L Teil. 

Jlorpliologie und Biologie der Präimagiualstadieu. 

Von 

Prof. Dr. Franz Tölg (Wien). 

Mit 15 Figuren im Texte. 
(Eingelaufen am 21. November 1912.) 

Einleitung. 

Trotzdem der Hopfen erdfloli in Hopfengegenden massenhaft 
auftritt und bisweilen die Ernte geradezu in Frage stellt, ist über 
die Entwicklung desselben bisher nichts Sicheres bekannt geworden. 
Es mag dies dem Umstände zuzuschreiben sein^ daß die Entwick- 
lungsstadien wegen ihrer Kleinheit und weil in der Erde lebend nur 
allzuleicht der Beobachtung entgehen. Dazu kommen noch ober- 
flächliche Angaben und Vermutungen, welche ohne Kritik hinge- 
nommen, die richtigen Verhältnisse zu verhüllen geeignet sind. So 
meint Theobald:^) . . wenn der Hopfenerdfioh in größerer Anzahl 
auftritt, sobald die Frucht noch ganz klein ist, so frißt er nicht 
nur die Dolden, sondern legt auch seine Eier in sie." Zum Schlüsse 
heißt es: „Es ist seltsam, daß er in den Dolden brütet; möglicher- 
weise verbringt er sein Larvenleben bei früheren Generationen in 
Hopfenblättern." Außer dieser den wirklichen Verhältnissen nicht 
entsprechenden Angabe haben wir es nur mit Vermutungen zu tun. 

9 

.^) F. V. Theobald, Notes on Economic Zoology, Rep. South-Easteru 
Agricultural College. Wye, 1903, p. 14—15. 

Z. B. Ges. G3. Bd. 1 



2 



Franz Tölg, 



Vielfach werden Cruciferen als Nährpflanzen der Larven ver- 
dächtigt, was wohl hauptsächlich auf eine Generalisierung zurück- 
zuführen ist, da einer der häufigsten Erdflöhe, Phyllotreta nemonnn L., 
seine Entwicklung in den Blättern der verschiedensten Cruciferen 
durchmacht. Damit mag auch die in der Saazer Gegend verbreitete 
irrtümliche Ansicht in Zusammenhang stehen, daß der Hopfenfloh 
in der Nähe von Rapsfeldern häufiger ist und früher, als noch viel 
Raps gebaut wurde, viel verheerender auftrat. Auch ZirngiebU) 
empfiehlt als ein Mittel zur Vertilgung der Hopfenerdflöhe, deren 
er fälschlich mehrere Arten annimmt, das Reinhalten der Gärten von 
Unkraut, besonders Kreuzblütlern. Meine nun folgenden Angaben, zu 
welchen ich während meiner Lehrtätigkeit in Saaz angeregt wurde, 
Avo ich Gelegenheit hatte, das massenhafte und überaus schädliche 
Auftreten des Hopfenerdflohes kennen zu lernen, basieren auf zahl- 
reichen Beobachtungen im Freien und auf vielen zur Ergänzung 
angestellten Versuchen. Vergleichshalber soll auch die durch Parker^) 
und C bittenden^) bekanntgemachte Lebensgeschichte des ameri- 
kanischen Hopfenerdflohes, Fsijlliodes punctulata Melsh., an ent- 
sprechender Stelle erwähnt werden. 

I. Bas Ei. 

Das Ei ist sehr klein, mit freiem Auge kaum wahrnehmbar, 
oval und gelblich gefärbt. Die Eischale ist verhältnismäßig zart. 

II. Morphologie der Larve. 

Die mit drei deutlichen Fußpaaren ausgerüstete, erwachsene ^ 
Larve ist bei ausgestreckten Intersegmentalhäutcn G mm lang, ihrer ' 
Lebensweise in der Erde entsprechend weiß gefärbt, nur der Kopf, 
Nacken- und Analschild sind infolge gleichmäßiger Cliitinisicrung 
liclitbraun. Aulfallend ist ihre fadenförmige, einer zarten Wurzel- 
faser überaus ähnliche Gestalt. Der Körper ist in drei Brust- und 
in nenn A hdoniinalsegmentc gegliedert und trägt regelmäßig an- 

'j 1)1 II. Zirn-i('))l, Die Feinde des Il()i)fen8, licrl., 1!}02, p. 32-34. 
Ii. I'jiri<er, 'J'lio Life Ilistory und (Jontiol of tho Hop Floa-Bcetle. U. S. y 
Dcp. of A^^ricult,., lUiv. of Knt., iiull. Nr. 82, Vnit IV, 1910. | 

•'j r II. ( Hutten den, 'i'lio Hop Fleji-Hcetle; I. c., Bull. Nr. GG, Parti 
VI, VMiU. I 



Psylliodes attemiata Kocl», der Hopfen- oder Hanf-Erdfloh. I. Teil. 



3 



geordnete, mit einer bestimmten Anzahl von längeren Borsten ver- 
sehene Sclerite (Borstenplatten). Die Länge der einzelnen Segmente 
nimmt von vorne nach hinten 
zu. Während die Brustsegmente 
annähernd so lang als breit sind, 
sind die Abdominalsegmente mit 
Ausnahme der beiden ersten un- 
gefähr um die Hälfte länger als 
breit (Fig. 1, 2, 3). 

Dieses Aussehen hat die 
Larve nach den ersten Häutun- 
gen. Die junge Larve besitzt 
einige spezifische Merkmale. 
Dazu gehören die graue Grund- 
farbe, die gedrungene Gestalt, 
dadurch hervorgerufen, daß die 
einzelnen Segmente annähernd 
so lang als breit sind, und end- 
lich schärfer vorspringende Seg- 
mentalwtilste und relativ län- 
gere Haare. 

Die im folgenden beschrie- 
benen, speziellen morphologi- 
schen Merkmale sind größten- 
teils nur mit Hilfe des Mikro- 
skopes erkennbar. 

Der Kopf ist dorsal stark 
gewölbt, so daß in der dorsalen 
Ansicht Labrum und Clypeus 
nur sehr schwer zu erkennen 
sind. Fig. 4 ist deshalb etwas 
schematisiert. Deutlicher wird 
der vordere dorsale Teil des 

Kopfes 'bei latero-dorsaler Ansicht sichtbar (Fig. 5). Die Ventral- 
seite erscheint gleichfalls gewölbt infolge der stark vorspringenden 
Maxillen (Fig. 1 und 5). Im Vergleich zum Prothorakalsegment ist 
der Kopf schmal, etwa um ein Drittel schmäler als der Nacken- 

1* 




=1? 



Fig. 2. Fig. 3. 

Fig. 1. Erwachsene Larve; Lateralansicht. 
16 mal vergrößert. 

7, II, III Thorakalsegmente, 1—9 Abdominal- 
segmente, s Stigma. 

Fig. 2. Dieselbe Larve; Dorsalansicht. 
Fig. 3. Dieselbe Larve; Ventralansicht. 



4 



Franz Tölg. 



Schild, dagegen beinahe doppelt so lang als dieses und um ein 
Drittel länger als breit (Fig. 4). Die Oberfläche der Kopfkapsel 
ist der Länge nach gerunzelt und mit einer konstanten Anzahl regel- 
mäßig angeordneter Borsten besetzt. Die einzelnen Teile des Kopfes: 
Frons, Epistom, Clypeus, Labrum, Epicranium, Occiput, Genae, 
^ Hypostom, Pleurostom, Anten- 

f¥ ^ nen und Mundteile sind aus 

den bezüglichen Figuren 4, 5, 
6 und 7, welche den Kopf in 
verschiedener Ansicht zeigen, 
ersichtlich. 

Das Stirndreieck, Frons 
(Epistom, Schiödte), ist von 
dreieckiger Gestalt, wird seit- 
lich von einer deutlichen bo- 
genförmigen Frontolateralsutur 
und von der Antennenbasis be- 
grenzt, verengt sich nach hin- 
ten in einem spitzen Winkel zur 
Epicranialsutur, noch vorn ist 
es vor die Antennen vorge- 
zogen und dann von einem 
queren Chitinwulst, dem Epi- 
stom (Postclypeus, Dampf), ab- 
geschlossen. 

Durch eine von der Epi- 
(jranialsutur zur Mitte des Epi- 
stoms verlaufende Linie (Fron- 
tallinic) wird die Fläche des 
Stirndreiecks in eine rechte und hnke Hälfte geschieden, deren 
jede etwa in der Mitte eine Frontalborste und im hinteren Drittel 
einen sogenannten Porenpunkt trägt (Fig. 4 und 5). 

Die von lIo])kins') gebrauchte Bezeichnung Epistom für den 
aufgewulHteten Vorderrand der Frons erscheint durch die Laae 




Fig. 4. Kopf und Prothorakalseg- 
iTient in Dorsalansiclit, flachge- 
drückt. 103 mal grüßert. 

118 Nack(!nscliil(I, fpcr Epicranium, eps 
Epicranialsutur, //• Frons, frs Fronto- 
lateralsutur, rt)// Antenne, <=;?.s/ Epistom, 
r/ f^iypeii.s, //>?• Lahrum, im/h MamUha]. 



^) A. I). Hopkins, ContribntionH toward a ni()nogra])li of Mk^ S(;olytid 
l)'-' fl* s. I. 'I lic ;.^ciiiiH Dr.ndrnclonuH. WaHliington, 1901). 



r.-ii/lliodes attenuata Koch, der Hopfen- oder Haiif-Erdfloh. I. Teil. 



5 



dieses Chitinstückes zur MundöflPnung gerechtfertigt. Bezeichnend 
für das Epistom sind vier Borsten (Epistomalborsten), von denen 
die beiden medianen in einer Linie mit den Frontalborsten stehen, 
während die beiden anderen in den lateralen Ecken ent- 
springen. 

Auf das Epistom folgt ein membranöses Quersttick, der Clvpeus 
(Anteclypeus, Dampf), mit je zwei lateralen kurzen Borsten. Durch 
den Clypeus wird die Be- 
weglichkeit des damit 
verbundenen Labrums 
bewerkstelligt. 

Das Labrum be- 
steht aus einer basalen, 
distal eingebuchteten, 
stärker chitinisierten Chi- 
tinplatte mit vier länge- 
ren Borsten, vier da- 
zwischenliegenden Po- 
renpunkten und einem 
hellen, befransten End- 
abschnitt, der unterwärts 
einige glashelle Zäpfchen 
(Sinneskörper?) trägt. 

Für die Charak- 
terisierung der Hemi- 
sphären kommt in erster 
Linie die Borstenstellung in Betracht. Zu einer übersichtlichen Dar- 
stellung derselben empfiehlt es sich^ die einzelnen Teile der Hemi- 
sphären mit besonderen Namen zu belegen. 

Im Anschluß an Hopkins werden folgende Bezeichnungen 
gebraucht: Epicranium für den Abschnitt seitlich der Frons, Genae 
für die unterhalb der Antennen gelegene Partie und Occiput für 
den hinteren, das Foramen occipitale umschließenden Abschnitt. 
Der stark verdikte laterale ausgebuchtete Yorderrand an der Man- 
dibelbasis mit den Gelenken für die Mandibel wird als Pleurostom 
und der bogenförmig ventral die Mundteile umschließende breite 
Chitinrand mit einer die Wangengegeud nach hinten gegen das 




6 



Franz Tölg. 



Occiput begrenzenden quer davon abzweigenden Cbitinleiste wird 
Hypostom genannt. 

Nur die beiden vorderen Abschnitte der Hemisphären tragen 
Borsten, und zwar zwei längere Borsten und einen dazwischen- 
liegenden Borstenstift an der Frontolateralsutur (Frontolateralborsten), 
vier in zwei Längsreihen angeordnete Borsten auf der Wölbung 
(Epicranialborsten) und zwei Borsten nebst einem dazwischenlie- 
genden Borstenstift lateral vom Hy- 
postom (Hypostomalborsten). Diese 
Borsten sind nur bei dorsolateraler 
Ansicht des Kopfes (Fig. 5) gleich- 
zeitig sichtbar. Wenn man von 
dem dorsalen Borstenstift an der 
Frontolateralsutur absieht, lassen 
sich diese Borsten auch in zwei Bo- 
genreihen unterbringen, wovon die 
proximale die Antennenbasis um- 
schließt (Antennalreihe) , . während 
die distale annähernd die Grenze 
gegen das Occiput angibt (Occiputal- 
reihe). 

Von der hinteren Frontolate- 
ralborste aus umgreift jederseits eine 
Bogenreihe von fünf Porenpunkten 
die sutura verticalis. Die das foramen 
occipitale umgrenzenden Bänder der 
Hemisphären sind ungleich stark ver- 
dickt. In der Nähe der Umbiegungsstelle zeigt die kutikularc 
Verdickung eine kleine Unterbrechung (Fig. 7). 

Die Antennen liegen in der vorderen, dorsalen Ecke der 
Hemisphären und bestehen aus einem breiten Grundglied und 
einem ganz kurzen, scheinbar die abgestutzte Endfläche des ersten 
(Ilicdcs bihhtndcn TeW, auf welcliem ein größerer Sinneskegel und 
dorsal von diesem ein gk^ichfalls stark liclitbreeliender Za])fen und 
eine kurze Borste aufsitzt. Ozellen sind niclit vorbanden. 

Die Mundteile sind verhiiltnismäUig einfach gestaltet. Die 
Man(lih(;ln TFig. Hj sind etwa ein Viertel so lang als die Kopf- 




Fig. 6. Kopf in vcntrolateraler 

Ansicht. 
m.e. Mala exterior (Außenlade), shm 
Hiibnionluin, int Mentnni. lli)> Labial- 
[inlpus. 



PsylUodes attemuäa Koch, der Hopfen- oder Hauf-Erdfloli. I. Teil. 7 




Fig-. 7. Kopf von der Ventralseite, flachgedrückt. 

hpst Hypostom, plst Pleurostom, g Gena. Das übrige wie in Fig. 4—6. 

kapsel, fiinfzäbnig, außen konvex, innen konkav mit einer an- 
nähernd dreieckigen Basis, die ventral einen Gelenkkopf und dorsal 
eine Gelenkspfanne trägt. Der Gelenkkopf ^^z. 
artikuliert mit dem ausgehöhlten Yorder- 
rande des Hypostoms, die Gelenkgrube sitzt 
auf einem abgerundeten Ge- 
lenksfortsatz des Pleuro- 
stoms. Zwischen den beiden 
Gelenken inserieren auf der 
Innenseite der Mandibel die 
Muskel zur Bewegung der- 
selben. Auf der konvexen 
Außenseite oberhalb des dor- 
salen Gelenkes stehen zwei 
Borsten. 

Die Maxillen (Fig. 9), deren allgemeine Lage aus Fig. 6 und 7 
ersichtlich ist, bilden ein zusammenhängendes Stück, von dem 
sich nur der Taster deutlich abhebt. Die ganze Maxille ist ventro- 





Fig. 8. Mandibel. 
312 mal vergr. 



Fig. 9. Maxille. 
312 mal vergrößert. 

Stipes, pf Palpifer, mxp 
iNIaxillarpalpus, me Mala 
exterior, »j. i. INIala interior. 



8 



Franz Tölg". 



lateral stark vorgewölbt, so daß sie mit dem Taster bei seitlicher 
Lage des Kopfes ziemlich weit vor den ventralen Kopfrand vor- 
springt (Fig. 1 und 5), während bei der Ventralansicht des Kopfes 
der ventrale Teil der Wangen bedeckt erscheint. (Fig. 7 ist nach 
einem gequetschten Kopfe angefertigt.) 

Von den einzelnen Teilen der Maxille ist der Stipes das um- 
fangreichste. Derselbe stellt einen Halbzjlinder vor, der median- 
wärts seiner ganzen Länge nach in einer konkaven Linie mit dem 
Submentum verwachsen und entlang dieser Begrenzungslinie einen 
entsprechend geformten Chitinstreifen aufweist, an dessen lateralem 
Rande in der weniger chitinisierten Oberfläche zwei Borsten (Sti- 
palborsten) entspringen, wovon die eine ungefähr in der Mitte, die 
andere am Vorderrande des Stipes steht. Das basale Verbindungs- 
stück (Cardo) ist äußerst klein und kaum sichtbar. 

Die schräg abgestutzte apikale Endfläche des Stipes trägt den 
Palpifer mit dem Taster und vor demselben etwas median den ein- 
heitlichen Ladenteil. Der Taster besteht aus drei freien Gliedern 
und einem basalen, median mit dem Lädenteil verwachsenen Gliede, 
das in der Literatur als Palpifer (Palpusträger) bezeichnet wird. 
Dieses Glied ist gut gekennzeichnet durch eine ventrolateral ge- 
legene halbkreisförmige Chitinleiste, an deren oberen Rande zwei 
ziemlich lange Borsten stehen (Fig. 6, 7 und 9). Von den drei 
freien Gliedern des Tasters sind die beiden ersten ungefähr gleich 
lang, von der Gestalt eines Kegelstumpfes und basal von einem 
Chitinring umgeben, während das Endglied einen stark licht- 
brechenden Sinneskegel mit lateraler Chitinplatte ohne basalen 
Chitinring darstellt und beinahe doppelt so lang ist wie das vor- 
hergehende Glied. Das erste Glied ist unbeborstet, das zweite trägt 
eine kurze I>orste auf der Medianseite, der Endkegel auf der 
Latcralscitc. 

Die Differenzierung des Ladenteiles in Außen- und Innenlade 
ist kaum angedeutet. Deutlich entwickelt ist nur die Außenhidc in 
Form eines kurzen, schräg abgestutzten Zylinders, der nur auf der 
Außenseite etwas stärker chitinisiert ist. Auf dem Rande der kreis- 
förmigen Endflächen sitzt eine unbestimmte Anzahl von Papillen, 
in der Mitte ein kleiner von zwei P)()rstenstiften umstellter Sinnes- 
kegel. Die Innenlade wird durch eine unmittelhar am Mundrande 



P»ylliodes attemiata Koch, der Hopfen- oder Hanf-Erdfloh. I. Teil. 



9 



an der inneren Basis der Außenlade stehende kammförmige Reihe 

steifer Borsten repräsentiert. 

Zwischen den beiden Maxillen liegt die Unterlippe, welche 

mit jenen den ventralen Raum zwischen den Hemisphären fMaxil- 
1 larsinus) ausfüllt. Die Unterlippe ist noch weniger gegliedert als 
I die Maxillen und ist mit Ausnahme eines kleinen Chitinstiickes vor 
I den Labialpapillen membranös (Fig. 7 j. 

1 Die beiden Teile des Labium, Submentum und Mentum sind 
] sowohl miteinander als mit den Maxillen verwachsen. Nur der 
! vordere Teil des Mentums ist frei. Die Grenze zwischen beiden 
I wird durch ein bogenförmiges, in der Höhe des Palpusträgers 
' liegendes Chitinstiick gebildet, das ebenso wie jener am, vorderen 
i Rande zwei Borsten trägt und mit Rücksicht auf die unmittelbar 
: davor stehenden Labialpalpen als Palpiger des Labiums ge- 
deutet werden könnte, 
i Die Lippentaster sind ganz kurz und bestehen aus einem 
I kaum sichtbaren Basalglied und einem kegelförmigen EndgUed. Die 
j Fläche des Mentums vor den Tastern weist acht Borstenstifte auf, 
deren Anordnung Fig. 7 zeigt. Das Submentum trägt vorn und 
hinten je zwei längere Borsten (Submentalborsten). 

Der Thorax und das Abdomen der Larve von PsylUodes aüe- 
I niiata sind außer durch die Form, Zahl und relative Länge der 
j Segmente nicht so sehr durch die Stellung der Borsten als durch 
\ eine ganz eigenartige und innerhalb der Art konstante und des- 
: halb wohl auch systematisch verwertbare Anordnung der Borsten- 
platten (Sklerite) gekennzeichnet. In jenen Fällen, wo die Borsten- 
platte mehrere Borsten trägt, ist wohl auch ihre relative Länge in 
1 Betracht zu ziehen. In Raupenbeschreibungen der letzten Zeit sind 
diese Verhältnisse eingehend berücksichtigt und auch eine Nomen- 
klatur für die Anordnung der Borsten — nicht Borstenplatten — 
I aufgestellt worden. Es ist versucht worden, die Borsten in be- 
stimmten Längsreihen unterzubringen und auch die Borstenstellung 
auf dem Thorax mit der des Abdomens zu homologisieren. In 
i diesen beiden Punkten ist man jedenfalls etwas zu weit gegangen. 

Da die Borsten auf Querwülsten der Segmente stehen, sollten 
! sie naturgemäß nach den Wülsten benannt werden, zumal die Borsten 
nur auf der ventrolateralen und ventralen Seite deutliche Längs- 



10 



Franz Tölg". 



reiben bilden, wäbrend der Versucb, die Borsten der Dorsalseite 
in Läugsreihen anzuordnen, etwas Gezwungenes hat. Was den Ver- 
sucb betrifft, die Stellung- der Tborakalsklerite in Einklang- mit den 
Abdominalskleriten zu bringen, so ist zu bedenken, daß dem 
Thorax infolge seiner ganz abweichenden Organisation und Funk- 
tion eine ganz selbständige Stellung der Sklerite zuzuschreiben ist. 
Von diesem Gesichtspunkte aus mag die folgende Beschreibung 
des Larvenkörpers aufgefaßt werden. Zum Studium der Skleriten- 
anordnuög bei Halticinenlarven sind besonders die Larven von 
Fhyllotreta nemorum geeignet, die sehr deutlich ausgeprägte Sklerite 
haben und leicht in größerer Anzahl beschafft werden können. Um 
eine Übersicht über die Anordnung der Borstenplatten auf ein und 
demselben Segment zu erhalten, mag es nicht überflüßig erscheinen, 
neben einer bestimmten Nomenklatur die einzelnen Borstenplatten 
fortlaufend zu numerieren. Im folgenden sind die Nummern in 
einer Klammer beigefügt. 

Vergleichen wir zunächst den Thorax der Larve von Psyllio- 
des attemiata mit dem Thorax anderer Käferlarven oder Raupen, 
so fällt unter anderem besonders die Lage des Thorakalstigmas 
auf dem Metathorakalsegmente auf (Fig. 1 und 10). Gegenüber den 
Abdominalsegmenten sind die Tergite des Thorax nur zweiwülstig. 
Auch sind nur die dorsalen und dorsolateralen Borsten kräftig, die 
übrigen überaus zart und nur mit starker Vergrößerung erkennbar. 
Von den Intersegmenten ist nur jenes zwischen Kopf und Pro- 
thorax mit Rücksicht auf die Zurückziehbarkeit des Kopfes gut 
entwickelt. 

Der Tergit des Protborakalsegmcntes besitzt eine in der 
Dorsalbnie geteilte Cliitinplatte, den Nackenscliild, dessen Bebor- 
stung eine ganz spczifisclie ist. Jede Hälfte desselben hat sieben 
Borsten, wovon vier am Vorderrande — die vierte schon etwas 
seitlich — die übrigen drei in einer Querreibe auf dem hinteren 
Drittel der Nackenscbildlläclic steben (Fig. 2 und 4). 

Die 'I'(;rgite der beiden folgenden Segmente zeigen annäbcrnd 
gleiche Anordnung der Sklerite. Entsprechend den zwei Querwülstctt 
wovon der vordere als Skutalwnlst, der hintere als Skutellarwnlst 
bezeichnet werden mr>ge, sind die seclis Sklerite auf zwei bogen- 
förmige Querreiben verteilt. Von den drei Skutalskleriten ist der 



Ä 



rsylliode^s attenuata Koch, der Hopleu- oder Hanf-Erdtioh. I.Teil. 11 



mittlere (I) groß, mit zwei Borsten bewehrt, die lateralen (II) 

sind klein und tragen einen kaum sichtbaren Borstenstift. Die 

Skuteilarsklerite sind beinahe gleich groß, doch trägt auch hier 
I der mittlere (III) zwei Borsten, die lateralen (IV) nur eine Borste. 
I Die Abdominalsegmente haben drei 
I Dorsalwiilste : Proskutal-, Mesoskutal- und 
I Metaskutalwulst und demgemäß auch 

drei Keihen von Skleriten, drei Pros- 

kutal- (1, 2), zwei Mesoskutal- (3) und 

drei Metaskutalsklerite (4, 5). 

Für die Gliederung der Pleuren 

bildet bei unserer Larve mangels einer 

ausgesprochenen Pleurallinie nur das 

Stigma einen Anhaltspunkt. Bezeichnet 

man den das Stigma, die supra- und 

prästigmalen Teile umfassenden Wulst 

als Stigmalwulst und den ventral vom 

Stigma liegenden Wulst als Epimerit und 
; den darauffolgenden entsprechend als 

Episternit, so ergeben sich folgende Ver- 
hältnisse. 

Auf dem Prothorax ist der Stig- Fig- 10. Schema der Scleriten 
menwulst in das Nackenschild einbe- -mordnimg und Beborstung der 
zogen, der Mesothorax besitzt zwei Stig- 
malsklerite, wovon der eine (VI) das 
Stigma und eine vor demselben stehende 
Borste trägt, während der andere lang- 
gestreckte (V) oberhalb des Stigma drei 
I Borsten aufweist. Auf dem Metathorax liegen die Verhältnisse 
ebenso, nur fehlt das Stigma. 

Die Abdominalstigmen Hegen nicht in einer Längsreihe mit 
dem Mesothorakalstigma, sondern mehr dorsal. Beide Stigmalsklerite 
^6, 7) sind annähernd gleich groß und tragen nur je eine Borste; 
ihre Lage zum Stigma ergibt sich aus Fig. 10. 

Die Seitenteile (Pleuren) der Larve treten namentlich auf den 
Abdominalsegmenten in Form deutlicher, in zwei Längsreihen an- 
geordneter Wülste hervor. Bezeichnet man die Linie, welche diese 



1 1 1 


















mm 





rechten Körperhälfte mit flach 
ausgebreiteten Segmenten. 

7, 77, 777 Pro-, INIeso- und :Metathorax ; 
7— r, 8 Abdorainalsegmente ; s Stigma. 
(Abdoniinalsegmente 2—1 weggelas- 
sen.) 



12 



Franz Tölg. 



Wülste trennt, als Pleiirallinie und die entsprechenden Sklerite 
analog wie gewisse Chitinplatten auf der Seite des Thorax des 
Imago als Epimerum und Episternum, so ergeben sich folgende 
Verhältnisse. 

Als Epimeralsklerite (VII) des Thorax wären die nahe dem 
Hinterrande der Segmente, in einer Reihe mit dem Metathorakal- 
stigma liegenden Sklerite aufzufassen. Dieselben haben nur eine 
zarte Borste (Haar). Die Episternalsklerite der Thorakalsegmente 
(Vni) liegen vor den Coxen und zeigen medianwärts eine deut- 
liche Chitinleiste. Mit Ausnahme des ersten sind sie borsteulos. 
Unmittelbar hinter der Coxa liegt noch ein Sklerit (IX) mit einem 
Haar, den ich als Subcoxa bezeichne. 

Die ventral vom Stigma, nahe dem Hinterrande der Seg- 
mente, liegenden Epimeralsklerite (8) des Abdomens sind lang- 
gestreckt und mit zwei Borsten versehen. Annähernd dieselbe Ge- 
stalt haben auch die abdominalen Episternalsklerite (9), nur ist die 
hintere Borste länger als die vordere. Streng genommen gehören 
die Epimeralsklerite zum Tergit, die Episternalsklerite zum ent- 
sprechenden Sternit, so daß die Pleurallinie die Grenze zwischen 
Dorsal- und Ventralseite bildet. 

Die Sternite des Thorax und des Abdomens sind von ähn- 
licher Beschaffenheit. Dieselben sind nur im hinteren Abschnitt 
aufgewulstet (Sterneilum) und nur auf diesem mit drei, in einem 
Dreieck angeordneten Sternellarskleriten versehen. Der vordere 
Sternitabschnitt (Sternum) ist flach und infolge Chitineinlagerungen | 
granuliert. Von den drei Sternellarskleriten trägt der vordere, ; 
mediale (10), zwei gleich lange Borsten, die auf dem Thorax nur 
schwer wahrnehmbar sind und als Haare zu bezeichnen sind. Diel 
beiden dem Hinterrande des Segmentes genäherten kleineren) 
Sklerite besitzen auf den Thorakalsegmenten (XI) nur je ein Haar,, 
auf den Abdominalscgmenten (11) eine längere laterale und einei 
kürzere mediale Borste. 

Eine Sonderstellung nimmt das neunte Segment (Eig. 11) J 
ein. l)i(^ Dorsalscite desselben trägt eine konvexe, in der Mitte 
etwas eingebogene ('hitinplatte (Analschild) mit 14 verhältnismäßig 
lan;::en liorsten. Von diesen sind zwei endständig (1), die übrigen 
in drei (picr über den AnniHcliild verhiuCenden liogenreihen ange- 



Psylliodes attemiata Koch, der Hopfen- oder Haiif-Erdfloh. I.Teil. 13 



i ordnet. Die lateralen Borsten der vordersten Bogenreihe sind ver- 
hältnismäßig klein. 

Auf der Ventralseite dieses Segmentes folgt hinter einem 

i schmalen Sternum ein dem Sterneilum der übrigen Segmente ent- 

I sprechender querer Wulst mit vier in einer Querreihe symmetrisch 
angeordneten Borsten. Unmittelbar dahinter, und zwar senkrecht 

i auf der Ventralfläche steht ein konischer Fortsatz mit abgestumpf- 
ter Endfläche, auf der sich die Analöffnung, umschlossen von drei 
Analpapillen, befindet. Dieses ganze Gebilde, welches überdies auf 



o-- t. c. 




1 1 



Fig. 11. Hinterende der Larve. 

a Seitenansicht, h Dorsalansiclit, c Ventralansicht. 

!der Hinterseite zwei Chitinplättchen besitzt, dürfte als der Rest 
des zehnten Segmentes aufzufassen sein. 

Die Thorakalbeine (Fig. 12), von denen bei der Beschreibung 
des Thorax im Interesse einer einheitlichen Darstellung der Anord- 
nung der Sklerite zunächst abgesehen wurde, besitzen gleichfalls 
einige ganz spezifische Einrichtungen. 

Jedes Bein besteht aus Hüfte (coxa), Schenkelring (trochan- 
ter), Schenkel (femur), Schiene (tibia), Empodium und Kralle. Eine 
besondere Eigentümlichkeit des Beines der Halticinenlarve ist dem- 
■nach das Fehlen eines eigentlichen Tarsus, der hier nur durch das 
Empodium vertreten ist, während die meisten mit Beinen ver- 
sehenen Käferlarven wenigstens ein Tarsenglied besitzen. 



14 



Franz Tölg. 



Die Hüfte bildet einen breiten, annähernd dreieckigen Sockel, 
dessen Seitenwände stark ehitinisiert sind. Nur an der medianen 
Eiulenkungsstelle des Trochanter ist die Chitinbekleidung' der 
Hüfte unterbrochen, so daß man von einer vorderen und hinteren 
Coxenplatte sprechen kann. Diese Platten stoßen an der Außenseite 
des Beines in einem spitzen Winkel zusammen. Auf dem medialen 
Rande der vorderen Coxenplatte stehen drei größere Borsten, dar- 
unter auf der schrägen Fläche 
der Platte selbst einige kleine 
Borsten (Borstenstifte). 

Der Trochanter bildet ge- 
wissermaßen einen nach außen 
schief abgeschnittenen Teil des 
zylindrischen Schenkels, von 
dem er äußerlich nur durch eine 
Furche getrennt ist. Er stellt 
somit ein von der Innenseite 
nach außen schräg abfallendes 
Zwischenstück dar, das von 
außen kaum sichtbar ist. Seine 
Oberfläche ist wenig chitini- 
triiiit auf der Innenwand zwei kurze und eine längere 




Fig. 12. Mesothorakaler Brustfiiß; La- 
terodorsalansicht. 312 mal vergrößert. 

cx Coxa, iv Trochanter, / Femur, t Tibia, 
tiu]> Kmpodinm. 



siert ini(l 
]^)r.stc. 

Der Schenkel ist zylindrisch und auf der Außenseite von einer I 
nach der Innenseite beiderseits dreieckig zulaufenden Cliitinplattc 
bedeckt. Die Innenseite ist mit einigen Dornen versehen. Die 
Außenseite trägt eine untere längere und obere etwas kürzere Borste. , 

Die Schiene hat eine mehr konische Gestalt mit abgestutzter l| 
KiKilliiclic. Auel) lii(;r ist nur die Außenseite mit einer Cliitinplattc 
verhtärkt, di(t Innenseite trägt wieder mehrere kurze Dornen. 

Unmittelbar auf die Schiene folgt ein kurzes Kmpodium, auf 
welchem die Hiclielförmige Kralle sitzt, rechts und links von einem 
kurzen D(*rn flankiert und in eine trichterförmige I lautfalte, dif 
durch radienartig verlaufende (yliitinleist(ni gestützt ist, einbezogen. 
DicHc für den Kudabschnitt des Beines der Halticinenlarven sein 
bezeichnende Kinrielitung erinnert selir lebhaft an eine Saugscheilx' 
und mag wohl auch eine älinliehe Fiiidition haben. 



PsylUodes attenuata Kocli, der Hopfeu- oder Hanf-Erdfloh. I. Teil. 15 

III. Morphologie der Puppe. 

Die Puppe (Fig. 13, 14, 15) hat eine annäbernd ovale 
Gestalt und ist nur 3 mm lang und etwa halb so breit und zu- 
nächst ganz weiß. Die zunächst weiche Haut weist nur eine ge- 
ringe Anzahl von Borsten auf. Besonders bezeichnend für die Hal- 
ticinenpuppe ist die ausgesprochen ven- 
trale Lage des Kopfes, die Bedeckung 
der Fühler — ausgenommen die drei 
ersten Glieder — durch die beiden 
ersten Beinpaare, ferner die Lage des 
dritten Beines, das durch die Flügel- 
scheiden soweit bedeckt wird, daß nur 
die Schenkelspitzen und die Tarsen 
sichtbar sind, und eüdlich die Zahl 
und Stellung der Borsten. 

Die Gliederung des Körpers ist 
dieselbe wie beim Käfer, nur sind, 
wie eben erwähnt wurde, einzelne Glie- 
der ganz oder teilweise durch die Lage 
der Beine und Flügel verdeckt. Der 
Kopf ist etwas länger als das Prono- 
tum und reicht ventralwärts bis zu 
den Schienen des ersten Beinpaares. 
Ungefähr in der Höhe der unteren Be- 
grenzung des Pronotums entspringen 
die Fühler, deren einzelne Glieder mit 
Ausnahme der ersten auf der Außen- 
seite einen kleinen Fortsatz tragen. Die 
oberhalb der Insertionsstelle der Fühler liegenden Augen sind 
nur bei stärkerer Vergrößerung zu sehen. Von den Mundteilen 
sind Mandibeln und Maxillen deuthch erkennbar. Zwischen den 
Fühlern stehen zwei und auf dem Scheitel vier Borsten in ganz 
charakteristischer Stellung (Fig. 15). 

Das Pronotum ist stark gewölbt und besitzt nahe der Dorsal- 
linie jederseits vier Borsten, seithch außen je ein Borstenpaar und 
in der Nähe des unteren lateralen Randes noch je eine einzeln 




Fig. 13. Puppe; Lateralansicht. 
20 mal vergrößert. 

Prnt Pronotum, Mst Mesotergum, 
Mtt Metatergum, 1—9 Abdominal- 
segmente, Ant Antennen, Lhr La- 
brum, Mdb Mandibel, Mx Maxille, 
Fl Flügel, F3 Femur, T3 Tarsus des 
dritten Beinpaares. 



16 



Franz Tölg". 



stehende Borste. Im besonderen wird die Stellung- dieser Borsten 
durch die Figuren 13, 14, 15 veranschaulicht. 

Zwischen den Ursprungslinien der Fliigelscheiden liegt das 
Mesotergum. Dasselbe ist nur halb so breit wie das folgende Meta- 
tergum und trägt ebenso wie das letztere vier in einer Querreihe 
angeordnete kurze Borsten. Ventral und lateral sind diese zwei 
Thorakalsegmente durch die Beine, beziehungsweise die Flügel- 
scheiden verdeckt. 

Das Abdomen besteht ebenso wie bei der Larve aus neun 




cnt\vi(;k(;h('ii Sc^^mcntcn und einem Sogmcntrcst, der die After- 
papillc; trägt. Von den neun 'l'ergitcn sind bei dorsaler Ansicht nur 
acht sichtbar, das neunte ist schon ventralwärts umgebogen. Die 
Tcr^rite 1 — fl sind annäliernd gleich grob, nur der dritte ist etwas 
i^rölkr. Dieselben bcKtchen aus einem flachen Scutum und einem 
hinteren, ninrk aufgewulHtetcn Scutclluni, das auf den ersten vier 
Tergiien zwei kaum sichtbare, auf den beiden folgenden Tcrgiten 
»ediH (bei (IcrKclbf^n Vcrgrölicrung) deutliche Dornen trügt. Die 
BorHtcn nehmen also nach hinten sowohl an Zalil als an Länge 



P>iyUiode.f attennata Koch, der Hopfen- oder Hant-Erdfloh. 



17 



zu, was mit Rücksicht auf die spätere Bedeckung durch die Flügel 
des Imag'o erklärlich ist. 

Die für den fünften und sechsten Tergit bezeichnende Zahl 
und Stellung der Borsten zeigen trotz ihrer verschiedenen Größe 
auch die Tergite der drei folgenden Segmente. Das siebente Seg- 
ment ist bei weitem das längste, etwa doppelt so lang w^ie ein 
vorhergehendes, während Segment 8 und 9 kaum halb so lang 
sind wie eines der ersten sechs. 

Von den Stigmen sind nur die ersten sieben Abdominalstig- 
men sichtbar. Dieselben liegen seitlich, in der Verlängerung des 
Scutum. Ventral von der Stigmenreihe springen die Epimeral- 
wülste mit je einer Borste vor. Am achten und neunten Segmente 
vereinigen sich die Epimeralwlüste mit dem entsprechenden Sternal- 
wulst. Die übrigen Sternalwülste sind von den Flügeln bedeckt. 

Ebenso sind die Sternite 3 — 6 zum größten Teil von den 
Flügeln bedeckt, 1 und 2 sind überhaupt nicht sichtbar. Sämtliche 
Sternite sind unbewehrt und nicht gewulstet. Die Beine sind nur 
zum Teil sichtbar. Die zwei ersten Beinpaare lassen deutlich 
Schenkel, Schiene und Fuß erkennen. Die Hüften des ersten Bein- 
paares sind von den Mundteilen, die des zweiten von den Tarsen 
des ersten Beinpaares bedeckt, welche ebenso wie die ersten 
Tarsen in der Mittellinie der Sternite zusammenstossen. Das dritte 
Beinpaar ist größtenteils von den Flügeln bedeckt, nur Schenkel- 
spitze und Füße, die bis auf den siebenten Sternit reichen, sind 
sichtbar. Die Schenkelspitzen des ersten Beinpaares sind mit je 
drei, die des zweiten und dritten mit je zwei Dornen bewehrt. 

Die Flügel reichen bis zum Vorderrande des siebenten Seg- 
mentes. Die Hinterflügel werden bis auf den medialen Rand von 
den Deckflügeln vollständig bedeckt. 

IV. Eiablage. 

Wiewohl die Tiere sehr frühzeitig ihre Winterquartiere ver- 
lassen, schreiten sie doch erst mit dem Eintritte beständiger warmer 
Witterung, Ende Mai, zur Eiablage. In dieser Zeit trifft man auch 
die meisten Tiere in copula. Im allgemeinen hält die Eiablage 
gleichen Schritt mit der Entwicklung der Nährpflanze. Warme 
Frühlingstage, sandig-lehmige Böden, geschützte Lage und eine in 

Z. B. Ges. 63. Bd. 2 



18 



Franz Tölg. 



Kultur des Menschen stehende Nährpflanze beschleunigen sowohl 
die Entwicklung der Pflanze wie die ihrer Bewohner. So konnte 
ich PsißUodes attenuata in der Wiener Gegend auf verwildertem 
Hanf und Hopfen trotz günstigerer klimatischer Verhältnisse auch 
erst Ende Mai bei Eiablage beobachten. 

Die Eier erhält man in größerer Anzahl am leichtesten auf 
dem Wege des Versuches. Im Freien sind dieselben schwer zu 
finden. Setzt man eine größere Anzahl im Freien in copula gefan- 
gener Käfer in kleinen, mit einigen Blattstückchen versehenen Eprou- 
vettengläschen in Gefangenschaft, so legen die Tiere oft schon nach 
wenigen Stunden ganz regellos Eier an die Glaswand oder Blatt- 
stückchen. 

Wenn man die Käfer rechtzeitig entfernt, ehe noch das Glas 
schmutzig geworden ist, und für entsprechende Feuchtigkeit durch 
Einlegen eines kleinen Blättchens und gleichzeitig für Durchlüftung 
durch Zwischenlegen einer Kiefernnadel zwischen Kork und Glas- 
wand sorgt, so gelingt es bisweilen, selbst solche unter ganz 
abnormalen Verhältnissen abgelegte Eier zur Entwicklung zu 
bringen. 

Will man die Art der Eiablage konstatieren, so muß man 
die Verhältnisse etwas natürlicher gestalten. Im einfachsten Falle 
genügt es, Konservengläser mit abschraubbarem Deckel etwa 3 cm 
hoch mit sandiger, etwas angefeuchteter Erde — am besten ist 
Löß — zu füllen und die Erde soweit anzudrücken, daß man das 
Glas beinahe umkehren kann, ohne daß die Erde zerfällt. Das An- 
drücken der Erde hat den Zweck, daß dieselbe feucht bleibt und 
anderseits auch ein eventuelles Eindringen der Käfer in die Erde 
leichter beobachtet werden kann. Zugleich läßt sich auch hier mit 
einer Eupc Entwicklungsdauer und Entwicklungsprozeß der Eier 
leicht verfol^^en. Käfer, welche in solchen Gläsern untergebracht 
wurden, legten die Eier nicht mehr so planlos wie in den Eprouvetten, 
»ondern drangen in die Erde ein, durchzogen dieselbe regellos mit 
Hritiir^'n. um ondlich an ir^^endeiner Stelle eine größere Anzahl 
l.i'i. bald (iinzcln, bald klunij)enweiHe abzulegen. Die auf diese 
WeiHc abgelegten Eier kamen fast durchwegs innerhalb 10—12 
Ta^-fn zur Kntwickliing. Die jungen Larven ließen sich mit zarten 
Wiirzf'IfrM'hr n drn IlojifcnH leicht filttern. 



Pst/IIiode.-} attenuata Kocli, der Hopfen- oder Hanf-Erdfloh. 19 

Wenn es sich darum handelt, nicht nur entwicklungsfähige 
Eier zu erhalten, sondern auch das Verhalten der Käfer unter 
annähernd natürlichen Verhältnissen kennen zu lernen, so empfiehlt 
es sich, Versuchspflanzen in Blumentöpfen zu ziehen und auf die- 
selben, sobald sie kräftig genug sind, größere mit Drahtgazedeckel 
verschlossene Zylindergläser aufzusetzen und in diesen einige Käfer 
unterzubringen. Einige Schwierigkeit verursacht nur das Erhalten 
einer bestimmten Feuchtigkeit, ohne welche die Eier alsbald zu- 
grunde gehen. Anderseits werden dieselben auch durch öfteres Be- 
gießen leicht vernichtet. Um beides zu vermeiden, gibt man der 
Erde vor dem Einsetzen der Käfer die entsprechende Feuchtigkeit 
und bedeckt dieselbe mit Moos. Ist Gefahr vorhanden, daß die Ver- 
suchspflanze wegen der durch den Fraß der Käfer verursachten 
Schädigung zugrunde geht, so muß man die Käfer rechtzeitig ent- 
fernen. Eventuell kann man sie dann in einem kleinen Zylinder- 
glas, das man auf die Erde neben die Versuchspflanze aufsetzt, 
unterbringen und füttern. Große Aufmerksamkeit ist auch dem 
Umstände zuzuwenden, daß in der verwendeten Erde nicht etwa 
die Eier von verschiedenen Raubinsekten, Bandasseln, Laufkäfer- 
larven, Milben etc. enthalten sind^ was z. B. bei Mistbeeterde 
meist der Fall ist. Wenn auch bei dieser Anordnung die fortge- 
setzte Beobachtung der Eier sehr erschwert ist, so bietet sie 
wiederum den Vorteil, daß man sich um das Schicksal der Eier 
nicht mehr zu kümmern braucht, auch die auskriechenden Larven 
nicht füttern muß und gleichzeitig natürliche Fraßbilder erhält. 

Die Untersuchung der Erde, welche mit großer Sorgfalt ge- 
schehen muß, wenn man die Eier nicht übersehen will, ergab, 
daß die Eier in sehr verschiedener Tiefe und Entfernung von der 
Pflanze abgelegt wurden, je nach der Feuchtigkeit und Beschaffen- 
heit der Erde. War die Erde mit Moos bedeckt, so waren die 
Eier kaum ^/^ cm unter der Erde, in anderen Fällen nur sehr 
selten tiefer als 2 cm. 

Auf diese Weise mit den richtigen Verhältnissen vertraut 
gemacht, fand ich die Eier von Psylliodes attenuata auch im 
Freien bei isoliert stehenden verwilderten Hanfpflanzen in der 
Nähe des Neusiedler Sees in unmittelbarer Nähe der Pflanze etwa 
2 cm tief. 

2* 



20 



Franz Tölg. 



Ähnliche Versuche wie die angegebenen hat auch Parker 
mit Fsi/lUodes imnctulata Melsh. angestellt. Es ist interessant, daß 
ich ohne Kenntnis von dieser Abhandlung zu haben, zunächst an- 
nähernd zu einer ähnlichen Versuchsanordnung als auch zu ähn- 
lichen Resultaten kam. Nur die Entwicklungsdauer der Eier scheint 
bei dem amerikanischen Hopfenerdfloh eine andere zu sein. Wenig- 
stens sagt Parker: „Etliche Eier wurden in schwarze Atlasbeutel- 
chen gegeben und sowohl im Laboratorium als auch im Hopfen- 
garten in feuchte Erde eingegraben. Diese Eier brauchten 19 — 22 
Tage zur Entwicklung; die im Felde entwickelten sich ein wenig 
früher als die im Laboratorium." 

V. Biologie der Larve. 

Aus den Eiern, welche die in Gefangenschaft gehaltenen 
Käfer in der Zeit vom 25. bis 30. Mai abgelegt hatten, erhielt ich 
die ersten Larven am 7. Juni. Das scheint auch ungefähr die Zeit 
zu sein, in der die ersten Larven im Freien auftreten. Dafür 
fehlen mir zwar direkte Beobachtungen, da die eben ausgeschlüpf- 
ten Larven überaus schwer auffindbar sind, doch läßt sich diese 
Zeit aus der ungefähr vier Wochen dauernden Larvenperiode und 
dem Auftreten der ersten Puppen, die ich erst am 10. Juli neben 
vielen erwachsenen Larven fand, erschließen. 

Die jungen gezogenen Larven waren zunächst nur etwa 3 mm 
untor der Erde, wo sie in den jungen Wurzeltrieben minierteii. 
Am 23. Juni hatten die am 9. Juni ausgeschlüpften Larven etwa 
2 cm lange, nur mit der Lupe sichtbare Gänge in Wurzelfasern 
aiisgefresHcn. Auf jungen llanfi)flanzen waren die jungen Larven 
niK'li im Wur/ellials minierend anzutreffen. Wenige Tage später 
waren die meisten Larven in der Erde, außen an den Wurzelfasern 
frcsHciid zu finden. 

Auf diesen Wechsel d(;r Lebensweise sind wohl auch die 
iiifjrphologiKclien IJnterHchiede zwischen den ersten lläutungsstadicii 
und den späteren zurückzuführen. Im Freien fand ich nur die 
letzteren, und zwar besonders bei isoliert stehenden Standpllanzen, 
auf dem ich den Käfer in größerer Zahl angctrolfen hatte. Aa 
I/>kalitätcn, wo die betrelfende Standpllanze in größeren l^eetän- 
den auftritt, Hind die J^arven viel schwerer zu linden. Während 



Psylliodes attenuata Koch, der Hopfen- oder Hanf-Erdfloh. 



21 



ich an solchen örtlichkeiten vergebens nach Larven suchte, fand 
ich die Larven bei verwilderten Haufpflanzen am Rande von Ge- 
müsegärten in der Xähe des Neusiedler Sees, bei sorgfähigem Ab- 
heben der Erde in der Xähe der Wurzeln etwa 6 cm tief in 
größerer Anzahl. Besonders betonen möchte ich noch, daß die 
Larven infolge ihrer unterirdischen Lebensweise sehr lichtscheu sind 
und sich sofort verkriechen, wenn sie mit der Erde aufgedeckt 
werden, weshalb man trotz aller Sorgfalt, die Larven nicht mit der 
Erde zu zerdrücken, doch ziemlich schnell zu TVerke gehen muß. 
Einigermaßen kann man sich das Aufsuchen erleichtern, wenn 
man die entsprechende Erdprobe auf einen stärkeren Papier oder 
Tuch sorgfältig ausbreitet und nach einiger Zeit die oberen Erd- 
schichten abhebt und sich auf die Untersuchung der dem Papier 
unmittelbar aufliegende Erde beschränkt, wohin sich die Larven 
geflüchtet haben. Wiewohl also das Aufsuchen der Larven mit 
verschiedenen Schwierigkeiten verbunden ist. wird man zur richti- 
gen Zeit und am richtigen Ort bei entsprechender Sorgfalt und' 
Geduld die Larven auch im Freien flnden. Sicherer kann man 
sich dieselben jedenfalls auf dem Wege der Zucht verschaffen, 
doch gehört auch dazu eine gewisse Praxis und Ausdauer. 

Die Tiefe, in der die Larven leben, ist verschieden je nach 
der Beschafl'enheit des Bodens und den Feuchtigkeitsverhältnissen. 

In lockerem, sandigem Boden sind die Larven tiefer als in 
lehmigem. Desgleichen veranlaßt die Larven eine starke Austrock- 
nung des Bodens tiefer einzudringen. Allerdings wechselt der 
Feuchtigkeitsgehalt selbst bei einer längeren Trockenperiode in 
unmittelbarer Nähe der Pflanze zu jener Zeit, wo bereits Larven 
vorhanden sind, nicht stark, da die Nährpflanzen meist schon eine 
ansehnliche Größe erreicht haben und den Boden hinreichend be- 
schatten. Die Dauer des Larvenlebens variiert einigermaßen mit 
der Ernährung; die unter günstigen Lebensbedingungen gehaltenen 
Larven brauchten 30 Tage bis zur Einstellung der Nahrungsauf- 
nahme. 

Die Schädigung der Pflanze durch die Larven ist im Ver- 
hältnis zu den Verheerungen, welche die Imago angerichtet, eine 
minimale und kommt wohl praktisch kaum in Betracht. Hebt man 
eine von den Larven des Hopfenerdflohes befallene Hanfpflanze 



22 



Frauz Tölg. 



samt dem Wurzelballen sorgfältig aus und spült das Erdreich in 
einem größeren Wasserbehälter ab, so läßt sich die Schädigung, 
wenn der Befall nicht etwa ein außerordentlich großer war, kaum 
nachweisen. Versuchspflanzen, deren Wurzelfasern von Larven be- 
fressen worden waren, waren von nicht geschädigten kaum zu 
unterscheiden. 

YI. Biologie der Puppe. 

Entsprechend dem Umstände, daß die Eiablage durch längere 
Zeit hindurch erfolgt, trifft man auch verpuppungsreife Larven 
innerhalb eines längeren Zeitraumes. Die Angabe der Zeit für die 
Verpuppung kann also nur ein Durchschnittswert sein, zumal ja 
auch die Entwicklungsdauer der Larven von den verschiedensten 
Faktoren beeinflußt wird. Die günstigste Zeit für die Verpuppung 
ist vom 7. bis 10. Juli und für das Erscheinen des Imago der 
Anfang des August. 

Der Übergang in das Puppenstadium vollzieht sich ohne be- 
sondere Vorbereitungen der Larve. Dieselbe verkriecht sich etwas 
tiefer, hört auf zu fressen, nimmt eine gedrungene verkürzte Ge- 
talt an und geht so zunächst in einer kleinen Erdhöhle ins Vor- 
pu})penstadium über. 

Um die Dauer des Verpuppungsstadiums zu konstatieren, 
wurden erwachsene Larven in teilweise mit feuchtem Sand ge- 
füllten Eprouvetten nahe der Glaswand untergebracht und vor Licht 
durch Umhüllen der Gläschen mit schwarzem Papier geschützt. 
Aus diesem Versuche ergab sich, daß die Larven im Verpuppungs- 
stadium gewöhnlich acht Tage verharren. Parker gibt für das 
Vorpupj)cn8tadiuni der Larve von Psylliodes punctulata 11 — 14 
Tage an. 

Das eigentliche Puppenstadiuni dauert drei Wochen. Die 
Puj)pe ist zunächst ganz weich und sehr empfindlich. Durch die 
geringste Verschiebung des Erdreichs wird sie zerdrückt. Deshalb 
niuß man auch beim Aufsuchen der Puppen im Freien sehr sorg- 
fältif; zu Werke gehen. Am besten tut n)an, wenn man die Erde 
in der unmittelbaren Umgebung der Pflanze ebenso wie beim Auf- 
Huclifn der Larven mit einem kleinen Spaten vorsichtig aushebt 
lind dann auf einem ]*aj)ier oder weißen Tuch untersucht. Jiei 



Psylliode-r attenuata Koch, der Hopfeu- oder Hauf-Erdfloh. 



23 



einfachem Nachgraben wilrde man wegen Zerstörung der Puppen 
zu ganz falschen Schlüssen kommen. Will man solche im Freien 
gesammelte Puppen zur Entwicklung bringen, so ist es zunächst 
notwendig, sie in einem möglichst kleinen 1 cm langen Gläschen 
mit engem Lumen unterzubringen, damit sie nicht schon während 
des Transportes zugrunde gehen. Sodann bringt man sie in der 
oben angegebenen Weise in Eprouvetten unter, wobei in erster 
Linie für entsprechende Feuchtigkeit Sorge zu tragen ist. 

Bei der Konservierung von Halticinenlarven ist darauf zu 
achten, daß Flügel und Beine durch das Konservierungsmittel nicht 
aus ihrer Lage gebracht werden, da dadurch die Puppe ein ganz 
unnatürliches Aussehen gewinnt. So erhält man bei Konservierung 
in heißem Wasser gewöhnlich Puppen mit vollständig ausgestreckten 
1 Flügeln. Mit wenigen Ausnahmen wird dies durch Konservierung 
in Sublimat-Alkohol-Eisessig verhindert. 

Die Umwandlung der Puppe in das Imago wird durch Chiti- 
nisieren gewisser Körperstellen, wie Scheukelenden. Augen etc., 
welche sich braun verfärben, angezeigt. Der Käfer bleibt zunächst 
noch einige Zeit 1 — 2 Tage) in der Erde, bis die Chitinbekleidung 
entsprechend ausgebildet ist. 

TU, Allgeuieines über die Metamorphose. 

Aus dem Gesagten geht zunächst die eine wichtige Tatsache 
hervor, daß PsyUiodes attenuata jährlich nur eine Generation er- 
j zeugt. Das scheinbare Auftreten von zwei Generationen, einer 
■ Frühjahrs- und Sommergeneration, ist auf Überwinterung der eigent- 
lichen Jahresgeneration zurückzuführen, die im ersten Frühjahre 
ihre Winterquartiere verläßt, die Blätter der jungen Hopfenpflanzen 
skeletiert, anfangs Mai Eier ablegt und allmählich abstirbt. Die 
aus diesen Eiern hervorgehenden Käfer erscheinen dann als so- 
genannte zweite Generation anfangs August und verursachen durch 
den Doldeufraß empfindlicheren Schaden als die überwinterten 
Käfer im Frühjahre, da durch den Blattfraß die Pflanze meist nur 
! in ihrer Entwicklung aufgehalten wird, dann aber sich vielfach 
j noch recht üppig entwickelt, während durch die Zerstörung der 
I Doldenblätter die Dolden zerfallen und dadurch der Ernteertrag 
' wesentlich erniedrigt wird. Der Volksausdruck: „Der Erdfloh hat 



24 



Franz Töljr. 



einen goldenen Zahn", kann sich also wohl nur auf die Schädi- 
gung- der überwinterten Käfer im Frühjahre beziehen^ insofern da- 
durch die Pflanze durch Verzögerung des Wachstums in günstigere 
Vegetationsperioden hineinkommt. Dagegen bezeichnet man die 
Zerstörung der Dolden sehr richtig als sogenannten „Fresser". Die 
Ansicht der Hopfenproduzenten, daß sich die Erdflöhe bei kühlem 
Wetter vermehren, ist darauf zurückzuführen, daß sich dieselben 
bei kühlem Wetter verkriechen und dann infolge erneuter Freßlust 
zunächst stärker mit ihrem Zerstörungswerk einsetzen als zuvor, 
was umso augenfälliger wird, als ja die Pflanze an und für sich 
infolge der ungünstigen Witterung im Wachstum zurückgebUeben 
ist und ihre Widerstandskraft nicht vergrößert hat. 

Die Faktoren, welche die Entwicklung der Käfer beeinflußen, 
kann man am besten daraus ermessen, daß oftmals der Befall in 
benachbarten Gärten ein ganz verschiedener ist. Die Hauptrolle 
spielt entschieden die Bodenbeschatfenheit und Lage des Hopfen- 
gartens, da sich ja die ganze Entwicklung des Schädlings im Boden 
vollzieht. Ein lockerer sandiger Boden in mäßig feuchter Lage 
bietet den Käfern die denkbar günstigsten Entwicklungsbedingun- 
gen. In einem solchen Boden können die Tiere leichter über- 
wintern, sie können die Eiablage leicht bewerkstelligen, die Larven 
haben entsprechende Bewegungsmöglichkeit zwischen den lockeren 
Enlscliiclitcn, die Puppen leiden nicht so sehr unter eintretender 
Nässe und endlich befördert wohl auch die bessere Durchwärmung 
des Bodens die Entwicklung. Dagegen bietet ein schwerer Boden 
für die Präimaginalstadicn die mannigfachsten Gefahren. Dadurch 
daß ein solcher Poden bei trockenem Wetter fest und bei nassem 
schlüj>frig wird, wird /iniilclist die Eiablage erschwert, die etwa 
ab;;cl(;^rt('n Eier gehen ebenso wie die Puppen, weil an eine be- 
HtiiriHite Lage gebunden, leicht zugrunde und die Larven werden 
in ihrer Entwicklung geliennnt. Daß Nordlagen weniger heim- 
gesucht werden als Slldlagen, braucht wohl nicht erst besonders 
bc^-rlhidct zu werden. Inwieweit die Auflockerung des Bodens 
durcli natllrlichc Dlingung eine Rolle spielt, läßt sich schwer kon- 
Htaliercii, en Hci denn, daß die Eier und Puppen durch die in eineitt. i 
Holehen PifMlcn sieh abspicdendcn Fjiulnisj)n)zesse leiden. Durch I 
kflnstlichc Düngung, z. B. Kalk, werden die Tiere jedenfalls nicht 1 

ii 



Psiilliodes' atte)mo.ta Koch, der Hopfen- oder Hanf-Erdfloh. 



25 



so sehr durch die ehemische als durch die dadurch veränderte phy- 
sikalische Beschatfenheit des Bodens beeinflußt. 

Von großem Einfluß auf die Entwicklungsbediuguugen ist wohl 
auch die Pflege des Hopfengartens. In einem verwahrlosten, schlecht 
gedüngten Garten, wo das abgefallene Laub und die abgeschnitte- 
nen Reben nicht sorgfältig genug entfernt werden, haben die Käfer 
günstige Gelegenheit zur Überwinterung und können dann auch in- 
direkt eine stärkere Schädigung relativ leichter herbeiführen, da 
die Pflanzen keine so große Regenerationsfähigkeit besitzen. 

Insofern als bei Stangenkultur die im Garten aufgeschichteten 
Stangen den Käfern Winterverstecke bieten, kommt wohl auch die 
Kultur und aus demselben Grunde auch die Umgebung des Gartens 
einigermaßen in Betracht. 

Trotz ihrer Kleinheit und verborgenen Lebensweise haben die 
Larven auch unter natürlichen Feinden, wie kleineren Laufkäfern, 
insbesondere deren Larven, Bandasseln etc. zu leiden. Gewiß 
werden auch die Schlupfwespen zu den Feinden der Larven zählen. 
Im allgemeinen aber kommt diesen Feinden mit Rücksicht auf die 
enorme Zahl und die unterirdische Lebensweise der Larven wohl 
kaum eine praktische Bedeutung zu. 

Fragen wir uns nun, welche Mittel dem Menschen zur Ver- 
fügung stehen, der Entwicklung des Schädlings Einhalt zu tun, 
so werden wir wohl die wichtigste Abwehr darin zu suchen haben, 
daß man den Käfern zunächst möglichst die Gelegenheit zur Über- 
winterung benimmt und daß man zur Zeit, wo die Puppen in der 
Erde ruhen, durch entsprechende Bearbeitung des Bodens einen 
Teil der Puppen mechanisch zerstört. Für eine Vertilgung der Larven 
oder Puppen durch ein Desinfektionsmittel des Bodens wären erst 
Versuche anzustellen. 



26 



Heinrich v. Handel-Mazzetti. 



Die biovulaten Haplophyllum-krim der 

Türkei. 

Nebst Bemerkungen über jene des übrigen Orients. 

Von 

Dr. Heinrich Frh. v. Handel-Mazzetti, 

Mit 2 Figuren im Texte. 
(Eingelaufen am 10. Februar 1913.) 

„II est toujours difficüe de reconnaitre et de bien caracteriser 
les especes, et cette difficulte, pour une contree encore incompl6te- 
ment exploree, s'aecroit par le manque de materiaiix suffisants; trop 
souvant le botaniste ne connait une plante que par des fragments 
iiniques ou incomplets; les formes intermediaires qiii peuvent exister 
Uli 6cbappent et il est expose ä decrire un 6chantillon plutot qu'une 
espece. A ces causes ordinaires d'erreur, vient s'en joiudre une 
autre . . ., c'est Tabsence ... de ces caraetcres importants et bien 
tranches qui permettent de reconnaitre facilement les especes: les . . . 
ll(i})l()]>liyUum. sont . . . un exemple de cette difficult6." Mit diesen 
Worten ^) hat Boissier selbst die Schwierigkeiten erklärt, welche 
sich der Bestimmung orientalischer Pflanzen aus solchen Gattungen, 
deren Bearbeitung in seinem großen Werke unter diesen Umständen 
natürlich mehr oder weniger verunglücken mußte, entgegenstellen 
und die oft ganz unüberwindbar sind, wenn man nicht eine spätere 
monogra])lii8che Bearbeitung zu Rate ziehen oder aber zuerst selbst 
machen kann. Die'] atigkeit J. Bornmlillers, P. Sintenis', 0. Stapfs 
und anderer hat das Material, das heute zu solchen Bearbeitungen 
verwendet werden kann, l)edeutend vergrößert. Durch gleichzeitige 
IVMilltzung von vier an orientalischen IMIanzen reichen Herbarien 
konnte ich bei der lievision der Gattung Jla])lo][)hyllnm, zu der mich 
die rnmi^glichkcit nötigte, meine in Mesopotamien gesammelten 
Pflanzen nach BolHHier zu bestimmen, ein Bild von den Variationen 

I 



Die bioviilaten HaplophyUum- Aorten der Türkei. 



27 



der meisten Arten bekommen, das ihre ursprüngliche Umgrenzung 
in vielen Fällen wesentlich ändern mußte. Ein Besuch in Genf 
ermöglichte mir den Vergleich der Originale in den Herbarien 
Boissiers und De Candolles. Die meisten Veränderungen der Dar- 
stellung Boissiers, die bisher unangetastet blieb, erwiesen sich bei 
den Arten der asiatischen Türkei als nötig; gleichzeitig ist die 
systematische Klarstellung dieses Teiles der Gattung, beziehungsweise 
Sektion viel weiter vorgeschritten als jene der übrigen Arten, obwohl 
ich auch sie nicht für vollkommen abschließend halten kann. Ich lege 
daher die morphologische Umgrenzung der türkischen Arten in einem 
Bestimmungsschlüssel nieder, während für solche des übrigen Orients, 
insbesondere Persiens, von wo manche Formen auch heute nur in 
den spärlichsten alten Originalexemplaren vorhegen, berichtigende, 
zusammenziehende und ergänzende Bemerkungen Boissiers Flora 
orientalis benützbar erhalten. 

Auf die VeränderHchkeit einzelner Merkmale soll bei der 
Behandlung der Spezies näher eingegangen werden; auch der Be- 
stimmungsschlüssel verweist darauf in Kürze. Am unglücklichsten 
war jedenfalls die bisherige Verwendung von Verwachsung, be- 
ziehungsweise Freisein der Filamente zur Einteilung, da sich dieses 
Merkmal als ganz unkonstant erweist und in mehreren Fällen nicht 
' nur Nahestehendes, sondern auch Zusammengehöriges weit aus- 
; einanderriß. Als konkrete Beispiele für die Variationen, denen die 
I Staubfäden in dieser Hinsicht unterliegen, führe ich zunächst Haplo- 
I phyllum glcihrum an. an dem man sie in verschiedenen Blüten eines 
und desselben Individuums (Derbent-i-Basian. lg. Haussknecht: Bs) 
frei und bis hoch hinauf verwachsen beobachten kann. Wenn von 
I sonst ganz übereinstimmenden Exemplaren aus derselben Gegend, 
z.B. bei H. rermkulare und iulerculaium, die einen freie, die anderen 
in verschiedenem Grade verwachsene Filamente haben, so kann man 
daraus auch nur den Schluß ziehen, daß dieses Merkmal variiert, 
I nicht aber, daß die Pflanzen systematisch zu trennen sind. Die 
' Gattung Haphpliißhüu . die von Engler in Engl. u. Prtl., Natürl. 
. Pflanzenfamilien, III, 4, p. 131 (1897) als Sektion Bnta untergeordnet 
j wird, habe ich hier beibehalten in der Erwägung, daß sie entschieden 
' von einheithcher Entwicklung ist und keine Art Zweifel an der 
generischen Zugehörigkeit aufkommen läßt, d. i. als Übergangstypus 



2« 



Heinrich v. Handel-Mazzetti. 



aufgefaßt werden kann, und vielleicht auch praktisch dadurch be- 
einflußt, daß ich gerne auf den stets zweifelhaften Ruhm verzichte, 
meinen Namen als Autor zu einer ganzen Reihe von neuen Kom- 
binationen setzen zu müssen, wenn dieselben nicht unumgänglich 
notwendig sind. Die geringen morphologischen Verschiedenheiten 
der meisten Arten und der Mangel jedes Anhaltspunktes über ihre 
biologische Bedeutung ließen einen Einblick in die Phylogenie der 
Gattung noch nicht zustande kommen. Dazu ist noch bedeutende 
Vertiefung unserer jetzigen Kenntnisse, besonders auch durch Be- 
obachtung in der Natur (ich habe der Gattung auf meiner Mesopc- 
tamienreise noch keine besondere Beachtung geschenkt) nötig. Meine 
Arbeit soll nur das konstatieren, was bis heute zur letzten Bearbeitung 
hinzugekommen und an ihr zu ändern ist, und zu weiterem Ausbau 
Anlaß geben. Den Herren Kustoden, resp. Besitzern der im folgenden 
aufgezählten, von mir benützten Herbarien danke ich bestens für 
die Zusendung des Materials, beziehungsweise die Bewilligung, es 
an Ort und Stelle zu studieren. 

Herbier Boissier (Bs) mit Barbey-Boissier (BB). 

llerbar J. BornmüUcr (Bm). 

Herb. De Candolle (DC). 

Herb. Haussknecht (Hs). 

Herl), d. naturhistorischen Hofmuseums in Wien (Hfm). 
Herb. d. botanischen Institutes d. Universität Wien (ünW). 



Clavis analytica ad species Turciae. 

1. a) Ovarii h)l)i ad initium suturae corniculo in Capsula aperta 
interdnm evanido instructi, illo excepto ubique breviter vel antice 
tantum h)ngc j)ih)si, rarissime glabri. Gaules et rami inflorescentiae 
!ioi) f ubcrcuUito glanduh)si 2 

b) Ovarium sine corniculis, ghibrum vcl raro centro breviter 
pilosuin, sobirn in plantis inflorescentiis tubcrculatis pracditis ceterum 
(|n()(|uc vcstituin. Filamonta in mcdio infero dilatata. Fh)res fiavi vel 
rnbclli. OiuiUm HUj)raterranci nunfpiam frutescentcs 9 

2. a) Fh>rcH apcrti 7— 15 mm longi, albi vcl lutesccnti-albi. 
Calyx corollac tcrtinm partoin fcrc aocjuans lobis ovato lanceolatis, 
rariuH brcvi« lol>i8 ovatiH. Cai)sula liirsuta, rarissime glabra. Gaules 



Die biovnlaten HaplophyUnm-Axitw der Türkei. 



29 



basi suffrutescentes, foliis Semper indivisis (conf. notam sub H. mijrti- 

folia var. leicarpo'.) dense tecti 3 

b) Flores aperti 4 — 7 mm longi, intense flavi. Calyx minimus, 
laeiniis ovatis. Capsula breviter et sparse pilosa ...... 6 

3. a) Flores 11 — 15 mm longi, albi. Gaules et calyces long-e 
et dense molliter lanüginoso-villosi. Folia sericeo-villosa, acuta vel 
aeutiuscula H, megalanthum. 

b) Flores 7 — 10 mm longi. Gaules et calyces patule setuloso- 
villosi vel breviter crispule pilosum 4 

4. a) Longiuscule et plerumque dense patule setuloso-villosum. 
Folia obtusa, breviter crispule pilosa. Flores (interdum lutescenti?) 
albi H. sulphureum. 

b) Breviuscule patule vel crispe pilosum 5 

5. a) Inflorescentia breviuscule molliter patule vel crispule 
pilosa. Folia obtusa. Flores albi, interdum petalis sparse pilosis et 
filamentis apice penicillatis (var. trichopetahim Hand.-Mzt.). 

H. myrtifolium. 

b) Inflorescentia glandulosa, patenter et rigidule setosa. Folia 
acuta. Flores lutescenti-albi H. vulcanicuzn. 

6. a) Brevissime patenti-hirtellum, basi suffrutescens caulibus 
plurimis, dense foliatis, foliis parvis ellipticis sessilibus obtusiusculis. 
Flores 5 — 6 mm longi H. fruticulosum. 

b) Grispule pubescens vel subglabrum^ herbaceum, caulibus 
paucis, foliis basin versus longe angustatis subpetiolatis ... 7 

7. a) Petala angusta, basin versus sensim attenuata, decidua. 
Filamenta angusta, basi vix dilatata. Gapsula impresse glanduloso- 
punctata, non tuberculata. Folia anguste lanceolata^ simplicia vel 
raro nonnulla 2 — 3 partita. Indumentum valde variabile. Flores 
4-5 — 6 mm longi H. villosum. 

b) Petala ex ungue brevi abrupte latissima, diu persistentia. 
Filamenta omnia vel alternatim in medio infero dilatata. Gapsulae 
dense et grosse glanduloso-tuberculatae 8 

8. a) Galyces et petala grosse glandulosa, illi glabri vel ciliati. 
Flores 5 — 7 mm longi (in ramis lateralibus speciminum decapitatorum 
etiam 4 mm). Glabrum vel breviter patenti pilosum, foliis partim ter- 
natis vel in ramis omnibus integris . . . . H. Chaborasium. 



30 



Heinrich v. Han del-Mazzetti. 



b) Calyces et petala eglandulosa, illi longiuscule crispe pube- 
scentes. Flores 5 — 7 mm loDgi. Styli saepe pilosi. Superne longe 
vel brevissime crispule pubescens, foliis fere Semper integris, raro 
nonuullis trifidis lanceolatis usque obovatis . H. Mesopotanicum. 

9. a) Gaules et rami inflorescentiae glandulis minimis sero tan- 
tum nigrescentibus et tunc interdum visibilibus nunquam prominulis 
tecti. Folia sessilia vel brevipetiolata, indivisa vel ternata, basin 
versus longe attenuata, obovata vel anguste lanceolata vel laciniis 
eiusdem formae, plana. Flores aperti (4 — )o — 8 mm longi, petalis flavis 
in medio dorso atrius vittatis, filamentis, ealycibus et petalis sub- 
tiliter glandulosis. Capsulae glandulis magnis densissime tuberculatae, 
glabrae vel centro puberulae H. Buxbaumii. 

b) Gaules et rami inflorescentiae glandulis maiusculis vel magnis 
Semper conspieuis interdum prominulis large obsiti. Flores aperti 
3-5 — 5( — 6) mm longi, petalis non vittatis. Gapsulae glandulis magnis 
laxius tuberculatae, rarius sublaeves 10 

10. a) Flores rubelli, 4 o — 5 mm longi, ealycibus obsolete glan- 
dulosis, petalis et filamentis eglandulosis. Planta crispule pilosa vel 
subglabra, ramis inflorescentiae laevibus vel leviter tuberculatis, foliis 
integris vel ternatis, inferioribus obovatis, superioribus seil, eorum 
laciniis linearibus margine convolutis H. Blanchei. 



11. a) Gaulis et rami inflorescentiae dense glandulosi, non 
tuberculati, cum foliis anguste linearibus, margine revolutis, integris 
vel ternatis glabri vel sparse puberuli. Flores 5 — 6 mm longi, calyce 
glabro, siciit petalis sparse tuberculato, filamentis eglandulosis. 



b) Glandulae densissimae in ramis inflorescentiae paulum pronii- 
nulae. Folia indivisa vel ternata, infima cito emarcida lata, cetera 
niarginibus revolutis filiformi-linearia, sicut caulis glabra vel puberula. 
Flores B-:')— 4 -of — 5j mm longi, calyce glabro, cum petalis grosse 



c) Flore« 3 — 4-5( — 5) mm longi. Folia in plantis calyce ciliato 
pracditis vel iibiquc valde tuberculatis tantura filiformi-linearia vel 
iMfinÜH filifornii linearibus, in ccteris plana nee linearia. Gaules et 



b) Flores flavi 



11 



H. Haussknechtii. 



glanduloso, filamentis glandulosis 



H. filifolium. 



folia [)iiljcri]la 



12 



Die biovulaten JlaplophyllvAn- Artan der Türkei. 



31 



12. a) Glandulae tantum in ramis inflorescentiae prominulae, 
ceterae parvae. Ovarium glabrum 13 

b) Glandulae totius plantae grosse tuberculiformes ... 14 

13. a) Folia ternata, segmentis tenuissime^ifiliformibus. Rami 
inflorescentiae valde tuberculati. Flores 4 mm longi, calyce ciliato, 
sicut petala non vel sparsissime glanduloso, filamentis eglandulosis 

H. villosulum. 

b) Folia surculorum inferiorum persistentium obovata, superiora 
simplicia vel bi- vel trisecta, anguste lanceolata marginibus laxe reflexis, 
saepe tuberculato glandulosis, saepe longe pilosa. Rami inflorescentiae 
saepe subtilius tuberculati. Flores 3'5 — 4(- — 5) mm longi, calyce glabro 
vel ciliolato, cum petalis glanduloso, filamentis glandulosis. Capsula 
grosse sed vix tuberculato-glandulosa H. glahrum. 

14. a) Folia anguste linearia, filiformi-convoluta. Flores 4-5 mm 
longi. Calyx glaber vel ciliatus (var. ciliosmn Bornm. in Verb, zool.- 
bot. Ges. Wien, XLVIII, p. 570 [1898]) vel dense albopilosus (var. 
eriocalycinum Bornm., 1. c), cum petalis et filamentis glandulosus. 
Ovarium et Stylus glabra. Capsula grosse tuberculata H. longifolium. 

b) Folia integra vel bi- vel tripartita, anguste lanceolata usque 
late obovata, plana marginibus undulatis. Filamenta eglandulosa. 15 

15. a) Flores 3-5 — 4 mm longi, calyce ciliato, rarius subglabro, 
cum petalis eglanduloso, ovario et Capsula breviter hirsuta, raro 
glabra, stylo glabro vel item piloso. Capsula (nondum maturissima) 

i paulum tuberculata H. propinquum. 

I b) Flores 3 5 — 4 5 mm longi, calyce et petalis parce glandulosis, 

ovario et Capsula glabra vel brevissime pulverulento-puberula, stylo 
glabro. Calyx ciliatus vel puberulus vel (var. leiocalycinum Hand.- 
Mzt.) glaber. Capsula grosse tuberculata . . . H. tuberculatum. 

1. Haplophyllum megalaiithum 
Bornm. in Mitt. Thür. bot. Ver., N. F., H. XXIII, p. 25 (1908) et 
XXIV, Taf., Fig. 3. 

Exsiccata: Bornmüller, Lydiae et Cariae pl. exsicc.^ 1906, 
Nr. 9234, 9235, 9236 a et b. 

Distributio: Lydia: In regione pinetorum montis „Yamanlar- 
dagh" supra „Tachtadschi-köi" ditionis urbis Smyrna, 4—500 m 
(Bornm.: Bm, Hs). In collibus ad Deirmendere inter Menemen et 



32 



Heinrich v. Haiulel-Mazzetti. 



Manissa, 2 — 300 m (Bornm.: Hs). Menemen inter Emir-Alem et 
Deirmeudere (Bornm.: Hfm, UnW), In monte „Kara-Tscham" supra 
Biirnabad in regione subalpina, 900 — 1000m (Bornm.: Bm, Hfm, Hs). 

Die prächtige Pflanze steht entschieden dem HaplojjJiylhm 
sulplinreum am nächsten und unterscheidet sich durch die weichere 
und längere Behaarung, die spitzeren Blätter und die Blütengröße. 
In der Farbe dürfte kein Unterschied liegen, denn die Heldreich- 
schen Exemplare der folgenden Art (Bs) sind von dem Sammler 
selbst mit „leucanthum" bezeichnet; die Blüten des HaplophyUwn 
megalantlmm sind an den sorgfältigst präparierten Herbarexemplaren 
auch schon schwefelgelb geworden. 

3. Haploplujlliim siilphureuni 
Boiss., Diagn. pl. nov., Ser. I, Nr. 5, p. 87 (1844); Fi. Orient., I, 

p. 931 (1867) p. p. 

Exsiccata: Balansa, PI. d'Orient, 1857, Nr. 1153. 

Distributjo: Phrygia: Yaparlar-keui, au SE. d'Ouchak. 
('ollines incultes (Balansa: Bs, Hfm, Hs). Carla (Pinard: Bs). 
Lycaonia: In submontosis apricis inter Ghelindost et Karagatsch 
et Konia in colle saxoso (Held reich: Bs). 

JI((j)loj>lii/lh(})i sulplmrenni steht dem //. ^)te(jalantltn)n einerseits 
sehr nahe, ist aber, abgesehen von der Blütengröße, etwas starrer 
beliaart, aber doch noch viel weicher als IL vidcanicnm, mit dem 
es keinen näheren Zusammenhang haben dürfte. Andererseits nähert 
es sich sehr dem //. myrilfolmni, insbesondere ein Exemplar im 
Hofmiiseum erinnert schon sehr an jene der letzteren Art aus dem 
Antitaiirus, die Boissicr auch 7A\ U. siäplnmmm stellte, aber gewiß 
mit Unrecht, denn dieselben j)assen ganz und gar in den Variations- 
krei» des //. nn/r/i/hliHni, der dank einem verhältnismäßig reichen ( 
Material am besten bekannt ist. f'Jber die Bllitenfarbe vergleiche 
man das bei voriger Art (besagte. Die beiden letzten und die folgende 
Art sind, soweit sich jetzt beurteilen lälit^ extreme Formen eines 
a!iscli(;inend geograpliisch gegliederten Formenkreises, die vielhuclit 
nach Eingang reichlicheren Materials von — wenn vorhanden — 
wcBcntlieh /ahlreieh(!ren Standorten im mittleren und westlichen 
Kleinasien in noch niihere systematische Beziehungen zueinandci 
werden gebraehl \v( r(h;n mliHsen. 



Die bioviilateu Haplophylluvi- Arten der Türkei. 



33 



3. Haplojiliyllu^ii myrtifoliam 

Boiss., Diagn. pl. nov., S6r. I, Nr. 1, p. 63 (1842) (^^Ai^lopliyllum'')] 
Fl. Orient., I, p. 930 (1867). 

Syn.: HaplopliyUum Tchihatcheicii Boiss., Diagn., Ser. II, Nr. 6, 
p. 41 (1859). 

Hai)l.siäpliureum Boiss.;, Fl. Orient., I, p.931 (1867) pro parte. 
Hapl. eriocarpum Freyn, Über neue u. bemerkensw. Orient. 

Pflanzenarten in Bull. Herb. Boiss., III, p. 106 (1895). 
Hapl. villosum subsp. H. leiocarpum Freyn, 1. c, p. 107. 
Exsiccata: Aucher-Eloy, Nr. 812 Montbret, Nr. 1961. 
Balansa, Pl.d'Orient, 1856,Nr.l056, ^.xi.Hapl Tclnatclteffii. 
Handel-Mazzetti, Mesopotamien-Exped. des naturwiss. 

Orientver. in Wien, Nr. 2382. 
Kotschy, It. Cilic. in Tauri alpes, „Bulgar Dagh", Nr. 23 e. 

„ It. Cilicico-kurdicum 1859, Nr. 112. 
Manissadjian, PI. orieutales, Nr. 851, s. n. H. eriocarpi 

Freyn, Nr. 852, 853, s. n. H. villosi ssp. leiocarpi. 
W. Siebes Botanisehe Reise nach Cilicien 1895/96, Nr. 291, 

sub n. H. sidphureL 
Sintenis, It. Orient., 1889, Nr. 417, s. n. H. villosi et 738, 

indeterm. 

Distributio: Cilicia. Commun dans les montao-nes autour 
d'Ermenek, 12 — 1400 m (Peron: Bs). Sara pres Ermenek, 1400 m 
(Peron: Bs). Bulgar Dagh, in rupestribus vallis Gusguta, 6000' 
(Kotschy: Hfm). Karli Boghas, Talgrund, 1500 m (Siehe: BB, Hs, 
UnW). Kassau Oglu, ad pagum Gorumse, in graminosis rupestribus 
ad terminos arborum in subalpinis, 6000' (Kotschy : Bs, DC, Hfm, Hs). 
Cappadocia: Hadjin (Manissadjian: BB, Hs). Kasbel, Berg 40 km 
östl. V. Hadschin (Manissadjian: Herb. Freyn). Hadschin, auf der 
kleinen Hochebene Kala sekisi (Manissadjian: Herb. Freyn). Region 
moutagneuse deTAslan-Dach (l'un despics de l'Anti-Taurus, ä 121ieues 
ä TESE, du Mont-Argee (Balansa: Bs, DC, Hfm, Hs, ünW). Keresch, 
Steppe (Siehe: UnW). Cataonia: In Cataonia boreali (Tchiha- 
tchew: Bs). Barsuch Dagh, in agris (Haussknecht: Hs). Ak Dagh 
inter Adiaman et Malatja (Hausskn.: Hs). In m. Bölam D. et Beg 
D. (Hausskn.: Bs), In Mte. Tauro dicto Ak Dagh (pr. TutI) inter 

Z. B. Ges. 63. Bd. 3 



34 



-Heinrich v. Handel-Mazzetti. 



rupes (Auclier: Bs, Montbret: Hfni). Ak Dag-b (Aryly tascb tabu- 
larum) inter Kjacbta et Malatja, in lapidosis declivitatis versus 
origiuem raini meridionalis valHs supra vicum Bekikara, 2150 m 
(Handel-Mazzetti: Bm, Hfni, UnW). Armenia Turcica: Kharput, 
Genütscbair, in eollibus (Sintenis: BB, Hfm, UnW); Kb., in montosis 
prope Erepek (Sintenis: Bm). 

Haplopliyllmn myrüfoUum ist nacb dem vorliegenden Material, 
sowobl was Blattform als Bebaarung anbelangt, die veränderlicbste 
von den groß- und hellbliitigen gebirgsbewohnenden Arten. Die 
Originalpflanze Aucbers und Montbrets bat lanzettlicbe Blätter, 
nocb etwas breitere als die Sintenisscben Exemplare, die das 
sclinialblättrigste und gleicbzeitig am schwäcbsten bebaarte Extrem 
darstellen. Balansas Nr. 1056 (als Hapl. TcJiiatcheffii) zeigt teils 
die Blattform der Aucber und Montbretscben Pflanze, teils aber 
aucb eine breit elliptiscbe. Ibre Bebaarung wie auch die von 
Tcbibatcbews Pflanze ist nocb etwas länger als am Original. 
Haussknecbts Exemplare sind sebr groß- und breitblättrig, stark 
behaart, meine ebenso, aber sehr verkahlend. Die Pflanzen Kotscbys 
von Kassau Oglu zeigen nahezu die Extreme dieser Blattformen, 
an einer und derselben Stelle gewachsen. Die Größenverhältnisse 
mittlerer Stengelblätter sind: 2:8, 2:14, 4:15, 5:14, 55:12, 
6 : 18, 8:19 mm, auch : 7 mm an untersten Blättern und nach- 
gewachsenen sterilen Trieben. Die Blüten sind nach von mir an 
Ort und Stelle gemachter Notiz rein weiß. Sintenis' Pflanze ist 
auch auflaHend dadurch, daß die Petalen stets nur 7 mm lang sind 
und die Kclcbe in Korrelation dazu sehr kurz mit breitovalen Zipfeln. 
N'icileicht steben diese Eigentümlichkeiten in Zusammenhang mit 
dem tiefen Standorte. Die von mir gesammelten Exemplare zeigen 
alle { bcrgiinge in dieser Uinsicbt an ein und demselben Stücke. 

Lnter den von Siehe bei Karli l'joghas gesammelten Pfhinzeu 
liiidct .sich nur ein Exemplar (ÜBj mit kahlen Petalen, wie sie alÄ 
Arten der Verwandtscbaft haben. Die anderen Exemplare von diesem 
Slandorte haben gegen die Spitze der Blütenblätter am Rücken und 
Kandd .Kj^ärbcho, zirka \\, mm lange Jlaare, also eine andere Art 
der Behaarung, als sie z. P>. lür //. kisjndulum charakteristisch ist, 
die mclHteii von ihnen auch noch einen Haarpinsel an der Ein- 
ril^-nn^'SHtclli; des l'Hanicnlcs in (bi.^ Koniickfiv. Diese sehr auf- 



Die biovulaten ITopIophyUfnii- Arten der Türkei. 



35 



falleDden Merkmale ließen mich anfangs eine neue Art vermuten, 
bis ich im Herb. BB so beschaffene Exemplare mit einem sonst 
völlig übereinstimmenden mijrtlfolium beisammen fand. Dies ver- 
anlaßte mich zu einer noch genaueren Kontrolle aller Exemplare, 
die ergab, daß sich (UnW) Exemplare finden, denen die Haarpinsel 
der Filamente fehlen, und solche, deren manche Fetalen nur ganz 
einzelne Haare tragen, weshalb ich jetzt diese Exemplare nur für 
eine Varietät ^ on H. myrtifolium halten kann (var. trichopetaliim 
Haud.-Mzt.X. die insoferne bemerkenswert ist^ als sie ein Analogon 
zu jenen 0/?ö?)r^/c/i?s-Exemplaren (0. fallax und 0. cana) ist, bei 
denen Behaarung der Fahne auftritt (vgl. Hand.-Mzt. in Osterr. 
bot. Zeitschr., LIX, p. 371). 

Die Exemplare der «ssp."', besser var. lewcarpum Freyn (unter 
Uapl. viUosum) im Landesmuseum in Brünn konnte ich durch die 
I Freundlichkeit des Herrn Prof. Podpera einsehen. Die Nr. 853 
! hat tatsächlich manche ganz kahle Früchte und erinnert in der 
[ Blattform i subpetiolat) etwas an Ha^)!. villosum. Die Nr. 852 aber 
I hat keineswegs verkahlende, sondern typisch behaarte Früchte. 
1 Diese Exemplare sind dadurch bemerkenswert, daß dann und wann 
ein Blatt zwei- und dreispakig ist. Ob die Notiz des Sammlers 
j,Bltiten gelblichweiß" beim Einsammeln oder erst später gemacht 
und daher unbrauchbar ist, kann ich nicht beurteilen. Ich halte 
i es für sehr wahrscheinlich, daß es sich in beiden Fällen um direkte 
j Übergänge zwischen H. myrtifolium und villosum handelt, die ein- 
I ander auch in der Verbreitung mehr oder weniger ausschließen; 
oder sollte H. myrtifolium auch, wie H. 21esopotamicnm., mitunter 
geteihe Blätter haben? 

4. Haplophylluni vidcaniciim 
Boiss. et Heldr. in Boiss., Diagn. pl. nov., Ser. L Nr. 8, p. 126 
(1849); Boiss., Fl. Orient., I. p. 931 (1867). 
Exsiccata: Heldreich, Nr. 922. 

Siehe, Flora orientalis, Prov. Cappadocia, Nr. 92, ^.w.Hapl. 
myrtifoVii, Nr. 135, s. n. H. plauiflori Hsskn. et Siehe 
(indescriptl ). 

, Distributio: Lycaonia: In m. Karadagh Lycaoniae arenis 

vulcanicis, 5000' Heidreich: Bs, DC, Hfm; Tchihatcheff: Bs-. 

3* 



36 



Heinrich v. Handel-Mazzetti. 



Cappadocia: Pursuk, auch nach Eregli zu^ unkultivierte Orte, 1300m 
(Siehe: BB, Hs, UnW). Sterile, kalkige, steinreiche Berge vor Eregli, 
1300 m (Siehe: BB, Hfm, Hs, UnW). 

Die Sieheschen, von Haussknecht als H. myrtifolium und 
als neue Art gedeuteten Exemplare sind von den Originalen des 
H. vulcaniciini absolut nicht zu unterscheiden. Die borstige, ab- 
stehende, nur in der Dichtigkeit veränderliche Behaarung läßt die 
Art sofort erkennen. 

5. Haplophyllum friiticidostim 

(Labill.) Juss. in Jaub. et Spach, Illustr. pl. oriental., III, p. 81 
(1847—50); Boiss., Fl. Orient., I, p. 932 (1867). 
Syn.: Riita frutictdosa Labill., Icon. pl. Syr. rar., Dec. 1, p. 13, 
Tab. 4 (1791). 

Exsiccata: Blanche, Nr. 2023 3023, 3023 3026. 
Gaillardot Nr. 1685, 1685 3026. 
Kotschyi, Iter Syriacum 1855, Nr. 530. 

Distributio: Syria: Sirie (Labillardicre: DC). AdDamascum 
(Labillardiere: llfni), colles Damasci (Boissier: DC), in collinis 
versus Mar Elias et Suk Barrada, 3000' (Kotschy: Bs, Hfm). 
Buis.son de Foterlum spinosum, Saharah entre Ouadi el Djouz et 
Diiiiam, Antiliban (Gaillardot: Bs, Hs). Antilib.: KafrZabe (Peyron: 
BBj. Antilib., Kochers calcairs entre Ain Fig6 et Kefr zet (Gaillardot: 
Hh). Balbec fLowne: Hfm). Dans la plaine de la Bekaa prcs de 
Balbck, Coelesyrie (Blanche: Bs, Iis). De Hama ä Palmyra, dans 
le Djei)el Abiad (Blanche: Bs, Hs); au pied oriental du Djebel | 
Abiad (Blanche: Bs, Iis). 

Eine auKgezeichncte, am eliesteii dem Haplophyllum vulcanictim 
nahestehende Art. 

(). llaplopInjIliiiH vUlosmn 

(MarKch. :i l;icl).; .JiiKs. in Jan 1). et Spach, III. pl. Orient., III, p.8l, 
Tab. 204 (1850); Boiss., FI. Orient., 1, p. 931 (1867). ; 
Syn.: Jiutavillosa Marsch. a Bich., Fl.Taur.-Cauc, I, p.310(1808). 
Hula parvi/lorn Desf., Olioix d. pl. du (.oroll., j). 71, Tab. 54 
(IH(KH). 



Die biovulaten ITaplophyllum- Arten der Türkei. 



37 



Haplopliyllum Gappadocicum Spach in Ann. Sc. nat., Ser. 3, 
XI, p. 182 (1849); Jaub. et Sp., lUustr. pl. Orient., 
III, Tab. 263 (1850); Boiss., Fl. or., I, p. 932 (1867). 

Haplopliylhim Wanense Freyn, Üb. neue u. bemerkensw. 
Orient. Pflanzenarten in Bull. Herb. Boiss., 2. S6r., I, 
p. 262 (1901). 

Exsiccata: Bornmüller, Iter Persicum alterum, Nr. 6548. 
Montbret, Nr. 2211 = Aucber, Nr. 211. 
Kronenburg, Nr. 163. 

Herbarium Fl. Rossicae, Nr. 963 (/?. Ciscmicasicum Rupr.). 
Sintenis, Iter Orient. 1889, Nr. 1004 (indeterm.). 
Sommier et Levier, Iter Caucasicum, Nr. 269. 

Distributio: Caucasus ad fontes fl. Kuban; Transcaucasia; 
Armenia Rossica et Turcica; Persia borealis et boreali-occiden- 
talis. E Turcia vidi specimina: Armenia Turcica: Wan, in agris, 
2370m (Kronenburg: BB, UnW). Ad Euphratem superiorem (Mont- 
bret: Hfm). Kurutschai, in herbidis ad Hassanar (Sintenis: Hfm, 
UnW). Kurdistania Turcica. Teil Miscbar östlicb von Sert, trockene 
Felder (Näbölek). 

Haplophylluni villosuni ist eine Art, liber deren Umgrenzung 
ich mir nach dem mir vorgelegenen wenig zusammenhängenden 
Material nicht völlig klar werden konnte. Sehr veränderlich ist, wie 
an vielen anderen Arten, zweifellos die Behaarung, von Spuren 
krauser Behaarung bis zu dichten, aber nicht langen abstehenden 
Zotten. Die Filamente sind frei oder ganz wenig verwachsen, jene 
des Originalexsikkates von Haploph. Gappadocicum aber auch nur 
sehr wenig verwachsen. Die Sintenis sehen Pflanzen vom oberen 
Euphrat haben an manchen Exemplaren durchwegs ungeteilte, an 
anderen durchwegs dreiteilige Blätter, aus dem Osten sah ich nur 
an einem Exemplar von Tiflis (Steven: Hfm) ein zweiteiliges und 
an einem von Knapp in Aderbeidschan gesammelten (UnW) ein 
dreiteiliges Blatt. Die wenigen Früchte, die ich von sicherem Haplo- 
phyllum villostim sah, sind eingedrückt punktiert, nicht höckerig, 
die Hörner der Fruchtknotenklappen sehr veränderlich, oft recht 
lang und zurtickgekrümmt. Auch die Verteilung der Haare variiert 
sehr und läßt die an den Originalabbildungen recht auffallenden 



38 



Heinrich v. Handel- Mazzetti. 



ÜDterscbiede zwischen H. villosum uiul Gappadocicum ganz ver- 
schwimmen. Der Durchmesser der reifen Früchte ist 3 — 4 mm. 

Sehr nahe verwandt mit H. villosum ist Haplophyllum tenue 
Boiss., Fl. Orient., I, p. 932 (1867). Abweichend von Boissiers Be- 
schreibung haben die Buhseschen Exemplare aus Russisch-Armenien 
sowohl im Hfm als auch eines der beiden im Herb. Boissier un- 
gewimperte Kelchzäbne, während das andere der letztgenannten 
Sammlung dieselben stark wollig hat. Eine tibereinstimmende Pflanze 
von Alexeenko (Nr. 413: Herb. Bm) aus Ghilan, in aridis inter 
Kilischim et Cul-i-ambon liegt im Fruchtzustand vor mit ebenfalls 
glatten, verhältnismäßig sehr großen Früchten von beinahe 5 mm 
Durchmesser. 

Durch nicht drüsenhöckerige, sondern reichlich eingedrückt 
punktierte, wenngleich kahle Früchte schließen sich südpersische 
Arten an II. villosum an, zunächst Haplophyllum Kotschyi Spach 
in Ann. sei. nat., Ser. 3, XI, p. 186 (1849); Boiss., Fl. orient., I, p. 937 
(1807), welches an den von Bornmüller, Iter Pers.-turc. 1892 — 93, 
Nr. 3418 bei Schiras gesammelten reifen Früchten kleine, aber fast 
immer deutliche Horner besitzt. 

Haplophyllum ptilostylum Spach in Ann. sei. nat., Ser. 3, 
XI. p. 181 (1849); in Jaub. et Sp., III. pl. or., HI, p. 80, Tab. 262 
(1847—50); Boiss., Fl. orient., I, p. 933 (1867), unterscheidet sich 
wieder durch behaarte Früchte, Kelche und Griffel, steht aber sonst 
der letzten Art so nahe, daß man an Vereinigung denken könnte. 
Die Skulptur und Behörnung der Früchte ist nacli dem guten Exem 
plar des Herb. Boissier ganz dieselbe, die Abbildung der Frucht 
bei Jaubert und Spacli, die an //. Chahonmum erinnert, ungenau. 

Durch j.coccis facile separabilibus" dürfte Haplophyllum 
Griffithianum Boiss., Diagn. pl. nov., Ser. II, Nr. 1, p. 115 (1854); 
V\. Orient., i, j). 933 (1867), eine Sonderstellung einnehmen. 

Eine zweifellos neue, durch große Drüsenhöcker auf den Stengeln 
und InflorcKzenziistcn ausgezeichnele Art mit gleichen Früchten wie 
/la/jlojthylhnn Kotsr/nji sammelte Stapf in Slidpersien; sie sei hier 
bcKchriebon : 

Haplophyllum Stapßanum lland.-Mzt. sj). nov. (Fig. 1.) 
J/rrhfi rlaffi (rhU'fnnatf if/nofo). (Umlds hasi (tsccndmics 10cm 
filfi, umplircH, riffidi, 'imni crassi, rhurnrl, Icrctcs, sicul tota planta 



Die biovulateu llaploplnilh im- Axi^w der Türkei. 



39 



(jlaherrimi, glandulis crehris maiusciilis, in parte superiore 
praesertim prominulis ohsiti, foliis sursuni v aide (leer escentihiis et 
remotlorihus parte inferiore large ohsiti. Folia integra, lanceolata 
et lanceolato-elliptica, 4:21 usque 7:28 
et 9 : 30 mm, hast attemiata suhpetiolata, 
apice ohtusinscida, rigide chartacea, 
plana, caesio-pruinosa, glandtdis maius- 
culis titrinque large verrticulosa, nervo 
mediano alhido rigido utrinque promlmdo. 
Infloresce n t i a p arva, mul ti fl o r a, r a m i s 
erectis glandidis prominentihns tuherctila- 
iis, peduncidis calyce longiorihus, hradeis 
minimis. Floresparvi, 4mm longi. Calyx 
minimus, carnosulus, virididus, glandidis 
magnis valde verrucosus, fere ad oasin 
fissiis lohis ovatis acutiuscidis, persistens. 
Petala ohovato-lanceolata, vix imguictdata, 
ohtusiuscula, sparse sed grosse glandulo s a, 
lutea, decidua. Filamenta ühera, usque 
ad medium paidum dilatata ethic intus har- 
hata, eglandulosa. Ovarium glahrum, 
laeve, lohis ohtuse corniculatis. Cap- 
sula depressa, 5 mm lata, coccis sidcis 
profundis seiunctis, glandidis non promi- 
nentihus dense punctatis, cornicidis dorso 
ad suturarum ortus mini7nis. Semina ni- 
grohrtinnea, suhtiliter rugnlosa. 

Persia australis: Steppe am Kuk- 
nabad (Stapf, 8. IV. 1885: UnW). 

Dieser Art steht nahe Haplophyllum 
versicolor Buage, A. Lehm. rel. botaii. in 

Mem. sav. 6tr., VII, p. 248 (1851), non Fisch, et Mey. ; Boissicr, 
Fl. Orient., I, p. 935 (1867), das sich durch zahllose scharf begrenzte 
halbkugehge schwarze Drüsen^ ästige Stengel, die Blattform, lockere 
und breite Rispen und drüsige Filamente unterscheidet. Es ist aber 
mit Vorsicht zu kontrollieren, ob nicht der Driiseninhalt durch ge- 
wisse Reaktionen (Vergiftungssubstanzen I) schwarze Färbung an- 




Fig-. 1. 

Hap lopliyllum Stap fia niim. 
1/4 nat. Gr. 



40 



Heinrich v. Handel-Mazzetti. 



nimmt; II, filifolinm z. B. zeigt im Herbar bald gTÜnlichschwarze, 
bald helle Drüsen. 

Die Früchte der letztbehandelten Art sind beinahe so groß 
wie bei dem schönen Haplophyllum rohustum Bge., A. Lehm, 
rel. bot., 1. c, p. 241 (1851); Boiss., Fl. Orient., I, p. 935 (1867), 
das sich verwandtschaftlich ebenfalls hier anschließt. Beide Arten 
haben ebensolche Hörnchen, oft nur als ausspringende Winkel aus- 
gebildet, wie Hajüoj^hylhm Stapfianum, die Drüsen der Früchte 
sind aber etwas größer. 

Auch das Originalexsikkat von Haplophyllum virgatum 
Spach, in Ann. sei. nat., Ser. 3, XI, p. 186 (1840); Jaub. et Sp., III. 
pl. or., III, p.83, Tab. 267; Boiss., Fl. or., I, p. 938 (1867) (Aucher 
Nr. 4313: Hfm)^ hat die jungen Ovarien deutlich bespitzt und den 
Stengel oben sowie die Infloreszenzäste groß drüsenhöckerig und 
dürfte in diese Verwandtschaft gehören. Haplophyllum canaliadatum 
Boiss. ist davon wahrscheinlich nicht verschieden. Beide Pflanzen 
wurden leider seit Aucher nicht wieder gesammelt. 

7. HaplophfjUiim Cliahorasiiim 
Boiss. et llsskn. in Boiss., Fl. Orient., Suppig p. 148 (1888). 

Exsiccata: Handel-Mazzetti, Mesopotamien-Exp. d. naturw. 
Orientver. 1910, Nr. 1657. 
Haussknecht^ Nr. 172 p. p. 

Distributio: Mesopotamia: In deserto fl. Chabur (Hauss- 
knecht: Bs, Hs). Ad medium fluvium Chabur, in steppa inter 
Hsitsche et 'Jell Kokeb, substr. lava calcc adspersa, 400m (Handel- 
Mazzetti: Hfm, IJnW). 

Die wenigen von dieser Art vorliegenden Exemplare sind auf 
den ersten Blick uiitcr(;inander recht abweichend. Es rührt dies 
davon iicr, daß au manchen Exemplaren der Hauptstengcl ab- 
p:cweidct war und dann Seitenäste trieb, die ganz andere Blätter 
entwickelten als die schmalen dreiteiligen und fast kahlen Stengel- 
l)lätt('r, niimlich bei HauHskneclits so beeinflußten Exemplaren 
kleine ganze, durchwegs schmale, beinahe kahle, bei nieinen ver- 
kehrt eiförmige, stark behaarte. Die Blüten an diesen Ästen sind 
viel kh'incr aln j(;ne der beiden intakten 1 1 aussk n ecli tsclien Exem- 
plare, welch«; ich sah. Diese (im Herb. Iis und eines im Herb. Il8) 



Die biovulaten HajjlophyUian- Arten der Türkei. 



41 



sind auch die einzigen, deren Kelchbewimperung Boissiers Be- 
schreibung entspricht, während alle anderen kahle Kelche haben. 
Es ist ein analoger Fall wie der oben für H. ienue erwähnte. 

8. Uaplophylliun Jlesopotamicum 
Boiss., Diagn. pl. nov., Ser. II, Xr. 1, p. 116 (1854). 

Syn.: Haplophyllum Buxhaumii y. Mesojwtamicum BoisB.^ FI. 

Orient., I, p. 938 (1867). 
Haploplujllum pycnantlunn Boiss. et Hsskn. in Boiss., Fl. 

Orient., SuppL, p. 148 (1888). 
HaploplujUum. gJahrum Bornm., Iter Persico-turcic.,I in Beih. 

z. bot. Zentrbl., XXVIIL Abt. II, p. 168 (1911), non 

Buta glabra DC. 
Exsiccata: Bornmtiller, Iter Persico-turcicum 1892 — 93, 

Nr. 1012, 1012 b, s. n. H. pycnantlii, 1011, s. n. Hapl. 

CancMleani, 1013. 
Haussknecht, Nr. 174, 175. 

Kotschy, PI. Mesop. Kurdist. Mossul. Nr. 200 = 311. 
Sintenis, Iter Orientale 1888, Nr. 1164 p. p. (specim. fructi- 
fera, s. n. H. Buxhaumii). 
D i s tr i b u t i : K u r di s tani a T u r c i c a : Inter Diarbekir et Mardin 
(Kotschy: Bs).^) In quercetis ad urbem Mardin (Kotschy: Hfm).^) 
Mardin: Caballa (Sintenis: BB, Hs, UnW). Mar Jakub bei Sert 
(Nabßlek), zwischen Der Harir und Baba Dschidscbik (zw. Erbil 
und Rewandus) (Näbölek). Hügel zwischen Kerkuk und Altyn- 
köprü (Näbelek). Ditionis Erbil in desertis (Bornm tili er: Bm= Hs'i; 
ditionis Erbil in campis ad Ankova (Bornmüller: BB, Bm, Hfm, 
I Hs, UnW). In montis Kuh-Sefin reg. infer. ad pagum Schaklava 
! (ditionis Erbil) (Bornmüller: Bm). Derbent i Basian, 300' (Hauss- 
knecht: Bs, Hfm, Hs). Pir Omar Gudrun (Haussknecht: Bs, Hfm, 
Hs). W. Persien: Sar-i-Pul nö. von Chanikin, 700 m (Näbelek). 



M Ein mit Nr. 311 und dem von Boissier angeführten Staudorte be- 
zeichnetes Exemplar fehlt in Wien, wie schon Fenzl (Bemerkung im Exemplar 
der Diagn. pl. nov. im UnW) konstatierte. Das Stück im Herb. Boissier stimmt 
aber mit Nr. 200: „In quercetis ad urbem Mardiu" im Hfm in Präparation, 
Färbung, Erhaltungszustand, Größe etc. so genau überein, daß ich überzeugt 
bin, daß sie von demselben Exemplare stammen. 



42 



Heinrich v. Ilandcl-Mazzetti. 



Boissier hat bei der Besclireibung des llaplophylhim pyc- 
nantlunn das Vorhandensein eines Corniculus auf den Fruehtklappen 
nicht erwähnt, weil er keine halbwegs reifen Früchte sah. Bei dieser 
Art ist das Hörnchen zwar sehr klein, eigentlich nur einer der 
zahllosen Höcker, die die ganzen Fruchtklappen bedecken, in ver- 
größertem Maßstab, aber immer am Beginn der Naht zu finden, nur 
selten ganz undeutlich^ insbesondere aber auch am Fruchtknoten 

zur Blütezeit stets zu konstatieren. 
(Fig. 2.) Die Größe der Frucht und 
die kugeligen oder ovalen, sehr dicht 
gestellten Tuberkeln auf den etwas 
in die Länge gestreckten Frucht- 
klappen sind genau dieselben wie 
bei Buta Buxhaumii unter den nicht 
behörnten Arten, zu der It.pycnantha 
zweifellos Verwandtschaft hat, wenn 
gleich sie durch die großen, kürzer 
verschmälerten, fast immer ungeteil- 
ten Blätter auch steril immer zu unter- 
scheiden sein dürfte. Die Behaarung 
der vegetativen Teile variiert ebenso 
wie bei llaploplnjllum villosiim, die 
Kelche fand ich aber inmier auf- 
fallend kraushaarig. Bor nniü Hers 
Fi^. 2. Friiclito von iJuplophylium noch nicht altes Material hat recht 
Mesopotamicum. ^^^^^^^ H j^jj^g, 

Vcrgr. 2. 

kncchtschcn Pflanzen scheinen viel 
heller gewesen zu sein. Was es damit für eine Bewandtnis hat, 
wird nur durcli (inieute Beobachtung in der Natur zu entscheiden 
sein. Die Angabo dünnerer JJlätter für /f. Mesopotamkiim entstand 
durch zu stark gepreßte dickliche. 

Haplophyllum ohtusifolium (Ledeb.) Boiss., Fl. Orient., 1, 
p. 1):J4 (m')l) (Ihtla ofdusifolAa Ledeb. in Eichw., Plant, nov. Casp.- 
Cauc. faHc, p. H7, 'l'ab. .-52 [1833]), sowie: 

Haplophyllum lasianthum Bgc., A. Lehm., reliqu. bot. in 
.M. III. Hav. (-Ar., VII, p. '2\V.) (1851 ) {llapl. vcrsirolor Fisch, et Mey. in 
Tiull. Koc. Ph}H. Acad. Pctro])., T. HI, Nr. 20, nomen nudum! annoL 




Die biovulaten HaphphyllKm- Arten der Türkei. 



43 



non vidil cfr. Fedtschenko, Consp. Fl. Turkest. in Beih. bot. 
Zentrbl., XX, 2, p. 338 [1906], non Bge. — Hapl hispidulum 
Bg-e. in Boiss., Fl. orient, I, p. 933 [1867]. — Euta (§ Hapl.) ro- 
tundifolia Aitcb. et Hemsl., Bot. of Afgban. Delim. Com. in Transact. 
Linn. Soc, Ser. 2, III, p. 45, Tab. 5, Fig. 11—16 [1886]. — Hapl 
hrevipilum Freyn in Bull. Herb. Boiss., 2. Ser., IV, p. 37 [1904]) 
sind sehr isolierte Typen aus dieser Verwandtschaft. Die Identität 
von H. hrevipilum hat schon Fedtschenko, 1. c. erkannt. H hispi- 
dulum konnte ich im Herbier Boissier einsehen; seine Fetalen 
sind entgegen Boissiers Beschreibung 5 mm lang und auch die 
sonstige Übereinstimmung gleichwie der ebendort untersuchten Euta 
rotundifolia eine vollständige. 

Ebenso eigenartig ist sowohl durch die Blattform als durch 
die behörnten^ nahezu glatten und auch nicht eingedrückt punktierten 
Früchte Haplophyllum subcordatum Bge. in Boiss , Fl. or., I, 
p. 932 (1867). 

Auch Haplophyllum furfuraceum Bge., ibid., p. 934 (1867) 
ist durch die eigentümliche Papillenbekleidung isoliert. 

9. HaiyloiJhylltim Buxbaumii 
(Poir.) Don, Gen. Hist., I, p. 780 (1831); Boiss., Fl. orient., I, 

p. 937 (1867). 

Syn.: Euta Buxhaumil Poir., Encycl., VI, p. 356 (1804). 
Euta linifolia Smith, Fl. Graec. Prodr., I, p. 273 (1806), non 
Linne. 

Euta spathulata Sibth. et Sm., Fl. Graeca, Tab. 370 (1823). 
Euta dicliotoma DC, Prodr., I, p. 711 (1824). 
Haploplnjllum Halepense Spach in Ann. sei. nat., Ser. 3, 

XL p. 185 (1849); Jaub. et Sp., III. pl. orient., III, 

p. 82, Tab. 266 (1850). 
HaplopliyUum dicliotomum Boiss., Diagn. pl. nov._, Ser. I, 

Nr. 8, p. 128 (1849); FL Orient., I, p. 936J1867). 
Haplophyllum corymhtdosum Boiss., Diagn., S6r. II, Nr. 1, 

p. 116 (1854). 

Haplopliyllum Buxhaumii ß. stenophyllum, ö. lasiocarpum. 
e. corymhulosum Boiss., Fl. orient., I, p. 938 (1^67). 



44 



Heinrich v. Handel-Mazzetti. 



Exsiccata: Aucher-Eloy, Herbier d'Orient., Nr. 810, 814. i) 
Balansa, Plantes d'Orient 1854,Nr.357; 1855, Nr. 695, 705. 
Blanche, Nr. 1169, 3029. 
Boissier, Nr. 51. 

Bornmiiller, Iter Persico-turcicum 1892 — 93, Nr. 1014, Iter 
Syriaciim 1897, Nr. 292, 293, 294, Iter Syriacum II, 
1910, Nr. 11.555, Iter Anatolicum tertiuni, Nr. 4250. 

Bourgeau, Plantae Lyciae 1860^ Nr. 58, Plantes de Tlle 
de Rhodes 1870, Nr. 8. 

Descliamps, Pfl. aus Cypern, bestimmt u, vert. v. Freyn, 
Nr. 97. 

Gaillardot, Nr. 446, 916, 916 1686 163 et 163 ^s. 
Handel-Mazzetti, Mesopotamien-Exp. d. naturw. Orientver. 

1910, Nr. 1518. 
Haussknecht, Nr. 176, 648. 
Heldreich, Nr. 821. 

Kotschy, In monte Tauro, Nr. 112, 114, 115, Syria, Aleppo 
1841, Nr. 268, Iter Syriacum 1855, Nr. 727, PI. Syr. 
bor. ex Amano pr. Beilan, Nr. 309, Iter Cilicico-kurdi- 
cum 1859, Suppl. Nr. 1049. 

Kralik, PI. Tunetanae, Nr. 162. 

Letüurneux, PI. orientales variae, Nr. 334a. 

Reliquiae Mailleanae, Nr. 970, 970a. 

Manissadjian, PI. oriental., Nr. 849. 

Montbret, Nr. 1768, 1920. 

Noc, Nr. 48. 

Poth, Nr. 573. 

Sieber, Nr. 13, 15. 

Siehe, Botan. Heise n. Cilicien 1895, Nr. 366; Flora oriental., 

i'rov. (yaj)padocia, Nr. 147, als 7/. (Jappadocicum'^ 
V Sintenis, Iter Trojanuni, Nr. 850.^) 

') lloiHHlcr fiilirt zu diosor Nniimi(!r luich seinem Exemplar an: Moso- 
IKilJimia a<l .MohsouI- rIaH Exemplar im Ilfm trii^t aber „ralcstinü" als Stand- 
ortann^aUc. 

') Icli sali ans dinKem v('rl>r(!il('<rn S i n t c ni HHC-hen lOxHikUat nur ein 
8tllrk im Ilj-rlmr KcrU (llnW) oIiik; (Mi^nii.ih^tikette; v,h kTninto dort leicht 
«•ine y^^rv, ^'<•hh\\]\\^/ voi üc^mmi ! 



Die biovulateii Haplophyllum-Ai-ten der Türkei. 



45 



Sintenis, Iter Orientale 1888, Nr. 1164 p. parte (quoad 

specimina florifera). 
Szowits, Nr. 505. 

Distributio: Tunesia. Thracia orientalis. Asia minor excl. 
silvis Ponti. Rhodos, Cyprus, Syria, Palästina, multis locis. Hier 
überall die Verwandtschaft allein vertretend, nur in Stidpalästina 
mit II. tubercidatum und longifolium, in Ostsyrien mit H. Blancliei 
zusammentreffend. Mesopotamia: In agris argillosis circa Harran 
abunde, 1000' (Haussknecht: Hfm, Hs). In deserto fluminis Chabur 
(Haussknecht: Hs). In lapidosis in summo cacumine Tschil Miran 
montium Dschebel Sindschar, 1400 m (Handel-Mazzetti: Hfm, 
UnW). Inter Sindschar et Teil Afar (Haussknecht: Hs). Kur- 
distania: Mardin, Caballa (Sintenis: BB, Hs, UnW). Ditionis 
Kerkuk in collibus apricis (Borumüller: Bm). Armenia (Szowits: 
Hfm). Persia: In apricis sterilibus circa Seidkhodji, Prov. Ader- 
beidschan (Szowits: Bs^ Hs). War, in arvis (Knapp: UnW). Dise- 
siausch, in collibus aridis (Knapp: UnW). In valle rivi Kischlakh- 
rud ad Serindschame (Strauss: Bm, Hs), Dschanmasu (Strauss: Hs). 
In der Khonarsteppe bei Deris sehr selten (Stapf: UnW). 

naplopliyTlum Buxhaitmii ist in der Behaarung der vegetativen 
Teile sehr variabel^ bald nahezu kahl, bald dicht kraus behaart, 
bald abstehend kurzborstig, oft an demselben Standorte verschiedene 
Typen gemischt, so daß eine Gliederung auf dieses Merkmal hin 
unnatürlich wäre. Im Osten, besonders in Syrien herrschen schmal- 
blättrige Pflanzen vor (var. steno])liyllum Boiss.), doch finden sich 
Exemplare, die den weniger extremen zu dieser Varietät gestellten 
Pflanzen aus Syrien entsprechen, auch sonst, z. B. Karaman (Held- 
reich: Hfm), Rhodos (Hedenborg: Hfm), Elmalu (Bourgeau: Hfm). 
Andererseits sind die Exemplare aus der mesopotamischen Ebene 
zwischen Sindschar und Teil Afar (Haussknecht) z. B. sehr breit- 
blättrig. Immerhin ist es nicht ausgeschlossen, daß die schmal- 
blättrigen ostsyrischen Pflanzen eine gewisse Annäherung an das 
H. ßifolmm, dessen Verbreitungsgebiet dort bald beginnt, bedeuten. 
Das Exemplar des H. dichotomiim im Herb. Boiss. entspricht, da sich 
auch bei dieser Art die Verwachsung der Filamente als veränderlich 
erweist, vollkommen den schmalblättrigsten H. Buxbaumii. 



46 



Heinrich v. Handel-Mazzetti. 



10. Haplophyllaiii Blanchei 
Boiss., Fl. Orient., I, p. 937 (1867). 

Syn.: Ilaplophyllum riihrum Velen., PI. Arabic. Miisilian. in 
Sitzgber. böhm. Ges. d. Wissensch.^ 1911, S. A. p. 16 
(sec. descript.). 

Exsiccata: Blanche, Nr. 3021. 

Distributio: Deserta Syriae orientalis. Au pied oriental 
du Djebel Abjad^ Palmyra (Blanche: Bs). Steppe zwischen Der 
es Sor und Palmyra (Strauss: Hs). Isriyeh to Jebel-el-Mauredah 
(Post: Bm). Arabia septentr.: Distr. as Sowwan, Frejta (Musil 
sec. Yelenovsky, 1. c). Arabia petraea: Steinwüste bei Ma*an 
(Näbölek). 

Eine durch die Bltitenfarbe (an trockenen Exemplaren dunkel- 
rot) sehr auffällige Art, habituell der folgenden am ähnlichsten. 
Die Exemplare Näbeleks tragen keine Blüten mehr, sondern nur 
Früchte, sind aber trotzdem als hierher gehörig kaum zweifelhaft. 

11. lla2>lox>hyUiim Mausslcnechtii 
Boiss., Fl. Orient., Suppl., p. 148 (1888). 

Exsiccata: Haussknecht, Nr. 173 p. p. 

Distributio: Mesopotamia septentrionalis: In descrto 
fhivii Cliabur (Haussknecht: Hs). In deserto Ras el Ain (Mauss- 
knecht: Ilfm). Inter Singara et Teil Afar (Haussknecht: Bs). 

Eine merkwürdige Pflanze, die den Eindruck eines üppigen 
Jf.fdifolium macht, aber wegen der gar nicht hervorragenden Drüsen 
und der drüsenlosen Filamente nicht als solches betrachtet werden 
kann. Audi ein liastard 7/. /y7i/o^f?{w X l^i/a^/^aifm«, woran sich 
denken ließe, kann die IMlanze wegen des reichlichen vollkommen 
iiornialcii Pf)llcns nicht sein. Auch sonst ist mir kein Fall von 
ilybridität in der Gattung bekannt geworden. Exemplare mit l'clil- 
Kchlagcnden Früchten sah ich besonders von der folgenden Art 
und von //. }mt)t'niqimni. Solche zeigen anscheinend in Korrelation 
«lamit autlallend verlängerte Inüoreszenzäste. 



Die biovulaten Haplophylh/m- Arten der Türkei. 



47 



13. HaplophifUum ßlifoliuin 
Spach in Ann. sei. nat., S6r. 3, XI, p. l'^5 (1849); Jaub. et Spacli, 
III. pl. Orient., III, p. 82, Tab. 265 (1850); Boiss., Fl. or., I, p. 938 
. (1867) p.p. 
Syn.: Hcqjl. Chesneyanum Boiss., 1. c, p. 941 (1867). 

IIa2Jl. eremophilum Boiss. et Hsskn. in Boiss., Fl. or., Suppl., 
p. 149 (1888). 

Exsiecata: Aucher-Eloy, Herbier d'Orient, Xr. 817. 
Blanche, Nr. 3022. 

Bornmiiller, Iter Persico-turcicum 1892—93, Nr. 201, 1010, 
1015, 1015^ als H. eremophilum. 

Chesneys Expedition to the Euphrates, Nr. 216. 

Handel-Mazzetti, Mesopotam.-Exped. d. naturwiss. Orient- 
vereines 1910, Nr. 1602. 

Haussknecht, Nr. 173 p. p., 472 p. p. 
Distributio: Syria orientalis: Dans le Djebel Abjad? 
(Blanche: Bs). Mesopotamia: Ad Euphratem (Chesney: DC, 
Hfm). Inter Der es Sor et Palmyra (Strauss: Hs). Inter Ana et 
Der (Strauss: Hs\ In deserto fl. Chabur (Haussknecht: Hfm). 
Ad lacum salsum El Chattunije inter fl. Chabur et montes Dschebel 
Sindschar, in steppis gypsaceis, 400 m (Handel-Mazzetti: Hfm, 
UnW). Inter Singar etTell Afar (Haussknecht: Hfm). Kurdistania 
Assyriaca: Inter Erbil et Riwandous (Bornmtiller: BB, Bm, Hfm, 
Hs, ünW). Ad Herir inter Erbil et Riwandous (Bornmüller: Bm). 
Inter Kerkuk et Baghdad in monte Dschebel Hamrin (Born mü 11 er: 
Bm\ Persia (Aucher-Eloy: Hfm). P. austro-occidentalis: In grami- 
nosis inter Seytun et Bebehan, 3000' (Haussknecht: Hfm, Bs, Hs). 
P. austrahs: Buschir (Bornmüller: Bm, Hs). B., in arenosis mari- 
timis (Haussknecht: Hfm, Hs). B., inter segetes (Haussknecht: 
Bs, Hs). Steppe bei Buschir (Stapf: Bm, UnW). 

Die mir vorliegenden Originalexemplare von Hapl. fiUfolium 
haben entgegen Boissiers Einreihung deutlich vorragende Drüsen 
an den Infloreszenzästen, bei deren Beurteilung übrigens auch der 
Entwicklungszustand in Betracht zu ziehen ist. Der veränderliche 
Grad der Verwachsung der Filamente erlaubt auch nicht die Trennung 
des H. Chesney anum. An dem heute ziemlich reichlich vorliegenden 
Material lassen vielmehr alle Merkmale der drei von Boissier ge- 



48 



Heinrich v. Hand el-Mazzetti. 



trennten „Arten" so im Stich, daß man sie unbedingt zusammen- 
ziehen muß. Die von feoissier zu H. fiUfolium gezogene Kotschj- 
sche Nr. 422 gehört zu H. glabrum. 

13. Hai^lophyllitm villosidum 
Boiss. et Hsskn. in Boiss., Flora Orient., I, p. 936 (1867). 

Exsiccata: Handel-Mazzetti, Mesopotam.-Exped. d. natur- 
wissenschaftl. Orientvereines 1910, Nr. 1052. 
Haussknecht, Nr. 649. 

Sintenis, Iter Orientale 1888, Nr. 1467, indeterm. 

Distributio: Syria borealis: In vineis prope Aintab rarissime 
(Haussknecht: Hs). Mesopotamia septentrionalis : Harran, inter 
lapides in ruinis templi lunae, 1000 ped. (Haussknecht: Hfm, Hs). 
Biredjik, in vineis (Sintenis: UnW). Dschebel Makhul et Dsch. 
Chanuka ad ripam dextram Tigridis inter Mossul et Baghdad, in 
steppis gypsaceis, 200 — 250 m (Handel-Mazzetti: Hfm, UnWj. 

Eine schwer zu klärende Pflanze, da ihre an den vorliegenden 
Exemplaren übereinstimmenden Merkmale der gewimperten Kelche 
und aulfallend hoch verwachsenen Filamente in der Verwandtschaft 
sonst wenig konstant sind. Gegen die Annahme, daß es sich um 
behaarte Formen von Ila^ü. filifolium, mit dem //. villosidum am 
meisten vergleichbar ist, handeln könnte, sprechen auch die größeren 
Drlisenhöcker an den Infloreszenzästen, auch ist der Habitus durch 
die äußerst schmal fadenförmigen Blätter ein eigentümlicher. Meine 
Exemplare aus dem Zuge des Dschebel Hamrin nehmen durch das 
Vorhandensein sj)ärlicher Drüsen an den Filamenten eine Mittel- 
stellung ein, wenn sie nicht vielleicht doch als behaartkelchiges 
//. fili/hlinm zu deuten sind. 

14. J/{fjßfoj)hf/ffnni (jlahruni 

(\)(\) llaiid.-Mzt., comb, nova, non Bornm., Iter Pcrs.-turc. in Beili. 
/. bot. Zentrbl., XXVIII, Abt. II, p. 168 (1911). 
Syn.: linia <jlahra DC, Prodr., I, p. 711 (1824). 

/Iriiilophi/llum (Umdollr.dnnm Spach in Ann. sei. nat., S6r. iJ, 
XI, p. 1H9 (1849); Jaub. et Spach, III. pl. orient., III, 
p. 84, Tab. 270 (1850j; Boiss., Fl. orient., I, p. 939 

/ /fi/,l(ij,/n/lhnti /ili/'(/liH)ll PioisH., 1. C, p. ]). 



Die biovnlaten ffaplophylhim-ATten der Türkei. 



49 



Exsiccata: Handel-Mazzetti, Mesopotam.-Exped. d. natur- 
wissenscliaftl. Orientvereines 1910, Nr. 3187. 
Haiissknecht, Nr. 177. 

Kotschy, PI. Mesopot. Kurdistan et Mossul 1841, Nr. 258 
= 422. 

Distributio: Mesopotamia: DerbentiBasian (Haussknecht: 
Bs). De Mossul ä Bagdad (Olivier: Bs, DC). Dschebel Hamrin, 
zwischen Baghdad und Bakuba (Nabele k). Ad lacum salsum El 
Chattunije inter fluvium Cbabur et montes Dschebel Sindschar, in 
steppis g-ypsaceis, 400m (Handel-Mazzetti: Hfm, ünW). In viciniis 
urbis Dschesireh ad pagum Besch Abur^) (Kotschy: Bs, Hfm). 

Ebenfalls eine kritische Pflanze, die in wenig zahlreichen 
Exemplaren von ziemlich großer Verschiedenheit vorliegt. Schon 
die Oliv i ersehen Originale im Herb. DC. und Boissier sind unter- 
einander ziemlich abweichend. Das erstere besteht aus einem Exem- 
plar, welches sehr gut mit den von mir gesammelten stimmt, und 
dazugehefteten Infloreszenzästen mit viel größeren (5 mm langen) 
Blüten, das letztere hat ähnUche Dimensionen und auffallend große 
Drüsenhöcker in der Infloreszenz und an den Blättern. Die von 
Boissier zn H. filifoUum gezogenen Exemplare gehören sicher nicht 
dorthin, sondern sind mit meiner Pflanze identisch. Vorläufig kann 
ich auch zu keinem anderen Resultat kommen, als daß die Pflanze 
habituell gewissermaßen eine Mittelstellung zwischen H. fllifolium 
und tnberculatum, beziehungsweise j;ro2J)//i//?<?/»i einnimmt, aber durch 
die kaum höckerigen, wenngleich großdrüsigen Fruchtklappen be- 
merkenswert ist. 

15. IIaplo2}hyllam longifoliiim 

Boiss., Diagn. pl. nov., Ser. I, Nr. 8, p. 127 (1849); Fl. Orient., I, 

p. 941 (1867). 

Exsiccata: Ball, Iter Orient. 1877, Nr. 839. 
Boissier, Nr. 51. 

Bornmüller, Iter Syriacum 1897, Nr. 289, 290 var. erio- 
cdlycinum, 291 var. ciliosum. 



^) Rectius „Pesch Chawur", jedenfalls identisch mit dem nahegelegenen, 
von Boissier zitierten Standort „inter Bauerd et Semel". 

Z. B. Ges. 63. Bd. 4 



50 



Heinrich v. Handel-Maz zetti. 



Distribiitio: Palästina australis: In descensu a St. Saba ad 
mare mortuum (Boissier: DC, Hfm). In planitie Philistea in arenosis 
aridis ad Gaza (Bornm iiiler: BB, Bm^ Hfm, Hs, UnW). In collibus 
saxosis pr. Mar Saba (Ball: Bs). 

H. longifolitim ist gewiß zunächst verwandt mit H. ttiberciäatim, 
nächst dessen Verbreitungsgebiet es sich findet. Die Ähnlichkeit in 
der Blattform mit II. fdifolium ist nur eine Konvergenzerscheinung. 
Bemerkenswert ist bei dieser sehr wenig verbreiteten Art die starke 
Variabilität der Kelchbehaarung, die Bornmtiller konstatierte, be- 
sonders deshalb, weil sie bei den nächstverwandten folgenden Arten, 
von denen ich viel mehr Material sah, viel konstanter ist. 

16. Ilaplophyllum j^^^opinqimm 
Spach in Ann. sei. nat., S6r. 3, XI, p. 189 (1849); Boiss., Fl. or., I, 

p. 940 (1867). 

Syn.: Haplopliylliim Arabicum Boiss., Diagn. pl. nov., S6r. I, 
Nr. 8, p. 127 (1849). 
Haplophyllum trichostylum cum ß. micropliylluyn Bunge in 

Boiss., Fl. Orient., I, p. 941 (1861). 
Ilaplophyllum tuherculatum y. Arabicum Boiss., Fl. or., I, 
p. 938 (1867). 
Exsiccata: Aucher-Eloy, Herb. d'Orient, Nr. 816 
Bornmüller, Iter Persico-turcicum, Nr. 204. 
Fischer, Nr. 88. 

Handel-Mazzetti, Mesopotam.-Exped. d. naturwiss. Orient- 
vereines 1910, Nr. 930. 
llildebrandt, Nr. 154. 
Noe, Nr. If), 1011. 

IJnio itineraria IHIW (Schimper), Nr. 913, als Ihita 

tuberculala. 
/ohrab, Nr. 149, 415. 
Distributio: Mcso])Otamia: Erbil (Bornmtiller: Bm, unter 
Nr. 1013;. Intcr scgctcH ca. Bagdad et Basra (llaussknecht: llfni, 
IIh). In dcHcrÜH ad Habylon (Bornm II Her: Bm, Hs). Kasr Na(jil) 
prope Baghdad, in dcscrto limoso (Nubolek et Handel-Mazzctti: 
Hfm, \a\\\). Sitt Zobcida bei liaghdad (N .-Ux'Iekj, Bagdad fNoc: 
Bhi. Arabia felix. in incultis vallis Fatmc (Schimper: Iis, Ulm, 



Die biovulaten ITaplophyllum-Avten der Türkei. 



51 



UnW). In argillosis vallis Fatme (Fischer: Hfm, Hs). Geddah, in 
locis aridis (Hildebrandt: Hfm, UnW; Zohrab: BB; Botta: Bs). 
Arabia felix (Medicus ignotus: Hfm). Persia. Inter Ispahan et 
Teheran prope Gas (Bunge: Bs) et Schurab (Bunge: Bs). Ufer 
des Flusses Dweritsch nw. von Susa (Näbelek). In deserto inter 
Chabbis et Kerman (Bunge: Bs). 

Die zahlreichen Exemplare des H. propinqtmm, die ich einer- 
seits aus Mesopotamien, andererseits aus Arabien sah, sind beinahe 
einheitlich in der Behaarung des Fruchtknotens; an einem von 
Haussknecht zwischen Baghdad und Basra gesammelten (Hs) finde 
ich sie nur ganz jung behaart und sehr bald verkahlend. Dieses 
Exemplar ist bei sonstiger völHger Übereinstimmung auch merk- 
würdig durch bis zur Hälfte verwachsene Kelchzipfel. Es zeigt 
dies, daß selbst dieses Merkmal manchmal im Stiche läßt. Mehrere 
kahlfrüchtige Exemplare von Baghdad (leg.?) befinden sich im 
Herbar Bs.^ ebenso eines von Aucher mit der Etikette: „Egyptus, 
Mesopotamia". Daß spitze Kelchzipfel, die Boissier hervorhebt^ 
keineswegs für die Art bezeichnend sind^ sondern stumpfe beinahe 
häufiger vorkommen, auch deren Form stark variiert, kann noch 
weniger Wunder nehmen. Die Behaarung des Kelches ist oft äußerst 
spärlich. Da ich an meinen Exemplaren oft auch die Griifel be- 
haart finde, kann ich mangels jedes anderen stichhältigen Unter- 
schiedes H. tricJwstylum nur für identisch mit H. propinqimm halten. 
Daß die Blüten der arabischen Pflanze länger gestielt seien, wodurch 
sie Boissier als var. Arabicum von H. tuherculaüim trennt, bestätigt 
sich an größerem Material nicht. 

Es ist sehr merkwürdig, daß die Verwandtschaft des Hapl. 
ttiherculatum westlich vom Verbreitungsgebiete dieser Art selbst 
wieder durch einen Typus vertreten ist, der durch die behaarten 
Fruchtknoten dem H. propinqimm des Ostens nahesteht, sich aber 
durch kahle, drüsige Kelche, größere Blüten, drüsige Filamente, 
schmälere Blätter mit zurückgerollten Rändern und meist straff*eren, 
an H. longifolium erinnernden Wuchs unterscheidet. Da ein Name 
dafür noch nicht existiert, sei diese Pflanze hier beschrieben: 

Haplophyllum vermiculare Hand.-Mzt. sp. nova. 

Herha elata rhisomate tenuiusculo lignescenie multicauli. Gaules 
erecti, ima hasi indurati, 25 — 70 cm alti, tenuiores crassioresve, rigididi, 

4* 



52 



Heinrich v. Handel-Mazzetti. 



virididi, teretes, cum foliis glahri vel juveniles parce puheruli, glan- 
dulis magnis prominentihus dense tuherculati, suhsimplices 
vel jam a hasi ramosi, dense foliati. Folia simplicia vel ternata, 
sessilia, infima et in siirculis sterilihus cuneato-obovata, caulina 
linearia, ohtusa, marginihus anguste revolutis, 1X15, 1'5X17 
nsque 2X30 et 2X50 mm, plerumque vermiculari- curvata, 
nervo non prominente, sicui caides tuherculata. Inflorescentia 
effusa, ramis valde tuherculatis, peduncuUs calyce hreviorihiis, 
hradeis parcis minimis. Flor es 4'5 — 5 mm longi, flavi. Calyx 
minimus, fere ad hasin fissus lohis ovatis saepe erostdis alhido 
marginatis, glanduloso-tuherculatis, glahris, cito emarcidus. 
Fetal a decidtia, ohovata, ohtusa, vix unguiculata, large, sed vix 
prominule glandulosa. Filamenta lihera vel alte connata (eodem 
loco!), ad medium fere dilatata et intus villosa, suhtiliter 
biglandulosa. Ovarium hreviter villosum. Capsula depressa, 
minima, 2'5mm lata, coccis ecorniculatis grosse glanduloso- 
tuherculatis, saepe calvescentibus. 

Syn.: Ha2)lophyllum tuherculatum aut. Atlantic, non (Forsk.) Juss. 
Exsiccata: Fragmenta florae Algeriensis, Nr. 320. 

Balansa, Plantes d'Alg6rie, 1853, Nr. 910. 

Chevallier, Plantae Saliarae Algeriensis, Nr. 179. 

Kralik, Plantae Tunetanae, Nr. 163, 163 a. 

Petrovicli, Flora Cyrenaica, Nr. 187, sämtlich als Ilapl. 
tuherculatum. - 
üistributio: Cyrenaica (Benghasi), Tunesia, Algeria. 

17. Ilajßlophyllum tuberculatnm 
(Forsk.) Juss., M6m. s. 1. Butac. in M6ra. Mus. Hist. nat., XII, p.528 j 
i\y>2'))] Deless., Iconcs sei. pl., III, p. 26, Tab. 43 (1837); Boiss., 
Fl. Orient., 1, ]). 940 cum ß. ohovatum excl. y.^) 
Syn.: Ruta tuherculata Yor^k., Fl. Aegypt.-Arab., Descr., p. 86 
(1775;; DC, Prodr., I, p. 711, cum a. ForsJcaJdii et 
ß. Monthretii (1824j. 
Jiuta Monthretii Viv., PI. Aeg. Dec, p. 13 (1831). 

*) Die Ab})il(lunp^ von //. tuherculatum in .Jaul), et Spacli, III. i)l. oriont., 
III, Tab. 200 'iA'\ir\ Htark drÜHi^j^c i'cJahüi niul boliaarlo Früchte, dürfte dalier 
eine Kombination Hein. 



Die biovulaten Haplophylhim- Arten der Türkei. 



53 



Exsiccata: Bornmüller, Iter Aegyptiacum 1908, Nr. 10.480 
usque 10.485. 
Gaillardot, Nr. 325. 
Hartman n, Nr. 143. 
Hildebrandt, Nr. 75. 

Kneiicker, Reise n. Algier, Tunis, Griechenland, Malta u. 

Ägypten, Nr. 17. 
Kotschy, 1836, Nr. 686; Iter Syriacum 1855, Nr. 1351. 
Post, PI. deserti m. Mortui, Nr. 202, 203. 
Samaritani, Delectus plantarum Aegypti, Nr. 3214. 
Schweinfurth, Nr. 274, 1445. 

Unio itineraria 1835 (Scliimper), Nr. 292; (Wiest) Nr. 557. 
Distributio: Aegyptus inferior incl. Sinai, ad Nilum as- 
cendens versus Thebas usque. Palaestina australis. Arabia 
petraea finitima. E Turcia vidi speeimina: Diluvialboden v. Engedi 
(Hartmann: Bm, Hs). Wadi Zewerah (Lowne: Hfm). Ain Dschidi 
unterhalb Hebron (Ndbelek). Seil-ed-Dra zwischen el Kerak und 
esch Schobak (Arabia petraea) (Näbelek). Desertum maris Mortui: 
M. Baghik to Masada (Post: Bs). Wadi el Hafaf (Post: Bs). 

Während bei Hapl. longifolium die Behaarung des Kelches 

i an ein und demselben Standorte sehr verschieden ist oder auch 
ganz fehlt und das noch zu erwähnende H. StocJcsiamwi Ähnliches 
zeigt, ist bei dem mindestens ebenso reichlichen Material von H. 
tuberciilatum eine bemerkenswerte Regelmäßigkeit in diesem Merkmal 

! zu konstatieren. Alle Exemplare aus Palästina und der Umgebung 
von Alexandria, also von der nördlichen Verbreitungsgrenze der Art, 
sind nämlich kahlkelchig (var. leiocalycinum Hand.-Mzt.), während 
alle anderen Behaarung zeigen. Wieweit die Konstanz dieser Merk- 
male und damit dieser Sippe geht, wäre noch zu untersuchen. Ein 
Exemplar des H. tiiberciäatum von Ramleh, Camp de Cicar (Ron- 
darquet: Hs) hat die Früchte in der gleichen Weise behaart wie 
E. propinquimi. Was es damit für eine Bewandtnis hat, kann ich 
noch nicht entscheiden. Der Fall ist analog den oben erwähnten ver- 
kahlenden Exemplaren von H. propinquum; ich möchte wenigstens 
den hier vorliegenden für Zufälligkeit halten und die beiden Arten 
deshalb nicht vereinigen, zumal da die anderen im Schlüssel an- 
gegebenen Unterschiede wichtiger zu sein scheinen. 



54 



Heinrich v. Handel-Mazzetti. 



Durch die viel kleineren Blüten nach ebenfalls reichem Material 
konstant verschieden ist die von Steudel in Kotschyi, Iter Nubi- 
eiim (Unio itineraria 1841), Nr. 366 auf Grund der Blattform als 
var. öbovatum bezeichnete Pflanze, die ein südlich an jenes des 
II. tubercidatiim anschließendes Gebiet bewohnt, welches viel größer 
ist als das dieser Art. Da bei ihr breite Stengelblätter tatsächHch 
weitaus vorherrschen, möchte ich ihr auch als Art diesen Namen lassen. 

Haplophyllum ohovatum (Steud.) Hand.-Mzt.^ comb. nova. 

A Ilaplophyllo tnherculato (Forsh.) Juss. diversum florihiis 
aperüs 2 — fere 3 mm tantum longis. Galyces ciliato-puberuli. Folia 
ohovata, rarius lanceolata. Gmles saepe diffusi. Fructus 3 mm lati. 

Syn.: Buta iuherctilata var. ohovata Steud. in sched.: 
Kotschyi, Iter Nubicum, Nr. 366, nom nudum, non 
H. tnhercidatum ß. ohovatum Boiss., Fl. or., I, p. 940 
(1867). 

Exsiccata: Ascherson, Nr. 333. 

Aucher-Eloy, Herb. d'Orient, Nr. 816. 
Cienkowsky, Nr. 458. 
Deflers, PI. de Yemen, Nr. 518. 

Kotschyi, Iter Nubicum (Unio itineraria 1841), Nr. 366. 
Letourneux, Plantae Aegyptiacae, Nr. 236. 
Montbret, Nr. 249 1) 

Rohlfs Expedition in die Lybische Wüste, Nr. 322. 
Schweinfurth, Itcr Ccntrali-Africanum, Nr. 864; Nubische 
Küste, Nr. 1444; Nihifer zwischen Kairo und Keneh, 
Nr. 1443; in der großen Oase, Nr. 332. 
Sieb er, Nr. 14. Sämtlich als Uida, bzw. Ifapl. tubercidatiim. 
Distributio: Aegyptus superior a Keneh infra Thebas ad 
Nilum fSch weinfurth: ilfm, specimen mancum formae transitoriaeV) 
et Oasi Farafreh (Ascherson: UnW, item!) ad mcridicm. Nubia 
usfjue ad ('liartum et ad Kas Hanai litoris maris Rubri. Yemcn: 
Dshula, 2300 m rDcflers: P>B). 

Kiiif d(;Mi //. fuhrrcMtatuni sehr iiahcsiclioiHic Pdanzc \\\\ Osten 
IhI wieder merkwürdig durch regelloses Variieren oder Fehlen der 

•) Rutn Aforiihrclii Viv. fifchört nacli einem ()ri^nii:i](ixenipl;ir im IlCm. 
nicht hierher, »oikUth zu //. luJtcrculaluni, uiul ,s(;immf vom Kiiiro. 



Die biovulaten Hoplophyllxm-Avten der Türkei. 



55 



KelcbbehaaruDg an einem und demselben Standort. Es ist dies 
Haplophyllum Stocksianum Boiss.. Diagn. pl. nov., Ser. IL Nr. 1, 
p. 117 (1854); Fl. or., I, p. 940 (1867). Die Art ist sehr veränderlich 
in Größe und Blattform; die Nr. 202, 203 und 204 von Bornmüller, 
Iter Persico-turcicum (cfr. Beih. z. Bot. Zentralbl., XXYIII, Abt. II, 
p. 168) kann ich nicht für verschieden halten von Nr. 200 und 203 b 
desselben Exsikkates. Die Pflanzen haben verhältnismäßig große 
Blüten von 5 — 6 mm Länge und lassen sich schon deshalb nicht 
ohneweiters zu einer anderen Art dieser Vervrandtschaft ziehen. Sie 
sind leider, wie auch die Originalexemplare des Herb. Boiss.. ohne 
reife Früchte und teilweise in ganz jugendHchem Zustand, so daß 
ich mir ein abschließendes Urteil darüber nicht bilden kann. 

Zweifelhaft ist mir die jugendUche kleinblütige Pflanze von 
Maskat (Aucher, Nr. 4311: Bs), vielleicht kahlfrüchtiges iT.^iropm- 
quiim oder H. ohovatum? 

NB.: Haplophyllum crenulatum Boiss., Diagn. pl. nov., 
S6r. II, Nr. 1, p. 117 (1854); Fl. Orient., L p. 942 (1867), weicht 
durch die langgestreckten Fruchtkuotenklappen, kaum gewimperte 
Filamentbasis und die großen Blüten weit von den hier besprochenen 
Arten ab. Die Blüten entsprechen im Habitus ganz jenen der Q/ta- 
driovulata und ich halte es für beinahe sicher, daß H. crenulatum 
mehrovulat ist. Boissier hat dies nach der vorliegenden Analyse 
nicht untersucht und ich konnte es an dem spärlichen Original- 
material auch nicht nachprüfen. Dann ist damit identisch Buta 
(§ Hapl.) affinis Aitch. et HemsL, Bot. of Afghan. Delim. Com. in 
Transact. Linn. Soc, Ser. 2, III, p. 45, Tab. 5, Fig. 1—10 (1886), 
deren Exemplare im Herbier Boiss. auch vereinzelte große Drüsen- 
höcker an den Stengeln besitzen. 



56 



Franz Poche. 



über drei Anträg"e 

zur 

Einscliräukung der Zahl der Namensänderungen nnd zur 
Abschaffung des liberum yeto in der Nomenklatur- 
kommission, und über Herrn Stiles' Vorgehen bei der 
Zustandebringung der Gutachten („Opinions") dieser. 

Von 

Franz Poche, Wien. 

(Eingelaufen am 28. Januar 1913.) 

In mehreren vor kurzem erschienenen V^röifentlichungen 
wurden die gedachten Anträge oder wenigstens einzelne der darin 
behandelten Gegenstände erörtert. In einigen von jenen wurden 
jedoch Ansichten über den Zweck und die Bedeutung eines Teiles 
dieser Anträge ausgesprochen, die den Tatsachen direkt wider- 
streiten. Als einer der Unterzeichner jener Anträge bin ich von 
dem Wunsche erfüllt, daß, wie immer das endliche Urteil über sie 
ausfallen mag, es nicht auf irrtümliche Ansichten über sie ge- 
gründet sei. Ich möclite daher die betreffenden Punkte hier kurz 
erörtern. — Da ich unlängst (1912 b) u. a. die gedachten Gegen- 
stände eingehend besprochen habe, so werde ich zur Begründung 
meiner Aiisicliten oft auf diese Arbeit verweisen. (Selbstverständlich 
involviert dies nicht, daß die betreffenden Autoren die darin vor- 
gebracliten Argumente hätten berlicksicbtigen sollen, zumal da ihre 
Arlieiten nocli vor dieser erschienen.) Daselbst sind auch die An- 
träf^e selbst veröffentliclit (p. 64 f., 91 und lüO). 

Mit Herrn N ulti ng (1912) stimme ich in allem Wesentlichen 
außer seinem Kndabschnitte (p. 725) überein. Hier verläßt er sich 
— und sehr begreiflicherweise - auf eine ihni von Herrn Stiles, 
dem nunmehr ein/igen Sekretär der Nomenklaturkommission, er- 
teilte Auskunft, daß der Internationale Zoologenkongreß „einen Be- 
Hchluß dahin ^rcfnßt hat, daß er ,ein einstimmiges Votum der Kom- 
miHHion \ f rl;iii-f. lH \or irgend eine Sache vom Kongr(;ß in Krwägung 



Ueber die Einschränkung der Zahl der Namensänderungen usw. 



57 



gezogen werden wird'", und macht „ehrerbietigst" den Kongreß 
lächerlich, weil dieser dergestalt sich selbst völlig die Hände ge- 
bunden habe. Auch dieser Teil seiner Darlegungen wäre nur zu 
gerechtfertigt, wenn die Auskunft, auf die er sich gründet, zu- 
treffend wäre. Dies ist aber keineswegs der Fall. Herr Stiles (1910, 
p. 764) macht allerdings eine Angabe, der zufolge die Statuten der 
Kommission, von denen die erwähnte Bestimmung einen Teil bildet, 
in der letzten allgemeinen Sitzung des Grazer Kongresses ver- 
lesen und vom Kongreß angenommen („adopted") worden seien. 
Ich habe jedoch bereits nachgewiesen (1912 a), daß dies der Wahr- 
heit direkt widerspricht, da besagte Statuten in keiner der öffent- 
lichen Sitzungen des Kongresses verlesen wurden und daher vom 
Kongreß nicht angenommen wurden und gar nicht angenommen 
werden konnten; und in ähnlichem Sinne spricht sich Brauer 
(1912, p. 227) aus. Zugleich protestierte ich auf das entschiedenste 
dagegen, daß Herr Stiles, und noch dazu in einer offiziellen 
Veröffentlichung in seiner Eigenschaft als Sekretär der 
Nomenklaturkommission, Statuten dieser als in der all' 
gemeinen Sitzung des Kongresses verlesen und vom Kon- 
greß angenommen anführt, während in Wirklichkeit weder 
das eine noch das andere geschehen ist. (Die anderen 
Kommissionäre sind selbstverständlich hieran vollkommen unschuldig; 
und es wäre auch ganz unberechtigt etwa vorauszusetzen, daß sie 
nachträghch für dieses Vorgehen des Herrn Stiles eintreten wollen. 
Es läge ja auch keinerlei Veranlassung hiefür vor, da die Wahl in 
die Kommission doch nicht etwa als eine Art Geschenk des Herrn 
Stiles betrachtet werden kann, wofür er Anspruch auf Dankbar- 
keit und treue Gefolgschaft hätte.) Herrn Nuttings Kritik des 
Kongresses verliert dadurch — ich darf wohl sagen erfreuHcher- 
weise — ihre Begründung. — Die verderblichen Resultate der 
gedachten Bestimmung der Statuten, in die sie in direktem 
Widerspruch mit dem der Kommission vom Kongreß er- 
teilten Mandat aufgenommen wurde, habe ich schon anderwärts 
erörtert (1912 b, p. 97— 101). Hier sei nur erwähnt, daß durch 
sie, wenn z. B. Herr Stiles gegen einen Antrag stimmt und alle 
anderen Kommissionsmitglieder und 99% aller Zoologen seine An- 
nahme dringend befürworten, sein Nein überwiegt und der Antrag 



58 



Franz Poche 



von der Kommission gar nicht vor den Kongreß gebracht werden 
kann ! 

Die Ausführungen des Herrn Stone (1912) scheinen, mit 
unkritischem Blick gelesen, sehr einleuchtend und lassen es nur 
vielleicht etwas rätselhaft, wie irgend eine Anzahl von Zoologen 
so kurzsichtig und beschränkt sein konnte, Anträge wie die von 
ihm so hart getadelten zu unterzeichnen. Bei genauerer Betrachtung 
ändert sich aber das Bild sehr bedeutend. — Zunächst unterschätzt 
er sehr die Wichtigkeit des speziellen Verfahrens zur Bestimmung 
des Typus von Gattungen, „so lange Jedermann dieselbe Methode 
gebraucht und die Methode genügend klar und bestimmt ist, um 
einheitliche Resultate zu liefern". Denn es gibt zahlreiche andere 
und zum Teil sehr bedeutsame theoretische und praktische Gesichts- 
punkte, die dabei in Betracht kommen. Solche sind: der Umstand, 
ob jenes mit dem Prioritätsgesetz in Einklang steht oder nicht; 
seine Resultate in der Paläontologie; die Zahl und Bedeutung der 
durch es bedingten Namensänderungen; die Möglichkeit einer 
zweckmäßigen Wahl bei der Festlegung eines Typus; die Möglich- 
keit eines einheitlichen Vorgehens bei der Festlegung des Typus, 
beziehungsweise der Aufteilung von Gattungen und von Arten etc. 
(8. Poche, 1912 b, p. 37 — 62). — „Das Eliminationsverfahren, das 
einige Zeit [i. e. vom Auftreten des Typusbegriffes bis wenigstens 
7Aim Jahre 1907 — der Verfasser] in Gebrauch war, war in dieser 
Hinsicht [s. oben] unbefriedigend." Das ist vollkommen zutreffend 
und wurde von mir selbst (t. c, p. IG f., 38 f.) ausdrücklich betont. 
„Es erwies sich als unmöglich Regeln zu formulieren", die in 
dieser Hinsicht genügten. Dies war keineswegs der Fall; nur war 
es nie ernstlich versucht worden. Zudem sind in einem der im 
'J'itei erwähnten Anträge, den Stone weiter unten kritisiert, aus- 
flilirliclie und I)e8timmte Regeln für die Anwendung des 
Eliminationsverfahrens in allen Fällen vorgeschlagen 
worden, wodurch der Haupteinwand, der — und bei dem bifl- 
lierigen Staude der Dinge mit Recht — gegen dieses erhoben 
wurde, hinfällig geworden ist. Es ist daher sehr befremdlich, 
daß Hf-rr Stone, (iiesc; Kegeln mit keinem Worte erwähnt, 
Hoiidern den ^.-edacliten Antrag scharf kritisiert und in erster 
Linie gerade auf (^rund deHS(!n, daß die darin vorgeschlagene 



Ueber die Einschränkung der Zahl der Namensänderungen usw. 



59 



Rückkehr zum Eliminationsverfahren — mangels genügender Regeln 
für seine Anwendung ■ — Chaos erzeugen würde. — Es ist ferner 
eine ganz unrichtige Verallgemeinerung, wenn Stone fortfährt: 
„Systematiker verlangten naturgemäß eine einfachere Methode die 
einheitliche Resultate liefern würde . . ."; denn es war immer nur 
eine entschiedene Minorität, die die Verwerfung des Eliminations- 
verfahrens wünschte. Noch weniger fand die first Speeles rule 
„sehr allgemeine Unterstützung als die Frage einer Änderung auf- 
geworfen wurde". Ganz im Gegenteil verfügte sie immer nur über 
eine relativ kleine Minorität, und ihr hervorragendster lebender Ver- 
treter sagt selbst: „sie kann keine Stimmenmehrheit von Syste- 
matikern erlangen" (Jordan, 1912, p. 436). — Herrn Stones 
weitere Behauptung, daß das gegenwärtig von den Regeln vorge- 
schriebene, von mir (1912 b, p. 26) die willkürliche Typusbe- 
stimmung genannte Verfahren bestimmt („definite") ist — was, 
wie aus dem Zusammenhang erhellt, bedeutet, daß es nicht 
zu Meinungsverschiedenheiten Anlaß gibt — , ist gänzlich unbe- 
rechtigt, wie ich zur Genüge gezeigt habe (t. c, p. 43 f.). Ebenso- 
wenig ist es „von allen Zoologen, die dem Internationalen Kodex 
folgen, angenommen worden"; ich erinnere nur an Hendels (1911, 
p. 89) kategorische Weigerung, dies zu tun. — Diese fast ununter- 
brochene Kette nachweislich falscher Behauptungen muß unser 
Vertrauen in Stones weitere Angabe: „Die Typen von tausenden 
von Gattungen sind neuerlich nach dieser Methode bestimmt worden 
. . .", deren Unrichtigkeit naturgemäß nicht leicht beweisbar ist, 
auf ein Minimum herabdrücken. Aber selbst wenn sie wahr wäre 
(was sie nach meinem besten Wissen nicht ist), sind ganz zweifellos 
die Typen von weit mehr Gattungen während der langen Herr- 
schaft des Eliminations Verfahrens festgelegt worden. — „Zoologen 
begannen zu fühlen, daß Beständigkeit und Einheitlichkeit endhch 
in Sicht waren — aber nein!" — gerade jetzt müssen zahlreiche 
Zoologen den gedachten Antrag stellen, „wo so befriedigender 
Fortschritt gegen Beständigkeit zu gemacht wurde". Hören wir, 
wie andere Autoren über den jetzigen Zustand der Nomenklatur 
denken (natürlich nicht ausschließlich in Bezug auf die Bestimmung 
des Typus von Gattungen). Nutting (1912, p. 724) z. B. spricht 
von dem Protest seitens der skandinavischen und finnischen Zoologen, 



60 



Franz Poche. 



formellen Schritteu seitens der British Association und der American 
Society of Zoologists (gegen die Regeln in ihrer jetzigen Gestalt), 
einem beträchtlichen Quantum individueller Feindseligkeit und in 
manchen Fällen offener Revolte. Bittere Klagen erheben auch 
Brauer (1912, p. 214f.), Kingsley (1912, p. 171), Ziegler (1911) 
etc. etc. Gewiß ist „befriedigend" in letzter Linie ein subjektiver 
Begriff', und ich bin überzeugt, daß der jetzige Zustand für Herrn 
Stiles und einzelne andere sehr befriedigend ist, darunter offenbar 
für Herrn Stone; aber die angeführten Tatsachen und Äußerungen 
lassen keinen Zweifel, daß seine Behauptungen meilenweit von der 
Wahrheit entfernt sind, was die Allgemeinheit der Zoologen betrifft; 
und für diese beanspruchen sie Geltung. — Stone sagt selbst, 
dal] es statthaft ist, die Regeln zu ändern, wo sie unbestimmt sind (in 
dem oben dargelegten Sinne). Wie wir oben gesehen haben, ist 
dies bei der willkürlichen Typusbestimmung der Fall; also ... — 
Es wird ferner nicht beantragt, „zurück und vorwärts zu pendeln 
um den Ansiebten jetzt einer Koterie von Forschern zu entsprechen, 
und jetzt einer anderen"; sondern triftige Gründe für die Ände- 
rung sind zugleich mit dem Antrag gegeben worden, und seitdem 
viel ausfübrlicher von mir (t. c, p. 37 — 66). Überdies würde dieses 
Argument sowie ein anderes von Stone vorgebrachtes, nämlich, 
dal) die Rückkehr zum Eliminationsverfahren unser Vertrauen in 
die Beständigkeit irgend einer Aktion der Kommission erschüttern 
würde,, wenn es zutrefl'end wäre, genau ebenso für die in Boston 
vorgenommene und von ihm so gepriesene Änderung der Regeln 
gelten, da das Eliminationsverfahren am Berliner Kongreß (1901) 
einstimmig angenommen worden war! In Wirklichkeit ist aber Be- ! 
ständigkeit sicherlich sehr wünschenswert, aber ganz gewiß nicht! 
auf Kosten der Wissenschaft und des Fortschrittes (cf. t. c, p. 99). — 
Herr Stone irrt ferner sehr mit seiner Behauptung, daß es be- 
antragt wird, den gedachten Vorschlag und Nomcnklaturfragcn über- 
haupt ..nicht vor die Nomenklaturkommission, sondern vor den 
ganzen Zoologenkongreß" zu bringen und so die erstere zu ignorieren 
Mit keinem Wort wird gesagt, daß dieser Antrag oder andere Nomen 
kiaturfragen nicht vor die Kommission gebracht werden sollen. Was 
erfiteren betrifft, so crHUchcn die Unterzeichner gewiß, ihn vor das 
Plenum des Kongresses zu bringen, um zu vermeiden, daß er inner- 



Ueber die Einschränkuog der Zahl der Namensänderungen usw. 



61 



halb der Kommission mittels des so illegaler Weise eingeführten libe- 
rum Veto (s. oben p. 57) unterdrückt werde, wie eines ihrer Mitglieder 
sieherhch getan hätte. Aber dieses Ersuchen war gerade au die 
Kommission gerichtet, an die — und zwar sogar an mehrere von 
deren Mitgliedern — der Antrag in erster Linie geschickt wurde. 
Seitdem wurde er mit allen neu hinzugekommenen Unterschriften 
an Herrn Blanchard, den hochverdienten Präsidenten der Kom- 
mission, gesandt. Und was Nomenklaturfragen im allgemeinen be- 
trifft, so wird ausdrücklich beantragt, alle jene Vorschläge zu 
Änderungen der Regeln dem Plenum des Kongresses zu unter- 
breiten, die die absolute Majorität des Sollstandes der Xomenklatur- 
kommission (i. e. 8 Stimmen") und der Stimmen der Kommissions- 
mitgUeder erhalten haben, die bei der Abstimmung über den 
bezüglichen Antrag anwesend sind, die innerhalb der Xomenklatur- 
kommission am betreffenden Zoologenkongreß selbst stattfindet. 
Dies setzt also offensichtlich voraus, daß alle solche Anträge zuerst 
vor die Kommission gebracht werden. Wie Herr Stoue angesichts 
dessen so sprechen kann wie er es tut. ist mir uu verstäudlich. 
Und sogar dieser so sehr gemäßigte Antrag, der weit weniger 
verlangt als das der Kommission vom Kongreß erteilte Mandat, 
wäre nicht gestellt worden, hätte nicht Herr Stiles die Annahme 
des längst allgemein verworfenen liberum veto in der Kommission 
durchgesetzt. — Weiter kann Herr Stone ..nicht anders als ver- 
muten, daß manche der Unterzeichner dieser Petition durch das 
gänzlich irrige Argument beeinflußt worden sind, daß die Ände- 
rungen in bekannten Gattungsnamen alle auf die jetzige Methode 
der IN'pusbestimmung zurückzuführen sind". Daß dem nicht so 
war, erhellt schon daraus, daß ein anderer der Anträge die Nicht- 
berücksichtigung aller solchen Publikationen fordert, welche von 
Stiles in nachweisbar irrtümlicher Weise als den Grundsärzen der 
binären Nomenklatur entsprechend betrachtet werden, die ebenfalls 
zahlreiche solche Änderungen verursacht haben ,cf. Mathews, 1911, 
p.lf.; Poche, 1912b. p. 75 — 91). Überdies kann ich, über die 
ganze Aktion gut informiert. Herrn Stone versichern, daß meines 
Wissens ein derart irriges Argument beim Sammeln von Unter- 
schriften niemals gemacht worden ist. Daß aber viele solche Än- 
derungen auf die jetzt in Kraft stehende willkürliche Typusbestim- 



62 



Franz Poche. 



mimg zurückzuführen sind - weit mehr als das Eliminationsver- 
fahren erfordern würde - und eine noch viel größere Zahl durch 
sie ermöglicht und geschützt wird, hahen verschiedene Autoren 
überzeugend dargelegt (s. Poche, t. c, p. 53 f. und die dort zitierte 
Literatur). Gewiß gibt es noch andere Ursachen solcher Ande- 
ruuo-en; aber die von Stone in erster Linie beschuldigte, nämUch j 
exzessive generische Teilung, kann in diesem Zusammenhange 
füo-lich überhaupt nicht angeführt werden, da dies eine systematische 
und nicht eine nomenklatorische Frage ist. Und mit letzteren allein | 
befaßt sich die vorliegende Aktion und kann sich vernünftiger Weise 
nur mit ihnen befassen wollen. - Betreffs Stone s letzter Fußnote 
gegen Nutting (1912) verweise ich auf das oben (p. 56 f.) Gesagte. 

Bald darauf erschien ein Resum6 der drei gedachten Vor- 
schläge mit einer sehr günstigen Beurteilung von Herrn 
Kingsley (1912). Überdies erbot er sich in liebenswürdigster ^ 
Weise Jedermann auf Wunsch Exemplare derselben zu senden. 

Ganz anders urteilt Herr Dali (1912) über zwei dieser An- , 
träge sowie über einige andere von der Deutschen Zoologischen 
Gesellschaft. Es liegt außerhalb meines Rahmens, auf letztere ein- 
zugehen; aber der erste Teil seiner Arbeit bezieht sich auf beide Kom- , 
plexe von Anträgen im allgemeinen und muß daher hier berück- 
sichtigt werden. Das nachstehend Gesagte beansprucht jedoch nur 
insoweit Geltung, als die uns hier beschäftigenden Anträge in Be- j 
tracht kommen. — Herr DaU beginnt mit keiner geringeren Behaup-Ij 
tung, als daß „viUlige Demoralisation der zoologischen Nomenklatur Ii 
. ."^'der Annahme dieser Änderungen folgen würde". Wie unge- 
rechtfertigt diese ist, geht schon aus der ^i^atsachc hervor, daß dio, 
die er mißbilligt, nur eine — und zudem bloß teilweise — Riidv 
kehr zu (1(mi bis 1907 in Kraft gestandenen Bestimmungen vor 
langen!, die ihrerseits klar und bestimmt formuliert werden, wo 
8ie in dieser Hinsicht mangelliaft waren. — Betreffs des Umstandes, 
daß er nicht „den Namen eines einzigen Experten in solchen Sachen 
unter den [sehr wenigenj von Prof. Kingsley fUr sie angeführten" 
Bichl, HO l^ranchtc Dali nur von dem freundlichen Anerbieten dieses 
Herrn Ocbraudi zu ijiachen, um die Namen mehrerer zu finden 
und jetzt wird er eine Anzahl weitere in den soeben von nm 
(1912b, p. 6r>f., 91 und lOOj veridrentlichten Listen der IT)« Zoo 



Ueber die Einschränkung der Zahl der Namensänderungen usw. 



63 



logen verschiedener Nationen finden, die sie meines Wissens bis 
dahin unterzeichnet hatten. — Weiter erklärt Herr Dali, „daß es die 
vergangene Änderung der ursprünglichen Kegeln der British Asso- 
ciation in ähnlicher Weise [im Original nicht gesperrt — der 
Verfasser] durch tibereilte und schlecht unterrichtete Aktion ist, die 
für neunundneunzig aus jedem hundert der jetzigen Schwierigkeiten 
verantwortlich ist". Einigen Punkten dieser Behauptung muß ich 
leider widersprechen. Zunächst können die Internationalen Regeln 
(die er offenbar im Auge hat) in keiner Weise eine „Modifikation" 
der „ursprünglichen" Regeln der British Association genannt werden, 
da sie bekanntlich ganz unabhängig von diesen entworfen wurden. 
Wären sie aber durch Modifikation dieser gebildet worden, so 
könnte diese Aktion sicher nicht tibereilt genannt werden, indem 
diese 1845 und 1846 angenommen wurden, erstere dagegen 1889 
und 1892! — und zwar als das Ergebnis zweier äußerst sorgfäl- 
tiger, kritischer Arbeiten Blanchards, nach einer jedesmal mehrere 
Sitzungen ausfällenden Diskussion (siehe Blanchard, 1905, p. 6 f.). 
Drittens war auch die hier in Rede stehende Aktion in keiner 
Weise „übereilt", sondern wurde erst nach gründlicher Erwägung 
aller einschlägigen Momente unternommen. Es wäre interessant zu 
wissen, woher Dali die Informationen geschöpft hat, die ihn zu 
einer solchen Behauptung berechtigen könnten. Viertens ist es ge- 
rade der zu beweisende Punkt, daß die fragliche Aktion „schlecht 
unterrichtet" war, und kann dies daher nicht als Argument gegen 
sie verwendet werden. Fünftens ist es absolut unwahr, daß so 
gut wie alle jetzigen Schwierigkeiten durch solche Punkte veran- 
laßt sind, worin die jetzigen Regeln von denen der British Asso- 
ciation abweichen, wie Dalls Behauptung unab weislich involviert. 
Und endlich: wäre es wahr, so wäre dies das beste Argument für 
die in Rede stehenden Anträge, die, so weit sie reichen, eine Rück- 
kehr zu dem unter eben diesen Regeln bestandenen Zustand be- 
fürworten. Denn unter diesen wurde vorangegangene Elimination 
als für die Festlegung des Typus einer Gattung bindend betrachtet, 
' und man träumte nicht einmal von einem liberum veto eines ein- 
zelnen Autors. (Von dem noch übrigen Antrag brauche ich hier 
nicht zu sprechen, da Herr Dali selbst ihm vollkommen beistimmt.) — 
Seine folgenden Bemerkungen zeigen deutlich, daß er „die Schar 



64 



Franz Poche. 



der Anatomen, Morphologen und anderen" nicht als „professionelle 
Naturforscher" betrachtet, sondern dieses auszeichnende Attribut 
den Systematikern reserviert. Bei vollster Anerkennung der unge- 
heueren Wichtigkeit der Systematik ist es kaum nötig, auf das Un- 
zutreffende der darin involvierten Ansicht über den Umfang des 
Gebietes der Naturforschung einzugehen. Und, sagt Dali, „die 
Männer die wirklich moderne Arbeit in der systematischen Zoo- 
logie leisten" sind nicht die Leute, die sich in Schwierigkeit be- 
finden. Hätte er die Anträge, über die er schreibt, angesehen, so 
hätte er zahlreiche fraglos zu jener Kategorie gehörende Forscher 
unter den Einbringern derselben gefunden, während seitdem viele 
andere dazugekommen sind, so daß es sehr danach aussieht, als 
ob auch sie sich ja in Schwierigkeiten befinden. — Der nächste 
Abschnitt nimmt unsere Anträge wieder sehr hart mit. Da er aber 
bloß allgemeine Behauptungen enthält, so ist es ebenso unnötig 
wie es schwierig wäre, näher darauf einzugehen. Es genüge zu 
sagen, daß sie, soweit sie sich auf jene beziehen, gänzlich unbe- 
gründet sind, wie wir durch eine Prüfung von Dalls speziellen 
Bemerkungen über jeden von jenen sehen werden. — Zu meiner 
großen Freude stimmt er dem ersten Antrag vollkommen bei. Er 
wird aber wahrscheinlich ebenso erstaunt sein wie andere es waren, 
wenn er erfährt, da 13 die von Autoren wie Brisson und Gronow 
angewandte Nomenklatur binär ist, nämlich nach dem Verdikt 
Stiles' (cf. Poche, 1912b, p. 75— 83). — Aus seiner Kritik des 
Antrages auf Wiedereinführung des Eliminationsverfahrens geht klar 
hervor, daß er den Antrag, den er so scharf tadelt, nie ge- 
sehen hat fsicl), sondern seine Kenntnis desselben lediglich aus 
Kingleys Kesum6 (1012, p. 171) schJipft, auf dessen Wortlaut er 
seinen Angriff gründet, obwohl es ganz augenscheiiiHcli ist, daß 
dieses nicht den Anspruch macht, alle Einzelheiten der Anträge 
zu bringen. Überdies schrieb Herr Kingsley für Zoologen und | 
hielt es daher vermutlich nicht für nötig ausdrücklich anzuführen, j 
daß die fragliche BcKtimniung sich nur auf Gattungen bezieht, deren 
Typus (zur Zeit der l)ctreffen(ien Klinnnation) noch nicht festgelegt i' 
ist — eine für jeden mit den Grundbegriffen der Nomenklatur Ver 
trauten Hclbstvcrstiindliche Sache. Da in jener Bestimmung in Ver- 
bindung mit den anderen des Artikels 30, in den sie eingefügt 



Ueber die Einschränkung der Zahl der Namensänderungen usw. 



65 



werden soll, volle Antworten auf alle Fragen Dalls gegeben 
werden, ist es unnötig, hier auf sie einzugehen. Dadurch verliert 
natürlich sein durch diese Fragen gestütztes Argument, daß wir in 
diesem Antrag „Ungewißheit auf Zweifel gehäuft haben", jede 
Grundlage. [Eine noch ausführlichere Besprechung aller einschlä- 
gigen Punkte habe ich kürzlich gegeben (1912 b, p. 16—24).] — 
Sodann behauptet Herr Dali, daß es ferner beantragt wird, „daß 
die Entscheidung von Nomenklaturfragen Experten weggenommen 
und durch Volksabstimmung [sicl] erledigt werde". Dies ist eine 
gröbliche Entstellung der Tatsachen, wie nicht nur aus dem Antrag 
selbst, sondern auch aus Kingslejs Bericht darüber ersichtlich 
ist. Denn die Kommission (sie ist natürlich mit „Experten" ge- 
meint) hat keinerlei legislatorische oder entscheidende Gewalt und 
war niemals als Trägerin einer solchen gedacht; diese ist und war 
immer dem Plenum des Kongresses vorbehalten. Wie könnte also 
beantragt werden, der Kommission zu nehmen, was sie nie besaß? 
Der wirkHche Zweck des Antrages ist, wie Kingsley klar dar- 
gelegt hat, das liberum veto in der Kommission selbst abzu- 
schaffen. — Dalls nächste Bemerkung ist jedoch zutreffend: „Jeder- 
mann, der bereit ist fünf Dollars zu subskribieren, darf abstimmen", 
i. e. alle Mitglieder des Zoologenkongresses ; „heterogene Subskri- 
benten von fünf Dollars'', wie er sie weiterhin tituliert. Ich halte 
es für unnötig, diese hochansehnliche Körperschaft gegen 
die darin involvierte Qualifikation zu verteidigen und will 
nur erwähnen, daß es sich bis jetzt zum Glück nicht als notwendig 
erwiesen hat, formale Beschränkungen der Erwerbung der MitgUed- 
schaft des Kongresses mit dem Recht abzustimmen etc. einzuführen. 
Sollte dieses liberale Vorgehen je zu Mißständen führen, so würde 
ich einer der ersten sein, die Abhilfe verlangen. 

Es erweisen sich also alle Argumente des Herrn Dali 
gegen unsere Anträge, so bestechend sie beim oberflächlichen 
Lesen sein mögen, bei kritischer Prüfung als entweder auf eine 
durchaus irrige Vorstellung von diesen gegründet oder 
anderweitig gänzlich unstichhaltig. 

Von ganz anderer Qualität ist eine Arbeit des Herrn Jordan 
(1912). Nur zu ein paar Punkten möchte ich mir erlauben ein 
oder zwei Worte zu sagen. — Betreffs seiner Bemerkungen über 

Z. B. Ges 63. Bd. 5 



66 



Franz Poche. 



die Festlegung des Typus von Grattungen und speziell über das 
Eliminationsverfahren verweise ich nur auf das oben (p. 58 f.) Ge- 
sagte, ebenso betreffs dessen, was er über das Bringen von Nomen- 
klaturregeln vor das Plenum des Kongresses zur Abstimmung sagt 
(s. p. 60 f.). — Was die Behandlung von nichtbinären Autoren be- 
trifft, so gereicht es mir zu großer Befriedigung, daß Jordan der 
Ansicht zuneigt, die im ersten der gedachten Anträge ausgesprochen 
ist und von mir anderweits (1912 b, p. 75 — 85) ausführlich erörtert 
wurde. — Ebenso stimme ich ihm von ganzem Herzen bei in seiner 
Befürwortung „der Anerkennung von Gesetz als höherstehend als 
persönliche Vorliebe oder zeitweilige Bequemlichkeit". 

Betreffs des Verhältnisses dieser Anträge zu einigen anderen, 
die die Deutsche Zoologische Gesellschaft stellt, sei erwähnt, 
daß sie mit letzteren in keinem Punkte in Widerspruch stehen, 
wie schon daraus erhellt, daß bereits eine Anzahl der an letzteren 
beteiligten Zoologen auch jene unterzeichnet haben. Sie gehen in 
einer Hinsicht weiter, in anderen weniger weit als die der 
Deutschen Zoologischen Gesellschaft, und betreffen zum Teil Punkte, 
die in diesen überhaupt nicht berührt sind. In ihrem Endzwecke 
stimmen sie vollkommen mit diesen überein; nur suchen sie ihn 
im Gegensatz zu diesen nicht durch einzelne Ausnahmsbestimmun- 
gen, sondern auf ordentlichem Wege auf Grund anerkannter 
nomenklatorischer Grundsätze zu erreichen. 

Endlich gibt Herr Stiles (1912) eine Darstellung des Ur- 
sprunges des jetzigen Verfahrens in der Nomenklaturkommission 
(i. e. des liberum veto) — oder vielmehr, was er als eine solche 
betrachtet wissen will — , veranlaßt durch einen einstimmig ange- 
iioiiiniencn Antrag der American Society of Zoologists, Central j 
Brandl, auf Abschaffung dieses liberum veto, der sich im 
weHciitliclicn mit dem entsprechenden oben besprochenen deckt. 
— Wir erfahren vor allem, daß die Mitglieder der Kommission 
[worunter Herr Stiles] vor dem Cambridger Kongreß auf ihre 
eigenen Kosten zuHanimenkam(;n. Ein Eingehen auf seine Dar- ^ 
legung(!n Über das Verfahren (l(;s Komitees dieses Kongresses gegen- 
über der Konimission ist Überflüssig, indem die Aufgabe sowie die 
ganze Natur dieser damals eine ganz andere war als heute (8. 
MatHehie, \'M)'2, S. I*2'.)— li-il ; Blanchard, 1905, S. 7— J Ij. Ich 



Ueber die Einschränkung der Zahl der Namensänderungen usw. 67 

erwähne daher nur, daß ihr der Auftrag, alle einschlägigen An- 
träge zu prüfen und darüber zu berichten, überhaupt erst auf 
diesem Kongreß erteilt wurde (s. 11. cc), so daß frühere Gescheh- 
nisse zur Rechtfertigung eines Abweichens davon von vornherein 
nicht herbeigezogen werden können. — Den Tatsachen 
direkt widersprechend ist aber Stiles' weitere Angabe: 
„Demgemäß wurde über die Arbeit der Kommission von den drei 
ersten Jahren kein Beschluß gefaßt [„was not acted upon"]." Denn 
es wurde ein, und zwar höchst wichtiger, Beschluß über den 
weitaus größten Teil jener gefaßt, zwar nicht am Cambridger, 
wohl aber am darautfolgenden Berliner Kongreß (s. Matschie, t. 
c, p. 931), bei dessen Besprechung Stiles aber ebensowenig ein 
Wort davon erwähnt. — Seine weitere Angabe über den Konsensus 
der Ansichten bei Konferenzen „mit vielen verschiedenen hervor- 
ragenden Zoologen" entzieht sich der Kontrolle; jedenfalls haben 
die Ereignisse diesen Ansichten unrecht gegeben (s. unten). — 
Über den „Bericht" der Kommission sagt Herr Stiles, daß er in 
der öffentlichen Sitzung dieser gelesen wird, und wenn jemand 
gegen irgend einen Teil davon protestiert, „hat er nur ein Mit- 
gUed der Kommission zu überzeugen, daß der fragliche Teil ge- 
strichen werden sollte. Dieser eine Kommissionär hat die Macht, 
den fraglichen Teil zu hindern vor den Kongreß zu kommen". 
Diese Behauptung ist ebenfalls unrichtig, indem dies keines- 
wegs von allen Teileti des Berichtes gilt, sondern lediglich von 
jenem, der etwaige Anträge auf Änderungen der Nomenklaturregeln 
enthält (s. Stiles^ 1910, p. 764). Und außerdem war wenigstens 
am letzten (Grazer) Kongreß die Sache so^ daß die besagte öffent- 
i liehe Sitzung an einem Nachmittage (18. August) stattfand, wo sie 
bis ungefähr 5 Uhr dauerte, w^ährend die Verlesung des Berichtes 
, in der allgemeinen Sitzung am nächsten Morgen erfolgte, ohne 
i daß in der Zwischenzeit noch eine „exekutive Sitzung" der Kom- 
mission stattgefunden hätte; es wäre auch füglich nicht mehr 
tunUch gewesen, erforderlichenfalls etwa noch eine solche einzu- 
I berufen, zumal da in jener öffenthchen Sitzung keineswegs alle 
1 am Kongreß teilnehmenden Kommissionsmitglieder anwesend waren. 
! Da aber ein so wichtiger Akt wie die Streichung einer beantragten 
Änderung der Nomenklaturregeln doch wohl nur in einer exe- 

5* 



68 



Franz Poche. 



kutiveu Sitzung* der Kommission vorgenommen werden könnte, so 
ist es nicht recht klar, wie ein dafür gewonnenes Mitglied eine 
solche Streichung hätte durchsetzen sollen; zum mindesten wären 
ihm wohl recht bedeutende Schwierigkeiten gemacht worden. In 
praxi läuft die Sache also darauf hinaus, daß allen Mitgliedern 
des Kongresses gestattet wird, in der besagten Sitzung über den 
Bericht der Kommission zu reden, was sie wollen — was ja an 
sich recht schön ist; nur hat Herr Stiles diesen dann bereits definitiv 
fertiggestellt und bleibt derselbe genau so wie er ist. — Durch 
dieses Verfahren soll nach Stiles verhindert werden, daß die all- 
gemeinen Sitzungen zu Diskussionen über Nomenklatur werden. 
Das ist gewiß von Vorteil; ganz besonders freilich für Herrn 
Stiles selbst, der hier bei weitem nicht eine so de facto fast 
absolute Herrschaft hat wie in der Kommission (s. unten). Denn 
es wäre für ihn sehr ungelegen, wenn bei der Verlesung 
eines seiner „Berichte" dem Plenum gleich klargemacht 
würde, daß danach jeder Autor das Kecht haben soll, eine Art 
nachträglich als Typus einer Gattung zu „bestimmen", die bereits 
längst aus dieser entfernt und sogar zum Typus einer anderen, 
allgemein angenommenen Gattung gemacht worden ist; daß der Be- 
richt involviert, daß eine zoologische Nomenklatur auch vor 1758, 
ihrem allgemein angenommenen Ausgangspunkt, anzuerkennen 
ist; daß darin ein nachweislich unrichtiges Gutachten u. a. auf 
Grund einer Verwechslung seinerseits der Begriffe Artname 
und Name der Art abgegeben wird; daß Stiles in seinem Bericht 
wissentlich ein Werk als binär bezeichnet, in dem die Arten fast 
alle poly nominal oder mononominal benannt sind! (s. Poche, 11) 12b, 
p. 72—1)0) usw. Im übrigen betrifft der erwähnte Vorteil aber 
nur die Abhaltung (iiner öffentlichen Sitzung der Nomcnklatur- 
komniission — eine Einrichtung, gegen die von niemandem ein 
Einwand erhoben wurde — und hat mit dem liberum veto 1 
nicht das Mindeste zu schaffen. — „Ferner", sagt Stiles, 
„werden plötzliche und un weise Änderungen in den Kegeln ver- 
mieden. Die Theorie ist, dali wenn fünfzehn Spezialisten in Nomen- 
klatur Uber irgend einen Punkt übereinstimmen können, die mathe- | 
matiHchcn Walirscheiiiliclikeitcni sind, daß jener Punkt richtig ist." 
iJaH Nicliterreiclien eines (MiiHtimmigen Votums schützt die itegcln 



Ueber die Einschränkung der Zahl der Xaraensändernngen usw. 



69 



vor plötzlichen ÄndeniDgen und vor vakzinierenden Änderungen von 
einem Kongreß zum andern. — Wieso eine Änderung weniger 
plötzlich sein soll, weil sie von den Kommissionsmitgliedern ein- 
stimmig befürwortet wird, ist gänzlich unverständlich. Mit 
dem nächsten Satze rennt Stiles nur eine offene Tür ein; denn 
kein Mensch wendet etwas dagegen ein, daß Anträge, die die 
Kommission einstimmig empfiehlt, dem Kongreß vorgelegt werden. 
Trotzdem involviert jener eine Unrichtigkeit: denn keineswegs 
sind, beziehungsweise waren alle Mitglieder dieser Spezialisten in 
Nomenklatur, wie Herr Stiles wohl mindestens ebenso gut weiß 
wie ich, und machen sie zum Teil selbst nicht im entferntesten 
diesen x\uspruch. Im übrigen deckt sich seine Argumentation ganz 
mit dem, was ich (1912 b, p. 99j in einer, wie leicht ersichtlich, 
noch ohne Kenntnis seiner in Rede stehenden Arbeit geschriebenen 
j Abhandlung als den Grund anführte, den er vielleicht zugunsten 
jenes Hberum veto geltend machen werde. Zugleich zeigte ich, 
daß dieser in mehr als einer Hinsicht gänzlich unstichhältig ist, 
und betone nur noch, daß der hier in Rede stehende Antrag gegen- 
über dem analogen der amerikanischen Gelehrten ohnedies eine 
noch weitergehende Rücksicht auf die Stabilität der Regeln 
nimmt. 

I Ein Faustschlag ins Gesicht der Wahrheit ist es aber 

' vollends, wenn Herr Stiles weiterhin sagt: Am Berliner Kongreß 
wurde beschlossen .... ..daß alle Anträge [im Bericht der Kom- 
mission], über die die Stimmen geteilt waren, an die Kommission 
zurückverwiesen werden.'* Denn wie der offizielle Bericht über den 
Kongreß besagt i Verh. V. Intern. Zool.-Kongr. Berlin 1901, 1902, 
p. 884—886) und Herr Stiles, der sich damals lebhaft an der 
Verhandlung beteiligte, auch selbst sehr gut wissen muß, wurden 
daselbst mehrere Anträge gegen die Stimmen einer bisweilen 
starken Minorität der Kommission angenommen, während eine Rück- 
verweisung von irgendwelchen Anträgen au die Kommission über- 
haupt nicht Stattfandll — Es ist aufs schärfste zu mißbilligen, 
daß Herr Stiles, und noch dazu in seiner offiziellen Eigen- 
schaft als Sekretär der Internationalen Nomenklaturkom- 
mission, konkrete Tatsachen in derart der Wahrheit direkt 
entgegengesetzter Weise darstellt. Und zudem ist dies bei 



70 



Franz Poche. 



ihm nicht der erste solche Fall (s. Poche, 1912a). Ünd das 
Schlimmste dabei ist, daß dadurch, zumal bei der fast unumschränkten 
Autorität, die er über diese ausübt, das Ansehen der Kom- 
mission als solcher — so wenig die anderen Mitglieder für sein 
Vorgehen verantwortlich sind — aufs ärgste geschädigt wer- 
den muß. 

„Der Kommission wurde auch gründlich zu verstehen ge- 
geben, daß der Kongreß künftighin keine anderen als einstimmige 
Berichte wünsche.-' Durch das Vorstehende wird dieser Angabe 
von vornherein der Boden entzogen; es sei daher nur bemerkt, daß 
der Kongreß keinerlei derartigen unvernünftigen Wunsch 
geäußert hat — ich verweise wieder auf den offiziellen Kongreß- 
bericht — und daß etwaige Äußerungen einzelner Personen hiebei 
selbstverständlich in keiner Weise als maßgebend in Betracht 
kommen. 

Alle diese groben Unrichtigkeiten in Stiles' Darstellung lassen 
seine auf diese gegründeten Folgerungen^ daß das liberum veto 
sich auf Anregung des Kongresses selbst entwickelt habe usw., 
natürlich gleichfalls als gänzlich unzutreffend erscheinen, so daß ich 
mir jedes weitere Eingehen darauf ersparen kann. 

Damit, also mit dem Jahre 1901, hört Herrn Stiles' Dar- 
stellung des Ursprunges des liberum veto in der Kommission auf! 
Dies ist deshalb höchst sonderbar, weil er, wie wir oben 
(p. 57) gesehen haben, bei einer früheren Gelegenheit eine Angabe 
über eine 1910 erfolgte Annahme der betreffenden Bestimmung 
durch den Kongreß gemacht hat, die, wenn sie wahr wäre, die 
einfachste und schlagendste Rechtfertigung des bezüglichen Vor- 
gehens bilden würde und seine ganze so gründlich mißlungene ein- 
schiilgige Auseinandersetzung überflüssig gemacht hätte. Daß Stiles 
aber diese Angabe an einer StcllC; die geradezu nach ihr schreit 
und wo sie für ihn selbst von höchstem Werte wäre, nicht macht, ist i] 
wohl nicht anders als als ein Zugeständnis seinerseits zu er- 1 
klären, daß sie eben nicht wahr ist, wie ich (P.)12a) nachgc- 
wiesen habe. Nun erschien dieser mein Artikel im Zool. Anz. am 
25./r>. 1912, seiner dagegen in Science am 25./ 10. Da der unmittel- 
bar vorhergehende Artikel hier vom 18. /9. datiert ist und Herr 
Stiles UberdicH in einem Schreiben vom O./S. den Empfang eines 



Ueber die Einschränkung der Zahl der Namensänderungen usw. 71 



Separatums meines Artikels bestätigte, so ist es klar, daß er diesen 
zur Zeit der Abfassung des seinigen bereits kannte. Unter diesen 
Umständen wäre es meiner Ansicht nach ein Gebot des 
wissenschaftlichen Anstandes gewesen, daß er, wenn er über- 
haupt über die Sache schreibt, auch auf jenen Kardinalpunkt ein- 
geht und zu dem schweren gegen ihn erhobenen Vorwurf so oder 
so offen Stellung nimmt. 

[Zusatz bei der Korrektur. Am unterdessen stattgefundenen 
IX. Internationalen Zoologenkongreß in Monaco wurde ich einge- 
laden, die drei hier in Rede stehenden Anträge in einer Sitzung 
der Nomenklaturkommission zu vertreten. In Erwiderung auf meine 
Begründung des auf Abschaffung des liberum veto gerichteten stellte 
Herr Stiles wieder die vorstehend (p. 67 u. 69) als mit konkreten 
Tatsachen in direktem Widerspruch stehend nachgewiesenen Be- 
hauptungen auf. Ich wies daraufhin auch dort ihre Unwahrheit 
nach, bemerkte, daß Herrn Stiles selbst die betreffenden Tatsachen 
sehr wohl bekannt sein müssen, und betonte das Sonderbare des Um- 
staudes, daß seine einschlägigen Darlegungen mit dem Berliner Kon- 
greß (1901) abschliessen. Herr Stiles wies hierauf auf die vor- 
gerückte Zeit hin (es war gegen Mittag, möglicherweise auch 
einige Minuten darüber) und stellte den Antrag auf Schluß der 
Sitzung (der von der Kommission einstimmig angenommen wurde)]. 

Endlich erklärt Stiles, daß im Falle der Annahme des An- 
trages auf Abschaffung des liberum veto die „interessante Frage" 
entsteht, ob die vielen unter dem bisherigen Verfahren seit 1896 
definitiv erledigten Fragen wieder aufgerollt und vor das Plenum 
des Kongresses gelassen werden. — Es ist sehr schlimm, wenn 
der Sekretär einer Internationalen Kommission den Elementarbe- 
griffen der parlamentarischen Verhandlung in so völliger Un- 
kenntnis gegenübersteht. Denn es ist ganz selbstverständlich, 
daß einmal gefaßte Beschlüsse durch eine nachträgliche Änderung 
der Geschäftsordnung in keiner Weise beeinflußt werden. Und schon 
für den gesunden Menschenverstand vollends klar wäre dies in 
unserem Falle, wo ja die früheren Beschlüsse nach der Darstellung 
Stiles' (die wir freilich als den Tatsachen direkt widersprechend 
erkannt haben) nach einem für das Zustandekommen eines solchen 
ungleich schwierigeren Modus gefaßt worden wären als der nun- 



72 



Franz Poche. 



mehr beantragte es ist. — Unter diesen Umständen ist es wohl 
sehr schwer zu glauben, daß jene von Herrn Stiles aufgeworfene 
„interessante Frage" etwas anderes bezweckt, als mit allen 
Mitteln gegen jenen Antrag Stimmung zu machen — trotz 
seiner sonderbaren Versicherung, daß er niemandes Ansicht für 
oder gegen denselben beeinflussen will! 

Ich will hier — mit aller schuldigen Ehrerbietung gegen diese 
Körperschaft — noch einige Bemerkungen über die Art machen, wie 
Herr Stiles die Gutachten („Opinions") der Nomenklaturkom- 
mission zustande bringt. (Jene gelten aber nicht für die Gutachten 
1 — 5, die sich schon äußerlich von allen anderen unterscheiden.) 
— Der der Kommission vorgelegte Fall wird allen Mitgliedern 
dieser zugesandt, begleitet von einer „Diskussion". Diese ist zu- 
meist von Stiles verfaßt und stellt natürlich seine Ansicht dar 
(selten von ihm gemeinsam mit 1 oder 2 anderen Mitgliedern, 
und ganz ausnahmsweise von einem anderen MitgHed. Die folgenden 
Ausführungen werden jedoch durch diese letzteren Fälle in keiner 
Weise tangiert; es ist nur nötig, in Bezug auf sie den Namen zu 
ändern. Und zudem war dies in jedem Falle ein Mitglied, das 
„zufällig" dieselbe Ansicht hatte wie Herr Stiles.) Diese seine 
Ansicht ist bisweilen sehr fraglich richtig, und viel öfter nach- 
weisbar falsch, wie ich für mehrere Fälle gezeigt habe 
(1912 b, p. G7 — 96) und bald für eine ganze Anzahl weitere zeigen 
werde. Natürlich bemerken dies gegebenenfalls gewiUinlich ein 
oder mehrere Kommissionäre und stimmen auf eine der von ihm 
vorgeschlagenen entgegengesetzte Art. Oft begleiten sie ihre Ab- 
stimmung mit einer Widerlegung der Ansicht Stiles', die in vielen 
Filllcn absolut beweisend ist (obwohl er freilich augenschein- 
lich nie dieser Meinung ist). Diese Argumente bringt nun 
Stiles niemals zur Kenntnis der anderen Mitglieder (nur 
in einem einzigen Fall, in dem aber die betrenenden Aus- 
flllinin^atn ohnedies unzutreffend waren, nämlich beim (Jutachten 
49, Ii;it er dies getan). Alle diese Herren sind somit gezwung(in, 
ihre Stimme ausschließlich unter dem Einflüsse der Aus- 
führungen Stiles' abzugeben der ja ein bedeutendc^s Alaß 
v'.ii di.'ilcktisclicr ( Jcwandl ln'it besilzt — , während ihnen die 
Kenntnis der Gegengründe vorenthalten wird. Und anderer- 



lieber die Einschränkung der Zahl der Namensänderungen usw. 



73 



seits hat dadurch kein einziges Mitglied der Kommission eine 
auch nur im entferntesten ähnliche Möglichkeit, seine An- 
sicht angenommen zu sehen, wie Herr Stiles. (Dies kann 
auch keineswegs etwa dadurch gerechtfertigt werden, daß er 
Sekretär der Kommission ist und die anderen Herren nicht. Denn 
es kann sicher weder beabsichtigt sein noch geduldet werden, daß 
ein zufäHiger, äußerKcher Umstand wie dies einen so überwiegen- 
den, entscheidenden Einfluß auf das Schicksal der von den anderen 
Kommissionsmitgliedern vertretenen Ansichten sowie auf die von 
der Kommission als solcher abgegebenen Gutachten hat. Zudem 
handelte Stiles genau ebenso zur Zeit als der verstorbene Herr 
V. Maehrenthal ebenfalls Sekretär dieser war.) Nun frage 
ich: Kann irgend jemand glauben, daß ein solches Vorgehen 
einer unvoreingenommenen Beurteilung förderlich oder 
nur damit gut vereinbar ist? Und daß es die Absicht des 
Kongresses war, als er eine Kommission von 15 Mitgliedern, 
größtenteils bewährte und angesehene Forscher, ernannte, daß die 
Ansicht eines Herrn durch solche Mittel de facto in 
jedem einzelnen Falle über alle Gegengründe triumphieren 
solle, die von irgend einem anderen Mitglied vorgebracht werden 
mögen. (In dieser Hinsicht waren die Verhältnisse vor der hoch- 
herzigen Subvention der Smithsonian Institution für Schreibarbeiten 
sogar weniger schlecht als jetzt. Denn damals wurden die Gut- 
achten von einem Mitgliede zum andern herumgeschickt, so daß 
wenigstens die späteren die von anderen geäußerten Gründe gegen 
Stiles' Auffassung erfuhren.) 

Daß solche Verhältnisse alles Vertrauen in die Richtig- 
keit und Zweckmäßigkeit der formell von „der Kommis- 
sion" abgegebenen Gutachten zerstören müssen, ist klar. 
I Ebenso, was das bei Entscheidungen bedeutet, deren Kraft 
! ausschließlich auf jenen Momenten beruht. Tatsache ist, 
i daß es so weit gekommen ist, daß ganz kürzlich ein Autor (und 
j zwar ein Systematiker), der gewiß in Nomenklaturfragen nicht zu 
i konservativ ist, nämhch Hendel (1912, p. 226), erklärt hat, daß 
1 jeder Eingeweihte weiß, daß die Zustände in der Kommission 
! unhaltbar geworden sind und daß diese de facto nur aus 
einer Person bestehtl Wen er damit meint, erhellt klar daraus, 



74 



Franz Poche. 



daß er gleich danach von „der Kommission — oder, was dasselbe 
ist, Herr Stiles'' spricht. Letzteres mag vielleicht etwas über- 
trieben sein; aber die Tatsache, daß eine solche Behauptung öffent- 
lich von einem ernsten Forscher gemacht werden kann, ist be- 
zeichnend genug! Ebenso hat ein speziell auch in Nomenklatur- 
fragen bewanderter Forscher von anerkannter Autorität, Mathews 
(1911, p. 5), das Verfahren in einem solchen (von Herrn Stiles 
verfaßten) Gutachten mit lapidarer Kürze als „ein höchst unwissen- 
schaftliches Vorgehen" erklärt. Und der Mann hat Recht. 

Zusamineiifassung. 

1. Nuttings Ironisierung des Internationalen Zoologenkon- 
gresses, weil dieser sich der Nomenklaturkommission gegenüber 
selbst völlig die Hände gebunden habe, ist unbegründet, da die 
Mitteilung Stiles', auf die er sich dabei stützt, gänzlich un- 
wahr ist. 

2. Die Einwendungen Stones und Dalls gegen zwei der in 
Rede stehenden Anträge sind, wie eingehend bewiesen wird, 
in jeder Hinsicht gänzlich unstichhaltig und großenteils auf direkte 
Verkennung der Tatsachen gegründet. Dali hatte diese Anträge 
dabei überhaupt gar nicht gesehen! 

3. Von Kingsley werden die Anträge sehr günstig kritisiert. 

4. Stiles' Darstellung des Ursprunges des liberum veto in 
der Nomenklatnrkonimission enthält mehrfach Angaben über kon- 
krete Tatsachen, die der Wahrheit direkt entgegengesetzt 
sind. Zudem hört sie uut dem Jahre 1901 auf und läßt dadurch 
keinen Zweifel^ daß Stiles die Unwahrheit einer anderen 
Iriilier offiziell von ihm gemachten einschlägigen Angabe} 
selbst zugibt. Die von ihm zugunsten jenes liberum veto herbei- | 
gezogenen Argumente sind nachweislich vollkommen uuzutreffcnd. 
Für Stiles selbst wäre es allerdings sehr ungelegen, wenn 
dem Plenum f„heterogenen Subskribenten von fünf Dollars" [Dali]) | 
bei der Verlesung seiner „lieriehte" klargemacht würde, was sie 
alles involvieren. 

f). Am Zoologenkongreß in Monaco wies ich in einer Sitzung 
der Noiiienkl.'itiirkoiriiniHsion die Unwahrheit der gedachten An- 
gaben Stiles' über konkrete Tatsachen nach, sagten, daß ihm 



Ueber die Einschränkung der Zahl der Xamensänderungen usw. 75 



selbst diese sehr wobl bekannt sein müssen, und betonte das Son- 
derbare des Umstandes. daß seine Darstellung- mit 1901 abschließt. 
Darauf wies Stiles auf die vorgerückte Zeit bin und beantragte 
Schluß der Sitzung. 

6. Das von Stiles bei der Zustandebringung der Gutachten 
(„Opinions") der Nomenklaturkommission praktizierte Verfahren 
nötigt die anderen Mitglieder, ihre Stimmen ausschließ- 
lich unter dem Einflüsse seiner — oft nachweislich un- 
richtigen — Ausführungen über den Fall abzugeben, wäh- 
rend er ihnen die Kenntnisnahme der gegen diese vorgebrachten 
Gründe vorenthält. Daher hat auch kein Mitglied praktisch 
irgendwelche Aussicht, mit seiner Ansicht gegen die Stiles' 
durchzudringen. 

7. Dadurch muß alles Vertrauen in die Gutachten „der 
Kommission" zerstört werden. Kompetente Autoren haben auch 
bereits geradezu vernichtende Urteile über die einschlägige Tätig- 
keit Stiles" gefällt. 



Literaturverzeichnis. 

Blanchard. R. (1905), Avant-propos. (In: Regles internationales de la No- 
menclature Zoologique adoptt§es par les Cougres internationaux de 
Zoologie, p. 5—13.) 

[Brauer, A.] („Schriftführer") (1912), — . in: Die Beratung über das Prioritäts- 
geseiz. (Verh. Deutsch. Zool. Ges. 22. Jahrvers. 1912. p. 214—227.) 

Dali, W. H. (1912), A Remedv worse than the Disease. ^Science (N. S.) 36, 
p. 3-14-346.) 

Hendel, F. (1911), Über die Tvpenbestimmung von Gattungen ohne ur- 
sprünglich bestimmten Typus. Ein Protest gegen die Anwendung des 
Artikels 30, Punkt ^, der Internationalen Regeln der zoolog. Nomen- 
klatur. (Wien. Ent. Zeit. 30, p. 89—92.) 

Hendel, F. (1912), Ein Wort über die Anträge der Deutschen Zoologischen 
Gesellschaft, die das Prioritätsgesetz einschränken sollen. (Eut. Mitt. 1, 
p. 225— 226.1 

Jordan, D. S. (1912), Zoological Nomenclature. Science (X. S.) 36, p. 435—437.) 

Kingsley, J.S.(1912), Zoological Xomeuclature, (Science (N. S.) 36. p. 171 — 173.) 

Mathews, G. M. (1911), On some necessary Alterations in the Nomenclature 
of Birds. Part II. (Nov. Zool. 18, p. 1—22.) 

Matschie, P. (1902\ Regeln der Zoologischen Nomenklatur nach den Be- 
schlüssen des y. Internationalen Zoologen-Congresses, Berlin 1901. 
(Verh. V. Intern. Zool.-Congr. Berlin 1901, 1902, p. 927—972 [cf. p. 932] ) 



76 Fr. Poche. Ueber d. Einschränkung- d. Zahl d. Namensänderungen. 



Nutting, C. C. (1912), More Trouble for the Systematist. (Science (N. S.) 35, 
p. 722-725.) 

Poche, F. (1912a), Sind die gegenwärtig in Geltung stehenden Statuten der 
Internationalen Nomenklaturkoiumission vom Internationalen Zoologen- 
Kongreß angenommen worden? (Zool. Anz. 39, p. 698—700.) 

Poche, F. (1912b), Die Bestimmung des Tj'^pus von Gattungen ohne ur- 
sprünglichen solchen, die vermeintliche Existenz der zoologischen 
Nomenklatur vor ihrem Anfange und einige andere nomenklatorische 
Fragen; zugleich eine Erwiderung auf die von Herrn Stiles an alle 
Zoologen der Welt gerichtete Herausforderung und eine Begründung 
dreier von zahlreichen Zoologen gestellter Anträge zwecks Ein- 
schränkung der Zahl der Namensänderungen und Abschaffung 
des liberum veto in der Nomenklaturkommission. (Arch. Natgesch., 
78. Jg., Abt. A, 8. Heft, p. 1-110.) 

Stiles, C. W. (1910), Report of the International Commission on Zoological 
Nomenclature. (Science (N. S.) 32, p. 764—767.) 

Stiles, C. W. (1912), The Unanimous Vote Rule in the International Com- 
mission on Zoological Nomenclature. (Science (N. S.) 36, p. 557—558.) 

Stone, W. (1912), A Protest against changing the International Code of 
Zoological Nomenclature. (Science (N. S.) 35, p. 817—819.) 

Ziegler, H. E. (1911), Über die neue Nomenklatur. (Zool. Anz. 38, p. 268—272.) 



Die systematische Gliederung* 
der Protococcales (Chloropliyceae). 

Von 

Josef Brunnthaler. 

(Eingelaufen am 2. .lanuiir 1913.) 

Systematik der Protococcales ist seit langer Zeit ein viel 
lM'arl)eitetes Feld der Al^^ologic gewesen, olnic daß es zu einem 
AbHclduBse gekommen wäre. 

Wenn von den älteren Werken ganz Absland genommen wird, 
HO iHi die erste grundlegende und wichtige Publikation (yliodats 
Algueg vrrtcR de la Suisse (1902). Cliodat teilt die Eucblor()i)liyc(''cs 
in fünf (iru|)|)en, von welchen die erste Gruppe diejenige der Plcuro- 
(•()('('<ii(]vH ist. Diese (Iriippc umfalH die F'amilien l'almellac^es, Vol- 
voear(ieH, Protoeoccacees, (Jlietoj)ellidac(jes, ljlvac(ies, IJlotliricliac^cs, 



Die systematische Gliedernng der Protococcales ''Chlorophyceae). 



77 



Pleurococcac6es, Chetophoracees und Coleochetacees. Für die vor- 
liegende Betrachtung- kommen nur die Protococcacees in Frage, 
welche Chodat in drei Triben teiit, die Euprotococcees, Characiees 
und Endospherees (letztere provisorisch). Die Euprotococcees sind 
in zwei Reihen geteilt, in die Protöcoccees und Pediastrees. Der 
Umfang ist ein den heutigen Anschauungen ähnHcher, der Unter- 
schied liegt in erster Linie in der systematischen Gliederung, dann 
im Fehlen einiger Gattungen. Auszuscheiden hat bloß SchUochlamys. 
Chodat hat keine weitere Trennung in Familien vorgenommen. 
Die Serie A der Protöcoccees umfaßt folgende Gattungen, in der 
Reihenfolge, wie sie Chodat aufführt : PahneUococcus, Golenl'inia, 
Eremospliaera. Teiracoccus, Clüorella, Bictyospliaerium, Lagerheimia, 
Oocystis, ChodateUa, Pdcliteriella, Schroederia, Pilidiocystis, Xejihro- 
cyiium, Baphidiim, Kirch neriella, Selenastrum, Selenoderma, Cruci- 
genia^ Acünastrum, Tetrastrum, Hofmania, Scenedesmus, Bimorpho- 
coccus, Pohjedrium und Lemmermannia. Die Serie B der Pediastrees: 
Euastropsis, Pediastrum, Coelastriim, Hariotina, Sorastrum und 
Hydrodidyon. 

Der zweite Tribus, die Characiees, ist nur durch die Gattung 
Characium repräsentiert. 

Der dritte Tribus, die Endospherees, umfaßt CJdorochytrium, 
PndospTtaera, Phylloblum und Scotinospliaera. 

Chodat diagnostiziert die Protococcacees wie folgt: Thallus 
unbeweglich, einzellig oder in Kolonien, Vermehrung meist durch 
Sporen, selten wirkliche Zoosporen. 

Das Jahr 1904 brachte zwei neue Systeme der in Rede stehen- 
den Algengruppe. G. S.West hat in seinem Werke: A Treatise of the 
British Freshwater Algae, die Reihe der Protococcoideae in 8 Familien 
geteilt, welche aber leider recht heterogene Dinge umfassen. Es 
werden unterschieden: 1. Chaetopeltideae, 2. Volvocaceae, welche 
beiden Familien uns nicht weiter interessieren. Weiters: 3. Endo- 
sphaeraceae (mit Chlarochytrium, Centrosphaera und Phyllohium)] 
4. Characieae (mit Characium)- 5. Pleurococcaceae (mit Pleurococcus, 
Trochiscia, Badiococcus, Protoderma, Hormotila und Urococcus), von 
welchen also nur Badiococcus eine Protococcale ist; 6. Hydrodictya- 
ceae in der üblichen Umgrenzung mit Euastropsis, Pediastrum und 
Hydrodictyou. Die 7. Familie: Protococcaceae oder Autosporaceae ist 



78 



Josef Brunnthaler. 



in 7 Subfamilien eingeteilt und enthält die große Masse der eigent- 
lichen Protococcales, jedoch auch Gattungen, welche entschieden 
nicht hieher gehören, z. B. Botryococcus, Ineffigiata. Die Gattungen 
sind wie folgt in die Subfamilien eingeteilt. 
Coelastreae: Goelastrum; 

Crucigenieae: Crucigenia (inkl. Lemmermannia und Willea), 
Tetrastrum ( Cohniella ) ; 

Selenast reae: Dactylococcus, Scenedesmus, Bimorphococcus, 
Änkistrodesmus, Closteriopsis, Ädinastrum, Selenastrum, Kirchneriella 
(inkl. Selenoderma)] 

Oocysteae: Oocysiis, Neplirocytmm, Eremospliaera^ Palmello- 
coccus, Chlorella; 

Tetraedrieae: Tetraedron, Cerasterias; 

Phytelieae: Golenhinia, RicJiteriella^ LagerJieimia, Chodatella; 

Dictyosphaerieae: Dictyosphaerium, Dictyocysiis, Tetracoccus, 
Botryococcus, Ineffigiata. 

Die achte Familie der Palmellaceae enthält mit Ausnahme 
von Chlorococcum (als Gloeocystis) keine zu den Protococcales ge- 
hörigen Gattungen. Das System bedeutet insoferne einen Fortschritt, 
als durch Abtrennung der Characiaceae und Hydrodictyaceae als 
eigene Familien mehr Übersichtlichkeit erreicht wird. Die Beibe- 
haltung der riesigen Familien der Protococcaceae oder Autosporaceae 
wird durch die weitere Gliederung jedoch nicht besser. Dem System 
haftet ferner der Mangel au, den phylogenetischen Prinzipien gar 
nicht Beclinung zu tragen. Die Stellung der Chaetopeltidcae an den 
Beginn, der Palmellaceae an das Ende der Reihe ist ganz undiskutabcl. 

Das zweite im Jahre 1904 erschienene System ist die Be- 
arbeitung Oltmanns. Er faOt bereits alle hiehergchörigen Fornien 
als Protococcales zusammen und unterscheidet fünf Familien: 1. Proto- 
coccaceae, 2. Protosiplionaceae, ilalospliaeraccae, 4.Scenedesinaceao 
und f). Hydrodictyaceae; wir finden bei Oltmanns nicht alle be- 
kaimtcn (Gattungen aufgeführt, sondern nur die wichtigeren. Zu den 
l'rotocof'.c'aceen rechnet er Ghlorococmni, GIdorosphacra, ISylcidion, 
Dicranochaeie, (Jhlororhytrium, Endosphacra, Godiolum, (Jharacmm 
und l'hyllohium. Ilievon wird JHcranochaeid wohl am besten aus- 
geHcliicdcn. 



Die systematische Gliederung der Protococcales (Chlorophyceae). 



79 



Die Protosiphonaceae haben nur drei Gattungen: Protosiphon, 
Blasfo2)hjsa und PhytopJiysa; hievon wird BlastopJiysa besser bei 
den Valoniaceae untergebracht, Fliytophijsa bei den Phyllosiphoniaceae. 

Die Halosphaeraceae umfassen nach Oltmanns Halospliaeraj 
EremospJiaera und Excenirospliaera. Über diese drei Gattungen wird 
später noch an anderer Stelle gesprochen werden. 

Zu den Scenedesmaceae rechnet Oltmanns; Chlorella, Schi^o- 
chlamys, Neplirocytium, Scenedesnms, RapMdkim, Coelastrum, Seleno- 
spliaerium, jDictyospliaerium, Crucigenia und bemerkt, daß hieher 
noch eine Reihe anderer Formen gehöre, meist Planktonalgen. Als 
Anhang führt er Forpliyridiiim, GlaucocysUs und Pilidiocystis an. 
Hievon sind sofort auszuscheiden ScJmochlamys und Porphyridium 
als keine Protococcales. 

Die Hydrodictyaceae sind im gleichen Umfange wie bei West. 

Wir finden also auch hier wieder eine sehr große Familie, 
die Scenedesmaceen, welche die meisten der von West als Protococ- 
caceae oder Autosporaceae angeführten Formen umfaßt. Oltmanns 
legt mit Recht großes Gewicht auf das Vorhandensein des glocken- 
förmigen Chromatophors und auf die Zoosporen, welche bei einer 
großen Anzahl zu Autosporen umgewandelt sind. 

Einen Rückschritt bedeutet dagegen das System, welches 
C. E. Bessey in Americ. Microsc. Soc, 26, 1905 aufstellt. Es ist 
in vollständiger Verkennung moderner systematischer Prinzipien 
verfaßt und wirft die heterogensten Gattungen durcheinander. Die 
Ordnung der Protococcoideae ist in vier Familien geteilt: Pleurococ- 
caceae, Protococcaceae, Hydrodictyaceae, Volvocaceae. In allen drei 
erstgenannten Familien begegnen wir typischen Protococcalen, ver- 
mengt mit Pleurococcaceen und Heteroconten. Es sei deshalb von 
einer detaiUierten Besprechung Abstand genommen. Als Beispiel sei 
nur angeführt, daß ÄnMstrodesmiis zu den Pleurococcaceen, Scene- 
desmus zu den Hydrodictyaceen gerechnet wird, ganz abgesehen 
von der Stellung der Volvocaceen nach den Hydrodictyaceae. 

F. S. Collins hat 1909 eine Bearbeitung der Green Algae of 
North America (Tufts College Studies, Vol. II, Nr. 3) veröffentlicht, 
die sich im allgemeinen an das von Oltmanns aufgestellte System 
anschUeßt; einige Gattungengehören jedoch nicht zu den Protococcales. 
Collins teilt dieselben ebenfalls wie Oltmanns in fünf Familien. 



80 



Josef Brunnthaler. 



Auszuscheiden wären Trochiscia, identisch mit Acanfhococcus, und 
wohl Ruhestadien verschiedener Algen, z. T. Chlamydomonadineen; 
ebensowenig hieher gehörig ist Elahatothrix, eine Pleurococcaceae, 
und Hormotila, welche entweder zu den Tetrasporaceae oder nach 
Chodat als Entwickluugsstadium zu Pletirococcus zu rechnen ist. 
Colli ns faßt die meisten Pleurococcaceen als reduzierte Formen 
der Chaetophoraceae auf, so daß sie unter die Ulotrichales zu stehen 
kommen. 

In der zweiten Auflage von Wettsteins Handbuch der Botanik 
sind die vier Familien: Protococcaceae, Halosphaeraceae, Scenedes- 
maceae und Hydrodictyaceae als erste Unterordnung: Protococcineae 
zu den Siphoneae gestellt, was jedoch den Anschauungen der meisten 
Algologen nicht entspricht. 

Die weitaus wichtigste systematische Einteilung der in Rede 
stehenden Gruppe ist die von Wille in den Nachträgen zu Engler- 
Prantl, Pflanzenfamilien, Teil I, 2, 1909. Es soll in folgendem diese 
Bearbeitung besprochen werden und auch gleich die Änderungen, 
welche notwendig erscheinen; hiebei wird nur dort in Details ein- 
gegangen, wo es notwendig erschien, da die ausführliche Besprechung 
aller Gattungen einer vollständigen Bearbeitung gleichkommen würde. 
Eine systematische Bearbeitung aller bekannten Protococcales nebst 
Abbildungen derselben wird in Bälde vom Verfasser erscheinen. 

Wille teilt die Chloropbyceen in vier Klassen: Protococcales^ 
Chaetophorales, Siphonocladiales und Siphouales. Er faßt also den 
Begriff der Protococcales sehr weit und unterscheidet 10 Familien: 
Volvocaceae, Tetrasporaceae, Botryococcaceae, Pleurococcaceae, Proto- 
coccaceae, (Jpliiocytiaceac, Ilydrogastraceae, Oocystaceac, llydro- 
dictyaceae und Coelastraceae. Nachdem Wille die Gruppe der 
Ilcterocontac nicht anerkennt, enthalten seine Protococcales eine 
Reihe von (jlattiingen, welche jetzt zu den Iletcrocontae gerechnet 
werden. Die Berechtigung der Aufstellung der Iletcrocontae kann 
jedoch heute nicht mehr bestritten werden, umsomehr, als Pascher^) 
gezeigt hat, dali fast alle Entwicklungsstufen, welche wir kennen, 
von der flagelhitenartigen Form bis zu den polyencrgidcn Si|)honcen, 
Howohl in der Ileteroconten-Rcihe als auch unter den Chloropbyceen 

A. l'n^r'lici /.III fl.r II(tlcior(,ii(;i(' ( I \vif(iji., 5.3, 1912). 



Die systematische Gliederung der Protococcales (Chlorophyceae). 



81 



sich finden, die beiden Reihen also eine parallele Entwicklung- ge 
nommen haben. Es entsprechen den Heterochloridales die Volvocales, 
den Heterocapsales die Tetrasporales, den Heterococcales die Protococ- 
cales, den Heterotrichales die Ulotrichales und den Heterosiphonales 
die Siphonales; bloß die Siphonocladiales haben keine Parallelreihe 
bei den Heterocontae. Wenn wir nun diese Entwicklungsreihe als 
dem derzeitigen Stande unserer Kenntnisse entsprechend ansehen, 
müssen aus der Gruppe der Protococcales im Sinne Will es alle 
den Heterocontae zuzuzählenden Formen entfernt werden, ferner die 
als Volvocales und Tetrasporales abzutrennenden Familien: Volvo- 
caceae, Tetrasporaceae, Botryococcaceae, Pleurococcaceae. 

Wir kommen dann zu einer Gruppe, deren wichtigste Merk- 
male folgende sind: Zellen unbeweglich, meist mit glockenförmigem, 
wandständigem Chromatophor, ohne vegetative Vermehrung (seltene 
Ausnahmen). Es sind zwei Reihen zu unterscheiden. In der einen 
Reihe ist die Vermehrung durch Zoosporen mit zwei gleichlangen 
Geißeln durchwegs vorhanden, daneben kommen Isogameten und 
Heterogameten bei verschiedenen Gattungen vor. Die zweite Reihe 
produziert keine beweglichen Zoosporen, die Teilungen erfolgen w^ohl 
wie bei der ersten Reihe, ergeben aber bewegungslose Autosporen. 
In beiden Reihen können sich die Teilungsprodukte schon innerhalb 
der Zellen zu neuen Kolonien oder Coenobien anordnen und werden 
durch Zerreissen oder Verquellen der Mutterzellmembran frei. 

Eine nähere Betrachtung der obigen Hauptmerkmale zeigt uns 
! folgendes. Was den Bau des Chromatophors betrifft, der eines der 
' wichtigsten gemeinsamen Merkmale der Protococcales ist, so findet 
sich bei der tiberwiegenden Mehrzahl der Formen das hohlkugelige, 
nur mit einem seitlichen Ausschnitt versehene oder glocken- oder 
becherförmige Chromatophor. Es zeigt alle möglichen Übergänge 
zu dem plattenförmigen, die innere Zellwand mehr weniger aus- 
i füllenden Chromatophor. Ein weiterer Schritt führt zur Zerteilung 
1 des Chromatophors in mehrere bis viele Plättchen, welche rundlich 
i oder gelappt sein können, manchmal auch Vorsprtinge in das Zell- 
: innere bilden (Dictyococcus, Halospliaera, Eremospliaera, Excentro- 
I sphaera, Ileringosphaera, eine große Anzahl von Ooc?/s^is- Arten, 
! BoJilinia, Franceia). Eine Modifikation des Plättchenchromatophores 
ist die Vergrößerung gegen das Zellinnere zu in Form von größeren 

Z. 15. Ges. 63. Bd. 6 



82 



Josef Brunnthaler. 



VorsprüDg-en, Stäben oder Strahlen, wie dies Kentrosphaera, Endo- 
sphaera, Phyllohium zeigen. Das Plattencbromatophor kann aber auch 
netzförmig durchbrochen werden (Godiolum, Frotosip>lion, Hydro- 
d'idyon^ Aerospliaera, Oocystopsis). Zentrales Chromatophor findet 
sich bei Cystococcus, Characiella, Oocystella, Dictyocystis, zum Teil 
mit lappiger Oberfläche, zum Teil sternförmig angeordnet. Die 
Gattung Glaucocystis hat in der Jugend parietale Plättchen, in er- 
wachsenem Zustande fadenförmige Chromatophoren, welche vom 
Zentrum gegen die Wand zu sternförmig angeordnet sind. Manche 
Gattungen besitzen Chromatophoren, welche einen Übergang von 
einem Typus zu einem anderen bilden, und für eine Reihe von 
Formen sind die Chromatophoren noch gar nicht oder ganz un- 
genügend bekannt. Die Tendenz vom einfachen plattenförmigen 
Chromatophor zum kompliziert gebauten sowie zur Zerteilung prägt 
sich deutlich aus. 

Die Protococcales besitzen in den erwachsenen, nicht in Teilung 
befindlichen Zellen stets einen Zellkern, nur Frofosiphon und Hydro- 
dictyon sind polyenergid und besitzen zahlreiche Kerne. Pyrenoide 
finden sich bei vielen Gattungen. Die Ansicht Wests, daß auf das 
Vorhandensein oder Fehlen von Pyrenoiden vom systematischen 
Standpunkte aus wenig Gewicht zu legen sei, dürfte im allgemeinen 
richtig sein, da die Ernährungsverhältnisse für das Auftreten oder 
Verschwinden der Pyrenoide von ausschlaggebender Bedeutung sind. 

Was die Vermehrung betrifft, findet sich Isogamie bei Cystococ- 
cus, a/dorocliytrium, Dktyocystis GernecJcii, Frotosiphon, Fediastruni 
und Jlydrodic/yon; Heterogamie ist bei Fhylhthkim beobachtet. Das 
Vorkommen von Mikro- und Makrog{unet(;n bei Citarac'mm ist zweifel- 
haft. Alle Zoosporinae besitzen außerdem Zoosporen. Als ursprüng- 
licliere Formen sind jene aufzufassen, welche nur Zoosporenvcr- 
melirung haben. Die Isogamie st(!llt schon einen höheren (jirad von 
Entwicklung dar, der eine verschiedene Höhe aufweisen kann, je 
nachdem Kopulation von Gameten derselben Zelle oder nur solcher 
v(TKfhiedener Herkunft erfolgt, hei den i^rotococcalcs sind diese 
Vorhält nisse noch wenig untersucht, meist jedoch dem ersten, also 
niederen TypUH zuzuzählen. 

IIet(Togamie ist bei den Protococcales bereits ein seltener Fall, 
bin zur Oogamie ist es nicht gekommen. Was nun den Verlust der 



Die systematische Gliederung der Protococcales (Chlorophyceae). 



83 



Schwärmerbildung- uud an dessen Stelle die Ausbildnog von Auto- 
sporen betrilft. so kann dies einerseits als weiterer Schritt nach 
vorwärts aus inneren Ursachen gedeutet werden, es kann aber bei 
vielen Formen als Folge der immer stärker hervortretenden Tendenz 
zur Koloniebildung augesehen werden, die schließlich zu bestimmt 
geformten Coenobien geführt hat. Es finden sich in beiden Reihen 
sowohl einzellige Formen, als auch alle Übergänge von formlosen 
Verbänden zu bestimmt gebauten Coenobien. Der Aufbau der 
letzteren durch einzeln freiwerdende Schwärmer ist nicht denkbar. 
Wir fassen die Teilungsprodukte der Formen der zweiten Reihe 
als bewegungslos gew^ordene Zoosporen auf, deren Entwicklung zu 
Schwärmern unterblieben ist. Es sind Aplanosporen, die bereits in der 
Mutterzelle ihre definitive Gestalt (meist) erhalten oder sich zu neuen 
Coenobien bereits in der Mutterzelle aneinanderlegen. Wir nennen sie 
daher Autosporen, resp. Autokolonien. Die Bildung von Kolonien 
unter Beibehaltung der Zoosporen mußte notgedrungen dazu führen, 
daß die Zoosporen nicht mehr frei wurden. Wir sehen bei dem 
polyenergiden Hydrodidyon, daß sie sogar innerhalb der Zelle nur 
schwache Zitterbewegungen ausführen können, weil sie durch 
Plasmafäden verbunden sind. Sie ordnen sich in der Mutterzelle zu 
einem neuen Netze und dieses wird erst im fertigen Zustande frei. 
In ähnlicher Weise erfolgt die Bildung der Coenobien bei Euastropsis 
und Pediastrion, nur erfolgt hier die Neubildung der Coenobien 
durch die Zoosporen in einer Gallertblase, welche die Zoo^poren bei 
ihrem Verlassen der Mutterzelle umhüllen. Der Schritt von Hijdro- 
dictyon mit seinen nur mehr geringe Bewegung zeigenden Zoosporen 
zu den bewegungslosen Autosporen ist kein großer. Die Entwicklungs- 
tendenz innerhalb der Protococcales ist unverkennbar. Bei der ersten 
Reihe, welche als Zoosporinae bezeichnet werden soll, sind die Hydro- 
dictyaceae am höchsten entwickelt, bei der zweiten Reihe, den Auto- 
sporinae, die Coelastraceae. 

Nach diesen allgemeinen Erörterungen soll in die Besprechung 
der einzelnen Familien eingegangen werden. Es wurde bei Auf- 
stellung, resp. Ausbau des Systemes tunlichst auf frühere Bearbei- 
tungen, besonders Willes Rücksicht genommen. 

Die Zoosporinae zerfallen in fünf Familien: Piotococcaceae, Halo- 
sphaeraceae, Characiaceae, Protosiphonaceae und Hydrodictyaceae. 

6* 



84 



Josef Brunnthaler. 



Die Familie der Protococcaceae ist in zwei Unterfamilien: Proto- 
cocceae und Eudosphaereae zu gliedern. Erstere umfaßt Chlor ococcum, 
Cystococcns, Bictyococcus und Kentrosphaera. Die Gattung Chloro- 
coccum ist durch das glockenförmige Chromatoplior ausgezeichnet, 
enthält aber in dem Umfange, wie sie noch immer angeführt wird, 
zweifellos eine Menge Formen, die nicht hierher gehören. Als typische 
Formen betrachten wir Ghlorococcum infusionum (Schrank) Meneg- 
hini (= Chlorella infusionum Beyerinck) und Chlorococcum viridis 
(Agardh) Rabenhorst {= Gystococcus humicola Naegeli pro parte und 
inkl. Chlorosphaera limicola Beyerinck). Cystococcns fasse ich in 
der von Treboux^) emendierten Form als Gattung mit der einzigen 
Art: hmnicola (Naegeli) emend. Treboux auf. Es findet sich hier 
ein zentrales, massives Chromatophor, dessen Oberfläche lappig, 
runzelig oder höckerig ist; Pyrenoid zentral gelegen. Diese Form 
faßte Chodat als Cystococcus-^itxdimm von Pleurococcus vulgaris 
auf und bildet den Bau des Chromatophores in den Algues vertes 
de la Suisse, Fig. 193, A— E, p. 280 sehr gut ab. Die Alge kommt 
wie Chlorococcum viridis vor und bildet auch die Gonidialalge von 
Xanthoria parietina . 

Bictyococcus hat kleine, plättchenförmige Chromatophoren, 
Kentrosphaera mehr weniger strahlen- oder bandförmige^ gegen das 
Zentrum der Zelle ragende Chromatophoren. Zu ersteren sind in 
(jbereinstimmung mit Wille die beiden Arten: 1). varians und Ger- 
necJäi zu rechnen, die letztere mit Isogameten. Zu Kentrosphaera 
gehört außer den von Borzi beschriebenen zwei Arten {K. Facciolae 
und minor) noch K. Gloeophila (Bohlin) nov. comb. {= Chlorochytrium 
(jloro)>hilum Bohlin). 

Die zweite Unterfamilie, die Eudosphaereae, umfassen: Ghloro- 
chi/h ium, Scolinosphaera, Endosphaera und Phyllohium, über welche 
nichts Neues zu sagen ist. 

Als zweite Famih(! wird hier neu umgrenzt die Halosphaeraceac 
mit der einzigen Gattung Jlalosphaera. Sie wird neuerer Zeit öfters 
(Ol im an UM, VVettstein) mit Kremosjihaera und Exccntrosphacra 
zuKammcn als Familie betrachtet, welchem Vorgang ich mich nicht 

O.'l'riihoiix, Di»* WvWchiwvh' \ ]\rv. und die, TJonidio Cyfitocnccns humicola 
in \Ur/Mg auf dio Flcc.hteiiHyiiibioHo. Ji(!r. d. Hof. (ioH,, IjO, IDl'J, p. 0!). 



Die systematische Gliederung der Protococcales ( Chlorophyeeae l 85 



anschließen kann. Der Bau der Zoosporen von Halospliaera ist ein 
so auffallender, an Fyramimonas erinnernder, daß sogar die Zu- 
gehörigkeit zu den Protococcales zweifelhaft erscheint. Der sonstige 
Bau dürfte lediglich eine Konvergenzerscheinung sein, jedenfalls 
spricht gar nichts für eine Verwandtschaft mit den genannten 
Gattungen. 

Die Abtrennung der Characiaceae als eigene Familie von den 
Protococcaceae dürfte Manchem nicht berechtigt erscheinen. Es sei 
aber hier wie auch bei den später zu besprechenden Familien aus- 
drücklich darauf hingewiesen, daß es uns einstweilen ganz un- 
möglich ist, wirkliche Verwandtschaftsverhältnisse von Konvergenz- 
erscheinungeu zu trennen und daß daher unser System kein natürliches 
ist; wir stellen lediglich ähnUch gebaute Organismen nebeneinander, 
außerdem müssen wir alle systematischen Anordnungen linear vor- 
nehmen. Es drängen sich überdies noch jedem Bearbeiter die prak- 
tischen Bedürfnisse auf, welchen Rechnung getragen werden muß, soll 
nicht die Benützungsfähigkeit der Bearbeitung leiden. Die hier vor- 
genommene Abtrennung mehrerer Familien und Neuformierung ent- 
, spricht zum Teil entwicklungsgeschichtlichen Erwägungen, zum Teil 
I praktischen Bedürfnissen. G. S. West hat übrigens bereits 190-4 
(Treatise of the British Freshwater Algae) die Characiaceae als 
1 eigene Familie betrachtet. Außer Characium können wir hieher 
! rechnen SyJcidion, CltaracieUa, Acüdesmium und Codiolum. Äcti- 
I desmium zeigt Verwandtschaft zu Hydrodictyou, die Zugehörigkeit 
j zu den Heterocontae ist unwahrscheinlich. 

I Die Protosiphonaceae sind auf Froiosiphon beschränkt: Blasto- 
! physa hieher zu rechnen, wie Oltmanns getan hat, dürfte un- 
richtig sein. 

Der Umfang der Hydrodictyaceae ist seit längerer Zeit ein 
gesicherter: Euastropsis, Fediastrum und Hydrodldyon. Umso 
schwankender sind die Ansichten über die Artabgrenzung bei 
Fediastrum. Die Stellung der Hydrodictyaceae an dieser Stelle ent- 
spricht der Bildung der zwei Reihen mit und ohne Zoosporenbildung. 

Diese Anordnung unterscheidet sich von Wille s Bearbeitung 

I I in wesentlichen Punkten. Aus seiner Familie der Protococcaceae sind 
' g;anz ausgeschieden, als zu den Heterocontae gehörig: Boiryopsis, 

PolycMoris, Characiopsis, CMorotheciuni, FerouieUa und Stipitococcus. 



86 



Josef Brunntiiaiei'. 



Halosphaera wurde eigene Familie. 

Die Familie der Ophiocytiaceae gehört zu den Heterocontae. 

Botrydium, welche Wille mit Protosiplion zu den Hydro- 
gastraceae vereinigt, scheidet ebenfalls als Heterocontae aus, Proto- 
siplion wird eigene Familie. 

Der Stellung der Hydrodictyaceae am Ende der Zoosporinae 
wurde bereits mehrfach gedacht. 

Schwieriger gestaltet sich die Abgrenzung der Familien der 
Autosporinae. Bei Wille sind es nur zwei Familien: Oocystaceae 
und Coelastraceae, die infolgedessen sehr groß werden und nicht 
übersichtlich sind. Die Bildung kleinerer Gruppen dürfte rationeller 
sein. Die systematische Abgrenzung begegnet hiebei ziemlich großen 
Schwierigkeiten. Es wurden die Oocystaceae Will es in drei Familien 
zerlegt: Eremosphaeraceae, Chlorellaceae und Oocystaceae, während 
die Coelastraceae Will es in Scenedesmaceae und Coelastraceae ge- 
gliedert sind. Hiebei ergab sich naturgemäß auch die Notwendigkeit, 
einzelnen Gattungen andere, nach des Verfassers Ansicht richtigere 
Stellungen anzuweisen. 

Die gut charakterisierten Eremosphaeraceae umfassen nur 
Eremosphaera und Excentrosphaera. 

Als Chlorellaceae wurden Formen vereinigt, welche ein glocken- 
förmiges Cliromatophor besitzen, einzeln vorkommen oder durch 
Gallerte formlos verbunden sind und deren Grundform mehr weniger 
eine kugelige ist. Schwebeeinrichtungen (Borsten, Stacheln) sind 
nicht selten. Zwei Unterfamilien: Chlorelleae mit Chlorella, Placo- 
sphaera, Piadiococms und IHracoccus; Micractinieae mit GolenMnia, 
Phytdioa, Jlic/i/crlcUa, AccDilJiospliaera und Eclihiospiluieridium. Es 
wurde hier, wie auch noch an anderen Orten, von der Zusammen 
zieliinig mehrerer, wenn auch manchmal nicht leicht al)zugrcnzendcr 
Gattungen, wie sie Wille vorgenommen hat, abgegangen; der Vor- 
teil einer geringeren Gattungszahl wird durch die unklarere Fassung 
der Gattungsdiagnose bei zu großen Gattungen aufgehoben. Was die 
einzelnen (Jattungen der (Jhlorelleae betrilft, so wurde bei (lldorcUa 
nach rcilliclicr ("herlegung die Abgrenzung Willes in 4 Sektionen: 
EuclilorcUa, Palmdlococxm, (Ihloroideum, und Aeroaphacra beibe- 
halten. Die Ziigel)r>rigk('it der b(;iden letzteren ist zweifelhaft, aber 
erHt durch ncucrlielKt I 'ntci siichnngen ist eine Fntsclicidung er- 



Die systematische Gliederung der Protococcales (Chlorophyceae). 87 



moglicht. Auch Flacospliaera, Radiococcus und Tetracoccus siud 
beibehalten, so daß diese Gruppe den gleichen Umfang- wie bei 
Wille hat. Auch für die zuletzt genannten Gattungen sind neue 
Untersuchungen notwendig. Die Micractinieae umfassen Golenhinia, 
Phy felios imd Bichteriella, w^elche Wille 'dh ^licractinuon zusammen- 
faßt und die noch wenig bekannten Acantlwspliaera und Eclüno- 
sphaeridium. Die Zugehörigkeit der marinen Meringospliaera ist 
unsicher. 

Die Oocystaceae in der neuen Fassung bestehen einerseits 
aus Algen, deren Zellen oval, elliptisch, nierenförmig oder gebogen 
sind, und welche einzeln oder durch Gallerte oder alte Mutterzell- 
membran vereinigt sind, aber keine bestimmt gebauten Kolonien 
bilden; andererseits sind es Zellen verschiedener Gestalt mit oder 
ohne armartige Fortsätze, glatt oder bestachelt. Bei Will es Oocy- 
staceae sind nach Abzug der bereits besprochenen Chlorelleae 
und Eremosphaeraceae verblieben: Oocysteae mit Oocystis^ Lager- 
Jieimia und Franceia- Nephrocytieae mit Nejyh'ocytium und Kirch- 
neriella ] Tetraedraceae mit Tetraedron und TJiamniastrum. Von den 
anhangsweise aufgeführten Gattungen gehört Centriiractus zu den 
Heterocontae; Phaeodadylon ist ganz unsicherer Stellung und Des- 
matr actum kann einstweilen bei den Oocystaceae als fraglich bleiben. 

In der neuen Fassung werden vier Unterfamilien unterschie- 
den: Oocysteae, Lagerheimiaeae, Nephrocytieae, Tetraedreae. 

Zur ersten Uuterfamilie rechnen wir: Oocystis, Ecdysichlamys, 
Scotiella und Glaucocysüs. Oocystis zeigt nur mehr selten das für 
die Protococcales so charakteristische Glockenchromatophor, es finden 
sich alle möglichen Typen des Platten-, sternförmigen und Netz- 
chromatophors. An Oocystis muß G. S. Wests Ecdysichlamys^) ange- 
schlossen werden; es besitzt länglich elliptische, zweieckige Zellen, 
deren eine Seite schwach konvex, während die andere fast halb- 
kreisförmig ist und an den beiden Enden je ein winziges Zähnchen 
trägt. Das Plattenchromatophor erfüllt den größeren Teil der Innen- 
seite. Die Membran löst sich schichtenweise unregelmäßig ab. Die 
Zellen sind in ein Gallertlager eingebettet und bodenbewohuend. 



^) G. S. West, Freshwater Algae from the F. Sladen Mem. Expeditions 
1908—11 (Annais S. African Mus. 9, 1912, Part 2). 



88 



Josef Brunnthalei*. 



Vermehrung durch vier Autosporen (Angola). Die nahe Verwandt- 
schaft mit Oocystis ist unzweifelhaft. Einzige Art: E. oUiqua 
G. S. West. 

Zu den Oocystaceae muß auch die von F. G. Fritsch^) kürz- 
lich beschriebene Scotiella gerechnet werden. Die elliptischen oder 
spindelförmigen Zellen sind mit einer mehrschichtigen Membran 
umgeben, deren äußere in mehrere fliigelartige Rippen gefaltet ist; 
die Rippen verlaufen längs, gerade oder spiralig. Es resultieren in 
der Scheitelansicht kreisförmige gekerbte Bilder. Die neue Gattung 
hat drei Arten, von welchen die eine schon längst bekannt ist und 
meist als Pteromonas nivalis Chodat bezeichnet wurde. Wille hat 
schon vor längerer Zeit darauf aufmerksam gemacht, daß sie nicht 
zu Pteromonas gehört. Die beiden anderen Arten sind S. antarc- 
tica und polyptera\ alle drei Arten sind Bewohner von Schnee 
und Firn. 

Ich schließe hier noch Glaucocystis an; die Gattung hat das 
zweifelhafte Schicksal^ fortwährend den Platz im System zu wech- 
seln. Im letzten Bande von De Tonis Sylloge Algarum hat Forti, 
der ausgezeichnete Bearbeiter der Schizophyceen, eine eigene 
Gruppe der Glaucystineae gemacht. Das Vorhandensein eines Zell- 
kernes, geformter Chromatophoren^ die Vermehrung durch Auto- 
sporen, die ganze Ausbildungsweisc lassen keinen Zweifel, daß 
(ilanrocystis zu den Oocystaceae gehört. Die blaugrüne Farbe der 
('hromatophoren allein ist nicht im Stande, das Gegenteil zu er- 
weisen. 

Die zweite Unterfamilie, die Lagerheimiaeac, wird von Tili- 
(lidiorystis, Jiohlinia, Laycrheimia, Chodatclla und Franceia ge- 
bildet. Nicht sicher ist die Zugehörigkeit von Bohlinia (vielleicht 
zu den lletcrocontac gehörig). Wille vereinigte alle vier erstge- 
nannten Gattungen zu Jjfiyorhrim'ui. 

Vax den Ncphrocyticae rechne ich nur Nephrocytium. Kirch- 
neriella wird besser bei den Scenedesmaceac untergebracht. 

Die letzte Unterfjimilie der Oocystaceae bilden die Tctracd- 
rieae mit Telracdron und 'J hamniasl/rum, eine Gruppe, welche nur 

F. (». Fritsrli, Fn-Hlnvatcr Al^^ac, coll(!ctod in llio SrJiitli Orkiioys hy 
n ,1 l im, Sr.r . I, „.(l(,n, liotany, 40, 1012). 



Die systematische Gliederung* der Protococcales (Chlorophyceae). 89 



lose mit den übrigen Oocystaceae zusammenhängt und vielleicht 
besser separiert würde; dagegen spricht jedoch, daß zweifellos der 
größte Teil der Arten nur Dauerstadien anderer Algen sind. Die 
Gattungseinteilung Wille s wurde beibehalten. 

Wille faßt alle übrigen Protococcales als Coelastraceae zu- 
sammen und gliedert sie in drei Unterfamilien: Scenedesmeae, 
Sorastreae und Selenastreae. Eine Trennung in Scenedesmaceae 
und Coelastraceae scheint richtiger zu sein. Als Scenedesmaceae 
werden alle Formen zusammengefaßt, bei welchen die Ausbildung 
von Kolonien in verschiedenem Grade zu beobachten ist, jedoch 
noch nicht bis zur Entwicklung eines komplizierteren Coenobiums 
geführt hat. Man kann hiebei eine Keihe unterscheiden, bei welcher 
mehr weniger flache Verbände gebildet werden, eine zweite, bei 
welcher die Ausbildung mehr weniger kugelig sich gestaltet, ohne 
daß jedoch eine scharfe Grenze existiert. 

I Die Unterfamilie der Scenedesmeae umfaßt dieselben Gattun- 

i gen wie bei Wille: Scenedesmus, Äctinastrtim, Closteriococcus, 
Bklymogenes, Lauterhorniella , Cnicigenia, Hofmania und Tetra- 
i stnini] zu den Selenastreae dagegen werden außer den von Wille 
I hiehergerechneten Sehnastrum und Anhistrodesmiis noch Kircli- 
neriella, JDictyospliaermm, I)ictyocystis und DhnorpJiococcus gezählt. 
Auf die Verwandtschaft von Kirchieriella mit Selenastrum hat 
Wille schon selbst hingewiesen. Dictyosphaerium und Bictyocystis 
sind nicht länger bei den Tetrasporaceae unterzubringen. Die Ver- 
mehrungsweise und der Aufbau verweisen sie zu den Scenedes- 
maceae ; es besteht eine gewisse Ähnlichkeit mit Hofmania. JDlmor- 
phococciis wurde von Will es Sorastreae, der jetzigen Familie der 
Coelastraceae, abgetrennt und zu den Selenastreae gestellt, weil die 
Koloniebildung noch eine recht einfache ist. Es könnte aus diesem 
, Grunde auch BurhilUa, die zu den Coelastraceae gerechnet wird, 
hieher gestellt werden^ doch wissen wir überhaupt noch zu wenig 
von ihr. 

Die letzte Familie, die Coelastraceae, umfassen: Coelastrum, 
Burkillia und Sorastrum. 

Es ergibt sich aus den vorstehenden Erörterungen, daß wir 
die Protococcales derzeit wie folgt gliedern müssen. 



90 



Josef Brunntiialer. 



Protococcales. 

A. Zoosporinae. 

1. Familie: Protococcaceae. 

a) Protococceae. 

Chlorococcum, Cystococciis, Dictyococcus, Kentrosphaera. 

b) Endosphaereae. 

Chlor ocliytrkim, Scotinosphaera, Endosphaera, Phyllohium. 

2. Familie: Ilalospliaeraceae. 

Halosphaera. 

3. Familie: Characiaceae. 

Characium, SyJcidion, Characiella, Codiolum, Äctidesmiiim 

4. Familie: Protosiplioiiaccae. 

Frotosiplion. 

5. Familie: Hydrodictyaceae. 

Euastropsis, Pediastrum, Hydrodictyon. 

B. Autosporinae. 

6. Familie: Ereuiospliaeraceae. 

Eremosphaera, Excentrosphaera. 

7. Familie: Chlorelhiceac. 

a) Clilorelleae. 

Chlorella, Placosphaera, Eadiococcus, Tetracoccus. 
h) Micracti II icae. 

(iohnkiuia, ]*hyf(dlofi, Jrirhferidla^ Acanthosphaera, Echi- 
voii))hacri(Hnm; ]\lerhiyosphaera. 

8. Famili(!: Oocy staceae. 

ii) Oocystcae. 

(hajsfis, Ecdysichlamys, Scoticlla, (Uaucocystis. 
\)) ]^Ji;,Mirlicimieae. 

Vilidioryslis, Bohlinia, Laycrhriniia, Chodatella, Fran- 

t) Ncplirocy licae. 

Arphrofffliinn. 



Die systematische Gliederung der Protococcales (Chlorophyceae). 91 



d) Tetraedrieae. 

Tetraedron, Thamniastrum. 

9. Familie: Scenedesmaceae. 

a) Scenedesmeae. 

Scenedesmus, Äctinastmm, Closteriococcus, Didymogenes, 
Lauterhorniella , Cnicigenia, Hofmania, Tetrastrum. 

b) Selenastreae. 

KircJmeriella, Selenastrum, Bictyosphaerium, Didyocystis, 
Dimorphococcus, Änhistrodesmus. 

10. Familie: Coelastraceae. 

Coelastnim, Biirhillia, Sorastnm. 



Die Deckenskulptur des Carabas violaceas L. 

A Von 

p Dr. Fr. Sokolär, 

Hof- und Gerichtsadvokat in Wien. 

Mit Taf. I. 
(Eingelaufen am 2. Januar 1913.) 

Es ist nicht gar lange her, daß man bei Car. violaceus L. der 
Deckenskulptur spezifische Bedeutung beigemessen hatte. Heute 
denkt zwar niemand mehr daran; dafür glaubt man aber allge- 
mein, sie sei ausschlaggebend für die Rassenunterscheidung. Und 
das ist gleichfalls ein Irrtum. 

Immerhin ist es ebenso lehrreich als interessant, diese Flügel- 
deckenskulptur auf mathematisch-geographischer Grundlage von 
einem Längen- oder Breitegrade zum anderen zu verfolgen. Nach 
poUtisch-geographischen Grenzen, also nach Reichen und Ländern 
oder nach Landesteilen ihr beizukommen, ist verfänglich; es führt 
nicht zum allgemein und überall verständlichem Ergebnisse, viel- 
i mehr gar leicht zu Mißverständnissen. 

Vorhinein sei betont, daß hier nur vom violaceus die Rede 
ist, wie er ungefähr in dem von Gangibauer im 1. Bande der 
„Käfer von Mitteleuropa" bezeichneten Gebiete — mit einigen nicht 



92 



Fr. Sokolaf. 



gar bedeutenden Erweiterungen nach Süden und nach Norden — 
ins Auge gefaßt ist. 

Im allgemeinen lassen sich folgende Tatsachen in Bezug auf 
die Deckenskulptur dieses Caraben konstatieren: 

1. sie ist im Süden und im Westen ihrer Struktur nach eine 
rippig-lineare, im Norden und im Osten eine körnige; 

2. jede dieser beiden Strukturen ist im Westen sowie im 
Süden eine derbere, gröbere, ausdrucksvollere, im Osten und im 
Norden eine zartere, feinere; 

3. keine von den beiden Strukturen schwindet in dem Maße, 
daß die Trachealzwischenfelder ganz glatt werden, wie es beispiels- 
weise an Car. monilis^ resp. an dessen Ostrassen Preyssleri und 
Zawadshii der Fall ist; 

4. die eine Struktur geht geographisch nicht in Sprüngen, 
sondern allmählich in die andere über; 

5. weder orographische noch hydrographische Wehren bilden 
abschließende Grenzen für die eine oder die andere Struktur. 

Ob sich die Verfeinerung oder die Vergröberung der einen 
wie der anderen Struktur in der oder in jener Weltrichtung be- 
wegt, ist nicht s])ruchreif. 

Um nun, in Anlehnung an die bisher geltenden Begriffe, die 
Sache klarer und anschaulicher zum Ausdrucke zu bringen, will 
ich die gleichmäßig körnige Deckenskulptur des violaceus ^ also 
die gar nicht oder nur selten, oder nur schwach differenzierte 
Skulptur die Glabrellusskulptur, die nächst gröbere und zugleich 
zu deutlichen Hij)pchcn formierte Skulptur die Exasperatusskulptur, 
die (las bereits uniforme Dreirippensystem darstellende Skulptur 
die ( Jrenatusskulptur, endlich das am gleichmäßigsten ausgebildete 
Drcirippensystem die Piirpnrascensskulptur nennen. 

In Bezug auf die Glabrellusskulptur ist es nun Tatsache, daß 
(l<;r ganze Norden des mitteleuropäischen Festlandes, im groben 
I niriß inig(;fähr vom 50. iircitegrad an nordwärts, nur (li(\se Decken 
Hkul|)tur ausweist, von einzelnen individuellen Abweichungen ab- 
gcHclicn. J 

AnderH gCHÜiltet sich die Situation etwa vom 50. Hreitegradj 
nach Sllden. Von da an weisen, wie auch bei manchen andcreir 
Carahcnarten, alle Anzeichen darauf hin^ daß etwa der 'M. Längen 



Die Deckenskulptur des Carahus violaceus L. 



93 



grad von Ferro als Grenzlinie zwischen Osten und Westen anzu- 
nehmen ist. 

Faßt man nun beim Gar. violaceus diese hier abgegrenzte 
Ostseite ins Auge, so herrscht diese selbe Glabrellusskulptur etwa 
bis zum 45. Breitegrade nach Süden noch immer allein. Westwärts 
dagegen streicht sie nur in einem verhältnismäßig schmalen Streifen, 
so etwa am 46. Breitegrade bis etwa zum 25. Längengrade v. F. 

Gemeinverständlich ausgedrückt, ist die Glabrellusskulptur 
alleinherrschend im nördlichen Teile des Deutschen Reiches, dem 
daran grenzenden Gebiete von Rußland, in Österreich -Ungarn 
etwa von Prag süd- und ostwärts über Böhmen, Mähren, Schlesien, 
Galizien, Bukowina, Ungarn und Siebenbürgen bis ins nördliche 
Gebiet von Rumänien, endlich von Wien westwärts über die nörd- 
lichen Teile der Alpenländer bis in die Schweiz hinein. Und zwar 
herrscht sie da von Wien an geschlossen über Niederösterreich bis 
etwa zur oberösterreichischen Landesgrenze, dann über Steiermark 
im ganzen nördlichen Teile, ebenso in Kärnten, schlägt aber von 
hier an einen Umweg ein, wie es scheint, um Linz herum über Salz- 
burg und einen Teil von Baiern sowie Tirol in die Schweiz. 
Diesen westlichen Irrweg der ausschließlich herrschenden Glab- 
rellusskulptur geographisch nach Längen- und Breitegraden genau 
zu verfolgen und zu fixieren, wäre von hohem wissenschaftlichen 
Interesse. 

Den Charakter dieser Körnerskulptur kennt jedermann. Nicht 
allgemein bekannt ist aber, daß sie in dem ganzen hier im Auge 
gehaltenen Gebiete im Norden und in den Karpatenländern fein 
und zart, in den österreichischen Alpenländern am feinsten und 
zartesten ausgebildet erscheint, während sie im Westen, z. B. in 
der Schweiz, schon grobkörnig genannt werden kann. 

Doch mag sie noch so feinkörnig sein, so findet man nament- 
1 lieh an gut gereinigten Tieren immer noch Spuren von Primär- 
rippchen, nicht selten sogar zart hervortretende Rippchenlinien, 
natürlich direkt oberhalb der Trachäen, die bei entfetteten Tieren 
j an der Unterseite der Decken ebenso klar als deutlich hervortreten, 
j Allein die hier näher ausgeführte Alleinherrschaft dieser 
] Glabrellusskulptur in dem hier bezeichneten Gesamtgebiete ist 
i doch nur cum grano salis zu nehmen, d. h. sie ist nicht eine 



94 



Fr. Sokoläf. 



absolute, jede andere ganz ausschließende. Freilich kann man sich 
davon erst überzeugen, bis man große Mengen nicht ausgesuchter 
Tiere von einem Fundorte zu untersuchen in der Lage ist. Es 
finden sich darunter immer vereinzelte, ganz normal ausgebildete 
Exemplare, welche die nächst zu behandelnde Exasperatusskulptur 
trotzdem aber den Habitus der Träger der Glabrellusskulptur ganz 
deutlich ausweisen. Solch ein Stück ist z. B. ohne jeden Zweifel 
der Gar. exasperatus Duftsch. Der Autor sagt ausdrücklich: „Von 
Wien." Der Name exasperatus stammt von Megerle, was sich aus 
dem vom Autor in Klammer angeführten Namen (Megerle) ergibt, 
und der Wiener Megerle hatte einmal oder vielleicht zweimal, wie 
auch mancher andere in späteren Jahren nach ihm, das Glück, einen 
ebenso skulptierten violaceus bei Wien zu finden. Zu Duftschmids 
Zeiten galt ein exasperatus als Spezies, genau so wie ein Träger 
der Glabrellusskulptur Gar. violaceus L. geheißen wurde. Das darf 
nicht übersehen werden, weil zu jener Zeit eben die Deckenskulptur 
als Basis für die Unterscheidung der Arten gegolten hatte. 

Derselbe Duftschmid führt aber gleich auf der nächsten Seite 
als Art den Gar. violaceus L., also nach der jetzigen Auffassung 
denjenigen i;iokcews an, den Linn6 beschrieben und benannt hatte, 
der also die Glabrellusskulptur trägt, mit dem Fundorte „um Linz". 
— Jahrelang bitte und bettle ich, um aus der Umgebung von Linz 
violaceus, selbstverständlich unausgesucht, zu erhalten. Ganz ver- 
geblich! Der Grund ist leicht zu erraten. Es ist ein Jammer. Das 
Interesse an den „Einheiten" ist da offenbar ausschlaggebend. Daß 
ich aus der Linzer Gegend alle violaceus mit „4" nehmen wUrde, 
ist keinem der Herren recht eingegangen. So wird gar manchen 
Orts die Forschung geschätzt und unterstützt! Nach dieser auch für 
mich genug verdrießlichen Abschweifung kann ich nach meiner Er- 
fahrung auf Grund meines anderen obenmterreichischen Materials 
fast mit Sicherheit behaupten, daß nicht gar weit von Linz die 
(iabrcIluH- und die Exasperatusskulptur sich so ziemlich die Wage 
halten, mit anderen Worten, daß daselbst ein (Ibergangsgebiet von 
der einen Struktur zu der anderen zu suchen ist. 

Nach einem sehr zaldreichen Material der Herren: Fr. lI.Klimsch, 
frllhcr in St. Tctcr in der An, jct/i in Brand-Laben, N.-O., Josef Petz 
uiifj Kar! llaii(lHlaiig(;r, \)va(\v \\\ Slcyr, O.-Ö., die mir alle in un- 



Die Deckensknlptiir des Carahns vwlaceus L. 



95 



eigennützig-ster Weise große Reihen dieses Laufkäfers, wie solche 
ein ernster Forseher unbedingt haben muß, wenn er sicher gehen 
will, zur Verfügung gestellt haben, weiß ich nämlich ganz bestimmt, 
daß südlich von Linz nicht die Glabrellus-, sondern die Exasperatus- 
skulptur alleinherrschend ist. Folglich kann der Duftschmidsche 
Car. violaceus nur nordwärts von Linz ein Verbreitungsgebiet haben. 
Eine höchst interessante, die oben erwähnte Abirrung der Glabrellus- 
skulptur vom geraden Wege illustrierende Tatsache! 

Allen genannten Herren sei hiemit öffentlich der schuldige 
Dank für deren Opferwilligkeit abgestattet I 

Duftschmid war von den damaligen Artenstandpunkte aus 
einigermaßen berechtigt, seinen Car. exasperatus „von Wien" zu 
kreieren. Von dem jetzigen, wahren Rassenstandpunkte sind wir 
es aber durchaus nicht, in einem Gebiete, wo eine bestimmte 
Skulptur und ein bestimmter Habitus die alleinherrschenden sind, 
auf einzelne Stücke Varietäten aufzustellen. So verhält es sich auch 
mit der Var. rdjiosiensis Csiki (linguistisch richtiger rdkosensis)^ der 
sicher keine Rasse, sondern nur eine individuelle Abweichung vom 
Habitus des pseudoviolaceus Kr. darstellt. Solche Individuen, nämlich 
cf, kommen namentlich im Wohngebiete des pseudoviolaceus Kr. 
überall, nicht bloß am Räkosfelde in Ungarn, sondern auch in Mähren, 
in Galizien, in der Bukowina, sogar in dem Wohngebiete der wahren 
Nominatform, das ist im nördlichen Teile des Deutschen Reiches 
vor. Die ganze, weite Umgebung von Pest-Ofen ist ein Sitz der 
Glabrellusskulptur, wie ich es ganz bestimmt weiß. Aber gar nicht 
selten gibt es da in Nordungarn, in Mähren und auch anderwärts 
einzelne Stücke, namentlich g^, die ganz deutlich die Skulptur 
und auch den Habitus des azurescens DeJ., der ja gleichfalls eine 
Exasperatusskulptur trägt, aufweisen. Es ist hier nicht der Ort, auf 
die Rassenfrage selbst weiter und tiefer einzugehen, da ja nur der 
Skulpturencharakter behandelt werden soll. Die Rassenfrage als 
solche wird später im Besonderen ihre Erledigung finden. 

Der Glabrellusskulptur am nächsten steht die Exasperatus- 
skulptur, die unbeständigste von allen. Altmeister Kraatz hat zwar 
versucht, die einzelnen auffallenderen Formationen derselben zur 
Grundlage von Varietäten jener Zeit zu legen. Der Versuch ist 
allerdings als nicht gelungen zu betrachten, allein ohne Wert ist 



96 



Fr. Sokolaf. 



er uicht; von Kraatzs Scharfsinn legt er ein unzweideutiges 
Zeugnis ab. 

Diese Exasperatusskulptur läßt sich etwa in folgender AVeise 
charakterisieren : 

1. Die Primärrippen treten deutlich vor, die ganzen zwischen 
ihnen liegenden Felder bleiben körnig (=YSiY. psiloptenis Kr.). 

2. Es treten außer den Primär- auch die Sekundärrippen ein 
wenig, aber unegal, mehr nur spur- oder andeutungsweise hervor, 
die dazwischen liegenden Längsfelder bleiben aber wieder körnig 
(= var. asper uliis Kr.). 

3. Endlich treten auch die Sekundärrippen ungefähr mit der 
gleichen Deutlichkeit wie die primären in Erscheinung, die da- 
zwischen liegenden schmalen Längsfelder bleiben jedoch noch körnig 
(== var. suhcrenatus G6h.). 

Hiebei muß jedoch ausdrücklich betont werden, daß überall, 
wo diese Exasperatusskulptur herrschend ist, nicht bloß diese obigen 
drei, sondern noch viele andere Kombinationen tatsächlich bestehen, 
und zwar an einem und denselben Fundorte. 

Auch bei dieser Skulptur ist es Tatsache, daß deren Struktur 
im Westen und im Süden des Herrschgebietes eine gröbere, ent- 
scliiedenere zu nennen ist. Ein exasperatus aus der Schweiz oder 
einer aus Kroatien (= aziirescens)^ im Vergleiche zu einem aus 
liölimen (Pfibram), beweisen dies ganz augenfällig. 

Ebenso wie es sich nicht abzirkeln läßt, wo die Glabrellus- 
skulptur aufhört, läßt sich nicht abzirkeln, wo die Exasperatus- 
skulptur anfängt. Tatsache ist aber, daß sie zumeist die Skulptur 
des Südens ist, wobei etwa der 45. Breitegrad als beiläufiges Mittel 
angenommen werden kann. Nördlicher davon dürften etwa der 
1^). Längengrad v. F. im Westen, nach Osten der 32. Längengrad 
die mittlere Grenze bilden, (ianz im Osten tritt sie aber erst nam- 
liaft südlicher auf als im Westen ihres Ilerrschgcbietes. Wieder 
p^meinvcrHtäiidlicli ^^(!sj)r()ch(;n, ist sie die Skulptur des westlichen 
Tcil(;H von SlIddeiitHchland, eines Teiles der Schweiz, des südöstlichen 
Teiles von Frankreich (ci/nnrolirnlxf/H^ Kr.j, von Norditalien (piccms 
Villa), der hüdliclien Alpcnliinder von Osterreich ((irrniari Sturm), 
dr« lif.MiisrlHii iiimI endlich des kroatisch-slavonischen Gebietes 



Verhandl. d 
Band 



Sokolär: 

htr des Carabus 
HS L. 




~ 6/döre, 



^xaspl ff- Sokolär inv. 
1 Mamitza fec. 



Verhandl. dtr k. k. zool.-hot. Ges., 
Band LXIII, l'flH. 



Taf. I. 



l>r. I r. >>'-^ou,r: 
Ihe IkckfHskiilp'ur des Carahus 
riohictu.'i L. 



Die Deckenskulpturen oesCarabus violaceus L.von Mitteleuropa. 




Die Deckeuskulptur des Cca 



97 



{azurescens Dej.), der nördlichen Alpenaiislänfer von Ob er Österreich 
und des südwestlichen Teiles von Böhmen. 

Auffallend ist die Tatsache, daß bei Aschaffenburg (27 : 50 e) 
am rechten, also dem nach Xorden gelegenen Maiuufer die Exaspe- 
ratusskulptur stets deutlich und ausdrucksvoll, am linken südlichen 
Ufer des Mains dagegen die Glabrellusskulptur vorhen'schend ist, 
wobei einzelne Exemplare eine sehr zarte Exasperatusskulptur auf- 
weisen. Herr Beruh. Schwarzer, Aschaffenburg, hatte die Freund- 
lichkeit, mir verläi31iches, richtig gesammeltes Material von dort zu 
verschaffen, wofür ihm hiemit herzlichst gedankt sei. 

Die Crenatus-skulptur schheßt sich so etwa um den 25. Läuge- 
grad herum an die Exasperatusskulptur an, reicht meines Wissens 
nicht über den 45. Breitegrad nach Süden hinunter und scheint 
weder in Westdeutschland noch in der Schweiz alleinherrschend, 
sondern mit Exasperatusskulptur stark untermischt zu sein. 

Das Gebiet der Purpurascensskulptur liegt außerhalb der 
Grenzen meiner Tätigkeit; ich kann daher nichts Verläßliches dar- 
über sagen, mit vagen Angaben ist aber nichts gewonnen. Die 
älteren Literaturangaben, die den Gar. purpurascens aus diesem hier 
ins Auge gefaßten Gebiete anführen, beziehen sich stets auf einzelne 
Exemplare, die eigentlich nur den Charakter der Creuatusskulptur 
tragen. 

Aus allen diesen rein realen Tatsachen und Ausführungen er- 
gibt sich gar mancherlei gewichtige Lehre. Nur eine davon sei hier 
berührt: Es ist nämlich entschieden viel gewagt, aus der Decken- 
skulptur des Gar. violaceus und dessen geographischen Rassen irgend- 
welche phylogenetischen Konklusionen zu ziehen. Sapientibiis sat! 



Z. B. Ues. 63. Bd. 



7 



98 



Franz Heikertinger. 



Psylliodes attenuata Koch, der Hopfen- 
oder Hanf-Erdfloh. 

II. Teil. 

Morphologie und Bionomie der Irnago. 

Von 

Franz Heikertinger 

in Wien. 
Mit 20 Originalfiguren. 
(Eingelaufen am 31. Dezember 1912.) 

Die vorliegende monograpliisclie Skizze bespricht im An- 
schlüsse an die vorangehende Arbeit meines lieben Freundes Prof. 
Dr. Tölg — in welcher die ersten Stände des im Titel genannten 
Käfers eine eingehende Darstellung finden — den äußeren Bau 
und die Lebensverhältnisse des reifen Insekts. Die teilweise ge- 
meinsam gewonnenen Erfahrungen bedingen es, daß einzelne Wieder- 
holungen im bionomischen Detail nicht ganz vermieden werden 
kon nten. 

Ich kann nicht umhin, an dieser Stelle meiner herzlichen 
Freude darüber Ausdruck zu geben, daß sich ein Biologe von 
einer auf verschiedenen Gebieten der Entomologie gewonnenen 
Erfahrung, wie es Prof. Dr. Tölg ist, dem Studium der Entwick- 
lung unserer Erdflöhe zugewendet hat und es ist mir eine FreudC; 
seine detaillierten Untersuchungen über die Präimaginalformcn durch 
eine Schilderung der Imago zu einem monographischen Gesamt- 
bilde der Art gestalten zu können. 

Vorbemerkung. 

Di«' I lo|>r(;nkiiltui(;M der llolarktis werden ortweisc; von zwei 
Erdlloliartcn bedroht: (i(;r Psi^Uiodrs atlcnuata Koch in Eurasien 
un<l der J'syll(0(/f;s ))tnir(nl(i(ff Mclsh. in Nordamerika, dem eure- 
jiiiiHchcn und d(^m nordanicrik.'niiHclicn II()j)f(',n i'^rdlloli. 



Psylliodes attemiata Koch, der Hopfen- oder Hanf-Erdfloh. II. Teil. 99 



In den letzten Jahren haben amerikanische Entomologen im 
Auftrage des U. S. Department of Agriculture — einer mustergültigen 
Institution — die Lebensweise der nearktischen Art, die in Britisch- 
Kolumbien beträchtliche Verheerungen in Hopfengärten angerichtet 
hatte, eingehend studiert und dargestellt. Für unsere einheimische 
Art besteht eine derartige Darstellung bis zur Stunde nicht. Die 
unzureichenden Angaben in der Literatur vermengen vielfach 
Falsches mit Wahrem und fast überall vermissen wir eine glatte, 
scharfe Scheidung dieser Art von anderen Erdfloharten, die parallel 
mit ihr des Hopfenbefalles bezichtigt werden, die aber für einen 
solchen in Wirklichkeit nicht oder doch nur in Ausnahmsfällen in 
Betracht kommen können. Der Faktor der Verurteilung Unschul- 
diger, den ich in einer früheren Skizze über die Haltica oleracea, 
den falschen Kohlerdfloh, so kraß zu beleuchten Gelegenheit hatte, 
spielt auch hier seine Rolle und läßt es in erster Linie nötig er- 
scheinen, daß gerade den Kulturschädlingen auf systematisch und 
nomenklatorisch verläßlicher Grundlage mit Beobachtung und Ver- 
such, kritischer als es bisher geschah, nahegetreten werde. 

Die vorliegende Skizze möchte deshalb ebensowohl rein wissen- 
schaftlichen wie auch praktischen Zwecken dienen und muß daher 
im Interesse der letzteren manches bringen, was vom rein wissen- 
schaftlichen Standpunkte aus füglich hätte wegbleiben können. 

Da die europäische und die amerikanische Art hinsichtlich 
Bau und Lebensweise vielfach erwähnenswerte Analogien zeigen, 
habe ich der nachfolgenden Besprechung einen teilweise ver- 
gleichenden Charakter gegeben. 

Allgemeine Kennzeichimng der Art für praktische Zwecke. 

Allgemeine Charaktere der Halticinengattung Psylliodes:'^) 
Fühler zehngliedrig (bei allen übrigen europäischen Halti- 
cinengattungen — mit Ausnahme der von Psylliodes generisch 
kaum zu differenzierenden Gattung Semicnema Weise — elfgliedrig). 

^) Die angegebenen Gattungskennzeichen sind zwecks Vermeidung von 
Verwechslungen der Ps. attenuata mit der gleichfalls als „Hopfenerdfloh" ge- 
meldeten Chaetocnema concinna Marsh, und anderen, zufällig auf Hopfen ge- 
ratenen Erdflöhen bei Determination von Tieren unter Benützung dieser Arbeit 
genau zu prüfen. 

7* 



100 



Franz Heikertinger. 



Von den basalen Gliedern ist das zweite fast ebenso lang wie das 
erste (Fig. 10). 

Halsscbild ohne eingegrabenes Längsfältcben am Basalrande 
und obne Qiierfurcbe. 

Flügeldecken mit regelmäßigen Streifen kräftiger Punkte. 
Hintertibien oberseits am Ende etwas ausgehöhlt; in dieser 
Aushöhlung entspringen die Tarsen, und zwar nicht am Ende der 

Schiene, sondern auf dem Schienen- 
rücken ein Stück vor dem Ende (Fig. 1 
und 15). Das erste Tarsenglied (Fer- 
senglied) sehr lang, ungefähr von halber 
Schienenlänge. (Diese Beinbildung kehrt 
bei keinem paläarktischen Halticinen- 
genus — Semicnema ausgenommen — 
wieder; bei allen anderen Gattungen 
ist der Tarsus am Schienenende ein- 
gelenkt.) 

Innerhalb der Gattung ist die Spe- 
zies attenuata leicht kenntlich an fol- 
genden Merkmalen: 

Lang-eiförmig, gewölbt, 2 — 2'8 mm 
lang, 1 — 1'4 nmi breit; nietallgrün bis 
bronzefarben, das Fliigeldeckenende 
gelbrot mit erzgrünem Glanz, der zu- 
weilen zunehmend das Gelbrot völlig 
verdecken kann, so daß die Flügeldecken 
dann einfärbig dunkel mctallgrün oder bronzig erscheinen (aberr. 
jtlrirjjrnis Steph., vlclna Kcdtb.j; es existiert übrigens keine zweite 
paläarktische erzgrline J^sylliodcs mit hellem Dcckenendc. Fühler 
und lieine gelbrot, die Vorder- und Mittelschenkel in der Basal- 
häUlc braun, die Ilinlcrschcnkcl pechbraun mit Metallglanz; alle 
'J'il>i(*n und 'larHcii hell^ zuweilen gebräunt. 

K()\)i' inijiunktiert ; Stirn zwischen den Augen mit einge- 
gral)cncn, / fiMinig g(;krcuzten Stirnlinien, die in gleicher Form, 
und gl(M(th Hcharfer Ausprägung bei keiner |)aläark tischen l^i^ylllodes 
wiederkehren (Fig. 2 und 4). 




Fig. 1. Psylliodes attenuata 

Die Hinlerbeine zei^jen die für lote 
I'sylliodcii charaklerislische, an die 
Schiene zurü(;kKeklapptc! lia^e des 
Fersengliedes. Links Angalte der 
nalürlif,li(!n TiiMKrölie. 



P.tylliodes attenuata Koch, der Hopfeu- oder Hanf-Erdfloh. II. Teil. 101 



Halsschild auf sehr feiner GrundchagrinieruDg mit gleich 
großen, nicäßig starken Punkten gedrängt besetzt.^) 

Die angeführten Merkmale dürften hinreichen, dem von phyto- 
pathologischer Seite kommenden Interessenten ein sicheres Erkennen 
der Art ohne Studien und ohne Yergleichsmaterial praktisch zu er- 
möglichen. Eine gute Lupe von etwa 25 — 35 facher Vergrößerung 
genügt zu diesen Untersuchungen. 

Immerhin wiederhole ich an dieser Stelle, was nicht oft genug 
wiederholt werden kann: die angewandte Entomologie wird erst 
dann wissenschaftlich unbedenklich verwertbare Angaben liefern 
können, wenn sie als erste Forderung die richtige Determination 
und korrekte Benennung des Beobachtungs- oder Versuchstieres 
durch einen Spezialkenner der bezüglichen Tiergruppe, dem das 
Objekt zur Determination oder Revision vorzulegen ist, aufstellt. 



^) Das letzterwähnte Merkmal unterscheidet das besprochene Tier von 
einer Artengruppe der Gattung Psylliodes, deren teilweise erzgrüne Vertreter 
gleichfalls mit deutlich umschriebenen, allerdings etwas anders gebauten Stirn- 
höckern ausgestattet sind und die der Nichtkenner eventuell mit attenuata 
verwechseln könnte (vergl. die offenkundige Verwechslung bei Koppen, Lit.- 
Verz. 5). Es ist dies die engste \'erwandtschaft der Ps. hyoscyami L., neben 
Ps. chalcomera III. speziell hyoscyami selbst. Nachstehend eine kurze Diffe- 
renzierung: 

Ps. attenuata : 1 Ps. hyoscyami: 



Körper schlank — Flügeldecken- 
tpitze meist heller — Stirnliuien über 
den Höckern ziemlich geradlinig zum 



Körper plump — Flügeldecken- 
spitze nie heller — Stirnlinien über 
den querschmalen Höckern im Bogen 



oberen Augenrande verlaufend, sich ' von einem oberen Augenrande zum 
unter einem Winkel von ungefähr 90° andern laufend, Höcker durch ein 
schneidend — Halsschild wenig breiter queres Grübchen getrennt — Hals- 
als lang, nach vorne mäßig verschmä- schild ungefähr doppelt so breit als 
lert, auf fein gekörneltem Grunde lang, nach vorne stark verengt, auf 
gleichmäßig gedrängt punktiert, die fein punktiertem Grunde noch zer- 
vordere Borstenpore am Halsschild- streut und ungleich grob punktiert, 
Seitenrande eckig vortretend — Hinter- die vordere Borstenpore am Halsschild- 
schienen unterseits sehr schwach ge- seitenrande verruudet. — Hinterschie- 
bogen, am Ende etwas lööelig ausge- j nen unterseits stark gekrümmt, am 
höhlt und am Rande der Aushöhlung ' Ende mehr rinnenfömiig ausgehöhlt, 
kammförmig fein bedornt. — Stand- am Rande der Rinne spärlich bedornt, 
pflanzen: Hopfen, Hanf, Brennessel. — Standpflauze: Bilsenkraut. 

Die der Ps. hyoscyami äußerst ähnliche Ps. chalcomera lebt auf Disteln. 



102 



Franz H e i k e r t i u g e r. 



Spezielle Morphologie. 

Morphologische Detailuntersuchungen hinsichtlich der gegen- 
ständlichen Art liegen bis heute nicht vor; die maßgebenden und 
vom Standpunkte der heutigen Koleopterensystematik — im Durch- 
schnitt genommen — immer noch erschöpfend zu nennenden Be- 
schreibungen der Art, wie sie 
vonFoudras/)Kutschera-) 
und Weise ^) gegeben wer- 
den, enthalten keine jener 
morphologischen Feinheiten 
die uns das Mikroskop er 
schließt. 

Da übrigens nicht blo 
hinsichtlich der besprochene 
Art, sondern auch hinsieht 
lieh der gesamten Gattun 
Psylliodes, ja sogar hinsieht 
lieh der Halticinen im allge 
meinen eine kritische Dar 
Stellung der Kopfskulptur 
der Mundteile, der ventralen 
Körperbedeckung, des Flü 
gelgeäders usw., bis heut 
fehlt, so dürften die nachfol 
gendcn Ausführungen , die 
sich speziell mit dieser Seite des Gegenstandes beschäftigen, auch 
von allgemeinerem Werte sein.'*) 

^) C. Fond ras (sioiic I.it.-Verz. .'!), p. 55, 1860. 

2) F. KiitHchoru, Hcitriif^o z. K(niiitii. d. einoi). llalticiiion. Wi(m. Entom 
MonatBclir., VIII, p. 39'J (Sop. p. ;JG9), 18G4. 

') J. Woiso, EricliHon, Natur^^ d. IiiHokt. Deutschlands, VI, )). 801, 1888 

♦) Eh inf vom Standpunkte dos systcniatisch-deskriptiv üiti^cu Ento 
mol(i;,'c»n zu bcdaiiorn, daß seit dein Veralten von K.J.Kolbes Einfiilirun 
in dir Kenntnis der Insekten (Herlin, 1893) kein iibersiclitlieli zusammen 
faMMeiideM Werk über ver^;leiclierid(! InsciktcMiinorplioIof^ie in deutselier Sprach 
^fcwhriebi'n wurde. Der HysteniMtiseli und biononiiseli arb(;it,ende SjX'ziidis 
int »chon mit Kijek«icht auf seine Z(;it und Arbeit.skral'i au l,!er .stände, sich uu 



ad l cfifr md mxfl 



! 




Fig. 2. 

Koj)!' von Vsyll. atteniiata, Schcitclansiclit. 

111(1 niandibula, Oberkiefer — l labrum, Oberlippe — 
acl anteclipeus, vorderer Kopfscbild — cpfr carina 
praefrontalis, Vorderstirnkiel — inxp palpus maxilla- 
ri.«, Unterkiefertaster — unt antenna, Fühler — prg 
praegena, Vorderwange — oc oculus, Auge — psfr 
postfrons, Oberstirn — v verlex, Scheitel — occ occi- 
puf, nintcrhaujit. 



PsylUodes attemiata Koch, der Hopfen- oder Hauf-Erdfloh. II. Teil. 103 



Der äußere Bau des Körpers wurde von den genannten 
Halticinenmonographen genügend charakterisiert; die beigegebene 
Figur 1 vermittelt überdies ein Habitusbild des Tieres. 

Der Kopf ist in Figur 2 von der dorsalen, in Figur 3 von 
der ventralen Seite dargestellt; Figur 4 gibt ein schematisches Bild 



der Skulptur des Vorder- 
kopfes. Zum kritischen 
Verständnis der letzteren 
sind die Figuren 4 und 5 
zu vergleichen. 

Die Nomenklatur 
der über den Mundpar- 
tien liegenden Teile der 
Kopfkapsel ist bei den 
Monographen nicht völ- 
lig einheitlich, Foudras 
spricht von einem „epi- 
stome", unter welcher 
Bezeichnung er offenbar 
(er spricht sich nicht klar 
darüber aus) den wul- 
stigen Vorderrand des 
Kopfes einschließlich des 
unmittelbar dem Labrum 




Fig. 3. 



Kehlansiclit. 



Kopf von Psyll. attenuata, 

Benennungen wie in Fig. 2 ; außerdem : la lacinia, Innen- 
lade des Unterkiefers — ga galea, Außenlade desselben. — 
Ii ligula, Unterlippe — Up palpus labialis, Unterlippentaster 
— j» mentum, Kinn — s?jf submentum, Unterkinn — hst 
hypostoma, Hypostom — g gena, Wange — gii gula, Kehle 
aufliegenden quer band- — tempora, Schlafe — focc foramen occipitale, Hinter- 

artio-en, mehr membra- 



hauptloch. 



nösen Teiles versteht. Kutsch er a verwendet den Ausdruck „Kopf- 
schild" für die gleichen Partien und vermerkt: „Das Kopfschild 
ist mit der Stirne stets verbunden und es läßt sich bei der innigen 
Verschmelzung dieses Kopfteiles mit der Stirne kaum eine sichere 
Grenze für ihn angeben.^)" . . . „Den äußersten Rand der Stirne 
oder des Kopfschildes an ihrer vorderen Senkung gegen den Mund 



der zerrissenen und uneinigen Literatur ein klares Urteil zu holen. — Die im 
folgenden angewendete Nomenklatur richtet sich größtenteils nach der um- 
fassenden modernen Arbeit von A. Berlese, Gli Insetti, loro organizzazione, 
sviluppo, abitudiui e rapporti coli' uomo. I. Milano, 1909. 
^) Kutschera, 1. c, III, p. 35; Sep. p. 11. 



104 



Franz H e i k e r t i ii g e r. 



fit st 



bildet eine mehr oder minder breite horizontale Membrane, in welche 
die liornartige Substanz des Kopfes iiberg-eht und unter welcher 
die Oberlippe befestigt ist." ^) Weise stimmt in der Auffassung dieser 
Teile völlig mit Kutschera überein. 

Nach neuerer Bezeichnungsweise ^) wäre die quere Membran, 
die bei den Halticinen fast stets deutlich gesondert ausgeprägt ist, 

als „Anteclipeus" ^) auf- 
zufassen. Der etwas ge- 
wulstete Rand des Vorder- 
kopfes, der unmittelbar an 
den Anteclipeus ansetzt, 
stellt den „Postclipeus" 
dar, wenn wir nicht den 
anderwärts dafür gebrauch- 
ten Namen „Epistom" ^) ver- 
wenden wollen. Der Post- 
clipeus ist von der übrigen 
Vorderstirn nicht scharf 
trennbar; er schließt unge- 
fähr mit der hinteren Ver- 
bindungslinie der Mandibel- 
gelenke ab. 

Über dem solcherge- 
stalt geteilten Clipeus oder 
Kopfschilde liegt ein Kopf- 
teil, den ich nach B erlese 
als Praefrons, Vorder- 
ßtirn, bezeichne. Er ist bei der Mehrzahl der Halticinen nach oben 
hin durch die „Stirnlinien" und „Stirnhöcker" gut von der dariiber- 
liegondcn l\)stfrons, der „Oberstirn", wie sie im Deutschen wolil 
am l)('/-cicl)j)cndHtcn zu nennen ist, geschieden. Die Praefrons wird 




Fig. 4. Kojjf von Fsyll. attenuata, Stirnansiclit 
(schematisch). 

sc Siipiacarinalfurclie — ,fit Intertubeikulari,Miibchen — 
sl Siipratiil)erkularfurche — Jo Juxtaokularliirclie - 
SU Siiiiraaiilonnalfurchc — c cantluis, Augenwinkel — 
jiso Supraorbitalpunkle. 



S KutHrlicra, 1. c, p. o8; Scj). p. 1.'3. 
■■') licrloHt', 1. ('. 

') Ich iMüchto (li(5 .Sclir<Ml)\v(;i.s(; „clipeiih" (mh Stelle (b'H vitiUacli iib- 
liclH'Ti „clypfMifi") voi/Jclicn. 

*) Vgl. z. Ii. l)r. A. (J. II opk iiiH, ('oiitiibiition.s tow.'ird a Dioiiograpli of 
the Scoiytid bectlc». I. 'I'Ik! gcmtn JJendruclonm. Wa«liiiigt()ii, 11)09; u.a. 



Psylliodes attenuata Koch, der Hopfeu- oder Hauf-Erdfloh. II. Teil. 105 



sa . _ .1 
















bei den Halticinen in der Regel ihrer ganzen Längsmitte nach von 
einem höher oder flacher aufgewulsteten Kiel durchzogen, der „carene 
faciale-' oder carina facialis des Foudras, der konsequenterweise 
als carina praefontalis bezeichnet werden könnte. Als deutsche 
Bezeichnung wird neben .Praefrontalkiel" das bereits in Gebrauch 
stehende „Stirnkiel^- zu verwenden sein; die ab und zu gebrauchte 
Benennung „Nasenkiel'' ist 

als unmorphologisch kaum " ^-^ 

zu empfehlen. Seitlich fällt 
der Stirnkiel, der sich bei 
manchen Halticinen völlig 
verflacht, zu den Fühler- 
gruben und zu den Vorder- 
wangen, praegenae, ab (vgl. 
Fig. 5). 

Etwas oberhalb der 
Höhe der Fühlerwurzeln 
endet dieser Kiel. Bei der 
Ps. aitenuata geschieht dies 
durch einen scharfen, A-för- 
migen Eindruck; dieser ist 
als mittlerer Abschluß der 
Praefrons nach oben anzu- 
sprechen. 

Hier beginnt nun eine 
Stirnskulptur, die für eine 
feinere systematische Diffe- 
renzierung der Halticinen- 

kategorien (Gattungsgruppen, Gattungen, Arten) von höchster Wich- 
tigkeit ist. Um ein vergleichendes Studium dieser Teile anzubahnen, 
halte ich die Aufstellung einer kritisch morphologischen Benennungs- 
weise der einzelnen Teile für nötig. Die Figuren 4 und 5, schema- 
tisierte Köpfe der beiden Hopfenerdflöhe, eignen sich in zureichen- 
der Weise zur Darstellung der wichtigsten Wandelbarkeit der Stirn- 
ftirchungen. 

Die vorerwähnte, winkelig geknickte Furche, die den Prae- 
frontalkiel oben abschließt, bezeichne ich als „Supracarinalfurche", 




Fig. 5. Kopf von Psyll. punctulata, Stirnansicht 
(schematiscli). 

Benennungen wie in Fig. 2 und i; außerdem: pf post- 
frons, Oberstirn — prf praefrons, Vorderstirn — cf ca- 
rina praefrontalis, Vorderstirnkiel (Stirnkiel) — pcl 
postclipeus, hinterer Kopfschild — aa acetabulum an- 
tennale, Fühlergelenkspfanne. 



106 



Franz H e i k e r t i n g e r. 



Sillens siipracarinalis. Ihre Schenkel laufen seitlich abwärts den Fühler- 
wiirzelu zu. Ihr Scheitelpunkt ist oft durch ein Grübchen, „Inter- 
tuberkulargrUbchen", fovea intertubercularis, markiert. Bei manchen 
Arten wird dieses Grübchen zu einer die Stirnhöcker trennenden 
kurzen Längsfurche, „Intertuberkularfurche", sulcus intertubercularis. 

Bei der Ps. atteuiiata setzt sich jeder der beiden Schenkel 
der Supracarinalfurche über den Scheitel hinaus schief nach oben 
fort, um in den oberen (hinteren) Augenrand zu verlaufen. Da 
diese Furche jedoch aus zwei Teilen besteht, die bei anderen Hal- 
ticinenarten teilweise fehlen, beziehungsweise anders verlaufen (vgl. 
Fig. 4 mit 5), so benenne ich sie getrennt in zwei Teilen. Die 
„Supratuberkularfurche", sulcus supratubercularis, zieht vom Supra- 
carinalgrübchen bis zu jener Stelle, wo sich die Richtung ändert^ 
nach oben zum Augenrande einbiegt, — die „Juxtaokularfurche", 
sulcus juxtaocularis, verläuft von da ab zum und neben dem Augen- 
rande nach oben und hinten. An dieser letzteren Furche, nahe an 
den Augen und schon auf der Postfrons, liegen einige zusammen- 
fließende, punktgrübchenartige Eindrücke in kleiner Gruppe, etwa 
der Supraorbitalseta anderer Coleoptera entsprechend. Foudras 
bezeichnet sie als „point suroculaire", Kutschera und Weise 
beachten sie nicht. Die Bezeichnung „Supraorbitalpunkte" dürfte 
sie hinreichend kennzeichnen. 

Weniger als Furche denn als Abfall der Postfrons gegen die 
Fühlcrgrube präsentiert sich die „Supraantennalfurche", sulcus supra- 
antennalis. Sie schließt zusammen mit der Supracarinalfurche und 
der Siipratuberkularfurche jederseits eine mehr oder minder empor- 
gewölbte kleine Fläche ein, die eine bedeutsame Holle in der Ilal- 
ticinensystematik spielt: die „festons" oder encarpis des Foudras, 
„Stirnhöckerchen" des Kutschera und Weise (tuberculae frontales 
des h'.tztercnj, „plaques surantcnnaires" des Bedel. 

I>('i der besprochenen Psylliodcs sind sie innen und oben tief 
Hinschrieben, gehen aber nach außen ohne scharfe Scheidelinie in 
die Kchniah), oben zusainmeidanfende Fläche am Augeninnenrandc, 
den „Au^^enwinkel", canthus, über. Letzterer ist in den Figuren 
4 und f) durch Sclialticrung hervorgehoben. 

J*siflli(Klrs pu)ir(nlfif(( (Kopf Fig. f)) Ix'sit/t nur verloschene 
S|)uren der inneren Stinifurclien und keine deutlichen Stirnhöcker; 



P»yUiodes attenuata Koch, der Hopfen- oder Hanf-Erdfloh. II. Teil. 107 




lediglich die Supraantennalfurche und die — hier mit ihr zusammen- 
laufende — Juxtaokularfurche sind tief ausgeprägt und scheiden 
klar und scharf Canthus von Postfrons.^) 

Die Oberstirn geht ohne Scheidelinie in den Scheitel über; 
letzterer beginnt ungefähr dort, wo die VerbindungsHnie der Augen- 
hinterränder bei senkrechter Aufsicht auf das Cranium das letztere 
quert. Bei normaler Kopflage ist der Scheitel 
zum größten Teile vom Pronotum bedeckt. 

Das Hinterhauptloch ist sehr groß, die 
Kehle groß, hochgewölbt (Fig. 3). 

Die Mundteile sind bei natürlicher Kopf- 
lage unter einem Winkel von ungefähr 70 — 80° 
zur Basalebene geneigt, also fast senkrecht 
nach abwärts gerichtet. 

Die Oberlippe, labrum (Fig. 6), besteht 
aus einer in relativ großem Ausmaße freilie- 
genden Chitinplatte mit leicht gesenkten Rän- 
dern. Ihre Form ist aus der Figur zu entneh- 
men. Der Yorderrand ist in der Mitte jeder- 
seits leicht eingekerbt; unterseits ist sie mit 
einer Anzahl glasklarer Zäpfchen (die wir be- 
reits am Larvenkopfe finden und die jedenfalls 
Sinnespapillen darstellen) besetzt. Oberseits 
trägt das Labrum ungefähr in einer queren 
Mittellinie sechs starke Borsten, die äußersten schon am Seiten- 
rande. Die Form der Chitinstücke, die die Befestigung der Ober- 
lippe im Cranium vermitteln, ergibt sich aus der Figur. Die Ober- 
lippe ist oberseits an der Basis von dem flach aufliegenden, dünnen 

^) Für die Bedürfnisse des Alltags, da keine vergleichend morpholo- 
gische Behandlung des Gegenstandes, sondern lediglich eine Erleichterung 
der Determination angestrebt wird, können im Deutschen mit Vorteil die Be- 
zeichnungen: Obere Stirnlinien (für Supratuberkular-.-j- J^ixtaokularfurche), 
untere Stirnlinien (für Supracarinal- -{- Supraantennalfurche). Stirnseiten- 
rinne (für Supraantennal- -{- Juxtaokularfurche) — je nachdem sich die Furchen 
miteinander verbinden — verwendet werden. Diese Benennungen, zum Teil 
schon von früheren Autoren gebraucht, finden sich auch in meiner Halticinen- 
bearbeitung für Re Itters Fauna germanica (Die Käfer des Deutschen 
Reiches, IV, Stuttgart-, im Erscheinen). 



Fig. 6. 
Labrum von Vsijll. atte- 
nuata, Dorsalansicht, 
diaphan; Vergr. 185/1. 

Der freiliegende Teil ist 
durch Dunkelfärbung ge- 
kennzeichnet. 



108 



F r a u z H e i k e r t i n g e i*. 



Anteclipeus bedeckt, unterwärts wird sie von den Mandibeln etwas 
überragt. 

Die Oberkiefer, maudibulae (Fig. 7), sind kräftig, innen 
etwas muschelig ausgehöhlt. Der schief verlaufende Vorderrand 
trägt fünf ziemlich spitze Zähne, die, da sie nicht in einer Ebene 
liegen, nur bei seitlicher Ansicht gleichzeitig bemerkbar sind. Der 
mittlere Zahn von den fünfen springt am weitesten vor und ist 
der kräftigste; die beiden Seitenzähne desselben sind schwächer, 
doch wohlentwickelt; der innerste Zahn stellt nur eine Ecke dar. 



der äußerste liegt im licnintergcvv()lbtcn AuOentcil der Mandibel, 
ist klein und schwerer zu finden. V^)m oberen innersten Zahn zur 
HuHis verläuft eine bewimperte Mem))ran. 

I)i(^ Unterkiefer, rnaxillae (Fig. 8j, sind wohlentwickeit. Form 
und I^age der einzelnen Teile gibt die Figur wieder. Die yVullen- 
ladc (mala cxterior, lol)us cxternus, galeaj, ist walzig und taster- 
artig auHgcbildct und trügt am Ende feine, glasklare Ziipfcli(;n, 
Das Angelglied erHchcint in Figur H mit seiner Basis etwas in die 
IJildcbenc lierauHgebogen. Jn natürlicher Lage am Kopfe schließt 




Fig-. 7. 
Linke Mandibel von 
l'si/liiodes attenuata, 
Ventral ansieht; 
Vergr. 185/1. 



(II cardo, Anfjciglied — sf slipos, Stamm 
— squama i)ali)if;era, T'.-iIpil'er, 'l'a- 
slerträger — pt, p-u palpus, Taster 
(vicrgliediiiir) — i/n {jaloa, AulJenlado — 
sffa suhgalca — hi Iai;inia Innonlado. 



Fii^. 8. Linke Maxille von I^syll. 
atleniiata , Vcntralausicht. (Die 
feinere Beborstung ist we^^ge- 
lasscn.) Vergr. 185/1. 



;// liowinipertc Meml)ian 
(Ut Iiinoiikanlo. 



PsijJUodes attenuata Koch, der Hopfen- oder Hanf-Erdfloh. II. Teil. 109 




seine Fläche mit der dreieckig-en Chitinplatte des Stipes {st) einen 
ziemlich spitzen Winkel ein, so daß vor der bogigen Ausrandung 
des Hypostoms (Fig. 3, list) Cardo und Stipes 
als eine kantige Ecke nach unten vorsprin- 
gen. Die basalen Condyli des Cardo ruhen 
auf Innenleisten des Hypostoms. 

Die Unterlippe, labiuni (Fig. 9), zeigt 
eine stumpf verrundete Ligula mit Borsten 
und Papillen und trägt einen dreigliedrigen 
Palpus. 

Das Kinn, mentum, ist von trapezför- 
migem Umriß. Seine Form ebenso wie die 
natürliche Lage der Mundteile im allgemeinen 
ergibt sich aus Figur 3. 

Die Fühler, antennae (Fig. 10), sind 
zehngliedrig — eine Ausnahme unter den 
europäischen Halticinen. Schon Kutschera, ^) 
dessen allgemein morphologische Ausführungen über Halticinen 
übrigens die eingehendsten und besten sind, die wir besitzen, ver- 
mutet nach sorgfältiger Vergleichung der Gestaltung das zweite 



Fig. 9. 

Labium von Fsyll. atte- 
nuata, Ventral ansieht; 
Vergr. 185/1. 

Ii Ligula — ppf squama 
palpigera, Palpifer, Taster- 
träger — p palpus, Taster 
(dreigliedrig). 



Fig. 10. Fühler von Psyll. attenuata. 

sc scapus, Schaft (Grundglied) — fnn funiculus, Geißel (wie bei den 
übrigen europäischen Halticinen neungliedrig). 

Glied als das fehlende und weist darauf hin, daß bei den Halti- 
cinen in der Regel das fünfte Fühlerglied länger als die übrigen 
Geißelglieder ist. Dieses lange Glied steht bei Psißliodes deutlich 



Kutschera, 1. c., III, p. 34. 



110 



Franz Heikertinger. 




Fig. 11. Prothorax von Psyll. attenuata, 
Sternalansicht. 

Zur Darstellung des Verschlusses der Hüfthölilen 
die Coxen der Vorderbeine exstirpiert. — aa ace- 
tahula antica, Vorderhüflhöhlen. — iiiw Verschluß 
derselben — s, .S2 vordere und hintere Marginal- 
seta des Pronotums. 



als viertes, mitbin fehlt ein Glied zwischen dem ersten und vierten 
heraus. Die Morphologie trennt nun das erste Glied als „Schaft", 
scapus, und das zweite als „Verbindungsglied", pedicellus, von den 

normal in der Neunzahl vor- 

aa 

I handenen Gbedern der Geißel, 

funiculus. Schaft und Geißel 
nun finden wir bei Psylliodes 
in gleicher Form wie bei den 
übrigen europäischen Erdflö- 
hen, das charakteristisch ge- 
formte kurze, gewöhnlich als 
zweites vorhandene Verbin- 
dungsglied aber fehlt. Die 
Form der Fühler zeigt Fi- 
gur 10, ihr Verhältnis zu den 
Körpermaßen Figur 1. 

Was die Grundskulptur 
des Kopfes anbelangt, so muß 
sie bei Betrachtung mit der 
Lupe als „chagriniert" bezeichnet werden. Unter dem Mikroskope 
zeigt sie sich als gut ausgeprägte, feine, polygonale Felderung. In 

gleicher Weise gefeldert ist auch 
die Oberfläche des Pronotums; 
während jedoch letzteres noch 
eine gleichmäßige Punktierung 
über der Grundskulptur aufweist, 
sind Stirn und Scheitel auf ihrer 
Fläche punktlos. 

Die Form und die relativen 
Maße des 11 alssch Ildes, pro- 
thorax, sind aus Figur 1, der Sternitbau aus Figur 11 zu ent- 
iichiiien. Der fein a})gesetzte Scitcmand des Pronotums trägt im 
ersten Drittel und in den ] linterecken ein mit langer Sota ver- 
sehenes Porengrilbclicn: die vordere und die hintere Borstenpoie 
oder Marginalseta. Die ventrale Seite des Prothorax zeigt nur zwei 
deutlich ^rctrennte Sklcrite, ein sternales und ein sehr großes ])lcu- 
ralcH. iJcHondere Krwähnung aber verdient jenes Merkmal, das 




Fi^. 12. Vorderbein von Psyll. aitemiata 

/r, trochanler, Schenkel ring — / bis 4(5) tarsu; 
(■kryplopenlamer) — nii Klaue. 



Psylliodes attenuata Koch, der Hopfen- oder Hanf-Erdfloh. II. Teil. III 



Thomson^) vou anderen Gruppen her in die Halticinen gebracht 
hat und auf dem Chapuis^j ein ganzes System der Halticinen 
aufbaute, das Weise ^) fiir Galerucinen und Halticinen annahm: das 
Scheidemerkmal der „cavites cotyloides anterieures fermees" oder 
„ouvertes", der „acetabula antica occlusa" oder „aperta", der hinten 
geschlossenen oder offenen Vorderhüfthöhlen. Es handelt sich hie- 
bei lediglich darum, ob der ankerförmige Seitenfortsatz des hinter- 
sten (poststernellaren) Teiles der Vorderbrust so nahe mit dem 
korrespondierenden Innenfortsatz des Epimeralteiles zusammen- 
kommt, daß die Hüftlöcher hiedurch hinten abgeschlossen werden, 
oder ob zwischen beiden ein Raum frei bleibt, die Hüftlöcher also 
hinten auf kurzer Strecke offen stehen. Ohne entscheiden zu wollen, 
ob dieses ledigHch auf einer graduell differierenden Bildung auf- 
gebaute und äußerst penibel zu untersuchende Merkmal*) eine 
kategorische Trennung jederzeit ermöglicht^) — ob es also vom 
Standpunkte eines künstlichen Halticinensystems aus besser und 
verläßlicher ist als die zu ähnlicher Gruppierung führenden, stets 
leicht sichtbaren Merkmale der Halsschildfurchung und Flügeldecken- 
streifung, auf denen Iiiiger '^) sein System aufbaute — kann ich 
nicht umhin, zu bemerken, daß mich mein Studium immer klarer 
zur Erkenntnis geführt hat, daß dieses Hüfthöhlenmerkmal bei den 
Halticinen auf keinen Fall ein phylogenetisch begründetes ist, 
sondern eine sekundäre Bildung darstellt, die auch innerhalb einer 
kleinen Gruppe nahe verwandter Arten auftreten und diese spalten 

^) C. G. Thomson, Skandinaviens Coleoptera, VIII, Lund, 1866 
(Loncjicornes, Phytophagi). 

2) Th. Lacordaire et F. Chapuis, Eist. nat. des Insectes, Genera 
des Coleopteres, XI (par Chapuis), p. 20— 21. Paris, 1875. 

^) Weise, 1. c., p. 573 und 674. 

*) Die schlechteste Empfehlung dafür sind jedenfalls schon die Irrtümer, 
I die seinen Hauptbegründern bei den Halticinen unterlaufen sind. C. G. Thom- 
i 80 n gibt nämlich (Skandinaviens Coleoptera, VIII, Lund, 1866, p. 227) die 
! Hüfthöhlen von Batophila (Glyptma) fälschlich als geschlossen an, dagegen 
( nennt Chapuis (Bist. nat. Ins., Genera des Coleopteres par Th. Lacordaire 
et F. Chapuis, XI, Paris, 1875, p. 140) wieder irrig die Hüfthöhlen seiner 
Groupe XVIII: PsylUodites (nur das Genus Psylliodes umfassend) „ouvertes". 

^) Auch Harold (Beitr. z. Kenntn. d. Fn. v. Neu-Granada, Koleopt., Heft 
XIV, 1875) bezweifelt dies. 

^) Dr. Karl Iiiiger, Magaz. f. Insektenkunde, VI, p. 51 und 52; 1807. 



112 



Franz Heik ertinger. 



kann. Ein solches Merkmal 
kann aber nie die Grundlage 
für ein natürliches Gesamt- 
system der Halticinen abge- 
ben, es kann nie dazu dienen, 
die Halticinen der Erde pri- 
mär in große, natürliche 
Gruppen zu zerlegen. Ich 
werde später Gelegenheit 
nehmen, diese meine An- 
schauung eingehend zu moti- 
vieren. 

. Die in Figur 11 abge- 
bildeten Hüftlöcher sind also 
hinten geschlossene. 

HinsichtHch Meso-, Me- 
tathorax und Abdomen be- 
schränke ich mich auf die 
bildUche Darstellung (Fig. 13) 
der Ventralseite und der Be- 
nennung ihrer Teile in der 
Figur. Hinsichtlich der mor- 
phologischen Zählung der 
Urite (Abdominalsomite) bin 
ich B erlese gefolgt, dessen 
Zählweise allerdings mit der 
älterer Autoren nicht überein- 
stimmt. Was die Marginaltcile der Elytren anbelangt, so habe ich 
sie im II ei tt ersehen vSinn(» ') unterschieden in die Pseud()])leuren^) 
(gewöhnlich als Epiiilciircii bc/(!i('hnetj und die eigentlichen, sehr 
sclimalen Kiiipleuren. 




Fig. 13. Meso-, Metathorax und Abdomen 
von Vsyll. atienuata 

s/j Mesosternum — f/JSj Episternum des Mesolhoiax 
— sit Melasternum — cyj.s, Kpislernum des Meta- 
thorax — (l Pseudopleuren der Flügeldecken — (]tl 
Kpipleurcn der Flügeldecken — tv^ Trochanter der 
jMiltelbeine — cx, Mittelhüften — tr-s Trochanter 
der Hinterbeine — cjtj Hinterhüften — ic Inler- 
(•oxalfortsatz des vierten llrosternits — / Aushöh- 
lung zur Aufnahme des Hint(;rschenkels — bis 
«f, Urostcrnite (Zählung nach B erlese) — .17 He- 
xualöflnung. 



'j K. i t.t er, Fauna gernjanica., Die Küfer dea DeutHcljen Reiches, 

I, Htiitt^^art, 1908, |». 10. 

I)r, K.Vcrli()err(r] l)er die Fl Ii g(! 1 d eck en von Cassida; in diesen 
^Verli!indliinj,M;n*', 18!J7,p.;{) nannte Hie „MargiiialCcId". L.CJ anpll)auer(i.c.,1909, 

II. (21)) liiilt den 'rcruiiniiH Kpiplenrcn f ilr /ii eiii;(el(iir^'(M-t, utn /iiriicic^^cwifflon 
werden zu können, und die liezeielinun^^f Marf^inalfeid für vi(;le. {'alle unzutrelfend. 



Psylliodes attemiata Koch, der Hopfen- oder Hauf-Erdfloh. II. Teil. 113 



Die Flügeldecken zeigen die normalen zehn Punktstreifen 
— der von einer Kante begleitete Scheidestreifen der Pseudo- 
pleuren von der übrigen Deckenfläche ist korrekterweise mitzu- 
zählen; er bleibt allerdings zumeist ungezählt, daher die Flügel- 
decken als neunstreifig bezeichnet werden^) und dem Laien auch 
so scheinen — und einen abgekürzten Skutellarstreifen von kaum 
einem Drittel der Deckenläuge (vgl. Fig. 1). 

Der häutige Metathorakalflügel der Art (Fig. 14), ist etwa um 
ein Drittel länger als die Elytren. Er trägt ein äußerst reduziertes 
Geäder von Cantharidentypus, das außerhalb des Einschlaggelenkes 
des Flügels völlig erlischt. Dieses Geäder stimmt in der Anlage 




a, a cu 

Fig. 14. Metathorakalflügel von Psyll. attenuata. 

c Costa — sc Subcosta — r Radius — cu Cubitus — a Analis.') 



mit demjenigen des Flügels von Oreina gloriosa (Chrysochloa glo- 
riosa), den J. Redtenbacher ^) abbildet, gut überein, ist jedoch noch 
etwas vereinfachter. Außer Costa und Subcosta sind nur Radius 
und Cubitus stark ausgebildet und am Ende mit hakigen Rückläufen 
und Chitinflecken versehen. Die Deutung der Genannten erfolgte 
nach A. Handlirsch*), der die bildliche Darstellung des Tracheen- 

^) Z. B. von Foudras (1. c, p. 37), Kutschera (]. c., VIII, p. 376). - 
Wirklich neuustreifige Decken besitzen beispielsweise die Elateriden. 
2) Deutung im Sinne Handlirsch's. 

^) Josef Redte nbach er, Ve rgleich ende Studien üb er das Flügel- 
geäder der Insekten. Annalen d. k. k. naturhist. Hofmuseums in Wien, I, 
1886, p. 219-220, Taf. XX, Fig. 144. 

*) Anton Handlirsch, Die fossilen Insekten und die Phylogenie 
der rezenten Formen. Leipzig, 1906—1908-, Tafel III, Fig. 26 und 27. 

Z. B. Ges. 63. Bd. 8 



114 



Franz Heikertin ger. 



Verlaufs im Hinterflügel einer Cerambyciden-Nymphe und des Hinter- 
fliigels von Necydalls gibt. Den Cubitus (sensu Handlirsch) deutet 
Redtenbaclier als Media. Auch Hopkins (siebe unten) deutet 
ihn so. Die folgende Ader (Fig. 14 a) ist nach Redtenbacher und 
Handlirsch als Analis zu betrachten. Diese Ader, die eine Zelle 
einschließt, führt bei Redtenbacher die Bezeichnung „IX + XI", 
entspricht also der vereinigten „Internomedia" und „Analis" Heers ^) 
und der „Analis" im Sinne von Comstock und Needham^). Die 
gleiche Ader deutet nun Hopkins^) in seiner Monographie der 
Gattung Dendroctonus als Cubitus 1 und Cubitus 2, wogegen er 
den unmittelbar an der Flügelbasis sichtbaren Chitinfleck (Fig. 14, a/) 
als die reduzierte Analis betrachtet. Die auf ausgebreiteten ver- 
gleichend morphologischen Studien basierende Anschauung Hand- 
lirschs ist jedenfalls maßgebend. 

In der Ruhelage ist der Apikaiteil in komplizierter Längs- 
und Querfaltung nach unten eingeschlagen; auch das Analfeld ist 
nach abwärts umgeschlagen. Diese Faltung entspricht im Prinzipe 
völlig der Darstellung, die Kolbe ^) von der Flügelfaltung des Geram- 
htjx cerdo gibt, welch' letzterer übrigens hinsichtlich des Flügelge- 
äders nur unwesentlich von der besprochenen Art abweicht. 

Von den Beinen ist dargestellt in Figur 12 ein prothorakales, 
in Figur 15 ein metathorakales. Der stark verdickte Sprungschcnkel 
des letzteren zeigt die körnige Skulptur der Chitindecke; im durch- 
gehenden Lichte erscheint im oberen Apikalteile eine Verdunkelung, 
die dem Extensor der Schiene entsprechen dürfte. Die Schiene 
selbst weist die der Gattung Psylliodcs eigene, charakteristische 
Bauart auf. Sie ist seitlich zusammengedrückt, mit deutlicher 
Rückenkante, die außen unmittelbar an der Tarsenbasis bogenförmig 
ansteigt und sich dahinter wieder senkt. Ftwas vor der Tarsen- 
})asis zweigt davon eine Innenkante ab, die ein kurzes Stück vor 

■j I)r. O.sw, Ilecr, Inscktcnfaii n:i dor 'INü l i;ir^^ol)il(i<; von OcMiiii- 
^,'»•11 und K.'i(lf)l>()j. Leipzig, 18-17. 

.1. II. ( ' omHtock nnd Ncüd hsnn , 'I ii i; W i u^h of IiihocI h. Ainoricun 
.Natur.'iliht, XXXII, 1898, XXXIII, 1899. 

A, \). II(,|)kiiiH, I. c, p, 47, Vifr. 1, 20 nnd ;5(). 

II. .1, K Ein fli Ii ni n^^ i ii die, K ou iif iiis d(!r I iisok ton. licrli", 

1^93, p. W2. Fi^'. 101 ntid 1<;:,. 



Psylliodes attenuata Koch, der Hopfen- oder Hanf-Erdfloh. n.Teil. 115 



der erwähnten Tarsenbasis einen scharfen, leicht nach hinten ge- 
richteten Zahn trägt, der bei verschiedenen Arten verschieden ge- 
staltet ist und den Weise als „ersten Leistenzahn" (dens primus 
carinulae) bezeichnet hat. Hinter diesem, neben dem Tarsengelenk, 
steigt die Innenkante analog der Außenkante etwas an und senkt 
sich wieder. Der hinter dem Tar- 
sengelenk liegende Schienenteil 
— Posttarsalteil der Schiene — 
ist oberseits etwas lang löffelför- 
mig ausgehöhlt, ringsum am Rande 
aufstehend kammartig gezähnelt 
und am Ende mit einem schräg 
nach außen stehenden kurzen 
Enddorn versehen. Der ungefähr 
im apikalen Viertel auf dem Ti- 
bienrücken inserierte Metatarsus 
erreicht etwa halbe Schienen- 
länge. Form und relative Länge 
der übrigen Tarsenglieder erge- 
ben sich aus der Figur. Gemäß 
der Zugehörigkeit zu den tetra- 
meren (kryptopentameren) Chry- 
someliden ist das vierte (vor- 
letzte) Glied atrophiert. Die Klauen besitzen im Basalteile eine 
kleine, eckige Erweiterung. 

Von höchster Bedeutung für die systematische Artunterscheidung 
bei den Halticinen sind die Geschlechtsauszeichnungen der Männ- 
chen. Verhoeff^) unterschied primäre, sekundäre und tertiäre 
Sexualcharaktere. Zur Zeit trennt die Morphologie die Geschlechts- 



^) Weise, 1. c., p. 782. 

2) Dr. Karl Yerhoeff (Entom. Nachr., Karsch, XX, 1894, p. 104—105) 
nennt primär jene Sexualorgane, welche für die Fortpflanzung unbedingt 
nötig sind (Geschlechtsdrüsen, wie Testikel und Ovarien, ferner die Ableitungs- 
wege derselben, die Vasa deferentia, Oviducta, Ductus ejaculatorius und 
Vagina, Anhangdrüsen, Samentasche), sekundär Penis, Parameren und alle 
sonstigen am Abdomen auftretenden Besonderheiten, tertiär dagegen alle 
nicht am Abdomen gelegenen Sexualcharaktere. 

8* 




Fig. 15. Hinterbein von Psyll. atte- 
nuata. Außenseite. 

tr^ Trochanter — Schenkel — mu Muskel 
(Extensor der Schiene) — ti^ Schiene — ca 
Enddorn derselben — c löffelförmige Aushöh- 
lung des Pos'tarsalteils derselben, mit eng ge- 
zähnelten Rändern — d erster Leistenzahn 
— 1 (mt) JNIetatarsus, Fersenglied — 2 bis 4 (ö) 
die übrigen Tarsenglieder. 



116 



Franz Heikertiiiger. 



merkmale in genitale und extragenitale, die ersteren wieder in 
essentiale und subsidiäre. Zu letztgenannter Gruppe zählt der 
Penis/) das für die Koleopterologie zur Zeit wichtigste Sexual- 
merkmal. 

Schon Foudras (1859) hat den Penis der ihm bekannten 
Arten extrahiert und unter dem Namen „Aedeagus" kurz (allerdings 
auch ungenügend) beschrieben. Der sonst so ge- 
naue Kutsch era hat dieses wertvolle Hilfsmittel 
verschmäht und auch Weise hat sich, gegen seine 
Gewohnheit, speziell in der Gattung Psylliodes 
dessen nicht bedient.^) 

Psyll. attenuata cT. Erstes Tarsenglied der 
Vorder- und Mittelbeine nicht erweitert, das zweite 
Glied an Breite nicht merklich übertreffend. Letztes 
freiliegendes Abdominalsternit intakt, ohne Grüb- 
chen. Penis (Fig. 16) nicht völlig so lang wie 
das Abdomen, schlank, hellgelb gefärbt, dorsovcn- 
tral gesehen ziemlich parallelseitig, distal leicht 
verschmälert, am Ende lang und sanft zusammen- 
laufend, mit ziemlich feinem Endspitzchen. Unter- 
seite mit schmaler, ziemlich gleichbreiter Längs- 
mittelrinne. Penis lateral gesehen mäßig dünn, 
im basalen Drittel leicht gekrümmt, apikal all- 
mählich verdünnt, Spitze blcchartig dünn. (Zur 
Untersuchung kamen sowohl europäische als auch 
zentralasiatisclie Stücke.) 
Die nearktische J'syll. pnnckdaia^ obwohl eine nahe Verwandte 
unserer Art, erinnert dennoch ffestaltlich mehr an einige curo- 



Fig. 16. Kopula- 
tionsapparat von 
J'sj/ll. attenuata c^' . 

Links ventral, rechts 
lateral gesehen. Die 
Parameren sind weg- 
pelassen. — 6 IJasal- 
öfTnung (die Apikal- 
ftfTnunp liegt auf der 
Dorsalseite). 



*) Die Pararaorcn (Ich IlalticinenponiH sind f^riitcnarfif^o Cliiting'(!l>ildo, 
(Vw Bich von d(;r VontralHcito li(;r gal)eir<irnii^,'' um den l'<;ni.s lef,Tn, ^i;•('rinff- 
fiii^i^C difTrn'nzicTt sind und ))i.slan;^ .syntcinatiscli keine VerwcTtnn^^ fanden. 
Ich habe «ie aueli hier vorläufig unherückHiclitigt gelafsscn, gedenke aber 
Mpäter noch darauf zurück/.ukonimen. 

'') Seit FoudraH' Zeit hat diciscK Kennzeichen 8eit(uis der Horgfiiltiger 
arbeitenden Syateinatiker auf allen (Gebieten der Kolcoi^tcuologii! immer ansge- 
dflintere licrljfkhichtignrig g(;fnnden, int iil)er8chii(/t nnd iinlerscliiitzl \vord<ui. 
lOine klare Vor«tellnng der Kopulationsupparate int nur mit Zuhillenahmo der 



P.njlliodes atteniiata Koch, der Hopfen- oder Hanf-Erdfloh. II. Teil. 117 

päische Cruciferengäste aus der Gattung, beispielsweise au Psyll. 
cupreata Duft, (von der sie jedoch durch Details im Bau der Hinter- 
tibien leicht zu trennen ist). Mit einer europäischen Art identisch 
ist sie nicht. 

Von der ungefähren Größe und Körperform der atteniiata, 
eine Spur breiter, ist pimctulata stets dunkel erz- oder kupferfarbig, 
nie mit hellem Deckenende, glänzend, die Fühler und Schienen 
partiell stärker gebräunt. Die für attenuata so charakteristischen 
Stirnlinien verlaufen teilweise anders, fehlen teilweise, beziehungs- 
weise sind wie bei cupreata kaum noch in vagen Spuren kenntlich; 
die Stirn selbst ist sehr fein und zerstreut, aber deutlich punktiert. 
Der Halsschild ist auf glatterem Grunde bedeutend schwächer, 
verloschener punktiert als bei attenuata. Die Punktierungsanlage 
der Flügeldecken ist ungefähr die gleiche.^) 

Stark differiert die Art von attenuata hinsichtlich der masku- 
linen Sexualmerkmale. 

Fsyll. punctulata cT. Erstes Tarsenglied der Vorder- und 
Mittelbeine sehr stark verbreitert, an den Vorderbeinen herzförmig 
und etwa dreimal so breit, an den Mittelbeinen ungefähr doppelt 
so breit als das zugehörige zweite Glied. Letztes freiliegendes Ab- 
dominalsternit in der Hinterhälfte mit einer ziemlich großen, tiefen, 
runden Grube. Penis (Fig. 17) nicht ganz so lang wie der Hinter- 
leib, pechbraun, von oben gesehen im mittleren Teile sanft einge- 
schnürt schwach verengt, hierauf leicht erweitert, im letzten Drittel 



bildlichen Darstellung zu vermitteln. Am weitesten in der Untersuchung 
und Bewertung dieser Organe geht wohl Dr. Kari Holdhaus, der in seiner 
äußerst interessanten Monographie der paläarktischen Arten der 
Koleopterengattung Microlestes (Denkschr. d. math.-naturwiss. Klasse d. 
k. Akad. d. Wiss., Wien, Bd. LXXXVIII, 1912) am ^ vermittels Durchleuch- 
tung des Penis sehr bemerkenswerte Differenzierungen in der Auskleidung 
des im Penisinnern gelegenen Abschnittes des Ductus ejaculatorius (chiti- 
nöse Bezahnung) und am 9 wertvolle Speziesmerkmale in der Form der 
Vagina und des Receptaculum seminis (speziell des „Annulus receptaculi") 
auffand. 

^) Eine systematische Beschreibung der Art gibt George H. Horn, 
A Synopsis of the Halticini of Boreal America, Transactions Am, 
Entom. Society, XVI, p. 310; 1889. — Die von mir untersuchten Stücke 
stammen aus New-Jersey, Hackensack-Au, leg. F. Wintersteiner. 



118 



Franz Heikertinger. 



sauft konvergent, am Ende gerundet mit feinem, etwas vorgezogenem 
Mittelspitzchen. Ventralseite des Penis von der BasalöfFnung bis 
zur Spitze mit ziemlich breiter Rinne, die sich in der Endhälfte 
etwas bauchig erweitert und verflacht; die hie- 
durch gebildete langelliptische Senkung heller 
chitinisiert, durchscheinend. Seitlich gesehen ist 
der Penis in den zwei Enddritteln fast gerade, 
im Basaldrittel etwas nach unten gebogen, von 
der Mitte ab spitzenwärts allmählich verschmä- 
lert, das Ende selbst spitz^ aber kaum blech- 
artig dünn ausgezogen. 



Fig. 17. Kopula- 
tionsapparat von Ps. 
punctulata (j^. 

Links ventral , rechts 
lateral gesehen. Die 
Paranieren sind weg- 
gelassen. — b Rasal- 
ölTnung. 



Chroiiiologie.^) 

Die vielfach tibUche Aberrationständelei auf 
koleopterologischem Gebiete erhält einen wissen- 
schaftlichen Hintergrund nur durch kritische Be- 
rücksichtigung der Abhängigkeit der Färbung 
von ökologischen, beziehungsweise geographi- 
schen Bedingungen, einem Forschungszweige, 
für den wieder so ziemlich jede sichere allge- 
meine Basis fehlt. 
Mangels genügender Daten sehe ich daher davon ab, das 
Ausbreiten der dunklen (wohl in den oberflächlichen Cuticular- 
schicliten erzeugten) Metallfärbung über das normal helle, rotgelbe 
Flügeldeckenende der Art mit lokalen Faktoren in Verbindung zu 
bringen und beschränke mich auf die Mitteilung, daß die fast ein- 
farbig dunkle Aberration {picicornis Steph.) an den sonnigwarmen 
Hängen, den steinigen Weingartenrändern usw. des Kalkgebietes 
Ulli Wien die dominierende ist. 

AnliangBwciHC mag Erwähnung finden, daß die Fsylliodes 
aitenuala mit der Anlage ihrer FlUgeldeckenfärbung isoliert unter 
den eunfpälKclicn Vertretern der Gattung steht, daß aber eine 
iilinliclic licilfärbung auf den Deckenspitzen in etlichen anderen 



I>i<5 KapitelUl)er8chrift(!ii «iinl gowif48ürmaß(3n als DiHjmition aufzu- 
ffiDHcn. Si<; hind diiln r kruiMcqucnt auch dann vcTwcjndet, wenn hinsichtlicli 
der bezUgliclurn UiMzijdin kaum WeHcntlichcH zu vernierkon war. 



P»yUiodes attenunta Koch, der Hopfen- oder Hanf-Erdfloh. II. Teil. 119 



HallicinengattuDgen, und da zumeist bei feuchtigkeitsliebenden 
Arten, auftritt. Als Beispiele seien genannt: Hixipuripliüa Mo- 
deeri L., Manfura rustica L., Longitarsus hoJsaiicits L. und api- 
calis Beek. 

Allerdings finden wir solche Helltarbungen auch bei Tieren, 
an denen ein ausgesprochenes Feuchtigkeitsbedürfnis kaum kon- 
statiert werden kann, z. B. bei Ep'dlirix airopae Foudr. und der 
ägyptischen Chaetocnema hilimidata Dem.; auch die FsijU. attenuaia 
selbst ist ja nichts weniger als hvgrophil. 

Cliorologie. 

Die geographische Verbreitung der Fs. attenuaia ist eine 
ziemlich weite. Ihr Areal umgreift den größten Teil des gemäßigten 
Eurasien, nämlich das mittlere Europa und Zentralasien bis Ost- 
sibirien. 

Nachfolgend die Angaben mir bekannt gewordener Außen- 
punkte ihres Gebietes:^) Britische Inseln (z. B. Kent, W. E. Sharp 1); 
Nordfrankreich (Bedel); Niederlande (Leesberg, Everts); Deut- 
sches Reich inach Schilsky im ganzen Gebiete): mittleres Ruß- 
land (z. B. Samara, Faust I; Schädlichkeitsangaben bei Koppen); 
Turkestan (z. B.: Wernyi, KoU. Staudingerl; Üsek-Schl., Semir- 
jetschensk, KoU. Winkler!); Ostsibirien (nach Weise). 

Die skandinavischen Autoren nennen die Art nicht und auch 
aus Finnland zitiert sie Sahlberg nicht. Sie dürfte demnach m 
Nordeuropa fehlen. 

In Mitteleuropa ist sie fast allenthalben ziemlich häufig; im 
allgemeinen scheint sie Landschaften mit Steppencharakter den 
feuchteren Walddistrikten vorzuziehen. 

Aus Südeuropa ist sie mir bekannt geworden von: Südfrankreich 
(Basses Alpesl; San Remo, Schneider!);-) Korsika i^Ste.-Claire 
De vi He); Mittelitalien (z.B.: Aquila!; Umbrial); Kroatien (Velebitl); 
Stiddalmatien (Paganettü); Serbien (Eppelsheim!); Bulgarien 

^) Wenn mir selbst Stücke vorlagen, sind nur diese — und zwar mit 
dem Zeichen der Autopsie „!" — zitiert. Ein Zitieren der benutzten Literatur 
würde zu weit führen. 

-) In einer Privatsammlung sah ich ein mit „Andalusien" bezetteltes 
Stück, dessen Provenienz mir jedoch nicht völlig sicher scheint. 



120 



Franz Heikertinger. 



(Sofia, Rambousek!); Rumänien (Comana vlasca, Montandon!); 
Siidriißland (Cherson!); Kaukasus (Schneider!). 

Wie weit sie unter die gekennzeichnete Linie noch südwärts 
geht, ist mir nicht bekannt; ich sah zumindest keine südlicheren 
Stücke und glaube annehmen zu dürfen, daß sie im äußersten 
Süden Europas ebenso wie im Norden fehlt. 

Die amerikanische Psylliodes pundulata Melsh. besetzt nach 
den Angaben der Autoren Nordamerika vom atlantischen bis zum 
pazifischen Ozean. Nördlich noch im südlichen Kanada vorkommend, 
geht sie durch die ganzen Vereinigten Staaten südlich bis Texas. 
Mir vorliegende Stücke stammen von New- Jersey, Hackensack-Au, 
leg. F. Wintersteiner. 

Ökologie. 

1. Standpflanzen. 

Die Frage der Abhängigkeit vom Wohnorte und seinen an- 
organischen und organischen Bedingungen ist bei phytophagen 
Tieren in erster Linie eine Frage der Nährpflanzen. An ihr Vor- 
handensein ist das Auftreten der Art mit unerläßlicher Bedingung 
geknüpft und wenn auch dieses Auftreten noch lokal durch Klima 
(Lage) und Bodenart modifiziert wird, so spielen letztgenannte 
Faktoren doch nur eine sekundäre Rolle. 

Eine kritische Untersuchung der Standpflanzenverhältnisse 
der einzelnen Arten liefert uns in den meisten Fällen überraschend 
klar und eng umschriebene Standpflanzenbilder von eigenartigen 
Zusammenhängen, von denen die heutige Literatur — und s})eziell 
die der angewandten Entomologie — recht wenig erkennen läßt, 
da die Schärfe der Bilder zumeist in dem störenden Beiwerk von 
Fchlangaben und Vermutungen verloren geht. Nur die sorgfältigste 
Nciibcobachtung und das kritische Füttcrungsexperiment — besser 
noch das Aufsuchen der Larve und die Aufzucht — können hierin 
Wandel schaffen. 

Die PsylL alloutaid ist, wie die Mehrlieit der Ilalticinen über- 
haupt, auHgesproclien oligophag'j. Auch die Literatur — soweit 



') Ifi cindiii kürzlich j)nl)lizi<irti!n Artikel (Zur PrjixiH dos Kiifei- 
faiif^e» mit «lein KiitHclicr, III. Die Stsindpflaiizc, in: Wien. lOiif. Zcitf;., 



P»ylliodes attenuata Koch, der Hopfen- oder Haiif-Erdfloh. II. Teil. 121 



es sich um maßgebende Arbeiten bandelt — gibt dieses Stand- 
pflanzenbild ziemlich ungetrübt wieder. 

In der Regel werden zwei Nährpflanzen genannt, und zwar 
die beiden europäischen Vertreter der Familiejder Caunabaceen: 
Cannabis sativa L., der Hanf, eine ab und zu verwildert anzu- 
treffende Kulturpflanze orientalischer Herkunft, und Humuhts lupulns 
L., der in Europa wilde und gebaute Hopfen. Hiezu als ausnahms- 



XXXI, 1912, p. 195—223) habe ich die Scheidung phytophager Kleintiere in 
oligophage (mit beschränktem Nährpflanzen kreis) und polyphage (mit 
weitem Nährpflanzenkreis) vorgeschlagen. Es entspricht dies einigermaßen 
den „Spezialisten" und „Omnivoren" Stahls (Dr. E.Stahl, Pflanzen 
und Schnecken, Eine biologische Studie über die Schutzmittel der Pflanzen 
gegen Schneckenfraß. Jenaische Zeitschr. f. Naturw. u. Medizin. Bd. XXII, 
N. F. XV, 1888), dessen DifFerenzierungs weise mir jedoch sowohl hinsichtlich 
der Form als auch hinsichtlich des Sinnes der vorgeschlageneu Bezeichnungen 
wenig glücklich gewählt erscheint. 

Die oligophagen Tiere meiner Auflfassung habe ich a. a. 0. untergeteilt 
in monophage (auf nur einer einzigen Pflanzenspezies lebende — ein seltener, 
schwierig zu beweisender Spezialfall) und oligophage im eigentlichen Sinne, 
wohin 5ie Mehrzahl der Käfer gehört. Hinsichtlich des Modus, nach dem ich 
mir die Beurteilung dieser Grade denke, kann ich raumhalber nur auf meinen 
genannten Artikel verweisen. 

Für den Gegenbegriff polyphag, den ich a. a. 0. ungeteilt ließ, glaube 
ich analog dem Vorgange bei oligophag die Abspaltung des extremen Spezial- 
falles pantophag annehmen zu sollen. Wir hätten dann: 

1. polyphag im engeren Sinne ist jenes Tier, das unter zahlreichen, 
qualitativ stark verschiedenen Gewächsen immerhin eine noch deutlich zum 
Ausdruck kommende Auswahl trifft-, 

2. pantophag ist jenes Tier, das unter den Gewächsen keine merk- 
bare Auswahl mehr trifft. Dieser Begriff deckt sich mit „omni vor- (auf Phy- 
tophagen beschränkt). Als drastisches Beispiel dafür eignet sich vielleicht 
der wahllose Pflanzenfraß der Wanderheuschrecke. Nichtsdestoweniger möchte 
ich ausdrücklich hervorheben, daß ich wirkliche Pantophagie unter den In- 
sekten für mindestens ebenso selten halte wie strenge Monophagie, und daß 
der Begriff „pantophag" bis zum experimentellen Nachweise wohl nur in der 
Theorie zu führen ist. 

Übersichtlich zusammengestellt also: 
phytophag 



monophytophag oligophytophag 



polyphytophag pantophytophag. 



122 



Franz Heikertingei*. 



weise dritte: Urtica dioeca L., die Brennessel, die Vertreterin der 
nahe verwandten Familie der Urticaceen, auch habituell einiger- 
maßen an die vorgenannten erinnernd. 

Das Vorkommen und die Schädlichkeit an Hanf und Hopfen 
finden weiter unten noch Erörterung. Was die drittgenannte Stand- 
pflanze, die Brennessel betrifft, so könnte die Schädigung dieses 
lästigen Unkrauts agrikulturell eher von Nutzen sein; indes wird 
gerade diese Pflanze nur selten, anscheinend überhaupt nur aus- 
nahmsweise, befallen. Die Literatur berichtet wenig über Nessel- 
befall. \) Ich selbst fand die Art ein einzigesmal zuverlässig auf 
Brennesseln^ die in einer Gruppe auf freiem Felde standen (5. Juni 
1910, Oberweiden im Marchfelde, Niederösterr.) ; in der Gefangen- 
schaft wurden die Nesselblätter vom Tiere bereitwillig und stark 
befressen. Daß Hanf jedoch entschieden vorgezogen wird, ergaben 
Futterungsversuche mit Tieren, die ich massenhaft auf jungen Pflänz- 
clien verwilderten Hanfes gefunden hatte (19. Mai 1912, Neusiedl 
am See, Ungarn). Die Brennesseln, die unmittelbar neben dem 
befallenen Hanf wuchsen und auf denen sich vereinzelt auch Käfer 
fanden, wurden von diesen im Gefangenleben neben dem Hanf, 
der bereitwillig angenommen wurde, nur ganz wenig berührt. 

In allen den vielen Fällen, da ich das Tier fing, ergab eine 
Revision des Fangortes eine der vorgenannten Pflanzen. Hieraus 
ergibt sich mit Sicherheit: die Psyll. attenuata hat zur Zeit als 
oligopliag an Cannabaceen und (ausnahmsweise) an Urticaceen 
zu gelten, und jede andere, nicht einwandfrei durch Beobachtung 
und Versuch belegte Standpflanzenangabe ist abzulehnen. 

Minder klar in der Literatur ist das Standpflanzenbild der 
J*syll. pimdulata Nordamerikas. Chittenden (14) nennt sie einen 
„gcneral feedcr" und zitiert sie außer von Hopfen und Nesseln 
nocii von: Khabarber, Kartofleln, KunkelrUben, Gurken, Ampfer, 
weißen Büben, Bettich, Kohl, Senf, (Jhenopo<Unm, Aniaränth,\vc\i\iin\ 
und rotem Klee. Speziell sollen die Formen der ]Jcta vulgaris L. 

\'« ik'- K(>|»i>(;ii (l)). - Ii. II a 11) hör r (Klonco Hi«t(Miiatico (lei Colcottoii 
d.Vallfi La^Mirina, X, p. 'Ary, Rov(!roto, 1898) a. I'>. hji^,H: „(Joimnimo hiiIIu C.nuipa, 
fliii Lupolo Hclvutico, Biilie Ortiche, occ." — Auch Chittondcn (12) nixl 
r.'irk«"r n?,} rru'ldcn wtni" iil.ct dcii Ncsscilfr;«!! «lor J'syll. jnnictiddtn. 



PsyUiodes aüenuata Koch, der Hopfen- oder Hanf-Erdfloh. II. Teil. 123 

dem Befalle ausgesetzt sein.^) Parker (15) hat systematisch Versuche 
über die Bevorzugung verschiedener Pflanzen angestellt und fand 
bei von Hopfen stammenden Tieren folgende Befallsfolge im Zwinger: 
Humulus hipulus, Urtica dioeca, Lycopersicum esculenium, Beta 
vulgaris, Baphanus sativus, Brassica nigra, Chenopodium alhum, 
Citridlus vulgaris. Nur geringfügig berührt wurden trotz Hungers: 
Rhabarber, Kartoffeln, Amaranth, Ampfer, Wiesenklee. 

Meines Erachtens nach beweisen alle diese Versuche nur 
eines — das allerdings nicht damit bewiesen werden sollte — oder 
deuten es zumindest an: daß nämlich die amerikanische Schwester 
der oligophagen europäischen Ho^^Qvi-Fsylliodes in gleicher Weise 
wie diese ganz bestimmten Pflanzen — wohl gleichfalls Canna- 
baceen und (vielleicht) Urticaceen — angepaßt ist und andere 
Pflanzen nur unfreiwillig und widerstrebend annimmt. Die diversen 
Angaben des effektiven Befalles von Solanaceen, Cruciferen, Cheno- 
podiaceen usw. aber beziehen sich fraglos auf die verschiedensten 
anderen Erdfloharten, mit denen die Psyll. punciiäata einfach ver- 
wechselt wurde. Jede der genannten Pflanzenfamilien besitzt in 
Europa ihre besonderen Erdfloharten, die exklusiv nur auf sie an- 
gewiesen sind — ein Fall sicherer Polyphagie ist mir von keiner 
Halticinenart der Paläarktis bekannt geworden — und ich vermag 
ungeachtet aller gegenteiligen Angaben nicht einzusehen^ weshalb 
^die Verhältnisse in der Xearktis so grundsätzlich andere sein sollten. 

2. Standortsabhängigkeit. 

Es ist eine nicht zu übersehende Tatsache, daß der Käfer 
nicht allerorts und stets das Areal der als Nährpflanzen in Betracht 
kommenden Gewächse ausfüllt, sondern daß sein Erscheinen viel- 
mehr noch an gewisse andere ökologische Bedingungen geknüpft 



Auch die europäische Psyll. aüenuata wird des Rübenbefalls be- 
schuldigt (vgl. Jablonowski, Die tierischen Feinde der Zuckerrübe, 
Budapest, 1909, p. 160—168). Das 1. c, p. 167 abgebildete zerfressene Kübeu- 
blatt dürfte nach dem Text auf p. 168 der Chaetocnema tibialis III., die auch 
ich mehrfach in Mengen in Rübenäckern nachwies, zur Last zu legen sein. 
Die genannte Arbeit gibt übrigens ein interessantes Bild des Kampfes, den 
der ungarische Rübenbauer mit den zahlreichen Gästen seiner Rüben auszu- 
fechten hat. 



124 



Franz Heikertinger. 



erscheint. Diese wären in erster Linie zu scheiden in klimatische 
und edaphische. Von beiden sind die erstgenannten heute so gut 
wie unerforscht; bezüglich der letzteren liegen einige Beobachtungen 
vor. Die Art der Bedeutung der Bodenbeschaffenheit erhellt ohne- 
weiters aus der Kenntnis der Präimaginalentwicklung des Insekts, 
die sich von Anfang bis Ende im Erdboden abspielt. In Berichten 
über beide Hopfenerdflöhe der Holarktis wird betont, daß das Tier 
lockeren, womöglich leicht sandigen Boden mit nur mäßiger Feuch- 
tigkeit vorzieht. Aus eigenen Beobachtungen möchte ich hinzu- 
fügen, daß es ausgesprochen freie, warme Lagen, die eine wenig 
stens teilweise Besonnung des Bodens zulassen, auffällig liebt. Die 
Hopfenranken der sonnigen, warmen Hügel der Kalkformation des 
Wiener Beckens, die sich um die Büsche an den steingebauten 
Terrassen der Weingärten schlingen, die Ranken an südseitigen 
Dämmen, die Pflanzen im Bereiche der pontischen Steppe — sie 
beherbergen den Käfer fast stets. Dagegen habe ich ihn auf den 
weit üppigeren Hopfenranken, die in den Auwäldern der Donau 
auf feuchtem, sonnenarmem Boden gemeinschaftlich mit der Clematis 
Busch und Baum zu mächtigen grünen Hügeln vereinen, vergeblich 
gesucht. 

Es ist hienach klar, daß die freien, sonnigen Böden der Kul 
turen dem Käfer Bedingungen bieten, die er den in der Natur 
gegebenen vielfach vorziehen dürfte. 

Phaeuolo^ie. 

Die Erscheinungszeitcn der Art ergeben sich aus den Zeiten 
der Präimaginalentwicklung von selbst. Es ist ein in der Grund- 
lage verfehltes Unternehmen, die Erscheinungszeiten der Insekten 
auf statistischem Wege nach Fängen reifer Tiere feststellen /n 
wollen, wie dies seinerzeit Fritsch^) versucht hat. Die Phaenologit 
einer Art kann mit wissenschaftlicher Wertung nur aus den Zeiten 
der Metiimorphose abgeleitet werden; reife Käfer der hier bespro 

') C.KritHch, Ühcv die j ii Ii i l i cIh; Vei toi 1 unj,^ der Käfer. SitI 
Her. d. kai«. Akad. d. WisH., iiiatli.-naturw. KlaHHe. Wien, 1851. — Dorselb 
JUhrlichr rcriodc der I n» ek t <5n lau na v. Östcrr.-lJn^^arn. II. Di 
Küfer. IX-nkHclir. d, kai«. Akad. d. W'ihh., niatli.-natiirw. KlaHflci, XXXVII 
Wien, 1877 ^n.a. Scliriften denHelben VcrfüHHerH). 



Pnylliodes attenaata Koch, der Hopfen- oder Hanf-Erdfloli. II. Teil. 125 



ebenen Art können beispielsweise das ganze Jahr hindurch ge- 
fangen werden. 

Die Fsijll. atteniiata tiberwintert als Imago, unter gleichen 
Umständen wie die Mehrzahl der Halticinen: verkrochen in Ritzen 
und Spalten von Holz- und Mauerwerk^ zwischen und unter Ab- 
fällen verschiedenster Art, an der Erde, unter Steinen, Schollen 
joder im lockeren Boden selbst. 

1 In den ersten schönen Frühlingstagen — je nach den Wärme- 
verhältnissen etwa ab Ende April — verlassen die Käfer ihre Ver- 
stecke. Paarung habe ich bereits in der ersten Maihälfte, Eiablage 
Mitte und Ende Mai beobachtet. Den Käfer selbst fand ich in wech- 
iselnder Häufigkeit von Mai bis September. Im Juni und Juli 
dürfte die vorjährige Generation allmählich eingehen und der gegen 
:Ende Juli oder Anfang August reifenden Generation des laufenden 
Jahres Platz machen. Diese findet sich noch eine Zeit lang auf den 
Pflanzen und sucht erst mit Einbruch der ungünstigen Jahreszeit 
ihre Winterlager auf. 

Von der amerikanischen Fsyll. pimctulata werden genau die 
gleichen Erscheinungszeiten gemeldet. Es steht demnach für beide 
lArten außer Zweifel, daß im Verlaufe eines Jahres nur eine einzige 
|Generation zur Entwicklung kommt, die sowohl im Herbste als auch 
im darauffolgenden Frühjahre auftritt und so das Auftreten jährlich 
zweier Generationen vortäuscht.^) 

Ethologie. 

Wesen und Gewohnheiten der Fsyll. aftcnuata sind die der 
Mehrzahl der Halticinen überhaupt. Wärme- und sonnenliebend, 
ist sie an heißen oder schwülen Tagen sehr agil und sprunglustig; 
jbei kühler, trüber oder feuchter Witterung und in der Dunkelheit 
Isitzt sie träge blattunterseits oder andernorts geschützt. Ausgeprägt 
heliotrop, läuft sie in einseits beleuchteten Käumen dem Lichte zu. 
Ihr Lauf ist ziemlich rasch; an glatten, senkrechten oder über- 



^) Es ist in der Literatur vielfach von „mehreren" oder gar „zahlreichen" 
-Brüten" der Halticinen im Jahre die Rede. Wo aber noch genaue Beobach- 
-ungen angestellt wurden, ergab sich eine einzige, einjährige Generation, die 
•vohl Regel ist. 



126 



Franz Heikertinger. 



bängenden Flächen, z. B. auf Glas, läuft sie^ wie alle Erdflöhe, 
leicht, wenn diese trocken, schlecht, wenn sie feucht sind. 

Beim Laufe bleiben die Hinterschienen stets in größerem oder 
geringerem Grade gegen die Schenkelunterseite zu eingeschlagen 
(Fig. 18). Diese Gewohnheit, die der ganzen Gattung Psylliodes 
eigen und in ihrem Schienenbau begründet ist, bedingt eine stete 
Spruugbereitschaft des Tieres. 

Über die Mechanik des Sprunges — eine eigentlich auf dem 
Gebiete der Physiologie liegende Frage — äußert Foudras^) 




Fig. 18. Schematisclic Darstellung des mutmaßliehen Vorgangs beim Absprung 

einer Psylliodes. 

Links normale IJcinslelliint' Itcim T-aiif, mit .sprniiKlicrcif, l)I(Ml)ontlen, oint^eschlagciicn Schienen. 
Itechls Al).si)riing durch Kontraktion des im Schenkel licßcnden Schienenstreckniuskels. 

einige Anschauungen, die aber recht unbestimmt und wenig ein- 
leuchtend erscheinen. Er mißt diese Funktion vorzugsweise de 
Schenkel zu und führt dafür an, daß llalticincn, die der llint 
schienen beraubt wurden, immer noch imstande waren, sehr klein 
Sprün^^c auszuführen. Mit P>crü('ksiclitigung des Verlaufes der Bein 
Miuskulalur kann ich mich jedoch dieser Anschauung nicht an 
Hchließen. .Mennes Fraclitens vollzieht sich der Sprung dar 



Psylliodes attennata Koch, der Hopfen- oder Hauf-Erdfloh. II. Teil. 127 



plötzliche Kontraktion des an der Oberwand des Hintersclienkels 
inserierten Streckmuskels (Hebers, Extensors) der Tibia. Bei frisch 
entwickelten, hellfarbigen Halticinen zeigt sich an der Schenkel- 
oberseite eine apikal verbreiterte dunkle Partie, die wohl als ein 
mit dieser Bewegung in Zusammenhang stehender Muskelkomplex 
zu deuten ist (vgl. Fig. 15). Durch die plötzliche Kontraktion wird 
die Schiene nach hinten geschleudert, ihr bedorntes Ende stemmt 
sich einen Augenblick lang auf die Bodenfläche und bewirkt das 
Abschnellen des Körpers. Allerdings ist auch die Mitarbeit der 
basalen Muskulatur des Schenkels hiezu nötig. Die Raschheit des 
Vorganges entzieht naturgemäß das Ganze der direkten Beobach- 
tung; die Figur 18 gibt demnach nur die Bewegung wieder, wie 
sie sich mit Berücksichtigung des Muskelverlaufs am normalen 
Insektenbein und der Schienen- und Tarsenstellung bei der leben- 
den und toten Psylliodes mutmaßlich abspielt. Das Fersenglied des 
Tarsus schlägt sich, sobald der lange, gleichfalls an der oberen 
Schenkelwandung inserierte und Tibia und Tarsus durchziehende 
Klauenbeugemuskel außer Funktion tritt (was beispielsweise im 
Tode der Fall ist), infolge der Elastizität seiner basalen Gelenks- 
haut sofort nach oben hin an den Schienenrücken zurück. 

Wenn — was ich nicht nachgeprüft habe — Halticinen ohne 
Tibia noch zu hüpfen vermögen, so dürfte es sich hiebei wohl 
nur um ein armseliges Fortschnellen durch hilflose Schenkelbe- 

; wegungen handeln, für die ganz andere Muskeln in Betracht 
kommen als beim normalen Sprunge, und die daher mit einem 

j solchen nicht parallelisiert werden dürfen. 

! Die durchschnittliche Sprungweite der Art auf ebenem Boden 
beträgt etwa 30—40 cm, die Sprunghöhe ist geringer. 

In Gefangenschaft hält sich die PsijU. attennata lange und 
1 ist, wie alle Halticinen, gegen Hunger nur mäßig, gegen das Aus- 
i trocknen dagegen sehr empfindlich. Stets sucht sie sich durch 
I Zernagen des für ihre Mandibeln Zerstörbaren zu befreien, sich durcli- 
' zuzwängen. In den Versuchseprouvetten nagt sie den Kork an 
I und beginnt ihre Arbeit dort, wo sie das Eindringen von Außen- 
I luft wittert, nämlich neben den zur Schatfung eines Luftkanals 
I zwischen Glas und Stöpsel eingeklemmten trockenen Föhrennadeln. 
' Ihresgleichen gegenüber macht sie jedoch von ihren Kiefern nie 



128 



Franz Heikeitinger. 



Gebrauch und gegenseitige Verstümmelungen, wie sie sich bei- 
spielsweise in engen Behältern zusammengesperrte kleine Ceram- 
byciden an Fühlern und Beinen zufügen, kommen bei ihr nicht 
vor. Die Chrysomeliden sind eben durchwegs viel friedfertiger als 
die ihnen nahe verwandten, aber auch in den kleinsten Formen 
meist noch recht verteidigungslustigen Cerambyciden. 

Pathologie. 

Über Krankheiten und natürliche Feinde der Image des euro- 
päischen Hopfenerdflohs ist Sicheres nicht bekannt; das Fehlen von 
Zuchtbeobachtungen erklärt dies übrigens völlig. 

Von der amerikanischen Fsyll. pimctulata erwähnt Parker (15) 
die Möglichkeit einer durch eine Penicillum-Avt verursachten Pilz- 
krankheit. Fitch^) spricht von einem Chalcidier als Feind der 
Image und C bitten den (14) vermutet unter diesem Tiere den 
Ferilitiis Scimarzi Ashm., der von ihm an Epithrix- und Phyllo- 
treta-Arten — sich im Körper des ausgebildeten Käfers entwickelnd — 
beobachtet worden ist.^) 

Inwieweit insektivore Vertebraten, z. B. Vögel, Kröten usw., 
ernstlich als Ilalticinenfeinde in Betracht kommen, darüber fehlt 
jede sichere Angabe. 

ScliMlichkeit. 

Die Schädlichkeit der Psyll. (Uicnnata betrifft gleicherweise 
zwei wichtige Kulturgewächse: Hopfen und Hanf. 

Der Hopfen ist eine rankende Cannabacee, die, alljährlich 
nahe am Boden abgeschnitten, aus der mächtigen, ausdauernden 
Wurzel im Friihlinge zahlreiche Sch(')ßlinge treibt, die bis auf wenige 
entfernt werden. Diese wenigen werden an hohen Stangen oder 
gespannten Drähten der Fruchtstände (Zapfen, „Dolden") halber 
gezogen. 

») Asa Fitch, 1 P'' Rejunt Inn. New- York, )). 38— dO, 18G7. 

Km iiiJi^ notiert Hein, dnß ein Verüüm al» Iljilticinenöcliinarotzer aucli 
:iUH der PalÜHrktis bereits bekannt ist. J. Künckel d'IIcrculais und C. 
Lan^j'lolH (.MocurH et ui/jtainorphoHCs de Verilitm hrevicollis Ilaliday, llynieno 
ptrre Braronido, Parasitc de l'AltiHe de la Vigni; (;n A]fi;vr'ni, Ann. Soc. en< 
Frnncc, l^-JM, p. 'i:>l—4W) Hcliildcrn in Wort und liild die.scn in der i.arvc 
von JJallica ampclophaffa (UU-r. lebende Tier. 



P»ylliode.s attemiata Koch, der Hopfen- oder Hanf-Erdfloh. II. Teil. 129 



Nach den Beobachtungen Parkers (15) an PstjU. pundulata 
in Nordamerika bieten nun neben anderem die vielfach rissigen 
und splitternden Stangen, ebenso wie die stehengebliebenen hohlen 
Stengelstumpfen des Hopfens günstige Winterquartiere für den Käfer. 
Noch bessere bilden allerdings unverbrannt liegen gebliebene Hopfen- 
abfälle u. dgl.^) Die im Frühjahre erwachenden Käfer — sowohl 
die europäische wie auch die amerikanische Art — befressen die 
eben erscheinenden Triebe und jungen Blättchen, die oft derart 
geschädigt werden, daß sie nicht aufzukommen vermögen. Wenn 
ein solcher Befall auch nicht — wie etwa bei der Gemüseschädigung 
durch Phyllotreta-Arten — den Tod der Pflanze bedeutet, so kann 
er doch bei Hinzutreten ungünstiger Witterungsbedingungen das 
Emporkommen der Pflanzen in einer die Ernte beeinträchtigenden 
Weise verzögern. Der Fraß der Käfer an den dünnen Blättern des 
Hopfens besteht in Löchern, die zuerst Stecknadelkopf- bis mehrfach 
käfergroß über das Blatt verstreut sind, bei starkem Befall jedoch 
skelettierend zusammenfließen und so das Blatt teilweise seiner 
Assimilationsfläche berauben (vergl. Fig. 19 und 20, beides photo- 
graphische Wiedergaben von Stücken meines Herbars). Ganz junge, 
wenige Zentimeter hohe Triebe — deren ein Stock oft 50 — 60 
treibt — erliegen dem Befall des Käfers völlig und vertrocknen, 
so daß es oft kaum gelingt, auch nur etliche von ihnen aufzu- 
knüpfen. 

Die Hopfenranken werden, besonders wenn sie genügend ent- 
wickelt sind, diesen Fraß ohne wesenthchen Nachteil ertragen; die 
im Juh erscheinende frische Generation des Jahres, die bereits ein 
voll entwickeltes Blattwerk findet^ wird demnach in Hinsicht auf 
Blattfraß nicht zu fürchten sein. Nach diversen vorliegenden An- 
gaben aber hält sich diese Generation nun minder an die bereits 
groß gewordenen Blätter als vielmehr an die jetzt heranreifenden 
zarten Fruchtstände, deren Schuppen und Spindeln zerfressen werden, 

I 

i ') Von mancher Seite wird auch angenommen, daß das in den Draht- 

anlagen bis zum Vertrocknen an den Stöcken belassene Laubwerk der Er- 
nährung der Erdflöhe Vorschub leistet. Deshalb wird empfohlen, die „Hopfen- 

i riemen" schon bei der Pflücke etwa 20—30 cm über dem Boden abzuschneiden 
und ungesäumt wegzuschatfen. (Vgl. F. Wachtl, Saazer Hopfen- und Brauer- 
Zeitung, 1903, Nr. 26.) 

I Z. B. Ges. 63. Bd. 9 



130 



F r a uz H e i k e r t i n <>• e r. 



SO daß sie zerblättern, wodurch eine unmittelbare Scbädigung der 
Ernteobjekte eintritt. Nach den Angaben Theobalds (8) und 
Remischs (11) kann dieser Befall unter ungünstigen Umständen 
eine Ernte völlig vernichten. Die Vermutung Theobalds, daß die 
Eiablage in die „Dolden" stattfindet und die Larve in diesen lebt, 
trifft nach den eingehenden Beobachtungen der ersten Stände des 
Käfers durch meinen werten Freund Dr. Tölg allerdings nicht zu. 




Fig". 19. Fraß von Psylliodes attenuata an Hopfen 
(Ilerbarcxcmplar). 



Dieser kurzen Cliarakteristik möchte ich einige Worte über 
andere der IIo])fcnschädigung beschuldigte europäische Erdllohartcn 
anfügen. Unter diesen steht an erster Stelle die (^liaetocncma con- 
rinHfi Marsh. Ich habe die Standpflanzcn dieser Art kritisch ge- 
prüft und letztere als oligophag an Polygonacecn befunden. Siel 

*) Vergl. Ziiii^ncbl (7j und 'i'li (iol) a 1 d (8)-, wc.itcr.s Curti.s (Farm 
InHCCt«, p. 33 u. 34), 10. A. Orincrod (A Mauual of iiijurious lusccts, II. od., 
1800, p. 130). 0. Kircliucr (Kiankhoiton u. Iie.scliä(lif,niuf,^ou d. landw. Kulim- 
pflanzon, 2. Aufl., 1900), otc. — Kine ausflilirlidic Darstellung^ .I.JabI" 
nowski (ÜtmutatsiH a koudot puH/.fi'lo allatok irtasara, j). 21— 28, liudapc«!, 
11^05. T(!Xt un^^ariHcli). — Meinen- Meinung'- nacli dürften wolil allo uuf(!r dem'i 
Narnni ('haelocmnia coudmin l;uifeiiden Aii;^'-alien auf unHerc! Psylliodes v.n 
beziehen sein. 



PsylUodes attenuata Koch, der Hopfen- oder Hauf-Erdfloh. II. Teil. 131 



befällt in erster Reihe Folygonum-^ in zweiter Biimex-AxiQn. Ich 
habe sie mit Beobachtungen und Fraß versuchen nachgewiesen von: 
Polygonum avictdare L., mite Schrank, lapathifoliimi L., persicaria 
L., Bimex acetosa L., arifolms L., süvestris Wallr., niemals aber 
fand ich sie auf Hopfen. Bei Fittterungsversuchen mit Hopfen- 
blättern erzielte ich kein einheitliches Resultat. Zuweilen wurde 
der Hopfen — und zwar vorwiegend alte Blätter — ziemlich bereit- 
willig angenommen, zuweilen verschmäht. Ich bin hienach der 
Anschauung, daß sie letzteren in der Regel nicht freiwillig an- 
gehen dürfte. Das Vorhandensein dieser Chaetocnema in den Hopfen- 
kulturen ist aber ohneweiters erklärlich durch die wohl kaum ganz 
zu vermeidende Anwesenheit von Polygonum aviciilare, des ge- 
meinen Unkrauts nackterdiger Stellen, auf dem das Tier — ebenso 
wie die Haltica oleracea L. — fast allenthalben lebt. 

Gleicherweise sind die mehrfach genannten Phyllotreta-AYten 
nemorum L., flexuosa III. (worunter verschiedene gelbstreifige Arten, 
zumeist wohl undulata Kutsch, zu verstehen sind), vitttda Redtb. 
und nigripes Fab. nach meinen Beobachtungen und Versuchen 
sicher nur Gäste kreuzblütiger Gartenunkräuter — von denen ja 
Sinapis arvensis L., der Ackersenf, Piaplianus raplianistrum L., der 
Ackerrettich, in Ost erreich und Ungarn besonders auch noch Lepi- 
diim drciba L., die graue Kresse, ebensowenig wie das vorerwähnte 
Polygonum irgendwo ganz fehlen dürften — und stehen zuverlässig 
in keiner normalen Verbindung mit dem Hopfenfraß, wenn sie 
auch ab und zu auf die Ranken geraten mögen. Ein Tier von 
der Wanderlust der Phyllotreten kann eben an allen Orten und 
auf allen Objekten auftreten. 

Die Art der Schädlichkeit der nearktischen Psyll. ptmctulata 
an Hopfen hat speziell Parker (15) eingehend besprochen. Hervor- 
gehoben ist lediglich der Trieb- und Blattfraß im Frühlinge, der 
I allerdings ungeheure Dimensionen zeigt; eine Schädigung der 
1 Dolden ist nicht erwähnt. Etliche Schadenziffern sind zitiert: nach 
j Quayle (13) betrug der Ernteentgang in Hopfendistrikten Britisch- 
j Kolumbiens bei Massenbefall ungefähr 80^0, was nach Theo Eder 
einem ungefähren Barverlust von ^ 125.000 entspricht. Der Distrikt 
Chilliwack lieferte in einem Jahre 600 Ballen Hopfen anstatt 
2500—3000, der Distrikt Agassiz 250 Ballen anstatt 2250—2700. 

9* 



132 



Franz Heikertinger. 



In ähnlicber Art vollzieht sich die Schädigung des Hanfes 
durch die Psyll. attenuata (vergl. Fig. 20). Koppen (5) berichtet 
ohne Namensnennung der Käferart von der Frühlingsschädigung 
junger Hanfpflänzchen, die in einem russischen Kulturdistrikt einen 
Schaden von 15.000 Rubel bewirkte. Girard (6) erzählt von einer 
ihm gemeldeten direkten Schädigung der Hanffrüchte bei unver- 
letztem Blattwerk, einer Schädigungsart, die gleich der ..Dolden"- 
Schädigung des Hopfens der frischen Generation zugeschrieben werden 
müßte, vorerst aber wohl noch verläßlicherer Beobachtungen harrt. 




Fig. 20. ri;ilj von Psylliodes allcnuaia an Hanl" (Ileibarexenii)lar). 

Abwehr. 

f'bcr dieses völlig auf dem Gebiete des landwirtschaftlichen 
Pflanzcusclintzcs liegende Kapitel stehen mir eigene Beobachtungen 
nicht zu Gebote. 

Die alten, unschuldigen Mittel, wie der Wundram'sche Wcr- 
riiutaiiff^uß, die Asche, der Straßenstaub usw., erfüllen ihren Zweck 
nicht oder ganz unzulänglich, 

') Ich }iJib(5 an anderen Ilaltiriiionarton FiitfcrnngHVorswclic mit Hliiltoni 
unttTnomriien, dio mit AN'ermiitaiifgu(j, AhcIuj oder StraßenHtanb boliaiidelt 
wnron. Frwtere u iirfb'n aiifiiiiglicli allerditigH verHelimiilit, l).'ild aber jingciiommcn ; 
lim Asche und Staub kUmmerlcn «ich diu Vcrßuchstiere übcriiauj)t kaum. 



P»i/Uiodes attenuata Koch, der Hopfen- oder Hanf-Erdflob. II. Teil. 133 



Die amerikauisclien Praktiker arbeiten rationeller mit zweierlei 
Maßregeln: dem Schutz der Blätter dnrcb Bespritzen oder Be- 
stäuben und dem Wegfaugen der Käfer, beziehungsweise deren 
Verhinderung am Emporklettern am Stengel. 

Als Sprengmittel stehen in Verwendung vorwiegend Bordeaux- 
Brlihe (hergestellt mit Kupfersulfat und Kalk\ sodann Arsenver- 
bindungen, davon in erster Linie Bleiarseuat in Wasserlösung. 

Alle Sprengmittel haben den Nachteil, daß es auch bei fast 
täglicher Bespritzung praktisch unmöglich ist, die Blätter derart 
mit dem Gifte bedeckt zu halten, daß sie gegen den Angriff der 
Käfermassen effektiv dauernd geschützt sind. Die Käfer wenden 
sich den hervorbrechenden, noch unvergifteten Endknospen zu und 
schaden durch deren Zerstörung mehr als durch den Fraß am 
widerstandsfähigeren Blattwerk (Parker, 15). 

Besser noch haben sich Klebemittel zum Fang der Tiere be- 
währt, geteerte Bretter und „Schlitten", über welchen die Pflanzen 
abgeklopft werden, dann um den Stengel gewickelte und mit 
„tanglefoot" ^) bestrichene Baumwolle gegen die emporsteigenden 
überwinterten oder frisch entwickelten Käfer. Zum Wegfangen der 
Käfer von den noch ganz niedrigen Schößlingen empfiehlt Jablo- 
nowski (10) einen mittels seitlichen Charniers zu öffnenden, unten 
mit eingekrümmten Rande versehenen^ hohlen, blechernen Kegel- 
stutz, der — innen mit einem nicht trocknenden Leim bestrichen 
— um den Stock samt den Trieben gelegt wird. Die abspringen- 
den Käfer (das Abspringen kann durch Einblasen von Insekten- 
pulver gefördert werden) bleiben an der leimbestrichenen Innen- 
fläche kleben. 

Näheres über Abwehrmittel, auf die einzugehen nicht im 
Programm dieses Aufsatzes liegt, findet sich in der zitierten Literatur 
(7,8,10), speziell aber bei Chittenden (14) und Parker (15). 
Die von photographischen Darstellungen begleiteten Ausführungen 
besonders des Letztgenannten bieten ein interessantes Bild der 
modernen Kampfmittel und ihrer Erfolge. 



^) Übersetzt etwa „Fußangel"; ein Raupenleim amerikanischer Prove- 
nienz, unter dem Namen „Tree Tanglefoot" auch im inländischen Handel. 



134 



Franz Heikertinger. 



Wichtigere Literatur. 

a) Über Psylliodes attenuata. 

1. Entomologische Hefte, enthaltend Beitr. z. weitern Kenntn. 

u. Aufklärung d. Insektengeschichte. Frankfurt a. M., 1803, 
IL Heft, p. 34 u. 35, Taf. II, Fig. 10. 

Originalbeschreibung (Haltica attenuata). „. . . an Rainen, Gräben 
und in Wiesen, nicht häufig." 

2. Karl llliger, Magazin f. Insektenkunde, VI. Bd., p. 173 (Floh- 

käfer der Hellwig-Hoffmansegg'schen Sammlung). Braun- 
schweig, 1807. 

„ . . . Braunschweig auf Hopfen, woher sie S. Lupuli genannt 
wurde: Hellwig." Wohl die erste sichere Meldung von Hopfen. 

3. C. Foudras, Altisides (in: Mulsant, Hist. nat. des Col6o- 

pteres de France), Paris, 1860, p. 55 u. 56. — Annales de la 
Soc. Linneenne a Lyon, VI, p. 167 u. 168, 1860. 

parmi les herbes et specialeinent sur le houblon et sur 
le chanvre." 

4. Piero Bargagli, La Flora delle Altiche in Europa; Bull. 

dclla Societa Entomologica Italiana, X, p. 48. Firenze, 1878. 

Zitiert außer Foudras nocliGourcan (Schädigung Junger Hanf- 
j)fianzcn im Mai). 

5. Fr. Th. Koppen, Die schädlichen Insekten Kußlands. 

St. Petersburg, 1880, p. 283. 

Obwolil Küpi)en den Namen dieser Fsylliodes niclit nennt, be- 
ziehen sich seine interessanten Angaben zweifellos auf das besproclieni' 
'JMer. „Im Jahre 1843 erschienen im Kreise Fatet*li des Gouv, Kursk 
Erdflöhe in Menge, anfänglich auf der Brennessel, von welcher sie 
auf die jungen HanfpHänzclien übergingen und einen Schaden von 
15.000 Rubel verursachten ..." Auf Psyll. aitcnuala bezieht sich 
zweifellos auch die an gleicher Stelle gebrachte Mitteilung: „... nach 
den vom Ministerium der Ifeic^hsdomäncin erhaltenen Na,chricht(Mi scliii- 
digtc Psylliochs hyoscyarni L. iui .Jahre 1812 !i.n mehreren Orten des 
(inuv. Orcl die IlanfHjiatcn." 

6. Maurice (iirard, Bulletin de la 8oci6te entomol. de France, 

Paris, 1881, p. CXXXVII. 

Notiz Uber HanfH( liädlichk(!it der ihm aus dem Dep. Ilaute-Marne 
cingeMaiidten J'syU. (illcinififu. Die 'ri('r(! sollen in großen Mengen iQ 



Psylliodest attenuata Koch, der Hopfen- oder Hanf-Erdfloh. II. Teil. 135 



den Früchten der Hanfpflanzen, verkrochen zwischen Samen und Kelch, 
gefunden worden sein. Das Blattwerk war gesund, die Samen jedoch 
klein, mit runzligem Kern, viele wahrscheinlich steril. 

7. Dr. H. Zirngiebl, Die Feinde des Hopfens aus dem 

Tier- u. Pflanzenreich. Berlin, 1902, p. 32—34. 

Bespricht die Erdflöhe der Hopfengärten. Psyll. attenuata wird 
gar nicht genannt; als Hauptschädling ist Chaetocnema concinna (der 
„ Hopfenerdfloh ") angegeben, außerdem Chaet. hortensis, Haltica nemo- 
rum und flexuosa}) 

8. .F. V. Theobald^ Notes on Economic Zoology; Reports of the 

South-Eastern Agricultural College. Wye, 1903, p. 14 u. 15 
(PI. I, Fig. 7). 

Berichte über Hopfenschädigung durch Chaetocnema concinna 
(ßrassy Flea-Beetle, Hop Flea) und Psyll. attenuata (Hop-Cone Flea) 
in Südengland. Entgegen Canon Fowler legt Theobald den Früh- 
jahrsschaden vorwiegend der Chaetocnema zur Last, den sommerlichen 
Hauptschaden an den „Dolden" hingegen der Psijlliodes; letztere soll 
sich vorwiegend in den Dolden aufhalten. Verpuppung in der Erde. 

9. F. V. Gitnzel, Der Saazer Hopfen. Saaz, 1904, p. 195. 

Ausführliche und zutreffende Darlegung der Schädlichkeit unter 
dem Namen Psylliodes attenuata. 

10. J. Jablonowski, Utmutatäs a komlot piisztito ällatök 
irtäsära (Wegweiser zm* Bekämpfung der hopfenscbädlicben 
Insekten). Budapest, 1905, p. 21 — 28. Text ungarisch. 

Sehr ausführliche Schilderung der Erdflohschädigiing und Abwehr 
unter dem Namen Chaetocnema concinna. Charakteristisches Fraßbild; 
Fangvorrichtung. 



^) Eine kleine Schrift von Prof. Dr. Ta sehen berg (Die Schädigung 
des Hopfens durch Insekten, Halle a. S., 1884) erwähnt überhaupt keinen 
Erdfloh. — E. V. Streb el (Handbuch des Hopfenbaues, Stuttgart, 1887) nennt 
als „Hopfenfloh" die Haltica concinna, bildet aber hiezu eine Psylliodes chry- 
socephala (nach Taschen berg in Brehms Tierleben) ab. — Emanuel Groß 
(Der Hopfen in botanischer, landwirtschaftlicher und technischer Beziehung, 
Wien, 1899) nennt gleichfalls Hallica concinna. — Dr. C. Fruhwirth (Hopfen- 
bau und Hopfenbehandlung, Berlin, 1908) lehnt sich mit Chaetocnema concinna 
etc. an Zirngiebl an. — In einer vom k. k. österr. Ackerbauministerium 
herausgegebenen kleinen Schrift (Anleitung zum rationellen Hopfenbau, 3. Teil. 
Pflanzenschutz im Hopfenbau, Wien, 1908) ist Haltica concinna neben Psylloides 
attenuata erwähnt, u. s. f. 



136 



Franz Heiker tinger. PsylUodes attenuata Koch usw. 



11. Fr. Remiscb, Hopfenschädlinge; Zeitschrift für wissen- 

schaftliche Insektenbiologie, 1908, p. 332—333. 

Schädigung' in den Saazer Hopfengebieten. Psyll. attenuata, nur 
vereinzelt Phyllotreta vittula und nigripes. Die Psyll. erscheint Ende 
April bis Mai und befrißt die jungen Triebe; die Juli— August-Gene- 
ration schadet betrachtlicher an den Dolden. 

12. Dr. L. Reh, Die tierischen Feinde (Bd. III von: Dr. P. 

Sorauer, Handbuch d. Pflanzenkrankheiten), p. 522. Berlin, 1912. 

Referierend; durch außerordentlich reiches Zitieren der neuesten 
Fachliteratur ist es das beste zusammenfassende Schädlingswerk der 
Gegenwart. 

b) Über Psylliodes punctulata. 

13. H. J. Quayle, Journ. Econ. Entom., I, p. 325; 1908. 

Bericht über Schädlichkeit in Britisch-Columbia-, kurze Beschrei- 
bung aller Stände und der Lebensweise. 

14. F. H.Chittenden, The Hop Flea-Beetle; U. S. Departm. of 

Agriculture, Bur. of Entomology, Bulletin. Nr. 60, Part VI, 
Washington, 1909. 

Ausführlicher Bericht über Schädlichkeit in Britisch-Columbia; 
Metamorphose nach Quayle. Reich illustriert (u. a. Abb. der Larve); 
genauer Literaturnachweis über Psyll. inmctulata. 

15. William \l. Parker, The Life History and Control of the 

Hop Flea-Beetle, I.e., Bull. Nr. 82, Part IV, Washington, 1910. 

Ausführliche Darstellung sehr eingehender Beobachtungen und 
Versuche über Lebensweise und Entwicklung der Art in Britisch- 
Columbia. Reich illustriert (Ei, Larve, Puppe, Imago, Verheerungen, 
Abweiir). 



Das Herbar Makowsky. 

Von 

Dr. Franz Ostermeyer. 

(Eingelaufen am 20. Februar 1913.) 

Im ,]'A\Yv. 1910 kam die k. k. zoologisch-botanische Gesellschaft 
durch Vcrmitthmg ihres verdienstvollen Ehrenmitgliedes des Herrn 
Ilofratcs Franz HartHch in den Besitz der reichen Pilauzensamm- 
lun;; des iierni llorratcs Alexander Makowsky, welche die FamiHc 



Bas Herbar Makowsky. 



137 



desselben in liberalster Weise der Gesellschaft unentgeltlich über- 
lassen hatte. 

Die Sammlung umfaßt zirka 96 große Faszikel, von denen 
90 Phanerogamen und 6 Kryptogamen enthalten. 

Die Konservierung der Pflanzen muß eine tadellose genannt 
werden, die Pflanzen waren vollständig insektenfrei, auf schönes 
starkes, größtenteils geschöpftes Papier reichlich und in äußerst in- 
struktiven Exemplaren aufgelegt, leider jedoch üngespannt. 

Das Spannen der Pflanzen und die Einordnung des gespannten 
Materiales in das Gesellschaftsherbar nahm 2 volle Jahre in Anspruch. 

Derzeit befinden sich die Phanerogamen zur Gänze im Gesell- 
schaftsherbarium eingereiht. Die Aufsammlungen Makowskys um- 
fassen den Zeitraum von 1849 bis ^zu seinem im Jahre 1908 er- 
folgten Ableben. Die älteste von Makowsky selbst gesammelte und 
von ihm auf der Etikette als solche bezeichnete Pflanze ist eine 
monströse Form einer Cardamine pratensis L.^ gefunden um Olmiitz 
am 15. Mai 1849. 

Nachstehend mögen einige biographische Daten über den Besitzer 
des Herbariums folgen, die von der Familie Makowskys herrühren, 
für deren Mitteilung an dieser Stelle verbindlichst gedankt wird. 

Alexander Makowsky wurde am 17. Dezember 1833 zu 
Zwittau in Mähren geboren, besuchte bis 1854 das Obergymnasium 
in Brünn, oblag 1854 — 1858 dem technischen Studium gleichfalls 
in Brünn. Er war von 1858 — 1868 als Assistent, Supplent und 
Realschullehrer für Naturgeschichte und Mathematik in Olmütz und 
Brünn tätig, wurde 1868 definitiver ordentlicher Professor für Natur- 
geschichte und Warenkunde an der technischen Hochschule in 
Brünn, 1872 auch für Mineralogie und Geologie und trat im Okto- 
ber 1905 in den Ruhestand. 

1901 wurde ihm der Orden der eisernen Krone, 1905 der Hof- 
ratstitel und 1906 das Ehrenbürgerrecht der Stadt Brünn verliehen. 

Seit dem Jahre 1852 unternahm Makowsky fast jedes Jahr 
eine bis zwei Reisen zum Zwecke botanischer^ geologischer und 
i mineralogischer Studien, häufig auch in Begleitung seiner Schüler 
an der technischen Lehranstalt. 

Außer Siebenbürgen hat er alle Kronländer Österreichs bereist, 
am häufigsten Mähren und die Alpenländer, Dalmatien, Ungarn 



i 



138 



F r a n z s t e i' m e y e r. 



(Tatra), in seinen letzten Lebensjahren auch Istrien, die Brionischen 
Inseln und die Inseln bei Pola. Makowsky besuchte die Ost- und 
Nordsee (Rügen, Norderney), war dreimal in Skandinavien, das 
letzte Mal 1906, in der Schweiz, in Italien bis Messina, Rußland 
von Finnland bis zur Krim, Kaukasus, Baku, Elisabethopol, Frank- 
reich, Spanien (Pyrenäen), Belgien, Holland, Dänemark, machte 
1894 die. Orientreise des wissenschaftlichen Klubs nach Ägypten 
(Mokatamgebiet), Kleinasien, Palästina (Baalbeck), Berg Karmel, 
Libanon, Syrien (Damaskus), Rhodus, Cypern, Griechenland und 
griechische Inseln und Santorin mit. 

Auf allen diesen Reisen hat Makowsky vielfach Pflanzen ge- 
sammelt und dieselben seinem reichhaltigen Herbarium einverleibt. 

Reiseberichte, wissenschaftliche Abhandlungen und Notizen 
u. dgl. veröffentlichte er in den Schriften des Naturforschenden 
Vereines in Brünn, so die Ergebnisse der Studienreise 1906 nach 
Norwegen, wo er im Hankelifjord ca. 100 Spezies Pflanzen sammelte, 
im 45. Band 1906 und eine naturhistorische Skizze samt einem 
Pflanzenverzeichnisse der Brionischen Inseln im 46. Band 1907 des 
vorgenannten Vereines und in den Abhandlungen der Anthropo- 
logischen Gesellschaft in Wien. 

Makowsky stand aber auch mit einer großen Zahl von Bota- 
nikern und Pflanzensammlern im regen Verkehre und vermehrte 
seine l^flanzenschätze durch Kauf und Tausch. 

Nachstellend folgt die Aufzählung von Sammlernamen, deren 
'J'räger sich durch die botanische Erforschung mehr minder ausge- 
dehnter Gebiete ausgezeichnet haben. 

Es sind die folgenden: Aml)rosi (Südtirol), Arndt (Hamburg), 
Aschcrson und Reinhardt (Flora sardoa, 1863), Justus Aflmann 
(Gegend von Isenburg), 0. Bacnitz, Baillet, Balansa, Franz Bartsch 
(k. k. ilofrat, Ehrenmitglied der k.k. zool.-bot. Gesellschaft, Schwager 
Makowsky s), A. de Bary, J. N. Bayer (Flora von Wien und Um- 
gc)>nng von liudapest), A. Becker (Sarepta), Birnbacher, Pflanzen- 
tro('k(;nanHtalt G. Böckel in Oldenburg;, P>()genhar(lt (Kreuznach), 
ÜoHniacki, Elise Braig, .loh. Braiinsting(;l, Alfred IJreindl, P. Breuner 
(Malta, 1831—1834), J. \V. liuek (Königsberg, Sudeten), Otto Bnln- 
lieirn ili(Mpzig), A. Burghauser, Callisch (Allgäu), (jesaii, (Jaruel und 
Hohenacker, Ghristf'n(;r (Bern, 1854), Francesco (Josta (Südtirol), 



Das Herbar ^fakowsky. 



139 



Crepin, Delaimais (Frankreich), Delba (Bordeaux), J. Delbos (Gi- 
roude), Dolbain (Belgien\ Dolliner. J. C. Ducommim (Genf), Durch- 
ner (Eisenhut), Eisenbarth (Schleißheim), Dr. Feichtinger, Fiala 
(Bosnien), Fischer, Apotheker in Haigerloch (Deutschland), Cadet 
de Fontenav, Dr. Forg-es (Berlin), Job. Freyberger (Oberösterreich, 
Prielgebiet), Fronius (Siebenbürgen), Funk (Spanien, Sierra Ne- 
vada, 1848), Fuß (Siebenbürgen), Gander, Gasser, Gellhorn (Deutsch- 
land), Grabmayer (Padua), D. A. Gregorzek (Tatra), Grenier, Hauß- 
kuecht, Haszlinsky, Heuffel (Banat), Hausmann (Tirol), Haynald, 
Dr. Hell, Hepperger (Bozen, Trient), Herbich (Tarnöw, 1826), C. L. 
Hillardt (Wiffingen), Huet de Pavillon, Huguenin, Huter, Fritz 
Jadberg (Westfalen), Janka (Siebenbürgen), Dr. Jechl (Budweis), 
Eduard Josch, Juratzka (hauptsächlich Xiederösterreich), Josefine 
Kablik (Riesengebirge), J. H. Kaltenbach (Flora von Aachen), Karl, 
Kerner, Tb. v. Kirchstetter, Dr. Kuaf, Karl Koch, 1860, Kohl, J. Mayi-, 
Friedrich Ptudolf Kolenati, geboren den 12. August 1813 zu Prag, 
t 1864, war ein engerer Berufskollege Makovv^skys, betrieb haupt- 
sächlich Zoologie^ Kristallographie und Botanik und war, nachdem 
er eine Reise nach Rußland und den Kaukasus 1848 unternommen, 
vom Jahre 1849 bis zu seinem Tode am polytechnischen Institute 
in Brünn Professor. Das Hauptgebiet in botanischer Richtung war 
die Erforschung der Flora des Altvaters in den Sudeten. Kolenati 
veröflentlichte eine Höhenflora 1859 und starb 1864 in der Senn- 
hütte am Peterstein am Altvater, erst 51 Jahre alt. 

Die reichlichen Aufsammlungen vom Altvatergebiete sind mit 
dem Herbarium Makowsky vollständig in den Besitz der k. k. zool.- 
botau. Gesellschaft übergegangen. 

Kolenati kann mit Recht ein Vorläufer der modernen Xomen- 
klaturbestrebungen genannt werden. 

Es mögen hier einige Beispiele seiner etwas krausen Nomen- 
klatur aufgeführt werden: 

Älomatium (DC.) für Ärahis, Belienantlia (Otth.) für Silene, 
Btdhocajmos (Beruh.) für Corydalis, Fopulago (DC.) für Caltha, 
Ejnxystinn (Peterm.) für Cirsiiim, Holosepalum (Spach) für Htjpe- 
ricum, Heracantha (DC.) für Carlina, Larhrea (Fenzl) für Stellaria, 
Lysimachium für Epilohium, Pilosellonica und Fidmonarioidea Fseu- 
docerinthoides für Hieraeimn, Flioenixopus für Lactuca, Eorella 



140 



Franz s t e r m e y e r. Das Herbar Makowsky. 



{DC) für Drosera, Ulmomatosa für Geranium, Virea (Endl.) für 
Leontodon. 

Die zoologisch-botanische Gesellschaft besitzt ein Bild dieses 
Forschers sub Kat.-Nr. 155 ihrer Porträtsammlung. Kotschy, J. v. 
Kovats, P. Krabler, Lagger (Schweiz), Dr. Lambert in Wetzlar (ver- 
giftete sich, Anmerkung Makowkys), 0. de Lavernelle, Lehnert 
(Rußland), Baron Leithner, Lejeune (Flore belgique), Le Jolis, L. 
Leresche (Voyage en Espagne en 1862), G. L. Espinasse, Lohr, 
Malinsky (Tetschen), Manganotti (Verona), Marson (Frankreich), 
L. M. Minerbis (Triest), Graf Mittrowsky, G. Moesz (Ungarn), L. Mo- 
lendo, L. de Montesquieu (Feldkirch), Morandeil, F. Moser (Nieder- 
österreich), Hugo Mühlig (Niederösterreich und Mähren), Dr. H. W. 
Müller, Nauenheim, Pharmazeut, Nießl, Oborny (Mähren), Job. 
Ortmann (Flora von Wien), Paalzow^, D. Fächer, Panizzi (Ligurien), 
C. A. Patze (Königsberg, Preußen), Petter, v. Pidoll, Planta (Nieder- 
österreich), P. Porta, Rainer (Verona), Baron Nikodemus Rastern, 
Dr. Robert Rauscher, Rehsteiner, Pastor (Schweiz), Roemer (Namiest), 
Rohrer (Niederösterreich), Dr. Borbach (Trier), C. Salle (Pharmazeut 
in Pont-a-Mousson, Meurthe), Michael de Sardagna, Schäde, C. 0. 
Schiefer (Norwegen), Julius Schlikum, Apotheker (Wieningen), 
Schlosser, Vukotinovic, Schneller (Preßburg), Schonger, Schröckinger 
(Triest, Lstrien), Schramm, W. J. Sekera, Pharmazeut (Münchengrätz), 
Seelos, Schulz, Dr. Stur, Teuber, Tessedik, C. Theimer (Adamsthal), 
'J'imbal-Lagrave, Todaro (Palermo), Traunsteiner, K. UntchJ (lstrien), 
Georg Unterpranger, Th. Urgel (Frankreich), Vayieda (Sj)anien), 
L. Viigner (Ungarn), Viehweider (Trient), Ferd. Vielguth (Ober- 
österreich), A. Vogl (1853), Waldmüller, J. Wilmos, M. Winkler 
(Teplitz), Wirtgen, Woerndle, Wolf (Siebenbürgen), Dr. Wolfner, 
K. Wüstner (Ostsee), A. Zagl (Grammat-Neusiedl), Zallinger (Bozen), 
Ziegler, G. A. Zwanziger und viele Andere. 

Durch diese IMlanzensammlung hat das Herbarium der k. k. 
/oologisch-botanischen Gesellschaft eine bedeutende Bcrciclierung i 
crfalintn und kann die Zahl der neu hinzugewachsenen Spezies 
^^Ting g(;r(;chnct auf ca. 800 — 1000 ges(5hätzt werden. 

Die GcHcllHchaft wird dem Sanimlcr dieses Pflanzenschatzei | 
8o\vi(; den Spcndcn-n dcHHc^lben, seiner Familie, jederzeit ein ehren- 
de» Angedenken bewahren. 



Siebenter Nachtrag zur Lepidopterenfauna Bosniens u. d. Herzegowina. 141 



Siebenter Nachtrag zur Lepidopterenfauna 
Bosniens und der Herzeg^owina. 

Von 

Dr. Karl Schawerda/) 

(Eingelaufen am 3. März 1913.) 

Im Juli 1912 machte ich in Begleitung meiner Freunde, des 
Herrn Hofrates Dr. Karl Schima und Baurates Hans Kautz, eine 
dreiwöchentliche Reise im bosnisch-herzegowinischen Gebirge an 
der montenegrinischen Grenze. Es wurden von uns Trebinje, Lastva, 
Gacko, die Yucijabara, Kliuje, Suha, der Maglie, die Zelengora 
(Pregocsattel, Kaserne Borilovac) durchstreift, von Gacko aus in 
Begleitung des uns befreundeten Kulturingenieurs, des Herrn Vin- 
zenz Hawelka. Baurat Kautz und ich achteten besonders auf 
Mikrolepidopteren. Ein wichtiger Bestandteil dieses Nachtrages ist 
wieder das Sammelresultat des Herrn Josef Jan eck o, der auch im 
Frühling und Herbst für mich sammelt. Die mit einem Sternchen 
versehenen Arten, Varietäten oder Aberrationen sind neu für Bos- 
nien und die Herzegowina. Bei den nur für eines der beiden 
i Länder neuen Arten oder Formen ist kein Sternchen, doch ist dies 
' eigens vermerkt. In diesem siebenten Nachtrag sind über 20 für 
unsere neuen Eeichslande neue Arten, über 30 daselbst noch nicht 
gefundene Varietäten oder Aberrationen von Makrolepidopteren und 
über 70 neue Arten, Varietäten oder Aberrationen von Mikrolepido- 
pteren angeführt. Mit meinen vorhergegangenen sechs Nachträgen 
und bei Herrn Prof. Fvebels großen Erfolgen in der Faunistik Bos- 
! niens und der Herzegowina (Studien über die Lepidopterenfauna 
der Balkanländer, II. Teil) ein gew^altiges Resultat. Es sind diesmal 



Vgl. diese „Verhandlungen", Jahrg. 1906, p. 650-652-, 1908, p. (250) 
(256); Jahresber. des Wiener Entom. Ver., Jahrg. 1908, p. 85— 126; diese 
»Verhandlungen", Jahrg. 1910, p. (19;)— (34) und p. (90)— (93); Jahrg. 1911 
p. (80)— (90) und p. (175); Jahrg. 1912 (Farn. apoUo Uhurnims und Coeyio- 
nympha) und p. (138)— (148). 



142 



Knrl Schawerda. 



drei für die ganze Monarchie neue Arten ( Gleopliana anatolica, La- 
rentia oxyhiata und Tepliroclysiia mimisculata var. opistliograpliata) 
darunter und eine Anzahl Neubeschreibungen und Benennungen (Far- 
nassius apollo Uhurnicus ab. trimacula und ab. defasciata, Colias 
myrmidone halcanica g ab. dapJmis und 9 ab. chloris, Melitaea 
maturna iiralensis ab. Kantzi, Dichonia aeruginea var. mesemhrina, 
Leucania evidens var. lampra, Ortholita hipundaria var. sandalica, 
Änaitis 2^'i'aeforniata ab. aphrodyte, Larentia scripturata \2iY. poliata, 
GnopJios myrtillata var. nivea, Cramhiis lytJiargyrelhis var. aequa- 
lellus, Cramhus pratellus var. altivolens, Scoparia pyrenaealis ab. 
prinzi, Metasia ophialis ab. tJianatella, Fionea nihigmalis var. delim- 
halis und einige andere). 

Neu für Bosnien und Herzegowina sind: Fapilio alexaiwr, 
Cerura bifida, Cerura bimspis, Fygaera curtiäa, Fachypasa otus, 
Folia serpentina, Folia canescens, Sesamia cretica^ Gleopliana ana- 
tolica, Talpocliares velox und ostrina, Flusia chalcytes, Exopliila 
rectangidaris, Cheimatohia horeata, Lareniia oxyhiata, luguhrata und 
herherata, Tephroclystia fenestraia, veratraria, minuscidata und iso- 
grammar'ia^ Crocallis tiisciaria, (inoplios stevenaria, Nola ancipl- 
talis, Nydeola falsalis und Sesia aerifrons. Dazu kommt noch eine 
große Anzahl Arten, die für eines der i)eiden voneinander so gründ- 
lich verschiedenen Länder neu sind. Es war zu erwarten, dal] die jj 
Balkanländer viele Lokalrassen aufweisen, die erst festzustellen 
waren, sobald genügend Material zum Vergleiche vorlag. 

Es ist vieles Hochinteressantes über die Lepidopterenfauna i| 
unserer neuen Reichslande zu sagen. Doch ist liier nicht Raum || 
und Zeit dazu. Herrn l*rof. Dr. Rebel sage ich biemit meinen ' 
besten Dank für die Bestimmung von einigen seltenen Ilcterocercn 
(AnatoUra, ()jnf>l/iogra])Jtal(!, Arrifrons) und von den meisten, bc 
soiidn-^ ;il)f'r von allen neu(Mi Mikrole})i(l()pteren. 

Papilioiiidne. 

^I'njulio (ilrxa)wr Esp. var. adruilira Scliaw. (2.) yil(':ra)ior wur<l<' 
von mir in der Vucijabara (1250 m) bei Gacko aufgefunden 
Im .labrcHliericlite des Wiener Entomologisclien Vereines 15UL' 
liabf; ieli (Vw. l'aIk;mform als AdrUtlica von der Stammform 
abgetrennt. Auch Kautz fing ein defektes daselbst. Mein 



Siebenter Nachtrag zur LepidopterentauuaBosniens u. d. Herzogowina. 143 



cT ist etwas kleiner als seines und als die dalmatinisclien 
(von Eudolpli in Gravosa massenhaft gezogenen) Alexanor 
und auffallend breit scliwarz gezeichnet, was besonders beim 
mittleren Fleck in der Mittelzelle der Vorderflligel auffällt. 
Die submarginale schwarze Binde ist in den Vorderrand breit 
ausladend und bildet gegen die Basis eine Konkavität. Leider 
haben wir von diesen herzegowinischen Hocblandtieren zu 
wenig Material, 3 cf, 1 9. 

Ihais polyxena Schiff'. (10). Hawelka erbeutete zwei Falter der 
Art und ein Exemplar der ab. ochracea Stdgr. in Klinje bei 
Gacko (1200 m). 

Parnassius apollo L. var. lihurnmis Rbl. et Roghfr. (14). Die in 
diesen „Verhandlungen" ^) im Vorjahre von mir beschriebene 
Form, der die beiden schwarzen, dem Apex der Vorderflügel 
nahestehenden Flecke völlig fehlen, erbeutete ich heuer auch 
in zwei weiblichen Exemplaren (3 cT, 2 g) und benenne daher 
diese interessante Aberration * ab. nova trimaciäa m. 

Die bei derselben Gelegenheit erwähnten Exemplare, die 
keine Spur einer antimarginalen Binde der Vorderflligel habem 
mögen den Namen *ab. nova defasciata m. führen. Diese 
beiden Namen sollen aber nur auf extreme Exemplare be- 
schränkt bleiben. Die Typen sind wie bei fast allen von mir 
beschriebenen Formen in meiner Sammlung. 

P. mnemosijne L. (36). Wir erbeuteten die Art in 1600 m Höhe auf 
dem Maglic (12./7. 12) und in 1900 m Höhe auf dem Pregoc- 
sattel auf der Zelengora (14./7. 12) in Anzahl. Es befinden 
sich unter einigen verdunkelten g fünf Exemplare der *ab. 
arcuata Hirschke. Die verdunkelten Weibchen gehören einem 
Übergang zur ab. melaina Honr., der ab. liartmanni Stdf. an. 
Unter den cT ist ein cf' der ab. intacta Krul. Im Glassaume 
sind bei den 25 Stück meiner Ausbeute keine weißen Fleck- 
chen. Mit Ausnahme eines einzigen d" sind alle stark schwarz 
gefleckt (auf den Vorderflügeln). 



^) Die beiden daselbst abgebildeten Ajoollo-Fovmen ab. theiodes Schaw. 
und ab. spheyiagon Schaw. wurden leider verwechselt. 



144 



Karl Schawerda. 



Flügelspitzenabstand 50 — 60 mm (ein cf 62 mm). Die 
schöne Form arcuata ist neu für B. u. H. 

Pieridae. 

Pieris hrasslcae L. (45). Die Falter aus der Vueijabara (Juli) 
gehören der uamensberechtigten *var. catoleuca Rbr. an. Sie 
sind gewöhnlich größer als die mitteleuropäischen Brassicae 
und unterseits auf den Hinterflügeln ganz unbestäubt creme- 
gelb. Oberseits sind die Hinterflügel weiß. Einige Exem- 
plare sind intensiver schwarz gezeichnet. Ein 9 aus Sulia 
hat den Raum zwischen den beiden Vorderflügelflecken eben- 
falls schwarz bestäubt. 

In der Form catoleuca für B. u. H. neu. 
P. ergane HG. (49). Ein autfallend großes d mit 44 mm (statt 36 
bis 38 mm) Flügelspitzenabstand erbeutete ich bei Gacko in 
der Sommergeneration (10./7. 11). 

Ein kleines cT (34 mm) der * ab. semimaculata Rost, 
erbeutete Janecko in der Frühjahrsgeneration bei Nevesinje. 
Die Vorderflügel sind fleckenlos. Die cT *ab. longomaculata 
Rost, mit verbundenen Flecken der Vorderflügel fing ich bei 
Trebinje 4./7. 12 und auf dem Pregocsattel (Zelengora) unter 
anderen Ergane in fast 2000! m Höhe (14./7. 12). In beiden 
Formen neu. Die beiden Generationen sind sehr verschieden. 
CoUas myrmldone Esp. var. halcanica Rbl. 

In diesen „Verhandlungen", 1906, p. 651 habe ich die 
weißen 9 der von Prof. Rebel benannten großen Balkanrasse 
Ualcanica als Itebeli abgetrennt. 

Ich besitze aus Bosnien und aus der Herzegowina 5 o. 
die nicht weiß, sondern cremefarbig wie altes, gelbes Elfen 
boin sind, und ein 9, das ich von Herrn Fritz Wagner 
ri'rcbevic'ij erwarb, das li(ihtgrlln wie ein Coliaii nastes-cf ist. 
Meine ab. anna ist zitronengelb wie ein llhamni-<d. Ich bc 
nenne die elfcnbcingelben die natlirlich einen mein 
orangegelben MitteHleck auf den Hinterllllgcln bcHilzon, 
hiemit 7 *ab. nova daphnis m. und die hellgriincn 9 "' ah 
nova cldoris m. 



Siebenter Nachtrag zur Lepidopterenfauna Bosniens u. d. Herzegowina. 1 45 



Nyiupbalidae. 

Limeniiis Camilla Schiff. (135). In der Herzegowina wie in Dal- 
matien ist diese Art, besonders deren 9, größer als unsere 
niederösterreichische Camilla, Diese südliche Form, d. h. 
alle meine Exemplare aus der Vucijabara, zeichnet sich da- 
durch aus, daß der blaue, oft grünliche Stahlglanz auf der 
Oberseite intensiver erscheint und daß die Grundfarbe der 
Unterseite auf den Yorderflügeln viel weniger Rotbraun führt, 
also mehr schwärzlichgrau ist. Ich kann so raeine 10 cT und 
3 9 ohne Fundzettel von den Faltern aus Niederösterreich 
gleich unterscheiden. Das Weiß der Oberseite ist bei den 
herzegowinischen Exemplaren sehr rein und ausgedehnter. 
Vielleicht verhalten sich die dalmatinischen Camilla ebenso. 
Dann wäre von einer südlichen Varietät zu reden. 

^Vanessa urticae L. (157). Die var. Uircica Stdgr. erbeutete ich 
in der Vucijabara. In der Form neu. 

F. antiopa L. (162). 18./6. 12. Mostar. Jan. Ein sehr großes 9 
mit breiterer gelber Eandbinde. 

*Folygonia egea Cram. ab. I-alhum Esp. (167). 2./7. 12. Mostar. 
In der Abart neu für B. u. H. 

ÄLelitaea maturna L. var. uralensis Stdgr. (172). Die meisten J/a- 
turna aus der Vucijabara sind in der Mittelbinde der Vorder- 
flügel und Hinterflügel statt braun weiß gefleckt und gehören 
somit der var. uralensis Stdgr. an. Einige sind auch am 
Außenrand weiß gefleckt. Die Art ist dadurch rot-weiß-schwarz 
gefärbt und nicht rotbraun wie die Exemplare aus Xieder- 
österreich. Bei sehr wenigen fällt die weiße Fleckung der 
Mittelbinde weg. Ein C erbeutete ich. das die Mittelbinde 
auf beiden Flügeln ganz schwarz hat. Die 9 haben oft eine 
respektable Größe. 

Eine seltene Aberration erbeutete Baurat Hans Kautz 
in der Vucijabara. z. Vorderfliigel oberseits (der Uralensis 
entsprechend) stark weiß gebändert. Die vier gegen den 
Vorderrand zu gelegenen weißen Flecke sind keilförmig, mit 
der Spitze gegen die Wurzel verlängert. Vor der rotgelben, 

Z. B. Ges. 63. Bd. 10 



146 



Karl Sehawerda. 



mehr in Flecke aufgelösten Saumbinde liegen an Stelle der 
Saummonde auffallend große, weißliche Flecke. 

Die Hinterfliigel sind oberseits stark verdunkelt, das 
Mittelfeld erscheint geschwärzt, die rotgelbe Saumbinde sowie 
die Saummonde wie bei den Vorderfltigeln. Unterseits sind 
auf den Vorderflügeln die vier weißen Keilflecke deutlich 
sichtbar. Der unterseits längs des Vorderrandes hinziehende 
Wisch ist fast bis an den Saum verlängert. An diesen schließt 
sich, parallel mit dem Saum verlaufend, die sehr verbreiterte, 
aus den weißlichen Halbmonden zusammengesetzte Saumbinde 
an. Die Hinterflügel haben unterseits ein einfarbig rotgelbes, 
gänzlich ungezeichnetes Wurzelfeld. Die nicht schwarz geteilte 
weiße Mittelbinde ist saumwärts stark verbreitert, so daß 
zwischen ihr und der ebenfalls sehr breiten, aus den Saum- 
monden zusammengesetzten Saumbinde eine schmälere rot- 
gelbe, saumwärts schwärzlich eingefaßte Binde parallel zum 
Saum verläuft. 

Ich benenne diese herrliche Form nach ihrem Entdecker 
*ab. nova J\auü'i m. Das Exemplar befindet sich in der 
Sammlung des Finders. 
3f. cmrinia Rott. var. halcanica Schaw. (175). 

Im Jahresberichte des Wiener Entomologischen Vereines, 
1908, p. 91, habe ich seinerzeit die bosnisch-herzegowinischen 
Äurinia unter dem Namen Balcanica abgetrennt. 

Besonders in der Vucijabara sind die lyalcanica tyi)isch hell 
gefärbt, mit grollen, weißlichen llandmondcn. Auf dem Trcbevic 
in Bosnien fliegt die Balcanica in Exemplaren, die lange nicht 
so typisch sind. Besonders die cT vom Trcbevic sind meist 
dunkler als die von der Vucijabara und kommen mehr der 
Anr'nua von Krain nahe. Balcanica steht der Provincialis 
am nächsten. Ich glaube, daß die Dalmatiner bereits einen 
(Jl)cr;;ang von J*rovinciaUs zu lialranica darstellen, da ich 
aus Dalmatien auch sehr lichte Stücke besitze. Die typische 
Balcanica ist aus der Herzegowina (Vucijabara), ist groß, 
aufl'allend hell und hat große^ w(;ißliche Kandmonde. 
M.cinxia L. (177;. Vodice bei Gacko. ('her 1000 m. Ilawclka. 
Ich erbeutete 1 das etwas größer ist als die Stücke aus 



Siebenter Nachtrag zur Lepidopterenfaima Bosniens ii. d. Herzegowina. 147 

Niederösterreich, blaßbraun statt rotbraun gefärbt erscheint 
und eine stärker ausgeprägte schwarze Bindenzeichnung be- 
sitzt. Vucijabara, 7./7. 12. 

M. trivia Schilf, var. (nec ab.) fascelis Esp. (186). Ich besitze 
eine große Anzahl von Trivia aus der Vucijabara. Die Tiere 
sind alle bedeutend größer als die typischen Trivia, zu der 
sie sicher nicht gehören. Ich würde sie am liebsten zu Fas- 
celis ziehen, doch habe ich von Fascelis wenig Material 
und lasse die Frage offen, ob die herzegowinischen Fascelis 
nicht eine eigene Rasse bilden. Die cf sind meistens dunkler, 
ebenso mehrere g. Die meisten 9 aber sind nicht dunkler 
und führen verschiedene Töne von Braun auf der Oberseite. 

31. diclyma 0. (185). Die in der Vucijabara fliegenden Didijma 
sind eine alpine Form des Südens. Sie gehören weder zur 
var. aljnna Stdgr., noch zur var. meridionalis Stdgr., sondern 
zur var. graeca Stdgr. Man lese in Staudingers Werk über 
die Lepidopterenfauna Griechenlands nach. Dort ist als Graeca 
ein stark schwarz gesäumtes cf abgebildet (wie es auch in 
der Herzegowina nicht selten vorkommt), weil es in dieser 
alpinen Rasse des Südens am meisten unter seinen Brüdern 
auffällt, die nicht alle diese schwarze Saumverbreiterung haben. 

cf 35, 9 40 — 45 mm. Bei den wenigsten cf sind die 
schwarzen Flecke reduziert^ bei mehreren cf bilden die ante- 
marginalen Monde der Vorderflügel und Hinterfiügel eine tief- 
schwarze Zackenbinde, bei 2 cT bilden die mittleren schwarzen 
Flecke eine Querbinde, bei 7 cf sind die antemarginalen Monde 
mit dem Saum breit schwarz verbunden. Die 9 haben eine 
unglaubliche Variabilität. Sie sind sehr groß und haben mei- 
stens grünbraune Vorderfiügel und rotbraune Hinterflügel. Doch 
kommen auch solche mit sehr blaßbraunen Flügeln vor, solche 
mit gleichmäßig rotbraunen Vorderflügeln und Hinterflügeln, 
mit grünlichbraunen, ja sogar (drei Falter) mit ganz gleich- 
mäßig dunkeln, grünlichschwarzen (ab. nigerrima Sch.) Flügeln. 
Bei einem 9 besteht eine breite schwarze Binde in den 
Hinterflügeln, von den antemarginalen Monden aus gegen die 
Wurzel. Ein sehr aberratives 9 hat oben die schwarzen 
Mittelflecke der Hinterflügel strahlenförmig ausgezogen, unten 

lü* 



148 



Karl Schawerda. 



die Vorderflügel fast ungefleckt, unten die Hinterflügel basal 
stärker gefleckt, in der Mitte mit einer breiten ungefleckten, 
hellgelben, ein Drittel der Hinterflügel einnehmenden Binde. 
Der Außenrand hat unterseits wenige braune und schwarze 
Flecke. 

M. dyctinna Esp. (195). Große schwarze Form. Das Schwarz 
überwiegt stark. Bei 3 von der Vucijabara bleiben nur 
spärliche helle Flecke auf den Vorderflügeln, auf den Hinter- 
fltigeln gar keine übrig, *ab. seminigra Muschamp. 

Auch 3 9 haben viel geringere und hell gelbbraune 
Flecke. Die Unterseite weist auch weniger Rotbraun auf als 
die der niederösterreichischen Tiere. Die Exemplare sind 
meistens größer als unsere. 1 q hat 43 mm Flügelspitzen- 
abstand. Ein cf von normaler Größe hat auf den Vorderflügeln 
und Hinterflügeln weißgelbe Flecke und auf der Unterseite 
eine weißgelbe Grundfarbe. Es ist frisch und noch heller 
gefleckt als die 9. 

Ärgynnis pales Schifl". var. halcanica Rbl. (210). In einer Höhe 
von fast 2000 m auf dem Maglic in Anzahl. Schaw., Kautz. 

Diese Balcanica vom Maglic haben in beiden Geschlech- 
tern auffallend weiße, gescheckte Fransen. 

A. amathusia Esp. var. dinara Frühst. (219). Vucijabara. Von 
dem Autor in der Int. Ent. Zeit., IT, 214 aufgestellt. 

A. hecatc Esp. var. Irlhur niand Frühst. (221). Vucijabara. Eben- 
falls in der Int. Ent. Zeit., II, 214 aufgestellt. 

A. adippc L. (232). Ein aberratives , . Vucijabara. Unterseits 
ist das Saumfeld moosgrün. Die blausilberncn Ozellcn sind 
braun umringt. Kontrast dieses dunklen Saumfeldes mit der 
ledergelben (Grundfarbe. Silberdecke sehr gut ausgebildet. 

Einige , der ab. clcodoxa 0., die unter der Stammform 
fliegt, haben auffallend große silberblaue Ozcllen unterseits. 

Mrlnnfir(/ifi hirissd IKi. var. hcrta HG. 

1)1. Schima, Kautz und ich erbeuteten vereinzelt bei 
'IVebinje (4./7. 12) die *ab. ddimbala Neustetter und die unten 
augenloHC * ab. fychntrrrdar Neustetter. In den beiden Abarten 
neu für B. u. il. 



Siebenter Naditrag- zur Lepidopterenfiiuna Bosniens u. d. Herzef>owina. 149 

Bei den Melanargieu sollten alle Arteu, die keine schwarze 
Randlinie oberseits oder keine Augen unterseits haben, den- 
selben Namen führen, z. B. Abmarginata und Galene. 

Erebia prono'e Esp. (288). Vinzenz Hawelka fand die Art in der 
übrigens normal großen Bergform *var. almangoviae Stdgr. 
in Anzahl auf der Zelengora, darunter einige Stücke der ab. 
pithonides Schultz, die Übergänge von Almangoviae zu Pitho 
darstellen. Almangoviae ist neu für B. u. H. 

Satyrus liermione L. (341). Ein typisches Stück der *var. (nicht 
aberratio!) australis Rbl., wie sie aus Dalmatien bekannt ist, 
von Mostar und Trebinje. Schaw. In Bocac (Nordbosnien) 
fing ich nur die Stammform. Australis ist neu für B. u. H. 

S. h'iseis L. (343). Die in der Herzegowina (Trebinje und Neve- 
sinje) erbeuteten Briseis gehören der var. meridionalis Stdgr. 
an und nicht der var. major Obth., was in Rebeis Studien 
über die Lepidopteren des Balkans richtig zu stellen ist. Die 
cT sind zum großen Teile größer als die cf der niederöster- 
reichischen Briseis. Sie unterscheiden sich aber sonst kaum 
von ihnen. Die g sind ebenfalls nur zum großen Teile 
größer, haben aber eine breitere, weiße Binde und vor allem 
eine auffallend graue, gleichförmig gewässerte Hinterflügel- 
unterseite. 

Meine Fiumaner 9 haben diese lange nicht so grau. 
Über Briseis siehe Aigner, Gubener Ent. Zeit., XX, p. 20. 
S. semele L. (352). Fruhstorfer stellt den Namen Gadmus für 
Semele aus Südtirol, WaUis, Simplon, Genf auf. Cadmus wird 
als groß und dunkel beschrieben. Die relativ schmalen Sub- 
marginalflecke der Hinterflügel sind rotbraun. Die Unterseite 
erscheint wesentlich dunkler und monotoner als die von Exem- 
plaren aus Deutschland. Die Semele, die ich in der Vucija- 
bara erbeutete, sind auch groß und dunkel, sind aber alle 
acht nicht monoton, sondern fallen durch den Kontrast der 
schwarzbraunen und hellbraunen Zeichnung auf der Oberseite 
der 9 und durch die kontrastreiche schwarzbraune und weiße, 
scharfe Zeichnung auf der Unterseite der Hinterfltigel beider 
Geschlechter auf. Die cT haben unterseits eine rein weiße 
Binde auf den Hinterflügeln. Lokalrasse. Wahrscheinlich ge- 



150 



Karl Schawerda. 



hören bei Semele wie bei Briseis und Hermione die Dalmatiner 
zu den Herzegowinern als südliche (Balkan-) Rasse. 

Ein cf erbeutete ich auf dem Pregocsattel in einer Höhe 
von 2000 m. 

S. anthelea Hb. var. amalthea Fr. (362). Bei Trebinje und in 
Lastva erbeutete ich die dalmatinische und herzegowinische 
Lokalrasse var. schaiverdae Fruhstorfer. Da ich jetzt eine 
große Serie dieser Form besitze, muß ich Fruhstorfer recht 
geben, wenn er in der Stuttgarter Ent. Zeit. (XXH, 121) sagt, 
daß diese Varietät sich dadurch von der griechischen Amal- 
thea standhaft unterscheidet, daß das Weiß oberseits und unter- 
sei ts reiner und ausgebreiteter ist als bei den griechischen 
Amaltliea. Als Seltenheit kommen 9 vor, die nicht Weiß, 
sondern lichtes Ockergelb führen und somit Ubergänge zur 
braunen ab. neustetteri Schaw. bilden, die ich in diesen „Ver- 
handlungen', 1909, p. (325) beschrieb. Kautz erbeutete 1 9, 
das der Neustetteri schon sehr nahe kommt, in Lastva, 4./7. 12. 
Der nördlichste und höchste Punkt, an dem wir Amalthea 
var. schawerdae fingen, war das Hochplateau von Mosko 
(600 m). 

S. siatilinus Hufn. (370). Die herzegowinische Form ist wieder 
eine Lokalrasse. Sie ist auf der Oberseite dunkler als unsere 
niederösterreichischen Exemplare und auf der Unterseite der 
Hinterflügel heller. Die cf haben viel Grau, oft Grauweiß auf 
der Unterseite der Hinterflügel. Die 9 haben wie bei den 
herzegowinischen Briseis die Unterseite der Hinterflügel gleich- 
mäßig grau gewellt und ohne gelbbraunen Ton. Statilims 
aus der Herzegowina ist nicht so groß als die südliche var. 
allionia F., steht ihr aber am nächsten. Gacko. Nevesinje. 

Vararge maera L. (392). 1 d^, 5 9 von der Vucijabara gehören, 
wie schon Rebcl von einem Stück aus (Jacko bemerkt, der 
var. orinifalis Stdgr. (mit oberseits kastanienbraunen Vordcr- 
flUgcln und unterseits ganz dunkclgrauen Hinterflügeln) an. 

Kpifu-phde lycaon Rott. (405). Diese Art fliegt in der Herzego- 
wina hiiIlfl;,^ Lycaon ist hier etwas größer als in Nicder- 
('mterreicli, aber hinge nicht so groß wie die dalmatinisclic 



Siebenter Nachtrag- zur Lepidopterentauna Bosniens u. d. Herzegowina. 151 

var. lupinus Costa, von der sich die herzegowinischen auch 
dadurch unterscheiden, daß sie oben viel dunkler, oft ganz 
schwarzbraun sind ohne braunen oder grünlichen Ton. Von 
Lycaon aus Niederösterreich unterscheiden sich die Herzego- 
winer dadurch, daß sie auf der Unterseite der Hinterflügel nicht 
so gleichmäßig braun, sondern stärker gezeichnet sind und oft 
mit viel Grau außerhalb der braunen Mittelbinde erscheinen. 
Die 9 sind auf der Oberseite der Vorderflügel gewöhnlich 
im Discus hell gelbbraun. Bei 2 9 ist derselbe jedoch ver- 
dunkelt und das Hellgelbbraun nur um die Augen. Ein cT 
hat auf den Hinterflügeln unterseits beim Analwinkel je zwei 
kleine Ozellen. Ein gehört der doppelt geäugten *ab. 
pavonia Voelschow an. Gacko. Schaw. 

Coenonymplia satyrion Esp. (nec arcania) var. orientalis Rebel. 
Ich habe in diesen ., Verhandlungen" vor einigen Monaten 
gesagt, daß Orientalis aus biologischen Gründen keine Ärcania- 
Form sein kann, daß die ganze Gruppe Orientalis^ Danviniana, 
Epiphilea zu Satyrion gehört und Arcania und Satyrion zwei 
verschiedene Arten sein müssen. Nun habe ich im treff- 
lichen Werke von Karl Vorbrodt, Die Schmetterlinge der 
Schweiz, meine Ansicht durch die anatomische Tatsache der 
Verschiedenheit der Genitalapparate bestätigt gefunden. 

Übrigens ist Orientalis von MacropMalmica Galvagni 
aus Krain nicht zu trennen. Wir finden die Fauna von Krain 
in vielen Formen identisch mit der unserer neuen Reichslande 
(Parnassius apoUo lihurnicus^ Coenonympha satyrion orientalis, 
Leucania evidens lampra etc.). 

G. tipJion Rott. var. occupata Rbl. (443) fanden wir in typischen 
Stücken auf dem Maglic und Pregocsattel (Zelengora) in einer 
Höhe von 2000 m oberseits und unterseits ganz augenlos, 
während viele Exemplare von der Vucijabara (1200 m) oben 
und unten Ozellen tragen und so der var. rJiodopensis Elw. 
nahe stehen. 

Lycaenidae. 

Thecla acaciae F. (465). Ein schönes cf erbeutete ich in der 
Vucijabara im Juli. 



152 Karl Scliawerda. 

Chrysophanus virgaureae L. (500). Die Unterseite der meisten 
Falter ist weniger rötlichgelb und auf den Hinterfliigeln um 
einen Ton grauer als die der Virgaureae aus Niederösterreicli. 

C. hippotJio'e L. (510). Schön blaurote cT aus der Vucijabara, die 
um ein Geringes größer sind. Die Unterseite ist dunkler grau, 
bei einigen Stücken ganz grau, ohne rötlichgelben Ton und 
groß geäugt. Die 9 sind auch etwas größer. 7 g sind sehr 
dunkel, 2 9 haben rote Vorderflügel. Die rote Randbinde 
der Hinterflügel ist bei ihnen gut ausgeprägt. 3 9 sind vor 
derselben blau gefleckt. Sie mögen ebenfalls *ab. caeruleo- 
pundata heißen. Die Unterseite der Hinterflügel der 9 ist 
dunkler graubraun, oft groß geäugt. Diese Exemplare sind 
aber mit der var. eurybia 0. doch nicht zu verwechseln. 

C. alcipJiron Rott. (511). In der Vucijabara fliegt eine Lokalrasse, 
die ein Übergang zur var. melibaeus Stdgr. ist. Einige cf sind 
weniger blau als Älciphron aus Niederösterreich und unterseits 
stärker grau. 2 9 sind wie bei uns ganz schwarzbraun, 2 9 
sind auf den Vorderflügeln etwas rotgelb aufgehellt, 1 9 ist 
wie Melibaeus auf den Vorderflügeln oben sehr licht. Die 
roten Randmonde sind bei den 9 stärker ausgeprägt. Die 
Unterseite ist ausgesprochener grau als bei unseren 9. 29 
sind auf der Oberseite der Hinterflügel mit blauen Flecken 
geziert und gehören zur ab. Gerhardti Hirschke. Alle blau 
gefleckten Chrysophanus- (} sollten caeruleopunctata heißen. 
Das wäre recht und billig. 
*C. phlaeas L. ab. caeruleopunctata Stdgr. (512). Ein 9 aus Mostar 
dieser für B. u. II. neuen Form vom 8./5. 12 fällt außer 
durch die blauen Flecke auch dadurch auf, daß die Vordcr- 
fliigel ein leuchtendes Rot mit nur kleinen schwarzen Flecken 
haben. Die Außenrandbinde der llinterllUgel ist breit rot, hat 
vier blaue Flecke, die größer sind als die meiner anderen 
Exemplare dieser Abart. 

Lycaetia argns L. (543). In der Vucijabara Iiiegen große mit 
breitem schwarzen Rand und 9 mit vermehrten großen orange- 
roten Randmonden auf den Vorderfliigeln und Hinterfliigeln. 
RcHonder« 3 9 sehen dadurch fast wie Argyrognomun-n aus, 
haben al>er braune Fransen und Schienendornc;. LokalnisHc. 



siebenter Kachtrag zur Lepidopterenfaima Bosniens u. (1. Herzegowina. 153 



L. argyrognomo)i Bergstr. Ein sehr großes Pärchen mit 27 mm 
Fltigelspitzenabstand. Das g auf den Vorderfliigeln und Hinter- 
fliigeln mit starken roten Halbmonden. Das Pärchen gleicht 
einem Pärchen, das ich als var. sahina aus Zentralitalien 
(Monte Sabini) von Dannehl erhielt. 

L. haton Bergstr. (573). Ein frisch ausgeschlüpftes 5 erbeutete 
ich in einer Höhe von 2000 m auf dem Pregocsattel (Zelen- 
gora). Ein hochgelegener Fundort I Das 9 hat unterseits sehr 
kleine Augen. 

L. emnedou Esp. ab. fijlgia Spg. (592). Ein typisches dieser 

Varietät erbeutete ich in der Vucijabara. 
L. lujlas Esp. (610). Alle 5 9 von der Vucijabara haben auf der 

Oberseite der Vorderfliigel I und Hinterflügel viel stärkere rote 

Randmonde als unsere Hylas aus Niederösterreich. Sie kommen 

dadurch den 9 der spanischen var. nivescens Kef. nahe. Bei 

den Lycaeniden-g des Südens treten die roten Randmonde 

in der Regel stärker auf. 
L. corydon Poda (614). Ein cT, das der ab. seminigra Preißecker 

sehr nahe kommt, erbeutete ich in der Vucijabara. Apex und 

Außenraud der Vorderflügel breit schwarz. 
L. esclieri Hb. \2ly. dalmatica Spr. (612). 4./6. 12. Mostar. Jan. 
L. admetus Esp. (619). Diese von Schwingenschuß in Mostar 

aufgefundene Art fingen Kautz und ich in 800 m Höhe bei 

Bisina. 16./7. 12. 
Cyaniris argiolus L. (QbO). 2 ^ aus Mostar. Jan. Ende JuK 1912. 

Hesperiidae. 

Hesperia cartliami Hb. (694). Die bosnischen Exemplare fielen 
mir in der Reihe ihrer Art durch ihre Größe auf. Ein <S von 
der Vucijabara (Juli) mißt 33 mm (gegen 30 der niederöster- 
reichischen Falter). Die Hinterflügel sind oberseits, mit Aus- 
nahme der ausgesprochenen Reihe weißer Randstrichelchen, 
schwarz und ohne weiße Striche in der Mitte. Die Unterseite 
der Vorderflügel hat eine viel schwärzere Grundfarbe als sonst. 
Die der Hinterflügel ist schwarzbraun, sonst gelbbraun. Ober- 
und unterseits ist die weiße Fleckenzeichnung scharf und rein 
weiß. Die Fransen scharf weiß und schwarz gescheckt. Die 



154 



Karl Schjiwei-da. 



Grundfarbe ist schwärzer als bei den niederösterreichischen 
Exemplaren, mit graugrünem Schiller, während bei den nieder- 
österreichischen Carthami das Schwarz einen braunen Ton hat. 
Lokalrasse. Mit der var. valesiaca Rühl und mit der var. 
major Rbl. stimmen diese Tiere nicht überein. 

alvens Hb. var. ! cirsü Rbr. (703). 6./8. 12. Mostar. In dieser 
südlichen Varietät (nicht Abart) neu für B. u. H. 

alveiis Hb. var. alticola Rebel. cT und 9. Zelengora. Schaw. 
14./7. 12. In der Varietät neu für B. u. H. 

Sphing'idae. 

*DiUna tiliae L. ab. maculata WUgr. (730). 9. 21. /7. 12. Mostar. 
Jan. In der Art neu für die Herzegowina. In der Abart neu 
für B. u. H. 

Macroglossa croatica Esp. (769). 12./7. 12. Mostar. Jan. In Anzahl. 

Notodoiitidae. 

*Cerura bifida Hb. (781). 18./6. 12. Mostar. Jan. Neu für B. u. H. 
*C. hicuspis Bkl. (778). 1912. Ilidze in Bosnien. Josef Kostiö 

legit. Neu für B. u. H. 
*Fi/gaera curhila L. (866). Bosnien. Ilidze. Josef Kostiö legit. Neu 

für B. u. H. 

Lasioeampidae.^) 

Mdlacosoma castrensis L. (957). Ein großes erbeutete ich bei 

Tag. 7./7. 12. Vucijabara. 
'^Ldsciocampa querciis L. var. dalmatimis Gerb. (970), cf. 17./8. 12. 
Mostar. E larva. Dieses gleicht unseren niederösterreichi- 
schen in der Farbe. Es hat aber einen sehr kleinen weißen 
Mittclflcck und das Randbraun stark ausgesprochen. Dieses 
ist gegen die besonders auf den llinterliligeln schmale, gelbe 
Binde zu nicht durchsclieinend und daher nicht mit hervor- 
tretenden Adern versehen. Fransen braun. 

'j Skala in Fuliick h;\t in 8ciii(;r Zusajinnensetzung der Makrolopldo- j, 
ptfrcinfuiina der oHtcrr.-unf^ar. Monarchie (Loto.s, März lOl.'J) mit, Unrecht das 
Vorkoniineri von Franconica in d(!r II(;rz('f^owina bczwc^ifelt. Leo SheliuzhkO 
flnjf Hie auf der Hjela^^ora. .lanecko zo^'' Hie in Uisina ans Jiaiipen. Siehe 
Seitz! 



Siebenter Nachtrag zur Lepidopterenfauna Bosniens u. d. Herzegowina. 1 55 



L. trifolii S. V. (976). Ein Riesenpärchen (:f 52 mm, g 70 mm) 

der var. medicaginis Bk. 30. 12. Mostar. Jan. 
*Pachy2)asa otus Drury (1004). g. 10./8. 12. E larva. Eaupe ge- 
fangen am 3./7. 12 in (Smrcenjaei) Mostar, versponnen am 
8./7. 12. Jan. Neu für B. u. H. 

Noctuidae. 

Äcronicta tridens Schiff. (1089). 7./8. 11. Mostar. E larva. Jan. 

Agrotis pronnha L. ab. innuha Tr. (1152). Ein Exemplar mit 
zeichnuugslosen, schwarzbraunen Vorderflügeln und tiefschwar- 
zem Band der Hinterflügel, wie ich bereits zwei Stück aus 
Bisina besitze. 2./6. 12. Mostar. E larva. Jan. 

A. comes Hb. ab. jj>rose^?<a Tr. (1154). Ein auf den Yorderflügeln 
rotbraunes Stück aus Mostar. 21./5. 12. E larva. Jan. In der 
Abart für B. u. H. noch nicht erwähnt. 

A. C-nigrum L. (1185). 6./9. 11. Mostar. Jan. 

A. depuncta L. (1212J. Gacko. Hawelka legit. 

A. plecta L. (1242). Ilidze in Bosnien. 

A. reuiger a Hb. (1299). Vucijabara. Schaw. 

A. fimhriola Esp. var. leonhardl Bebel (1322). Kautz leuchtete 

das auf einer Scabiose sitzende cT nachts in der Vucijabara. 

10./7. 12. Gacko. Hawelka legit. Neu für die Herzegowina. 
A. segetum Schiff. (1400). 11./7. 12. Mostar. E larva. Jan. 

Die ab. nigricornis Vill. 4./8. 12. Mostar. E larva. Jan. 
A. crassa Hb. (1405). Gacko. Hawelka. Die var. lata Tr. g. 

16./10. 12. Mostar. Jan. Ein cf der var. lata fing mein kleiner 

Neffe in Ilidze. 

*Biantlioecia caesia Bkh. (1539). Ein cT der ab. nlgrescens Stdgr. 
fand ich auf der Mauer der Kaserne Borilovac (1500 m.) auf 
der Zelengora. 15./7. 12. In der Abart neu für B. u. H. 
Mamestra chrysozona Bkh. (1513). 6./6. 12. l^Iostar. Jan. 
M. Serena Schiff', var. leucomelaena Spul. (1514). g. 6./9. 12. 
Mostar. Jan. 

Bombycia viminalis F. (1560). Gacko. 1912. Hawelka. 
Bryophila ravula Hb. (1588). Ein 2 der Stammform. 7./7. 11. 
E larva. Jan. 



156 



Karl Seil a werda. 



*B. muralis Forst (1599). 2.y7. und 26.y 7. 12. Mostar. Jan. Ein 9 
der ab. par Hb. (hell graugrün mit verlorener Zeichnung). 
3./8. 12. Mostar. Jan. In der Art neu für die Herzegowina. 
In der Abart neu für B. u. H. 
Biloba caeruleocephala L. (1610). cT der Stammform 13. /H. 12. 
Mostar. Jan. 

Celaena matura Hufn. (1623). 12./8. 12. Mostar. Jan. 

Hadena monoglypJia Hufn. (1690). 2./7. 12. Mostar. Jan. 

H. solieri B. (1664). 2 9 mit sehr dunklen, schwarzbraunen 

Vorderflügeln. Mostar. 22./9. 12. E larva. Jan. Neu für die 

Herzegowina. 

Episema glaucina Esp. (1737). Aus der Originalbeschreibung geht 
mit Sicherheit hervor, daß Glaucina nicht die rote, sondern 
die graue, oft bräunlichgraue, schwarz gefleckte Form ist, wie 
sie der Autor aus Wien erhalten haben dürfte. Den Irrtum, 
der bis nun herrschte, hat Culot in seinem prachtvollen fran- 
zösischen Werk und ich im Wiener Hofmuseum unabhängig 
von Culot festgestellt. Das erste Bild (cf) beim Autor und 
die Beschreibung im Texte, die nur aufmerksam gelesen 
werden muli, beweisen dies. Eine rotbraune Episema hat nie 
ein graues Abdomen. Das zweite Bild des Autors ist ein 
rötliches 9 , wie es auch bei Wien unter der Stammform vor- 
kommt. Aus der Herzegowina besitze ich typische ölaucina, 
Stücke, die zur var. hispana B. neigen, ganz einfarbig hell- 
graue (Tersina), einfarbig hellbraune (Unicolor) und einfarbig 
dunkelbraune l^'.xemplare mit oder ohne schwärzlicher Um- 
gebung der Makeln. Den Namen für die braune Form ließ 
Culot offen. 

*-Folia serpentina Tr. (1774). 7./ 10. 12. Mostar. Jan. Ein tadelloses 
. Neu für B. u. H. 
P. rufocincta H. G. var. mucida Gn. (1778). Zwei große ^/ aus 
Mostar. 15./10. 12. Jan. 
* P. rnu/'srms Dnp. (1787). Einige der \'a\'. pnuilroi^d II. (i. (dit' 
ic'li aus Dalniaticn und Sizilien besitze), erhielt ich von Mostar 
Ende September, Anfang Oktober 1912. Jan. Neu für B. u. II 
hichonia <u;rH<iinr(i Hb. (18l7j. Ich erhielt ein Stück von Hisiiia 
iiufl koii^t,'iti( rr- (l.'ifi ('S mit den Ix'idcii Fnllcni «muh Kaliii(>vik 



Siebenter Nachtrag zur Lepidopterenfauna Bosniens u. d. Herzegowina. 1 57 



in Stidbosnien (Hofmuseum, Major Schreitter legit.) und den 
Exemplaren, die ich von Herrn Ingenieur Kitschelt aus 
Nabresina erhielt, völlig übereinstimmt. Während die typischen 
Aemginea, die ich in Waldegg in Niederösterreich zog, dunkel 
veilbraune Vorderflügel mit gelbgrünen Makeln haben, ist 
diese südliche Rasse rein grau mit hellgrüner Zeichnung. Auch 
der Leib ist grau und nicht braun. Die Hinterflügel beim 
reiner weiß, beim 9 grau. Bei beiden Geschlechtern kein 
gelber oder brauner Ton. Mioleuca H. G. hat keine grünen 
Makeln. Sie ist ganz grau. Ich glaube nach der grauen 
Farbe des Tieres, daß Mioleuca H. G. eine Aberration (ohne 
grüne Zeichnung) dieser südlichen Lokalrasse, die ich hiemit 
*var. nova mesemhrina m. nenne, ist. Mesembrinos = südlich. 

Callopistria latreillei Dup. (1848). 3./10. 12. Mostar. Jan. 

Folyphaenis sericata Esp. (1850). 22. /6. 12. Mostar. Jan. Auch ich 
erbeutete in Bozen diese Art anfangs Juli bereits abgeflogen. 
*Sesamia cretica Ld. (1926). 1./6., 15./6. und 19./6. 12. Mostar. 
Jan. Neu für B. u. H. 

Leucania lythargyria Esp. (1967). Ein cT der ab. argyritis Rbr. 
Vodice bei Gacko (1500 m). Hawelka legit. 

L.putrescens Hb. (1947). 17. /8. 12. Mostar. Jan. 

L. evidens Hb. (1963). Ich erbeutete 1911 in der Vucijabara zwei 
Falter einer größeren Lokalrasse dieser Art, die 38 — 40 mm 
Flügelspannung hat, während unsere niederösterreichischen 
Stücke gegen 34 mm messen. Erst am 7. 7. 12 konnte ich 
daselbst ein frisches g erbeuten, das nicht nur wieder durch 
die Größe, sondern auch durch das dunkler rotbraune Kolorit 
der Vorderfliigel auffällt. Diese südliche Rasse, die Dr. Gal- 
vagni auch in Mojstrana in Krain erbeutete, nenne ich hie- 
mit * var. nova lampra m. Größer. Lampros = ansehnlich, groß. 

Hydrilla palustris Hb. (2024). Hans Kautz fand ein 9 in der 

-.• Vucijabara. 9./7. 12. 

Epimecia ustida Frr. (2191). 8./8. 12. Mostar. Jan. 
CalopliasiaplatypteraY.^^. (2195). 29./5. 12. Mostar. E larva. Jan. 
"^Cleophana anatolicaLed.12202). cT. 18./5. 12. Mostar. Jan. Neu 

für die Monarchie. Aus Kleinasien, Italien und der Türkei 

bekannt. Rebel det. 



158 



Karl Sehawerda. 



Cucullia verhasci L. (2221). 29./4. 12. Mostar. E larva. Jan. 

C. hlattaria Esp. (2227). 11. /5. 12. Mostar. E larva. Jan. 

Mytliimna inihecilla F. (1977). 2 cT von der Vucijabara sind von 
ledergelber Grundfarbe ohne rotbraunen Ton, 2 g ebendaher 
sind auffallend dunkel, mehr schwarzbraun, braun auf den 
VorderflUgeln und ganz schwarz auf den Hinterflügeln. 
'^Äcontia lucicla ab. insolatrix Hb. (2378). 4./8. und 8./8. 12. 
Mostar. Jan. In dieser kleineren, viel weißeren Abart (als es 
die AlhicoUis ist) neu für B. u. H. 

Ä. luctuosa Esp. (2380). 3 Exemplare aus der Herzegowina, be- 
sonders eines von Metkovic, haben auf der Hinterflügelober- 
seite die weiße Binde um die Hälfte schwächer als unsere 
niederösterreichischen Exemplare. 

Eublemma suava Hb. (2391). Schima erbeutete 1 9 in Lastva. 
*Thalpocliares velox Hb. (2394). 3 Exemplare von Mostar, 20./7. 12. 
Jan. Neu für B. u. H. 

T. xmlygramma Dup. (2417). 3./7. 12. Trebinje. Kautz. 

*7'. ostrina Hb. var. aestivalis Gn. (2428). 7./8. 12. Jan. Neu für 
B. u. H. 

Ahrostola triplasia \j. (2515). 6\ Mostar, 1912. Groß. Dunkel. 
"Flusia chalcytes Esp. (2557). 2./8. 12. Mostar. Jan. Neu für B. u. H. 
J\ gutta Gn. (2551). 5./8. 12. Mostar. Jan. Braunes Mittelfeld. 

Neu für die Herzegowina. 
Aedia funesta p]sp. (2661). 31. /o. 12. Mostar. Jan. 
Caforala nupta L. (2678). 18./7. 12. Mostar. Neu für die Her- 
zegowina. 

(!. (lilccta Hb. (2681). Zahlreich aus Mostar. Das Fragezeichen 

bei Bebel entfällt. Juli. 
C.hywrnaea Schiff. (2694). 5./7. und 12./7. 12. Mostar. Jan. 
C.disjmida HG. (2717). 3./7. 12. Mostar. Jan. 
C. diverm HG. (2718). 25./7. 12. Zwei sichere Falter der Art 

von Mostar. Jan. Das Fragezeichen cntfiillt in Bebels Studien. 
*J':xopli)jla rcdauf/ularis HG. (2733). 14 /7. 12. Mostar. Jan. Neu 

für B. u. H. 

Torocampa rraccae F. (2743j. 12./7. 12. Mostar. Jan. Ein großes 
diinklcH rj", bei dem bosondcM'H die l)r('itc dunkle l{andhinde 
der HinterliUgcl auffällt. 



Siebenter Nachtrag zur Lepidopterenfauna Bosnieus u. d. Herzegowina. 159 



Zanclognatlia tarsicristalis H.-S. (2771). Mostar. 

Fecliipogon harhalis Cl. (2803). Klinje bei Gacko. Hawelka legit. 

Neu für die Herzegowina. 
Uijpena palpalis Hb. (2815). 21./6. 12. E larva. Mostar. Jan. In 

2 dunklen Exemplaren. 
E. ohesalis Tr. (2816). Gacko. Hawelka legit. 
H. ohsitalis Hb. (2818). 17.^ 12. 11. Mostar. Jan. Die *ab. ohscura 

Horm. d . Bisina. 9. 16./8. 12. Mostar. Jan. In der Abart aus 

der Herzegowina noch nicht erwähnt. 

Oeometridae. 

Äcidalia consangtiinariaLd, (2939). Mostar. Schaw. Lastva, 4./7.12. 
Kautz. 

A. dimidiata Hufn. var. suhfuscaria Bebel (2953). 4./7. 12. Lastva. 
Schaw. 

A. metohiensis l^h. (2977). Klinje oberhalb Gacko, Suha. 11. 7. 12. 
Kautz. 

A. Jaeuigata Sc. (3002). Vucijabara. 10./7. 12. Schaw. Gacko in 
Anzahl. 

A. ehngaria Rbr. (3023). Die Art fand Franz v. Meißl in der Sutjeska 

in Südbosnien. Ein sehr großes o" aus Mostar, 4. 8. 12. Jan. 

Neu für die Herzegowina. 
*A. hisetata Hufn. ab. extincta Stdgr. 9. 12./7. 12. Schaw. 
A. trigeminata Hw. (3026). 13./4. 12. Mostar. 
A. rusticata Schiff, var. vulpinaria H.-S. (3034). 1./7. 12. Mostar. 
Ä. degeneraria Hb. (3043). 20. 6. 12. Mostar. Jan.^) 
Ephyra ruficiliaria H.-S. (3116). q. 20./7. 12. Klinje bei Gacko 

(1500 m). Hawelka legit. 
E. suppunctaria Z. (3118). - . 4. 10. 12. Mostar. Jan. 
Rhodometra sacraria L. ab. ocJiracearia Fuchs (3143). 4. 10. 12. 

Mostar. Jan. In der Abavt neu für die Herzegowina. 

^) Die in meinem „Bericht über lepidopterologische Saramelreisen in 
Bosnien und in der Herzegowina" (Jahresbericht des Wiener Entomologischen 
Vereines 1908) angeführte Äcidalia rubraria St. gehört nicht der Stammform, 
sondern der var. bilinearia Fuchs an. Die Stammform ist, so viel ich weiß, 
aus Bosnien und aus der Herzegowina noch nicht bekannt. 



160 



Karl Schawerda. 



Ortholita coarctata F. (3150). Vucijabara, 8./ 7. 12. Schaw. Neu 
für die Herzegowina. 
*0. hixmnctaria Schiff. (3174). Die Falter aus Gacko fielen meinen 
Reisebegleitern und mir durch ihre hellgraue reine Grund- 
farbe, die fast blaugrau zu nennen ist, auf. Die Mittelbinde 
ist dunkler grau, in der Mitte ebenfalls hellgrau und ist bei 
den meisten Exemplaren, besonders in ihrer äußeren Begren- 
zungslinie, stärker und schärfer gezähnt als bei unseren nieder- 
österreichischen Bipunctaria. Ich nenne diese herzegowinische 
Lokalrasse var. nova sandalica (Sandalj hieß der Begründer 
der Herzegowina). 7 cf", 2 9 aus Gacko in meiner Samm- 
lung. Die Varietät führt keinen braunen Ton in den Vorder- 
flügeln und neigt nicht zur Verdunkelung. Sie ist hell und 
bläulichgrau. 

*Minoa miirinata Sc. var. monocliraria H.-S. (3183). 4./7. 12. Lastva. 

Kautz. In der Form neu für B. u. H. 
Siona deccusata Schiff. (3193). Die südliche Lokalrasse in der 
Herzegowina nannte ich im Jahresberichte des Wiener Ento- 
mologischen Vereines (1912) var. dinarica Schaw. Siehe diesen. 

*Analtis praeformata Hb. ab. nova aphrodijte m. (3218). Ich er- 
beutete in vergangenen Jahren zweimal Exemplare, die stark 
rosa übcrflogene Vordcrflügel hatten. Die neue Abart stelle 
ich nach einem von mir am 9./7. 12. in der Vucijabara er- 
beuteten 9 auf, das (frisch gefangen) herrlich rosa übergossene 
Vorderflügcl hatte, die heute, nach einem halben Jahre, noch 
ebenso auffallend rosa erscheinen. Diese Färbung ergreift die 
Oberseite der Vorderflügcl ganz und ist am Vorderrand be- 
sonders schön. Die Unterseite ist in der Apicalgegend der 
Vorderflügcl und der ganzen Hinterflügel ebenfalls rosa. Diese 
reizende Abart nenne ich ab. nova (iplirodyte m. 
A. simpliciafa Tv. (3222). Maglic. Zelengora. Kautz. Schaw. 

'Chriwnfohld horrafa IIb. (3255). 31. /lO. 12. c^. Mostar. Jan. Neu 
fllr B. u. II. 

Sröfrßsia rJiamnafa ^c}}\fr. (S2H\). 15./7. 11. Jan. Der Falter untcr- 
Hcheidet sich von unK(;ren niederösterrcichischen Exemplaren 
dadurch. dalJ das Mittelfeld schwarzbraun, ohne (^ucrlinien 
und etwas breiter ist und daß die Ilinterlliigel ebenfalls 



Siebenter Nachtrag zur Lepidoptereufanna Bosniens u. d. Herzegowina. 161 



dunkler sind. Kebel bemerkt dies schon in den Studien über 
die Lepidoptereu der Balkanländer, II, p. 260. 

Larenfia ocellata L. (3304). Gacko. Hawelka legit. 

L. variata Schiff, ab. strayulata Hb. (3306). 13./7. 12. Zelengora. 
Kautz. 

L.siteraia Hufn. (3313). 2 ; aus Mostar. Oktober 1912. Jan. 
*L. aptata Hb. (3331). Diese Art erbeuteten Kautz und ich nur in 
der ab. suplata Frr. (ohne moosgrüne Färbung) auf der Zelen- 
gora (Kaserne Borilovac i in Anzahl. In der Bergform neu 
für B. u. H. 

L. olivata Bkh. (3332). Ich erbeutete auf der Zeleugora (Kaserne 
Borilovac) diese Art in einem frischen Exemplar, das keine 
Spur einer grünen Farbe trägt. Die Vorderflügel sind ganz 
hell oder schwarzbraun mit weißen Wellenlinien. 

L. aqueafa Hb. var. hercegovinensis Ebl. (3338). Zelengora (Ka- 
serne Borilovac) in Anzahl. Schaw. Kautz. 

L. infidana Lak. (3388). 

*i. cyanata Hb. (3390). 14. 7. 12. Auf der Zelengora in Anzahl, 

darunter ein Stück der ab. flavomixfa Hirschke. In dieser 

Form neu für B. u. H. Schaw. 
L. iopliaceaia Hb. (3393). Ein merkwürdig blasses grauweißes cf 

ohne Spur von Gelb von der Zelengora (Borilovac). Schaw. 

JloUicidafa Gn.? 
L. adumhraria H.-S. (3397). Zelengora (Borilovac). Kautz legit. 

14./7. 12. Kautz. 
L. verherata Sc. (3398). Zeleugora. In Anzahl. Hawelka. 
L. achromaria Lah. (3403). Mostar. 3./6. 11. Jan. 
L. incultaria H.-S. (3404). Kautz. Schaw. In Anzahl. 12./7. 12. 

Maglic. 14./7. 12. Zelengora. Vodice bei Gacko. Hawelka. 
L. frustata Tr. (3410). 14.^7. 12. Zeleugora (Kaserne Borilovac). 

Kautz. Schaw. Typische Stücke der ab. fulvocinctata Rbr. 

ebendaselbst. 

*L. scripturata Hb. (3415). Auf der Zelengora 14./7. 12 erbeutete 
ich mit Baurat Kautz die Art in Anzahl in einer hellgrauen 
Lokalrasse. Die Art wird hier nicht schmutziggrau, sondern 
hellgrau. Das ganze Saumfeld bei frischen Stücken direkt 
blaugrau. Die Mitte der Yorderflügel aufgehellt, weniger ge- 

Z. B. Ges. 63. Bd. 11 



162 



Karl Schawerda. 



zeichnet. Ich nenne diese viel hellere Form var. nova poliata m. 
(polios = hellg-rau). 
L.picata Hb. (3439). Ein großes cT von Vodice bei Gacko. Ha- 
welka legit. Neu für die Herzegowina. 

*L. oxyhiata Mill. (3435). 1 g mit 27 mm Flügelspannung vom 
30./9. 12. Mostar. Jan. Diese französische Art ist nicht nur 
für B. u. H. neu, sondern für die ganze Monarchie. Mein 
Exemplar stimmt mit französischen Oxyhiata des Herrn Fritz 
Wagner (Südfrankreich) und einem aus Morea (Hofmuseum) 
überein. Neu für die Monarchie. 

*L. liigiibrata Stgr. (3444). 7./7. 12. Vucijabara. Kautz. Neu für 
B. u. H. 

L. hydrata Tr. (3357). 4./7. 12. Lastva. Schaw. Neu für die Her- 
zegowina. Das Stück hat die respektable Spannung von 
25 mm. 

L. silaceata Hb. (3489). Vodice bei Gacko. Hawelka. 8./7. 12. 

Vucijabara. Kautz. Neu für die Herzegowina. 
*L. herber ata Schiff. Erbeutete ein mehr graues als braunes 9 in 

Gacko. Neu für B. u. H. 
Tephroclystia hreviculata Donz. (3512). Ein zweites Stück der Art 

von Mostar. 

T. distlnctarla H.-S. (3556). 9./7. 12. Vucijabara. Kautz. Gacko. 
Mostar. Schaw. 

T. castigata Hb. (3575). 9./7. 12. Vucijabara. Kautz. Neu für die 
Herzegowina. 

*7'. fenestrala Mill. (3589). Entdeckte ich auf dem Maglic. 12./7. 12. 

1800 m. Neu für B. u. H. 
*T. verat/raria H.-S. (3591). 12./7. 12. Maglic. An derselben Stelle 
wie jcnestrala. Schaw. Neu für B. u. IJ. 
T. cüuchyata Dup. (3594). 7./7. 12. Vucijabara. Kautz. Neu für 

die Herzegowina. 
T. scmigrajjhata Brd. (3608). Gacko. Zelengora (Borilovac). 14./7. 12. 
Schaw. 

T. grapliuta Tr. (3014). Kliiijc bei Gacko. 11./7. 12. Kautz. Schaw. 

Neu für die Herzegowina. 
T.scripfaria H.-S. (3610). 12./7. 12. Maglir. 14 /7. 12. Zelengora 

(Borilovacj. Kautz. Schaw. 



i 



Siebenter Nachtrag zur Lepidopterenfauna Bosniens u. d. Herzegowina. 163 



T.plumheolataHw. (3623). Maglic. Kautz. Schaw. Trebinje. 4./7. 12. 

Vucijabara. Neu für die Herzegowina. 
I. minuscidata Alph. var. opisthograx)liata Dietze (3533). Mostar. 

Jan. Neu für die Monarchie. Rebel det. 
T. isogrammaria H.-S. (3625). 11./6. 12. Zwei Falter aus Mostar. 

Jan. Neu für B. u. H. 
Ortliostixis crihraria Hb. (3683). 11. 7. 12. Suha. In Anzahl. Schaw. 
Ennomos fiiscantaria Hw. (3728). Gacko. Hawelka. Neu für die 

Herzegowina. 

Himera pennaria L. (3746). 7. /II. 12. Mostar. Jan. Neu für die 
Herzegowina. 

■Crocallis tusciaria Bkh. var. gaigeri Stdgr. (3748). 27. /lO. 12. 
Mostar. Jan. Die Art ist neu für B. u. H. 

C. elinguaria L. (3749). g. Gacko. Hawelka. 

Eurymene dolahraria L. (3760). Ilidze in Bosnien. 

Hyhernia hajaria Schiff. (3796). 13./12. 12. Mostar. Ein großes, 
auffallend dunkles, nicht braun-, sondern schwarzgraues cf. 
Neu für die Herzegowina. 

H. defoliaria Gl. (3802). 3 cf. 15.— 31./10. 12. Mostar. Jan. Eines 
davon der *ab. ohscura Reif., das dritte einer weißlichgelben, 
kaum gebänderten Aberration angehörend. Die *ab. holmgreni 
Lampa ebendaher. 15./ 7. 12. Große Exemplare. In den Ab- 
arten neu für B. u. H. 

Biston graecarius Stgr. (3822). 1 cf. 27./2. 12. 2 g. 5./3. 12. 
Mostar. Das cf ist auf den Vorderflügeln schwächer gezeichnet 
und auf den Hinterflügeln dunkler als cf aus Krain. 

Ntjchiodes lividaria Hb. (3839). cT. 11./8. 12. Mostar. Jan. 

Boarmia sociaria var. almasa Schaw. Genitaluntersuchung aus- 
stehend. 25./6. 12 und 4./8. 12. Mostar. Jan. Meine Almasa 
dürfte identisch sein mit Staudinger aria Martorell, von der 
ich ein c? aus Digne erhielt. 

B. gemtnaria Brahm. (3876). cT. 7./6. 12. Mostar. Erste Generation. 
Jan. 

B.angidaria Thunbg. (3896). cf, 9. 12./7. 12. Maglic. 14./7. 12. 

Zelengora. Schaw. 
B. selenaria Schiff, var. dianaria Hb. (3901). 9. 2./10. 11. Mostar. 

Jan. Dieses 9 entspricht mit der weißgrauen Grundfarbe der 

11* 



164 



Karl Schawerda. 



Dianaria, während die 2 9, die ich in diesen „Verhand- 
lungen", 1912, p. (144) erwähnte, eine viel weißere Grundfarbe 
haben. Da diese der ersten Generation (Juni) angehören, 
dürften die beiden Generationen verschieden sein. Es ist noch 
das cT abzuwarten. 
B. punctularia Hb. (3910). cf und g. 4./5. 11. Tuzla. Bosnien. 
Jan. 

*Gnophos stevenaria ß. Gen. (3922), 9. 31. /5. 12. Mostar. Jan. 
6r. dumetata Tr. var. daiihearia B. 30. /9. 12. Mostar (Lager). Jan. 
a. sartata Tr. (3929). 13./6. 12. Mostar. Jan. 
*6r. glaucinaria Hb. var. supinaria Mn. (3940). 30./6. 12. Mostar. Jan. 
In der Form neu für B. u. H. 
G. variegata Dup. (3948). Mostar. Ein kleines weiß und blaugraues, 
buntes cT. 

*(x. myrtillata Thubg. (3965). Es gelang mir und meinem Freunde 
Dr. Schima heuer (anfangs Juli) in einer Höhe von 1200 m 
in der Vucijabara in Anzahl eine auffallend große, weißlich- 
graue Varietät zu erbeuten. Die 7 9 haben 40 mm Flügel- 
spannung. Zeichnung schwach. Die Tiere sind oben und unten 
um vieles heller grau als die mitteleuropäische Gebirgsform 
ohfuscaria Hb. Ich nenne diese ausgezeichnete, fast weiß- 
liche Lokalrasse var. nova nlvea m. Leider erbeuteten wir 
kein Männchen. Ich hebe hier hervor, daß auch andere 
Gnoplios auf dem Karstboden der Herzegowina so hell werden 
(Pullata, Obscuraria, Dumetata). 

Phasiane glarearia Schiff. (4033). Zwei stark dunkel gefärbte 
Exemplare aus Mostar. 28. /f). 12. Jan. 

Scodiona conspersaria var. turturaria 13. (4059). 15./6. 12. Mostar. 

Aspilates ochrraria Jiossi. (-1077). Ende Mai 1912. Mostar. Jan. 
Ein r/ der kleineren, blasseren, stärker gefleckten Sommer- 
generation, die ich hicmit, wenn sie noch nicht benannt sein 
sollte, gen. acst. aesiiva m. nennen will, vom 18. /lO. 12. Mostar. 
Jan. In der Sommergcncration neu flir B. u. II. 

Nolidac. 

*Nfjln nnripifnlis II.-S. (4109). 8./4. 12. Mostar. Jan. Neu für 
B. n. il. 



Siebenter Nachtrag zur Lepidopterenfauna Bosniens u. d. Herzegowina. 165 



SaiTothripidae. 

*Nycteola falsalis H.-S. (4132). 11. /5. 12 und 7./6. 12. Mostar. Jan. 
Neu für B. u. H. 

Syntoinidae. 

*Lhjsanxes punctata F. var. hyalina Frr. (4156). g. 2./8. 12. Mostar. 
Jan. Neu für B. u. H. *var. famula Frr. 9 7./8. 12. Mostar. 
Jan. 

Arctiidae. 

Spilosoma urticae Esp. (4164). Bosnien, llidze. 

Bhyparia purpurata L. (4179). Ich erbeutete 4 g in der Vucija- 
bara, die einer Lokalrasse angehören. Sie haben das Kot 
auf der Oberseite nicht so feurig- als unsere niederösterreichi- 
schen Exemplare und auch auf der Unterseite nicht so aus- 
gedehnt. Die schwarzen Flecken sind oben und unten 
schwächer. Es zeigt sich dies auch auf den Vorderflügeln, 
wo das Gelb also weniger gescheckt erscheint und auch tiefer 
gelb ist. Auch auf den Hinterflügeln dringt die gelbe Farbe 
vom Innenrand aus stärker vor. Ein 9 aus dem Iiigebiet 
gleicht diesen 9. 

Ärctia liehe L. (4215). 25./4. 11. Bisnia. g. 23./4. 12. Mostar. Jan. 
Das g kommt meiner asiatischen ab. sartha Stgr. (kleiner 
und auf den Vorderflügeln infolge Konfluierens der schwarzen 
Streifen schwärzer) nahe. 

*Emida striata L. ab. xantJioptera Obth. In der Vucijabucht er- 
beutete ich ein auf den Vorderflügeln ungestreiftes, einfärbig 
ockergelbes cT, das nur die Mittelpunkte und die Randstriche 
hat. Bebel erwähnt ein derartiges aus Jablanica. Bei 
den 9 fanden wir nur die auf den Vorderflügeln nankinggelbe, 
ungezeichnete Form Xanthoptera. Bei den auch ab. inter- 
media Spuler und ab. melanoptera Brahm. 

Euprepia pudica Esp. (4238). 9 . Mostar. Jan. 

Oeonistis quadra L. (4290). llidze. Bosnien. 

Lithosia lutarella L. (4309). Vucijabara. 10./7. 12. Schaw. 



166 Karl Schawerda. 

Zygaenidae. 

1)10 cMoros Hb. var. sepium B. (4405). S./?. 12. Mostar. 

7. statices L. var. heydenreicMi Ld. (4414). Ein typisches Stück. 

S.jl. 12. Vucijabara. Schaw. Rebel erwähnt nur Übergänge 

von anderen Fhigplätzen. 

Coclilididae. 

Cochlidion hinacodes Hufn. (4440). cf und 9. 8./6. 12. Mostar. 
Jan. 

Fsychidea homhycella Schiff. (4517). 7./7. 12. Vucijabara. Kautz. 

Psychidae. 

Ftimea crassiorella Brd. (4526). 14./6. 12. cT und 9. E larva. 
Mostar. Jan. 

Sesiidae. 

Sciapteron tahaniformis Rott. (4538). 9./7. 12. Vucijabara. Kautz. 
Neu für die Herzegowina. 

Sesla formicaeformis Esp. (4566). Kautz erbeutete die Art in An- 
zahl anfangs Juli bei Gacko (Vucijabara). 1200 m. Bei Rebel 
1 9 aus dem Doljankatale angegeben. 

S. ichneumoniformis Schiff. (4573). 4./7. 12. Lastva. Kautz. Neu 
für die Herzegowina. 

S. triamdiformis Frr. (4593). 3./7. 12. Trebinjc. Kautz. 
*>S'. aerifrons Z. (4610). 12./7. 12 und 15./7. 12. Mostar. Jan. Neu^ 
für B. u. H. Aus Ungarn bekannt. Daluiatien? Rebel det. 

Cossidac. 

Jlypopta cacslrmn IIb. (4685). 2./7. 12. nado})()ljc. Jan. Ein sehr 
kleines 9. 

Dyspnssa ulula Bkh. (4(589). 16./5. 11. Gnojnice bei Nevesinje. 
Jan. Das Tier 'j' weicht in der Zeichnung der Vordcrflügel 
von iiiiscrcr nicderöstcrrcicliisclien Ulula ab. Neu für di( 
Herzegowina. 

Jfopialidae. 

Ilfpidlua liunitdi L. (4726). Z(;h;ngora fdendarnicrickaHcrnc Borl 
lovac). 13. /7. 12 in i^rolien Exemplaren. Schaw. Kautz. 



Siebenter Nachtrag- zur Lepidopterenfaima Bosniens n. d. Herzegowina. 167 



Pyralidae. 

Galleria mellonella L. (11). 17./8. 12. Mostar. 
*Cra))ibns paleatellns Z. (40). 20./8. 12. Mostar. Jan. Neu für 
B. u. H. Im Staudinger-Rebel nur aus Kleinasien angegeben. 

C. inquinatellus Schiff. (42). Mostar. Jan. Gacko. Hawelka. 

C. deliellus Hb. (49). 6./8. und 19./9. 12. Mostar. Jan. Scbaw. 

a geniculeus Hw. (53). 23./8.— 19./9. 12. Mostar. Jan. In Anzahl. 

C. lytliargyrellus Hb. var. domaviellus Rebel (60). 14./7. 12. Zelen- 
gora. Pregocsattel. 2000 m. In Anzahl. Schaw. Während die 
große Form Domaviellus silbergrau und weißlich ist, sind 
2 cT aus Gacko und Nevesinje durch ihre völlig ungezeich- 
neten, dunkel strohgelben Vorderflügel, die gelbe Fransen 
und keine Spur einer weißUchen Zeichnung haben, auffallend. 
Ich benenne diese Form *ab. aequalellus m. Herzegowina. 

C. fristellus F. (61). 12./6. 12. Mostar. Jan. Gacko. Zelengora. 
Schaw. 

C. perlellus Sc. var. ivarringtonellus Stt. (68). Zelengora. 13. /7. 12. 
Kautz. Schaw. 

*0. latistrius Hw. (74). 19./9. 12. Mostar. Jan. Neu für B. u. H. 

a pauperellus Tv. (81). 11./7. 12. Maglic. (1800 m.) Zahlreich. 
Schaw. Kautz. 

C.pinellus L. (83). Lastva. 4./7. 12. Kautz. Schaw. 

C.liortuellus Hb. (III). 11./7. 12. Suha. Kautz. 

C.pratellus L. (119). 11./7. 12. Suha. Maglic. Kautz. Schaw. Die 
Stücke vom Maghc sind auffallend verdunkelt. Auf den 
Vorderflügeln bleibt nur eine schmale weiße Längslinie in 
der Mitte. Sonst verschwindet das Weiß ganz oder zum 
größten Teile. Die Exemplare sind kleiner und wurden von 
mir in fast 2000 m Höhe erbeutet. Ich nenne diese inter- 
essante Bergform *var. nova altivolens m. 

C. pascuellus L. (125). 13./7. 12. Zelengora. Kautz. Schaw. 
*Eromene ocellea Hw. (157). 28. /5. Mostar. Jan. Neu für B. u. H. 

Ancylolomia tentaculella Hb. (165). 14./8. 12. Mostar. Jan. In 
Anzahl. 

""Hypsotropa limhella Z. (208). 29./7. 12 und 7./8. 12. Mostar. Jan. 
Neu für B. u. H. 



168 



Karl Schawerda. 



Homoesoma sinuella F. (232). Ende Juni. 6./B. 12. Mostar. Jan. 
In Anzahl. 

Plodia interpunctella Hb. (253). 30./6. und Juli 12. Mostar. Jan. 
In Anzahl. Neu für die Herzegowina. 

Epliestia caUidella Gn. (257). 9./8. und 13./9. 12. Mostar. Jan. 
■^E. figuUlelU Gregson (258). 30./6. 12. Mostar. Neu für B. u. H. 
''E. ivelseriella Z. (264). 10./8. 12. Mostar. Jan. Neu für B. u. H. 

E.vapideUa Mn. (287). 7./8. 12. Mostar. Jan. 
■^JSIanliatta Uviella Z. (289). 11./7. 12. Suha. Kautz. Neu für B. u. H. 

Psorosa dalüiella Tr. (4o2). 30./7., 9./8. und 20./8. 12. Mostar. Jan. 
^Salebria hetulae Göze (608). 10. /7. 12. Vucijabara. Kautz. Neu 
für B. u. H. 

"'S. formosa Hw. (624). 24./7. 12. Mostar. Jan. Neu für B. u. H. 
"^^Eiisophera cinerosella Z. (454). Drei Exemplare aus Gacko. Ha- 
welka legit. Neu für B. u. H. 
Trachonitis cristella Hb. (696). 2./6. 12 und 14./7. 12. Mostar. Jan. 
Plnjcita coronatella Gn. (710). Gacko. Von mir aus Nevesinje an- 
gegeben. 

Pterothrix rufella Dub. (716). 28./5. 12. d", 29./5. 12. o. Mostar. 

Jan. 4./7. 12. Trebinje. Schaw. 
liodopliaea rosella Sc. (744). 10./7. 12. Vucijabara. Schaw. Neu 

für die Herzegowina. 
Myelois irrlgerella Z.K. ab. infuscata Stdgr. (777). 10. /7. 12. 

Vucijabara. Kautz. Scliaw. 
Ilhodopltaea siiavella Z. K. (775). Gacko. Schaw. Von mir in l^ocac { 

gefunden und von Bisina angegeben. 
"^■Aglossa rHprraHs Hb. («31). 21./(). 12. o\ 9./7. 12. o. Mostar. Jan. 

In Anzahl. Neu für 15. u. II. 
I'urdliü farinaUs L. (83()). Kiesenstücke (30 mm Spannweite) von 

Mostar. 30. 6. 12. 
Ck'dcohia moldaviax Efi\). Von Kautz und mir \h\i Bilck in 

Anzahl erbeutet. 5./7. 12. 
connrrlalis Hb. (901 j crlxjntch; ich mit liaurat Kautz in je 

einem Stück. \Kjl. 12. Vucijabara. Neu für B. u. 11. 
Syw})hHla stafjnafa Don. (912;. 15 /5. 12. Mostar. 
N, hiimphdrala L. (9i:i). 14. /H. 12. Mostar. In Anzahl. 
Slniia puhdaiiH Schilf. i\)VA). 11. /7. 12. Suha. Kautz. 



Siebeuter Nachtrag zur Lepidopterenfauua Bosnieus u. d. Herzegowina. 169 



Psammotis hyalinalis Hb. (942). Lastva. Vucijabara. Cemernosattel. 
Kautz. 

Scoparia zeller i Wck. (947). 4./7. 12. Kautz. Gacko. Schaw. 

S. pyrenaealis Dup. (951). Diese Art habe ich in vielen Exem- 
plaren von Mostar. 23./6. und 15./7. 12. Die Hälfte gehört 
der Stammform an, die dunkler gezeichnet ist als Ämhigualis 
Tr. Die Hälfte sieht durch das ganz schwarzbraune Mittelfeld 
anders aus. Ein q aus Nevesinje hat ein ganz weißes Saum- 
feld und ein weißes Wurzelfeld und dazwischen ein ganz 
schwarzbraun ausgefülltes Mittelfeld. Ich benenne hiemit diese 
Abart * Sib. prinzi m. nach dem Wiener Mikrolepidopterologen 
Herrn Zentralinspektor Johann Prinz. Der Type mit dem 
weißen Saumfeld und Basalfeld nahe stehen einige Exem- 
plare mit ebenfalls ganz schwarzbraunem Mittelfeld, die aber 
das Saum- und Basalfeld bräunlich gezeichnet haben. Über- 
gänge. 

S. manifestella H.-S. (958). Zelengora. 
S. truncicolella Stt. (974). Suha. 11. /7. 12. Kautz. 
*S. resinea Hw. (977). 25./5. und 5 /6. 12. Mostar. Jan. Neu für 
B. u. H. 

*Sylepta anrantiacalis F. R. (992). 11./8. 12. Mostar. Jan. Neu für 

die Herzegowina. 
Ägrotera nemoralis Sc. (984). 11./7. und 31. /8. 12. Suha. Kautz. 
melhila undalis F. S. (1003). 9./8., g 18./10. 12. Mostar. Neu 

für B. u. H. 

Evergestis caesialis H.-S. (1010). 20./8. 12. Mostar. 
E.politalis Schiff. fl029). 30./7. 12. Mostar. Jan. Zwei Falter. 
Phlydaenodes verticalis L. (1043). 10./8. 12. Mostar. Jan. Aus 

Bosnien bekannt. 
Diasemia litterata Sc. (1068;. 10. 7. 12. Vucijabara. Schaw. 
*Titanio pollinalis Schiff, var. guttidalis H.-S. (1090). In dieser 

südlichen, kleinen, kleiner gefleckten Form, der die weißliche 

Basallinie mangelt, von Kautz und mir in Lastva (4./7. 12) 

aufgefunden. In der Var. neu für B. u. H. 
Metasia carnealis Tr. var. gigantalis Stdgr. (1123). 22./7. 12. 

Mostar. Jan. 



170 



Karl JSchawerda. 



^M. ophialis Tr. ab. nova thanatella m. (1128). 9./8. 12. Mostar. 
Ein völlig- schwärzliches cT ohne helle Färbung mit schwarzer 
Zeichnung benenne ich ab. nova thanateUa m. 
Fionea ferrugalis Hb. (1151). Ein cT mit strohgelben Vorderflügeln, 
die eine ausgeprägte dunkle Zeichnung tragen. Frisch. 22./3. 12. 
Mostar. Jan. 

P. forficalis L. (1163). 11. /7. 12. Suha. Kautz. Neu für die Her- 
zegowina. 

'••■P. riibiginalis Hb. (1166). 23./6. 12. Mostar. Ab. nova delmihcdis 
m. nenne ich die rötlichgelbe, helle Form ohne schwarze 
Außenränder. 

P. nebulalis Hb. (1171). Vucijabara. Pregoc. Schaw. 
P. olivalis Schilf. (1175). 9./7. 12. Vucijabara. Kautz. Neu für die 
Herzegowina. 

P. cyanalis Lah. (1181). 9./7. 12. Vucijabara. Kautz. 
"^■Pyrausta diffusalis Gn. (1222). Mostar. Jan. Neu für B. u. H. 
P. alpinalis Schiff. (1232). 12./7. 12. Maglic. Schaw. Das Exem- 
plar hat ganz verdunkelte Hinterflügel. 
'^P. sangninalis L. var. auroralis Z. (1242). Anfang bis Ende Mai. 
Jan. Mostar. In Anzahl. In der Varietät neu für B. u. 11. 
P. 2wr2)hyralis Sclnft'. (1248). 4./7. 12. Lastva. Kautz. Gacko. Schaw. 
P.fcdcatalis Gn. (1249). 11./7. 12. Suha. Kautz. 
P. aurata Sc. (1253). 16./7. 12. Mostar. 
/^ fascialis Hb. (1259). Ein großes o. Vucijabara. Schaw. 
P.nigralis F. (1265). Suha, 11. /7. 12. Kautz. 
^P. fnnehrls Ström, ab. irignlta Esp. (1273). 4./7. 12. Lastva. Schaw. 
In der Abart neu für B. u. 11. Großes Exemplar. 
Jfeliothela atralis Hb. (1307). 10./7. 12. Vucijabara. Kautz. 

Ptcrophoridac. 

O.njplÜHH distan!> Z. (1314). Zahlreich aus Mostar. Juni. Stamm- i| 
form. Die gen. acst. laeliis Z. ebendaselbst. 
*0. pilosdlar Z. (1315). 4./6. 12. Mostar. Jan. Neu für die Her 
zegowina. 

<>. parvidariylna \\\\. (1322). 5./7. 12. Lastva. Kautz. Schaw. 
I'latypldui rhodndnrhßa F. ri325). l()./6. 12. Mostar. Jan. In 
Anzahl. Lastva. Gacko. Vucijabara. Schaw. 



Siebenter Nachtrag zur Lepidopterenfaima Bosniens u. d. Herzegowina. 171 



''P. doronicella Fuchs (1334). 9./7. 12. Vucijabara 8./7. 12. Schaw. 

Zelengora 14./7. 12. Kautz. Neu für B. u. H. 
*P. metzneri Z. (1338). Zelengora 12./7. 12. Kautz. Neu für B. u. H. 
P. acanthodactißa Hb. (1339). Vucijabara. 9./7. 12. Kautz. 
Alucita spüodactyla Curt. (1345). 5./7. 12. Bilek. Kautz. 
A. ßzi Rebel. 4./7. 12. Lastva. Kautz. Die von mir in der Vucija- 
bara entdeckte und in litteris benannte Art fand ich heuer 
wieder dort und Kautz in Lastva. 4./7. 12. 
A. ischnodactyla Tr. (1370). 4./7. 12. Lastva. Großes 9. Kautz. 
Schaw. 

PkropJionis osteodadylus (1396). Vucijabara. 8./7. 12. Kautz. Schaw. 

Neu für die Herzegowina. 
Stenoptilia coprodaciijla Z. (1402). 12./7. 12. Maglic. In Anzahl. 

Schaw. Zelengora. 14./7. 12. Kautz. 
S. pterodacttßa L. (1414). Zelengora. 14./7. 12. Maglic. Gacko. 

Schaw. 

Orneodidae. 

Orneodes desmodactijla Z. var. major Rebel (1432). 10./5. 12. 
Mostar. Jan. 

Tortricidae. 

*Acalla variegana Schiif. (1455). 10./6. 12. Mostar. Jan. In Anzahl. 

Die var. insignana H.-S. 5./6. 12. Mostar. Jan. In der Varietät 

neu für B. u. H. 
A.Jiolmiana L. (1479). Suha. 11. /7. 12. Kautz. 
Dichelia artificana H.-S. (1491). 4./7. 12. Lastva. 11. /7. 12. Suha. 

Kautz. 

*OenopUira pilleriana Schiff. (1505). 13./8. 11 und 23./6. 12. 

Mostar. Neu für B. u. H. 4./7. 12. Lastva. Kautz. 
Cacoecia semicdhana Gn. (1518). 11./7. 12. Suha. Kautz. Neu für 

die Herzegowina. 
C. unifasciana Dup. (1528). 28./5. 12 und 9./6. 12. Mostar. Jan. 

In Anzahl. 

C.strigana Hb. (1531). 1./6. 12 und 1./7. 12. Mostar. Jan. 
Eulia ochreana Hb. (1549). 4./7. 12. Mostar. Jan. 
E. oxyacantJiana H.-S. (1560). 4./7. 12. Trebinje. Kautz. 
Tort/rix comvayana F. (1569). 11./7. 12. Suha. Kautz. 



172 



Karl Schawerda. 



""T. pronnhana Hb. (1573). 10./6.— 16./6. 12. Mostar. Jan. In Anzahl. 
Neu für B. u. H. 

"^Ciiepliasia longana Hw. var. hmdalhana H. S. 4./7. 12. Trebinje. 

Schaw. Neu für B. u. H. 
C. argentana Cl.(1607). 14./7. 1 2. Zeleugora. Kautz. Scliaw. 11./7.12. 

Cemernosattel, Suha. 12./7. 12. Magliö. Kautz. Schaw. 
C. pensiana Thubg. (1614). Suha an Felsen. Schaw. 
C. canescana Gn. (1616). Ein zwerghaftes von der Größe einer 

Insolatana. 8./6. 12. Mostar. Jan. 
C. ivalilbomiana L, var. alticolana H.-S. (1622). 8./7. 12. Vucija- 

bara. Maglic. Kautz. 
G. incertana Ti\ (1624). 5./7. 12. Bilek. Kautz. Ich fing in Lastva 

(4./7. 12) zwei Incertana mit viel weißeren Querbinden, was 

schon Bebel bemerkt, Stibjectana Gn.? 
*Conchylis hjhrideUa Hb. (1669). 11. /8. 12. Jan. xMostar. Neu für 

B, u. H. Das Stück variiert gegenüber der Stammform. 
G.mpicola Gurt. (1674). 11./7. 12. Suha. Kautz. 
*C flavidana Gn. var. sidphurana Gn. (1707). (Ind. 66, Ind. 67.) 

In einer Sidpliurana Gn. aus den Pyrenäen erkannte ich 

die Conchylis schawerdae Bebel, die ich auf der Vucijabara 

(Herzegowina, 120O m) entdeckt hatte. Es ist daher, was 

Herr Prof. Bebel bestätigte, der Name schawerdae Bebel als 

Synonym einzuziehen. 
C. jucundana Dup. (1716). 4./7. 12. Lastva. Kautz. 
*C. purgatana Tr. \2iX. porculana Mn. (1737). 20./9. 12. Mostar. Jan. 

Neu für B. u. H. 
G. alcella Schulze (1748). 8./5. und 9./6. 12. Mostar. Jan. 
C hartmanniana Ol. (1744). 8./7. 12. Vucijabara. Schaw. Kautz. 
*G. swen/lniianniana F. (1760). 10. /7. 12. Vucijabara. Kautz. Neu 

für 11 n. II. 

G.roscfiHn liw. (lf*)73). 10./7. 12. Vucijabara. Schaw. Kautz. Neu 
für die lier/cgowina. 
*G. (ontraclana Z. (1791j. .Juni. Mostar. .Jan. Neu für H. u. 11. 
Euxanihis hamana L. (IHOO). 4./7. 12. Lastva. 12./7. 12. Suhn. 

.Maj^lir. Vucijabara, ((iroßcH .) Kautz. Schaw. 
OU'thrcufrs snlicdla L. (18r)7j. 4./7. 12. Lastva. Kautz. 
0. raricganaUh. i]^!^). 20./.^). und 5./6. Mostar. .Jan. In Anzahl. 



Siebenter Nachtrag- zur Lepidopterenfauna Bosniens u. d. Herzegowina. 173 



0. antiquana Hb. (1945). 11. /7. 12. Suha. Schaw. 
0. stihiana Gn. (1907). 14./7. 12. Zelengora. Vucijabara. Kautz. 
Schaw. 

O.achatana F. (1943). 4./7. 12. Trebinje. Schaw. Neu für die 
Herzegowina. Von Sarajevo (9./6.) von mir angegeben. 

PohjcJirosis hotrana Schiff. (1949). 10./5. 12 und 23./8. 12 (frisches 
cf). Mostar. Jan. Schon von Bisina 3./6. angegeben. 

Crocidosema plebejana Z. (1968). Gacko. Hawelka legit. 
*Stegano])tijcha cnicianaL. (2003). 9./7. 12. Vucijabara. Kautz. Neu 
für B. u. H. 

Semasia liypericana Hb. (2022). 10./7. 12. Vucijabara. Kautz. 

Schaw. Zelengora. Schaw. 
*S.piipilla)ia Cl. (2042). 10./7. 12. Gacko. Schaw. Neu für B. u. H. 
Notocelia uddmanniana L. (2055). 9 /6. 12. Mostar. Jan. Schon 

von mir in der Vucijabara gefunden. 
K. rohorana Tr. (2062). In Anzahl von Gacko. Hawelka legit. 

Vucijabara. 8./7. 12. Schaw. 
EpiUema alhidulana H.-S. (2082). 7./8. 12. Mostar. Jan. 
*E. agrestana Tr. (2075). 5./7. 12. Lastva. Schaw. Neu für B. u. H. 
E. modicanaZ. (2097). 4./7. 12. Lastva. 8./7. 12. Vucijabara. Neu 

für die Herzegowina. Größer und schärfer gezeichnet. 
E. caecimaculana Hb. (2093). 13./6. 12. Mostar. 4./7. 12. Lastva. 

9./7. 12. Vucijabara. Kautz. Neu für die Herzegowina. 
E.tedella Cl. (2111). 12./7. 12. Magli6. Schaw. 
E. proximana H.-S. (2112). 9./7. 12. Vucijabara. Kautz. Neu für 

die Herzegowina. 
*E. dalmatana Rebel (2117). 13./5. 12. Mostar. Jan. Neu für 
B. u. H. 

*E. tetraqiietrana Hw. (2129). 23./6. 12. Mostar. Neu für B. u. H. 
E. iripunctana F. (2138). 11./5. 12. Mostar. Jan. 8./7. 12. Vucija- 
bara. Schaw. 

*GrapJiolü]ia nigricana Stpk. (2160). 24./5. 12. Mostar. Jan. 9./7. 12. 
Vucijabara. Kautz. Neu für B. u. H. 
6r. gemmiferana Tr. (2166). 10./5. 12. Mostar. Jan. 4./7. 12. Lastva. 
Schaw. 

*G. leplastriana Gurt. (2196). 4./7. 12. Trebinje. Kautz. Neu für 
B. u. H. 



174 Karl Scha w e r d a. 

*G. selenana Z. (2215). 10./5. 12. Mostar. Jan. Neu für B. u. H. 
*Pamene aurantiana Stdgr. (2234). 8./7. 12. Vucijabara. Schaw. 

Neu für B. u. H. 
Bicliroramplia petiverella L. (2284). 10./7. 12. Vucijabara, Kautz. 
D. ligulana H.-S. (2292). 12./7. 12. Maglic. Schaw. 14./7. 12. Ze- 

lengora. Kautz. Neu für die Herzegowina. 
*LiptopfycJia alpigenana Hein. (2304). 24./7. 12. Zelengora (Borilo- 
vac). Schaw. Neu für B. u. H. 

GrlypMpterydae. 

SwiaetJiis fahriciana L. (2318). 14. /7. 12. Zeleng'ora. Kautz. 

Yponoineiitidae. 

Yponomeuta virgintiptmctatus Retz. (2356). 17. /9. 12. Mostar. Jan. 
*Y. plumhelUis Schiff. (2357). 20./5. und 10./6. 12. Mostar. Jan. 
Neu für die Herzegowina. 

Y. cognatelhis Hb. (2365). 18./7. 12. Mostar. Neu für die Herzego- 
wina. 

Y. mallnellus Z. (2363). Gacko. Hawelka. Neu für die Herzegowina. 
Argyresthia ephipypella F. (2404). 11. /7. 12. Suha. Kautz. Neu für 

die Herzegowina. 
A. prenjella Rbl. 8./7. 12. Vucijabara. Kautz. 

PluteUidae. 

*Cerostoma dlpella Schiff. (2473). 5./7. 12. Lastva. Schaw. Neu für 
B. u. H. 

*Theristis mncronella Sc. (2484). 17./7. 12. Mostar. Schaw. Neu für 
B. u. II. 

Oelechiidae. 

Melzveria paucipiincicUa Z. (2487). 3./7. 12. Mostar. Jan. 

M. lapella L. f2491). 8./7. 12. Vucijabara. Schaw. Neu für die 

Herzegowina. Von Ncustettcr in Bocac (Nordbosnien) auf- 

^^efunden. 

*Tirifofroj)h(i donirslka Hw. ('2533| Gacko. Hawelka Icgit. Neu für 
Ii. 11. II. 

Crh'chtn (lii^tinrMla Z. (2559). 12./7. 12. Suha, Maglir. Kautz. 
Gacko. Schaw. 



Siebenter Nachtrag zur Lepidopterenfaima Bosniens u. d. Plerzegowina. 1 75 



G. praeclarella H.-S. (2564). 10./8. 12. Vueijabara (1250 m!). Kautz. 
a. spiircella H.-S. (2553). Gacko. 11./7. 12. Schaw. Von Neu- 

stetter auf dem Prenj gefunden. 
*(Lita) artemisiella Tr. (2639). 8./7. 12. Vueijabara. Kautz. Neu 

für B. u. H. 

(Teleia) vidgella Hb. (2731). 9./7. 12. Vueijabara. Kautz. Neu für 

die Herzegowina. 
Acompsia cinerella Cl (2771). 10./7. 12. Vueijabara. Kautz. 4./7. 12. 

Lastva. Schaw. 16./7. 12. Gredeljsattel. Schaw. 
Ä. tripunctella Schiff. (2774). 11./7. 12. Suha. Kautz. 
*Acantliopliila alacella Dup. (2785). 5./7. 12. Mostar. Jan. Neu für 

B. u. H. 

Änacampsis anthyllidella Hb. (2835). 4./7. 12. Mostar. 
Ä.vorticella St. (2841). 9. 4./8. 12. Mostar. Jan. 
*Xystop]iora qiiaestionella H.-S. (2807). 9./7. 12. Vueijabara. Schaw. 
Neu für B. u. H. Das Tier wurde von Prof. Bebel als frag- 
lich determiniert. 
*X tenehrella Hb. (2818). Suha. 11./7. 12. Schaw. Neu für B. u. H. 
*Reciirvaria nanella Hb. (2874). 9./6. 12. Mostar. Jan. Neu für B. u. H. 
*Pfochenusa paupella Z. (2880). 20./5. 12. Mostar. Jan. Zwei Falter. 

Neu für B. u. H. 
Ärgyriiis pidella Z. (2890). Gacko. 10./7. 12. Schaw. 

A. superlella Z. (2892). 10./7. 12. Gacko. Schaw. 

*Brachmia rufescens Hw. (2909). 11./7. 12. Suha. Neu für B. u. H. 
Kautz. 

geronellci Z. (2916). 11./6. 12. Mostar. Neu für B. u. H. 

B. dimidiella Schiff. (2917). 8./7. 12. Vueijabara. Kautz. 
B. denisella F. (2920). 8./7. 12. Vueijabara. Kautz. 

Rhinosia sordidella Hb. (2923). Mostar. 29./o. 12. Zahlreich. Jan. 
11./7. 12. Suha. Kautz. Schaw. 

Eh. ferugella Schiff. (2924). 10./7. 12. Vueijabara. 12./7. 12. Suha. 
Kautz. Neu für die Herzegowina. 

Rh. formosella Hb. (2926). 4./7. 12. Lastva. Kautz. 

Euteles Mlarella Costa (2929). 2./7. 12. Mostar. Jan. Drei Exem- 
plare. Von Bebel in Konjica gefangen. 

Paltodora antJiemidella Wck. (2936). 27./5. 12. Mostar. Jan. Bereits 
von mir in der Vueijabara gefunden. 



176 



Karl Scliawerda. 



"^Nothris lemniscella Z. (2976). Sicher aus Mostar. Datum in Verlust 
geraten. 

Sophronia liumerella Schitf. (2988). Vucijabara. Kautz. 9./7. 12. Jan. 
S. semicostella Hb. (2982). Vucijabara. 8.— 10./7. 12. Schaw. Kautz. 
*Änarsia spartiella Schrk. (2996). 10./7. 12. Vucijabara. Kautz. 

Neu für B. u. H. 
lineatella Z. (2999). 16./7. 12. Mostar. Jan. Neu für B. u. H. 
Pterolonche alhescens Z. (3013). 7./8. 12. Mostar. Jan. In Anzahl. 
Simmoca designatella H.-S. var. hifasciata Stdgr. (3032). 21. /6. 12 

bis August. Mostar. In Anzahl, aber nur in dieser Form. 
Oegoconia quadripuncta Hw. (3050). 10./7. 12. Mostar. Jan. In 

Anzahl. 

Blastoharis pliycidella Z. (3054). 7./6. 12. Mostar. Jan. 
*Flenrota planella Stdgr. (^3079). 4./7. 12. Trebinje. Lastva. Schaw. 
Neu für B. u. H. 
P. aristella L. var. argentistrigella Mn. (3102). 4./7. 12. Lastva. 

Kautz. 4./7. 12. Trebinje. Schaw. 
Protasis 2)unctella Costa (3122). 8./6. 12. Mostar. Jan. 
Fsecadia hipunctella F. (3143). 10. /6. 12. Mostar. Jan. 
*T)epressana atomella Hb. (3200). 17./7. 12. Mostar. Jan. Neu für 

die Herzegowina. Aus Sarajewo bekannt. 
*n.riitcma F. (3202). 5./7. 12. Mostar. Jan. Neu für B. u. H. 
7). anianthicella Hein. (3215). 4./7. 12. Lastva. Schaw. 
JJ. cdstroemeriana Cl. (3226). Gacko. Hawelka legit. 
*i>. luiosella H.-S. (3232). 15./6. 12. Mostar. Jan. 
1). tenehricosa Z. (3285). 13./6. 12. Mostar. Jan. 
J). donglasella Stt. (3294). 21./6. 12. Mostar. Jan. 9./7. 12. Vucija- 
bara. Kautz. 

*J).marcella Kel)cl (3297). 1./6. 12. Mostar. Jan. Neu für B. u. IJ. 
'^(Uircina (jttcrcana F. var. )mrj)nrana Mill. (3323). Im Juni und 
Ende August in Anzahl. Mostar. Jan. Neu für B. u. II. In II 
einer noch röteren, fast karminroten Nuance fing diese Art] 
mein verstorbener Freund Franz K. v. Meißl in Pola. 
Ilarpdla forficella Sc. (3329). Zelcngora, 14./7. 12. Schaw. 
liorkhauarnia prandllclla Hebel (3362). 12./7. 12. Magh'r. Kautz. 
Ji.swuldla Hb. f:'>367). 12./7. 12. Maglic. Kautz. 
J{. miuHtdla L. (3382). 8./6. 12. Mostar. Neu für die llcrzegowin:« 



Siebenter Nachtrag zur Lepidopterenfauna Bosniens u. cl. Herzegowina- 177 



Elacliistidae. 

*Epermeniaponiificella Hb. (340*^). 16. /5. 12. Mostar. Jan. Neu f. B. ii. H. 
*E. dentosella H.-S. (3411). 10./7. 12. Yucijabara. Kautz. Neu f. B. u. H. 
ScytJiris selinieUa Z. (3423). 19. 5. 12. Mostar. Jan. 
*S. punctivitella Costa (3493). In der Abart confluens Stdg-r., die aus 
Griechenland bekannt ist, neu für B. u. H. 10./8. 12. Mostar. 
Heinemannla laspeyrella Hb. (3572). Vucijabara. 9./7. 12. Kautz. 
*ChrysocUsta linneela Cl. (3595). 15./5. 12. Mostar. In Anzahl. Jan. 
Neu für B. u. H. 

Stagmatoplwra isahellella Costa (3600). 10./7. 12. Vucijabara. Kautz. 
Schaw. 

*Coleo2)hora olkacella Stt. (3645). Sicher aus Mostar. Jan. Fund- 
datum in Verlust geraten. Neu für B. u. H. 
*C. parlpennella Z. (3665). 24./5. 12. Mostar. Jan. Neu für B. u. H. 
C. alcyonipennella Koll. (3674). 10./7. 12. Gacko. Schaw. Neu für 

die Herzegowina. 
C. spissicornis Hw. (3680). 16./5. 12 und 4./7. 12. Mostar. Jan. 
Aus dem Prenjgebiet auch aus geringer Höhe bekannt. Maglic. 
12./7. 12. Kautz. 

*a oclrea Hw. (3688). 10./8. 12. Gacko. Hawelka. Neu für B. u. H. 
*C. coronillae Z. (3754). 9./7. 12. Vucijabara. Kautz. Neu für B. u. H. 
C. vidnerariae Z. (3757). 10. /7. 12. Vucijabara. Kautz. Neu für die 
Herzegowina. 

*a craccella Valet. (3782). 10./7. 12. Gacko. Schaw. Neu für B. u. H. 
a serratuleUa H.-S. (3814). Vucijabara. 9. 7. 12. Schaw. Neu für 
die Herzegowina. 

*C6l€opliora argentida Z. (3881). Vucijabara. 10./7. 11. Diese Art 
ist neu für B. u. H. und wurde von mir aufgefunden. Irrtüm- 
lich wurde sie von mir als Elachista argentella (4024) seiner- 
zeit angegeben. Zufällig wurde diese Art aber (nachfolgend) 
1912 in Mostar aufgefunden. 

*Elachista argeMla Cl. (4024). 16./5. 12. Mostar. Neu für B. u. H. 

Grracilariidae. 

Graciliaria alchbniella Sc. (4040). Gacko. Von mir aus Blagaj 
schon angegeben. 

Z. B. Ges. 63. Bd. 12 



178 Karl Scha werda. Siebenter Nachtrag- zur LepidoptercDfaiina usw. 

*Corisciuni hrongmardeUimi F. (4082). 31./7. 12. Mostar. Jan. Neu 
für B. 11. H. 

"^LitliocoUeüs pastorella Z. (4199). 8./7. 12. Vucijabara. Kautz. Neu 
für B. u. H. 

Lyonetiidae. 

Cemiosioma lahnrnella Stt. (4229). 
*Bucci(latrix crataegi Z. (4242). 10./5. 12. Mostar. Jan. Neu für 
B. u. H. 

Tineidae. 

'^Monopis lomlardica Hering- (4534). 8./6. 12 und 30./6. 12. Mostar. 

Jan. In Anzahl. Neu für B. u. H. 
M. ferruginella Hb. (4533). Vucijabara. 10./7. 12. Scbaw. 
Triclwpliaga tapezella L. (4539). 30./8. 12. Mostar. Jan. Neu für 

die Herzegowina. 
Tinea pustulatella Z. (4564). 10. /5. 12. Mostar. 
T. cloacella Hw. (4556). Maglic. Scbaw. 

T. gramdatella H.-S. (4571). 8./5. und 6./7. 12. Mostar. Jan. 1 1./7. 12. 
Suba. Kautz. 

*'Dysmasia parietariella H.-S. (4645). 28. /5. 12. Mostar. Jan. Neu 
für B. u. H. 

Nemotois metallicus Poda (4691). 4./7. 12. Bilek. 8./7. 12. Vucija- 
bara. Kautz. 

Ein großes, fast scbwarzes Exemplar aus der Vucijabara 
mit dunkeb'otem Sclnmmer gebört der var. acrosellns Z. an. 
9./7. 12. Scbaw. 

N. dalmatinellus Mn. (sub 4697). o. 22./7. 12. Mostar. 

iV. minimdlusZ. (4708). 4./7. 12. Lastva. Scbaw. 10./7.12. Vucija- 
l)ara. Kautz. 

Adcla croesella Sc. (4717). In der zweiten Iliilftc Mai in Mostar 
bäulig. Jan. 

A.drgrrrrlla L. (4721). Ende Mai und 2./(;. 12. Mostar. Jan. In 

großer Zabl. Hisber im Karstgebiet feblend. Suba. Scliaw. 
A.rufifnmldla 'Vx. (4744). 24./4. 12. Mostar. Jan. 

Mirroph^ryf^idac. 

Microplery.r callhdla L. (4782). 11. /7. 12. Suba. Kautz. 



Gegenantwort an Herrn Prof. Dr. A. Seitz. 



179 



(jeg'enantwort an Herrn Prof. Dr. A. Seitz, 

deu Herausgeber der „Großschmetterlinge der Erde". 

Von 

Prof. H. Rebel. 

(Eingelaufen am 18. April 1913.) 

Im Schlußhefte des Jahrganges 1912 der „Verhandlungen" der 
k. k. zool.-bot. Gesellschaft habe ich auf p. 226 — 227 über „Die 
Großschmetterlinge der Erde" eine Besprechung erscheinen lassen, 
auf welche Herr Dr. Seitz in einem längeren Artikel in der Ent. 
Rundschau (30. Jahrg., p. 29 — 30) antwortete. 

Diese offenbar auf Betreiben der sehr rührigen Verlagshand- 
iuug erschienene Stellungnahme gegen mein Referat erfordert je- 
doch in einigen sachlichen und persönlichen Punkten eine Gegen- 
antwort. 

Was vorerst meine angebliche Schuld an der Mangelhaftig- 
keit des Ljcaenidentextes anbelangt, die in einem verspäteten 
Rücktritt meinerseits von der mir zugedachten Bearbeitung liegen 
soll, so verhält sich die Sache nach der mir vorliegenden Korre- 
spondenz folgendermaßen: Obwohl ich Herrn Lehmann (dem ersten 
Verleger der „Großschmetterlinge") bereits im Jahre 1905 eine de- 
finitive Absage meiner Beteiligung gegeben hatte, ließ ich mich 
doch auf vieles Drängen des Herrn Dr. Seitz im April 1906 über- 
reden, die Bearbeitung der paläarktischen Lycaeniden zu über- 
nehmen, habe aber nach Erledigung unbedeutender Vorarbeiten mit 
Brief vom 5. Juli 1907 um Entlassung aus dem Verbände der Mit- 
arbeiter ersucht und Herrn Seitz auch Druce als Bearbeiter dieses 
Teiles vorgeschlagen. Nachdem der Lycaenidentext erst Ende 1908 
zu erscheinen begonnen hat, war reichlich ein Jahr seit meinem 
Rücktritt verflossen, innerhalb welcher Zeit Herr Seitz wohl einen 
anderen geeigneten Bearbeiter für diese Familie hätte finden können. 

Sehr freuen würde es mich, wenn mein tatsächlich vorhandener 
Pessimismus bezüglich der baldigen Vollendung der exotischen Teile 
der Großschmetterlinge eine Widerlegung durch Tatsachen er- 



180 



H. Kebel. 



fahren sollte. Nur die journalistische Phrase, welche sich Herr 
vSeitz bei dieser Gelegenheit leistet, daß nämlich dieser Pessimis- 
mus „durch die Nervosität, welche die Kriegsbereitschaft in den 
Oststaaten erzeugt", hervorgerufen sei, muß als ein überflüssiges 
Hereinzerren von Tagesfragen bezeichnet werden. 

In sachlicher Beziehung möchte ich vor allem auf die geo- 
graphische Abgrenzung der paläarktischen Region zurückkommen 
und an Herrn Seitz die Frage richten, wo er seine auf persön- 
licher Forschung beruhende Regionseinteilung publiziert hat? Sein 
kleiner Artikel „Was ist paläarktisch?" (Int. Ent. Ztg., I, p. 309 — 
310) enthält doch nur Behauptungen, die in keiner Weise wissen- 
schaftlich belegt wurden, und die angekündigte Ausführung des zoo- 
geographischen Standpunktes in der Einleitung der „Großschmetter- 
linge" ist meines Wissens über die ersten Anfänge nicht hinaus- 
gekommen. — Warum hat Herr Seitz seine statistischen Unter- 
suchungen nicht ausführlich als Beweise seiner Ansicht über die 
Regionsabgrenzung und an einer anderen Stelle als in einem ento- 
mologischen Wochenblatt oder den „Großschmetterlingen" bekannt 
gemacht? Die Zoogeographen wären ihm dafür sehr zum Danke 
verpflichtet gewesen. Solange aber eine solche wissenschaftliche 
Begründung aussteht, hat jede andere Autfassung über die Regions- 
begrenzung zum mindesten den gleichen Wert und praktisch dann 
sogar einen größeren, wenn sie einer traditionellen Auffassung ent- 
spricht, das heißt konventionell ist. 

Vergessen wir nicht, daß die Regionen, namentlich in l>czug 
auf ihre Abgrenzung innerhalb der Kontinente^ vielfach nur histo- 
rische licgrifl'e der Zo()geograi)lne sind. Überall hat in den kon- 
tin('iital(;n Faunengebieten eine Vermengung und Durchdringung von 
l'^aiinenclenicnten sehr verschiedener Herkunft stattgefunden, und so- 
lange nicht die VerbreitnngHzcntren aller Arten eines 'J'erritoriunis 
bekannt sind, werden nach einer bloß oberflächlichen Begutachtung 
derselben stets Willkiirliclikeiten unterlaufen müssen. Schon der 
Titel des zitierten Artikels von Seit/: „Was ist paläarktisch ?" ent- 
hält f'ine Ungenauigkeit, denn niemals sind beisj)ielswcisc Vertreter 
der (iattung(;n 'IroidcH (Ornithoptera) oder SUcho])hf/ialma palä- 
arktiKch. Diese (Jallun;;en können nur in den paläarktischen (Grenz- 
gebieten auftreten und der Titel des zitierten Artikels hätte lauten 



Geyenantwort an Herrn Prof. Dr. A. Seitzl 



181 



müssen: „Wo sind nach meiner Ansicht die Grenzen der paläark- 
tischen Region zu suchen?" 

Auch muß ich Dr. Stau dingers Standpunkt bei der Frage 
der Abgrenzung der paläark tischen Region in der neuen Katalogs- 
auflage verteidigen. Nach mehrmaliger Aussprache mit ihm über 
dieses Thema noch vor Beginn der eigentlichen Katalogsarbeit ent- 
schieden wir uns für die im Vorworte des Kataloges von mir an- 
gegebenen paläarktischen Grenzen, wobei der von mir gebrauchte 
Ausdruck „konventionell" nichts anderes als „bis dahin gebräuch- 
hch" bedeutete. Auch hat Dr. Staudinger bei diesen Anlässen 
mir gegenüber niemals den kommerziellen Standpunkt erwähnt, was 
umso begreiflicher ist, als er sich damals bereits ganz vom Geschäft 
zurückgezogen hatte und nur den einen Wunsch besaß, noch an 
seinem Lebensabend eine neue Katalogsauflage zu sehen. 

Eine etwas eingehendere Erwiderung bedarf auch jener Absatz 
in der Antwort des Herrn Seitz, welcher mit dem Satze schließt: 
„Ich hätte nicht geglaubt, daß Herr Rebel, der im Katalog die 
Zygaenen und Arctien hinter die Spanner stellt, es tadeln würde, 
wenn mit einem in der Mitte des vorigen Jahrhunderts auf ab- 
soluten Äußerlichkeiten aufgestellten System (gemeint ist nämlich 
Lederers Noctuidensystem), das die anderen Nationen längst über- 
holt haben, gebrochen wird." 

Darauf sei bemerkt, daß es zweifellos der neueren Zeit vor- 
behalten blieb, stammesgeschichtliche Erkenntnisse in der Lepido- 
pterensystematik zum Ausdrucke zu bringen, allein diese Erkennt- 
nisse sind nur bezüglich der Familien und Subfamilien halbwegs 
gesichert, schon bei den Gattungen haben wir es in der Regel be- 
grifflich mit einer Kombination von Merkmalen zu tun, für deren 
stammesgeschichthche Einschätzung uns die Einsicht mangelt. Die 
Gattungen erscheinen uns daher in den meisten Fällen als Parallel- 
formen, die wohl taxonomisch voneinander geschieden, nicht aber 
in ein stammesgeschichtliches Verhältnis zueinander gebracht werden 
können. Wenn es trotzdem vielfach geschieht, so hat es zumeist 
keinen hohen wissenschaftlichen Wert. 

Und vom taxonomischen Standpunkte aus muß Lederers Sy- 
stem noch heute als vorzüglich bezeichnet werden, da er Gattungs. 
begriffe von weiterem Umfange annahm, die zweifellos auch in 



182 



H. Rebel. 



den meisten Fällen „natürlichen" Einheiten, daß heißt zusammen- 
gehörigen Gruppen der Spezialisierung entsprechen. 

Ganz ungerechtfertigt und phrasenhaft ist der Vorwurf, daß 
Lederer sein System nur auf „absolute Äußerlichkeiten" aufgestellt 
habe. Lederer hat genau dieselben Merkmale taxonomisch benützt, 
welche auch heute zur Unterscheidung der Formen dienen und dienen 
müssen, da wir in der ganzen Arthropodensystematik naturgemäß 
der äußeren Morphologie, wozu bei den Lepidopteren bekanntlich 
auch das von Herrich-Schäffer und Lederer grundlegend ver- 1 
wendete Flügelgeäder gehört, die allergrößte Bedeutung beilegen 
müssen. Herr Seitz nenne gefälligst ein „inneres" brauchbares! 
Merkmal der modernen Lepidopterensystematik oder auch nur ein 
ausschlaggebendes „äußeres", welches Lederer unbekannt geblie- 
ben ist! 

Wie wenig Herr Seitz selbst auf stammesgeschichtliche Er- 
kenntnisse Wert legt, geht am besten aus dem systematischen In- 
halt des kürzlich zur Vollendung gelangten IL Bandes des paläark- 
tischen Teiles der „Großschmetterlinge" hervor, welcher nur aus 
praktischen Gründen den Titel „Spinner und Schwärmer" führt, 
denn in der Einleitung heißt es, daß die den Sammlern seit Linn6 
geläufige Gruppe der Bombyces hier nur bestehen gelassen wird,; 
um einen zusammenfassenden Namen für alle nicht zu den Sphini 
giden, Noctuidcn, Geometriden und Micro gehörigen Heteroceren 
zu haben. An der Spitze des Bandes stehen die Zygaenidenj 
vielleicht darum, um das vermeintliche Unrecht, welches ich diesei 
Familie durch Anordnung derselben hinter den Geometriden zuge^ 
fügt habe, einigermaßen wieder gut zu machen! I 
Es kann ruhig behauptet werden, daß ein so unwisscnschafti 
lieh zusammengewürfelter Inhalt wie jener des II. Bandes deij 
„Großschnictlerlinge" in der systematischen Literatur seines gleichet 
sucht! Durch die Vereinigung so heterogener Familien wie beispiels 
weise der hochspezialisierten Notodontiden und der stanimesge 
Kchichtlich so tief stehenden llepialiden zu einer undefinierbare! 
(Iruppc. „liombyces" wird allen modernen Erkenntnissen der Stam 
nies-cHchichte ins Gesicht geschlagen und sogar nicht einmal de 
Standpunkt Linn 6h gewahrt, welcher wenigstens die Zygaenide: 
und ScHÜden nach der Fllhlerbildung zu den Sphinges gestellt hatte 



Gegenantwort an Herrn Prof. Dr. A. Seitz. 



183 



Hier ist also auf einmal Herrn Seitz der praktische Standpunkt 
allein ausschlaggebend, wenn aber von einem Referenten bedauert 
wird, daß derselbe praktische Standpunkt in wissenschaftlich viel 
weniger gesicherten Fragen bei der Bearbeitung der „Großschmetter- 
linge" verlassen wurde, soll sich der Referent noch persönliche 
Ausstellungen gefallen lassen, wie jene, daß es an seiner stets 
mehr hervortretenden Spezialisierung für Osterreich liege, daß er 
für solche Publikationen wie die „Großschmetterlinge" weniger Sym- 
pathie hätte I 

Glücklicherweise bedarf ich für mein noch vorhandenes all- 
gemeines Interesse keines Attestes des Herrn Seitz, ich will ihn 
nur daran erinnern, daß ich durch meine amtliche Stellung als 
Kustos am Naturhistorischen Hofmuseum verpflichtet bin, in erster 
Linie die Erforschung der heimischen Fauna zu fördern, ohne jedoch 
hiebei ein „patriotischer Spezialist" geworden zu sein. Hätte Herr 
Seitz nicht so viel mit den „Großschmetterlingen" zu tun, hätte 
ihm auch nicht eine Anzahl von Publikationen der letzten drei 
Jahre entgehen können, die vielleicht doch für mein noch vor- 
handenes außerpatriotisches Interesse sprächen. Oder liegen die 
Samoainseln,^) das Kongogebiet,^) die Kanarischen Inseln,^) Unter- 
ägypten,^) die Ionischen Inseln,^) Syrien^) usw. vielleicht in Oster. 
reich- Ungarn? 

Was die von Dr. Seitz beschwerend hervorgehobene Anprei. 
sung von Rebel und Spul er anbelangt, so stehe ich derselben 
ganz ferne (das Gegenteil wird auch von Dr. Seitz in keiner Weise 
behauptet). Doch ist mir nicht erinnerlich, daß an irgend einer 
Stelle hiebei ein Abraten von dem Ankaufe des Seitz sehen Werkes 
erfolgt wäre, was auch darum nicht viel Sinn hätte, weil letzteres 
für einen anderen Interessentenkreis berechnet ist. Wie ich per- 
sönlich über die Anschaffung von literarischen Hilfsmitteln denke, 
geht wohl aus dem Schlüsse meines Referates zur Genüge hervor, 



^) Denkschriften der kais. Akad. der Wiss,, 85. Bd., p. 1—21, Taf. 18. 
2) Ann. d. Naturhist. Hofmuseums, 24. Bd., p. 409—414, Taf. 13, 14. 
=5) Ebenda, p. 327—374, Taf. 12. 
*) „Iris", 26. Bd., p. 65—93. 
5) Zool.-bot. Verh., 1910, p. 418—431. 
Ebenda, 1911, p. 142—156. 



184 



H. Rebel. Gegenantwort an Herrn Prof. Dr. A. Seitz. 



WO ich jedem Lepidopterologen den Ankauf der Seitzschen 
„Großscbmetterlinge" empfehle. 

Das von Herrn Seitz selbst genannte Hauptziel der „Groß- 
sehmetterlinge": „bisher noch nie abgebildete Arten, die in den Han- 
delskatalogen den Sammlern täglich aufstoßen, zum ersten Male 
abzubilden", spricht wohl am besten für den in Anspruch genomme- 
nen „seriösen" Charakter des Unternehmens, den ich sogar als 
„wissenschaftlich bescheiden" bezeichnen möchte. 



Ornithologische Literatur 

Österreich-Ungarns, Bosniens und der Herzegowina 1912.^) 

Von 

Viktor Ritter v. Tscliusi zu SchmidliofFen, 

Herausgeber des „Ornithologischen Jahrbuches". 
(Eingelaufen am 3. April 1913.) 



A. B. Steinadler in Obersteiermark (in Mürzsteg erlegt). — Deutsche 

Jägerz., LTX, 1912, Nr. 3/4, p. 46—47. (Steierin.) 
Antonius, 0. Wiener Spaziergänge. XIII. Über die Vogelwelt der 

Wiener Gärten. — Urania, V, 1912, Nr. 28, p. 505—508; 

Nr. 29, p. 525-528. (N.-Ö.) 
Aquila. Zeitschrift für Ornithologie. Organ der Kgl. Ungar. Ornitliol. 

Zentrale. Redigiert von 0. Ilcrman. — Budapest, 1912, XIX. 

4°. 504 pp., mit Taf. u. Textabb. 
15. Adler- und Uliuschutz. - - Deutsche Jägerz., LIX, 1912, Nr. 5, 

p 59. (St hierin.) 

') Vergl. dicHe „Verhandlungen", l'xl. LXII, 1!M2, p. 2G0— 289. — Die 
Angaben in nngariH(',h(;r Sprache lieferte Herr Dr. Kolonian Lambrecht, Assi- 
Btent der „Kgl. ling. Orn, ( Nintrale", div. in czechiHclK^r H<;rr Oberlehrer K. Knö- 
*ourck, die in kroatiHfher n<Tr I'iof. M. Marek und muh .Jngdzeitungen 
Herr l'rof. Ii. Sehweder. 



On,. Literatur östen-.-U„,an,s, Bosuiens und der Herzegowina m-2. 185 

Babie, K. u. Rößler, E. Beobachtungen über die Fauna vou Pela- 
gosa. - Verb. d. k. k. zool.-bot. Ges., Wien. LXII, 191-^ 7 H 
(Vögel von E. Rößler, p. 230-233.) (Dalm ) '' 

Bader, P Auerbabnbalz im August in Steiermark. - Alitteil d 
n.^0. Jagdscb.-Ver., XXXIV, 1912, Nr. 10, p. 438. (Steie rm ) 

Bau Alex^ Der Steinadler als ßrutvogel Vorarlbergs und Nötigen 

u. ürn., XXII, 1912, Xr. 1, p. 2-6. (Vorarlb.) 

- i-m bemerkenswertes Koblmeisennest. — Ibid XXII iqi-> 
Nr. 5/6, p. 76-77. (Vorarlb.) ' ' 

- Konf. Burg, G. v. 

Bayne, Tötb, E. Alkossuk madärtanyäva uj temetönket. (Bilden 
wauf unserem neuen Friedhof Vogelkolonien.) - AUatvedelem, 

Berger K. Waldschnepfen. _ Wild u. Hund, XVIII 19r^ Xr 13 
p. 232. (Siebenb.) ' ' 

- Zur Jagdgeschicbte der Waldschnepfe. - St. Hubertus, 1912 
Nr. 6, p. 1—3. (Osterr., part.) 

Biewald Eine unbekannte Vogelart (3Iusdcapa atncapUla in .^alz- 
bürg). - Salzb. Volksbl. Nr. 214 v. 19./IX. 1912, p 7 (Salzb ) 

ielenl v''?.^™'''''^'- ^^^^ ''''' - Ve;h^,. 
s ebenb. \er. f. Natnrw., Hermannstadt, LXII. 1919 H 1 n 3S 
(Siebenb.) , ■ , i>. o. 

Bittera, J. y., Ornithologische Studien aus dem Parke der Mihtär- 
Uberrealscbule in Kismarton. - Aquila, XIX, 1912 p 408- 
414. (Ungarisch und deutsch.") (ünff.) 

- Zum Albinismus der Amsel. - Ibid., XIX, 1912 p 456 
(Lngariscb und deutsch.) (Ung.) 

ßohutinsky, K. Von unseren Langschnäblern. - Waidmh., XXXII 
1912, Nr. 10, p. 239-240. (Unff.) ' 

Braun F. Die Vögel des Grazer Stadtparkes und anderes - Gef.W 
rh ' P- 1Ö6-157; Nr. 21, p. 165-166. (Steierm.)' 

- tber die Vögel von Pola und Umgegend. - Ibid., XLI, 1912 
Nr. 28, p. 221-222. (Istrleu, Görz.) 

Ornithologische Anmerkungen zu einem Besuche der Grazer 
i-arkanlagen. — Orn. Monatsber., XX, 1912, Nr 9 n 141_ 
144. (Steierm.) ' ' 



]^g(5 V. Ritt. V. Tschusi zu Schmidhoffen. 

Brodskt L. E. Stepokur kirgizsky. (Steppenliulm.) (In biol. und 

jagdl. Bez.). - Lov. Obzor, XV, 1912, p. 228. (Böhm.) 
Buchs'teiner, H. Schonung des Adlers und Uhus. — St. Hubertus, 

I, 1912, Nr. 2, p. 12. (Steierm.) 
Burg G V Katalog der Schweizerischen Vögel von Th. Studer 
und V. Fatio, bearb. im Auftrage des Eidg. Departements des 
Innern unter Mitwirkung zahlreicher Beobachter in allen Kan- 
tonen. - Basel, 1912, Lief. IX, Rötel, p. 1287-1584, mit 
Karte XX. (Vorarlb. [Bodenseegeb.], part.) 
Cecconi, V. Wo nistet die Waldschnepfe? — Wild u. Hund, XVHI, 

1912, Nr. 29, p. 521. (N.-Ö.) , ^ , i 

Cermäk, J. Motäk jizni. (Circus macrums in Starkenbach erlegt.) 

- Lov. Obzor, XV, 1912, p. 28. (Böhm.) 
Chalusch, R. Meine zahme Waldschnepfe. (Ein Beitrag zur Bio- 
logie unserer Waldschnepfe, Scolopax riisticiila L.) — Gef. W., 
XLI, 1912, Nr. 12, p. 89-90; Nr. 13, p. 97-99; Nr 14, 
p. 105-106; Nr. 15, p. 113-114; Nr. 16, p. 121-122. 

_ £m^*'ogelzug (im Wiener Wald). - Ibid., XLI, 1912, Nr. 17, 

p. 134—135. (N.-Ö.) 
Chlebovsky, A. Öerveny havran. (Roter [Saat-] Rabe.) - PHroda, 

X 1912, p. 241. (Mähr.) 
_ Lelek. (Nachtschwalbe.) - Ibid., X, 1912, p. 241 (Miüm) 

- Kulik zlat>^. (Regenpfeifer in Scharen.) — Ibid., X, l^i^, 
p. 241. (Mähr.) . ^ ^ , ^ 

Csörirev T Der praktische Vogelschutz in Ungarn in den Jahren 
19U/12. - Aquila, XIX, 1912, p. 373-398. (Ungarisch und 
deutsch.) (Unj?.) 

Djivid, M. Ein Krauskopfpelikan (in Földv/ir). - Aquila, AlA 
1912 p. 465. (Ungarisch und deutsch.) (Uii^.) 

- Kampf eines Storches mit Adlern. - Ibid., XIX, 1912, p. 4Ö7 
(Ungarisch und deutsch.) (ün^,^) 

Dorning, Dr. II. A magtörörol 6s mdsr61. (Vom Tannenhäher etc, 
- Zool. Lap., XIV, 1912, p. 45-4(;. (Uii^^) 

- M6g cgyszcr a maglöriTol 6h a „mcgfigycl^sekröl . (^««»j «"^ 
mal Uber den Tanncnhäher und die „Beobachtungen ^) - Ibia 
XIV, 1912, p. 57. (Uiig.) 



Orn. Literatur Österr.-Ungarns, Bosniens und der Herzegowina 1912. 187 



Dorning, Dr. H. A hermelinröl meg a magtorörol. (Vom Hermelin und 
vom Tannenhäher.) — Zool. Lap., XIV, 1912, p. 115. (Ung-.) 
Dregely, A. A feszekodvak eredmeuye. (Resultate der Nisthöhlen.) 

— Ällatv6delem, IX, 1912, p. 110. (Uug-.) 

Edelbauer, A. Interessanter Tod einer Waldschnepfe. — St. Hubertus, 

I, 1912, Nr. 1, p. 16. (Mähr.) 
Ed er, R. Über das Auftreten des Tannenhehers in Mödling bei 

Wien. — Orn. Jahrb., XXIII, 1912, Nr. 3/4, p. 149—150. 

— Der Alpenmauerläufer als Wintergast in Mödling. — Deutsches 
Wochenbl. (Mödling), H, v. 22/.XII. 1912, Nr. 53, p. 4. (N.-Ö.) 

Entz, G. (sen.) A kakuktojas szinbeli alkalmazkoddsa. (Anpassung 
der Farbe des Kuckuckeies.) — Term. Tud. Közl., XLIV, 
1912, p. 403—404. (Ung.) 

E. P. Steinadlerfang (Mürzsteg). — Mitteil. d. n.-ö. Jagdsch.-Ver., 

XXXIV, 1912, Nr. 1, p. 29—30. (Steierm.) 
Erhartic, S. Von der Frechheit des Sperbers. — Deutsche Jägerz., 

LIX, 1912, Nr. 9, p. 125. (Steierm.) 
Erker, Gr. Stare im Jänner. — St. Hubertus, I, 1912, Nr. 3, p. 3. 

(Kraiii.) 

Eschenberg. Aus Ungarn. (Schnepfenstrich.) — Deutsche Jägerz., 
LIX, 1912, Nr. 8, p. 107. (Ung.) 

— Vergiftetes Wildbret. (Wachteln.) — Ibid., LIX, 1912, Nr. 9, 
p. 125. (Ung.) 

— Aus Ungarn. — Ibid., LIX, 1912, Nr. 15, p. 220. (Ung.) 

— Neue Untersuchungen über die Nahrung der Eulen. (Nach Dr. 
E. Greschik a. d. „Aquila".) — Ibid., LIX, 1912, ifr. 18, 
p. 269—270. (Ung.) 

— Jagdliche Rückblicke aus Ungarn. — Ibid., LIX, 1912, Nr. 24, 
p. 365. (Ung.) 

F. Der Waldkauz im Backofen. — Österr. Forst- u. Jagdz., XXX, 

1912, Nr. 43, p. 371. (Krain.) 

Fazakas, G., Adatok a Nucifraga kerd6shez. (Daten zm Nucifraga- 
Frage.) — Zool. Lap., XIV, 1912, p. 115. (Ung.) 

Fernbach, K. v. Hasznos madaraink indokolatlan pusztitasa. (Un- 
begründete Vertilgung unserer nützlichen Vögel.) — Vadäszlap, 
XXXIII, 1912, p. 435—436. (Ung.) 



188 



V. Ritt. V. Tschusi zu Schmidhoffen. 



F ein b ach, K. v. Vogelschutz in Babapuszta. — Aquila, XIX, 
1912, p. 399—407. (Ungarisch und deutsch.) (üiig.) 

F. H. Vom Vogelzug. (Chozimierz.) — DieTierw., XI, 1912, Nr. 7, p.56. 

Fodor, A. A törv6nyhatösägok madarvedelmi körrendeletei. (Vo- 
gelschutzverordnungen der Municipien.) — Zool. Lap., IX, 1912^ 
p. 23. (Uiig.) 

F. P. Aus dem Kiistenlande. {Scolopax im Januar.) — Waidmh., 

XXXII, 1912, Nr. 4, p. 89. (Istr.) 

— Ornithologisches aus dem südlichen Böhmerwald. — Mitteil. d. 
n.-ö. Jagdsch.-Ver., XXXIV, 1912, Nr. 9, p. 401-402. (Böhm.) 

Franz, K. Aus dem Salzburgischen. (Möwen a. d. Salzach.) — 
Waidmh., XXXII, 1912, Nr. 3, p. 62. (Salzb.) 

— Vom Grünspecht. — Ibid., XXXII, 1912, Nr. 18, p. 431. 
Fromm, G. Adatok a magyar madarvedelem tört^netehez. (Daten I 

zur Geschichte des ungarischen Vogelschutzes.) — Zool. Lap., 
XIV, 1912, p. 248—249, 260—261. (Ung.) 
Führer, L. v. Erdei szalonka-vadäszat a delnyugati Baikanon. (Wakl- 
schnepfenjagd auf dem südwestlichen Balkan.) — Vadaszlap, 

XXXIII, 1912, p. 395-396. (Bosii., Herzcg.) 

— Der Zwerghabicht (Äsüir hrevipes Seew.) und der krausköpfige 
Pelikan {Pelecanus crispus Bruch) in Siebenbürgen erlegt. — 
Orn. Jahrb., XXIII, 1912, Nr. 3/4, p. 148— 149. (Sicbeiib.) | 

G. Zum Wanderzug des Tannenhähers in Ungarn. — Jägerz. B. u.M., | 

XXIII, 1912, Nr. 4, p. 101. (Uli?»-.) 
Ga/il, St. V. Vogelschutz in Ungarns Mittelschulen. — Aquila, XIX, 

1912, p. 415— 424. (Ungarisch und deutsch.) (Uii?>'.) I 
Gammel, A. Ihiteo ferox. — Aquila, XIX, 1912^ p. 464. (Unga-| 

risch und deutsch.) (Uiifi;.) i 
^illick, J. Vadliba-hajtas. (Wildgans- Jagd.) — Vadaszlap, XXXIII, 

1912, p. 300- 302. (lJn^,^) 
Greschik, E. Mikroskopische Anatomie des Enddarmes (Icr Vögel. 

— Aquila, XIX, 1912, j). 210— 2(;9 mit Tab. 1 und zahlr. 

'J'extabb. (Ungarisch und deutsch.) 

— Notiz. (Fingcrniigel.j — Ibid., XIX, 11)12, p. 451. (Ungarisch 
und dcutHch.j (lliiy;.) 

Had'Ai, J. Kef. Uber Prof. Dr. M. Ilirtz, „Kritische; VcrbcHserungen 
und ZuHützc zum Verzeichnis der Vögel der kroatischen Fauna". 



Or„. Literatur Österr.-Uuyarus, Bosuicus und der Herzesjowina 1912. 189 

Haffner, A Populäre Eaubvogelbestimmung ohne Zuhilfenahme 
wissenschaftlicher Werke. - Wien, 1912 8° mit 26 Abb 

Halb hu her, K. Ornithologick6 pom6ry v Povltavi'. (Ornithologische 
Verhältnisse m der Jloldaugegend südlich von Pra-) - Cesk 
Myslivost, XV, 1912, Nr. 7, 8, (Böhm.) 

YU ^/„f"'" TaMenheherzug (Iglau). _ Mitteil, (i. d.Vogelw., 
XII, 1912, Nr. 4, p. 85. (Mähr.) ' 
Halmay, M Krönika. (über Großtrappe, Wildgans etc.) - Zool 
Lap., XIV, 1912, p. 85-86, 99-101, 109-110 (ün<. ) 

- Hazai madaraink näszruhäjäröl. (Das Brautkleid unsererVöoel ) 

- Ibid., XIX, 1912, p. 187-188. (üng.) 

Hapla, F. Orel mohkf. (Seeadler bei Lundenburg, 22 /III 1919 ) 

- Loy. Obzor, XV, 1912, p. 156. (Mähr.) ' 
Haugwitz, H. Orel skalni. (Steinadler bei Namiest, 22/1 1912) 

- Loy. Obzor, XV, 1912, p. 60. (Mähr.) ' 
Hegyfoky, J. Wie der Vogelzug „exakt" zu erforschen wäre - 

Aquila, XIX, 1912, p. 24-42. (Ungarisch und deutseh) ' 

- Der Vogelzug und die Witterung im Frühling des Jahres 1911 

Ibid., XIX, 1912, p. 151-165. (Ungarisch und deutsch.) (Uns.) 

iHeidler, F. Frühlingsboten. - St. Hubertus, I, 1912 Nr 5 n iV 
I (Bosn.) ' ■ f- - 

jHerman, 0. Eine Skizze des Standes der Ornithophaenologie - 
I Aquila, XIX, 1912, p. 1-15. (Ungarisch und deutsch.) ' 
Herrenschwand, L. y. Die Amsel als Stadtbewohnerin. - Die 

Tierw., XI, 1912, Nr. 10, p. 80. (Kämt.) 
Hesse, E. Nochmals das Erscheinen von Raubmöwen im Binnen- 
lande während des Herbstes 1909. — Orn. Jlonatsber XX 
1912, Nr. 3, p. 37-38. (Salzb., part.) 
Weitere Bemerkungen zu den ßaubmöwen des Herbstes 1909 
^912, Nr. 12, p. 188-189. (Böhm., Kroat.) 
iirtz, M. Kritische Verbesserungen und Zusätze zum Verzeichnis 
der Vögel der kroatischen Fauna. — Orn. Jahrb., XXIII 1912 
Nr. 1, 2, p. 16-39. (Kroat., Slawoii., Dalm.) 
Zu Fratercula arctica auf der Adria. — Ibid., XXIII 1912 
Nr. 3/4, p. 150. (Dalm.) 



190 V. Ritt. V. Tschusi zu Schmidlioffen. 

Hofmanu, G. Husa velkd cf. (Änser cinereus cT bei ßez erlegt.) 
— Lov. Obzor, XV, 1912, p. 76. (Böhm.) 

— Luiiak cerveny. {Milvns milvus bei Uhrinöves erlegt.) — Ibid., 
XY, 1912, p. 284. (Böhm.) 

— Ustricnik obecny. (Haematopus ostralegtis am 29./IX. 1912 im 
Hrusicer Revier erlegt.) — Ibid., XV, 1912, p. 363. (Böhm.) 

Hold haus, K. Kritisches Verzeichnis der boreoalpinen Tierforraen 
(Glazialrelikte) der mittel- und stideuropäischen Hochgebirge. 
— Ann. k. k. naturh. Hofmus. Wien, XXVI, 1912, Nr. 3-4, 
p. 399—440; Vögel, p. 431—432. (Österr.-Uiig., part.) 

Hötay, F. Vorkommen des Aasgeiers. — Aquila, XIX, 1912, 
p. 458—459. (Ungarisch und deutsch.) (Ung.) 

Jelinek-Malsovsky, J. Sluka otavni. (Gallinago galUnago. Jagd- 
liches.) — Lov. Obzor, XV, 1912, p. 57. (Böhm.) 

— Mnoho kulikü ricnich a 17 jespdkü bojovnj^ch. (Viele Fluß- 
regenpfeifer und 17 Kampfhähne.) — Ibid., XV, 1912, p. 156. 
(Böhm.) 

Jeloönik, V. Krains jagdbare Federwildarten. — Hugos Jagdz., 
LV, 1912, Nr. 3, p. 49-52; Nr. 4, p. 80—87. (Kraiii.) 

— Krains Waldhühnerjagd. — Waidmh., XXXII, 1912, Nr. 9, 
p. 195—198. (Krain.) 

Jefabek, J. Pocho}). (Circus aeruginosus. Biologisches.) — Svöt 

zvifat, XVI, 1912, p. 302. (Böhm.) 
.lirasek. Reiche Schnepfenbeute (in Nustar). — Waidmh., XXXII, 

1912, Nr. 2, p. 42. (Slawoii.) 
Jourdain, F. C. R. Migration of Slender-billcd Nutcrakers. — On 

tlic Continent. (Nach v. Tschusi in „Urania".) — Brit. Birds, 

V, 1912, Nr. 9, p. 244. (Österr.-Uiii?., part.) 
.1. I'. kori.sti i steti nekih grabilica. (Über den Nutzen und 

Schaden einiger Raubvi)gel.) — Lovacko-ribarski Vjestnik, 

XXI, 1912, Nr. 2, p. 14—18. 
K. 'i annonhchcrzug (nach v. Tschusi). — Mitteil. Sekt. Naturk. 

O. Tour. (n., XXIV, 1912, Nr. 8/9, ]>. 62. (Östcrr.-Uii?^., part.) 
Kadocsa G, Vet^sek mcgvcd^Hc a varjak eilen. (Schutz der Saat 

-i'-i'u Krilhcn.) — KcV/iclck, XXli, 1912, I, ]). 910. (\]\\^.) 
Kai.icson. (i. V., Wint(;rflltt(;ning und |{cl)(;nvvickl(M'. — A(iuila, 

XIX i:n2, p. 456. (Ongariscli und deulHch.) (lJIl^^) 



Orn. Literatur Österr.-Uiigarus, Bosnieus und der Herzegowina 1912. 191 

Karäsek, J. Kdnö-skodnou? (Ist der Bussard schädlich^) — Lov 

Obzor, XV, 1912, p. 236. (Böhm.) 
Karl, J. Seltener Gast. (Bekassine in St. Johann, 19 /II ) — 

Waidmh., XXXII, 1912, Nr. 6, p. 139. (Tirol.) 
Kienzer. Frühlingsboten. — St. Hubertus, L 1912 Nr 6 n 11 

(Mähr.) ' • P- 

Kiss zu Nemesker, G. v. Massenhaftes Überwintern der Wald- 
schnepfe (in Futak 1912). - Aquila, XIX, 1912, p. 465 (Un- 
garisch und Deutsch.) (üng.) 

Klemenc, F. Rackelhahn (in Zwischenwässern erlegt) — Waidmh 
XXXII, 1912, Nr. 10, p. 238-239. (Krain.) 

Klimsch, 0. Abnormes Frühjahr. (Ankunftszeit der Feldlerchen in 
St. Veit a./Glan.) - Die Tierw., XI, 1912, Nr. 8, p. 61. (Kämt.) 

Knauer, F. Das Ringexperiment und die Jagd. — Hueo's Ja^dz 
LV, 1912, Nr. 9, p. 197-201. . 

— Das Ringexperiment im Dienste der Vogelzugforschung — 
Centralbl. ges. Forstw., XXXVIII, 1912, Nr. 11, p 496-516- 
Nr. 12, p. 568—575. 

Knözourek, K. Djtik. {Oedicnemus oedicnemus bei Caslau tot 
gefunden.) — Lov. Obzor, XV, 1912, p. 28. (Böhm.) 

— tuhycich. (Über die Würger. Biologische Studie.) — Häi 
XLI, 1912, p. 38. (Böhm.) 

— Sokol stehovav;^ 9 ml. {Falco peregrinus bei Skovic erlegt ) — 
Lov. Obzor, XV, 1912, p. 60. (Böhm.) 

— 17 lednäckü. (17 Eisvögel [tot, erfroren] bei Caslau.) — Ibid 
XV, 1912, p. 60. (Böhm.) 

— skorci vodnüm. (Über die Wasseramsel. Biologisches). — Häi 
XLI, 1912, p. 71. (Böhm.) 

— krivkäch a jich vyznamu v lese. (Über die Kreuzschnabel 
und ihre Bedeutung für den Wald.) — Ibid., XLI, 1912, p. 88. 

— Postolka rudonoha (Falco vespertinus wurde bei Cäslau erlegt.) 

— Lov. Obzor, XV, 1912, p. 188. (Böhm.) 
■ mandeliku. (Über die Blauracke. Biologisches.) — Häi XLI 

1912, p. 230. (Böhm.) ^ , 

— Vzäcny ülovek. (Seltene Jagdbeute, 24./VI. 1912 wurde Nuci- 
fraga car. macrorh. auf Vedralka [330 m ü. M.] geschossen.) 

— Lov. Obzor, XV, 1912, p. 251. (Böhm.) 



192 



V, Ritt. V. Tschusi zu Schmidhoffen. 



Kochwasser, R. Ein neuer Wanderzug des sibirischen Tannen- 
hehers nach dem Westen (Nagyszalancz). — Waidmh., XXXII, 
1912, Nr. 2, p. 42. (üng\) 

Köhler, K. Die Färbung des Bussards. — Mitteil. ü. d. Vogelw., 
XII, 1912, Nr. 2, p. 35. 

— Anpassung an neue Wohngebiete. — Ibid., XII, 1912, Nr. 6, 
p. 131. (Schlcs.) 

— Tannenheher a. d. Heidelkoppe. — Ibid., XII, 1912, Nr. 11, 
p. 245. (Schles.) 

Kohl, E. Ist die Krähe nützlich oder schädlich? — 8t. Hubertus, 
I, 1912, Nr. 7, p. 5-6. (N.-Ö.) 

Kgl. U. 0. C. Ergänzungsdaten zur Invasion von Nucifraga caryo- 
catactes macrorliynclia nach Ungarn im Jahre 1911. — Aquila, 
XIX, 1912, p. 462—463. (Ungarisch und deutsch.) (üng.) 

— Schwäne im Bdcser Komitat. — Ibid., XIX, 1912, p. 464. 
(Ungarisch und deutsch.) (Uiig.) 

— Lantus Senator L. — Ibid., XIX, 1912, p. 464. (Ungarisch 
und deutsch.) (Ung.) 

— (Nicht) Farra jacana in Ungarn (sondern Galliniila clüoro- 
Xnis in Ungarn). — Ibid., XIX, 1912, p. 465. (Ungarisch und 
deutsch.) (Ung.) 

Kofier, A. Elektrizität als Kaubzeugvertilger. — Waidmh., XXXII, 

1912, Nr. 22, p. 525. (Tirol.) 
Koller, 0. Weiße Bekassine. — Orn. Jahrb., XXIII, 1912, Nr. 5/6, 

p. 230. (Ol).-Ö.) 

Koniarowka, B. (Erste Schnepfe am 7. /III.) — Deutsche Jägerz., 

LIX, 1912, Nr. 2, p. 30. (Giiliz.) 
Kotta, J. Nucifragaröl. (Ober Nucifraga.) — Zool. Lap., XIV, 1912, 

p. 93. (IJny:.) 

Kovj'its, L. A madArv^dclem k(:;rd(''s61iez. (Zur Fra^;c des Vogel- 
schutzes.) — VadAszlap, XXXIII, 1912, p. 32H. (Uno-.) 
K. II. Weiße Sclmepfe. ~ Waidml)., XXXII, 1912, Nr. 15, p. 359. 

Lambrcclit, K. Der Vogelzug in Ungarn im Frlilijahre 1911. — 
Aquila, XIX, 1912, p. 43—150. (Ungarisch und deutscli.) (Un^r.) 
— - FoHHilc Vi'.gcl des liorsoder Bllkkgebirgcs. - Ibid., XIX, 1912, 
p. 270—320, mit Tab. II -IV. (Ungariscli und deutscli.) (Ung.) 



Orn. Literatur Österr.-Ungarns, Bosniens und der Hei*zegowina 1912. 193 



Langhoffer, A. Iskar korisne divljaei i lovu stetnih zivotinja pou- 
bijenih v Hrvatski i Slavoniji 1901—1910. (Ausweis über 
das in Kroat.-Slav. 1901 — 1910 erlegte nützliche und schäd- 
liche Wild, mit Begleitwort.) — Lovacko-ribarski Vjestnik, 
XXI, 1912, Nr. 11, p. 122—124. (Kroat., Slawon.) 

— Jos malo ir statistike lova. (Noch etwas aus der Jagdstati- 
stik.) — Ibid., XXI, 1912, Nr. 12, p. 134—135. (Kroat., 
Slawon.) 

Laube, G. C. Vogel- und Reptilienreste aus der Braunkohle von 

Skiritz bei Brüx. — Lotos, LVIII, 1910, Nr. 4, p. 115—120, 

mit Taf. I. (Böhm.) 
Lauzil, K. Vogelliebhaberei und Vogelhandel in Österreich. — 

Gef. W., XLI, 1912, Nr. 9, p. 65—66; Nr. 10, p. 81—83. 

(Österr.) 

— Der Tannenheher in den österreichischen Alpen. — Orn. 
Monatsschr., XXXVIl, 1912, Nr. 5, p. 237— 240. (Steierm.) 

Lendl, A. Faunistische Daten. — Aquila, XIX, 1912, p. 463. 

(Ungarisch und deutsch.) (llüg.) 
Loos, K. Ornithologische Beobachtungen in der Umgebung von 

Liboch. — Aquila, XIX, 1912, p. 465 — 469. (Ungarisch und 

deutsch.) (Böhm.) 

— Raubzeug -Vertilgung und Hege. — Deutsche Jagdz. für Böhmen, 
1912, Sep. 4pp. 

— Das Auftreten des Tannenhähers in Böhmen während des 
Herbstes 1911. — Orn. Jahrb., XXHI, 1912, Nr. 3/4, p. 133 
—141. (Böhm.) 

— Das Vogelleben am Libocher Parkteich. — Mitteil. ü. d. Vogelw., 
XII, 1912, Nr. 12, p. 249—250, mit Textb. (Böhm.) 

— Ein Wort zu Gunsten der Wasseramsel und des Eisvogels. — 
Vereinsschr. f. Forst-, Jagd- und Naturk., 1912/13, 1. H., p. 19 
-21. (Böhm.) 

Luzecki, J. Neue Vogelzugforschungen seit 1905. — Der Forscher, 

1912, Nr. 5/6, p. 53—55. (Bukow.) 
Maday, J. v. MadArv6delem Ausztridban. (Vogelschutz in Osterreich.) 

— Ällatv6delem, IX, 1912, p. 115—116. (Österr.) 

— Förderung des Vogelschutzes im Wege der Gesellschaft. — Aquila, 
XIX, 1912, p. 425—430. (Ungarisch und deutsch.) (Uiig.) 

z.B. Ges. 63. Bd. 13 



194 



V. Ritt. V. Tschusi zu Schmidhoffen. 



Marek, M. Vom Herbstzug der Rauchschwalben im Jahre 1911. 

— Orn. Jahrb., XXIII, 1912, Nr. 1, 2, p. 58—65. (Slawen.) 

— „Nehmen die Waldschnepfen in den Niederungen ab?" — 
Hugo's Jagdz., LV, 1912, Nr. 9, p. 202-203. (SlawoTi., part.) 

— Zur Schnepfenforschung. — Waidmh., XXXII, 1912, Nr. 10, 
p. 232—235. 

Matl, K. Morcak prostfedni. {Mergus serrator bei Rajhrad, 25. /l. 

1912.) — Lov. Obzor, XV, 1912, p. 91. (Mähr.) 
Matrai, J. A gölyarol. (Vom Storch.). — Zool. Lap., XIV, 1912, 

p. 22. (üng.) 

Mauks, W. Troglodytes troglodytes (L.). — Aquila, XIX, 1912, 

p. 456. (Ungarisch und deutsch.) (Uiig.) 
Meduna, K. Nepfatel^ vran. (Die Krähenfeinde.) — Lov. Obzor, 

XV, 1912, p. 55. (Böhm.) 
Menesdorfer, G. Vogelzugsdaten vom Frühjahr 1912 aus Budua. 

— Aquila, XIX, 1912, p. 469—472. (Ungarisch und deutsch.) 
(Balm.) 

Michel, J. Unser jagdbares Federwild. XVIII. Die Ringelgans 
[Branta hernicla (L.)]. - Waidmh., XXXII, 1912, Nr. 4, p. 81— 
82, mit Originalabb. — XIX. Die Weißwangengans [Branta 
leucopsis (Bebst.)]. — Ibid., XXXII, 1912, Nr. 6, p. 131—134, 
mit Originalabb. — XX. Die Brandgans [Tadorna tadorna (L.)]. 

— Ibid., XXXII, 1912, Nr. 10, p. 230—232, mit Originalabb. 

— XXI. Die Rostgans [Tadorna casarca (L.)]. — Ibid., XXXII, 
1912, Nr. 14, p. 327—328, mit Originalabb. 

M ilialovits, Ö. Mergczett flirjek. (Giftige Wachteln.) — Vadäszlap, 

XXXIII, 1912, p. 92. (Un?;.) 
Mikoletzky. Frlihjahrsreminiszenzen 1912 (Maros -V/is/irhely). — 

Waidmh., XXXII, 1912, Nr. 20, p. 4H1-482. (Uli??.) j 
Milesovsky, 0. Koroptev na stohu. (Auf einem Strohschober ' 

brIltcndcH Rebhuhn.) — Lov. Obzor, XV, 1912, p. 251. (Böliiii.) 
MintuH, A. Gefiederte Wintcrgiiste bei Wien. — Die Tierw., XI, 

1912, Nr. 8, p. 00-61. (\.-Ö.) 

— Die Singdrossel als Stadtvogel. Ibid., XI, 1912, Nr. 14, 

p. in;. (N.-ö.) Ii 

— Die Vogel weit des Rraters. Mitteil. II. d. Vogclw., XII, 1912,' 
Nr. 5, p. 93 98; Nr. 6, p. 114 -118. (N.-<>.) 



Orn. Literatur Österr.-Ungarns, Bosniens und der Herzegowina 1912. 195 



Mintus, A. Über den Tannenhäher 1811/12 im Wiener Becken. 

. — Orn. Jahrb., XXIII, 1912, Nr. 5/6, p. 210—212. (N.-Ö.) 
Mohelnitzky, R. Vom Tannenheherzuge aus dem ungarischen 

Erzgebirge. — Waidmh., XXXII, 1912, Nr. 5, p. 118. (Ung.) 
Monostori, K. A szobai madarak v6rsziv6 ellensegei. (Blutsaugende 

Feinde der Stubenvögel.) — Allatvedelem, IX, 1912, p. 99. 

— Az „Antispatz" nevü cinege eteto. (Der Meisen-Futterapparat: 
Antispatz.) — Ibid., IX, 1912, p. 109—110. 

Morawitz, J. Vom Schnepfenzug (Mdrzfalva). — Waidmh., XXXII, 

1912, Nr. 6, p. 141. (üng.) 
Morgan, C. Österreich-Ungarns neue Jagdländer Bosnien und die 

Herzegowina. — Deutsche Jägerz., LIX, 1912, Nr. 43, p. 600 — 

663. (Bosii., Herzeg.) 
Müller, A. Allerlei. (Hohenau.) — Deutsche Jägerz., LIX, 1912, 

Nr. 10, p. 142. (N.-Ö.) 
Nagy, E. Ornithologische Beobachtungen auf den Vulkanen Italiens 

im Juni 1911. — Aquila, XIX, 1912, p. 459. (Ungarisch und 

deutsch.) (Kroat., part.) 
Nagy, J. Az 1894 evi XII. t. c. madarv6delmi rendelkezesek v6gre- 

hajtdsa. (Das Gesetz 1894: XII. zur Ausführung des Vogel- 
schutzes.) — Zool. Lap., XIV, 1912, p. 175—176. (üng.) 
N6her, A. Aus dem südlichen Ungarn (Bellye). — Mitteil. ü. d. 

Vogelw., XII, 1912, Nr. 8, p. 175. (üiig.) 
Neub. Trottellume [?!] erlegt. — St. Hubertus, I, 1912, Nr. 2, 

p. 14. (Steierm.) 
Neukirchner, F. Schnepfe mit verkrümmtem Schnabel. — Waidmh., 

XXXII, 1912, Nr. 1, p. 18. (Böhm.) 

— Aus dem Erzgebirge. — Ibid., XXXH, 1912, Nr. 9, p. 215. 
(Böhm.) 

Noggler, J., Ankunfts- und Abzugsdaten aus Mariahof 1911. — 
Orn. Jahrb., XXIH, 1912, Nr. 5/6, p. 212—215. (Steierm.) 

0. Vom Schnepfenzuge. — Weidw. u. Hundesp., XVII, 1912, Nr. 7, 
p. 8. (Slawon.) 

Obertgüski, Z. R. v. Frühjahrsbeobachtungen (aus Kalksburg). — 
Gef. Welt, XLI, 1912, Nr. 22, p. 175. (N.-Ö.) 

Oprean, G. Schnepfe mit Schußverletzung. — St. Hubertus, I, 1912, 
Nr. 3, p. 13. (Siebenb.) 

13* 



196 



V. Ritt. V. Tschusi zu Schmidhoffen. 



Ornithologisches Jahrbuch. Organ für das paläark tische Faunen- 
gebiet. Herausgegeben und redigiert von Vikt. Ritter v. Tschusi 
zu Schmidhoffen. — Hallein, 1912, XXIH, 6 Nrn. Lex.-8o. 
VI + 247 pp. 

Pabisch, H. Wildgänse (bei Gmünd). — Waidmh., XXXII, 1912, 

Nr. 21, p. 502. (N.-Ö.) 
Panzner, K. Frühlingsboten (Lerchen 20./I. in Wartenberg). — 

Jägerz. B. u. M., XXIII, 1912, Nr. 5, p. 126. (Böhm.) 

— Tabelle zum richtigen Bestimmen der Würgfalken und Wander- 
falken. — Ibid., XXm, 1912, Nr. 7, p. 179—181. 

— Ornithologische Seltenheiten (Wartenberg). — Ibid., XXIII, 
1912, Nr. 19, p. 514. (Böhm.) 

— Wegzug unserer ersten Sommervögel (Wartenberg). — Ibid., 
XXHI, 1912, Nr. 19, p. 514. (Böhm.) 

Pilsztor, A. Massenzug des Bergfinken (1911). — Aquila, XIX, 

1912, p. 457—458. (Ungarisch und deutsch.) (üiig.) 
Pavlicek, K. Neobvykle hnizdo. (Ungewöhnliches Taubennest.) — 

Lov. Obzor, XV, 1912, p. 204. (Böhm.) 
Pawlas, J. Die Klein vögel und der rotrückige Würger. — Aquila, 

XIX, 1912, p. 451—455. (Ungarisch und deutsch.) (Uiig.) 
Peiter, W. Zwei seltene Gäste aus dem Norden (Tannenheher und 

Seidenschwanz). — Kaaden. Zeit., 1911, Nr. 88. (Böhm.) 
Piffl, H. Die Jagd in Kroatien. — Weidm., XLIII, 1912, Nr. 22, 

p. 340—342, mit Bild (brütende Pelikane). (Kroat.) 
Planöi6, J. koristi i steti nekih vrsti porodicc gavrana. (Uber 

den Nutzen und Schaden einiger Rabenvögel.) — Lovac.-ribar. 

VjcHtnik, XXI, 1912, Nr. 5, p. 50-52. (Kroat., Sliiwoii.) 
Pia/. J. Of. Ober das Brüten der Wachliolderdrossel (Turdtis 2^il(i'l 

ris L.j in der Umgebung- Salzburgs. — Orn. Jahrb., XXIII, 

1912, Nr. 1, 2, p. 08—71. (Salzb.) 
i'odliajsky, K. Skorcc vodiii sevcnii cili ccrnobMcliy (Cinclus c 

mfdunofjasfrr hc'i Lcitomisclil erlegt). — Lov. Obzor, XV, 1912, 

p. 70. (Böhm.) 

— Koroptcv plak iiorniV (Das Reblmlin ein N.'ichtvogcl?) — Ibid., 
XV, 1912, p. 218. (Böhm.) 

Pr»fcrK F. Wanderbllliner (im jMnhlviertel). — Mittcil. d. n. i». 
JagdHcb. Vcr., XXXiV, 1912, Nr. 12, p. 523. (Ob.-Ö.) 



Orn. Literatur Österr.-Ungarns, Bosniens uud der Herzegowina 191'J. 197 



Preleuthner, L. Auerhabnbalz im Juli. — Mitteil. d. n.-ö. Jagdsch.- 
Ver., XXXIV, 1912, Nr. 9, p. 401. (Kämt.) 

Prokop, J. L. Dolazak i prezimljenje sljuka. (^Ankunft und Über- 
winterung der Waldschnepfen.) — Lovac.-ribar. Vjestnik, XXI, 
1912, Nr. 3, p. 34. (Kroat.) 

Ptz. Der Schnepfeuzug (im Friibjabr in Österreich-Ungarn). — 
AVaidmh., XXXII, 1912, Nr. 10, p. 239. (Österr.-Ung.) 

r. Frühe Balz (Auerhahn 14./IIL). — Österr. Forst- u. Jagdz., XXX, 
1912, Nr. 12, p. 106. 

R. Jedna holest sljuka. (Eine Schnepfenkrankheit.) — Lovac.-ribar. 
Vjestnik, XXI, 1912, Nr. 4, p. 46. 

— Nova istrafivanja o hrani sova. (Neue Untersuchungen über 
die Nahrung der Eulen.) Bericht über Dr. E. Greschiks Unter- 
suchungen. — Ibid., XXI, 1912, Nr. 10, p. 119—120. (Ung.) 

Eäcz, B. Gölya es szarkak. (Storch und Elstern.) — Zool. Lap., 

XIV, 1912, p. 261. (Tilg.) 
Radetzky, D. Von Sperlingen getütete Meise. — Aquila^ XIX, 

1912, p. 455. (Ungarisch und deutsch.) (Ung.) 
Rasser, F. Früher (Nacht-) Wanderzug (über Graz). — Waidmh., 

XXXII, 1912, Nr. 18, p. 431. (Steieriii.) 
Reischl, A. Vom heurigen Vogelzuge. — St. Hubertus, I, 1912, 

Nr. 12, p. 14. (Mähr.) 
R. F. Vom Tannenheher (20./I1I. 1912 in Mödling). — Waidmh., 

XXXII, 1912, Nr 8, p. 188. (X.-Ö.) 
Riegler, W. Nichtstreichen der Schnepfen vor einem Wettersturz. 

— Wild n. Hund, XVHI, 1912, Nr. 16, p. 2<^6. (X.-Ö.) 

— Späte Brut der Waldschnepfe in den Alpen. — Mitteil. d. n.-ö. 
Jagdsch.-Ver., XXXIV, 1912, p. 403. (Steierm.) 

— Zwei alte Schnepfen bei der Brut. — Wild u. Hund, XVIII, 
1912, Nr. 37, p. 660—661. (Steierm.) 

— Vom Gleichgewichtsgefühl der Vögel. — Ibid., XVHI, 1912, 
Nr. 37, p. 664. (N.-Ö.) 

Ries, A. Die Züge des Stares (Sturmis vulgaris L.) in der Bam- 
berger Landschaft im Beobachtungsjahre 1911. — Verb. d. 
Orn. Ges. Bayern, XI, 1912, Nr. 1, p. 153—155. (Tirol, part.) 

Rößler, E. Im östlichsten Winkel Slawoniens. — Orn. Jahresber., 
XXIII, 1912, Nr. 2/3, p. 112—133. (Slawon.) 



198 



V. Ritt. V. Tschusi zu Schmidh offen. 



Rößler, E. Hrvatska Ornitoloska Centrala, XI, 1911. — Zagreb, 
1912, Lex.-8°. 83 pp. 

— cfr. Babic, K. 

Le Roi. Oriiitliologiscbe Notizen aus dem Böbmerwalde. — Oni. 

Jabrb., XXIII, 1912, Nr. 1,2, p. 39—45. (Böhm.) 
Röna, J. A fakokeselyu elöfordulAsa Baranyaban. (Vorkommen 

von Gyps fiilviis im Komitat Baranya.) — Term. Közl, XLIV, 

1912, p. 531—532. — Vaddszlap, XXXIII, 1912, p. 399. (Ung.) 
S. Über die Freclibeit des Sperbers. — Waidmb., XXXII, 1912, 

Nr. 19, p. 457-458. (Kraiii.) 
Sajovic, Gv. Ornitologicne belezke za Kranjesko leta 1911. (Ornitho- 

logische Notizen aus Krain für 1911.) — Carniola, 1912, Heft 2, 

Sep. 11 pp. (Krain.) 
Sammereyer, II. K crnome moru. (Zum Scbwarzen Meer.) — 

Lovac.-ribar. Vjestnik, XXI, Nr. 7, p. 74—76; Nr. 8, p. 87-92 

(Obedskabara); Nr. 9, p. 98— 100; Nr. 10, p. III— 118; Nr. 11, 

p. 124—130; Nr. 12, p. 135—140. (Kroat., Slawoii., part.) 
Santner, E. Vom Wanderfalken. — Waidmb., XXXII, 1912, Nr. 2, 

p. 42. (Kämt.) 

Sartory, 0. Vom Scbnepfenzug (Kanizsa). — Waidmb., XXXIl, 
1912, Nr. 6, p. 141. (Uiig.) 

Saudera, J. Ranni tok tetreva. (Friilie Auerbabnbalz, IG. /II.) — 
Lov. Obzor, XV, 1912, p. 91. (Böhm.) 

8('bad-Rood valk, F. Die Vogclarten aus der Gegend vom Kumnicr- 
gel)irge bis zur Daubaer Scbvvciz. (Mit besonderer Berücksich- 
tigung der Teicbgebietc von Ilirscbberg i. B. und Ilabstciu- 
Drum.j — Lotos, LX, 1912, Nr. 1, p. 15—24; Nr. 2, p. 38—44. 
(Böhm.) 

Schenk, J. Bericht Ul)er die Vogclmarkierungen der kgl. uiig. Oni. 
Centrale im Jahre 1912. — Aquila, XIX, 1912, p. 321— 368, 
mit Taf. (Ungarisch und deutscli.) (Uiij::.) 

— iMegjclölt hingbagoly. (Gezeichnete Schleiereule.) — Term. Kö/J., 
XLIV, 1912, p. 280. (IJii^.) 

— A vct^Ki varjak idöjoslata. (Wettcrprofezcihungen der Saal 
krilhen.) — ibid., XLIV, 1912, p. 53(). rVadaszlap, XXXIII, 
1912, p. 411— 412.j (Dntr.) 



Orn. Literatur Österr.-Uugarus, Bosuieus und der Herzegowina 1912. 199 



Schenk, J. A verebek hasznos 6s käros volta. (Nutzen und Schaden 
der Sperlinge.) — Term. Közl., XLIV, 1912, p. 731—732. 
(Ung.) 

— A sziberiai magtörö vändorutjai. (Zag des sibirischen Tannen- 
hähers.) — Erdeszeti Lapok, LI, 1912, p. 323—329. (Uiig.) 

— Madarjelöl6s. (Vogelberingung.) — Vasarnapi Ujsäg (Karäcsonyi- 
Album), 1911, p. 43—47. (Uiig.) 

Schiebel, G. Sperber und Fledermaus. — Deutsche Jägerz., LVIII, 
1912, Nr. 46, p. 730. (Steierm.) 

— Ziehen bei der Stockente beide Geschlechter oder hauptsäch- 
lich die Erpel? — Ibid., LVIII, 1912, Nr. 45, p. 708—709. 
(Krain.) 

— Am Horste des Sperbers. — Ibid., LIX, 1912, Nr. 16, p. 236 
—237. (Krain.) 

— Über die Vögel der Insel Arbe (Nord-Dalmatien). 1. — Orn. 
Jahrb., XXIII, 1912, Nr. 3/4, p. 142—148. (Balm.) 

Schimitschek, Ed. Tannenhäher in Mähren. — Waidmh., XXXII, 
1912, Nr. 3, p. 62—63. (Mälir.) 

— Ornithologisches. (Föhren- und Weißbinden-Kreuzschnabel.) — 
Ibid., XXXII, 1912, Nr. 10, p. 239. (Mälir.) 

Schischka, H. Jagdfahrten auf der Donau. — Jägerz. B. u. M., 

XXIII, 1912, Nr. 9, p. 227—232. (üng.) 
Schmidt, V. Frühlingsboten. — St. Hubertus, I, 1912, Nr. 10, p. 13. 

(N.-Ö.) 

Schneebauer, A. Frühlingsahuen (Feldlerchen und Kiebitze am 
18./IV. bei Salzburg! — Mitteil. d. n.-ö. Jagdsch.-Ver., XXXIV, 
1912, Nr. 3, p. 129. (Salzb.) 

Schumacher, S. v. Krähen-Geschichten. — Urania, V, 1912, Nr. 10 
i p. 171—173. (N.-Ö.) 

I Schwarz, F. Jefabek. (Haselhuhn bei Kysperk erlegt.) — Lov. 
Obzor, XV, 1912, p. 316. (Böhm.) 
Schweder, B. Jagdwesen und Vogelschutz. — Ber. d. V. Intern. 
Orn.-Kongr. in Berlin 1910; Berlin, 1912, p. 775—795. — St. Hu- 
bertus, I, 1912, Nr. 14, p. 9—11; Nr. 15, p. 8—11; Nr. 16, 
p. 7—9; Nr. 17, 9—11; Nr. 19, p. 11—12; Nr. 20, p. 9 — 12. 
Seidl, 0. Jesenski prolaz sljuka. (Herbstzug der Waldschnepfe.) 
— Lovac.-ribar. Vjestnik, XXI, 1912, Nr. 3, p. 33—34. (Kroat.) 



200 



V.Ritt. V. Tschusi zu Schmidlioffen. 



Spieß, A. V. A köszdli sas f6szken61. (Beim Horste des Steinadlers.) 
— Vadaszlap, XXXIII, 1912, p. 328—330, 356—357, 368—370. 

— Am Seeadlerhorst. — Deutsche Jägerz., XXXIV, 1912, Nr. 18, 
p. 360-362, mit Abb. (Sicbeiib.) 

— Am Steinadlerhorst. — Waidmh., XXXII, 1912, Nr. 13, p. 297 
—304. (Siebeiib.) 

St. Das Rohrhuhn als Fischereischädling'. — Osterr. Forst- u. Jagdz., 

XXX, 1912, Nr. 27, p. 234. 
Stary, E. Jest tetrivek plachym ptäkem? (Ist der Schildhahn ein 

scheuer Vogel?) — Lov. Obzor, XV, 1912, p. 43. (Böhm.) 
Stötka, L. Koroptev. (Rebhuhn, biolog.) — Myslivost, XV, 1912, 

p. 122. (Böhm.) 

Stirn er. Hochsommerbalz des Auerhahns. — Mitteil. d. n.-ö. Jagdsch.- 

Ver., XXXIV, 1912, Nr. 10, p. 438. (N.-Ö.) 
Stroinigg, J. Habicht und Sperber. — St. Hubertus, I, 1912, 

Nr. 10, p. 13. (Steierm.) 

— Das Verschwinden unserer Vogelfauna. — Ibid., I, 1912, Nr. 12, 
p. 11—12. (Steierm.) 

— Schutz dem Haselwilde. — Ibid., I, 1912, Nr. 15, p. 5-7. 
(Steierm.) 

Svoboda, E. Orel krMovsky ml. pt, {Aquila imperiaUs juv. bei 
Dötenic erbeutet.) — Lov. Obzor, XV, 1912, p. 76. (Böhm.) 

Szabo, L. V. Vom Schnepfenzuge. (Aranyosmar6t.) — Waidmh., 
XXXII, 1912, Nr. 7, p. 164. {\]\\^.) 

Szemcre, L. v. Am Horste von Aquila nidanaekis Gm. und Cir- 
caUus galUcus Gm. — Aquila, XIX, 1913, j). 441—451. (Un- 
garisch und deutsch.) (Uli ff.) 

— Egy dcr^k tu/okkakas. (Ein tüchtiger Trappenhahn.) — 
(iaszlaj), XXXIII, 1912, ]). 156—157. (IJiiff.) 

— A mogyor(')Hzajk6r61. (Vom Tanncnliäher.) — Zool. Lap., XIV, 
1()12, Nr. 79-80. (lliiff.) | 

Szcntpetery, S. M6g egyszer a m()gy()r(')szajk6r6l. (Noch cinuial 
Whcr Nucifrufja caryocalaclra.) — Zool. Laj)., XIV, 1912, p. H 
(Dnff.) 

— Tcrmi'tszoti ritkaHj'igok. (KaritiUcii aus der Natur.) — Ibid., 
XIV, 1912, p. 103. 



Orn. Literatur Österr.- Ungarns, Bosniens und der Herzegowina 1912. 201 



Szeöts, B. V. seil. Eddigi eredm6nyeim a vdndormadarak labgyliriik- 
kel valö megjelelese ter^n. (Meine bisherigen Resultate auf 
dem Gebiete der Vogelmarkierung'.) — Vadäszlap, XXXIII, 
1912, p. 317-318. (Uiig-.) 

— Magyar seregely Tuniszban. (Ungarischer Star in Tunis.) — 
Zool. Lap., XIV, 1912, p. 21—22; Waidmh., XXXII, 1912, 
Nr. 1, p. 19. (Ung.) 

— A raadarvedelem es a törveny. (Gesetz und Vogelschutz.) — 
Zool. Lap., XIV, 1912, p. 273—274. (Ung.) 

— Weitere Erfahrungen während meiner Schwalbenmarkierungen. 
— Aquila, XIX, 1912, p. 369—372. (Ungarisch und deutsch.) 
(Uiig.) 

Szomjas, G. v. jun. Seltene Gäste in Nyiregyhäza (Stercorarms 
crepidatus und Tadorna tadorna). — Aquila, XIX, 1912, p. 464. 
(Ungarisch und deutsch.) (üiig.) 

— Ungewöhnlicher Brutort von 3Iotacilla alba. — Ibid., XIX, 
1912, p. 456. (Ungarisch und deutsch.) (Ung.) 

Thaisz, L. Über den wirtschaftlichen Nutzen des Rebhuhns {Ferdix 

perdix L.). — Aquila, XIX, 1912, p. 166—209. (Ungarisch 

und deutsch.) (Ung.) 
Thöbiäs, Gy. jun. Az 1912-evi fecskejelöleseim. (Meine Schwalben- 
markierungen im Jahre 1912.) — Zool. Lap., XIV, 1912, 

p. 236—238. (üiig.) 
Tobisch, E. Merkwürdiges Benehmen zweier Nebelkrähen. — 

Waidmh., XXXII, 1912, Nr. 24, p. 572. (Böhm.) 
Tolvay, E. Vorkommen von Äix sponsa. — Aquila, XIX, 1912, 

p. 464. (Ungarisch und deutsch.) (Ung.) 
Tratz, E. P. Zur Erforschung des Schnepfenzuges. — Waidmh., 

XXXII, 1912, Nr. 17, p. 405—406; St. Hubertus, I, 1912, 

Nr. 15, p. 11—12. 
Troll, 0. R. V. Wildgänse. (Neusiedlersee.) — W^aidmh., XXXII, 

1912, Nr. 23, p. 548. (Ung.) 
Tschermak, A. v. Über Veränderung der Form, Farbe und Zeichnung 

von Kanarieneiern durch Bastardierung. — Arch. f. ges. Physiol. 

(Bonn), Bd. 148, 1912, p. 367—395, mit 6 Textfig. u. Taf. III. 

— Über Abänderung von Kanarieneiern durch Bastardierung. — 
„Wiener Urania", V, 1912, Nr. 1, p. 2—4, mit Textabb. 



202 



V. Ritt. V. Tschusi zu Sclimidhoffen. 



Tschusi zu Sclimidhoffen, V. Ritt. v. Ornitbologisehe Kollek- 
taneen aus ÖsteiTeich-Ungarn, XIX, 1910. — Zwinger u. Feld, 
XXI, 1912, Nr. 1, p. 5—6; Nr. 2, p. 21; Nr. 3, p. 38; Nr. 4, 
p. 55-56; Nr. 5, p. 71—72; Nr. 7, p. 101—102; Nr. 20, p. 361- 
362. — XX, 1911. — Zool. Beob., LIII, 1912, Nr. 3, p. 72— 
79; Nr. 4, p. 97— 106; Nr. 5, p. 138— 144; Nr. 6, p. 171— 177. 
(Österr.-Ung'.) 

— Massenauftreten der Wacbbolderdrossel (Tiirdtis pilaris L.) in 
Oberösterreicb. — Orn. Monatssebr., XXXVII, 1912, Nr. 2, 
p. 54—55. (Ob.-Ö.) 

— Der heurige Tannenbäherzug. — N. Wr. Tagbl. v. 28./L 1912, 
Nr. 26, p. 44. (Österr.-Ung'., part.) 

— Der Zug des Seidenschwanzes {Bonibycilla garrula L.) im 
Winter 1910/11. — Zool. Beob., LH, 1911 (1912), Nr. 11/12, 
p. 321—329. (Österr.-Uiig-., part.) 

— Über den heurigen Tannenheber-Zug. — Orn. Monatsber., XX, 
1912, Nr. 3, p. 43—44. (Östcrr.-Uiig-., part.) 

— Zur Geschichte der Ornithologie in Steiermark. (Auf Grund 
der in den Mitteilungen d. naturw. Ver. d. Steierm. erschiene- 
nen Publikationen.) — Mitteil. d. naturw. Ver. d. Steirm., 1911 
(1912), p. 361—373. (Steierm.) 

— Zoologiscbe Literatur der Steiermark, Ornitbologische Literatur. 

— Mitteil. d. naturw. Ver. d. Steierm., 1911 (1912), p. 374—375. 
(Steierm.) 

— Ankunfts- und Abzugsdaten bei Hallein (1911). VIH. — Orn. 
Monatsber., XXXVII, 1912, Nr. 5, p. 241—214. (Salzb.) 

— Zu den Schnepfenfragen (Abdr. a. d. „Ornitb. Kolickt." 1910). 

— D. Jäg., XXXIV, 1912, Nr. 19, p. 383-384. 

— Zu Pfarrer Wilbelni Scliusters Jerusalemfabrt. — Zeitsclir. 1". 
Ool. u. Orn., XXII, 1912, Nr. 5/6, p. 88. (Triest, Steierm., 
part.j 

— Zu: „Wo nistet die WaldscbnepfeV" — Wild u. Hund, XVllI, 
1912, Nr. 35, p. 626. (N.-Ö.) 

— Zu: „Kino unl)ekanntc Vogelart." (Muscicapa alricapilla.) — 
Salzb. Volksbl. V. 24./1X. 1912, Nr. 217, p. 8. (Salzb., Ob.-Ö.) 

— Vo^^clHcbutz und WiHHcnscliaft. Urania ( Wien), 1912, V, 
Nr. 50, p. ss'j— 891. 



Orn. Literatur Österr.-Uugarns, Bosniens und der Herzegowina 1912. 203 

Tschusi zu Schmidhoffen, V. Ritt. v. Über paläarktische For- 
men. XVI. — Orn. Jahrb., XXIII, 1912, Nr. 5/6, p. 2IG— 220. 
(Dalm., Bosn., part.) 

— Ornitliologiscbe Literatur Österreich-Ungarns, Bosniens und der 
Herzegowina 1911. — Verb. d. k. k. zool.-bot. Ges. Wien, LXII, 
1912, H. 8/9, p. 260—289. (Österr.-Ung.) 

TU eh 1er, M., Tollar, J. FrühHngsboten. — St. Hubertus, I, 1902, 

Nr. 7, p. 12. (Steierm., Ung.) 
U. Überwinterung und Zugzeit der Strichvögel (Lovrin). — Waidmh., 

XXXII, 1912, Nr. 7, p. 164. (Ung'.) 

— Zum Vogelzug (Lovrin). — Ibid., XXXII, 1912, Nr. 8, p. 189. 
(Uiig.) 

— Wo sind die Zugstraßen der Strichvögel? — Ibid., XXXII, 
1912, Nr. 9, p. 216—217. 

— Beobachtungen an Großtrappen in der Balzzeit. — Ibid., XXXII, 
1912, Nr. 10, p. 240. (Ung.) 

Uitz, J. Vom Frühjahrszug (Ringeltauben). — Waidmh., XXXII, 

1912, Nr. 5, p. 117. (Uiig.) 
Vörös, J. A költözö madarak idei vonuläsa. (Der heurige Zug 

unserer Wandervögel.) — Zool. Lap., XIV, 1912, p. 23. (üng.) 
Wallner, L. Frühlingsboten. — St. Hubertus, I, 1912, Nr. 6, p. 11. 

(Steierm.) 

Weiß, Ed. sen. Rostgans in Siebenbürgen. — Mitteil. ü. d. Vogelw., 

XII, 1912, Nr. 12, p. 263. (Siel)enb.) 
Weisz, C. Allerlei Beobachtungen vom Donaustrom und Gelände 

(Semlin). — Waidmh., XXXII, 1912, Nr. 89. (Ung.) 

— Früher Vogelzug (Semlin). — Ibid., XXXII, 1912, Nr. 6, p. 141. 

— Frühlingsnot (der Zugvögel). — Ibid., XXXII, 1912, Nr. 10, 
p. 240. (Uiig.) 

— Reiherschutz. — Ibid., XXXII, 1912, Nr. 15, p. 359. (Ung.) 
Wettstein, 0. v. Die Ornis des Gschnitztales bei Steinach am 

Brenner. — Orn. Jahrb., XXHI, 1912, Nr. 5/6, p. 176—194. 
(Tirol.) 

Widmayer, T. B. Ein seltener Gast (Haubentaucher in Lilienfeld). 
— Die Tierw., XI, 1912, Nr. 8, p. 61. (X.-Ö.) 



204 



V. Ritt. V. Tschusi zu Schmidhoffen. 



Wurm, Fr. Die Vögel der Leipaer Umgebung. — Mitteil. d. nord- 

böhm. Excurs.-Cl. Leipa, XXXV, 1912, Nr. 1, p. 48—53, Nr. 2, 

p. 116—123, Nr. 3, p. 178—183. (Böhm.) 
Zdhor, K. Zdali kachny vötri? (Ob die Wildenten winden?) — 

Lov. Obzor, XV, 1912, p. 193. (Böhm.) 
Zauschuer. Steinadler in Obersteiermark. (Schutz derselben.) — 

Deutsche Jägerz., LIX, 1912, Nr. 11, p. 156—157.. (Stcierm.) 
Zay, I. Graf. A hermehn es a csonttörö kerd^öehez. (Zur Frage des 

HermeUns und des Tannenhähers.) — Zool. Lap., XIV, 1912, 

p. 91—92. (Un§-.) 
Zdobnitzky, F. Normaltage in Bezug auf Ankunft und Abzug] 

der Vögel in der Umgebung Brünns. (Verarbeitete Daten bis i 

Ende 1909.) — Zeitschr. d. mähr. Landesmus., XII, 1912, H. 2, 

p. 137—190. (Mähr.) 
Zeitler, R. Wie wurmen die Schnepfen? — Zwinger u. Feld, XXI, 

1912, Nr. 9, p. 136—138; Nr. 10, p. 160—161, Nr. 11, p. 185— 

187. (Tirol, part.) 

— Trägt die Schnepfenmutter ihre Jungen fort und wie? — Ibid., 
XXI, 1912, Nr. 13, p. 221—224. (Tirol, part.) 

— Entwicklungsgeschiclitliche Abstammung und Namenserklärung 
des Auerbahns. — St. Hubertus, I, 1912, Nr. 11, p. 3—5. 

Zenz, L. Weißes Rebhuhn (Klagenfurt). — Waidmb., XXXII, 1912, 

Nr. 19, p. 457. (Kärnt.) 
Zobiascb, K. Beobachtungen. (Weiße Elstern.) — A. d. Heimat, 

XXV, 1912, Nr. 4, p. 125—126. (Böhm.) 



. Anonym erschienene Notizen. 

Vom letzten Horbststricli (der Scbnepfen). — Mitteil. d. n.-ö. Jagdsch 
Vcr., XXXIV, 1912, Nr. 1, p. 28. (N.-Ö., Slawoii., IJiij?.) 

Sclin('.pf(;nzng zur .Jalireswende (Gleicbenberg). — N. Wiener Tag 
V. 6./I. 191 2, Nr. 5, p. 41. (Stcierm.) 

Vom Tanneiilieberzugc. — Waidmli., XXXII, 1912, Nr. 2, j). 
(r,lL^) 

Kino vcrfrlllitc Aucrlialinjagd. (Aucrlialin vom llabiclii verfolgt.) - 
N. Wiener T;«^bl. v. 21/1. 1912, Nr. M», p. 44. (Kraiii.) 



Orn. Literatur Österr.-Ungarns. Bosniens und der Herzegowina 1912. 205 

Vogelwanderungen {Iurdus pilaris im Böbmerwald, sibirische [!!] 
Finken in Ungvar). — Die Tierw., XI, 1912, Nr. 2, p. 16. 
(Böhm.. Tng:.) 

Ein großer Brachvogel lam Xeiisiedlersee, 28. /XII.). — N. Wiener 

Tagbl. V. 28./I. 1912, Nr. 26, p. 44. 
Neue sibirische (I) Gäste {Äcanthis linaria['?] in Javorinka). — Ibid. 

y. 28./I. 1912, Nr. 26, p. 44. (Un§-.) 
[Rackelhahn in Stockern, Jan. erlegt.] — Ibid. v. 28./I. 1912, Nr. 26, 

p. 43. (N.-Ö.) 

Ein Fischreiher i^in Höflitz erlegt). — Jägerz. B. u. M., XXIII, 1912, 

Nr. 3, p. 70. (Böhm.) 
Lagerschnepfen. — Mitteil. d. n.-ö. Jagdsch.-Ver., XXXIV, 1912, 

^ Nr. 2, p. 71. (Tirol, Steierm.. Oh.-Ö.) 
Ein Rackelhahn in Niederösterreich erlegt. — Ibid., XXXIV, 1912, 

Nr. 2, p. 74. (N.-Ö.) 
Eine Waldschnepfe 16 Monate in Gefangenschaft. — Ibid., XXXIV, 

1912, Nr. 3. p. 135. (N.-Ö.) 
Frühlingsahnen. — Ibid., XXXIV, 1912, Nr. 3, p. 129. (Salzb., 

Steierm.) 

Die erste Schnepfe i 7./III. in Matzen). — N. Wiener Tagbl. v. 8. /III. 

1912, Nr. 66, p. 15. (N.-Ö.) 
Steinadler (bei Namiest) erlegt. — Weidw. u. Hundesp., XVII, 1912, 

Nr. 5, p. 11. (Mähr.) 
Die ersten Schnepfen i bei Feldsberg). — N. Wiener Tagbl. v. 11. /III. 

1912, Nr. 69, p. 13. (N.-Ö.) 
Vom Schnepfenstrich (Sommerein und MistelbachV — Jägerz. B. 

u. M., XXIII, 1912, Nr. 6, p. 152. 
Die erste Schnepfe lim Rohr\Yald). — Ibid., XXIII, 1912, Nr. 6, 

p. 152. 

Etwas früh (ca. 1000 Ringeltauben, wo?). — Ibid., XXIII; 1912, 
Nr. 6, p. 152. 

Der Schnepfenstrich (in Gois). — Salzb. Volksbl. v. 17. /III., 1912, 

Nr. 63. p. 9. (Salzb.) 
Vom Schnepfen- Wanderstrich 1912. — Mitteil. d. n.-ö. Jagdsch.-Ver., 

XXXIV, 1912, Nr. 4, p. 180—181. (N.-Ö.) 
Zum Zug der Vögel ( beringter Rauhfußbussard). — N. Wiener 

Tagbl. V. 7./IV. 1912, Nr. 95, p. 90. (Mähr.) 



206 



V. Ritt. V. Tschusi zu Schmidhoffen. 



Seltenes Ereignis (Auerhahn in Wollanig). — Jägerz. B. u. M., XXIII, 

1912, Nr. 8, p. 208. (Kärnt.) 
Adler- und Uhuschutz. — Deutsche Jägerz., LIX^ 1912, Nr. 5, 

p. 59. (Steierin.) 
Von der heurigen Schnepfensaison. — Waidmh., XXXIl, 1912, 

Nr. 8, p. 187. (Mähr.) 
Seltenes Waidmannsheil (Rackelhahn in Michelbeuern 12./IV. erlegt). 

— Salzb. Volksbl. v. 19./1V. 1912, Nr. 89, p. 6. (Salzb.) 
Schnepfenjagden in Slawonien (Naschitz). — N. Wiener Tagbl. v. 

28./IV. 1912, Nr. 115, p. 34. (Slawoii.) 
Allerlei (Schnepfenstrich bei Graz). — Deutsche Jägerz., LIX, 

1912, Nr. 8, p. HO. (Steierm.) 
Ein weißer Birkhahn (in Wartenburg). — Jägerz. B. u. M., XXIIl, 

1912, Nr. 9, p. 236. (Böhm.) 
Rackelhahn (in Michelbeuern erlegt). — Weidw. u. Hundesp., XVII, 

1912, Nr. 9, p. 7, 8. (Salzb.) 
Eine Rohrdommel im Rohrteich zu Neukinsberg. — Jägerz. B. u. M., 

XXIII, 1912, Nr. 11, p. 291. (Böhm.) 
Seltener Vogel {Cohjmhiis arcticus in Oberdorf erschlagen). — Ibid., 

XXIII, 1912, Nr. 11, p. 292. (Kämt.) 
Ein Rackelhahn (in Groß-Zdikau) erlegt. — Ibid., XXIII, 1912, 

Nr. 12, p. 319. (Böhm.) 
Verfrühte Schnepfenbruten (bei Saaz). — Mittcil. d. n.-ö. Jagdscli.- 

Ver., XXXIV, 1912, Nr. 6, p. 279. (Böhm.) 
Weidmannsheil (Aqtiila chrysa'ctus in Chrbow erlegt). — Jägerz. 

B. u. M., XXIII, 1912, Nr. 7, p. 181. (Mähr.) 
Vom Schnepfenzug aus Görz. — Waidmh., XXXII, 1912, Nr. 11, 

p. 201. (Oörz.) 

Kill Adler (in Tuchoschitz) erlegt. — Jägerz. B. u. M., XXIII, n)12, 
Nr. 13, p. 347. 

iJackelhahn (bei Grob Zdikau) in Böhmen erlegt. — Mitteil. d. n. <». 

JagdHch.-Ver., XXXIV, 1912, Nr. 7, p. 328. (Böhm.) 
Zwei Kaiscradlor in Niederöstcrrcich erlegt. — Ibid., XXXIV, 1912, 

Nr. 8, p. 370. (N.-(l) 
Waldschnepfongelegc in bedeutender llbhenlage. — Ibid., XXXIV, 

1912, Nr. S, p. 3()H. (Kämt.) 
IbiHHcani BlaftcnKcc. Ibid., XXXIV, 1912, Nr. 8, p. 3(;h. (Diik.) 



Orn. Literatur Österr.- Ungarns, Bosniens und der Herzegowina 1912. 207 



Adlerjagd (in Finstermünz). — Jäg-erz. B. u. M., XXIII, 1912, Nr. 15, 
p. 402. (Tirol.) 

Jagd Verhältnisse auf der Baron Wattmannschen Herrschaft Ruda 
rozaniecka in Galizien. — St. Hubertus, I, 1912, Nr. 5, p. 13 — 14. 
(€}aliz.) 

Hahnenbalz in Oberösterreich. — Ibid., I, 1912, Nr. 6, p. 11. 
(Ob.-O.) 

Eine Schellente an der Mur. — Ibid., I, 1912, Nr. 6, p. 11—12 

(nach „Grazer Tagblatt"). (Steierin.) 
Adler erlegt (25./IIL in Chrbow). — Ibid., I, 1912, Nr. 8, p. 12. 

(Mähr.) 

Schlangenadler erlegt (bei Kaltem) — Ibid., I, 1912, Nr. 10, p. 12. 
(Tirol.) 

Seltene Jagdbeute. — Ibid., I, 1912, Nr. 15, p. 13—14. (üng.) 
Seltsame Auerhahnjagd. — Ibid., 1, 1912, Nr. 16, p. 11. (Ob.-Ö.) 
Ein Flamingo (seil, bei Laa a. d. Thaya erbeutet). — Ibid., I, 1912, 

Nr. 20, p. 12. (X.-Ö.) 
Kuttengeier in Tirol. — Ibid., I, 1912, Nr. 21, p. 13; Österr. Forst- 

u. Jagdbl., XXIV, 1912, Nr. 21, p. 166. (Tirol.) 
Vogelschutz und Stubenvögel. — St. Hubertus, I, 1912, Nr. 21, p. 12. 

(N.-Ö.) 

Weiße Bekassine. — Ibid., I, 1912, Nr. 22, p. 12. (Ob.-Ö.) 

Zum Vogelzuge. — Ibid., I, 1912, Nr. 22, p. 13. (Mähr.) 

Eine seltene Jagdbeute (Zwergadler in Unzmarkt erlegt). — Ibid., 

I, 1912, Nr. 22, p. 13. (Steierm.) 
Weidmannsheil (Pfuhlschnepfe, Ohrensteißfuß, Auerhahn part. Albino 

bei Marburg erlegt). — Ibid., I, 1912, Nr. 11, p. 12. (Steierm.) 
Momentphotographien geschossener Rebhühner (mit zwei Abbildun- 
! gen). — Österr. Forst- u. Jagdz., XXX, 1912, Nr. 1, p. 5. 
Ungeheuere Züge von Krammets vögeln (seil, im Böhmer walde). — 

Österr. Forst.- u. Jagdbl., XXIV, 1912, Nr. 1, p. 6. (Böhm.) 
Elternliebe beim Rebhuhn. — St. Hubertus, I, 1912, Nr. 18, p. 13, 
I nach „Grazer Tagespost". (Steierm.) 

Ein schwarzes Rachekorps. — Österr. Forst- u. Jagdz., XXX, 1912, 

Nr. 10, p. 86. (Steierm.) 
Palmarum. (Beobachtungen über Schnepfenstrich.) — österr. Forst- 

u. Jagdbl., XXIV, 1912, Nr. 7, p. 51. (Österr.-Ung., part.) 



208 



V. Ritt. V. Tschusi zu Schmidhoffen. 



Naturschutz in Ungarn. (Reiher, Löffeh-eiher, Ibis betreffend.) — 

Österr. Forst- u. Jagdz., XXX, 1912, Nr. 43, p. 371. (Uiig.) 
Seltene Jagdbeute (Steinadler am 22./II. in Namiest erlegt.) — Ibid., 

XXX, 1912, Nr. 15, p. 136. (Mähr.) 
Zwei Kaiseradler in Niederösterreich erlegt. — Osterr. Forst- u. 

Jagdbl., XXIV, 1912, Nr. 15, p. 118 (nach Mitteil. d. n.-ö. 

Jagdschutzver.). (N.-Ö.) 
Altes und Neues von der Waldschnepfe. — Ibid., XXIV, 1912, 

Nr. 22, p. 171—172. 
Neue Untersuchungen über die Nahrung der Eulen. — Deutsche 

Jägerg., XXXIV, 1912, Nr. 33, p. G69 (aus „Aquila"). (üng.) 
Steinadler in den Ennstaler Alpen. — Mitteil. d. n.-ö. Jagdsch.-Ver., 

XXXIV, 1912, Nr. 9, p. 402—403. (Ob.-Ö.) 
Ein Flamingo bei Laa a. d. Thaya erbeutet. — Ibid., XXXIV, 1912, 

Nr. 9, p. 400. (N.-Ö.) 
Naturschutz in Ungarn (für Reiher). — Ibid., XXXIV, 1912, Nr. 10, 

p. 437—438. (üng.) 
Ein Kuttengeier in Tirol (bei Zung) erlegt. — Ibid., XXXIV, 1912 

Nr. 10, p. 443—444. (Tirol.) 
Seltenes Waidmannsheil (Graugänse inTrumau). — Waidmh., XXXII, 

1912, Nr. 20, p. 481. (N.-Ö.) 
Aus der Vogelwelt. — Mittcil. d. n.-ö. Jagdsch.-Ver., XXXIV, 1912, 

Nr. 11, p. 437. (Steierm., N.-Ö.) 
Eine Wildgans aus dem Wanderzuge heraus erlegt. — Ibid., 1912, 

Nr. 11, p. 488—489. (N.-Ö.) 
Verschiedenes (Aquila pcnnata bei Unzmarkt erlegt). — N. Wiener 

Tagbl. V. lO./XI. 1912 (Jagd u. Fisch.), Nr. 39, p. 40. (SteicTiii.) 
Seltenes Weidmannsheil (Steinadler bei Johnsbach erlegt). — Jägerz. 

P.. u. M., XXIII, 1912, Nr. 22, p. 598. (Stci<M-iii.) 
MaHsonstcrben der Schwalben (im August). — Mittcil. Ii. d.Vogclw., 

XII, 1912, Nr. 12, p. 207. (Schlcs.) 
[Weiße Ohreule in Lana erlegt.] - Waidmh., XXXII, 1912, Nr. 2^, 

p. 563, mit Abb. (Tirol). 
Möwe mit Fiifiring (9214 v. Rossitten). — Ibid., XXXIII, 1913, 

.Nr. I. ]>. 20. ((j}»rz.) 
KiiH- Siibcrmöwe (mW Kiißriii;; 9807 v. Rossiten). — lunsbr. Nachr. 

V. If). /XI. (Tlr(M.) 



Orn. Literatur Österr.-Ungarns, Bosniens und der Herzegowina 1912. 209 



Ein Kuttengeier in Tirol (bei Zung erlegt). — Innsbr. Nachr. v. 4./IX. 
1912. (Tirol.) 

Kroatisch. 

Prstenovane ptice. (Beringte Seesehwalben aus Rossitten.) — Lovac.- 

ribar. Vjestnik, XXI, Nr. 2, p. 24. (Kroat.) 
Rijetka lovina. (Seltene Jagdbeute.) [Aasgeier.] — Ibid., XXI, Nr. 12, 

p. 141. (Kroat.) 

Czechisch. 

Orel ficni. {Fandion Ii aliaetus bei Vepfikov 21. /IV. erlegt.) — Lov. 
Obzor, XV, 1912, p. 188. (Böhm.) 

Kacek tfiprestj'. {Larus tridactylns recte L, ridihiindns, mit Fuß- 
ring Nr. 2608 d. „Kgl. Ung. Orn. Centrale" bei Velim 25./VIII. 
1912 erlegt.) — Ibid., XV, 1912, p. 284. (Böhm.) 

Vyr. {Buho hiiho in Sv. Jan pod Skalou erlegt.) — Ibid., XV, 1912 
p. 91. (Böhm.) 

Skoro üplöc cerny pustik. (Fast schwarzer Waldkauz.) — Ibid., 

XV, 1912, p. 124. (Kroat.) 
164 vlastovclcli hnizd pod je dnou stfechou. (164 Rauchschwalben- 
nester unter demselben Dache [im Welmschloß].) — Nar. Politika 

V. 21./IX, 1912. (Böhm.) 
Orel morsky. (Haliaettis albicilla [bei Pfilepov erlegt].) — Nar. 

Listy V. 18./IX, 1912. (Böhm.) 
Orel fiöni. (Fandion halia'etus [in Benic erlegt].) — När. Politika 

V. 23./IX. 1912, Nr. 265. (Böhm.) 
Orel ricni. (Fandion haliaetus [bei Golc Jenikau erlegt].) — Lov. 

Obzor, XV, 1912, p. 349. (Böhm.) 
4 orli kfiklavi. (4 Schreiadler [bei Kolin erlegt].) — Nur. Politika 

V. 15./XII. 1912, Nr. 346. (Böhm.) 
Büe vlastovky. (3 weiße Rauchschwalben [in einem Neste].) — 

Ibid. V. 6./VIII. 1912. (Mähr.) 
iKorraordn. (Fhalacrocorax carho [bei Prerau erlegt].) — Lov. Obzor, 

XV, 1912, p. 91. (Mähr.) 
Sokol st6hovavy. (Falco peregrinns [bei Tovacov erlegt].) — Ibid., 

XV, 1912, p. 93. (Mähr.) 

Z. B. Ges. G3. Bd. 14 



210 



V.Ritt. V. Tschusi zu Schmidhoffen. 



Ungarisch. 

Vouuläsi adatok. (Vogelzug*s-Daten.) — Zool. Lap., XIV, 1912, 
p. 77—78; p. 89-91; p. 102—103; p. 112—113; p. 126, 139, 
246—248; Vadäszlap, XXXIII, 1912, p. 302. (Ung.) 

Vandorfoglyok. (Wander-Rebhühner.) — Ibid., XXXIIl, 1912, p. 452. 
(Ung.) 

Vad hattyuk Zalamegyeben. (Wilde Schwäne im Korn. Zala.) — 
Ibid., XXXIII, 1912, p. 107. (Ung.) 

Ujabb eredmenyek a vandormadaraknak labgyiirükkel val6 meg- 
jelölese ter6n. (Neue Resultate auf dem Gebiete der Zugvögel- 
Markierung-.) — Ibid., XXXIII, 1912, p. 289—290. (Ung-.) 

Sziberiai madarak Ungmegyeben. (Sibirische Vögel im Komitat 
Ung: Bergfink und Leinzeisig.) — Ibid., XXXIII, 1912, p. 12; 
Zool. Lap., XIV, 1912, p. 56. (Ung'.) 

Szabolcs. A sölyomfajtdk 6s törteneti multjuk. (Die Falkenarten 
und ihre historische Geschichte.) — Vadaszlap, XXXIII, 1912, 
p. 1G7— 168. 

Sz. Sz. B. Fcmkarikj'ival megjelölt g61ya. (Beringter Storch.) — 

Ibid., XXXIII, 1912, p. 321. (Ung.) 
Solyom. Hasznos (3nekl6k megtelepit^se varosaink ligeteiben. (Ein- 
bürgerung nützlicher Singvögel in den Stadtparks.) — Ibid., 

XXXllI, 1912, p. 355-356, 367—368. 
Sok a tuzok. (Viele Trappen im Komitat Zala.) — Ibid. XXXIII, 

1912, p. 360. (Ung). 
Nyirfajdok telcpit6se Erd(3lybon. (Einbürgerung der P)irkliühncr in 

Siebenbürgen.) — Ibid., XXXIII, 1912, p. 79. (SicUeiib.) 
Nappali orvmadarainkr61. (Über unsere Tagraub vögcl) — Ibid., 

XXXIII, 1912, ]). 195- 196, 207 208. (Ung.) 
Megjöttek a vadgalambok. (I)ic Wildtaubon sind angekommen.) — 

'ibid., XXXIII, 1912, p. 79. (Ung.) 
MAr jihinck a szalonkak. (Die Schnepfen kommen schon.) — Ibid., 

XXXIII, nn2, p. 92. (Ung.) 
Magyar scrog^Iy Olaszorsz/igban. ((Ingarischor Star in Itjdicn.) 

— Ibid., XXXIlk 1912, p. 452. (Ung.) 
Madarvc'idelnii tanfolyam. (VogcJRplnilz Kurs.) — Allatv('Mlclcm, 

IX, 1912, p. 31." (liiig.) 



Orn. Literatur Österr.-Ungarns, Bosniens und der Herzegowina 1912. 211 



Ma(larv6delmi körrendelet. (Zirkular-Verordnung in Vogelschutz-An- 
geleg-eiiheiten.) — Ibid., IX, 1912, p. 57. (Ung.) 

Madarv6delem a közepkorban. (Vogelschutz im Mittelalter.) — Va- 
ddszlap, XXXIII, 1912, p. 306. 

Madarak v6delme. (Der Schutz der Vögel. Zirkular -Verordnung des 
Ungar. Ackerbauministers bezüglich des gesetzlichen Schutzes 
der Arten: Strix flammea L., Ärdea alba L., Ä. garsetta L., 
A. ralloides Scop., Plegadis falcineUtis L. und Platalea leuco- 
rodia L.) - Ibid., XXXIII, 1912, p. 292. (üiig.) 

M. K. Maddrv6delmünk jelenlegi ällapota. (Der jetzige Stand des 
Vogelschutzes.) — Ällatvedelem^ IX, 1912, p. 8. (üng.) 

Ly. Madarf6szkek megvedese. (Beschützung der Vogelnester.) — 
Ibid., IX, 1912, p. 75. (Ung.) 

(ik.) A madt^rvedelmi gyakorlatbol. (Aus dem Praktikum des Vogel- 
schutzes.) — Ibid., IX, 1912, p. 10. (Ung.) 

Golya es vizisiklo. (Storch und Wassernatter.) — Vadaszlap, XXXIII, 
^ 1912, p. 52. (üng.) 

Feh6r szalonka. (Albinotische Waldschnepfe [im Komitat Gömör].) 
— Ibid., XXXIII, 1912, p. 147. (Uiig.) 

Egy sas utja. (Der Weg eines Adlers.) — Ibid., XXXIII, 1912, 
p. 41. (Ung.) 

Domingö. A Balaton pusztul6 madarvilaga. (Die untergehende 
Vogelwelt des Balaton Sees.) — Zool. Lap., XIV, 1912, p. 135— 
137. (üng.) 

iOsak fogoly . . .? (Nur Rebhuhn?) — Vadaszlap, XXXIII, 1912^ 
j p. 288. (üiig.) 

Buteo ferox (im Korn. Tolna). — Ibid., XXXIII, 1912, p. 426. (Ung.) 
Az idei szalonkahuzdsrol. (Von dem heurigen Schnepfenzug.) — 

Ibid., XXXIII, 1912, p. 102—103, 116, 130, 159, 370. (üng.) 
Az egereszölyorol. fVom Mäusebussard.) — Ibid., XXXIII, 1912, 

p. 293. (Ung.) 

A sas szerepe a n^phitben es a valldsokban. (Die Rolle des Adlers 
im Volksglauben und in den Religionen.) — Ibid., XXXIII, 
1912, p. 411. 

A nem egy fajtahoz tartozo allatok, különösen madarak együttelese. 
(Zusammenleben der nicht zu einer Art gehörenden Tiere, ins- 
besondere der Vögel.) — Ibid., XXXIII, 1912, p. 491. 

14* 



212 



V. Ritt. V. Tschusi zu Schmidhoffen. 



A madjirv6delem erdekebeii. (Im Interesse des Vogelschutzes.) — 

Zool. Lap., XIV, 1912, p. 152. (Ung-.) 
A inadarak kedvencz fäi 6s bokrai. (Lieblingsbäume und Büsche 

der V()gel.) — Ibid., XIV, 1912, p. 69. 
A köcsag pusztulasa. (Vernichtung des Reihers.) — Vadäszlap, 

XXXIII, 1912, p. 147. (Ung.) 
A h6ja szemtelensege. (Die Frechheit des Habichtes.) — Ibid., 

XXXIII, 1912, p. 119. (Ung.) 
A g6mek falanksagaröl es nagym6rvü halpusztitjlsdröl. (Die Ge- 
fräßigkeit und große Fischvertilgung der Reiher.) — Ibid., 

XXXIII, 1912, p. 400. (Ung.) 
A fiirjek pusztulasa. (Vernichtung der Wachteln.) — Ibid., XXXIII, 

1912, p. 13. 

Nachtrag. 

1911. 

Ginzberger. Fünf Tage in Österreichs fernsten Eilanden (Pelagosa). 

— Adria, 1911, III (Vögel nach Godez), p. 248. (Dalm.) 
Godez, cfr. Ginzberger. 



Die Gattung* Cylindrocystis Menegh. 

Von 

Dr. J. Lütkemüller. 

MiLTnf. II. I 
(Einf^ol.'infcii um \A. Mai 101.3.) f 

Die, wesentlichen Merkmale der Desrnidiaceengattung CijUndrO 
ci/s/is Meiiegh. wurden schon durch I){^ Harys (3) IJntcrsiichunge 
fcHtgcstellt, von sp;ltcr(;ii Aulorc^n aber nicht immer genügend b 
acht(;t und ko kam es daiiiii, dall von den 10 Art(in, welche gcgeil 
wjirtig zu di(;Hem (ienus ger(;chnet werden, die Mehrz.'ihl entwcd 
wegen ungenllgender IJnterHucliung zw(;if('lbaft ist oder llberhau 
nicht zu ('i/lindrorj/sfls gehiut. 



Die Gattung Cylindrocystis Meuegh. 



213 



Es ist daher eine Revision wünschenswert und zur Orien- 
tierung über die Gesichtspunkte, nach welchen diese vorzunehmen 
wäre, soll hier zunächst zusammengestellt werden, was über die 
zweifellosen Repräsentanten der Gattung- derzeit bekannt und was 
für eine scharfe Abgrenzung des Genus verwertbar ist. 

Die Gestalt der Zellen — zylindrisch, oblong, ellipsoidisch 
— ist nicht charakteristisch; hervorzuheben wäre, daß eine Mittel- 
einschnürung vollständig fehlt. 

Die Zellmembran bildet ein einheitliches Ganze und ist 
nicht aus Segmenten zusammengesetzt. Durch Jodjodkalium und 
Schwefelsäure wird sie gleichmäßig blau gefärbt, durch Cupram- 
moniumoxyd vollständig gelöst, sie gibt also die Reaktionen einer 
einfachen Zellulosemembran und es fehlt eine äußere Schicht von 
chemisch abweichender Beschatfenheit. Poren sind ebensowenig 
vorhanden als Warzen, Stacheln oder Längsriefen. Dagegen werden 
die Zellen konstant von einer Gallerthülle umgeben, welche ent- 
weder direkt deutlich erkennbar ist oder durch Tinktion mit 
schwachen wässerigen Lösungen von Anilinfarben (Fuchsin, Gen- 
tianaviolett etc.) zur Anschauung gebracht werden kann. 

Die Chloroplasten sind axil und werden in vielen Lehr- 
büchern als sternförmig — wie bei Zygnema — bezeichnet. Klare 
Bilder derselben erhält man nur selten an lebenden, sicher dagegen 
an nxierten und gefärbten Zellen. Erwachsene Zellen von Cylindro- 
I cystis Brehissonii Men. haben zwei durch den dazwischen gelagerten 
Zellkern getrennte Chlorophoren; an jedem derselben läßt sich ein 
oblonges oder zylindrisches Mittelstück unterscheiden, von welchem 
schmale Fortsätze oder breitere, annähernd rechteckige Läppchen 
radiär gegen die Zellwand ausstrahlen. Die Fortsätze gehen aber 
nicht regellos — wie bei Zijgnema — vom Mittelstück aus, sie 
sind vielmehr in Längsreihen geordnet, die meist nicht genau in 
i der Richtung der Längsaxe verlaufen, sondern eine ganz schwache 
j spiralige Drehung zeigen. Die Zahl dieser Reihen beträgt 6—8 
' Taf. II, Fig. 1—3). 

Bei Netrium oUongiim (De Bary) Lütkem. haben die Chloro- 
phoren, wie aus De Barys Abbildung (3, Taf 7, Fig. G 1) ersicht- 
lich, Längsleisten, welche durch Ausschnitte unterbrochen sind. 
Häufig werden aber diese Längsleisten durch sehr zahlreiche tiefe 



214 



J. L ü t k e 111 ü 1 1 e r. 



Einschnitte in fast fadenförmige Läppchen zerlegt (Taf. II, Fig. 4). 
Es wird daher richtiger sein, aucli den Chlorophoren von Cylindro- 
cijstis Brehissonli Längsleisten zuzuschreiben, welche durch Ein- 
schnitte in mehr oder weniger schmale Läppchen geteilt sind. 

Dasselbe gilt auch für die längeren zylindrischen Zellen von 
Cylindrocystis crassa De Bary; bei den kurzen elHpsoidischen der- 
selben Art (nicht selten auch von Cylindrocystis Brehissonii) läßt 
sich eine regelmäßige Anordnung der Chlorophorenläppchen meist 
nicht nachweisen, so daß hier die Bezeichnung „sternförmig" nicht 
unpassend ist (Taf. II, Fig. 5). 

Den beschriebenen ähnliche Verhältnisse bieten auch die 
Ciilorophoren mehrerer Cosmarium-kxiQVL und dieser Umstand gab 
wiederholt Veranlassung zur unrichtigen Einreihung von Arten in 
die Gattung Cylindrocystis. 

Von Pyrenoiden ist in der Regel in jedem Chlorophor nur 
eines vorhanden, in langgestreckten Zellen kann man auch je zwei 
übereinander gestellte finden, seltener — bei Cylindrocystis crassa 
— in einer oder beiden Zellhälften je 2 nebeneinandergestellte 
(Taf. II, Fig. 6, 7). 

Die Zellteilung zeigt keine Besonderheit, sie verläuft wie 
bei allen saccodermeu Desmidiaceen. Es liegen wohl Angaben von 
De Bary vor, welche damit im Widerspruch stehen, doch halten 
sie genauerer Prüfung nicht stand. 

Bei Cylindrocystis crassa sah De Bary (3, p. 1^7 — 88, Taf. 7, 
Fig. C i), 10) mitunter an Zellen bald nach der Teilung zwei neben 
einander fnicht ü l)creinander) gestellte „Amylonkerne". Durch dii 
Annahme, daß die Trennung des Chlorophors zwischen den beiden 
Amylonherden (Pyrenoiden) stattfinde, kam er zu dem Schluß, die 
niU'h.stc Zellteilung müsse in einer lObene erfolgen, welche sich mit 
jener der vorangegan<;(;nen Teilung kreuze, es könne somit bei 
Cylindrocystis crassa die Zellteilung in zwei aufeinander senkrechten 
Ivichtiin^^en erfolgen. D(;shalb schicui ihm auch die Zugeliörigkcil 
(\vv Spezies zu den DesmidiaeecMi nicht ganz zweifellos. 

Sehliißfolgerung geht nun von einer unrichtigen Annaliuie 
aus. Bei verHchic^dencn fadenbildenden Konjugalen, z. B. Xyf/nrma 
Arten, llyalofhrrd dissdirns^ kann nian ebenso wie bei ('ylindro 
rysUü crassa Zellen beobachten, weh^he in jedem der beiden Chloro 

i 



Die Gattung Cylindrocy)<ti's Menegh. 



215 



plasten statt eines einzigen zwei nebeneinander gestellte Pyrenoide 
eiuseldießen (Taf. II, Fig. ü— 10). Teilen sich solche Zellen, so wird 
zunächst jede der beiden Tochterzellen 1 Chlorophor mit 2 neben- 
einander gestellten Pyrenoiden enthalten. Der Zellkern, welcher an- 
fangs der neugebildeten Scheidewand anlag, wandert an die Seiten- 
wand der Zelle und liegt zunächst neben dem Chlorophor. Die 
Trennung des letzteren in zwei Partien findet jedoch nicht zwischen 
den beiden Pyrenoiden statt (d. i. senkrecht auf die frühere Teilungs- 
ebene), sondern es tritt eine Zweiteilung beider Pyrenoide ein, 
hierauf die Durchtrennung des Chlorophors in einer Ebene, welche 
die Längsaxe der Zelle rechtwinkelig kreuzt, schließlich rückt der 
Zellkern in den Zwischenraum zwischen beiden Chlorophoren ein. 
Dann bietet die Tochterzelle dasselbe Bild wie früher die mütter- 
hche und die Ebene der nächsten Zellteilung hat die gleiche Orien- 
tierung wie jene der früheren. 

Offenbar auf einem Beobachtungsfehler beruht eine weitere 
Angabe von De Bary (3, p. 35, Taf. 7, Fig. E 5, 6), der bei der 
Zellteilung von Cylindrocysüs Brehissonii in einem frühen Stadium, 
noch vor Bildung der Scheidewand, außer dem ursprünglichen gleich- 
zeitig noch zwei Tochterkerne sah. Bei normaler Zellteilung ver- 
lassen die beiden Tochterkerne in welche der ursprüngliche zerfällt, 
die Zellmitte erst nach Bildung der Scheidewand und wo dieselben 
schon ihren definitiven Platz einnehmen, ohne daß die Scheidewand 
gebildet wurde, handelt es sich um abnorme (unvollständige) Zell- 
teilung (Taf. II, Fig. 11). Selbstverständlich können aber in keinem 
Falle gleichzeitig drei Kerne vorhanden sein. De Barys Irrtum 
ist erklärlich, da er lebende Zellen untersuchte und die Kontrolle 
durch Kernfärbung fehlte. 

Die Konjugation, im wesentlichen die gleiche wie bei den 

I anderen Gattungen in der Tribus der Spirotaenieen, ist von jener 
der plakodermen Desmidiaceen verschieden. Die diesbezüglichen 

' sehr charakteristischen Unterschiede werden vielfach nicht genügend 
beachtet und seien daher nochmals angeführt. 

Bei den plakodermen Desmidiaceen, deren Membran aus zwei 
oder mehreren Segmenten besteht, findet im Beginn der Kopulation 
zunächst eine Lösung des Verbandes der Zelhvand an einer der 

I Segmentgrenzen statt: bei den Cosmarieen stets am Isthmus, wo 

I 

I 



216 



J. L ii t k e m ü 1 1 e r. 



die Zellhauthälften ineinander verschränkt sind, bei den Closterieen 
au der präformierten Teilungsstelle, bei den Penieen, wo mehrere 
solcher Teikiug-sstellen vorhanden sind, an einer derselben. Aus 
den geöffneten Zellen wölben sich die Kopulationsschläuche vor, es 
erfolgt die Vereinigung der Gameten und nachträglich haften den 
Zygosporen, durch Gallerte fixiert, die vier getrennten Membran- 
hälften der entleerten Mutterzellen an.^) 

Im Gegensatz dazu tritt bei den saccodermen Desmidiaceen 
— den Spirotaenieen und Gonatozygeen — während oder nach 
der Kopulation eine Trennung der Zellmembran in zwei Hälften 
nicht ein; der Kopulationsschlauch wird in der Zellmitte oder an 
irgend einer anderen Stelle, selbst an einem Pole, vorgetrieben und 
die Gameten vereinigen sich dann entweder außerhalb oder inner- 
halb der Mutterzcllen. Im ersteren Falle bleiben neben den Zygo- 
sporen die leeren Membranen der beiden Mutterzellen zurück, welche, 
abgesehen von der Austrittsöffnung für die Gameten, vollkonmien 
geschlossen sind. So verhält sich z. B. Netrium dlgitus (Ehrbg.) 
Itzgs. u. Rothe (Taf. II, Fig. 12). Findet dagegen die Vereinigung 
innerhalb der Mutterzellen statt, so bildet die verschmolzene Mem- 
bran der letzteren zunächst eine zusammenhängende Hülle um 
die junge Zygospore, verquillt aber später und ist an reifen 
Zygosporen gewöhnlich nicht mehr nachweisbar. Als Beispiele 
seien angeführt Mesotaenuim violascens De Bary (3, Taf. 7, 
Fig. 15 7 — 10) und Mcsotaenümi chlamydosporum De Bary (3, Taf. 7, 
Fig. D8— lü).^) 

*) Kini^^c Clüslcriiim -Artiiw [67. aiteniiatum Eliibg., dccorum lir6l)., 
Khrenher(jii Men., lunula (Müll.) Nitzsoll.] zeigen von dieser Kegel insolcrn 
eine Ansnahnie, als hier <lie J)iirchtrennung der Membran an der priiforniiinton 
'J'eilnngHstellc Hich niclit anf den gesainten Umfang der Zelle erstreckt. En 
(•ntHt<dit dafscllist nur ein (piei -lanzeltfcirnn'ger Sclilitz nii( iinsg(',sliil|)t(Mi liiindeni, 
ilurcli w(^l('.li(rn d(!r K(>j)iilati()iiM:s('liIancli vortritt, und man lindct HiiäL<u- üchcii 
den ZygOHporen die heidcüi cntlecrtiai M iittcr/ellen iiiclit in lIiilft(Mi zcrr.illcii, 
tdiidern ganz. 

*) IJei Spirolacnia condcnsala Hr6b. (1, \). lAW—HU, 1*1. G, Fig. 5— Iii 
liiid Spirotacnia olmrura italCi (13, p. 'M'ti) hIikI, obwohl die Vereinigung der 
(iaineten aulJi rlialb d(!r MutlerzelUüi (Mfolgt, liwrc Membranen der Icfzlereii 
:incli n« lM'?i ganz jungen ZygoMporrn ni(! zu linden, weil Hie gleicli bei lieginii 
•Icr Konjugal i(Mi biH zur UnHicbf barkeit v<'np>üllon. 



Die Gattung Cylindrocystis Menegh, 



217 



In der Gattung Cylindrocystis kommen beide für die saceo- 
dermen Desmidiaceen beschriebenen Formen von Konjugation vor 
und es lieg-en daher die Zygosporen bald frei außerhalb der Mutter- 
zellen — Cylindrocystis crassa De Bary (Taf. II, Fig. 13, 14) — 
bald sind sie bis gegen die Reife in die Mutterzellhaut einge- 
schlossen — Cylindrocystis cyanosperma Lagh. (Taf. II, Fig. 24 — 26), 
Cyl. tatrica Racib. (18, Tab. 14, Fig. 8), Cyl. polonica Eichl. u. Gutw. 
(6, Tab. 4, Fig. 2); Cylindrocystis Brehissonii produziert sogar freie 
und eingeschlossene Zygosporen. 

Die Zygosporen von Cylindrocystis Brehissonii, sowohl die 
„kissenförmigen" eingeschlossenen als die annähernd kugeligen 
freien, wurden von De Bary (3, p. 35—36, Taf. 7, Fig. E 9—16) 
ausführlich beschrieben und gut abgebildet. Bei letzteren soll es 
sich nach seiner Annahme um ein nachträgliches Austreten aus 
den Mutterzellen handeln, innerhalb deren sie ursprünglich lagen. 
Die als Stütze der Erklärung gebrachten Figuren sind jedoch 
keineswegs beweisend, denn das gleiche Bild würde auch dann 
entstehen, wenn die Vereinigung der Gameten zur Zygospore außer- 
halb der Mutterzellen stattfindet. Nach den Befunden an eigenen 
Präparaten ist letzteres tatsächlich der Fall und verläuft der Vor- 
gang folgendermaßen: Die zur Konjugation bereiten Zellen, meist 
langgestreckte Exemplare, liegen paarweise, aber nicht Wand an 
Wand, sondern durch einen Zwischenraum getrennt, nebeneinander, 
auch behalten sie gewöhnlich ihre gerade Gestalt bei. Sie treiben 
gegeneinander verhältnismäßig lange Kopulationsschläuche (Taf. II, 
Fig. 15), dann erfolgt die Vereinigung der Gameten im Zwischen- 
raum zwischen den Mutterzellen (Taf. II, Fig. 16) und die junge 
I Zygospore umgibt sich mit einer Membran. Mitunter bleiben — 
was auch bei der Konjugation plakodermer Desmidiaceen nicht selten 
1 vorkommt — in den entleerten Mutterzellen abgetrennte Plasmareste 
I zurück, die nicht zur Zygosporenbildung herangezogen wurden (Taf. II, 
I Fig. 17). Derartige abgetrennte Partien von Plasma wird man bei 
I den „eingeschlossenen" Zygosporen nicht finden, denn hier liegt 
1 die primäre Sporenmembran der Innenwand der vereinigten Zeilen 
unmittelbar an, umgibt also den gesamten Inhalt beider Zellen. 

Mag nun De Barys Erklärung richtig oder unrichtig sein, 
jedenfalls ist der bisher vereinzelt dastehende Fall, daß eine Spezies 



218 



J. Lütkein iill er. 



zweierlei verschiedene Zygosporen bildet, bemerkenswert und es 
wäre eine Klarstellung des Vorganges durch direkte Beobachtung 
wünschenswert. 

Von Cylindrocystis Brehissonii wurden auch Parthenosporen 
gefunden. Archer (2, p. 423) sah sie zuerst, hielt sie aber für 
Zygosporen — Doppel- oder Zwillingssporen — und tatsächHch 
haben sie viel Ähnlichkeit mit den Doppelzygosporen einiger Des- 
midiaceen. Auch eine Figur von Delponte (5, Tav. 14, Fig. 30) 
stellt, wie ich glaube, Parthenosporen dieser Spezies dar. Ich selbst 
fand sie in Niederösterreich und sah sie auch reichlich in einer 
Aufsammlung aus Finnland, welche mir von Dr. Borge freundlichst 
zur Untersuchung überlassen wurde. 

Die Gestalt der Parthenosporen ist annähernd nierenförniig, 
dieselben liegen paarweise nebeinander, mit der Konvexität der 
Krümmung einander berührend; sie gleichen somit im Umriß den 
zur Kopulation bereiten Zellpaaren. Ihre Sporennatur wird kennt- 
lich, sobald das Epispor gebildet ist und sich von der Zellwand, 
mit der es zunächst allseitig in Kontakt war, an den Polen zurück- 
zuziehen beginnt. Die weitere Entwicklung bis zur Reife stimmt 
vollständig mit jener der in die Mutterzellen eingeschlossenen Zygo- 
sporen überein (Taf. II, Fig. 18 — 20). Auf Apogamie können diese 
Parthenosporen nicht gut zurückgeführt werden, sondern es handelt 
sich wohl nur um Störungen im Verlauf des sexuellen Aktes, durch 
welche die Vereinigung der Gameten verhindert wurde und Par- 
thenosporenbildung als Notbehelf eintrat. Dafür spricht die Gestalt 
und das Vorkommen in Paaren. 

Da bei ( ■ylindrocyslis Brehissonii zwei Formen von Zygo- 
sporen festgestellt wurden, so könnte die Frage entstehen, ob es 
nicht auch zweierl(;i Parthenosporen gibt, d. h. außer den beschrie- 
benen in die Mutterzellen eingeschlossenen solche, die außcrhall) 
der letzteren zur Kntwicklung gelangen. Parthenosporen, die außer 
hall) der Mutterzellen liegen, wurden bei plakodermen Desmidiaceen 
liäuHg beobachtet, sie scheinen aber auch bei (hjltndrocysiis Bn- 
hissonii vorzukommen, wenigstens spricht dafür eines meiner Prü 
parate (Taf. II, Fig. 21 j. In diesem fnnd sich, rings umgeben vou j 
vegetativen Z(;llen, eine; (Jriipj)e von vier Sporen, welche das AiiR- 
Hclien jüngerer, außerhalb der Miittcrzellen liegender Zygosporen 



Die Gattimg Cylindrocystis Menegh. 



219 



zeigten. Neben zwei Exemplaren waren je zwei entleerte Mutter- 
zellen nachweisbar, den beiden anderen, merklich kleineren haftete 
jedoch nur je eine leere Zellmembran an. Daß die beiden fehlenden 
bei der Präparation verloren gingen, ist nicht anzunehmen, weil 
sowohl die kleine Sporeng-ruppe als die umgebenden vegetativen 
Zellen in ziemlich zähe Gallerte eingebettet lagen, auch deutet die 
geringere Größe der beiden Exemplare mit nur einer leeren Mutter- 
zellbaut auf Parthenosporen hin. 

Die Sporenmembranen wurden bisher nur bei Cylindro- 
cystis Brebissonii untersucht. Der Inhalt der anfangs von einer 
einfachen Zellulosemembran umkleideten Zygosporen kontrahiert 
sich bald und scheidet dann eine zweite Membran aus. welche von 
der älteren äußeren mehr oder weniger locker umschlossen wird. 
An der inneren Sporenhaut lassen sich später bei Untersuchung 
mit homogener Immersion zwei verschiedenartige Schichten unter- 
scheiden. Die oberflächliche ist dünn, tief braun gefärbt, fein grubig 
gestichelt und bei den kissenförmigen, innerhalb der Mutterzellen 
entwickelten Zygosporen überdies mit kleinen Exkreszenzen besetzt. 
Sie gibt mit Jodjodkalium und Schwefelsäure auch nach langer 
Einwirkung keine Zellulosereaktion. Die breitere Inneuschicht ist 
farblos oder doch viel heller braun als die äußere, nach Anwendung 
von Jodjodkalium und Schwefelsäure wird sie hellblau, ihr innerer 
Rand dunkelblau gefärbt. Die Membranen der Parthenosporen zeigen 
das gleiche Verhalten wie jene der Zygosporen. 

Bei der Keimung, die ebenfalls nur von Cylindrocystis Bre- 
hissonii bekannt ist, entleeren nach De Bary 3, p. 57, Taf. 7 E, 
Fig. 18 — 22) die Zygosporen je vier Keimlinge, Kleb ahn (11, 
p. 165, Taf. 17, Fig.'21) gibt deren Zahl mit 2-4 an. Weitere 
i Beobachtungen über die Keimung bei Cylindrocystis und den übrigen 
Spirotaenieen sowie bei Peniiim wären dringend erwünscht und 
für die Aufstellung eines natürlichen Systems von großem Wert. 

Es sei hier noch eine weitere Beobachtung von Kleb ahn 
(11, p. 165) erwähnt, die sich ebenfalls auf Cylindrocystis Bre- 
bissonii bezieht. Während bei Closterium und den Cosmarieen, so- 
weit bisher bekannt, in den Zygosporen die von den Mutterzellen 
stammenden Kerne getrennt bleiben und erst unmittelbar vor Beginn 
der Keimung zu einem einzigen verschmelzen, findet die Vereinigung 



220 



J. Lütkeinüller. 



der Kerne bei Cylindrocystis Brehissonii schon in einem frühen 
Stadium statt, lange vor der Reife. Ich kann das auch für Cylindro- 
cystis crassa bestätigen; bei Spirotaenia ohscura Ralfs dagegen 
erfolgt die Kernverschmelzung viel später, wenn die Sporenhäute 
schon vollständig entwickelt und braun gefärbt sind, aber selbst 
in diesem Stadium hat die Mehrzahl der Zygosporen noch zwei 
Kerne. ^) 



Wenn es sich darum handelt, zu entscheiden, ob eine Art in 
die Gattung Cylindrocystis einzufügen sei, so ist dafür, wie aus den 
voranstehenden Ausführungen erhellt, ein einzelnes Merkmal nicht 
ausreichend, denn es gibt keines, das der Gattung ausschließlich 
zukäme. Die Struktur der Zellmembran und ihr Verhalten bei 
Zellteilung und Konjugation lassen nur erkennen, ob eine Spezies 
zu den plakodermen oder saccodermen Desmidiaceen, im letzteren 
Fall auch, ob sie zu den Gonatozygeen oder Spiro taenieen gehört. 
Wurde die Zugehörigkeit zu den Spirotaenieen festgestellt, dann 
ermöglicht die Gestalt der Chloroj)horen die Unterscheidung von 
den anderen Gattungen dieser Tribus. Die Chlorophoren in der 
Gattung Netriiim Naeg. sind wohl denen von Cylindrocystis ähnlich, 
aber viel stärker und regelmäßiger entwickelt, auch fehlt den 
Nelrium-kvien eine Gallerthülle, welche bei Cylindrocystis konstant 
vorhanden ist. 

Man wird also, wenn eine zu bestimmende Art nach der 
Gestalt der vegetativen Zellen und der Chl()roj)h()ren zu (Cylindro- 
cystis gehören könnte, zunädist feststellen, ob sie saccoderm ist. 
Eine plakoderrne Spezies kann niclit zu Cylindrocystis geh()rcn, es 
kommen dann nur die Gattungen J^cnium und Cosmarimn in Jk- 
tracht. Wie zwischen diesen die Entscheidung getroffen werden 
kann, wurde in einer früheren Schrift (14, p. 332 — 337) von mir 
ausgeführt. Das dort angcgel)ene lJi)t(M suchungsschema, welches einen 
l)ruckf(;hlcr enthält, sei hier in richtiggestellter Form wiederholt. 

') Iii jiiii^'<;ii Zy^^oHporoii von Nctrinm (lifiilus hiiIi ich zwei Kcirnc; die 
[juUtTüurhuw/ vcW'i y (•r^^'ll) kein IN'.siill.'it, \v(!il (l(!r FurliHtoir nidiL mehr 
«'ififlranp. 



Die Gattung CyUndrocystis Menegh. 



221 



Schema für die üntersucliuiig der JPenium- Arten, 

1. a) Die Zellmembran besteht aus zwei Hälften (Schalen), deren 

Verbindungslinie die Zelle etwa in ihrer Mitte ringförmig 
umgreift 2 

h) Die Zellmembran ist aus mehr als zwei Segmenten zusammen- 
gesetzt, zeigt also mehrere Querlinien 3 

c) Die Zellmembran bildet anscheinend ein zusammenhängendes 
Ganze und läßt auch nach Färbung keine Segmentierung 
erkennen 4 

2. a) Poren vorhanden Tribus Cosmarieae 

h) Poren fehlen Tribus Penieae 

3. a) Die Zellmembran zeigt (gewöhnlich in der Zellmitte) eine 

Gruppe dicht nebeneinander liegender Querlinien. 

Tribus Closterieae ^) 

h) Es sind mehrere Querlinien in größeren Abständen von- 
einander erkennbar Tribus Penieae^) 

4. a) Zellmembran granuliert oder längsgestreift .... 5 
h) Zellmembran glatt 8 

5. a) Poren vorhanden 6 

h) Poren fehlen 7 

ß. a) Endvakuolen mit Gipskristallen vorhanden. Tnhws Closterieae 
h) Endvakuolen mit Gipskristallen fehlen . Tribus Cosmarieae 

7. a) Endvakuolen mit Gipskristallen vorhanden. 

Tribus Closterieae 

h) Endvakuolen mit Gipskristallen fehlen . . Tribus Penieae 

8. a) Poren vorhanden 9 

h) Poren fehlen 10 

9. a) Endvakuolen mit Gipskristallen vorhanden. 

Tribus Closterieae 

h) Endvakuolen mit Gipskristallen fehlen . Tribus Cosmarieae 



^) Bei vielen Closterium- Arten können außer den schmalen Membran- 
1 ringen in der Zellmitte, den Querbinden, welche bei der Zellteilung entstehen, 
i auch breitere Segmente, Gürtelbänder, beobachtet werden. Letztere sind auf 
typisches oder atypisches Ergänzungswachstum zurückzuführen. Den Penium- 
Arten fehlen die schmalen Querbinden stets, da die Zellteilung anders ver- 
läuft als bei Closterium. 



222 



J. Lütkemüller. 



10. a) Die Zellmembran ist in Kuprammoniumoxyd löslich. 

Tribus Spirotaenieae 

h) Zellmembran in Kuprammoniumoxyd unlöslich ... 11 

11. a) Endvakuolen mit Gipskristallen vorhanden. 

Tribus Closterieae 

h) Endvakuolen mit Gipskristallen fehlen . . Tribus Penieae 



Man zählt gegenwärtig; zur Gattung Oylindrocystis 16 Spezies, 
nämlich : C. americana W. et G. S. West, C. angulata W. et G. S. West, 
C. Brebissonii Menegh., C. crassa De Bary, G. cyanosperma Lagh., 
C. depressa Turn., C. diplospora Lund., C. minutissima Turn., 
G. ohesa W. et G. S. West, G. ovalis Turn., G. polonica Eichl. 
et Gutvv., G. pyramidata W. et G. S. West, G. roseola Turn., 
G. sid)pyramidata W. et G. S. West, G. tatrica Racib. und G. tu- 
mida Gay. 

Von diesen können zur Gattung mit Sicherheit nur gerechnet 
werden G. Brebissonii Menegh., G. crassa De Bary, G. tatrica Racib. 
(18, p. 59, Tab. 14, Fig. 8), G. polonica Eichl. et Gutw. (6, p. 163, 
'lab. 4, Fig. 2) und G. cyanosperma Lagh. (Wittr. et Nordst., Alg. 
exsicc, Nr. 1150 et Fase. 35, p. 21). i) 

Wegen der Art, wie sie ihre Zygosporen bilden, gehören sie 
zweifellos zu den saccodermen Desmidiaceen und wegen der Be- 
schaffenheit der Chlorophoren zu Gylindrocystis. 

Ungenügend untersucht und daher zweifelhaft bezüglich ihrer 
Zugehörigkeit sind folgende 7 Arten: G. americana W. et G. S.West 
f27, p. 281, PI. 18, Fig. 5—6), 6'. depressa Turn. (24, p. 16, Tab. 17, 
Fig. 11), G. minutissima Turn. (24, p. 16, ^J^ab. 1, Fig. 24), G. ohesa 
VV. et G. S. West f30, p. 20, PI. 2, Fig. 6 und 31, ]). 60, PI. 5, 
Fig. 8), G. ovalis Turn. (24, j). 16, Tab. 1, Fig. 5), G. roseola T\m\. 
(25, p. 346, Fig. 18 und 31, p. (')2, PI. 4, Fig. 3!)) und G. tumida 
Gay f7, p. 52, 1, Fig. 1). 

') Dil der lU'.HvhvcWuiu^ von q/anosperwa \j:\ii;h. keine Fißnr beiffü- 
jfrbcn iKt, ho brin^M-, icb Iiier ClaW II, Fif,^ 22~2()) eine Skiz/e von vc^M'tnfiven 
'/jt'Wt'n lind von /y(,a>Hporcn, ^^e/cnclinet rnieli (i(!in zitierten KxHikk:it. Wie mir 
Prof, V. La^^r-rliei wi frcnndlieliMt mitteilte, hielt er eine Abbildiin;;' für iibor- 
(lÜHhi^, weil 'Ii' ' tativen Zelbrn vom TypiiH der (ji;ittnn^ nielit Jibw(?ichen. 



Die Gattung Cylindrocystis Menegh. 



223 



Über die BeschafFenheit der Zellmembran fehlen Angaben, 
Zygosporen wurden nicht gefunden, selbst über die Gestalt der 
Cldorophoren bestehen zum Teil Zweifel. 

Vier Arten sind aus der Gattung auszuschließen: C. diplospora 
Lund., C. angidata W. et G. S. West, G. suhi^yramidata W. et G. S. 
West und C. pijramidata W. et G. S. West. 

Cylindrocystis diplospora wurde von Lund eil (15, p. 83, 
Tab. 5, Fig. 7) nur vorläufig, und zwar hauptsächlich der Chloro- 
phoren wegen in die Gattung eingestellt und der Autor selbst hob 
das abweichende Verhalten bei der Zygosporenbildung (den Zer- 
fall der Zellmembran in Hälften) hervor. Reinsch (20, p. 87, 
Taf. 17, Fig. 1), der Lundells Beschreibung nicht kannte, fand 
zwei Arten von Desmidiaceen mit doppelten Zygosporen, für welche 
er eine neue Gattung — Scliizospora — aufstellte. Die eine dieser 
beiden Arten ist nach Nordstedt (16, p. 66) mit Gyl. diplospora 
Lund. identisch, von Reinsch erhielt sie den Namen Sclüzospora 
pachyderma. Jacob sen (9, p. 164), der die Gattungen Mesofae- 
nium und Cylindrocystis mit Feniiim vereinigte, nannte die Spezies 
Fenium dijüospornm, Wolle (34, p. 56, PL 12, Fig. 18) dagegen, 
welcher ebenfalls Cylindrocystis nicht von Fenium trennte, führte 
sie als Calocylindrus diplosporns an, also als Cosmarium sensu Ralfs. 

Die Zygosporen zeigen, daß die Spezies nicht zu Cylindro- 
cystis, sondern zu den plakodermen Desmidiaceen gehört; untersucht 
j man leere vegetative Zellen, so lassen sich nach Tinktion mit Ani- 
linfarben Poren nachweisen, welche ziemlich dicht gestellt und 
gleichmäßig über die ganze Zellhaut (mit Ausnahme der porenfreien 
Mittelzone) verteilt sind. Cylindrocystis diplospora gehört also nach 
j der Struktur der Zellmembran in die Tribus der Cosmarieen und 
' nach der Gestalt der vegetativen Zellen in die Gattung Cosmarium 
Corda f sensu Ralfs). 

Die Chlorophoren, von welchen in jeder Zellhälfte eines vor- 
handen, haben Ähnlichkeit mit denen von Cylindrocystis Brebis- 
{ sonii; von dem axilen länglichen Mittelstück mit einem großen 
I Pyrenoid gehen radiär gestellte Längsleisten aus (etwa 12), welche 
! durch Einschnitte in Läppchen zerlegt sind. Anastomosen der 
! Leisten und unregelmäßige Stellung der Läppchen kommen häufig 
vor (Taf. II, Fig. 27). 



224 



J. Lütkemüller. 



Von Cylinärocystis diplospora wurden mehrere Varietäten und 
Formen beschrieben; ob alle zu Lundells Art gehören, ist nicht 
ganz sicher. Eine derselben, die var. steiiocarpa Schmidle (21, p. 16, 
Taf. 1, Fig. 10), scheint durch Gestalt und Größe sowohl der vege- 
tativen Zellen als der Zygosporen so weit verschieden, daß sie 
wohl richtiger als besondere Spezies aufzufassen wäre. 

Konserviertes Material von Cylindrocystis pyramidata und 
Cyl. siihpyramidata überließ mir Prof. G. S. West freundlichst zur 
Untersuchung. 

C. siihpyramidata W. et G. S. West (28, p. 162, PI. 2, Fig. 8 
bis 11) bildet Zygosporen, welche beweisen, daß die Spezies zu 
den plakodermen Desmidiaceen gehört. Die Membran der Mutter- 
zellen klappt bei der Kopulation in zwei Hälften auseinander und 
den Zygosporen haften vier leere ZelUiauthälften an. Durch Fär- 
bung lassen sich an den letzteren mäßig dicht stehende, gleichförmig 
verteilte Poren nachweisen. 

Auch an den Zygosporen von Cylindrocystis pyramidata W. 
et G. S. West (29, p. 134, PI. 18, Fig. 1—2 und 32, p. 188, PI. 13, 
Fig. 3 — 4) findet man, wie die Figur von West zeigt, die ent- 
leerten Mutterzellen in Hälften zerfallen; die vegetativen Zellen 
haben gleich jenen der vorigen Spezies eine schwache, aber deut- 
liche Mitteleinschnürung, an abgestorbenen Zellen ohne Inhalt er- 
kennt man die Trennungslinie der beiden Zellhauthälften, ebenso ■ 
— schon ohne Färbung — Poren in ähnlicher Verteilung wie bei I 
Cyl. suhpyramidata. Peide Arten sind also in die Gattung Gosma- 
rium zu versetzen. Für ü. pyramidata wird dadurch — weil (hs- 
maritim pyramidatum Pr6b. eine giltige Art ist — ein neuer Name 
nötig, G. S. West (33, p. 85) schlug den Namen Cosmariiim cylin- 
drocysti forme vor. 

Von Cylindrocystis angulata W. et G. S. West (26, ]). 2.')7, 
ri. 13, Fig. 25 — 20) sind die Zygosporen nicht bekannt, die 
vegetativen Zellen haben aber eine deutliche Mitteleinschnlirung 
und Poren, es handelt sich also gleichfalls um eine plakoderme 
Art aus der Gattung (Josmaritim., welche mit (hsmariiim ade- 
lorJiondrum (Flfv.) lilltkem. verwandt zu sein scheint. Wolle 
f35, p. 23, 'J^af. 56, Fig. 7 8) hielt die Spezies für Cylindro- 
cystis tiiwidti 0;iy, W. mul (i, S. Wcsf stellten jedoch fest, daß eS 



1 



Die Gattung Cylindrocystis Menegh. 



225 



eine besondere Art sei. Nun kann aber weder der Speziesname 
von West noch jener von Wolle bleiben, da sowohl Cosmarium 
angulatum (Perty.) Rabh. als Cosmarium tumidiim Lund. giltige 
Arten sind^ es mag die Spezies daher Cosmarium floridanum heißen. 

Einen Zuwachs erhält das Genus Cijlindrocystis durch zwei 
bisher zu Penium gerechnete Arten: Penium Jenneri Ralfs und 
Penium acantJwsporum Lagh. 

Penium Jenneri Ralfs (19, p. 153, PI. 33, Fig. 2) wurde, 
obwohl von vielen Autoren in der Gattung Penium Br6b. ange- 
führt, eigentlich von den meisten als Cylindrocystis angesehen. 
Schon Ralfs erwähnt die eigenttimHche, von der anderer Desmi- 
diaceen verschiedene Art der Konjugation bei dieser Spezies und 
bei Penium Brehissonii (M6n.) Ralfs. In die Gattung Penium fügte 
er beide Arten nur aus praktischen Gründen ein, weil die Zygo 
Sporen so selten vorkämen, daß der Untersucher meist nicht im- 
stande wäre, zwischen Penium und Cylindrocystis zu unterscheiden. 
; Später stellte Kirchner (10, p. 136) die Spezies als var. Jenneri 
I zvi Penium Brehissoni und seinem Beispiel folgte Cooke (4, p. 43), 
! während Hansgirg (8, p. 175), De Toni (23, p. 815), Petkoff 
(17, p. 129) und Teodoresco (22, p. 90) sie als Cylindrocystis 
Brehissonii var. Jenneri bezeichneten. W. et G. S. West (31, p. 77 
' bis 78, PI. 7, Fig. 20 — 21) führen sie wohl unter Penium an, 
heben aber hervor, daß es sich wahrscheinlich um eine Spezies von 
] Cylindrocystis handle, welche Cylindrocystis Jenneri zu heißen hätte, 
j Nach der Art der Zygosporenbildung und der Gestalt der 
j Chloroplasten gehört Penium Jenneri zweifellos zu Cylindrocystis, 
\ gegen die Vereinigung mit Cylindrocystis Brehissonii sprechen aber 
I die kugligen, glatten Zygosporen, welche mit denen von Cylindro- 
cystis crassa übereinstimmen. Will man also Cylindrocystis Jenneri 
(Ralfs) W. et G. S. West nicht als besondere Art gelten lassen, so 
! könnte man sie nur zu Cylindrocystis crassa als Varietät stellen. 

Penium acanthosporiim Lagh. (12, p. 51, Taf. 1, Fig. 15 — 17) 
fand ich in einer Aufsammlung aus Lunz (Niederösterreich) und 
j konnte daher die Zellmembran genauer untersuchen. Sie ist poren- 
jfrei, nicht segmentiert und verquillt durch Kuprammoniumoxyd. 
iDie Zellen sind von einer schmalen Gallerthülle umgeben, welche 
Inach Färbung erkennbar wird; sie enthalten je ein oder zwei Chloro- 

Z. B. Ges. 63. Bd. 15 



226 



J. Liitkemüller. 



phoren, für welche die Bezeiclinung „steruförmig" paßt. Überdies 
läßt auch Lager heims Abbildung einer Zygospore mit den an- 
hängenden entleerten Mutterzellen darauf schließen, daß es sich um 
eine saccoderme Spezies handelt. 



Das vorläufige Ergebnis dieser Untersuchung über die Gattung 
Cylindrocystis ist aus der untenstehenden Zusammenstellung er- 
sichtlich. 

Genus: Cylindrocystis Menegh., De Bary. 

Speeles : 

1. Cylindrocystis acantJios2)ora (Lagh.) m. ; Peniuni acanthosporum 
Lagh., Bidr. Sver. Algfi., p. 51, Taf. 1, Fig. 15—17. 

2. Cylindrocystis Brehlssonii Menegh.^ Cenni sull. org., p. 329; 
Fahnella cyltndrospora Br6b., Alg. Fal., sec. Meneghini; Cym- 
hella laetevirens Harv., Man. Brit. Alg., sec. Ralfs; Fenimn pa- 
langula Br6b., Dict. univ. bist, nat.; Closterium Cylindrocystis 
Kütz., Phyc. germ., sec. Ralfs; Falmogloea Meneghini Kütz., 
Tab. phyc; Penium Brehissonii Ralfs, Brit. Desm.; Falmogloea 
(Cylindrocystis) Brehissonii Kütz., Spec. alg.; Gyges hipartitns 
Ehrbg., sec. Kuntze, Revis. gen. plant. (Teste Nordstcdt in 
Hedwigia, 181)3, haec species Ehrenhergii nulla planta des- 
midiacea est.) 

var. turgida Schmidle, Bcitr. z. alpin. Algfl., p. 301), Taf. 14, 
Fig. 15. 

var. minor W. et G. S. West, Transact. Irish Acad., Vol. 32, 
p. 20, Fl. 2, Kig. 7. 

\a.Y. purpurea Lagerh. in AVittr. et Nordst., Alg. excicc. 
Nr. 1590 et in Fase. 35, p. 21. 

3. Cylindrocystis er assa De Bary, Conjug., p. 37, 74, Taf. 7, Fig. C, 
1 — 12; Trichodictyon rupestre Kütz., Tab. phycol. sec. Archer; 
V Coccochloris Hrnbissonii Thwait., sec. Archer; ? Fenimn rupestre 
Rcinsch, Alg. prom. Bonac Spei.; Cyges rupestris Kuntze, Kcv. 
gen. i)lant. (Conf. Nordst. in Hedwigia, Vol. 32.) 

var. rlliptica W. et G. S. West, Alg. Madagasc, p. 4S, 115, 
Fig. 27. 

4. Cylindrorystis ryanospervia Lagh. in Wittr. et Nordst., Al^ 
cxHcicc. Nr. 1150 et Fase. 35, p. 21. 



Die Gattung Cylindrocystis Menegh. 



227 



5. Cylindrocystis Jenneri (Ralfs) W. et G. S. West, Brit. Desm., 
Vol. 1, p. 78, PI. 7, Fig. 20—21; Peniiim Jenneri Ealfs, Brit. 
Desm.; Fenium Brchissonü (Menegh.) Ralfs \ry. Jenneri Kircbn., 
Alg. Schles. ; Cylindrocystis Brebissonli Menegh . var. Jenneri 
(Ralfs) Hansgirg, Prodr. Algfl. Böhm. 

6. Cylindrocystis ])olonica Eiehl. et Gutw., Nonn. spec. alg. nov. 
Rospr. Wydz. mathem.-przyr. Akad. Umiej. w Krak., Tom. 28, 
p. 163, Tab. 4, Fig. 2. 

7. Cylindrocystis tatrica Racib., Nonn. Desm. Polon. Pam. Wydz. 
mathem.-przyr. Akad. Umiej. w Krak., Tom. 10, p. 59, Tab. 14, 
Fig. 8. 

Speeles accuratius inqiiirendae: 

8. Cylindrocystis americana W. et G. S. West, Desm. Un. Stat. 
Jom-n. Linn. Soc, Vol. 33, p. 281, PI. 18, Fig. 5—6. 

9. ? Cylindrocystis de])ressa Turn., Alg. Ind. or., p. 16, PI. 7, Fig. 11. 

10. Cylindrocystis minutissima Turn., Alg. Ind. or., p. 16, PI. 1, 
Fig. 24. 

11. Cylindrocystis ohesa W. et G. S. West, Alg. North Irel. Trans. 
Ir. Aead., Vol. 32, p. 20, PI. 2, Fig. 6. 

12. Cylindrocystis ovalis Turn., Alg. Ind. or., p. 16, PI. 1, Fig. 5. 

(? Oocystis spec. sec. W. et G. S. West, Journ. of Bot.^ 
1895.) 

13. Cylindrocystis roseola Turn., Desm. notes, p. 346, Fig. 18 (p. 344). 

14. Cylindrocystis ttimida Gay, Ess. mon. Conjug., p. 52, PI. 1, 
Fig. 1; Gyges timidus (Gay) Kuntze, Rev. gen. plant. (Conf 
Nordst. in Hedwigia, Vol. 32.) 

Species excludendae et in genus Cosmariwn Corda (sensu 
Ralfs) transponendae: 

1. Cosmarium cylindrocystiforme G. S. West, Algol. Notes, V — IX, 
Journ. of Bot., 1912, p. 85; Cylindrocystis injramidata W. et 
G. S. West, Freshw. Alg. Ceylon et Alg. fr. Burma. 

2. Cosmarium diplosporum (Lund.) m.; 1 Cylindrocystis diplospora 
Lund., Desm. Suec., p. 83, Tab. 5, Fig. 7; Schisospora pachyderma 
Reinsch, Contr. Algol, et Fungol. sec. Nordst.; Fenium diplo- 
sporiwi (Lund.) Jacobs., Desm. Danem.; Calocylindrus diplo- 
sporus Wolle, Bull. Torr. bot. Club, Vol. 10 et Desm. Un. Stat.; 
Cosmarium pseudohihernicum Ltitkem., Zur Kennt, d. Desm. 

15* 



228 



J. Liitkemüller. 



Böhmens, Verb, zool.-bot. Ges. Wien, Jg. 1910; Gyges diplospoms 
(Lund.) Kuntze, Kev. gen. plant. (Conf. Nord st. in Hedwigia, 
Vol. 32.) 

var. niajus (W. West) m. Cylindrocystis diplos2)ora Lund. 
var. major W. West, Alg. W. Irel., p. 131, PL 20, Fig. 5. 

var. minus (Cushm.) m. Cylindrocystis diplospora Lund. 
var. minor Cushm., Bull. Torr. bot. Club, Vol. 33^ p. 348. 

3. Cosmaritm floridamim m. ; Cylindrocystis angidata W. et Gr. S. West 
N. Amer. Desm., p. 237, PI. 13, Fig. 25, 26; Penium timidum 
Wolle, Freshw. Alg. Un. Stat. (nee Cylindrocystis tumida Gay). 

4. Cosmarium stenocarpum (Schmidle) m. Cylindrocystis diplospora 
Lund. var. stenocarpa Schmidle, Engl. bot. Jahrb., Vol. 26, p. 16, 
PI. 1, Fig. 10. 

5. Cosmarium suhpyramidatiim (W. et G. S. West) m. Cylindrocystis 
sid)pijramidata W. et G. S. West apud Schmidt, Fl. Koh-Chang, 
p. 162, Taf. 2, Fig. 8—11. 



Im Text zitierte Literatur. 

1. Archer W., On the conjugation of Spirotaenia condensata Br6b. and of 
Spirotaenia truncata Arch. Quart. Journ. Micr. Sc, n. S., Vol. 7, 1867. 

2. Archer W., Doiible-sp«)red or twin-spored foriii of Cylindrocystis Bre- 
hissonii. Ibidem, n. S., Vol. 14, 1874, p. 423. 

3. Bary A. de, Untersuchungen über die Familie der Conjugaten. Leipzig, 
1858. 

4. Cooke M. British Desmids. A Supplement to tho British Freshw ater 
Algae. London, 1886—1887. 

T). Dclpontc J. B., Specinien Desmidiacearuni subalpinaruni. Mem, dell. K., 
Acad. delle Scienze di Torino, Ser. II, Vol. 28, 1876, Vol. 30, 1878. 

C. Kichler B. et Gutwinski Ii., De nonnullis «peciebus algarum novariini. 
RoHpr. Wydz. mathem.-przyr. Akad. Umioj. Krak., 'I'oni. 28, 1894. 

7. (iay F., Lssai d'une monogr;iphi(! localc des (Jonjug6eH. Montpellier, 1881. 

5. llaiiHgirg A., TrodroinuH der Algenflora von IJöhnien. L Tciil. Arch. (1. 
naturw. Landesdurchforschg. v. Böhmen, 5. Bd., Nr. 6, Bot. Abt. Prag, 1886. 

1>. .JacobHcn .1.1'., Aper(;u sysfematitiuo et critiipie sur lefl Dc.sniidijicees 
du Danemark. Botanirtk Tidsk., 2. raekke, 4. Bd., 1874 — 1876. 

10. Kirchner 0., Kryptoganiciillora von SchUisicn. 2. Bd., I. Iliilfte, Algen. 
Bn-Hlan, 1H78. 

11. Klobahri II., T'ber die ZygoHporen einiger (Conjugaten. Bcr. d. deutsch, 
bot. (jo8., Bd. 6, 1888. 



Die Gattung Cylindrocystis Menegh. 



229 



12. Lagerheira G., Bidrag- tili Sveriges Algflora. Öfvers. k. Vetensk. Akad. 
Förhaudl, 1883. 

13. Liitkemüller J,, Die Zellmembran der Desmidiaceen. Cohns Beitr. z. 
Biol. d. Pflanzen, Bd. 8, 1902. 

14. Liitkemüller J., Zur Kenntnis der Gattung Penium Breb. Verb. d. zool.- 
bot. Ges. Wien, Jahrg. 55, 1905. 

15. Lundell P. M., De Desmidiaeeis, qiiae in Suecia inventae sunt, obser- 
vationes criticae. Nov. act. r. soc. scient. Upsal., Ser. 3, Vol. 8, 1871. 

16. Nordstedt 0., Einige Bemerkungen über die Desmidiaceen in „Contribu- 
tiones ad Algologiam et Fungologiam auctore P. F. Keinsch". Hedwigia, 
1876. 

17. Petkoff St., Contribution a l'etude des Algues d'eau douce vertes en 
Bulgarie. Bulgar. kniz. druz, Period. spis., Nr. 57, 1898. 

18. Raciborski M., De nonnnllis Desmidiaeeis, quae in Polonia inventae sunt. 
Para. wydz. matheni.-przyr. Akad. Umiej. Krak., Tom. 10, 1885. 

19. Ralfs J., The British Desmidieae. The drawings by Ed. Jenner. London, 
1848. 

20. ReinschP.F., Contributiones ad Algologiam et Fungologiam. Lipsiae, 1875. 
2L Schmidle W., Die von Prof. Volkens und Dr. Stuhlmann in Ost-Afrika 

gesammelten Desmidiaceen. Englers botan. Jahrb., Bd. 26, 1898. 

22. Teodoresco E. C, Materiaux pour la flore algologique de la Roumanie, 
Ann. des sciences naturelles, 9. Ser., Bot., Vol. 5, 83. Jahrg., 1907. 

23. Toni G. B. de, Sylloge algarum omnium hucusque cognitarum. Vol. L 
Chlorophyceae. Patavii, 1889. 

24. Turner W. Barwell, Algae aquae dulcis Indiae orientalis. K. Svensk. 
Vet. Akad. Handig., Bd. 25, Nr. 5. Stockholm, 1892. 

25. Turner W. Barweli, Dcsmid Notes. Naturalist. Leeds, 1893. 

26. West W. et G. S., On sorae North American Desmidieae. Trans. Linn, 
i Soc. of London, IL Ser., Bot,, Vol. 5, p. 5, 1896. 

! 27. West W. et G. S., On some Desmids of the United States. Journ. Linn. 
I Soc. of London, Bot., Vol. 33, 1898. 

I 28. West W. et G. S., Fresh Water Chlorophyceae. In Schmidt, Flora of 
1 Koh-Chang. Botanisk Tidsk., Vol. 24, 1901. 

I 29. West W. et G. S., A contribution to the Freshwater Algae of Ceylon. 
I Trans. Linn. Soc. of London, II. Ser., Bot., Vol. 6, 1902. 

30. West W. et G. S., A contribution to the Freshwater Algae of the North 
of Ireland. Trans. R. Irish Acad., Vol. 32, 1902. 

31. West W. et G, S., A Monograph of the British Desmidiaceae. (Printed 
for the Ray Soc.) Vol. I. London, 1904. 

32. West W. et G. S., Algae from Burma. Ann. Roy. Bot. Gard. Calcutta, 
' Vol. 6, 1907. 

33. West G. S., Algological Notes, V-IX. Journ. of Bot., 1912. 

34. Wolle Fr., Desmids of the United States and list of American Pediastrums. 
Bethlehem Pa., 1884. 



230 



J. Lütkemüller. Die Gattung Cylindrocystis Menegh. 



35. Wolle Fr., Freshwatcr Algae of the United States (exclusive of the 
Diatomaceae); compleinental to Desmids of United States. Bethlehem Pa., 
1887. 

Bezüglich der Zitate der Synonyme sei auf Nordstedts Index Des- 
midiacearuiu verwiesen. 

Erklärung der Abbildungen. 
Tafel II. 

Fig. 1—3. Cylindrocystis Brebissonii Menegh. 700:1. Bau der Chlorophoren. 

„ 4. Netrium ohlongum (De Bary) Lütkem. 370 : 1. Bau der Chlorophoren. 

„ 5. Cylindrocystis crassa De Bary. 700:1. Bau der Chlorophoren. Kür- 
zere Zelle mit annähernd sternförmigen Chlorophoren. 

„ 6, 7. Cylindrocystis crassa De Bary. 500:1. Verdopplung der Pyrenoide. 

„ 8. Hyalotheca dissiliens (Smith) Bröb. 550 : 1. Verdopplung der Pyrenoide. 
In der oberen Zelle (bald nach der Teilung) die Pyrenoide noch un- 
geteilt, der Kern selten ständig, in der unteren Zelle die Pyrenoide 
geteilt, der Kern in den Mittelraum einrückend. 

„ 9, 10. Zygnema spec. 300:1. Verdopplung der Pyrenoide. 

„ 11. Cylindrocystis crassa De Bary. 500:1. Abnorme Zellteilung (unter- 
bliebene Scheidewandbildung). 

„ 12. Netrium diyitus (Ehrbg.) Itzigs. et Rothe. 200:1. Junge Zygospore. 

„ 13, 14. Cylindrocystis crassa De Bary. 500 : 1. Fig. 13 Kopulation, Fig. 14 
Zygospore. 

„ 15—17. Cylindrocystis Brebissonii Menegh. 500:1. Bildung der freien 
Zygosporen. Fig. 15 Kopulation, Fig. 16 Eintritt der Gameten in den 
erweiterten Kopulationskanal, Fig. 17 junge Zygospore; in einer der 
Mutterzellen ein Plasniarest. 

„ 18—20. Cylindrocystis Brebissonii Mem^^h. 500:1. Parthenosporen. Fig. 18 
halbreif mit der umschließenden Mutterzellenhaut, Fig. 19 reif, die 
Zellhaut verquollen, Fig. 20 reif, die zugehörige zweite Zelle ab- 
gestorben. 

„ 21. Cylindrocystis Brebissonii Menegh. Zwei freie Zygosporen und 

zwei mutni:if{liche fr(!ie PartluMiosporen. 
„ 22—20. Cylindrocystis cyanos])ernia \.ii}i;h. (500:1. Fig. 22, 23 vegetative 

Zellen, Fig. 24 Kopulation, Fig. 25, 20 Zygosporen. 
„ 27. Cosmnrium diplosporum (Lund.) m. 450:1. Zelle mit unregelmäfligen 

( ;hloroj)hor(;n-, unt<^re Z(!llhälfte bei oberflächlicher, obere bei zenfralcr 

KinHtclIung. 

„ 28. CoHmnrium suhpyrnmidalum (W. et (J. S. West) m. 500: 1. Zygosiiore. 
hl (\('.u Icfircn ZellhauMiälftcin die P<»r(!n gefärbt. 
Di« Figuren 1 — 11 und 27 sind mich fixiertem ^'efärbten und in vene/ianischem 
Terpentin eingeHcliloH.sfinen M:it<Mial ge/(!ielinet. 



erhandl. der 1c. Je. zool.-hoian. Ges., 
Band LXIII, 1913. 



Taf. II. 



Br, J. LiWcemülIer : 
Die Gattung Cylindrocystis Menegh. 




Nachruf für Michael Ferdinand Miillner. 



231 



Nachruf für Michael Ferdinand Müllner. 

Von 

Dr. Karl Rechinger. 

Mit einem Porträt im Texte. 

Vor mehr als Jahresfrist verlor die k. k. zoologisch-botanische 
Gesellschaft ein langjähriges, überaus eifriges MitgHed, dessen sym- 
pathische Erscheinung und liebenswürdiges, bescheidenes Wesen 
allen Mitgliedern von vielen Sitzungen und Veranstaltungen der 
Gesellschaft wohl bekannt war — Michael Ferdinand Müllner. 

Mit den Worten: „. . . Zum Beweise der hohen Achtung, die 
ich stets für die Naturwissenschaften hatte, vermache ich mein 
schuldenfreies Haus in Wien XIV., Reichsapfelgasse Nr. 39 samt 
Vorgarten und hinter dem Hause befindlichen Garten der k. k. zoo- 
I logisch-botanischen Gesellschaft in Wien. Sämtliche Legate sollen 
' den Empfängern abzugsfrei übergeben werden" vermachte Müllner 
sein Haus der Gesellschaft und erwies dadurch derselben, der er 
so viele Jahre Anregung und Förderung seiner idealen Bestrebungen 
verdankte, eine bleibende, sehr wertvolle materielle Unterstützung. 

Es ist dies das Haus, das gewiß jedem, der durch die Maria- 
hilferstraße nach Schönbrunn oder Hietzing gelangt, aufgefallen ist, 
am Rudolfsheimer Markt gelegen (XIV., Reichsapfelgasse 39), ein 
einstöckiges, weitläufiges Gebäude samt Garten und Vorgarten im 
gemütHchen Altwiener Stil. Es ist ungefähr im Jahre 1820 erbaut, 
später erweitert worden und trägt im dreieckigen Giebelfeld unter 
einem anmutigen Blumenkranz mit seitlich flatternden Schleifen als 
Relief die Aufschrift „Rosalia Schröders Haus".^) 

In demselben Hause, das damals die Bezeichnung Rustendorf 
Nr. 42 trug, erblickte Müllner am 29. September 1847 das Licht 

^) Das Haus ist in der „Österreichisciien Kunsttopographie", Band II, 
Die Denkmale der Stadt Wien XI.— XXI. Bezirk, p. 206—207 mit nachstehen- 
den Worten beschrieben: Schwendergasse 43 (Rosalia Schröders Haus), ein- 
stöckig, fünfzehn Fenster Front mit schwach vorspringendem Mittelrisalit, Unter- 
geschoß mit Rustika-Imitation, das Obergeschoß mit feingliederigem Sockel, 
die drei Flügel mit Ortsteinen eingefaßt. Im Mittelrisalit unter den Fenstern 



232 



Karl Rechiiiger. 



der Welt, brachte darin sein ganzes Leben zu und starb daselbst 
am 2. Februar 1912. 

Nach Absolvierung der Kealschule und der Handelsakademie 
in Wien war Müll n er einige Jahre als Bankbeamter tätig, mußte 
aber bald diesen Beruf aufgeben, da seine Gesundheit durch An- 
zeichen desselben Übels gefährdet erschien, dem alle seine drei 
Geschwister in jungen Jahren erlegen waren. Von da an lebte er 
als Privatier ausschließlich seinen vielseitigen Interessen, die sich 
außer auf Naturwissenschaften auch auf Kunst, Kunstgeschichte, 
besonders auf Malerei und Skulptur erstreckten. 

Im Jahre 1874, im Alter von 27 Jahren, trat M. F. Müllner 
der zoologisch-botanischen Gesellschaft in Wien als Mitglied bei, 
wurde einige Jahre darauf in den Ausschuß der Gesellschaft ge- 
wählt und gehörte demselben bis an sein Lebensende an. 

Er legte ein sehr schön und instruktiv präpariertes Herbarium 
an, das zum größten Teil aus selbst gesammelten Phanerogamen und 
Pteridophyten bestand; es umfaßte Osterreich und das angrenzende 
Ungarn, überdies aber auch eine gute Typensammlung europäischer 
Pflanzen überhaupt, die er zum Teil durch Tausch und Kauf erwarb. 

Von fremden Herbarien besaß Müllner prachtvoll und in- 
struktiv gesammelte Cyperaceen, Juncaceen und Gramineen aus dem 
Nachlasse des ehemaligen Mitgliedes der zoologisch-botanischen Ge- 
sellschaft, des bekannten Bryologen J. Juratzka in Wien. Außerdem 
beteiligte er sich an den Exsikkatenwerken: A. v. Kern er, Flora 
exsiccata austro -hungarica sowie besonders eifrig an dem in 
Breslau erscheinenden Herbarium Cecidiologicum von F. Pax und 
F. Diettrich. 

Ferner legte Müll n er eine umfangreiche Sammlung von Ceci- 
dien in Herbarform an und daneben eine solche hauptsächlich nur 
von Cecidien der ('ynipiden, die auf Nadeln gespießt und in Insekten- 
laden verwahrt waren. Als Ergänzung hiezu dienten die oft mit vieler 
Muhe hieraus gezogenen Erzeuger und Einmietler dieser Gallen. 

Eine Sammlung von Käfern, Schmetterlingen und Insekten 

(Ich (;l)('r^(;.s(li().MH(;H ciri^M-blcndct«; It()R(;tl<;ii. Vor^n'.I.'i^^crtor (Jicbel mit Auf- 
Hchrilf lind lUtkr'nnuuii; (IiiitIi einen Hkiili)ti(3rten, IVei ;uii'^^0H(^t7>ten IJluiiionkninZ 
Miif liiiridern. Zie^r(;|w;iirn(l;ic,li iilKir <1jih f:;'.iu'/A} Haus. Auh zvviiiizi^J^or 
.lalinri <\r<- MX .Fnln liiuidortH in Ani)}iHHiinp ;in das NuelihjuliaM.s Nr. 'II. 



Nachruf fiir Michael Ferdinand Müllner. 233 

aus anderen Gruppen spendete Müllner noch bei Lebzeiten dem 
Niederösterreichischen Landesmuseum in Wien. 

Alle diese Sammlungen kamen — mit Ausschluß der letzt- 
genannten — nach seiner letztwilligen Verfügung in den Besitz des 



k. k. naturhistorischen Hofmuseums in Wien, zum Teil in die bota- 
nische, zum Teil in die zoologische Abteilung. 

Speziell seine Sammlung von Cecidien, die jetzt in der zoolo- 
gischen Abteilung des Hofmuseums in Laden zur Aufstellung gelangt 
ist, bildet zusammen mit den Sammlungen von Gustav Mayr und 
Franz Low den Grundstock der neu angelegten cecidiologischen 
Sammlung der genannten Abteilung. 



234 Karl Rechinger. Nachruf für Michael Ferdinand Müllner. 



Mit den beiden eben genannten Forschern wie auch mit Paul 
Low, J. Mik, G. Wachtl, A. Nalepa und dem frühzeitig ver- 
storbenen Stadtgärntner G. Sennholz stand M tillner in regem 
wissenschaftlichen Verkehr. 

Schon vier Jahre nach seinem Eintritt in die zoologisch-bota- 
nische Gesellschaft gelang es Müll n er, so bemerkenswerte Funde 
zu machen, daß er mit seiner ersten Publikation über das Auffinden 
der Garex strigosa Huds. im Wiener Walde in den „Verhandlungen" 
der zoologisch-botanischen Gesellschaft hervortrat. 

Im Laufe der Jahre publizierte Müllner folgendes: 

1. Gar ex strigosa Huds. {Garex leptostachys Ehrh.) in den 
Sitzungsberichten d. zool.-bot. Ges., Bd. 28, 5. Juni (1878). 

2. Über niederösterreichische Oart^wws-Bastarde in 
den Sitzungsber. d. zool.-bot. Ges., Bd. 31, 7. Dezember (1881). 

3. Garduus crispusX defloratus, G. defloratusX Fer So- 
nata, Verhascum Thapsusy^nigrum in den Sitzungsber. d. zool.- 
bot. Ges., Bd. 32, 5. Dezember (1883). 

4. Hieracium glaucoides MtiUner in G. v. Beck, Flora 
von Hernstein in Becker, Hernstein in Niederöst., I. Bd., p. 447 
Taf. VII, Fig. 2 b (1884). 

5. Zwei hybride Cirsien in Sitzungsber. d. zool.-bot. Ges., 
Bd. 35, 2. Dezember (1885). 

6. Gentaurea Beclciana nov. hybr. (G. angustifolia Sehr. 
X G.Jlhenana Bor.) in Sitzungsber. d. zool.-bot. Ges., Bd. 38, 7. März 
(1888) und Neue Pflanzen für Nieder-Österreich ebenda. 

7. Quer CHS lanuginosa Thuill. X Q. liohur L. {Q. Ka- 
nitziana Borb.) und Q. liohur X Q. sessiliflora Salisb. {Q. inter- 
media Boenn.) in Sitzungsber. d. zool.-bot. Ges., Bd. 44, 3. .Jänner 
(1894). 

8. Senecio Ilrimerlii nov. hybr. (iV. rupesiris W. K. X S. sil- 
vaticus L.) in Sitzungsber. d. zool.-bot. Ges. Wien, Bd. 45, 15. Fe- 
bruar (1895). 

9. Neue Zcrr-Eichen-Cynipiden und deren Gallen in 
Verhandl. d. /ool.-bot. Ges., Bd. 51, p. 525- 530, mit 2 ^rafehi (1901). 

Mlillii(;r /u Ehren wurden zwei Hybriden benannt: Garduui^ 
M nlhicri Sc^nnli. (G. Person ala'/ arrlioidrs) und Humex Müllncn 
l{ecliin^<;r (II. l'dlioit'id luimalus). 



Equidenstudien. 



235 



Equidenstudien. 

Von 

Dr. O. Antonius. 

L Über das Aussehen des Tarpans. 

Mit einer Figur im Texte. 
(Eingelaufen am 15. März 1913.) 

Im folgenden beginne ich mit der Veröffentlichung einer zwang- 
losen Reihe kürzerer Aufsätze über Fragen aus der Zoologie und 
Paläontologie der Equiden. Wenn sich der erste dieser Aufsätze 
mit einem vom Verfasser schon an anderer Stelle (1) besprochenen 
Thema beschäftigt^ so hat dies seinen Grund hauptsächlich darin, 
daß ich heute in der Lage bin, eine — wie ich glaube einwand- 
freie — „Rekonstruktion" dieses im vorigen Jahrhundert aus- 
gerotteten Tieres vorzulegen. Diese Rekonstruktion stützt sich auf 
die Zeichnung in dem vorzüglichen Buche von Simonoff und 
Moerder (2), Die russischen Pferderassen, Fig. 2,^) welche nach 
der einzigen bekannt gewordenen Photographie des letzten Tarpans 
hergestellt ist. Die sehr charakteristische Haltung des Tieres wie 

; auch seinen Körperbau habe ich nicht verändert, dagegen am Kopfe, 
dessen Proportionen im übrigen ebenfalls beibehalten sind, das von 
Tscherski (3), dem wir die besten und ausführlichsten Mitteilungen 
über die Osteologie des Tarpans verdanken, hervorgehobene kon- 

1 kave Profil bei kurzem, hohem Schnauzenteil stärker markiert. Der 
Zeichner des Bildes in Simonoff und Moerder hat augenschein- 
lich darauf zu wenig Wert gelegt. Verändert erscheint an meinem 
Bilde außerdem die Mähne des Tieres. Der letzte Tarpan hatte 
als Domestikationserscheinung eine über 40 cm lange hängende 
Mähne. Ursprünglich aber hatte zweifellos auch das russische Wild- 
pferd die kurze, mehr minder aufrechte Mähne aller wilden Equi- 



^) Fig. 1 desselben Werkes ist wie alle übrigen mir bekannten Zeich- 
nungen des Tarpans ein reines Phantasieprodukt! 

I 



236 



0. Antonius. 



den. — Aus dem Bilde gebt wohl auch für den nicht hippologisch 
geschulten Beschauer die vollständige Verschiedenheit von dem 
Typus des rezenten mongolischen Wildpferdes hervor. Dagegen 
ergibt sich ein unverkennbarer Anklang an das altgriechische 
Pferd, das die Künstler des Parthenonfrieses in so prächtiger 
Lebendigkeit wiedergegeben haben. Diese Ähnlichkeit wird haupt- 
sächlich durch die Übereinstimmung in zwei Punkten hervorgerufen: 
in der Haltung des Kopfes und in der Stellung des Oberarmes. 
Hier wie dort finden wir den gleichen hochgetragenen Kopf mit 
dem dicken Genickansatz auf „verkehrtem" Halse, wie der hippo- 
logische Ausdruck lautet. Und die gleiche Übereinstimmung zeigt 
sich auch in der steilen Lage des Humerus, deren starke Aus- 
prägung die eigentümlich „vorhängige" Stellung der Parthenon- 
pferde bewirkt. Unter dem Reiter müßte der Tarpan genau die 
gleiche Haltung gezeigt haben. Ob wir aus dieser Übereinstimmung 
auf eine engere Verwandtschaft der beiden Pferdeformen schließen 
dürfen, weiß ich nicht, halte es aber keineswegs für ausgeschlossen. 
Sicher ist, daß schon im Altertum aus den Heimatländern des Tar- 
pans ein sehr bedeutender Export von Pferden nach dem Süden 
betrieben wurde; bezog doch z, B. König Philipp von Makedonien 
zur Hebung seiner Pferdezucht 20.000 skythische Stuten! Eine so 
ausgiebige Blutmischung würde die Ähnlichkeit erklären, auch wenn 
eine ursprüngliche Verwandtschaft zwischen dem altgriechischen 
Pferde und dem Tarpan nicht vorhanden wäre. Auf die Ähnlich- 
keit des Tarpans mit gewissen modernen, heute aber im Ver- 
schwinden begrifi'enen Ponytypen, auf welche ich schon in meinem 
ersten Aufsatz (1) hingewiesen habe, komme ich weiter unten zu- 
rück. Über die Schicksale der letzten bekannt gewordenen euro- 
päischen Wildpferdc vgl. ebenfalls (1). Zu berichtigen linbe ich 
daran nur das Maß der Jlückenhr)he, welches ich infolge eines 
Schreibfehlers in meinem Manuskript mit 1*33 m statt l'36m an- 
gegcl)en habe. 

Dagegen gibt mir die heutige Studie Gelegenheit, mich mit 
der Ansiclit des ausgezeiclineten schottischen Fachmannes Prof. 
J. Ewart zu beschäftigen, welche derselbe in einer kurzen Studie 
''4), die mir früher leider entgangen war, äußert. Ewart untcr- 
Hclicidet in «(nnc^n Arbeiten drei vcMScliiedene 'J'y|)en europäischer 



Equidenstudien. 



237 



Wildpferde: 1. einen Steppentypus, der wild im sogenannten Prze- 
walskipferde forlebt, langschnauzig, 2. einen Plateau- oder Wüsten- 
typus, dessen Nachkommen die keltischen Ponys aus dem west- 
lichen Großbritannien, Island usw. sind, kurzschnauzig und ohne 
Kastanien an den Hinterbeinen, und schließlich 3. einen Wald- 
typus, der sich am charakteristischsten in gewissen Pferden Nor- 
wegens und Islands erhalten hat, ebenfalls kurzschnauzig, aber 
breiter gebaut, Kastanien an allen vier Beinen wie beim Steppen- 
typus, sechs Lendenwirbel, während die beiden anderen Typen nur 
fünf aufweisen. — Ohne nun auf gewisse Mängel in der Begrün- 
dung dieser Typen einzugehen,^) will ich nur bemerken, daß der 
Tarpan ganz auffallend dem „Desert- or Plateauhorse" Ewarts 
entspricht, so daß ich schon in meiner ersten Studie über diese 
Frage die Ansicht äußerte, Tarpan und „Celtic Pony" seien nichts 
anderes als ost- und westeuropäische Lokalrassen des gleichen alt- 
europäischen Pferdetypus, dem unter anderen auch die ältesten 
europäischen Hauspferde der Bronzezeit angehören. — Prof. Ewart 
ist nun in seiner Studie über den Tarpan zu Ergebnissen gekommen, 
welche von meinen eigenen durchaus abweichen. Nach ihm stellen 
diese letzten Tarpane nichts anderes dar als Mischlinge, hervor- 
gegangen aus allen drei Grundtypen des europäischen Pferdes. Ich 
bestreite nun durchaus nicht, daß diese letzten Tarpane tatsächlich 
Hauspferdblut in ihren Adern hatten — die lange Mähne des letzten 
Exemplares macht diese Annahme mindestens wahrscheinlich — 

' aber es kann sich eben nur um Hauspferde desselben Urtypus, 
den ich in meiner ersten Studie als Equus Gmelini bezeichnet habe, 
bandeln. Ist doch dieser Typus heute noch in primitiveren ost- 

I europäischen Schlägen deutlich zu erkennen, vgl. (1). Gerade weil 
es sich nun um die Ansicht eines Fachmannes von so ausgezeich- 

inetem Rufe handelt, lag mir daran, festzustellen, wieso er zu so 

I abweichenden Resultaten gekommen sein konnte. Ich finde den 
Grund darin, daß Prof. Ewart wohl die zum Teil nur irreführenden, 
weil ganz vagen Angaben älterer Autoren wie auch die oberfläch- 
lichen Bemerkungen W. Sälen skys in dessen Monographie über 

^) So z. B. gehören alle fossilen Wildpferde, welche ich untersucht habe, 
soweit sie allenfalls als Waldformen zu bezeichnen wären, einem charakte 
ristischen langschnauzigen Typus an! 



238 



0. Antonius. 



Eqmis Frsewalshii (5) berücksichtigt, nicht aber die ausgezeich- 
neten, peinlich sorgfältigen osteologischen Untersuchungen Tscher- 
skis (3). Nur so kann ich mir erklären, daß Ewart als Bild eines 
Tarpans eine zwar recht hübsche, aber durchaus unrichtige und 
willkürliche Zeichnung aus Vogt und Spechts Naturgeschichte 
gewählt hat und daß er ein von ihm gezogenes Kreuzungsprodukt 
von Welshponyhengst und Shetlandponystute geradezu als „Scottish 
Tarpan" bezeichnet. Dieser „Scottish Tarpan" hat mit seinem 




echten, russischen Namensgefährten tatsächlich nichts gemeinsam 
als die geringe GnHJe utid die primitive mausfahle Farbe; und wenn 
Prof. Kwart sagt, daß dieses Tier „will, I believe, be regarded hy 
Continental naturalists as typical as Tarpan as ever roamcd tlic 
KuKHian stcppcis", so kann es sich da wohl nur um Forscher han- 
deln, welche sich nicht selbständig mit diesen Fragen beschäftigt 
haben. Dieses Kreuzungsprodukt zeigt einen zwar sehr primitiven, 
aber vom russischen Tarpan, wie erwähnt, durchaus verschiedenen 
Typus und gleicht vielmehr gewissen kleinen Pferden, welche ich 




Equidenstudien. 



239 



bisher geneigt war, als Abkömmliiige des Przewalskipferdes {Eqims 
ferus Fall.) anzusprechen. 

Tatsächlich stimmt der Tarpan, wie gesagt, am besten mit 
Ewarts „Celtic Pony" überein. Als einziger Unterschied gegen- 
über diesem — nach Ewarts Diagnose — ergibt sich, daß beim 
keltischen Pony der Kopf schmal und fein ist, während er beim 
Tarpan ziemlich breitstirnig und trotz der kurzen Schnauze recht 
dick war. Aber man darf nicht vergessen, daß die Beschreibung 
des keltischen Pony nach Haustieren entworfen ist. Ich glaube 
nicht, daß wir bei irgend einem wilden Equiden einen so feinen 
Kopf voraussetzen dürfen, wie ihn Ewart als typisch für den 
„Celtic Pony" anführt. Man vergleiche die Köpfe oder Schädel 
aller rezenten Wildpferde: eine derartige Verschmächtiguug des 
Schnauzenteils wie bei den — nach Ewart — typischesten kel- 
tischen Ponys oder bei den edleren orientalischen Pferden wird 
man gewiß nicht finden. Das ist ganz einfach eine Domestikations- 
erscheinung; die wilde Stammform der keltischen Ponys kann un- 
möglich viel anders ausgesehen haben als der Tarpan I Die schmä- 
lere Stirn der erstereu finde ich auch an den unverkennbaren 
Tarpanabkömmlingen aus dem Osten unserer Monarchie, von welchen 
in meinem ersten Aufsatze (1) die Rede war. Im übrigen variiert 
gerade die Stirnbreite der Pferde^ wenn ich nach meinem Schädel- 
material urteilen darf, sehr viel mehr als man nach den Arbeiten 
von Nehring (6) und Tscherski (3) annehmen möchte. Daß ein 
solcher kurzschnauziger Pferdetypus im Quartär Europas vorkam, 
davon bin ich wie Ewart trotz des Mangels an osteologischen 
Belegen vollkommen überzeugt. Der prachtvoll lebendige geschnitzte 
I Kopf von Mas d'Azil — eine der besten Tierdarstellungen, welche 
ich kenne I — könnte gar keinem anderen Pferde angehört haben. 

Ich möchte zum Schlüsse, gewissermaßen als Erklärung zu 
dem Bilde, meine früher mitgeteilte Beschreibung vom „Exterieur" 
des Tarpans wiederholen: Größe: gering (ca. 1-36 m hoch); Kopf: 
! groß, dick, aber kurz, mit vorspringender Schädelkapsel, vertiefter 
i Stirn, konkavem Profil, über welches (am Skelettschädel) die Augen- 
j bögen hinausragen, sehr kurzem, aber hohem und starkem Schnauzen- 
i teil, lebhaften Augen, kurzen, spitzen Ohren; Hals: schlank, ziem- 
lich gerade, verhältnismäßig hoch getragen, mit schlechtem (dickem) 



240 



0. Antonius. Equidenstudien. 



Genickansatz; Vorderextremität : infolge des steilen Oberarmes im 
ganzen etwas steil, schlank, aber kräftig, kurz, namentlich der 
Mittelfuß; Rücken und Lenden: gut, eher länger als bei Equus 
Frzeivalskii; Becken: schmäler als bei diesem; Hinterextremitätj 
schlank, kräftig, lang bei kurzem Mittelfuß, ohne Kastanien (immer?); 
Farbe: mausgrau, Unterseite heller. Rückenstreifen und unterer Teil 
der Extremitäten dunkler, oft etwas gestreift, Kopf dunkler mit 
hell abgesetzter Schnauze, Mähnen- und Schwanzhaare dunkel. 



Yerzeichnis der zitierten Literatur. 

(1) Antonius 0., Was ist der Tarpan? Naturwissensch. Wochenschr., N. F., 
XI, 1912, Nr. 33. 

(2) Simonoff L. und v. Moerder J., Die russischen Pferderassen. Berlin, 
1896. 

(3) Tscherski J. D., Wissenschaftliche Resultate der von der kais. Akademie 
der Wissensch, zur Erforschung- des Janalandes und der neusibirisclien 
Inseln ausgesandten Expedition. Abteil. IV (in Mem.de l'Acad. des Sciences 
de St.-Petersbourg, 7« Serie, Vol. 40, 1). 

(4) Ewart J. C, The Tarpan and its Relationship with Wild and Domestic 
Horses (in Proceed. Roy. Soc. Edinburgh, Vol. XXVI, 1905). 

(5) Salensky W., Wissenschaftliche Resultate der von N. M. Przewalski nach 
Zentralasien unternommenen Reisen, zool. Teil, Bd. I, Abt. II, Lief. 1. 
St. Petersburg, 1902. 

(6) NehringA., Fossile Pferde aus deutschen Diluvialablagerungen (in Land- 
wirtschaftl. Jahrb., 1884). 



Die endotrophe Mykorhiza der Asclepiadaceae. 

Von 

Dr. Elsa Busich. 

V 

Mit Taf. III, IV, V. 4 
(Eingelaufen am 27. März 1913.) ^' 

iici der Durclisiclit der Arbeiten von Frank, Janse, Stahl, 
Shiliata, Petri, (hillaud, P>u r^^cff usw. und des Sammelrefcrates 
von Strock er Uber das Mykorliizaprobhsni wird man vergeblich 
nach einer HyHtcniatisclieu Untersucbun^- der Mykorliiza der „Ascle- 



Die endotrophe Mykorhiza der Asclepiadaceae. 



241 



piadaceae" suchen. Ich habe überhaupt nur eine Pflanze aus dieser 
Familie diesbezüglich etwas eingehender bearbeitet gefunden, und 
zwar bei Gallaud. ^) Es handelt sich in diesem Falle um Cynanchum 
Vincetoxicum, auf das ich noch im Verlaufe meiner späteren Aus- 
führungen zurückzukommen habe. 

Bei einer Untersuchung über Asclepiadaceae, zu der mich 
Herr Prof. Dr. Hans Molisch-) angeregt hatte^ zeigte sich, daß 
viele Asclepiadaceae eine Mykorhiza aufwiesen. 

Ich gebe die untersuchten Pflanzen tabellarisch wieder, wobei 
ein vor dem Pflanzennamen gestelltes -{--Zeichen das Vorhanden- 
sein, ein — Zeichen das Fehlen einer Mykorhiza andeuten soll; 
ein db- Zeichen zeigt an, daß Mykorhiza wohl vorhanden ist, aber 
nur selten beobachtet wurde. 





Succulente Ffianzen 


Nichtsucculente Pflanzen 




1 


-j- Stapelia atropurpurea 
-}- Stapelia variegata 
-f- Stapelia verrucosa 
-j- Stapelia normalis 
-\- Stapelia zebrina 
-\- Stapelia atrata 
-f- Baiicerasia Btirmannii 
-f- Hnernia Penzigii 
-\~ Hoja carnosa 
-f Hoja clandestina 
-j- Stephanotis florihunda 
— Ceropegia Woodii 


d= Schuhertia grandiflora 

db Periploca graeca 

rh Cynanchum Vincetoxicum 

— Cynanchum sihiricum 

— Asclepias syriaca 

— Ceropegia elegans 





Aus dieser Tabelle geht hervor, daß von den 18 untersuchten 
I Spezies, welche 10 Gattungen angehören, 11 regelmäßig Mykorhizen 



I 1) Gallaud J., Etudes sur les mycorbizes eudotroplies. Revue gene- 

i rale de botanique, Vol. XVII, p. 35. Paris, 1905. 

i ^) Es sei mir gleich hier gestattet, meinem verehrten Lehrer für dieses 

Thema sowohl als auch für die weitgehende Unterstützung, die er meiner 
Arbeit angedeihen ließ, meinen verbindlichsten Dank auszusprechen. 

Ebenso Herrn Prof. Dr. Oswald Richter, dem ich für wertvolle Rat- 
schläge und freundliche Hilfe sehr verpflichtet bin, und dem Herrn Assistenten 

i Dr. Valentin Vouk. 

Z. B. ües. 63. Bd. 16 



242 



Elsa Busich. 



aufweisen, 4 nicht. Die drei übrigen nehmen eine Ausnahmestellung 
ein, indem sie gewöhnlich nicht mykotroph sind und in den sel- 
tensten Fällen Infizierung durch den Endophyten aufweisen. 

Augenfällig ist gleich bei flüchtiger Betrachtung der Tabelle, 
daß bei succulenten Pflanzen der Pilz auftritt, andererseits, daß er 
bei nicht succulenten regelmäßig oder gewöhnlich fehlt. Der Ver- 
such, diese Erscheinung zu deuten, wird nach der systematischen 
Bearbeitung folgen. 

Vor der eigentlich systematischen Behandlung der einzelnen 
Arten möchte ich die für die endotrophen Mykorhizen so charak- 
teristischen Organe wie Hyphen, bäumchenartige Verzweigungen 
(arbuscules Gallauds), Vesikeln, Sporangiolen und Körnchenmassen 
(granules Jans es und granulazioni Petris) einer näheren Betrach- 
tung unterziehen. 

Wie oben erwähnt, hat Gallaud in seinem Werke über endo- 
trophe Mykorhiza auch CynancJmm Vincetoxiciim untersucht und 
dessen Mykorhiza beschrieben. Fernerhin geht aus seiner Abhand- 
lung hervor, daß die endotrophen Mykorhizen der meisten Pflanzen- 
gattungen, die der Orchideen vielleicht ausgenommen, in vielen 
Merkmalen große Übereinstimmung zeigen. 

Aus diesem Grunde werde ich im Anschlüsse an seine Be- 
obachtungen die Einteilung bei der Beschreibung der Mykorhizen- 
organe beibehalten und eventuelle Unterschiede, die sich für die 
Familie der Asclcpiadaceae ergeben, gelegentlich besonders hervor- 
heben. 

Was die Färbetccluiik anbolnngt, die bei dem Stiidiuin dieser Mykorhiza 
verwendet wurde, ließ sicli eine von Jiernard^) angog-ebcne iMethode mit 
(\v.m besten Krfolge verwenden. 

1. Färbung in Alkohol-Safranin und Anilin durch 24 Stunden. Nach 
der Färbung müssen die Schnitte in 30°/oigem Alkohol gewaschen und 4' in 
rikro-Indigo-Kurmin differenziert werden. Dann werden die Schnitte in Nel- 
kenöl aufg(;h(;llt und in Kanadabalsam eingcischlossen. Außerdem wurden 
noch iolgcnde Färbungen nngewendct: 

2 Metluxie Hernards. DUt Schnitte werden 24 Stunden in einiu* wäs- 
Hcrigcn Lösung von rouge Mag(;nta behiHHim, djirnnch gut in U^O gewasclien, 
Sic werden datin in eine 2'7oif?« Lösung von Lichtgrün mit '/4 der Lösung 

') Noel Jiernard, Lch mycorhizcfl des Solanum in Annalen des Sciences 

nr.tiir. ll. .. 'e S- rje \'.,| XI\'. Nr. 1 0, p. 235. Paris, 1911. 



Die endotrophe Mykorhiza der Asclepiadaceae. 



243 



von cc. Pikrinsäure gelegt, unter starkem Wasserstrahl gewaschen, langsam 
durch die verschiedenperzentigen Alkohole durchgezogen und in Kanada- 
baisam eingeschlossen. 

Zur Untersuchung der Hyphen eignet sich besonders gut SUurefuchsin 
und Fuchsin. Nur hat ersteres den Nachteil, daß es nach langem Aufenthalt 
in Glyzerin langsam verblaßt. 

Eosin färbt Hyphen und Zellwände schön rosa, läßt aber die Vesikeln 
hellgelb erscheinen. Doppelfärbungen mit Safranin und Haematoxylin, ferner 
Einzelfärbungen mit diesen Farbstoffen sowie mit Methylenblau tingieren auch 
die Zell wände so stark, d;iß man die Hyphen schwer davon unterscheiden 
kann, andererseits geben sie schöne Resultate bei den Sporangiolen und 
Körnchenmassen . 

A. Die Mykorhiza. 

1. Die Hyplieii. 

a) Hyphen auf der Oberfläche der Wurzel. 

Freie, mit dem in der Pflanze lebenden Pilze im Zusammen- 
hang stehende, äußere Hyphen wachsen entweder der Wurzel ent- 
i lang in deren Längsrichtung weiter oder umgeben, was seltener 
I vorkommt, in Form eines sehr weitmaschigen Netzes die ganze 
• Wurzel. 

Auf Tangentialschnitten sind solche Hyphen öfters zu sehen; 
sie aber weiter in das Substrat hinein zu verfolgen, ist ganz un- 
möglich, da sie leicht zerreißen. 

Was den Plabitus dieser außerhalb der Wurzel vorkommenden 
Hyphen anbelangt, so unterscheiden sie sich von dem in der Wurzel 
lebenden Pilz nur durch das Fehlen der für die Mykorhizen cha- 
rakteristischen Organe. In einigen Fällen war allerdings die Mem- 

I bran schon so stark kutinisiert, daß der Pilz starken braunen, 
undurchsichtigen Fäden glich. In der Regel besitzen sie eine nicht 

, zu stark verdickte Membran, die sich leicht durch Säurefuchsin 

! hochrot tingieren läßt, ferner Querwände und einen körnigen Inhalt 
und machen durchaus den Eindruck eines lebenden Organismus, 

! umsomehr, als sie junge Vesikeln tragen und sich fortwährend weiter 
verzweigen. 

In einigen Fällen sind die Verzweigungen sehr dünn (Fig. 18), 
tragen dann runde C4ebilde, die scheinbar Vesikeln sind und in 
dem nächsten Kapitel näher behandelt werden sollen. Zum Unter- 

16* 



244 



Elsa Busich. 



schied vonGallaud^) halten auch Burgeff^) und Marcuse^) die 
Emigrations- oder Kommunikationshyphen für lebende Organe des 
Pilzes. Emigrationshjphen, d. h. Kommunikationen von innen nach 
außen konnte ich unter gewöhnlichen Verhältnissen niemals be- 
obachten. Solche von außen nach innen sind dagegen umso häu- 
figer. Wohl gibt es Schnitte, die nicht eine einzige Infektionsstelle 
aufweisen, gewöhnlich sind aber Infektionshyphen eine regelmäßige 
Erscheinung. Am häufigsten sind sie nach Burgeff^) dort zu 
finden, wo der Pilz in der Wurzel das Maximum seiner Entwicklung 
erreicht hat. 

b) Durchlaßzellen und Infektion. 

Anschließend an die Behandlung der Pilzhyphen außerhalb 
der Wurzel wäre anzugeben, in welcher Art die Hyphen in die 
Wurzel eindringen. Sieht man sich z. B. bei einer Stapelia oder 
Hoja an einem Tangentialschnitt die Wurzeloberfläche an, so wird 
man unter den Wurzelhaaren durch die ganz durchsichtige Epi- 
dermis die einem regelmäßigen Mosaik zu vergleichende Endodermis 
sehen. Diese besteht, von oben gesehen, aus regelmäßig gebauten 
großen Zellen, die aber nicht alle dieselbe Färbung zeigen. An 
Längsschnitten sieht man die in die Wurzelhaare ausgehenden 
Epiblemzellen und darunter liegend die aus zwei verschiedenen 
Zellarten bestehende äußere Endodermis. Da diese Färbungen mit 
Alkannatinktur und Sudanglyzerin zeigen, so spricht dies für eine 
Verkorkung der Zellen. Große, weitlumige Zellen, die weder Proto- 
plasma noch Kern enthalten, wechseln mit kleineren, bei verschie- 
denen Pflanzen verschieden geformten, durchaus charakteristischen 
Zellen ab, die gewöhnlich Plasma und einen großen Zellkern be- ji 
sitzen. Es sind dies die „cellules de passage'' Janses^) und Gal- 

') Gallaud, 1. c, p. 127. 

II. r>urf,^(}ff. Di(; Wurz(3li)ilze der Orcliidccn, ilin^ Kultur uud ilir 
Iv lxMi in der Tflanzc;. Jena, 1909. 

•') Marcuse M., Anatoiriiscli-biolo^^iselicr Beitra;? zur Mykorhizen^V}l^(e. 
Inauj(.-DiHM(;rt. Dessau, 1902. 

*) Bur^,M;ff, 1. c, j). 122. 

*) .1. M. J.'inHf!, Los Kud()|)liyteH riidicnux de (iiiel(ju(!.s ))l:int(;H Javanaises. 
Kxtrait des ArmahiH du .I;irdiii de liiiilciizor^^, Vol. XIV, 1, p. 5:^-212; Leydc, 
1890, p. i:{l. 



Die eudotrophe Mykorhiza der Asclepiadaceae. 



245 



lauds die sogenannten „Durchlaßzellen" nach Bürge ff 2) (Fig. 10). 
Der Hauptunterschied in den zwei Typen der Endodermiszellen 
liegt in der Verdickung. Die langgestreckten, leeren Zellen sind 
stark verkorkt und gestreift, während die Durchlaßzellen dünn- 
wandiger sind. Nur die an die Epidermis grenzende Wand zeigt 
eine stark verdickte, oft aus mehreren Lamellen bestehende Kalotte. 
Zur Prüfuug der Zusammensetzung dieser Kalotte versuchte ich 

1. Färbungen: mit Haematoxylin: schwach violette Färbung. 

mit Eosin: eine auffallend gelbe Färbung. 

2. Reaktionen: Chlorzinkjod: immer nur Gelbfärbung. 

Sudanglyzerin: dunkelgelb bis braune Färbung. 

Eisenvitriol: schwache Braunfärbung. 

Phlorogluzin -j-HCl: wunderschön rotviolette Färbung. 
Anilinsulfat: intensiv gelbe Färbung. 

Die Wiesn ersehen Holzstoffreaktionen zeigen also deutlich, 
daß die Kalotte verholzt ist. Außerdem wäre zu bemerken, daß 
bei Stapelia atropurpnrea auch das Epiblem und die Wurzelhaare 
nach Behandlung mit Phlorogluzin H Cl und mit Anilinsulfat 
die charakteristischen Färbungen zeigten, eine Erscheinung, die 
Molisch zuerst bei den Luftwurzeln einer Reihe von Pflanzen 
beobachtete. 

Die meisten Forscher nehmen an, daß die Durchlaßzellen 
dünnwandiger sind als die übrigen Endodermiszellen, was mit ihrem 
Aussehen in direktem Widerspruch steht. Janse^) hält z. B. die 
Kalotte für eine schleimige, aufgequollene Masse, nach Juel*^) da- 
gegen ist sie suberoid. 

Die alleinige Durchbrechung der Durchlaßzellen seitens des 
Pilzes wird von Janse'j dadurch erklärt, daß diese durch ihren 



1) Gallaud, 1. c, p. 26, 313. 

2) Burgeff, 1. c, p. 137. 

^) Gallaud, 1. c, p. 26 zu vgl. mit dem „bourrelet epais". 
*) H. Molisch, Über Wurzel ausscheiduugen und deren Einwirkung auf 
organische Substanzen. XCYl. Band der Sitzungsberichte der kais. Akademie 
der Wissenschaften, I. Abt., Oktoberheft, Jahrg. 1887, p. 24, Fußnote. 
Janse, 1. c, p. 132. 
^) Juel, Beiträge zur Kenntnis der Hautgewebe der Wurzeln. Inst. 
Botanischer Jahresbericht, p. 261, 1884. 
Janse, 1. c, p. 134. 



246 



Elsa Busicli. 



Inhalt bedingte chemotropische Reize auf ihn ausüben. Gallaud^) 
dagegen schreibt diese Erscheinung dem Umstand zu, daß die 
Durchlaßzcllen wegen ihrer dünnen Wand dem Pilz einen viel ge- 
ringeren Widerstand entgegensetzen. Chemotropische Reize kämen 
erst in zweiter Linie in Betracht. Von Interesse in der Frage nach 
der chemotropischen Bedeutung der Durchlaßzellen scheint mir nun 
der Befund, daß diese besonders stark die von Molisch-) emp- 
fohlene Diphenylaminprobe auf Nitrate zeigen, während die übrigen 
Endodermiszellen sie nicht aufweisen. Es soll gleich hier erwähnt 
werden, daß auch für die Mykorhizen der Asclepiadaceen die An- 
nahme Stahls^) bestätigt wurde, daß mykotrophe Wurzeln keine, 
unverpilzte Wurzeln gewöhnlich deutliche Nitratreaktion zeigen. 

Gewöhnlich dringt der Pilz an der Basis eines Haares in das 
Epiblem ein, wächst in diesem in der Längsrichtung der Wurzel 
fort, bis er eine Durchlaßzelle erreicht hat. Hier angelangt, ballt 
sich die Hyphe zusammen und bildet eine starke, pfropfenartige 
Wucherung (Fig. 3, 12). Nach der Durchbohrung der Kalotte be- 
schreibt der Pilz in der Zelle selbst mehrere Windungen, um von 
da an in die darunter liegenden Gewebe der Wurzel einzudringen. 

c) Die Hyphen in der Rinde. 

Das Verhalten der Hyphen nach dem Verlassen der Durch- 
gangszellen ist bei verschiedenen Pflanzen verschieden. Für alle 
aber gilt die Regel^ daß der Pilz zuerst intrazellulär wächst und 
die Tendenz zeigt, sich mehr nach der Quer- als nach der Längs- 
richtung auszubreiten. Nachdem der Pilz in den ersten zwei bis 
drei Zellreihen je 2—4 — G Zellen infiziert hat, so daß manchmal 
die infizierten Zellen das Bild eines ziemlich regelmäßigen Kegels 
geben, wird er interzellulär, breitet sich in den Interzellulargängen 
in der Längsrichtung aus, was wohl auch Kraft- und Zeitersparnis 
für ihn bedeutet, und bildet hier die mannigfachsten Verzweigungen. 



') Gullaud, 1. c, p. 16, 315. 

■^j II. Molisch, Über den mikroclieraischen Niichvv(^iH von Niliateii iiikI 
Nitriten in der lMlan/.(! niitt(!lH Dipluiiiyhunin oder liruein. l{(;ri('lit(! der 
deiitnelien botsiiiiHelien (U'.HaUH(']r.ii't, März, j). 150—155, 1883. 

K. Stall), Der Sinn der My k^)rlliz;ll)ildlln^,^ Sefjaratabdruek au» den 
.1 iliil.iiflK rii für wisscnKehariliclie JJolanik, 15(1. XXXIV, Heft 4, Leipzig, 1900. 



Die eudotrophe Mykorhiza der Asclepiadaceae. 



247 



Am interessantesten sind diejenigen, ^Yelche den Zweck haben, den 
Pilz von dem einen Interzellulargang in den näcbsttieferen zu ver- 
setzen (Fig. 8). Oft, besonders aber dann, wenn der Pilz das 
Maximum seiner Entwicklung erreicht hat, sind es nicht bloß ein- 
zelne Hyphen, die die Interzellulargänge durchziehen, sondern ganze 
Hyphenstränge. Viel seltener sind in den inneren Schichten der 
Rinde intrazelluläre Hyphen zu verzeichnen, doch kommen aucb 
solche vor und zeigen dann große Ähnlichkeit mit den Piizwirts- 
zellen der Orchideen (Fig. 20). 

Findet mau infizierte Nebenwurzeln, so rührt diese Infektion 
nicht von der Hauptwurzel her, sondern die Nebenwurzeln werden 
direkt vom Boden befallen. 

Sonst ist bei den Asclepiadaceen der Pilz regellos in der 
ganzen Eiude verbreitet. Es kommen nicht, wie Janse für die 
Orchideen angibt, bestimmte Pilzzonen vor, sondern es ist der 
Raum zwischen Endodermis und Perizykel ganz vom Pilz aus- 
gefüllt. 

d) Anatomie der Hyphen. 

Die Dicke der Hyphen ist je nach der Pflanze recht ver- 
schieden. Die größten Dimensionen erreichen sie bei den Stapelien, 
sind bei den Hoja-Avien schon schwächer und bei Cynanclium 
Vincetoxicum ganz dünn. Bei dem Eindringen des Pilzes in die 
inneren Gewebe der Wurzel werden die Hyphen entsprechend 
schmäler und die Membranen werden schwächer. Damit stimmt 
auch überein, daß das Myzel gleich nach der Infektion noch leb- 
haft die Farbstoffe aufnimmt, tiefer innen aber nicht mehr.^) 

Die Hyphenwände geben, mit Chlorzinkjod behandelt, keine 
violette Färbung, wohl aber nach eintägigem Liegen der Schnitte 
in cc. KOH; sie bestehen wahrscheinlich aus Chitin. Ein analoges 
'Ergebnis erzielte Shibata^) für Podocarjms, während Gallaud^) 
anderer Ansicht ist. Der Inhalt der Hyphen ist körnig, stark licht- 



1) Siehe Gallaud, 1. c., p. 124 und Burgeff, 1. e. 

\) K. Shibata, Cytologische Studien über die endotropben Mykorhizen. 
Separatabdruck aus den Jahrbüchern für Wissenschaft). Botanik, Bd. XXXVII, 
Heft 4.' Leipzig, 1902. 

^) Gallaud, 1. c, p. 125. 



248 



Elsa Busicli. 



brechend und von Öltropfen durchsetzt. Wegen der vorgerückten 
Jahreszeit scheinen die Hyphen voll von Reservestolfen oder schon 
ganz entleert gewesen zu sein. Daher waren die Kerne, welche 
alle Forscher gesehen haben, nicht mehr oder nicht deutHch zu 
sehen. Querwände sind selten, man findet sie manchmal dort, wo 
eine noch lebende Hyphe sich von einer ganz entleerten abschließt, 
oder in gewissen Verzweigungsfällen. 

Abgesehen von den eben beschriebenen Verzweigungen bildet 
der Pilz noch 

2. Die bäninclienartigen Verzweigungen^) (Fig. 14), 

welche die umliegenden Zellen befallen und nach ihrem Aussehen 
am besten als Haustorien bezeichnet werden. Es sind kurze, in 
dichotome Verzweigungen ausgehende Seitenhyphen, die sich selbst 
etliche Male wieder verzweigen, bis sie in eine wolkenartige Masse 
verschwimmen, die im Zellplasma ihr Ende findet und nach Gal- 
laud^) nichts anderes ist als die feinsten, letzten Endverzweigungen 
des Bäumchens. Durch das Tinktions verfahren Bernards färben 
sich Hyphen und Vesikeln dunkelrot, die Zellwände lichtgriin und 
in den Zellen, deutlich von den Haupthyphen ihren Ursprung neh- 
mend, befinden sich kleine, bäumchenartige Gebilde, in denen die 
stärkeren Partien noch die Farbe der llaupthyphc tragen, die wei- 
teren Verzweigungen aber lichtblau tingiert sind. Mitten im Bäum- 
chen, durch die Verästelungen durchschimmernd, oft fest an das 
selbe gepreßt, manchmal etwas abseits, liegt lichtgrün der Zellkern 
eingebettet. In den stärkeren Verzweigungen der „arbuscules" sind 
feine Körnclienmassen und Inhaltsstoffe vorhanden, Kerne sind nicht 
deutlich zu sehen. Diese Haustorien sind offenbar die Zufuhrs- 
bahnen der von der höheren Pflanze gelieferten organischen Sub- 
Ktaii/X'ii, die seine vegetative Entwicklung crm()glichen. Walirsclicin- 
lich sind es Kohlehydrate, denn die sonst mit Keservestoffstärke voll- 
gepfropften Wurzeln werden beim Eintreten der Infektion stärkefrci. 

Der Pilz vermag außerdem zeitweise durch in seinen vege- 
talivcn Zyklus eingcHclialtete 

') Strocker, I);ih iMykorliizjiprohhüii. „LotoH", Hd. 5'J, Nr. 7, Sciptcmbor 
1011, p. %\1 lind VA. 59, Nr. 8, <Mx>\)^x Hill, p. 283. 

') r;;,ll:, nri 1. r, p. 223. 



Die endotrophe Mykorhiza der Asclepiadaceae. 



249 



3. Vesikelii-Zysteii 

seine Entwicklung zu unterbrechen oder abzuschließen. 

Die blasenförmigen Auftreibungen der Pilzhyphen, die Gal- 
laud^) und Janse^) in ihren einschlägigen Werken als „vesicules" 
bezeichnen, sind bei den Mikorhizen der Asclepiadaceen sehr ver- 
breitet. Von den 14 Pflanzen, die mykotroph waren, wiesen 11 
solche Gebilde auf, und zwar waren diese gewöhnlich in großer 
Menge vorhanden. Die Lage der Vesikeln in den Wurzeln ist wohl 
nicht so genau fixiert^ wie z. B. Janse angibt. Gewöhnlich sind 
ein oder zwei Zellreihen der primären Rinde nach der Endodermis 
frei von Vesikeln, sonst sind sie ganz regellos in der Rinde bis 
zur Gefäßbündelscheide verteilt. Die Vesikeln können inter- und 
intrazellulär sein, letztere sind jedoch viel seltener. 

a) Die interzellulären Vesikeln 

können terminal oder interkalar sein (Fig. 1, 2^ 7). Eine Haupt- 
hyphe erweitert sich plötzlich und bildet eine mehr oder minder 
große, mit einer starken Membran umgebene Blase, deren Haut 
wie die Hyphen erst nach Behandlung mit KO H Zellulosereaktion 
zeigt. Gewöhnlich besteht der Inhalt aus einer starkkörnigen Masse 
und großen, stark lichtbrechenden Oltropfen. Mit Hg SO^ behandelt, 
färbt sich der Inhalt rosenrot — offenbar die Raspai Ische Probe, 
I zu der der nötige Zucker aus der Umgebung des Pilzes stammen 
' mag. Neben den von Reservestoffen strotzenden Vesikeln finden 
sich auch schon ganz entleerte, die dann stark zusammengedrückt 
i und vielfach gefaltet sind. Manchmal sind die Vesikeln durch 
Querwände von den Hyphen getrennt und bilden dann ganz selb- 
ständige Organe. Gewöhnlich sind die interzellulären Vesikeln regel- 
, mäßig ovoid, bei Sta].ielia variegata aber kommen die mannig- 
I fachsten Formen vor (Fig. 6). Interkalare Vesikeln sind viel sel- 
tener und unterscheiden sich dadurch von den terminalen, daß die 
, Hyphe nach ihrer Erweiterung sich nach der entgegengesetzten 
Seite weiter verlängert. 



^) Gallaud, 1. c, p. 130. 
Janse, 1. c, p. 143. 



250 



Elsa Busich, 



b) Die intrazellulären Vesikeln (Fig. 5, 9). 

Diese sind gewöhnlich terminal, doch bilden sie nicht den 
Ausgangspunkt einer großen interzellulären Haupthyphe, sondern 
entstehen aus einer seitlichen Verzweigung derselben. Solche Ve- 
sikeln haben eine ganz eigene Gestalt, sind regelmäßig sphärisch 
gebaut, kugelrund und gewöhnlich viel kleiner als die interzellulären. 

c) Eine besondere Art von Knäuelvesikeln (Fig. 4). 

Diese Vesikeln, die meines Wissens von keinem Forscher ver- 
zeichnet wurden, sah ich bei Stapelia normalis und Hoja carnosa. 
In einigen Zellen eingebettet finden sich große Vesikeln, deren 
Inhalt aus einem stark zusammengeballten und gekrümmten Hyphen- 
knäuel besteht und die eine nicht stark verdickte Membran be- 
sitzen. Um die Bildung dieser Vesikeln zu verstehen, wäre es 
jedenfalls notwendig, Übergangsstadien zu finden. Es ist mir ge- 
lungen, Hyphenstadien zu beobachten, die möglicherweise als Vor- 
stufen oder Reste der „Knäuelvesikeln" angesehen werden könnten. 
In einem Falle drang eine Hyphe in die Zelle ein, schmiegte sich 
in Form einer Schlinge um den Zellkern und verließ an einem der 
Eintrittsstelle ganz nahem Punkte wieder die Zelle. Ein anderes 
Bild zeigt Fig. 20. Es handelt sich um eine Zelle, die von Hyplicn- 
strängen ganz erfüllt ist, welche in einer körnigen Grundsubstanz 
eingelagert sind. Hier reihen sich offenbar im Laufe der Entwick- 
lung die oben genannten Knäuelvesikeln ein, die jedoch nicht immer 
die ganze Zelle ausfüllen. Als Endglieder dieser allerdings sehr 
fraglichen Entwicklungsreihe scheinen mir Vesikeln zu figurieren, 
die in ihrer Höhlung kleine Reste entleerter Pilzmembranen ent- 
halten (Fig. 15). Die mit solchen Vesikeln in Verbindung stehenden 
oder sie umgebenden llyphen sind gew()hnlich ganz entleert. Viel- 
leicht zeigen diese Knäuelvesikeln in ihrer Funktion eine gewisaf 
Analogie mit den Pilzwirtzellen, die Werner Magnus ^) ü'w Ncotiia 
beschreibt. Da gerade an solchen Stellen die llyphen, durch die 
starke Sporangiolenbildung erschöpft, nicht mehr lebensfähig ge- 

') W. iM;i{,Mius, Stu(li(;ri ;m (l(!r cndotroitluüi Mikorliiza, von Neoltia 
NiduH aria \j. ScpjinitjilKlruck juih (Ion Jjüirl)iicli(Ti) für wiHscii.^cliJiftliclu! lio- 
tsinik, IM. XXXV, \U-A\ 2, p. 12. Lcipzil,^ lOOü. 



Die eudotrophe Mykorhiza der Asclepiadaceae. 



251 



worden sind, dürften sich einige dadurch zu retten suchen, daß sie 
sich stark verknäueln und eine gemeinsame Membran bilden, die 
es ihnen ermöglicht, sowohl der Aussaugurig durch die Pflanze zu 
entgehen, als auch bei Zerstörung der Wurzel den Winter zu über- 
dauern. 

d) Physiologische Funktion der Vesikeln. 

1. Als Dauerzustände. Damit würde übereinstimmen, daß 
Bernard/) freilich nur ein einziges Mal, auf KartofFelbrühe eine 
Vesikel zur Keimung brachte, die aber bald zugrunde ging. Im 
freien Zustand hat er keine Keimung beobachtet. Ich kann nun 
Bernards Befunde insoferne bestätigen, als es mir gelang, bei 

I einigen Schnitten von Stapelien aus Vesikeln, die außerhalb der 
! Wurzel lagen, eine Hyphe herauswachsen zu sehen, die dann in 
der Epidermis längs der Endodermiszellen weiter wuchs (Fig. 11). 

2. Sieht man in den Vesikeln temporäre Reservestoff- 
speicher. Man findet daher ganz folgerichtig in den Mykorhizen 
der Asclepiadaceen oft völlig entleerte Vesikeln. 

Welche Funktion die kleinen, runden, vesikelartigen Bläschen 
haben, die am Ende der feinen Seitenzweige außerhalb der Wurzel 
lebender Hyphen vorkommen (Fig. 18), ist mir nicht bekannt. 

Mit diesen Stadien der Pilzentwicklung, ich möchte sagen, 
mit diesem Rückzug des Pilzplasmas und dessen Einkapseluug für 
die neue, bessere Vegetationsperiode ist nun auch der Moment ge- 
j kommen, w^o die höhere Pflanze ihren Vorteil aus der Anwesenheit 
!des Pilzes zieht. Es beginnt die Verdauung der Pilzhaustorien. 
Man sieht Zerfallserscheinungen an ihnen, die über Körner zu Körn- 
chenbildungen führen, die als „sporangioles" und „granules" be- 
zeichnet wurden, w^obei vielleicht die Eiweißsubstanzen des Pilzes 
der höheren Pflanze zugeführt werden. 

4. Zerfallserscheinungen der Haustorien = Arbuscules. 

a) Die Sporangiolen 

sind Zerfallsprodukte des Pilzplasmas, Körnchenbildungen mit schein- 
ibar semipermeabler Membran, die sich etwa wie Traubesche Zellen 

^) Bernard, 1. c, V. Germinatiou des vesicules. 

I 



352 



Elsa Busich. 



in dem Inhalt der Zelle ausdehnen und zu Bildungen werden, wie 
sie Fig. 13, 17, 21 darstellten. Verliert nun diese hypothetische, semi- 
permeable Membran ihre Leistungsfähigkeit — so könnte man sich 
das vorstellen — so zerfallen die Sporangiolen in winzige, kleine 
Körnchen, die letzten sichtbaren Eiweißteilchen des Pilzes vor der 
endgültigen Assimilation. Daß die Sporangiolen Zerfallsprodukte 
der bäumchenartigen Verzweigungen sind, erkannte erst Gallaud, 
während Janse^) und Petri,^) die sich eingehend mit dieser Frage 
beschäftigten, anderer Meinung sind. 

Zwischen den Sporangiolen und den Körnchenmassen = gra- 
nules ist noch ein Übergangsstadium zu erwähnen, nämlich Jans es 
„spherules". Die Sporangiolen haben oft eine stark buckelige Ober- 
fläche — Schlicht^) spricht ihnen eine blumenkohlartige Form zu 
— welche unmöglich von den feinen Körnchenmassen herrühren 
kann, sondern größere Körperchen voraussetzt, die mit den sphe- 
rules Jans es übereinstimmen könnten. In freiem Zustand habe 
ich aber noch keine gesehen. Diese erst lösen sich nach Janse 
in die „granules" auf. Zu bemerken ist, daß Gallaud die Spor- 
angiolen als deutliche Endprodukte der Assimilation der arbuscules 
ansieht. Bei den Mykorhizen der Asclepiadaceen ist die Auflösung 
derselben in 

b) die Körnchenmassen oder granules (Fig. IG) 

zweifellos. Es sind feine, sandartige Körnchenmassen, die die Zellen 
oft ganz erfüllen, oft aber Übergänge zu den früheren Verdauungs- 
stadien, den Sporangiolen, zeigen. Diese werden auch vollkommen 
vom Plasma assimiliert, so daß man in einigen Fällen neben von 
Körnchen erfüllten Zellen schon ganz leer gewordene bemerken 
konnte, in denen der Zellkern wieder eine normale Gestalt ange-| 
noiimien hatte und langsam und zerstreut einige Stärkekörnclicii 
auftraten. 

.1 HM HC, , I. C, p. 150. 

L. Potri, Riccrclio huI Hi^niilicato movUAo^'n'o o li.siolo^nco de! pn» 
Hponndi — H|)()r}inf,''i()li di JanHO — iicll»! iiiicorliizc fiidolropliiclio. Niiov<» 
^^iornalo botaiiico Italiano, X, lOO'J. 

.Schliclit, lU'.Hr.i}!; zur Küiinliiia dor Verl)r(!itun^,' und der IJedoutun 
d<rr Mykorliizf'ii. Iiiaiif,'.-DiH8Crt., zitiert b(;i Janse, I.e., p. 101. 



Die endotrophe Mykorhiza der Asclepiadaceae. 



253 



Fassen wir die geschilderten Verhältnisse kurz zusammen, so 
ergibt sich: Der Pilz treibt lange, kräftige Infektionshyphen längs 
der Wurzelrinde hin, die durch die Durchlaßzellen in das Wurzel- 
innere gelangen, mehrere Zellreihen durchbohren und dann im 
flotten Wüchse die Interzellularen durcheilen, wobei sie Haustorien 
in die benachbarten Zellen treiben, die die nötigen organischen 
Substanzen für das Gedeihen des Pilzes zu besorgen haben. Findet 
er Hindernisse oder ist der Entwicklungskreis zu Ende, so erzeugt er 
ReservestofPbehälter = Vesikeln, die den Winter oder die ungünstige 
Vegetationszeit tiberdauern. Damit kann aber die höhere Pflanze 
die für ihn nun wertlos gewordenen Partien für sich verwerten und 
assimiliert die Eiweißsubstanzen der Haustorien, die nun in Körner 
und Körnchenmassen zerfallen, bis nichts mehr von ihnen übrig bleibt. 

So hat ein jeder der beiden Komponenten etwas von dem 
anderen, ohne daß er ihm erheblich wehe tut — ein schönes Bei- 
spiel gegenseitig fördernder Symbiose. 

B. Systematische Behandlung der einzelnen Pflanzen- 
arten. 

1. Cynanchum Vincetoxicum. 

Da Cijnanchum Vincetoxicum die einzige Asclepiadaceae ist, bei der 
meines Wissens von Gallaud eine Mykorhiza beobachtet und näher behan- 
delt wurde, erwähne ich sie an erster Stelle. 

Ich fand in den meisten im Frühjahr blühenden Exemplaren von Cynan- 
' chum Vincetoxicum trotz peinlichster Untersuchung- kein Myzel. Es wurden 
Exemplare untersucht, die mir von der Gärtnerfirma Haage und Schmidt aus 
i Erfurt zugeschickt wurden, ferner solche aus dem Wiener botanischen Garten, 
jaus Greifenstein und aus Barcola bei Triest und bei keinem konnte ich eine 
|Spur von Mykorhizen entdecken, obwohl sowohl Wurzeln mit Periderm als 
lauch ganz unverkorkte untersucht wurden. Die Untersuchung eines Exem- 
;plares aus der Umgebung von Mödling ergab endlich eine spärliche, aber doch 
i sichere Pilzbesiedelung. Die ganze mit ca. 20 Wurzeln ausgestattete Pflanze 
zeigte nur in drei Wurzeln eine Infektion, und zwar waren diese noch un- 
verkorkt und nicht der ganzen Länge nach infiziert. 

Im allgemeinen stimmen meine Befunde an der Pflanze aus Mödling 
mit den Angaben Gallauds überein. 

Zu erwähnen wäre wohl, daß die Endodermis insoferne interessant ist, 
als immer eine Durchlaßzelle mit einer gewöhnlichen Korkzelle abwechselt, 



254 



Elsa Busich. 



wobei letztere gewöhnlich 10— 15 mal so lang als die Durchlaßzelle ist. Die 
Infektionsstellen sind nicht selten, zeigen aber die Eigentümlichkeit, daß die 
Hyphen nur in der Durchlaßzelle und in der unmittelbar darunter liegenden 
Kindenzelle intrazellulär bleiben, gleich darauf den nächsten Interzellulargang 
befallen, um von da an interzellulär zu werden. Wenn auch deutliche Haustorien 
nicht zu sehen waren, sind Übergänge zu den Sporangiolen und von diesen 
zu den Körnchenmassen keine Seltenheit. 

Die infizierte Wurzel besitzt zahlreiche Wurzelhaare, die niemals von 
Hyphen durchsetzt sind, ferner ganz besondere Zellen, die starke Kaphideu- 
biindel enthalten und trotz nächster Nähe des Pilzes nicht infiziert sind. Die 
Raphidenzellen, die sehr charakteristisch sind, sind oft in zwei Reihen neben 
dem Zentralzylinder angeordnet. 

Cynanchum Vincetoxicum, eine krautige Pflanze, besitzt unter allen Uni- 
ständen eine Mykorhiza,^) wird aber, da sie nur ganz selten vorkommt, zu 
den fakultativen Mykorhizen zu rechnen sein.'^) 

2. Cynanchum sibiricmn. 

Es konnte an keiner Wurzel eine Infektion nachgewiesen werden. 

3. Stapelia atropurpurea,^) 

Alle Stapelienarten haben einen typisch succulenten Charakter und 
zeigen wie die Kakteen eine weitgehende Blattreduktion. Eine ganze Reihe 
von Merkmalen^) zeigen, daß nach den Stahlschen Untersuchungen der 
ganze Habitus dieser Pflanzen eine Infektion durch den Endophyten natürlich 
erscheinen läßt, so z.B. Wachsausscheidungen, eine reichlich verdickte Cuticula, 
ferner das Vorhandensein von phosphorsaurem Kalk, der im Alkoholmaterial 
in Sphaerokristallen ausfällt. Alle diese Merkmale lassen auf eine starke 
Reduktion der Transpiration schließen. 

Die Wurzeln der Stapelien sind einjährig, niemals verkorkt und im 
Herbste mit ganz geringen Ausnahmen durchwegs verpilzt. Im Frühjahr 
allerdings waren die meisten mit Stärke vollgepfropft und wiesen noch keine 
V(Mpilzung auf, weshalb man aucli diese Pflanzen nur als fakultative My- 
korhizen bezeichnen kann. 

') Die Urfiache, daß dem von mir beobachteten Falle die Mykorhiza sc 
außerordentlich spärlich war, kann wohl darin liegen, daß die Infektion noch 
nicht weit genug vorg(!Schritteu war. Da aber die Wurzeln schon j(^tzt (muc 
beträchtlich»; Peridernibildung aufwi(!8en, sclieint der Pilz eine nicht zu gioli'' 
Rolle im Haufilialte dieser Pflanze zu spielen. 
Nach Stahl, 1. c, p. 55G. 

Karsch, Vadomecum botanicum. — Schumann, Englcr und I'rantl.s 
Pfiari/.enfamiliirn, IV, p. 189. — Benecke, BolaniHclui Zeitung, 18!)2, p. 500 h(|<1- 

*; Solei <^der, Anatomie der Dicotyledoucn. Asciepiadeae, p. 003. - 
lOiihir, J'flaii/i richcmic, III. Teil: l)ic r'lu'nii.schcn Vorgäng(Mni l'llanz(inkörpoi 

I 



Die endotrophe Mykorhiza der Asciepiadaceae. 



255 



Die Anatomie der Rinde zeigt keine aiitFallenden Besonderheiten. Sie 
besteht aus 6—12 Zelh-eihen, von denen die unter der Endodermis gelegenen 
lückenlos aneinander schließen, während die anderen ziemlich großen, im 
Querschnitt dreieckigen Interzellulargängen Platz machen müssen. Die In- 
fektion dieser Wurzeln (Fig. 3) erfolgt durch deutliche Durchlaßzellen, die 
nicht regelmäßig mit den verkorkten Zellen der Endodermis abwechseln, son- 
dern größere, aus 2 — 6 Zellen gebildete Zwischenräume zwischen einander 
lassen. In ihrer Größe und Form weichen die Durchlaßzellen nicht von den 
anderen Endodermiszellen ab, haben aber natürlich sonst alle Charaktermerk- 
male solcher Zellen. Intrazellulär bleibt gewöhnlich der Pilz in den zwei 
nach der Endodermis folgenden Reihen, seltener werden auch die Zellen der 
dritten Reihe von ihm infiziert. 

Vesikeln und Sporangiolen, welche in allen infizierten Wurzeln in großer 
Menge zu sehen sind, sind nicht, wie Janse z. B. angibt, an bestimmte Zell- 
reihen gebunden, sondern kunterbunt in der ganzen primären Rinde verteilt. 
Bei Stapelia atropiirpiirea sah ich die bäumchenartigen Verzweigungen, die 
Sporangiolen und Körnchenmassen. Sporangiolen und Körnchenmassen färben 
sich mit Anilin tiefblau, was nach Frank ihren großen Gehalt an Eiweiß 
angeben soll. Die Vesikeln sind immer interzellulär und haben eine regel- 
mäßig auftretende, länglich-ovale Form und ziemlich die gleiche Größe. Ge- 
wöhnlich stehen sie mit den Hyphen in offener Kommunikation, manchmal 
kann man aber auch deutliche Querwiinde unterscheiden, welche die Zyste 
von der Hyphe trennen. 

Interessant ist bei Alkoholmaterial von Stapelia atropurpurea das Vor- 
kommen von sonderbar gebildeten Kristallen. Es sind runde gelb-dunkel- 
braune Sphaerite, welche einen Kern und eine Rinde aufweisen. Aller Wahr- 
scheinlichkeit nach handelt es sich nach dem Erfolg der Reaktionen ^) um 
Kalziumphosphatsphaerite, wie sie Euler für Stapelien, Leitgeb ^) für Sta- 
pelia und Hansen*) für Euphorbien angeben. Ich kann übrigens auf Grund 
ivon Färbungen mit Anilinblau und Safranin auch Leitgeba Annahme von 
:dem organischen Kern der Sphaerite bestätigen. Autfallend ist auch, daß 
I diese Kristalle sich nur in mykofreien Wurzeln befinden. 

4. Stapelia variegata, 

: Stapelia variegata zeigt wie alle kakteenartigen Asclepiadaceen auch 
in ihrer Mykorhiza große Analogien mit Stapelia atropurpurea. Eine ganz 

1) Frank, Über die auf Verdauung von Pilzen abzielende Symbiose 
1er mit endotropher Mykorhiza begabten Pflanzen. Ber. d. deutsch, bot. Ge- 
sellschaft, Bd. IX. 

2) Zimmermann, Die botanische Mikrotechnik. Tübingen, 1892. 

3) Leitgeb, Über Sphaerite. Mitteilungen aus dem bot. Institut in 
>az, 1888. 

*) Hansen, zitiert in Leitgeb, 1. c. 



256 



Elsa Busich. 



charakteristische Form haben ihre Vesikeln (Fig. 6). Bei Stapelia variegata 
und nur bei ihr habe ich auch die oben erwähnten, in sphärische Vesikeln 
ausgehenden Verzweigungen des [außerhalb der Wurzel lebenden Pilzes be- 
obachtet, die große Ähnlichkeit mit den intrazellulären, sphärischen Vesikeln 
zeigen. Hier wurde auch im Innern des Stammes, und zwar in der primären 
Rinde, ein von einer schleimigen Hülle ^) umgebener Pilz beobachtet, der 
immer interzellulär ist und keine Organe aufweist, die für den Endophyten 
charakteristisch sind. 

5. Stapelia verrucosa 

war ausnahmslos infiziert. 

6. Stapelia normalis. 

Charakteristisch für diese Pflanze sind die intrazellulären Hyphen und 
Vesikeln. Daß gerade hier der intrazelluläre Wuchs bevorzugt wird, mag in 
den wenigen Interzellularen seine Erklärung finden. Aus vielen Beobachtungen 
kann mau ersehen, daß eine schon infizierte Wurzel, die allerdings noch Spuren 
des Pilzes zeigt, wieder einer neuen Infektion unterzogen werden kann. 

7. Staiyelia atrata und 8. Stapelia zebrhia 
erwiesen sich im Frühjahr auch infiziert, ergaben aber keine neuen Bilder. 

9. Baucerasia Burtnamiii, 

Diese Pflanze schließt sich vollkommen an die Stapelien an, unter- 
scheidet sich nur von ihnen durch die dünneren Stämme. Sie ist durchwegs 
infiziert und ihre Mykorhiza fällt nur durch die große Menge von Vesikeln 
auf, die, von gleicher Gestalt und Größe, die primäre Rinde förmlich über- 
säen. An einem vielleicht 2 mm langen Schnitt zählte ich über 100 Vesikeln, 
was gar nicht mit den Angaben Janses übereinstimmt, der nur für sapro- 
phytischc Pflanzen eine große Anzahl von Vesikeln gelten lassen will. 

10. Htiernia Penzigii 

zeigt ebenfalls Blattreduktion und kakteenartige Stammbildung, Sie erwies (| 
sich duichwegs als infiziert. ' 

11. Uoja earnosa. 

Nach Benecke bilden die Ilojen einen rJl)ergang vom succulenfoii 
zum lederigen 'I yjjUH und zeigen (^Ixjnfalls die mannigfachsten Einrichtung(!n, 
um die Wa88era])gab(; möglichst einziiHcliränken. i 

') Z(!lliilo8e8cheiden wurden für die Klumpen der Orchideen von Moll- 
bcrg beobachtet. Mollberg, Unt(!rHuc,liung(!n illx^r die Pilzci in den Wurzeln 
d«r Orclii(hM;n. .Jenaer ZcitHclirift, XVJII, 1884; zitiert in Wahrlich, JJeitrag 
zur KenntriiH der Orchideenwurzelpilze. Bot. Ztg., 1880, p. '181. 
l',.-iM rl<,., 1. p. 500. 



Die endotrophe Mykorhiza der Asclepiadaceae. 



257 



Eoja hat im Bau der Wurzel beträchtliche Abweichungen von dem 
oben beschriebenen Stapelientypus. Die Durchlaßzellen sind schon in Form 
und Größe von den übrigen Endodermiszellen verschieden. Sie haben die 
Form eines Kegelstumpfes, der oben mit einer Kalotte bedeckt ist und nach 
unten eine sciimälere Basis hat. 

Das Myzelium ist hier viel zarter und feiner als bei den Stapelien. 
Nach Infizierung der Durchlaßzellen bleiben die Hyphen 3 — 4 Zellreihen intra- 
zellulär, erst dann befallen sie die Interzellulargänge. In dem ersten infizierten 
Interzellulargang bilden die Hyphen manchmal Verzweigungen eigener Art. 
Es sind kurze, schlauchförmige Ausstülpungen, die sich nicht weiter ver- 
breiten, wodurch ein Gewirr von kurzen Fäden entsteht, deren Funktion 
schwer zu erkennen ist. Intrazelluläre Hyphenstränge oder Knäuel sind keine 
Seltenheit. Die in Gruppen von 2—5 vorkommenden Vesikeln sind bei Hoja- 
Arten nicht häufig und können leicht übersehen werden. 

Von anatomischen Merkmalen der Wurzeln sind noch Idioblasten zu 
erwähnen, welche mit einer körnigen Masse völlig erfüllt sind und alle Farb- 
stoffe gierig aufnehmen. 

Sie kommen auch in nichtinfizierten Wurzeln vor und werden bei der 
Infektion von den Pilzhyphen umgangen. Vielleicht sind sie mit den von 
Janse^) und Gallaud^) angegebenen Tannin- und Sekretzellen zu ver- 
gleichen, welche auch niemals infiziert werden. Sehr verbreitet sind Zellen, 
die in der Einzahl oder zu zweien, als Zwillingskristalle, Kalkoxalatkristalle 
I enthalten, welche scheinbar von einer stark lichtbrechenden, schleimigen Masse 
1 erfüllt sind, die alle Farbstoife speichert. In Zellen mit zwei Kristallen scheint 
I jeder der beiden von seiner eigenen Schleimraasse umgeben zu sein.^) Diese 
! Kalkoxalatzellen werden oft vom Pilze infiziert und manchmal ist der Kristall 
i teilweise von den Hyphen umwachsen, ein Umstand, der bekanntlich den Be- 
I Kunden aller Forscher widerspricht und nur in einem einzigen Falle von Gal- 
i laud*) beobachtet wurde. Es kann also die Kristallzelle keinerlei abstoßende 
Wirkung auf die Pilzhyphen ausüben. Stecklinge, welche im Wasser gezogen 
wurden, zeigten niemals Infektion, ein Beweis dafür, daß der Endophyt nur 
dem Boden entstammen könne. 

12. Hoja clandestina. 

Die untersuchten Mykorhizen waren scheinbar schon sehr alt und zeigten 
I deutliche Körnchenmassen, seltener Sporangiolen. Vesikeln konnte ich niemals 
I beobachten. 



^) Janse, 1. c, p. 37, 153. 
2) Gallaud, I.e., p. 317. 

Treiber, Über den anatomischen Bau des Stammes der Asclepia- 
daceen. Botanisches Zentralblatt, IV, p. 209, 241, Taf. I— II, 1891. 
*) Gallaud, 1. c, p. 71, Fig. 6, p. 317. 

Z. B. Ges. 63. Bd. 17 



258 



Elsa Bus ich. 



13. Stephanotis florihunda, 

StepJianotis zeigt in den meisten Wurzeln eine deutliche Periderm- 
bildung". Während die jungen Wurzeln ohne Periderm noch deutliche Yer- 
pilziing zeigen, sind die Wurzeln, welche eben darangehen, ihre Periderm- 
bildung zu beginnen, zwar noch infiziert, sie scheinen aber nur noch die Reste 
des Endophyten zu enthalten. Es finden sich noch Überbleibsel von Vesikelu 
und Sporangiolen vor, in einigen Durchlaßzellen sind auch Infektionshyphen 
zu sehen, die meisten Zellen sind aber von Körnchenmassen erfüllt. Mit der 
Peridermbildung geht also ein Zurücktreten des Pilzes Hand in Hand, das 
die Erscheinung verständlich macht, warum Wurzeln mit wohl ausgebildeten 
Periderm selten oder gar nicht den Endophyten beherbergen. Ob nun die 
Peridermbildung insoferne schädigend auf den Pilz wirkt, daß sie ihn von der 
Außenwelt abschließt, oder ob sie, wenn die Wurzel den Pilz ganz verdaut 
hat, nur die Propagation des Pilzes zurückhält, indem sie keine Infektion zu- 
läßt, muß dahin gestellt bleiben. Die letztere Hypothese hat weniger Wahr- 
scheinlichkeit für sich, da in diesem Falle Reste von Vesikeln zurückbleiben 
müßten, ein Schluß, der allerdings nicht zwingend ist. Die Hypothese aber, 
daß der Endophyt in einer Wurzel, die ihn vollkommen von der Außenwelt, 
somit von dem extraradikalen Myzel abschließt, nicht weiter existieren kann, 
hat viel Verlockendes für sich.*) 

14. Schubertia grandiflora. 

Es wurden zwei Exemi)laro untersucht. Das eine, im Herbst unter- 
suclite p]xemplar zeigte nicht die geringsten Anzeichen einer Infektion. Der 
ganze Habitus der Pflanze spricht dafür, daß sie reichlich mit Wasser versorgt 
wird. Die breiten, ganz dünnen Blätter sind mit langen Haaren versehen, 
die am Morgen Guttationstropfen tragen. Eine im Frühjahr untersuchte Ptlanzo 
ergab dagegen gewisse positive Resultate. Von 30 untersuchten Wurzeln 
zeigten allerdings nur 2 eine Inftiktion. 

Die mit einer 5—0 Zellreihen starken Korkschiclito versehenen Wurzehi 
besitzen zahlreiche Kalkoxalatkristallo und lange, oft verzweigte Milchsaft- 
gefäße. Die ICndodermis scheint zum Aufbau des Periderms gedient zu h;ihen, 
da keiiK! Durchlaßzellen mehr zu sehen sind.'^) Ein Eindringen des Pilzes in 

'j Die Slephanoiis -\\\\\'wM\ zeigten außerdem sclion makroskoi)iscli 
Btiirkc, knollenartig(! Ansrliwellungen. Bei näiierer mikroskopisclier Uiilcr- 
Huchung ergab es sich, daß diesc! Knöllchen durch ein Wurzeliilciuiii (Ilclerodern 
radicicola?) hervorgerufen wurde, das von »^orauer (Pll.iuzenkranklieitcn, 
l.Bd., 1880) und Frank (Ober das Wurzcliiichen. Berichte der deutschen 
botaniHchen GeHeilscIiaft, Htjft 3, 1884) unt(!r jinderen aucli \\\v AscUinas ent- 
dc< kt wurd(5. 

'•*) VewrpK!, MemoiroH sur l'anMtoinio r.om[);iree de l'eforce. Annale« dei 
S' i-ii'r. iiMfiiielle'^. VI' Serie. I',()l;iiii(|U(!, II, 1). 82, zitiert in Treiber, I. C. 



Die endotrophe Mykorhiza der Asclepiadaceae. 



259 



die Wurzel konnte ich niemals sehen, wahrscheinlich ist es vor der Periderm- 
bilduug erfolgt. 

Die infizierten Zellen oder die sie umgebenden Gewebe weisen krank- 
haft verdickte Membranen auf, die lichtgelb bis dunkelbraun sind und den 
abnormalen Zustand der Wurzel kund tun. Die Infektion beschränkt sich 
auf 2—3 Zellreihen unterhalb des Periderms. Die Hyphen sind so zart und 
fein, daß man sie kaum bemerken kann und entsenden nach rechts und links 
Sporangiolen, kleine, knöllchenartige Massen, die mit feinen Hyphen mit der 
Haupthyphe in Verbindung zu stehen scheinen. Andere Organe konnte ich 
niemals beobachten. Daß dieser Pilz mit dem bis jetzt besprochenen Endo- 
phyten verwandt sein mag, beweisen die Sporangiolen. Es macht mir aber 
nicht den Eindruck, als wäre er ein ständiger und gern gesehener Gast der 
Wurzel. Hier wurden auch die öfters genannten Sphaerite beobachtet. 

15. JPeviploca graeca. 

Fast alle Wurzeln haben Periderm. Von zwei untersuchten Exemplaren 
war mir das eine infiziert. Es kommen hier auch die von Treiber ver- 
zeichneten komplizierten Kristallformen vor, die oft in langen Zellreihcn auf- 
einander folgen. Die Endodermis hat breite Durchlaßzellen, die Einde der 
Wurzel war ganz vom Endophyten erfüllt. Der Pilz schien vollkommen intra- 
zellulär zu sein, und zwar sind Sporangiolen und Körnchenmassen von großen, 

i starken Hyphen umschlungen. Eine Infektionsstelle, bei der die Hyphen nicht 
die Durchlaßzelle, sondern eine beliebige Endodermiszelle befielen, ließ den 
Verdacht aufsteigen, daß ein zweiter, fremder Pilz den Weg in die Wurzel 
gefunden hat, um die von Sporangiolen und Körnchen strotzende Mykorhiza 
zu seinem eigenen Fortkommen zu verwerten. Sporangiolen und Körnchen- 
massen zeigen jedoch an, daß die Wurzel früher durch den normalen Endo- 

i phyten infiziert gewesen sein mußte. Wäre diese Annahme nicht richtig, so 

I würde die Mykorhiza der Periploca einen Typus für sich bilden, den ich sonst 

I bei den Asclepiadaceen niemals beobachtet habe. 

16. Ceropegia Woodii,^) 

Ceropegia hat mit ihren kleinen, runden, dickhäutigen Blättern einen 
vollkommen succulenten Charakter. Trotzdem zeigten die Wurzeln zweier 
untersuchten Exemplare niemals eine Infektion. Dasselbe gilt von 

17. Ceropegia elegans. 

Diese zeigt keine Spur von Succulenz, sondern besitzt höchstens steife, 
lederige Blätter. Sie war auch in den ganz von Periderm freien W^urzeln 
nicht infiziert. 



^) Glabisz J., Morphologische und physiologische Untersuchungen an 
der Ceropegia Woodii. Beihefte zum Bot. Zentralbhitt, XXIII, p. 65, 1908. 

17* 



260 



Elsa Busich. 



18. Asclepias syriaca. 

Diese krautige Pflanze hat trotz maimig-facher Untersuchung keine In- 
fektion gezeigt. 



C. Bedeutung der Mykorhizen für die Asclepia- 

daceae/) 

Um dieser so schwer zu beantwortenden Frage etwas näher 
zu treten, sei hier eine Tabelle zusammeng-estellt, die im Sinne 
Stahls die Verhältnisse mykotropher und nichtinfizierter Pflanzen 
näher beleuchten soll: 

Aus dieser Tabelle geht hervor, daß ganz allgemeine Regeln 
hier nicht aufgestellt werden können, daß aber im allgemeinen die 
succulenten Asclepiadaceen sich dem Stab Ischen Typus der myko- 
trophen Pflanze ziemlich nähern.^) 

Vor allem sei die aus der Tabelle hervorgehende Tatsache 
erwähnt, daß infizierte Wurzeln niemals, nichtinfizierte gewöhnlich 
eine sehr starke Reaktion auf Salpetersäure zeigen. Eine Tatsache, 
die Frank^) und besonders StahH) hervorgehoben haben; aller- 
dings behandeln diese typische Mykorhizenpflanzen, während die 
Mykorhizen der Asclepiadaceen doch nur als mehr oder minder 
fakultative bezeichnet werden müssen und daher nur annähernd | 
die Verhältnisse typischer Mykorhizen besitzen können. 

So zeigt sich z. B., daß die succulenten, mykorhizenfiihrenden 
Asclepiadaceen außer den bei den einzelnen Pflanzen selbst an- 
gegebenen Merkmalen, die für eine Herabsetzung der Transpiration 
sprechen, gewöhnlicli auch „Saccharophyllie" aufweisen. Unter 

Einige nacli den Mctliodcn Pcklos (J. Pcl^lo, B(!itriige zur Lösung 
dc8 Mykorhizaprol)](;n).s, und liurgcff.s angestellte und noch niclit abge.sclilos- 
Hcne Kulturvcrsuclie dcH Endopliylon ergaben insoferne positive KesuU.ate, 
als di(5 ziemlich rein kultivierten Pilze mit den Orclieomyceten Burg(^^^^'^ 
große Analogien zeigten, ferner Hcliöno Vesikelbildungen aufwiesen. Kincn 
wirkliclion Beweis dafür, daß der Endopliyt isoliert wurde, kann natürlich nur 
eine küiiHtliclM! Infektion er])ring(;n. 
'j Burgeff, 1. c, p. 187. 



») Frank, Botanische (iesellscliaft, p. 201, 1888. 
*) Stahl, 1. c, p. 029. 



I 



Die endotrophe Mykorhiza der Asclepiadaceae. 261 





u[0zjn^ ua^aoizg 
-ui UI -H-'ONH 


;ij;[ng9H saAi^L'Sau 9S9Aiqo.inp 


Sachsche 
Jod- 
probe 


violett 

violett 
violett 
noch nicht 
infiziert, 
blau 
blau 

blau 

violett 

blau 
schwarz- 
braun 
braun 


HNO3- Reaktion 
in den 
Blättern 


stark im Blattstiel 
und im Nerv der 
Lamina 

nein 

nein 

nein 

stark im Blattstiel 
und im Nerv der 
Lamina 

stark im ganzen 
Blatte 
Spuren 
schwach 

nein 


HNO3- Reaktion 
nichtinfizierter 
Wurzeln 


nein 

Durchlaßzellen blau 
sehr starke Reaktion 
Durchlaßzellen be- 
sonders starke Re- 
aktion 
nein 

nein 

besonders stark in 
den Durchlaßzellen 
starke Blaufärbung 

n « 


Infektion 
durch den Pilz 
bei Wurzeln 


ohne 

Periderm 


ja 

ja 
ja 
ja 

selten 

nein 

nein 

ja 
nein 

nein 


mit 
Periderm 


— 

nein 

selten 
nein 

nein 

nein 
nein 

nein 


zu9inoons 


ja 

ja 
ja 
ja 

nein 

nein 
nein 

ja 

nein 
nein 

nein 




1. Hoja carnosa .... 

2. Hoja clandestina . . . 

3. Steplianotis floribunda . 

4. Stapelienarten .... 

5. Periploca graeca . . . 

6. Schiibertia grandißora . 

7. Ceropegia elegans . . . 

8. Ceropegia Woodii . . . 

9. Cynanchum Vincetoxicum 

10. Cynanchum sibiricum . 

11. Äsclepias syriaca . . . 



262 



Elsa Busich. 



Saccharophyllie, die StahP) als vorzügliches Merkmal für myko- 
trophe Pflanzen angibt, ist nicht ein vollkommenes Fehlen von 
Stärke zu verstehen, sondern der Umstand, daß neben der Stärke 
auch verschiedene Zucker in kleineren oder größeren Mengen vor- 
handen sind und daß deren Menge umgekehrt proportional der- 
jenigen der Stärke ist; StahP) behauptet, daß in der Gegenwart 
oder in dem Fehlen von Stärke in den Zellen des Assimilations- 
parenchyms ein Anhaltspunkt für die Beurteilung der mehr oder 
minder lebhaften Transpirationsgröße dieser Pflanzen gegeben ist. 

Die violette Färbung der Blätter bei der Sachs sehen Jod- 
probe besage also, daß diese Pflanzen größere Mengen Zucker als 
Stärke enthalten und deute schon dadurch auf eine auch durch 
andere Merkmale ausgesprochene Herabsetzung der Transpiration. 
Burgeff ^) gibt auch die Bezeichnung „violett" dort an, wo Stärke 
teilweise in Zucker übergegangen ist. Weitere Merkmale, die er'^) 
als Vorrichtungen gegen eine zu starke Wasserabgabe angibt, sind 
der ausgeprägte Blattglanz, der einer zu starken Erwärmung der 
Blätter und dadurch einer stärkeren Transpiration vorbeugt, anderer- 
seits das Fehlen des bei Autotrophen mit ausgiebiger Wasserdurch- 
strömung vorhandenen Kalkoxalats in Kristallform. Blattglanz ist 
nun tatsächlich bei den succulenten Asclepiadaceen weitgehend ver- 
breitet, während das Fehlen der Kalkoxalatkristalle ein typisches 
Merkmal für alle kakteenartigen Asclei)iadaceen darstellt. 

Aus diesen Ausführungen geht hervor, daß anscheinend auch 
bei den Asclepiadaceen eine herabgesetzte Wasserbewegung und 
als Folge davon eine geringere Aufnahme von Nährsalzcn mit dem 
Vorliaiidensein der Mykorhiza zusammenhängt, andererseits aber, 
dal) die krautigen, reichlich mit Wasser versorgten Pflanzen den 
Pilz gar nicht oder fast gar nicht aufweisen. 

Wenn man nun Uberlegt, daß das Vorkommen der Mykorhi/cu 
in dieser Familie nicht un])edingt notwendig ist, daß vielmehr die 
gewöhnlich infizierten, succulenten Arten auch ohne Pilz gedeihen 
können, während die krautigen, in der Kegel niclitiniizicrteu Pflanzen 
zum 'l'eil Hporadisch auftretende Mykorliizen besitzen, so wird man 



') Stahl, I.e., ),. 557. 
•'') Hurf?<;f r, I. c , p. 40. 



2) Stil Iii, I. c, p. 5:.(;. 

*) Ii ur^^c ff, I. c, p. 187. 



Die endotrophe Mykorhiza der Asclepiadaceae. 



263 



die Mykorhizenbilduiig in dieser Familie als eine der vielen öko- 
logischen Anpassungen an bestimmte Lebensverhältnisse ansehen 
können. Die Möglichkeit einer solchen Anpassung ist ja durch das 
regelmäßige Vorhandensein der Durchlaßzellen von vornhinein ge- 
geben und hiemit scheinen diese ein vererbtes Anpassungsmerkmal 
der Familie zu sein. 

Da also auch in vielen anderen Beziehungen, vras Blüte, Stamm 
und Blätter anbelangt, die Asclepiadaceen ganz besondere An- 
passungserscheinungen zeigen, darf es uns nicht wundern, daß auch 
die Wurzeln sich eines so nützlichen Kommensalen bedienen, wie es 
der Wurzelpilz ist, um Zeiten ungünstiger Lebensbedingungen und 
den „Kampf ums Dasein" besser zu bestehen. 

Zusaiuiueufassung. 

1. Das Auftreten einer Mykorhiza in der Familie der Ascle- 
piadaceen ist eine häufige Erscheinung. Von 18 untersuchten Arten, 
die 10 Gattungen augehören, hatten 11 regelmäßig eine endotrophe 

I Mykorhiza, 4 nicht. Die 3 übrigen nehmen eine Ausnahmestellung 
ein, indem sie nur ausnahmsweise infiziert erscheinen. 

Die succulenten Vertreter dieser Familie zeigen die Mykorhiza 
in typischer Weise, die nicht succulenten zeigen ihre Wurzeln selten 
und dann nur unvollkommen infiziert. 

2. Die Mykorhizen der Asclepiadaceen bilden alle für die 
endotrophen Pilze charakteristischen Organe aus (Hyphen, Vesikeln, 

i bäumchenartige Verzweigungen, Sporangiolen, Körnchenmassen). 

3. Manchmal wurde eine besondere Art von Vesikeln: die 
Knäuelvesikeln beobachtet. Auch das Myzelium außerhalb der 
Wurzel ist imstande, Organe auszubilden, die als Vesikeln angesehen 
werden müssen. Vesikeln sind also Organe, die nicht an das Leben 
des Pilzes in der Wurzel gebunden sind. Außerdem sind freie, 
außerhalb der Wurzel liegende Vesikeln beobachtet worden, die 
Hyphen in das Epiblem entsandten, die ihrerseits imstande waren, 
die Wurzel zu infizieren. Dadurch ist der Beweis erbracht worden, 
daß Vesikeln wirkliche Dauerzustände sind. 

4. Zellen, welche Kristalle von Kalkoxalat enthalten, stoßen 
im Gegensatz zu den bisherigen Angaben den Pilz nicht nur nicht 
ab, sondern werden oft von ihm befallen. 



264 Elsa Bus ich. Die eiidotroplie Mykorhiza der Asclepiadaceae. 



5. Frank und Stahl haben gezeigt, daß die mykotrophen 
Pflanzen keine Nitratreaktion zeigen, im Gegensatz zu den nicht- 
infizierten. 

Dieselbe Erscheinung konnte auch für die Asclepiadaceen dar- 
getan werden, und zwar waren es namentlich die Durchlaßzellen, 
die die Reaktion ganz besonders schön zeigten. 

6. Die Beobachtungen über die Mykorhiza der Asclepiadaceen 
sprechen im großen und ganzen für die Richtigkeit der Auffassung 
von Stahl, der zufolge hauptsächlich jene Pflanzen eine Mykorhiza 
aufweisen, die eine herabgesetzte Wasserdurchströmung zeigen. 



Erklärung der Abbildungen. 

Fig. 1. Stapelia atropurpurea. Yesikeln. Längsschnitt. Vergr. 335. 
„ 2. Stapelia atropurpurea. Vesikelii, Hyphen und Sporangiolen. Quer- 
schnitt. Vergr. 540. 
„ 3. Stapelia atropurpurea. Eintrittsstelle des Pilzes. Längsschnitt. 
Vergr. 540. 

„ 4. Stapelia normalis. Knäuelvesikel. Längsschnitt. Vergr. 540. 
„ 5. Stapelia normalis. Kleine intrazelluläre Vesikel. Längsschnitt. 
Vergr. 335. 

„ 6. Stapelia variegata. Vesikeln. Längsschnitt. Vergr. 335. 

„ 7. Stapelia verrucosa. Interkalare Vesikel mit Querwänden. Längs- 
schnitt. Vergr. 335. 

„ 8. Staptelia variegata. llyphenverzweigung. Längsschnitt. Vergr. 540. 

„ 9. Slapelia normalis. Intrazelluläre Vesikel. Längsschnitt. Vergr. 540. 

„ 10. Iloja carnosa. Durchlaßzelle. Längsschnitt. Vergr. 540. 

„ 11. Slapelia variegata. Durchlaßzelle mit keimender Vesikel. Längs- 
schnitt. Vergr. 335. 

„ 12. Stapelia atropurpurea. Lintrittsstelle des Pilzes. Plächensclinitt. 
Vergr. 540. 

„ 13. Jfoja carnosa. Sporangiolen. IJingsschnitt. Vergr. 335. 

„ 14. Slüjiclia variegata. Ilanstorien. Längsschnitt. Vergr. 335. 

„ 15. Jloja carnosa. Vesikel mit Il3'i)hen. liängsschnitt. Vergr. 540. 

„ IG. Stajtclia atropurpurea. Sporangiolen und Körnchenmassen. Längs- 
schnitt. Vergr. 540. 

„ 17. Slapelia atropurpurea. Sporangiolen. Längsschnitt. Vergr. 714. 

„ 18. Stapelia variegata. Endodermis mit Durchlaßzelle, extraradikale« 
iMyzcl mit Kphärisclier Vesikel. Flächenschnitt, Vergr. 335. 

„ Iii. Iloja carnosa. ilyi)li(!n(!nd(!. Längss(diniM.. Vergr. 540. 

„ 20. Ihijti air)w.<<a. Ilyplienknäuel. Längssclinitt. V(!rgr. 510. 

„ 2L I/oja dandcHtina. llyphcn und Sporangiolen. Längsschnilt. Vergr.540.i 



Verhandl. der l\ zool.-hot. Ges., 
Band LXIII, 1913. 



Taf. III. 



Dr. Elsa Busich: 
Die endotrophe Mykorhiza 
der Asclepiadaceae. 




I 



Verhandl. der Ä-. 1. zool.-hot. Ges., 

Band LXIII, 1913. Taf. IV. 



-Dr. Elsa Busich: 
Die endotrophe Mykorhiza 
der Asciepiadaceae. 




Verhandl. der k. k. zool.-bot. Ges., 

Band LXIIL 1913. Taf. V. 



Br. Elsa Busich: 
Die endotrophe Mykorhisa 
der Asdepiadaceae. 




Beiträge zur Flora der Öststeiermark. 



265 



Beiträg^e zur Flora der Oststeiermark. 

Von 

Dr. Heinrich Sabransky. 

(Eingelaufen am 3. Mai 1913.) 

Wie früher, gebe ich in folgendem ein Verzeichnis von 
Funden, die in floristischer oder pflanzensystematischer Beziehung 
fiir das Gebiet bemerkenswert erscheinen. Daß ich diesmal auch 
die Bryophyten in den Bereich meiner Aufzählung gezogen habe, 
begründet sich mit der Tatsache, daß von der Moosflora des ost- 
steirischen Lehmhügellandes bisher nur wenig Einzelnheiten bekannt 
geworden sind. Selbst in Br eidlers Schriften finden sich nur 
sehr spärliche Angaben über dieses Gebiet. Obwohl ich mir in 
15 Jahren eine gute Übersicht über die oststeirische Moosflora er- 
werben konnte, macht meine Liste keineswegs Anspruch auf Voll- 
ständigkeit. Von den Authophyten sind es namentlich die Rosa- 
zeen und unter diesen vornehmlich wieder die Gattung Buhns, 
deren schier unerschöpflicher Reichtum an Gestaltungen mir auch 
in den letzten fünf Sommern reichlich Mühe verursachte. Die seit 
1908 in Jahreslieferungen erscheinende Monographie von H. Sudre, 
Rubi Europae, von der bisher fünf Lieferungen mit 195 schönen 
Tafeln erschienen sind, hat in der systematischen Auff'assung der 
Formen mancherlei Wandlung geschaffen, was in der folgenden 
Darstellung zum Ausdrucke gebracht werden mußte. Ich bin 
übrigens Herrn Prof. Sudre auch persönlich für so manchen guten 
Einschlag zu Dank verpflichtet, ebenso Herrn Oberlehrer Anton 
Topitz in St. Nicola a. D., der die Güte hatte, meine Menthen- 
funde einer gründlichen Durchsicht zu unterziehen. 

Für Steiermark neue Funde sind mit einem * bezeichnet. 



') Vgl. diese „Verhandlungen", Bd. LIV (1904), p. 537-556 und 
ikl. LVIII (1908), p. 69-89. 



266 



Heinrich Sabransky. 



A. Hepaticae. 

Rieda glauca L. Auf getrocknetem Grundschlamme von Teichen 
bei Söchau. 

llarchantia ijolymorplia L. An Bergbachufern, feuchten Mauern 

der Bahnschutzbauten bei Söchau, Hz etc. häufig. 
Fegatella conica (L.) Corda. An den Ufern von Bergbächen, Quellen 

etc. oft Massenvegetation bildend, um Söchau, Kohlgraben, 

Ebersdorf, Fürstenfeld etc. 
Preissia commutata (Lindb.) Nees. An ähnlichen Orten wie vorige, 

doch bedeutend seltener. 
Antlioceros laevis L. Am Grunde lehmiger Hohlwege, an Gräben 

um Söchau, Ruppersdorf, Fürstenfeld, Hz etc. höchst gemein 

und Massenvegetation bildend. Meist mit DicraneUa. 
Antlioceros piinctatits L. Wurde von mir im Gebiete bisher nicht 

aufgefunden. 

Metzgeria furcata L. (Lindb.). An Baumstrünken, in Waldhohl- 
wegen etc. um Söchau, Maierhöfen etc., doch seltener als 
folgende Art. 

Metzgeria conjiigata Lindb. In Bergwäldern um Söchau, Fehring, 
Ebersdorf, Brcitenfeld, Fürstenfeld verbreitet. 

Änenra miätifida (L.) Dum. Auf Erdabhängen der Wälder am 
Feistritztalrand ober Groß Wilfersdorf. 

Fellia epiphylla (L.) Corda. An Bergbächen von mir bisher bloß 
bei Ilartberg gefunden. 

Vdlla calgcrna (Tayl.) Nees. An quelligen Orten der Waldabhängc 
ober Groß- Wilfersdorf (Sacherberger Kirchsteig). 

Sarcoscyphus Funclcii (Web. et Mohr) Nees. An Bergwegen unter- 
halb der Ringwarte bei Ilartberg. 

Eiicalyx hyalina (Lyall) Breidl. Auf sandig- toniger Erde in Wäldern 
zwischen Söchau und Maierhöfen, reich fruchtend. 

Plagioclnla asplcnwules (L.) Dum. Um Söchau, Fürsten fehl, 11z, 
Feliring etc., besonders auf Waldboden, an Bächen, häufig frucli- 
tcnd. Die var. major Nees häufig auf Waldcrdc bei Söchau. 

Hcapauia irrigua (Nees) Dum. An (juelligcn Orten zunäclist der 
OchHenHcliwaige am Hocliwf^cliKol, mit P/nlonotis foidaufi var. 
fdlcata ! 



Beiträge zur Flora der Oststeiermark. 



267 



Scapania undulata (L.) Dum. Hoch Wechsel. Tümpel bei der Vor- 

aiier Ochsenschwaige. 
Scapanla nemorosa Xees. Verbreitet auf Waldboden bei Süchau, 

daselbst auch hie und da die var. purpurascens (Hook.). 
Aphcia cremdata (Sm. i Dum. Auf lehmigen Bergwegen um Söchau, 

häufig und stets reichlich fruchtend. Die var. gracilllma (Sm.) 

Hook, zerstreut unter der Hauptform. 
Aphcia lanceolata (L.) Dum. An Quellenrändern auf lehmiger 

Erde bei Söchau, Maierhöfen usw. 
Jimgermannia hicrencda Schmid. An Weglehnen in der Waldregion 

um Söchau hie und da. 
Jimgermannia excisa Dicks. Auf Waldboden bei Spitzhart nächst 

Söchau, fruchtend. 
Jungermannia harhafa Schreb. Auf Waldboden in der Umgebung 

von Söchau zerstreut. 
Cephahzia hicuspidafa (L.) Dum. Auf Waldboden um Söchau, 

Maierhöfen, Fehring etc. weit verbreitet, meist mit folgender 

Art. 

Blepliaro Stoma triclwpdnjUum (L.) Dum. In Waldhohlwegen, auf 
Walderde weit verbreitet um Söchau, Rittschein, Fürstenfeld, 
Hz etc. 

Lophocolea minor Xees. Auf Baumstrünken bei Söchau, Übers- 

bach etc. ziemlich selten, hie und da auch mit Kelchen. 
Lophocolea hidentafa (L.) Dum. Auf nackter Erde, an Lehnen des 

ganzen Gebietes, nicht gemein. 
Loplwcolea lieteroplußla (Schrad.) Dum. Auf den Schnittflächen von 

Baumstrünken um Söchau, Übersbach etc. nicht selten, oft 

mit Kelchen. 

^'li.doscypjliHS pohjaniliHs (L.) Corda. An Bachläufen, quelligen Orten 
der Bergregion um Söchau, Hz, Windisch -Hartmannsdorf, 
Ebersdorf etc. verbreitet, meist fruchtend. D\q y2i\\ palUscens 
(Schrad.) Limpr. nicht selten. 

Kantia Tricltomanis (L.) Gray. Auf feuchten, schattigen Erd- 
abhängen bei Söchau etc. verbreitet. 

Lepidozia reptans (L.) Dum. Auf Erde und Humus in Wäldern bei 
Söchau, Piittschein, Aschbach usw. Oft Massen Vegetation I 
Häufig mit Kelchen I 



268 



Heinrich Sabrausky. 



Baz^ania trilobata (L.) Gray. Höchst gemeines, Massenvegetation 
bildendes Waldbodenmoos, im ganzen Gebiete weit verbreitet, 
immer steril. 

Eaäida complanata (L.) Dum. Auf Baumrinden im ganzen Ge- 
biete gemein und reichlich fruchtend. 

3Iadotheca laevigata (Schrad.) Dum. Auf Baumstämmen zerstreut 
im ganzen Gebiete, keinesfalls gemein. 

3Iadotlieca platypliylla (L.) Dum. Wie vorige. 

Frullania dilatata (L.) Dum. Auf Baumstämmen in Wäldern bei 
Söchau, Fürstenfeld, Übersbach, Breitenfeld etc. Oft mit 
Kelchen. 

Fndlania Tamarisci (L.) Dum. Wie vorige. 

B. Miisci frondosi. 

Sphagnum acutifolium Ehrh. In feuchten Wäldern bei Söchau, 
Übersbach etc. verbreitet. Die var. flavo-ruhelhim Wtf. und 
var. rithrum (Brid.) häufig an Standorten der Stammform. 

Sphagnum squarrosum Pers. Wechselgebiet: in Wäldern an der 
Straße Aspang — Mönichkirchen häufig. 

Fleuridmm suhidaium (Bruch.) l\bh. Auf trockener Walderde bei 
Söchau, Hz etc. gemein. 

Weisia viridida (L.) Hedw. Auf Erdblößen, lehmigen Bergwegen, 
Grubenrändern bei Söchau, Maierhöfen, Übersbach, Fürsten- 
feld verbreitet. 

Jlltahdowcisia fugax (lledw.) B. E. An Erdabhängen in Wäldern 
bei Söchau etc. 

Dicranella squarrosa (Starke) Schimp. In alpinen Tümpeln am 
Hoch Wechsel, zunächst der Voraucr Ochsenschwaige. 

Dicranella rnfescc7is (Dicks.) Schimp. Auf sandig-lehmigen Abhängen 
der Bergregion bei Aschbach, Söchau, Maierhöfen sehr ver- 
breitet. 

Dicranella varia (llcdw.) Schimp. An (inibcn, Erdliängen im Ge- 
biete verbreitet. 

hicrancUa heteromalla (L.) Schini]). Im ganzen Gebiete hödist 
gemein. Die var. scricr(t II. Mflll. an Wegen zwischen Söcliaii 
und .Maicrlioion. 



Beiträge zur Flora der Oststeiermark. 



269 



Dicranum montanum Hedw. Auf Baumstrünken in Wäldern bei 
Söcliau, Wilfersdorf und Breitenfeld. 

Dicranum longifolium Ehrh. Auf Gneisblöcken am Ringe bei Hart- 
berg, ebenso auf Felsen oberhalb Festenburg am Wechsel, 
überall verbreitet und häufig c. fr. 

Bkranum scoparium (L.) Hedw. Auf Waldboden, Dächern etc. sehr 
gemein. Auf Gneisfelsen oberhalb der Teufelsstiege am 
Wechsel bei 1600 m. 

Dicranum undulatum Ehrh. Auf Dächern in Tautenberg bei Söchau, 
im Ringwalde bei Hartberg. 

Dicranum spurium Hedw. Auf Walderde besonders der Fichtenwäl. 
der verbreitetes Charaktermoos des Gebietes. Häufig bei Söchau. 

Dicranodontium longirostre (W. et M.) B. E. Auf Gneisfelsen ober- 
halb Festenburg: Wechselgebiet. 

Leucobrynm glaucum (L.) Schimp. Höchst gemeines^ Massenvege- 
tation bildendes Laubmoos des ganzen Gebietes. Mit reich- 
lichen Sporogonen bisher bloß auf Walderde zwischen Söchau 
und Aschbach. 

Fissidens hryoides (L.) Hedw. An schattigen Erdblößen, Hohlwegen 
um Söchau, Ebersdorf etc. verbreitet; die var. Hedwigii Limpr., 
Laubm., p. 429* auf Waldboden oberhalb Spitzhart nächst 
Söchau. 

Fissidens adianioides (L.) Hedw. An Bächen bei Söchau, steril. 

Fissidens decipiens De Not. An Kalkwänden im Weizbachtale nächst 
Weiz und am Hochlantsch. 

Geratodon purpureus (L.) Brid. Häufigeres^ oft nahezu Massenvege- 
tation bildendes Moos, verbreitet im ganzen Gebiete. 

Trichodon cylindricus (Hedw.) Schimp. Auf Humus an Weglehnen 
verbreitet bei Ebersdorf, Aschbach, Söchau, Hz etc. 

Fottia tnincatula (L.) Lindb. Auf Äckern des ganzen Gebietes 
verbreitet. 

Trichostomum cylindricum (Bruch.) C. Müll. Auf Felsen im Weiz- 
bachtale bei Weiz. 

Tortella inclinata (Hedw.) Limpr. Auf Kalkfelsen im Weizbachtale 
bei Weiz. 

Tortella tortuosa (L.) Limpr. Auf alten Hausdächern bei Söchau, 
Weiz, Hartberg, nicht gemein. 



270 



Heinrich Sabransky. 



Barhda reflexa Bricl. Auf Kalkfelsen in der Weizklamm, steril. 
Barhula pahdosa Schleich. Auf überrieselten Kalkfelsen in der 

Weizklamm, mit Früchten. 
Tortläa muralis (L.) Hedw. Auf Mauern, Steinbrüchen im Gebiete 

zerstreut. 

Tortläa siibulata (L.) Hedw. Auf Mauern, an Bächen etc. im Ge- 
biete zerstreut. 

Tortläa montana (Nees) Lindb. Auf den Steilwänden des Riegers- 
burger Schloßberges, am Eselsteige. 

Tortläa niralis (L.) Ehrh. Auf Mauern, alten Strohdächern, Baum- 
stämmen verbreitet. 

Schistidium apocarjnim (L.) B. E. Auf Felsen im Weizbachtale bei 
Weiz, bei Hartberg. 

Scliistidmm gracüe (Schleich.) Limpr. Auf Kalkfelsen im Weizbach- 
tale und in der Weizklamm bei Weiz. 

Grimmia piävinata (L.) Sm. Weizklamm^ Ringberg bei Hartberg, 
an letzterem Orte an Gneisfelsen. 

Bacomitrium canescens (Timm.) Brid. Auf sandigem Heideboden 
weit verbreitet, fast stets steril. Die var. ericoides B. E. 
gemein. 

Hedtvigia ciliata Ehrh. Häufig auf Gneisfelscn am Ringberge bei 
Hartberg. 

lllota crispa (Hedw.) Brid. Auf den Stämmen von Laubhölzern 

im ganzen Gebiete verbreitet. 
IJlota crispula (Bruch.) l>rid. Wie vorige, doch noch häufiger. 
JJlota americana (P. B.) Mitt. Auf Gneisfelsen am Ringberge bei 

Hartberg. 

Orthotrichum jmmihnn Sw. Auf verschiedenen Laubbäumen im Ge- 
biete verbreitet. 

Orthotrichum affine Schrad. Auf verschiedenen F)iiuinen bei Söchau, 

FUrstenfeld etc. verbreitet. 
Orthotrichum liocarpnm B. E. Auf Bäumen aller Art im ganzen 

(icbiete verbreitet. 
Orthotrichum Lyallii H. et '\\ Auf Buclicn und Ficlitcn bei Söchaii, 

Kohlgraben, Ebcrsdorf nicht selten. 
Orihotrichnm ohtnsifolium Schrad. An alten Ahoriibäumen bei Söcliau 

und ÜittHcliein, nicht gemein. 



Beiträge zur Flora der Oststeiermark. 



271 



Encahjpta contorta (Wulf.) Lindb. Auf Kalkgeröll auf der Teiclialpe 
bei Mixnitz. 

Georgia pellucida (L.) Rbh. Auf Baumstriinken in Wäldern bei 
Söcbau, im Koblgraben etc., keineswegs bäufigl 

Physcomitrimn pyriforme (L.) Brid. Auf Äckern, sandigen Bacb- 
ufern bei Söcbau, Ruppersdorf^ Tautendorf, Fürstenfeld weit 
verbreitet. 

Funaria hygrometrica (L.) Hedw. Auf Heide- und Waldboden bei 

Söcbau und im ganzen Gebiete gemein. 
Wehera nutans (Scbreb.) Hedw. In Wäldern des ganzen Gebietes 

verbreitete Art. 

Mniobryum carneum (L.) Limpr. An sandig-lebmigen Gräben und 

Bacbrändern bei Ruppersdorf, ober Groß-Wilfersdorf. 
Mniohryum albicans (Wablb.) Limpr. An äbnlicben Orten wie 

vorige Art. Immer steril. 
Bryim pallescens Scbleicb. Sebr scbön auf Kalkfelsen im Weiz- 

bacbtale bei Weiz. 
Bryum caespiticium L. Auf sandig-lebmigem Heidebodeu im ganzen 

Gebiete verbreitet. 
Bryum argenteum L. Auf sandigem Boden der Waldbeiden, an 

Wegen bei Söcbau, Ebersdorf etc. 
Bryum capillare L. Wie vorige Art. 

Mnium cuspidatum Hedw. Mit Vorliebe an alten Baumstämmen in 
I Wäldern, an Wegen im ganzen Gebiete verbreitet, 
j Mnium affine Bland. Auf Waldboden bei Söcbau, Koblgraben usw. 
j sebr gemein. 

Mnium undulatum Neck. Wie und meist aucb mit der vorigen Art 
verbreitet. 

Mnium rosfrafnm Scbrad. Auf Walderde im Koblgraben bei Söcbau, 

im Weizbacbtale bei Weiz. 
Mnium serratum Scbrad. Auf Kalk in der Weizklamm. 
Mnium pundatum L. An Bacbufern der Bergregion im ganzen Ge- 
! biete verbreitet. 

I Bartramia pomiforyyiis (L.) Hedw. Auf Weglebnen, an Baumstrünken 

etc. verbreitet, zumeist als var. crispa Sw. 
Flagiojnis Oederi Gunn. Auf Kalkfelsen im Weizbacbtale und der 
Weizklamm bei Weiz sebr verbreitet. 



272 



Heinrich Sabransky. 



Flnlonotis fontana (L.) Brid. In Sumpfgräben, aufwiesen bei Söchau, 
Maierhöfen etc. Die var. falcata Schirap. in Tümpeln bei der 
Vorauer Ochsenschwaige am Hoch Wechsel! 

Catliarinaea imdulata (L.) W. et M. mit den Varietäten typica Naw., 
süvatica Naw. und minor W. M. im ganzen Gebiete weit ver- 
breitet. Die var. amtigua'^ Nawaschin (Extr. Bullet, soc. 
Mose, 1894, Nr. 1), die sich habituell stark der C. tenella 
annähert, auf Waldboden am sogenannten Rosenberg hinter 
Spitzhart bei Söchau. 

Catliarinaea Ilausshiechtii (Jur. et Mulde) Broth. Bisher bloß auf 
Waldboden bei Maierhöfen nächst Söchau, als einziger steiri- 
scher Standort. 

Catliarinaea angustata Brid. Auf frischen Rodungen als Neulands- 
pflanze sehr verbreitet: so bei Söchau, Maierhöfen, Altenmarkt. 
AVo dieses Moos mit C. imdulata zusammen wächst, kommen | 
Formen vor, die sich schwierig von der einen oder anderen 
Art unterscheiden lassen. Diese var. fallax m.* ist bedeutend 
höherrasig als die typische C. angustata, hat deutlicher quer- 
wellige Blätter, die tiefer herabgesägt sind, längere Kapseln, 
die mehr geneigt stehen und deren Exothecium nicht j)urpnrrot, 
sondern mehr braunrot gefärbt ist. Weitere Beobachtungen 
müssen feststellen, ob es sich nicht um ein hybrides Produkt 
von C. imdidata und C. angustata handelt. So zwisclicn den 
genannten Arten an der Feistritz bei Maierhöfen. 

Fogonatum nanum (Neck.) P. B. An Weglehnen etc. bei S()clian, 
Ebersdorf, Festenburg etc. 

Fogonatum aloidcs (Iledw.) P. 15. Auf Waldheidcboden, an Weg- 1 
lehnen ober Groß-Wilfcrsdorf, Ebersdorf. 

Fogonatum urnigerum (L.) 1*. P>. An ähnlichen Orten wie vorige 
Art, doch nicht gemein. z 

I'olgfric/ium formosum Iledw. Auf Waldbodcn, in Podnngen des 
ganzen fiel)iete8. 

Folytrichnm piliferum Schrcb. Auf Widdheiden überall gemein. ^ 
Folgtrirhinn junipcrinum Willd. und 

J'olglrirJunn commune L. Auf IJodnngen und in VVaklheiden Massen- 
vcgctalion bildend. 



Beiträge zur Flora der Oststeiermark. 



273 



Diphyscium foliosum (Web.) Mohr. Auf Waldboden bei Söchau und 

im ganzen Gebiet verbreitet. 
Buxbaumia aplnjlla L. Auf sandig-lehmigem Waldboden bei Söchau, 

Fiirstenfeld, Kohlgraben nicht selten. 
Fonfinalis antipyretica L. Im Bache beim Betumkehrkreuze zwi- 
schen Söchau und Übersbach. 
Neckerei complanata (L.) Hübn. Hochlantsch, Kalkfelsen. 
NecJcera crispa (L.) Hedw. Auf Kalkfelsen der Weizklamm. 
Ilomalia trichomanoides (Schreb.) Schimp. Am Fuße alter Bäume 

bei Söchau, Rittschein etc. 
Leucodon sciiiroides (L.) Schwägr. Auf Laub-, besonders Obstbäumen 

des ganzen Gebietes verbreitet. 
Leskea polycarpa Ehrh. Auf Bäumen bei Söchau wie im übrigen 

Gebiete verbreitet. 
TJiKidinm tamariscimm (Hedw.) B. E. Auf feuchten Wiesen der 

Ebenen, Bergwiesen etc. gemein, oft Massenvegetation bildend. 

Eine var. subfluitans m.* mit 30— 40 cm langen Stengeln im 

Wasser schwimmend auf überrieselten Gneisfelsen hinter 

Demmeldorf im Wechselgebiete. 
Thuidium delicaüdtim (Hedw.) Mitt. Wie vorige Art verbreitet. 
Thiädinm ahietinum (L.) B. E. An trockenen Bergwegen, überall 

gemein und immer steril. 
Pterygynandrium fdiforme (Timm.) Hedw. An Baumstämmen im 

ganzen Gebiete gemein. 
Pylaisia pjolyantlia (Schreb.) B. E. An Baumstämmen, besonders 

Weiden, im ganzen Gebiete verbreitet. 
Climacium dendroides (L.) AV. et M. Auf feuchten Wiesen der Täler 

verbreitet, immer steril. 
Isotlieciiim myiirum (Poll.) Brid. In Wäldern des ganzen Gebietes 

verbreitet, meist in der var. timidiusculum (Lam.) Hüb. Die 

var. scahridum Limpr. auf einem Baumstrunke zwischen Söchau 

und Übersbach nächst Fürsteufeld, 
i Orthothecium rufescens (Dicks.) B. E. Auf nassen Kalkfelsen im 

Weizbachtale und in der Weizklamm bei Weiz häufig, 
i Homalotliecium Flnlippeannm (Spruce) B. E. Auf Kalk im Weiz- 
' ' bachtale bei Weiz. 

Z. B. Ges. 63. Bd. 18 



274 



Heinrich Sabransky. 



Homalotliecmm serlceum (L.) B. E. An Steinen und Bäumen, so 
z. B. bei Riegersburg, Hartberg*. 

CamptotJiecium liitescens (Huds.) B, E. An Mauern, Felsen und 
trockenen Plätzen verbreitet. 

Camptotliecmm nitens (Schreb.) Schimp. Auf Sumpfwiesen des 
ganzen Gebietes gemein. 

Brachytliecium salehrosum (Hoffm.) B. E. In Wäldern, an Baum- 
wurzeln usw. verbreitet. 

Bracliijthecmm vehitimim (L.) B. E. Wie vorige Art im ganzen Ge- 
biete verbreitet. 

ßrachytliecium rutabuhm (L.) B. E. Wie vorige Arten überall verbreitet. 
Braclnjtheciiim popideiim (Hedw.) B. E. Auf Walderde bei Söcliau, 

im Kohlgraben, nicht selten. 
Eurhynchium strigostim (Hoffm.) B. E. In Wäldern bei Söchau, 

Maierhöfen usw. nicht selten. 
Eurhjnchüwi striatum (Schreb.) B. E. In allen Wäldern des Gebietes 

höchst gemein und Massenvegetation bildend, stets reichlich 

fruchtend. 

EiirliyncMum praelongum (L.) B. E. Auf Erde in Wäldern, Gras- 
plätzen sehr gemein. 
Eiirltynchlum ahhreviatum Schimp. Auf Erde in Wäldern bei Söchau 

(nächst dem Seesteg) und Mayerhofen. 
]{l(ync1mte(jiella tenella (Dicks.) Limpr. An den Basaltvvänden des 

Itiegersburger Burgkogels. 
Jlhynchostegium depressiim (Bruch.) B. E. Bei Ricgersburg (Breidler). 
JlJn/)irhosfcgimn murale (Hedw.) B. E. Auf Gneisfelsen bei Hart- 

l)crg (meist als var. jy^/arY'a Schimj).). Auf Kalk in der Wciz- 

khiiiini überall häufig. 
JUiynchofilrgium ronferlnm (Dicks.) B. E. Auf BasalttufT an (h^- 

Westseite des SchloDberges von lliegersburg (Breidler). 
Ji'hynchostnginm roinmilfolium (Scop.) B. E. Auf Basalttufll' der 

1 1 iegersburg ( Breidler). 
Ilhyurluj^frgiuni rusclformr (SVch) \\. ]]. In l)(^rgbriinnc.lii und (Quellen 

des (Jebietes nicht selten. 
Plag'iolhrrunn (Icnticiilalnm (L.) B. E. In Wäldern ;iiif Knie ode 

Baninstrllnken verbreitet. Die var. ^nhldrlwii Lindl), bei Wei 

und ilarlber^^ flireidlerj. 



Beiträge zur Flora der Oststeiermark. 



275 



Plagiothecium Boeseanum (Hampe) B. E. Auf Erde in Wäldern im 
ganzen Gebiete verbreitet. 

Plagiothecium siiccideufum (Wils.) Lindb. Auf Gneisboden bei St. Jo- 
bann bei Herberstein (Breidler). 

Plagiothecium silesiacum (P. B.) B. E. Auf Baumstämmen und auf 
Walderde im Gebiete verbreitet. 

Amhhj Steg tum seitens (L.) B. E. Auf Baumstämmen. Holzwerk etc. 
im ganzen Gebiete häufig. 

Amhlystegium JuratsJcanum Schimp. An den Ufern des Briihlbaches 
bei Hartberg. 

Amhlystegium ri]}arium (L.) B. E. An feuchten Orten, an Bächen, 

Baumwurzeln verbreitet. 
Cratonenron filiciuum (L.) Sull. An quelligen Orten auf Wiesen bei 

Maierhöfen, Übersbach etc. 
Cratonenron commutatnm (L.) Sull. Auf Kalkuuterlagen bei Welz, 

Passeil, Teichalpe. 
Cratonenron falcatnm (Brid.) Loeske. Auf Kalksinter im Weizbach- 

tale, auf der Teichalpe. 
Campiflium chrysophijUnm. (Brid.) Bryhn. Auf Waldboden im Weiz- 

bachtale bei Weiz. 
Campylinm stellatum (Schreb.) Bryhn. An sumpfigen, quelligen 

Waldorten verbreitet bei Söchau, Maierhöfen etc. 
Stereodon cupressiforme (L.) Brid. Auf Baumstämmen, Dächern, 

auf Waldboden des ganzen Gebietes sehr gemein. Auch die 

var. elatnm B. E., filiforme Brid., ericetorum B. E., depressnm 

Roth hie und da verbreitet. 
Stereodon arcnatns (L.) Ldbg. In Gebirgswäldern zerstreut. 
Ctenidium mollnscnm (Hedw.) Mitt. Auf Kalkfelsen in der Weizer 

Umgebung, Massenvegetatiou bildend. 
Acrocladinm cuspidatum (L.) Lindb. Auf Sumpfwiesen, in Gräben 

des ganzen Gebietes. 
Hypnnm pnrnm L. Auf trockenem Waldboden sehr verbreitet im 

ganzen Gebiete. 
Hypnnm Schreheri Willd. Wie vorige Art. 

Pdiytidinm rngosnm (L.) Kindb. Auf Mauerwerk, an Straßenbrücken, 
an trockenen Orten zwischen Söchau und Übersbach selten. 



276 



Heinrich Sabransky. 



Hylocomium splendens (Hedw.) B. E. An trockenen Waldorten des 

ganzen Gebietes sehr verbreitet. 
Hylocomium squarrosiim (L.) B. E. Wie vorige Art. 
Hylocomium triquetrum (L.) B. E. Wie vorige vier Arten. 

C. Pteridoph} ta. 

Ophioglossum vulgatum L. Auf grasigen Waldblößen bei Ebersdorf. 

Asplenium germanicum Weis {= Ä. septentrionale X tricliomanes) . 
Auf Gneisfelsen am Ringberge bei Hartberg und hinter Dem- 
meldorf am Wechsel. 

Asplenium viride Huds. var. incisum Bernoulli (= incisocrenahim 
Milde).* Weizbachtal und Weizklamm bei Weiz, auf Kalk- 
felsen. 

Äthyrium filix femina Roth, subvar. pseudodilatatum Christ, Farne 
der Schweiz, p. 109. In schattigem Mischwalde in den Kögel- 
bergen bei Rittschein nächst Söchau. 

Dryopteris Ihelypteris (L.) A. Gray. Diesen in Steiermark verhältnis- 
mäßig seltenen Farn entdeckte ich 1907 in ziemlicher Anzahl 
am Rande einer Moorwiese und eines Erlengehölzes zwischen 
Tautendorf und Ruppersdorf nächst S(*)chau. 

Polystichum lohatum (Huds.) Presl. In der Weizklamm häufig, meist 
als var. microlohiwi Milde. 

Cyslopieris fragilis Beruh, var. angustata Koch. Auf Kalkfelsen im 
Weizbachtale bei Weiz. 

Eqiüsctum limomtm L. In sumi)figen Tümpeln in Stadtberg bei 
Fiirstenfeld. 

I). Anthopliyta. 

Alnus piihcsccns Tausch (= A. glutinosa X incana). Mehrere Bäume 
am Rittscbcinbachc zwischen Söchau und Ruppersdorf, unter 
den Ehern. 

(Jnrrcu!^ llointr E. var. malacophylla (Schur) als Art.* In Wäldern 
zwischen Söchau und Maierhöfen, vereinzeH, auf den Kr)gel- 
berf^on gegen Loij)erH(l()rf; var. hrcvipcs Heulf. in höheren 
GebirgHwäldern des Gebietes nicht selten, so bei S|)itzhart 
näcIiHt Aschbach, auf den Kögeln bei Rittschein etc.; vnr. 
tuarrohnlmios fJlIrclu;* in Bergwähiern bei Söchau keineswegs 
Helten. 



Beiträge zur Flora der Oststeiemiark. 



277 



Cerastium silvaticum W. K. In Menge in feuchten, schattigen 

Wäldern hinter Tautendorf nächst Söchau; auch in Wäldern 

bei Ebersdorf nicht selten. 
Biantlms cartlmsianorum L. var. ])ratensis Neilr. Häufig auf Basalt 

in Stadtberg bei Söchau. 
Silene nutans L. var. riibens (Vest, Flora, 1821, p. 150, als Art;* 

siehe auch Rohrbach, Monogr. der Gattung Silene, p. 217). 

An den Böschungeu der Fehringer Straße zwischen Rittschein 

und Hatzendorf nächst Söchau, in Gesellschaft von PotentiUa 

rupestris. 

Asarum europaeum L. Auch in Wäldern bei Bierbaum nächst 
Fürstenfeld und in der Weizklamm. 

Anemone Hepaüca L. Auf Kalk im Weizbachtale und in der Weiz- 
klamm bei Welz. 

Banunculus Lingua L. In Materialgräben an der Eisenbahn bei der 
Station Bierbaum nächst Fürstenfeld. 

Isopyrum ihalictroides L. Im Weizbachtale bei Weiz auf Kalk. 

Aconitum Lycoctonum L. var. penninum, S6r. {Beckianum Gäyer). 
Auf Kalk in der Weizklamm bei Weiz. 

Erysimum clieirantlwides L. In Äckern bei Söchau, Tautendorf, 
Ebersdorf, Fürstenfeld. 

Erysimum silvestre (Cr.) A. Kern. Auf den Kalkwänden der Weiz- 
klamm bei Weiz. 

Cardamine crassifolia Pourr. Auf der Teichalpe am Abstiege gegen 
Passeil. 

Boripa austriaca (Jacq.) Bess. Fürstenfeld, von Herrn Dr. Heinrich 
entdeckt. 

Boripa palustris (L.) Bess. In Hayek, Flora von Steiermark, aus 
der Oststeiermark nicht erwähnt, ist jedoch im ganzen Ge- 
biete sehr verbreitet und gemein. 

Alyssum alyssoides L. Auf Gneisfelsen am Kalvarienberge bei Hart- 
berg. 

Kernera saxatilis (L.) Rchb. Häufig« auf Kalkfelsen im Weizbach- 
tale sowie in der Weizklamm bei Weiz. 

Hypericum Desetangsii Lam. = quadrangulum [maculatum] X 
perforatum. In Waldrodungen im Seegraben bei Söchau; in 
der „Schlapfen" bei Ebersdorf, unter den Eltern. 



278 



Heinrich Sabransky. 



Pohjgala amara L. subsp. hrachyptera (Chod.) Hay. var. rosea m* 
Blumeiikronen hell rosa. So in den Kalkwänden der Weiz- 
klamm bei AVeiz. 

Acer campestre L. var. JBedöi (Borb. in Term6szetrajzi ftizetek, XIV. 
[1891], p. 79, Taf. IV, Fig. 3 als Art) m. Auf der Höhe der 
Kögelberge bei Rittschein nächst Fürstenfeld, am Rande des 
Hochwaldes mehrere Bäume. 

Saxifraga adscendens L. Im Kalkgerölle der Weizklamm bei Weiz. 

liiibiis idaeoides Ruthe = B. caesius X idaeiis. Auch in der unteren 
Brühl bei Hartberg. 

Eilbus lepidus Ph. J, Müll.* {\Sb9 = B. amiantinus Focke 1877). 
In Hecken am Ringberge bei Hartberg, unter zahlreichem 
B. hifrons und B. macrostemon. 

Buhns tomentosus Borkh. In Hecken am Kalvarienberge bei Hart- 
berg. 

Buhns anomcdus Ph. J. Müll.* = B. Badida X tomentosus. In Hecken 
am Kalvarienberge bei Hartberg. 

Buhns macrophyllus W. N. subsp. lasiaxon (Borb. et Waisb.) Sabr. 
Syn. B. apum Fritsch. Im Weizbachtale bei Weiz, unweit vom 
sogenannten Felsenkeller. 

Buhns pyramidalis Kaltb.* Diese von mir 1908 entdeckte, für die 
Landesflora neue Pflanze stellte ich zu der etwas drüsen- 
reicheren Varietät ohesus N. Boul. und legte sie Herrn Prof. 
Sudre vor, der sie einiger Differenzen wegen in Bull. Soc. 
bot. France, 1911, p. 33, als var. ohesiformis Sudre beschlieh. 
Zahlreiche Sträucher auf der sogenannten Wasserscheide bei 
Tauteudorf nächst Söchau. 

/,'i(hns poliophyllus m. nov. spec. — Frutcx mediocris. Turione^ 
scandcntes sal rohusli, ohtusancjidi cpruinosi densc pilosl (ßau- 
duLlsquc hrcvlhiis non densc ohsili acideis(pie major Ihus sub- 
aequalihus reclis graciUhus reclinatis turionis diametrum 
firf/uanidfus snperantisve et minorihus paucis snbpapidiformibus 
armati. Folia 5 nalo-digifala foliotis supra sparsc jnlosi^ 
subfHS mollUcr piloso-tomentosidis snbineancscentthnsquc mcn 
gnif (tfffUftlllr.r serrato-denlalis dcnlibus mcdiocribus mucro 
nnldt'is, omuibns pellolnlafis angnsie ellipticis medio proprw 
pciiolulo circilcs duplo longiore hast vix cmarginato. IUidu 



Beiträge zur Flora der Oststeiermark. 



279 



florentes elongati cum rhachide panicidae patenter viUoso-hirti 
aculeis elongatis gracilihus rectis armati gJaudidisque crchris 
2)aU(dis vdh.on rix superantihus onustt. Inflorescentia ehngata 
efoUosa midtiflora aplce ddatata e ramidis patentiljus liirsutis 
parce acideoJatis 3—4 floris composita. FJores petalis oh- 
ovatis alhis (rar ins pallide roseis), staminihus stylis viren- 
tihus aequihugis, sepalis canoviridihus inermibus, postflorendum 
patentihus, demum reflexis. Germina glahra. 

Habituell dem i?. Jluelleri Lef. Pollichia, 1S59, p. 180, 
Sudre, Eubi Europae^ p. 140, t. CXIII, ähnlich, doch durch 
das Vorhandensein kleiner Stachelchen und die reichlichere 
Bedrilsung der Schößlinge sowie den streng elliptischen, oft 
schmal elliptischen Zuschnitt der unterseits fast graulich be- 
haarten Blätter und die meist reinweißen Blüten verschieden. 

Da Übergänge zwischen den Stacheln nicht bestehen, 
ist diese Brombeere zu den Adenophoris im Sinne Fockes 
oder zu den Vestitis im Sinne Sudres (= Vestiti Focke + 
Adenophori Focke) zu stellen. 
llidjus hregutiensis A. Kern. In AVäldern bei Rittscbein nächst 
Söchau. 

Bidjus Fritschii Sabr. Diese Form wird von Sudre. Rubi Euro- 
pae, p. 194, für i?. tereticaulis X duronontanus gehalten. Davon 
kann keine Rede sein, da der Standort meines R. durimon- 
tanus etwa 35 km entfernt hegt und die Brombeere voll- 
kommen fruchtbar ist. 

Ilnhus Krasanii Sabr. in Hayek, Flora von Steiermark, L p. 771, 
wird von Sudre in Rubi Europae, p. 140 als var. ß. Krasanii 
zu R. misniensis Hofm. (Subspecies des R. granidatus M. et L.) 
gestellt, kaum mit Recht. Für mich ist diese Art nach wie 
vor eine Mittelform zwischen R. sfijriacus und R. sidcatus, 
die mit dem sächsischen Ridjus von Hof mann kaum etwas 
gemeinsam haben dürfte. 

Ruhus macrosiacliijs Müll. Meine von Focke so bezeichneten Pllanzeu 
gehören nach Sudre nicht zur Müllerschen Art^ sondern 
zu it. micans Godr. spec. coli., und zwar zur Unterart R. 
pauciglandidosus Sudre als var. 6. SabransJcyi Sudre in Rubi 
Europae, p. 136, während er p. 127 genau dieselbe Pflanze 



280 



Heinrich Sabransky. 



vom selben Standorte als var. indusiatiformis Sudre zu B. 
Badida Vi'he. steWt. Ich gebe gerne zu, daf] Sudre, der das 
Herbar von Ch. J. Müller benützt, den okzidentalen Typus 
der B. macrostacJiys genauer kennt als Focke, dessen B. macro- 
staclnjs in Ascherson-Graebners Synopsis, Bd. VI, kaum 
mit dem Müll er sehen Typus identisch sein dürfte. Immerhin 
ist die steirische Brombeere nur eine kräftigere Ausgabe des 
bayrischen B. indusiatus Focke, von dem ich Progelsche 
Originalexemplare besitze. Ich stehe daher nicht an, ihr 
diesen Namen zu belassen und die beiden Sudreschen Be- 
zeichnungen als Synonyme dazuzustellen. 

Buhns scaher Whe. ß. porpliyrogynns Sabr. in Hayek, Flora von 
Steiermark, I, 775 (1909). Dazu ist synonym B. tereficaulis 
L. ruhristyliformis Sudre, Rubi Europae, p. 194 (1912). 

Buhns mucronipetalus Ph. J. Müll.* in Bonplandia, 1861, p. 289, 
Sudre, Rubi Europae, p. 200. Sudre betrachtet a. a. 0. 
diesen Typ als Unterart seiner Sammelspezies B. Schleichen, 
während Focke in Ascherson-Graebners Synopsis, Bd. VI, 
den Namen unter den Synonymen der B. scaher Whe. führt. 
Nach meiner Ansicht gehört die Pflanze entschieden zu lt. 
scaher Whe., dem sie durch die hackige Bestachlung, die kurzen 
Drüsen nahekommt. Die steirische Form, Avclche durch sehr 
kurze Staubgefäße vom Müllerschcn Typ abweicht, wurde 
von Sudre, 1. c. als var. mucronipetaloides beschrieben und 
wächst in Waldgebüschen hinter Rittschein nächst Söchau. 

Buhns terelicaulis Ph. J. Müll. y. pcrski/lorus m.* Foliola termlnalia 
late ovalia hasi emarginata, ])etala rosca, stamina stylis midto 
hreviora. An Waldwegen hinter Rittschein nächst Söchau. — 
Herr Prof. Sudre bestimmte diese Pflanze als B. fragarll- 
florns Ph. .1. Müll. e. eniarginatus Sudre, Rubi Europae, p. 190, 
doch stirinnt die Diagnose der B. fragariiflorus keineswegs 
auf iiicinc! Pflanze. 

Rubus grisellus ni. nov. spec. hybr. - //. ])dli/olius X terelicaulis^' 
Unter (1(11 lOltcrn an der Waldstraile Flirstcnfcld— Fchring 
oberhalb l^bcrsdorf nächst Söehau. — Im llabilus etwa einer 
aprik('n Form des //. humifusns ähnlich. Von //. terelicaulis 
durch die Staubgefäße, die die Länge der Grilfel nicht er- 



Beiträge zur Flora der Oststeiermark. 



281 



reichen, die pubeszente grauliche Unterseite der ziemlich 
gleichmäßig marginierten Blätter, den herzförmigen Grund 
des Mittelblättchens verschieden, während die Pflanze von 
Buhns peltifolius Prog. wieder durch die größeren Pvispen 
und das kürzere Drüsenkleid der Blütenachsen abweicht. 

Kubus pallidus AY. subsp. cfenodon (Sabr.\ Hay., 1. c. 777, figuriert 
in den Rubi Europae, p. 153, als R. pallidus AVhe. d. atenodon 
(wohl ein lapsus calami) und p. 196 als i?. fragariiflorus Ph. 
J. Müll. var. 7-. cienodon Sudre, wobei zu bemerken ist. daß 
Sudre nur Pflanzen von einem Stocke vorgelegen sind. 

Bulus alhicoynus Gremli var. caudatisepalus Sudre et Sabr.* Glandu- 
lis inflorescentiae magis dispersis sepalisque 'candafis. In Wald- 
gebüschen im Kohlgraben bei Söchau. Die var. rumorum 
Sabr. dieser Art, welche Hayek, 1. c, p. 820 zu B. Bayer i 
Pocke stellt, ist nach Sudre B. albicomus ß. cJdoropsis Sudre, 
Rubi tarnens. 36 (1909). Diese beiden Bezeichnungen stammen 
aus demselben Jahre. 

Buhus flexuosus Lef. et M.* In der var. hrachyadenopliorus Sudre, 
Bull. Soc. bot. France, 1911, p. 66, an Waldrändern hinter Ritt- 
schein nächst Söchau von mir 1911 aufgefunden. — Auf- 
fällige Pflanze. Stacheln auffallend klein und kurz. B. 5 zählig 
mit eiförmigen Zentralblättchen, alle scharf und ungleich ge- 
sägt, mit gerundetem Grunde, Rispenspindel sehr locker be- 
haart, mit zerstreuten, äußerst kurzen Drüsen besetzt und 
auffallend kurzen, meist nur 2 mm langen Stachelchen bewehrt. 
Rispen verlängert, durchblättert. Staubgefäße so hoch als die 
grünen Griffel. Petalen schön rosenrot. Fruchtknoten spär- 
lich behaart. 

Buhns BecJiii Hai. var. lucifugus"^ m. A iypo differt turionibus 
setulis glanduliferis acideolisque minoribus copiosis obsitis et 
foliolis mediis non ellipticis sed ovatis auf rotundo-ovatis. In 
Wäldern hinter Tautendorf mehrere große Sträucher. — Steht 
in der Tracht etwa zwischen Bubus thyrsiflorus und B. p'üo- 
carpus Grerali und gleicht durchaus den Originalien Haläcsys 
aus Niederösterreich, von denen er nur durch die mehr radu- 
loide Bewehrung der Schößlinge abweicht. 



282 



Heinrich Sabransky. 



Buhtis hroxhjstemon Heimerl. In großer Menge bei Bruck an der 
Lafnitz an der Stelle, wo die Straße nach Demmeldorf ab- 
zweigt. 

Buh US persetosus Sabr. bei Hayek, Flora von Steiermark, Bd. I, 
p. 791. Diese Form zeichnet sich durch sehr unvollkommenen 
Fruchtansatz aus und dürfte nach Prof. Sudres und meiner 
Ansicht die Bastardbildung B. hifrons X rlvularis darstellen. 

Biihtis corymhosus Hayek, Flora von Steiermark, I, p. 793, ist nicht 
mit Ph. J. Müllers Pflanze identisch, obwohl die Bestimmung 
der steirischen Pflanze von Focke herrührt. Während der 
echte B. corymhosus Ph. J. M. als Unterart in den Formenkreis 
der B. foliosus W. N. zu stellen ist, gehört die steirische Brom- 
beere in den Formenkreis des B. insericaius Ph. J. Müll, und 
ist nach Prof. Sudre identisch mit B. adornatiformis Sudre 
in Ruh. herb. Bor., p. G5, Rubi Europae, p. 150. Ein neuer 
Standort für diese interessante Form ist: Söchau, Waldlichtung 
unterhalb der Felberschen Besitzung. 

Rubus pastoralis m. nov. spec. hybr. = B. odornatiformis X hifrons* 
Söchau, im Pfarrwalde, unweit von den Eltern. — Erscheint 
samt der Beschreibung in der nächsten Lieferung von Sudres 
Batotheca europaea. — 

Buhns rosaceus Hayek, Flora von Steiermark, p. 794. Die hielier- 
gehörigen Pflanzen stellt Sudre in den Rubi Europae keines- 
wegs zu B. rosaceus W. N., sondern zu der von ihm auf- 
gestellten rotblühenden Glandulose Buhus hrumalis Sudro. 
Exc. batogr. Pyr6n., p. 13. Mir geht es wie Herrn W. 0. 
Focke, der mir über diese Art schrieb: „Kann ich von 
B. rosaceus W. N. nicht unterscheiden." 

liuhus scrujmis^ Progr. FI. Amtsbcz. Waldmünchen, }). 7 (l<S8i)).'*- 
//. havaricus ö. scrupcns Sudre, Rul)i JMiropae, p. 182! In 
Menge auf der sogenannten Wasserscheide oberhalb Tauten 
dorf nächst S()chau, in Gesellschaft von B. pyramidalis, Jl 
frrrlicauUs und II. pilocarpus. Eine manifeste Miltelforni von 
Ii. jnlocarjms und //. havaricus V(){']u\ 

Huhns humifusus W. N. Neue Standorte: iin Forstwaldc b(;i Six-lun 
und in den Ebcrsdorfcr Wäldern ; var. irrufaius IMi. J. Mllll. 
in Wäldern hinter llittsehcin niu^hst Söchau; letztere Forn 



Beiträge zur Flora der Oststeiermark. 



283 



unterscheidet sich insbesonders durch die sehr feine und ober- 
flächliche Dentikulation der Blätter. 

Buhns moravicus ß. rlwdopsis Sabr. in Hayek, Flora von Steier- 
mark, I, p. 802, ist nach Sudre, Rubi Europae, p. 165 und 
Tab. CLIX eine selbständige zur Gruppe des IL melanoxylon 
M. et Wtg*. gehörige Art. 

Buhns latifrons Hayek, Flora von Steiermark, 1, p. 812. Wegen des 
älteren Homonyms von Bouvet und Tuezkiewicz (^1875) 
ist diese Bezeichnung zu ändern I Die bei dieser Art be- 
schriebene var. d. latissimus Sabr. hat Sudre in Rubi Euro- 
pae, p. 190, als Unterart seiner Gruppe B. furvus unter dem 
neuen Namen B. am])lifrons beschrieben, von welcher Art je- 
doch die bei Hayek aufgezählten Varietäten ß. snhcalvescens 
und y. aciculatus als weißblilbende Formen auszuschließen sein 
dürften. Obwohl zwei Jahre später aufgestellt, hat Sudres 
Bezeichnung nach den geltenden Nomenklaturbestimmungen 
unbestritten das Vorrecht. — Eine neue Varietät dieses B. 
amplifrons ist var. eumorphus m.* Turione dense piloso, fo- 
liolis siihtus pilis micantihus molUfer pubescentihns, margine 
argutissiine duplicato-serraüs dentihus mucromdatis , medüs 
ovaiis (nec orhicidatis) . So an Waldrändern hinter Rittschein 
nächst Söchau. Zur selben Gruppe des B. furvus Sudre 
gehört 

Buhns rosellns Sudre, Rub. Cyren., p. 151*, Rubi Europae, p. 191 
= B. aperorum Sabr. in sched., B. Guentlieri florihus roseis 
Hayek in Fl. exc. stir. Nr. 1117. In Waldlichtungen bei Ebers- 
dorf nächst Söchau. 

Buhns suhcaucasicus Sabr. in Hayek, Flora von Steiermark, I, 
p. 823. Dieser filzblättrige Glandulosus aus der Gruppe des 
B. rivtdaris M. et AVirtg., der sowohl bezüglich der stern filzigen 
Unterseiten als auch der feinen und seichten Margination mit 
fast photographischer Treue das Laub des B. caucasicus Focke 
{B. glandnlosus y. ccuiescens Boiss., Fl. Or., H, p. 693) wieder- 
gibt, ist Herrn Dr. W. 0. Focke vorgelegen, der die Güte 
hatte, mir folgendes über ihn mitzuteilen: „In der Gestalt und 
dem dünnen Sternfilz der Unterflächen gleichen die Blättchen 
ganz denen meines B. caucasicus, unterscheiden sich jedoch 



284 



Heinrich Sabransky. 



durch die Behaarung der Blattoberflächen. Der Blütenstand 
ist bei meinen wildg-ewachsenen, im Kaukasus gesammelten, 
wie bei meinen kultivierten Exemplaren so gut wie wehrlos, 
aber sehr dicht mit Drnsenborsten von mehr als 5 cm Länge 
besetzt; die Fruchtkelche sind ziemlich vollständig zurück- 
geschlagen, so daß Ihre Pflanze mit dicht nadelstache- 
ligem Blütenstande und aufgerichteten Fruchtkelchen we- 
sentlich abweichend erscheint." Außerdem unterscheidet 
sich der echte B. caucasicus, wie aus dessen Diagnose (Abb. 
Ver. Bremen, IV. Bd., 1875, p. 183) hervorgeht, auch durch 
fllzige Fruchtknoten und borstenlose Kelchblätter. Buhns 
echinaceus A. Kern, hat reich entwickelte Rispen mit gehäuften, 
langen, zb sichelig gebogenen Stacheln und viel kleinere Blatt- 
spreiten. B. lampropliyllns Gremli unterscheidet sich durch 
die dichte schimmernde Behaarung der Blattunterseiten. 

Buhns plusiacanthiis Borb. Neuer Standort: Söchau, schattige Wälder 
unterhalb der Felberschen Besitzung, häufig. 

Buhus GuentJieri W. N. var. pseudo-Guentheri Boul. et Pierr.* In 
Menge an AVald rändern im Kohlgraben bei Söchau. Von 
Herrn Prof. Sudre zu B. crassiis Hai. gestellt, welcher An- 
schauung ich mich nicht anzuschließen vermag. 

Buhus serpens Whe. subsp. flaccldifolms Ph. J. Müll.'^= Eine sehr 
charakteristische Form, die ich an mehreren Orten aulTand, 
so im Forstwalde bei Söchau, in Waldrodungen bei Ebers- 
dorf, an der Straße im Hartwalde vor St. Kind nächst Breiten- 
feld; die zu dieser Unterart geh(»rige var. dlnohotrys (N. Boul.) 
Sudre* auf Rodungen zwischen Spitzhart und Radersdorf 
nächst Söchau. 

Buhus Orrades Müll, et Wirtg.* Häufig in Wäldern zwischen Sacher- 
berg und Groß-Wilfersdorf nächst Söchau. 

Buhus chlorostachys Ph. J. Müll. 'J'ypisch auf der Spitze des großen 
Kr)gclberges bei liittschein nächst Söchau. 

Jiosa ffiriina L. var. scmihiserrala Borb. An Wogen zwischen llart- 
berg und l'idlau; var. ohlonga D6s. et Rip.* an Hecken hinter 
Tautendorf Ixti Sin-hau; var. silvularum I\ip.* an trockenen 
Anlii'dien bei Flxtrsdorf nächst S()chau; var. sf/uarrosd R*au, an 
grasigen Abhängen in Söchauberg. 



Beiträge zur Flora der Oststeiermark. 



285 



Eosa glauca Vill. var. faJcata Puget. Gemein in der Umgebung 
von Hartberg, so besonders am Kalvarieuberg daselbst, auch 
au der Keiebsstraße bei Mönichkircben; var. venosa Ser.* in 
mehreren Sträuchern am Wechselaufstieg oberhalb der Festeu- 
burg. 

Bosa andegavensis Bast. Am Kalvarienberg bei Hartberg mehrere 
große Sträucher: var. suhsystylis Borb., Prim. monogr. Ros., 
p. 401*, an grasigen Abhängen in Söchauberg nächst Söchau. 

Bosa diimetonon Thuill. var. suhniitis Gren.* In Weingartenhecken 
bei Aschbach nächst Söchau. 

Bosa Beseglisei Bor. var. macrophylla Simon* an der Fehringer 
ßezirksstraße ober Kittschein nächst Söchau, mit Exemplaren 
von Aveyron ^^Gall. ceutr.), leg. Simon, identisch. Blättchen 
0-5— 4 cm lang und 3 cm breit; var. sannatica H. Br. Neuer 
Standort: an Waldstraßenrändern hinter Eittschein nächst 
Söchau. 

Rosa Hayekiana n. sp.* Fndex medlus ram'is florerdihus elon- 
gaüs, sparse acitleatis, acideis e dilatata hasi arcu(dis sat 
hrevihus, sefis et glandidis setiformihus hinc inde parce im- 
niLcfis. Folia app>roximata., 7-nata, rare 6-nata, med'wcrla 
(2d — 30 mm longa, 20—26 mm lata) sidjcoriacea, supra glahra, 
subtiis palidiora et in tota pagina sat dense hreviter p 'dosa, 
ad costam insuper glandidis paucis ohsciiris onusta, hiserrata, 
dentihus scpiarrosis denticidis 2 — 3 glandulosis, omnia late 
ovata aid (lateralia) fere orhicidaria, acuta, terminale nusqiiam 
in petiohdum attenuatiim sed Jäte truncatum emarginatum vel 
subcordatidum. Petioli dense tomentoso-pnhescentes glandidiferi 
parce aculeolati stip)idis ddatatis, 20 — 30 mm longis, dorso 
glalris, margine glandulosis auriculis elongatis ovato-triangu- 
larihus, hracteae lanceolatae, glahrae receptaculis fructiferis 
suhglohosis aut suh disco in columnam contractis hasi glandu- 
losis aequilongae aut ea superantes. Pedunculi hreves (1 — 3) 
glandulis stipitatis dense ohsiti. Corolla intense rosea, sepalis 
pinnatifidis dorso et margine glandulis onustis j^ost florendum 
reflexis, deciduis. Styli pilosi in capitulum hrevem coaliti. 
Fructus numerosi hene evoluti. 
In Hecken bei Söchau. 



286 



Heinrich Sabransky. 



Diese Rose, eine biserrate Colline, fällt zweifellos mit 
R. gallica X diimetorum B. I. Friedlaenderiana E. Keller in 
Ascherson et Graebner, Synopsis, VI, p. 286, zusammen, 
die zum Teile mit JRosa Friedlaenderiana Be^s., Enum. Podol. 
et Volhyn., p. 63, identisch sein soll. Nur zum Teile, da nach 
Keller dieser Name zum anderen Teile auch einer Rose aus 
der Gruppe der R. tomentella Lem. gebührt, welche dieser 
Autor a. a. 0., p. 144, tatsächlich als R. tomentella A. II. a. 2. 
Friedlaenderiana R. Keller anführt. Keller selbst bemerkt 
zu diesem ungewöhnlichen Vorgehen, durch welchen zwei 
total verschiedene Arten mit einem und demselben Namen 
bezeichnet werden sollen, a. a. 0. folgendes: „Es mag auf- 
fallen, daß ich Rosa Friedlaenderiana zweimal aufführe. 
Authentische Exemplare sah ich nicht. Ich halte mich an 
die Beschreibungen, aus denen sich mir ergibt, daß Ressers 
Rosa Friedlaenderiana zwei Formen umfassen dürfte, eine 
mit nadeiförmigen Stacheln, die andere ohne solche. Erstere 
halte ich für hybrid, letztere habe ich p. 144 unter R, tomen- 
tella angeführt." Unserer Ansicht nach kann jedoch der Name 
der R. Friedlaenderiana Bess. doch nur einer der sehr dif- 
ferenten Formen zugeeignet werden! Da er auch nach Cr(^- 
pin der Tomentelle gebüiirt, war für die heterakanthe Col- 
line eine neue Bezeichnung zu schafl^n. 

AN'as das Verhältnis der R. Hayehiana zu ähnlichen 
Formen betrifft, so unterscheidet sich diese Art von der im 
Gebiete wachsenden R. Di'snßisei durch die zusammen 
gesetzte Serratur, die oberseits kahlen Blättchen, durch 
vereinzelte J^orsten an den Zweigen, das am Grunde ausge- 
randctc EiHlblilttchcn; von 7i*. superha Kern, et J. B. Kell, 
(lurcl) die dichte Beliaarung der Blattstiele, die unterscits auch 
zur Kruclitzcit nicht verkahlcnden Blättchen; von R. caesh 
Sni. durch breit eiförmige, fast rundliche (nicht clliptisch- 
eiO)niiii,^r'j liliiltclieii, gestutztem (nicht zur Basis verschmälertem) 
Kiidbliittclieu, an (l(;r gaii/(;ii llnlers(!ite (nicht bloß am Mculian- 
nerven) l)ehaart(;n I)lätl(li('n, dcjutlicher l)opj)elserratur eto. 
Jlosn JundfiUlii Bchh. var. fi/pica R. Kell.* An Waldrändern im 
Kohlgr;il>' ii he] SiW-liini. 



4 



Beiträge zur Flora der Oststeiermark. 



287 



Bosa tomentosa Sm. var, suhglohosa Sm. An der Mtihlstraße Söchau — 
Maierbofen, im Mühlgraben bei Aschbacb. 

Bosa micrantha Sm. var. nemorosa Lib. An Waldrändern am Ring- 
berge bei Hartberg. 

Bosa Polliniana Lpr. (B. arvensis X gallica) f. niimmulifolia (Vuk.) 
R.Keller, I.e., p.367, in Holzungen in Stadtbergen bei Fürsten- 
feld; f. affahilis (Vuk.) von voriger Form durch die größeren 
(4—5 cm langen, 3 cm breiten), länglich-eiförmigen oder ellip- 
tischen Blättchen, die fast wehrlosen Zweige, die fiederspal- 
ligen Kelchblätter verschieden. Bezahnung einfach, doch hat 
jeder Zahn 3—4 Sitzdrüsen. Blüten groß, wie bei B. gallica, 
schneeweiß. Mit voriger in Rodungen bei Stadtberg nächst 
Fürstenfeld. 

Vicia pannonica Jacq. Im Sommer 1912 massenhaft auf Äckern 
bei Ruppersdorf nächst Söchau; var. purpurascens DC* Eben- 
daselbst, noch häufiger als die gelbblühende Stammform. 

Vicia dumetornm L. An Waldrändern bei Rittschein nächst Söchau, 
auch im Kohlgraben daselbst. 

Cicuta virosa L. Häufig in den Wassergräben längs der Eisenbahn 
zwischen Fürstenfeld und Bierbaum. 

Seseli austriacum (Beck) Wohlf. In der Weizklamm bei Weiz. 

C]iima2)hila imibellata (L.) Nutt. In trockenen Wäldern bei Söchau, 
Stadtberg, sehr selten. Scheint ein im Aussterben begriffener 
Bestandteil der Flora. 

Primula dlgenea A. Kern. = P. elatior X vulgaris. Unter den Eltern 
im Weizbachtale bei Weiz, nicht selten. 

Pulmonaria Heinrichii m. nov. spec. hybr. =P. angtistifoliaXmol- 
lissima. 

Differt a P. angustifolia foliis adultis lanceolatis s. 
lanceolato-linearihus siipra etiam sparse glanduliferis subvis- 
cosidis et leviter incanescentihtis, foliis caidinis ohlongis (vix 
ohlongo-lanceolatis) , ramis inflorescentiae cum cahjcihus midto 
ditius glandulosis; a P. niollissima Kern, invicem discrepat 
foliis aestivalihiis lanceolatis multo parcius glanduloso-viscosis 
et ideo colore viridiorihns, caule striciius setoso calycisque lad- 
niis suhulatis (nec triangulari-acutis) et corollls pulchre asureis. 



28^ 



Heinrich Sabransky. 



An grasigen Anhöhen bei Eltendorf (Körtv61yes) im 
benachbarten Eisenburger Komitate, wo der Bastard im Früh- 
jahr 1912 von Herrn Primarius Dr. A. Heinrich, dem verdienst- 
vollen Erforscher der Flora von Fürstenfeld, entdeckt wurde. 

Habituell in der Mitte zwischen den Stammarten stehend, 
unterscheidet sich dieser Bastard von P. angustifolia durch 
lanzettlich-lineare, auf der Blattoberseite durch schimmernde, 
drüsenführende, mehr grauliche Sommerblätter, breitere, läng- 
lich-lanzettliche Stengelblätter, kürzere und weniger steife 
Borstenhaare an den Ästen des Blütenstandes, reichlichere 
Bedrüsung der Blütenstiele und Kelche; von P.mollissima Kern, 
hinwiederum durch schmälere, lanzettliche oder lineallanzett- 
liche, mit steiflichen Börstchen reichlich besetzte Wurzel- 
blätter, die jedoch infolge spärlicher Bedrüsung der Blattflächen 
mehr grün erscheinen, deutlich pfriemliche (dreieckig spitze) 
Kelchzähne und azurblaue Blüten. 

Cerinthe minor L. Grasige Abhänge bei Passeil. Fehlt sonst im 
oststeirischen Lehmlande vollständig. 

Airopa Belladonna L. Auf Rodungen bei Ebersdorf, Tautendorf, 
Sacherberg nächst Söchau. 

Veronica acinifolia L. Gemein in Saatäckern um Söchau. 

Veronica polita Fr. var. Thellungiana Lehm. Um Söchau die ver- 
breitete Form, während var. Ludivigiana Lehm, bisher nur 
auf Bergäckern bei 'J'autendorf gefunden worden ist. 

Teuer tum Chamaedrys L. An der Bezirksstraße Kohrbach — Wald- 
bach, vor Bruck a. L. Auch hier nur spärlich, fehlt sonst in 
der ganzen Oststeiermark. 

Lamium hyhrldiwi Vi 11. Auf Äckern bei Kittschein nächst Söchau, 
Herbst li^Oü. 

Saiurela Aeinos (L.) Scheele. Auf Iieiben Kräuterhaldcn nur am 
Kalvarienbcrge bei Ilartberg. Fehlt sonst im oststeirischen 
llligelgebietc. 

Afr)dhfi 'j arvensis L. var. agrcstk (Loll) Sm. f. slyrtaca ^J'opitz.* 
In Balingräbcn und auf Ackern gegen Kuppersdorf; var. ar- 

') \hc liier ;iiij((;liilirl('ii M(;ii<li(;ii .siiid :niHriilirli('li hcli.'indclt in A. To- 
pitz, l;« itiii;,M' y,iir Kenntnis der McntlnaiHora von Miltolcnropa im Beiheft 
zun» Ji(jt. Zontralblatt, IIM.'J, 11/2, p. 184-2t0. 

i 



Beiträge zur Flora der Oststeiermark. 



289 



vensis s. str. f. adropliyllodes Topitz--- auf Äckern zwischen 
Tautendorf und Ruppersdorf; var. Hostii Bor."^- an Waldrändern 
im Kohlgraben bei Söchau in Menge; var. argntissima Borb.* 
Äcker bei Hartl; var. Falitsensis Topitz f. JDuroUeana Topitz 
Äcker in der Umgebung von Söchau; var. cyrtodonta Topitz* 
(= 31. diversifolia Sabr. exs. non Dum.). Folia mediocria, 
laetiviridia, elUptico-ovata, apice ohüisa, marginibus convexi- 
orihus, hasl hrevifer coarctata vel rotundata, hrevipetiolata, 
3' 5 — i cm long, et 2' 5 — 3'3 cm lat.; serratiirae dentes regidares, 
mimerosi, conferti, ohtusi, convexi, sinuhus rectangtdis 8—2'Dmm 
longi. Pedicelli imrpurei, gldbri, calices setosi de^itibtis atque 
sinuhus acidis. Gaulis ad 5 dm altns, plenmque simplex, 
paidum pubescens. Planta proterogyna. Auf Äckern in der 
Umgebung von Söchau; var. pegaea Topitz {M. midtiflora 
et pidcliella Aut.). Folia parva laeteviridia elongato-ovata, 
supra hirta breviter ]}etiolata serraturae dentibus vix 0'8 mm 
altis] pedicellis glahris, calicibus dense setosis, caiäe magis 
simplici vix pubescente. An Ruderalstellen bei Aschbach; 
var. Buftschmidii Topitz f. olyntJwdos Topitz*. Folia medio- 
cria late elliptica a media utrimque stdnto et aequabiliter an- 
gustata, acuta marginibus convexissimis, stibtus satis ad presse 
pilosa, 5 — 6 cm long., 3 — 4 cm lata, dentes grossi extus etiam 
imdidati, mucromdati, in medio 2 X 4 — 5 7nm diam. Verti- 
cillastri magni. Pedicelli glabri, purpurei, longi^ calyces cra- 
teriformi-campamdati (propter sterilitatum ovariorum) vel cam- 
panidati striati, villosi, dentibus acuminatis. Äcker und 
Ruderalplätze bei Aschbach; var. Duftschnidii Topitz f. macro- 
donia Sabr.* Folia marginibus convexissima, basi subito con- 
tractu, disperse pilosa (4 — 6y^2 — 3' 8 cm diam.); serraturae 
dentes grossi, ad 2' 5 mm alti, 5 — 6 mm distantes. Calyces 
campanulati dense villosi, dentibus acutis. So auch auf Gassen- 
schutt bei Aschbach nächst Söchau; var. gallica Topitz* auf 
Äckern in der Umgebung von Söchau, nicht selten; var. Sa- 
bransJcyi Topitz*. Gracilis. Gaulis ad 40 cm alt. Folia 
inferiora elliptico- vel oblong o-ov ata, a medio in petiolum atte- 
nuata 4 cm longa et 2 cm lata, acida utrinque pilosa serratura 
aquali dentibus numerosis approximatis rectiuscidis, 0'5—0'S 

Z. B. Ges. 63. Bd. 19 



290 



Heinrich Sabransky. 



X 2 — 3 mm metentibus, foliis superiorihus multo minoribus apicem 
versus hracteiformihus; verticillastri miiUi florihus mmerosis 
densis; pedunculi purpurei glahri, vel parce pilosi. Calyces 
campamdati, dense hirsuti suhincanescentes dentihus acutatis. 
Corollae pallide lilacinae. An Ruderalorten im Dorfe Übers- 
bach nächst Söchau ; var. mutabilis Topitz * auf Äckern im 
Kohlgrabeu bei Söchau; var. sjjJienophylla Borb.* Im ganzen 
Gebiete höchst gemein. 

Mentha gentilis L. var. resinosa (Opiz) H. Br. f. pseudorubra Top. 
Als Gartenrelikt um Söchau, Aschbach häufig verwildert. 

Mentha verticillata L. var. ovalifolia (Opiz) lus. vinacea H. Br.* In 
einem Wiesengraben zwischen Söchau und Ruppersdorf, in 
Masse: var. Lobeliana (Becker)*. In einem Drainagegraben 
bei Rittschein nächst Söchau; var. calamintliaefolia (Host.)* in 
den Gräben an der Eisenbahn gegen Ruppersdorf ; var. hygro- 
pJiila Topitz * in Wassergräben zwischen Söchau und Breiten- 
feld; var. montana (Host) an Bachläufen bei Aschbach nächst 
Söchau; ysly. pahidosa (Sole) Rouy, in allen Wassergräben des 
ganzen Gebietes gemeine Charakterminze, so um Ebersdorf, 
Aschbach, Bierbaum, Fürstenfeld, Blumau, Waltersdorf, Leiters- 
dorf bis Hartberg. 

Mentha longifolia (L.) Huds. var. horridula Briqu.* In Hecken 
hinter Tautendorf nächst Söchau. 

Thymus subcitratus Schreb. var. parvifoliiis (Opiz) Briq., Lab. Alp. 
marit., p. 551. An Bergackerrainen zwischen Söchau und 
Maierhöfen und wohl auch anderswo. 

Aspenda cynanchica L. Am Kalvarienbcrg bei Hartberg und auf 
Kalkfelsen in der Weizklamm. Fehlt im übrigen Gebiete. 

Aspenda glauca fL.) Ikss. Sehr häufig über Basalttuff in Stadt- 
berg bei Fürstenfeld. 

Galium ochroleucum Wolfn. = G. MolhigoX Vernum. An Bergwegen 
bei Maierhöfen bcrg nächst Söcliau; zwischen llartberg und 
Pöllau. 

Galium parisiense L. In Saatäckern um Söchau gemein. 
Valcrianella rimosa Bast. Gemein in Saaten um Söcliau. 
Valnrinna triptr.ris L. Auf Kalkf(;lHcn im Weizbachtale und in der 
Wcizklanuii bei Wciz. 



Beiträge zur Flora der Oststeiermark. 



291 



Valeriana saxatilis L. In der Weizklamm gemein. 

Scahiosa liicida Vill. Auf Kalk in der Weizklamm bei Welz. 

Inida conysa DC. Bei Riegersburg. 

Galinsoga parviflora Cav. In Gärten bei Walkersdorf nächst Hz, 
bei Hartberg und Friedberg. 

Matricaria temiifoUa (Kit.) Simk.* Neilr., Diagn., p. 71! Auf 
Kleeäckern bei St. Kind nächst Breitenfeld (Bez. Feldbach). 
Durch die lehmgelben, pappuslosen Achenen von der gemeinen 
31. inodora leicht zu unterscheiden. 

Carduus stiriacus G. Beck = C. defloraius a. glaiicus Xperso7iatus. 
Unter den Eltern in der Weizklamm bei Welz, häufig. 

Cirsium CandoUeanum Näg. = C. ErisitJiales X oleraceum^- — Unter 
den Stammarten in der Weizklamm bei Weiz, häufig. 

Cirskim oleraceum (Scop.) var. amaraniinion Lang. In der Um- 
gebung von Söchau, nicht selten, so an der Straße nach 
Übersbach; an Waldrändern im Kohlgraben. 

Cirskim lußriduni Koch = C. oleraceum palustre.'^ Unter den 
Stammeltern auf Rodungen bei Ebersdorf nächst Söchau, 

Cirsium Beichenhachianum Lohr. = C. aruense X oleraceum. Mühl- 
graben bei Aschbach nächst Söchau. 
\Centanrea Scahiosa L. Am Kalvarienberg bei Hartberg und von 
hier gegen Pöllau. Fehlt sonst im Gebiete. 

Centaurea Nemenyiana Wagn. = C.carniolica X macroptilon.^ Unter 
den Stammarten an Waldrändern bei Ruppersdorf. 

Centaurea FseudopTirygia C. A. Mey. An Ackerrändern oberhalb 
Festenburg am Wechsel. 

Inieracium vulgatum L. ssp. argiUaceum Jord. var. asperatuyn Sudre, 
Hierac. centr. Franc, p. 55 (det. Autor).* An Weghecken in 
Maierhofenberg bei Söchau. 

Hieraciton laevigatum Willd. {H. tridentatum Fr.). In frischen Holz- 
schlägen im Kohlgraben bei Söchau in Menge. 

Hieracium Bauliini Bess. ssp. tephrops * N. P. An grasigen Stellen 
bei Söchau gemein. 

Potamogeton natans L. var. ovalifolius Fieb. , Ascherson et Gr aebner, 
'Syn., I, p. 303. Im Mayerschen Teiche bei Söchau. 

Polygonatutn latifolium (Jacq.) Desf. An buschigen Bergabhängen 
bei Söchau. 

19* 



292 



Heinrich Sabransky. 



Heleocharis austriaca Hay., Sclied. ad Fl. stir. exs., Nr. 922 (1910). 

In StraßengTäben zwischen Fehriug- und Hatzendorf. 
Heleocliaris gracilis Hay., 1. c, Nr. 923. Auf Wiesen zwischen 

Söchau und Ruppersdorf, bei Schweinz nächst Riegersburg. 
Carex pilosa Host. Auf den Kögelbergen bei Rittschein nächst 

Söchau. 

' Carex acutiforniis Ehrli. In Tümpeln bei Tautendorf, an Straßen- 
gräben bei Feistritz nächst Hz. 
Carex hrachystachys Schrank. Auf Kalkfelsen in der Weizklamm 
nächst Welz. 

Carex umhrosa Host. In Hainen nächst Spitzhart bei Aschbach. 
Carex paniculata L. Auf sumpfigen Wiesen auf der Teichalpe 
nächst Passeil. 

Carex elongata L. In Sumpfgräben bei Ruppersdorf und Tauten- 
dorf nächst Söchau sehr gemein. 

Carex glauca Murr. var. Micheliana (Sm.) Asch, et Graeb. An Bach- 
ufern auf der Teichalpe bei Mixnitz. 

Andropogon Ischaemim L. Entsprechend der Seltenheit thermo- 
philer Pflanzenelemente in unserem Florengebiete findet sich 
auch dieses Gras nur selten und vereinzelt an hervorragend 
trockenen und warmen Orten. So in Stadtberg bei Fürsten- 
feld über Basalttuff, auf dem Poschriegel bei Aschbach nächst 
Söchau. 

Leersia oryzoides Sm. Am Ufer des Feistritzflusses bei Maierhöfen 
mit Jludbeckia undurchdringliche, 2 m hohe Bestände bil- 
dend. 

PJialaris arundinacea L. Längs des Rittscheinbaches bei Tauten- 
dorf, Söchau, Fürsten fcld etc. verbreitet. 

Calamagrostis varia Host. In der Weizklamm bei Wciz häufig. 

Sieglingia decumbens (Scop.) Bcrnh. In Bergwäldern des ganzen 
Gebietes gemein und verbreitet. 

Aird cnrsjjtlosa L. var. monlana Rchb. An Viehtränken nächst der 
Voraucr Ochsenschwaige am Hochwechsel. 

Triseium aljK'stre (Host) P. 15. var. argcnioidcum Schur. Auf Kalk- 
fclgen in der Weizklamm bei Weiz häufig. 

Cynodon daciylon L. Fehlt im Gebiete. 



Beiträge zur Flora der Oststeiermark. 



293 



Koeleria gracilis Pers. Über Basalttuff in Stadtbergen nächst Für- 
stenfeld. 

Fesiuca glaiica Lam. Auf Kalkfelsen in der Weizklamm häufig-. 
Festiica sidcata (Hackel) G. Beck. Auf Basalt in Stadtberg nächst 
Söchau. 

Gymnadenia odoraiissima (h^ Rieh. An steinigen, buschigen Plätzen 
in der Weizklamm bei Weiz. 



Die G-eradflügler (Orthoptera) der Insel 
Ösel (Livland, Rußland). 

Von 

Dr. pMl. L. V. Mierzejewski. 

(Eingelaufen am 3. April 1913.) 

Obgleich die Fauna der Ostseeprovinzen (Ehst-, Liv- und Kur- 
land) Rußlands verhältnismäßig gut erforscht ist, so ist doch die 
Tierwelt, speziell die Insektenwelt der Insel Ösel bis jetzt noch 
— ausgenommen die Schmetterlinge, welche von Herrn Baron 
Nolcken beschrieben sind — ganz unbekannt und bildet eine wahre 
terra incognita. Seit einer Reihe von Jahren mit der Erforschung 
der Tierwelt OselS; meiner Heimat, beschäftigt, habe ich mich 
schließlich entschlossen, diese Lücke in den Kenntnissen der Fauua 
dieses Gebietes, so fern es mir möglich ist, durch eine Reihe von 
;Verzeichnissen zu füllen. 

; Im Jahre 1910^' erschien meine erste Schrift in dieser Rich- 
tung, welche die Wirbeltiere Ösels behandelt, jedoch ist diese erste 
Abhandlung noch recht mangelhaft und umfaßt nur 282 Arten, die 
mir damals bekannt waren; jetzt aber möchte ich mit einer zweiten 
Schrift, welche die Insekten, speziell die Geradflügler (Orthoptera) 
Dsels behandelt, in die Öffentlichkeit treten. 



L. V. Mierzejewski. Verzeichnis der Wirbeltiere der Insel (»sei 
Livland, Rußland). Verh. d. k. k. zool.-bot. Ges. in Wien, Bd. LX, 1910, 



294 



L. V. Mierzejewski. 



Soviel mir bekannt ist,^) gibt es außer der Abhandlung von 
KawalP) und den zwei Notizen von Bruttan^) kein neueres und 
ausführlicheres Verzeichnis der baltischen Geradflügler. Außerdem 
ist Kawalls Abhandlung recht unvollständig und enthält leider 
auch einige falsche Angaben, wie dies Bruttan in seinen Notizen 
nachgewiesen hat. In der vorliegenden Schrift habe ich gar keine 
Absicht, weder Kawall noch Bruttan zu kritisieren, sondern 
möchte, wie ich es ja schon oben betont habe, nur ein Verzeichnis 
der von mir gesammelten und beobachteten Geradflügler geben. 

Wie man nach der Lage (im Rigaschen Meerbusen), den kli- 
matischen und physikalischen Verhältnissen der Insel Osel, welche 
ich ziemlich genau in meiner ersten Schrift über die Wirbeltiere 
beschrieben habe, urteilen könnte, hat die Orthopterenfauna viele 
Anklänge und große Ähnlichkeit mit der der benachbarten Gebiete; 
Liv-, Ehst-, Kurland, Südfinnland, Nordrußland usw. 

Die für alle drei Ostseeprovinzen neu angeführten Arten sind 
in der vorliegenden Abhandlung mit einem Sterne gleich nach der 
laufenden Nummer der Arten bezeichnet; im ganzen konnte ich 
2 Gattungen und 8 neue Arten aufzählen. 

Alle von mir bestimmten Insekten wurden gütigst von Herrn 
Direktor Smreczynski in Krakau kontrolliert und zum zweiten- 
mal sorgfältig und genau bestimmt, für welche Gefälligkeit ich ihm 
meinen besten und wärmsten Dank ausspreche. Zugleich danke 
ich bestens den Geschwistern Fräulein und Herren Lesnikoff und 
Herrn v. Essen, die mir beim Sammeln der Insekten sehr behilf- 
lich waren, sowie Herrn Oberlehrer Adam Nagel und Herrn Otto 

V. Möller sen., die mir die Benützung der Sammlung des Herrn 
T. V. Fall im Museum zu Arensburg ermöglichten. 

Da die Literatur iilxjr die Orthopteren liußlands mir uiilxikimnt ist, 
habe ich inicli zweimal brieflich an Herrn Prof. Schtschelkanow/iCf in 
W;«rhfhau mit der lütte, dieselbe mir angeben zu wollen, gewandt; Jedoch 
hielt er es für unnötig, meine Briefe zu b(;antw<)rten. 

') J. II. Kawall, Die Orthopteren und Ncuroj)teron Kurlands. Cor- 
rcHpondenzbl. d. Naturf.-Vereins zu Kiga, XIV. Jahrg., 18G4, Nr. 11, p. 155—100. 

luHpcktor liruttan. Sitzungsber. d. Naturf.-(jes. bei d. Univ. Dorpat, 

VI. Bd., Heft 2, 1882, p. '112-415 u. 4öl-i32. 

I 

i 



Die Geradflügler (Orthoptera) der Insel Ösel (Livland, RuOland). 



295 



I. Ordnung Dermatoptera. — Ohrwürmer. 
Gattung Forfimila L. 

1. F. anriciilaria L. Unter Brettern, Steinen, Baumrinde, auf 

Blumen und Früchten gemein. Besonders häufig im Sommer 
in Gärten. 

IL Ordnung Orthoptera genuina. — Echte Geradflügler. 

I. Familie Blattidae. — Schaben. 

1. Subfamilie Ectobiini. 

1. Gattung EctoMa Westw. — Waldschabe. 

2. E. lapponica L. In Laubwäldern nicht selten, jedoch ziemlich 

schwer aufzufinden. 

3. livida Fabr. Wie vorige. 

2. Snbfamilie Blattini. 

2. Gattung Blatta L. — Blattschabe. 

4. B. germanica L. In manchen Küchen und Bäckereien sehr 

zahlreich. Wird auf Ösel „Prussake" genannt. Im Freien 
habe ich sie nie angetroffen. 

3. Subfamilie Periplanetini. 
3. Gattung Stylopyga Fisch. 

5. orientalis L. Ziemlich selten. Nur in wenigen Wohnungen 
in der Stadt habe ich dieses Insekt angetroffen. Soll in 
manchen Bauernhäusern auf dem Lande auch vorkommen. 

II. Familie Acridüdae. — Gr ashens ehr ecken. 
1. Subfamilie Tettigini. 
1. Gattung Tettix Charp. — Dornschrecke. 

6. *T. Kraussi Saulcy. Auf Weiden, Holzschlägen, in Hebten 

Wäldern und an Mauern nicht selten. In Nadelwäldern häu- 



296 



L. V. Mierzejewski. 



fig-er als in Laubwäldern (Tickhof, Hasik, Kielkond, Ranna- 
küll, Lode, Jerwe usw.). T. hipundatiis, die dieser Art äußerst 
äbnlicli ist, habe ich nie angetroffen, wahrscheinlich werden 
diese zwei Arten oft miteinander verwechselt. 

7. T. suhulatus L. Häufig. Besonders zahlreich ist diese Art im 

Vorfrühling an Gräben, Waldrändern und Zäunen (Tickhof, 
Romasaar — selten, Lode, Jerwe usw.). 

2. Siibfamilie Trixalini. 
2. Gattung Chrysochraon Fisch. — Goldschrecke. 

8. *(7/^r. hracliijpterus Oesk. Ziemlich zerstreut; in Tickhof und 

Hasik ist diese Heuschrecke recht häufig, in Lode und Roma- 
saar dagegen fehlt sie gänzlich oder ist sehr selten. Dieses 
Insekt Hebt feuchte Wiesen und Heuschläge mit sehr üppigem 
Gras wuchs. 

3. Gattung Stenohothriis Fisch. — Grashüpfer. 

9. St. viridiilits L. In lichten Laubwäldern, Heuschlägen, Gärten, 

auf Wiesen, Weiden usw. überall gemein. 

10. * St. haemorrhoidalis Ch3iYi[). Das einzige Exemplar (9, 21. /VIII. 

1912, Kergel) befindet sich in meiner Sammlung. Vielleicht 
nur übersehen? 

11. *St.apricariiis L. Ziemlich selten und sehr zerstreut. An Rainen, 

Wegrändern, in Hecken, Gärten, überhaupt im Gebüsch. Diese 
Art habe ich nur in Romasaar angetroffen. In der Sammhnig 
des Herrn T. v. Fall im Museum in Arensburg befinden sich 
einige Exemplare aus Rannaküll. 

12. Sl. hi(jHtlidns L. Auf lippigen Wiesen, Feldern, Bracliäckcrn, 

Weiden, in Heuschlägen, an Waldrändern überall sehr ge- 
mein. 

\'.). St. hicolor Charp. Nicht sehr häufig und nur auf trockenen, 
sandigen (Jerwe, Kergel, Käsel) und steinigen (Schworbc, 
FcHtungHwall) Orten, selten auch auf Weiden (Romasaar) und 
Wiesen. 

14, Sf. rlffffnis (/harp. Auf Sumpfwiesen, in feuchten, llj)pigen llcu- 
schlägen, i^aubwäldern, an See- und Flußufern (Romasaar, 



Die Geradflügler (Orthoptera) der lusel Ösel (Livland, Rußland). 297 



Lode, Naswa, Karmel, Tickhof, Hasik, Roziküll, Padel, Peddust, , 
Schworbe usw.) gemein. 

15. "^'-St. dorsatus Zeit Das einzige Exemplar (g, August 1899, 

Tickhof) befindet sich in meiner Sammlung. 

16. St. paralleliis Zett. Überall an feuchten, 'tippigen Orten sehr 

häufig, gewöhnlich in Gesellschaft mit Si. elegans und Clirij- 
socJiraon hrachypferiis. 

4. Gattung GompJiocertis Thunb. — Keulenschrecke. 

17. G. maculatus Thunb. Ziemlich häufig. In sandigen, jungen 

Nadelwäldern (Kergel), auf dürren Weiden (Romasaar) und 
Heiden; überhaupt an steinigen (Schworbe) und sandigen 
(Jerwe, Kergel, Käsel) Orten. 

5. Gattung 3Iecastethtis Fieb. 

18. 31. grossus L. Auf Sümpfen, Sumpfwiesen, in Heuschlägen, an 

See- und Flußufern, Gräben, überhaupt an feuchten, üppigen 
Orten der ganzen Insel Ösel sehr häufig (Tickhof, Peddust, 
Lode, Karmel, Hasik usw.). 

3. Subfamilie Oedipodini. 

5. Gattung I^acJiytyUis Fieb. — Klapperschrecke. 

19. P. migratorius L. — Wanderheuschrecke. In meiner Sammlung 

befinden sich die zwei einzigen aus Ösel stammenden Exem- 
plare: 20./VIII. 1912, Lode, von Herrn Lesnikoff ge- 
fangen, und cT, 9./X. 1912, Naswa, von Herrn y. Essen ge- 
fangen. Die Wanderheuschrecke soll auch schon früher auf 
Osel gefangen worden sein, leider haben sich Belegstücke in 
den hiesigen Sammlungen nicht erhalten. Ein kleiner Schwärm 
dieser Insekten soll in diesem (1912) Jahre auf Ösel gesehen 
worden sein, jedoch konnte ich nichts Näheres darüber er- 
fahren. 

6. Gattung I*.hox>1ius Fieb. — Schnarrschrecke. 

20. Ps. stridulus L. Auf sonnigen Wiesen, Weiden, in Heuschlägen, 

lichten Nadel- und Laubwäldern nicht selten. Manchmal habe 



298 



L. V. M i e r z e j e vv s k i. 



ich sie au öden, trockenen, steinigen oder sandigen Orten, 
dann wieder an recbt feuchten und üppigen angetroffen. 

4. Subfamilie Acridiini. 

7. Gattung JPodisma Lath. 

21. F. pedestris L. An trockenen, sandigen Orten, in lichten, san- 

digen Nadelwäldern (Roziküll, Kielkond, Kergel, Jerwe, Kasel, 
Abbul, Sali, Schworbe usw.), auf Holzschlägen, sehr sonnigen 
Wiesen, an Waldrändern (Hasik, Tickhof) nicht selten, 

III. Familie LoCUStidae. — Laubheuschrecken. 
1. Subfamihe Conocephalini. 

1. Gattung Xij^hidium Serv. — Schwertschrecke. 

22. *X dorsale Latr. Selten und sehr vereinzelt. Auf Schilf und 

Schachtelhalmen in sehr kleinen Wassertümpeln und Gräben 
in Romasaar (Weisesche Weide). Alle meine Exemplare (2 
und 6 o) stammen aus Romasaar. Im Museum (Sammlung 
T. V. Poll) in Arensburg befindet sich ein Exemplar aus 
Rannaküll (9, 8./VI1I. 1895). 

2. Subfamilie Locustini. 

2. Gattung Locusta de Geer. — Heupferd. 

23. L. viridissima L. Ein Exemplar (q, 11)./VIII. 1012, Karky) i 

wurde von Herrn Lesnikoff auf der Halbinsel Schworbe 
gefangen und befindet sich in meiner Sammlung. Weder ich 
noch T. V. Poll haben diese Art auf der Insel Ösel selbst 
angetroffen, möglich ist es aber, daß sie nur auf die Halbinsel 
Scliworbe beschränkt ist; jedoch muß sie auch dort iiiclii 
allzu häufig sein. Frau Baronin Oda v. Frei tag-Loring- 
howen erzählte mir, sie habe in diesem Sommer eine sehr 
große, grasgrllnc, langfiligelige Heuschrecke in Ficht (Schworbe) 
(.'cfangen, leider aber gleich wieder losgelassen. Es k<)nnte 
diese Art gewesen seiu. 



Die Geradflügler (Orthoptera) der Insel Ösel (Livland, Rußland). 299 



3. Snbfamilie Decticini. 

3. Gattung Thmmiotri^on Fisch. — Strauchscbrecke. 

24. ^Tli. cineretis L. Häufig auf Brombeeren, Himbeeren, Nesseln, 

Kletten, Lilien usw. in Gärten (Romasaar), auf Wiesen (Rozi- 
küll), Brachfeldern (Tickhof, Rannaküll), in Heuschlägen (Kar- 
mel, Tickhof, Roziküll, Lode, Naswa, Schworbe), an Zäunen usw. 

4. Gattung JPlatycleis Fieb. — Beißschrecke. 

25. Fl. hrachyptera L. In lichten Laubwäldern, Heuschlägen, Gärten, 

auf Brachfeldern, feuchten, tippigen Wiesen, Feldern sehr 
häufig. 

5. Gattung Decticiis Serv. — Warzenbeißer. 

26. D. verrucivorus L. Mit Ausnahme (?) der Halbinsel Schworbe 

überall auf Wiesen, Feldern, Brachäckern, in Heuschlägen, 
lichten Laubwäldern usw. gemein. 



IV. Familie Gryllidae. — Grillen. 
Gattung Gi^yllus L. — Grille. 

27. Gr. domesticiis L. In manchen Bauernhäusern sehr zahlreich. 
Oft habe ich die Hausgrille im Sommer in Gärten und auf 
Feldern in Erdlöchern und Zäunen angetroffen, jedoch immer 
in der Nähe menschlicher Wohnungen. Alle von mir im Freien 
gefangenen Grillen gehörten immer zu dieser Art und ich 
glaube annehmen zu können, daß die wahre Feldgrille (Gr. 
campestris) auf Ösel nicht vorkommt. 



Aus dem Institut für vergleichende Anatomie der Universität 
zu Krakau (Vorstand Prof. Dr. Heinrich Hoyer). 



300 



L. V. Mierzej ewski. 



Die Libellen (Odonata) der Insel Ösel 
(Livland, Rußland). 

Von 

Dr. phil. L. v. Mierzej ewski. 

Mit einer Textfigur. 
(Eingelaufen am 3. April 1913.) 

Aiiscliließend an den vorstehend publizierten Aufsatz über die | 
Geradflügler (Orthopteren) der Insel Ösel möchte ich noch die von i' 
mir im Verlaufe einer Reihe von Jahren gesammelten und beob- ' 
achteten Libellenarten dieser Lokalität anführen. 

Obgleich die Odonatenfauna dieser Insel in vieler Hinsicht i 
stark an die der benachbarten Gebiete — Ehst-, Liv- und Kur- ' 
land — erinnert, was übrigens von den ähnlichen klimatischen und I 
physikalischen Eigenschaften abhängt, konnte ich dennoch fest- 
stellen, daß einige Arten, wie Platycnemis pennipes, Erythromma 
najas, Calopteryx splendens, Gomphus- Arten usw., die in den oben- 
genannten Provinzen meist recht häufig sind, auf Ösel entweder 
gänzlich fehlen oder nur äußerst selten vorkommen, andere dagegen, 
wie Enallaxjma cya/liiyerum und Orthdrum cancellatim, auf Oscl 
sehr häufig, dort aber selten sind. Ferner konnte ich das Vor- 
kommen einiger in den Ostseeprovinzen bis jetzt noch trotz des 
eifrigen Sammeins mehrerer Forscher^) nicht aufgefundenen Arten 
ni'.d Varietäten nachweisen. Außerdem ist es mir gelungen, eine 

' 1. Kawall J. II., Die Ortlioptcren und Neuropteren Kurlands. Corn; 
fspondenzbl. den Naturf. Ver. zu Kiga, XIV. .lalirg., 18(M. 
'i. Hrnttan, Die Odonaten Liv- und EliHtl.'ind.s. SilzungHber. der ||| 
Natiirf. Ge.sellHc,li. zu Dcnpat, IM. IV, Heft III, 1877. 
linittan, Ibidem, Bd. V, Heft 1, 1878. 
1. iJriittan, Ibideu), lid. V, Weil III, 1880. 

.j. L. V. zur-.M iilileii, Der Soiz-See, Heiru; IOiiiHt(diiing und lioutigo 
Aii.sbildiing. Il)idcm, lid. XVIII, Abt. III, 1!H)I) (lülO); Ji"' 
p. ;M, .'5.") eine Libte von 13 Ddonatenarteii. 



Die Libellen i'Odonata^ der Insel Ösel CLivland, Rußlands 



301 



gänzlich neue europäische Art imd eine Varietät auf Ösel aufzu- 
finden. Alle diese neuen Arten und Varietäten sind in der vor- 
liegenden Abhandlung mit einem Sterne gleich nach der laufenden 
Nummer bezeichnet. 

Demnach würde die Zahl der aus den russischen Ostsee- 
provinzen erwähnten Libellenarten sich folgendermaßen verhalten: 
Kurland 19, Ehstland 21, Livland 39 und Ösel 29-4 Varietäten.^) 
Im ganzen kommen in allen drei Provinzen und auf Ösel 45 Li- 
bellenarten und 4 Varietäten vor. 

* * 

Es sei mir hier gestattet, den Geschwistern Fräulein und den 
Herren Lesnikoff sowie Herrn Kurt v. Dehn für ihre Hilfe beim 
Sammeln dieser Insekten meinen besten Dank auszusprechen. Nicht 
minder danke ich Herrn Oberlehrer A. Nagel und Herrn Otto 
V. Möller sen., die mir die Benützung der Sammlungen des Mu- 
seums zu Arensburg ermögUchten. 



I. Unterordumig' Zygoptera. 
1. Familie Calopterygidae. 

Gattung Calopteryx (Leach. 1815). 

1. C. virgo (L., 1758). Von Mitte oder Ende Mai bis Anfang 

August gemein. Besonders zahlreich im Juli an der Peddust, 
in Medel am Bach, in Tickhof am Teich, in Rannaküll usw. 
Im Vergleich zu den cf cf sind die 9 $ selten. 

2. G. sphndens (Harris, 1782). Juni, Juli. Diese Art scheint auf 

Ösel sehr selten zu sein. Ein Exemplar (cf, Rannaküll, 2./VI. 
1889) befindet sich im Museum in Arensburg (Sammlung 
T. V. Poll), das zweite (cf, VII. 1901?, Romasaar) in meiner 
Sammlung und ein drittes cT sah ich im Juli 1912 auf der 
Peddust fliegen. 

Nicht ausgeschlossen ist es jedoch, daß auf Ösel bedeutend mehr 
Arten als ich in dieser Schrift aufgezählt habe, vorkommen könnten. 



I 

I 



302 



L. V. M i e r z e j e w s k i. 



II. Familie Agrionidae. 
1. Subfamilie Lestinae. 

Gattung Lestes (Leach. 1815). 

3. L. dryas (Kirby, 1890). Von Ende Mai bis Ende August. 

Überall gemein, besonders aber an schilfreicben Bächen, 
Flüssen, Seen und Sümpfen. Diese Art habe ich sogar an 
kleinen, fast ganz ausgetrockneten Tümpeln und Wasser- 
pfützen recht zahlreich angetroffen. Entschieden ist sie die 
häufigste unter den Kleinlibellen. 

4. L. sponsa (Hansem, 1823). Ende Mai bis Ende August. Gemein, 

jedoch etwas seltener als die vorige. Gewöhnlich trifft man 
diese Art in Gesellschaft mit L. dryas und Ischnura elegans. 
Schon Ende August verschwinden die beiden Lestes-Arten 
gänzlich. 

2. Subfamilie Agrioninae. 

1. Gattung Ischnura (Charp., 1840). 

5. /. elegans (Vanderl., 1823). Von Ende Mai bis Anfang August. 

Häufig an der Peddust, seltener am Meeresstrande (Arensburg, 
I^annaküll) und im Innern der Insel Ösel (Tickhof). Fliegt 
gern in kleinen Gruppen über seichtem Wasser an sehr son- 
nigen und schilfreichen Stellen des Flusses Teddust. 
öa.-'- /. elegans var. aurantlaca Hrau. Das einzige Exemplar 
(9, 12./Vn. 1912, Peddust) befindet sich in meiner Samm- 
lung. 

2. Gattung JhiaUmjrna (Sclys, 1876). 

<). E. cyatJiigcnim (Charp., 1840). Von Ende Mai bis Ende August. 
Gemein an feuchten, schilfreichen Orten. In manchen Jahren 
ist diese Art besonders zahlreich. Kecht häufig sind auch alte, 
rosa gefärbte cJ^j und ; ziemlich selten dagegen blilulicli- 
grllnc ^j'r^'. In meiner Sammlung befindet sich ein , (Lodo, 
ll./VH. 1912), welches recht mcrkwilrdig gefärbt ist: dunkle 
Z(ticlinung wie bei den normalen <\>\', Iicine, Gesicht, üiiler 
8citc der JJrust, des ganzen Hinterleibes und die Oberseite 



Die Libellen (Odonata) der Insel Ösel (Livland, Rußland). 



303 



des 4., 5. und 6. Hinterleibssegments gelblichgrün, wie bei 
manchen alten, schön ausgefärbten 99, alles übrige schön 
himmelblau, wie bei den cTcT. 

3. Gattung Agrion (Fabr., 1775). 

7. A. armatum (Charp., 1840). Ende Mai, Juni. Selten. Diese 

Libelle habe ich selbst nie angetroffen, jedoch befinden sich 
zwei Exemplare dieser Art in der Sammlung des Herrn 
T. V. Poll im Museum in Arensburg (d', 24./V. 1896, 9, 21./V. 
1896, beide aus Rannaküll). 

8. A. pulclieTlmn (Vanderl., 1823). Von Ende Mai bis Mitte Juli. 

Ich habe diese Art anfangs Juli schon recht selten und nur 
noch in ganz kleinen Gruppen an den schilfreichen Ufern der 
Peddus angetroffen. In Romasaar selten, häufiger in Ranna- 
küll und an der Peddust. Die 9 9 sind bedeutend seltener 
als die c^cf. 

9. A. hastulattim (Charp., 1825). Von Anfang oder Mitte Mai bis 

Ende Juli. Ziemlich selten. Mehrere Exemplare aus Ranna- 
küll befinden sich im Museum in Arensburg (Sammlung 
T. V. Poll). 

10. * A. lumdatiim (Charp., 1840). Mai. Das einzige (cT, 19. /V. 

1895) aus Ösel (Masik) stammende Exemplar befindet sich in 
der Sammlung des Herrn T. v. Poll. 

11. A. pnella (Linn6, 1758). Von Anfang Juni bis Ende Juli. Diese 

Art habe ich auf Ösel nicht beobachtet, jedoch befinden sich 
zwei Exemplare (d^, 16./VI. 1893, Hasik; 9, 19./VII. 1891, 
Feckerorth) aus Ösel in der T. v. Pollschen Sammlung. 

II. Unterordnung Anisoptera. 
I. Familie Aeschnidae. 

1. Gattung Brachytroii (Evans, 1845). 

12. B. hafniense (Müller, 1764). Das einzige Exemplar (cf, VI. 1897, 

Romasaar) befindet sich in meiner Sammlung. 



304 



L. V. Mierzejewski. 



2. Gattung AescJma (Fabricius, 1775). 

13. Ä. grandis (Linn6, 1758). Von Ende Juni bis Anfang Oktober. 

Überall gemein. Besonders bäufig im August im Stadtpark, 
Lode, Brakelsbof usw. 

14. Ä. viridis (Eversm., 1836). Juli. Selten. In meiner Sammlung 

befinden sich drei von Herrn Lesnikoff in Lode (Eichenwald) 
gefangene Exemplare (cf, lO./VII. 1912; 11. /VII. 1912; 
9, 18. /VII. 1912); früher habe ich diese Art nie ange- 
troffen. 

15. Ä. juncea (Linn6, 1758). Von Anfang Juli bis Anfang Oktober. 

Fast überall gemein. Massenhaft im August und Anfang Sep- 
tember im Stadtpark, Lode und KudjapUä; im Juli dagegen 
ist diese Libelle sehr selten und wird durch die folgende Art 
vertreten. 

16. ^' A. osiliensis (v. Mierzejewski, 1913).^) Von Mitte Juni bis 

Ende August. Häufig, in manchen Jahren sogar gemein. Im 
Juli 1912 war diese Art geradezu massenhaft, man konnte sie 
in großen Mengen in Lode, im Stadtpark, an der Peddust, 
in Tickhof, Padel und noch vielen anderen Gegenden der 
Insel Osel zu jeder Tageszeit antreffen. Ende August war sie 
jedoch schon sehr selten geworden und wurde dann durch 
Ä. juncea L. vertreten. 

17. Ä. coerulea (Ströml., 1783) = horealis Zett. Das einzige aus 

Ösel (Rannaküll) stammende Exemplar (cT, 22./V. 1893) be- 
findet sich im Museum in Arensburg (Sammlung T. v. Poll). 

Die genaue Beschreibung in deutscher Sprache findet sich im „Bul- 
letin de i'Acadomie des sciences de Cracovie, classcs des sciences miiteni. et 
naturelles, Serie B.: Sciences Natur. Mars 1913"; hier möchte ich nur die 
iatcinisrlie ])iagnoHe an^2^e])en: 

Similis .serralae llag., sed di/fcrens magniiudine corporis nonnihil mi- 
nore; rteroHtigmale longiorc, mnris nigro, feminae fusco-hrunneo; Alis ponlicis 
fcminae angusliorihus; Thorace fusco-hrunneo, anlice vittis duahus latiorihiis, 
rectis; Ähdomine maris nigro, feminae segmcnio iertio non consiricto; ApjKx 
dice finale inferiore breviore et lafiore; Appendicihus siiperiorihus maris niar- 
gine rxteriore recto vel nonnihil roiundalo, siipra rccta crisia munitis, npice ij 
crinlac arcuftto et 5—7 w(ijoribns et viinoriJnis dml/ihiis in suvniio apice j| 

in duo ordihd jioyili» C-uif der iiiif'ciHten Sjjitzc in zwei IfcilKMi angeordnet). ' 



Die Libellen (Odonata) der Insel Ösel (Livland, Rußland). 



305 



1<^. A. cyanea (Müller, 1764). Von Mitte Juli bis Ende August. 

Nicht häufig* und nur an manchen kleinen Waldtümpeln. 

Etwas häufiger ist diese Libelle in Tickhof. Die q 9 sind 
bedeutend seltener als die cfcf. 



IL Familie Libellulidae. 
1. Subfamilie Cordulinae. 

1. Gattung SomatocMova (Selys, 1871). 

19. S. metallica (Vanderl, 1825). Von Anfang Juni bis Mitte 

August. Gemein an schilf- und rohrreichen Gewässern. Fliegt 
niedrig über dem Wasserspiegel an sehr sonnigen Stellen. 

20. S. flavomaculata (Vanderl., 1825). Juni, Juli. Nicht häufig. In 

meiner Sammlung befinden sich nur zwei Exemplare (cf , 14./VII. 
1912; 9, 1908?, Romasaar). Vielleicht habe ich diese Art 
nur tibersehen, weil sie immer in Gesellschaft mit der vorigen 
herumfliegt. 

2. Gattung Cordulia (Leach, 1815). 

21. C. aenea (Linne, 1758). Von Mitte oder Ende Mai bis Anfang 

JuH. Überall recht häufig. Oft habe ich diese Libelle in 
wasserarmen Gegenden der Insel Ösel angetroffen. Diese Art 
gehört zu den Frühlingsformen und verschwindet schon An- 
fang Juh. 

2. Subfamilie Libellulinae. 

I 1. Gattung OrtJietriim (Newm., 1833). 

22. 0. cancellatum (Linne, 1758). Von Mitte Mai bis Anfang August. 

Gemein in Romasaar (Weisesche Weide), Lode, Naswa, Ranna- 
küll usw. Ende Juli ist diese Libelle schon sehr selten, aus- 
nahmsweise habe ich noch ein Exemplar (9) am 2. August 
1912 im Eichenwalde Lode gefangen. 



2. Gattung I/ibellula (Linne, 1758). 

^3. L. quadrimacidata (Linne, 1758). Von Anfang Mai bis Mitte 
JuH. Gemein, in manchen Jahren massenhaft und in großen 

Z. B. Ges. 63. P.d. 20 



306 



L. V. Mierzejewski. 



Schwärmen. Diese Libelle gehört zu den Frühlingsformen und 
verschwindet schon Anfang Juli. In der Sammlung des Herrn 
T. V. Poll im Museum in Arensburg befindet sich ein Exem- 
plar (9, 22./ V. 1890, Masik) mit einem außerordentlich breiten 
und platten Hinterleib (wie bei L. depressa). Könnte es nicht 
ein Mischling von L. quadrimaculata und L. depressa sein? 
23a.* L. (jifadrimacidata \SiX. praemMla Newm. Das einzige Exem- 
plar (cf, VII. 1896, Tickhof) befindet sich in meiner Samm- 
lung. Dieses Exemplar ist recht typisch gefärbt, obgleich die 
rauchbraunen Makeln unter dem Fliigelmal ziemlich klein und 
schmal sind. 

24. L. depressa (Linn6, 1758). Von Mitte Mai bis Anfang Juli. 

Ziemlich selten und sehr zerstreut — Tickhof^ Hasik, Peddust 
und Romasaar (sehr selten). Gern an kleineren Gewässern. 
Diese Art gehört überhaupt zu den seltenen Libellen. 

3. Gattung Synij^^etrtim (Newm., 1833). 

25. * S. striolatnm (Charp.^ 1840). Von Ende Mai bis Anfang Ok- 

tober. Häufig. Im vorigen Juli und August (1912) war sie 
überall gemein. 

26. S. vtdgatum (Linn6; 1758). Von Ende Mai bis Anfang Oktober. 




Häufig, jedoch viel seltener 
als die vorige Art. 



27. S. flaveohim (Linnö, 1758). 
Von Ende Mai bis Anfang 
September. Uberall gemein, 
jedoch schon von Anfang 
August an ziendich selten. 
Sehr liäufig sind Exemplare, 
deren Flügel etwas schwH- 
cher gelb gefärbt sind als 
bei der typischen Form. 



Fiff. 1. iSi/mpf:f.rum ßnrnoliim 
var. Krnu€ iiiilii. 



27 ji.* S. ßaveolum var. hyalimih' 
Kd. Das einzige Excmi)l.'ii 
befindet sich in meiner Sanim 



hing f , , 2./VIII. 11)12, Ko 
masaar). 



Die Libellen (Odonnta) der Insel Ösel (Livland, Rußland). 



307 



27 b.* S. fJaveolmn var. Ernae mihi. In meiner Sammlung- befindet 
sich ein Exemplar (g, 7./VIL 1912, Romasaar), welches ich 
für eine besondere Varietät oder Aberration ansehen möchte. 

Beschreibung: Körper normal gefärbt; Flügel wurzeln 
glashell (nur auf den Unterflügelwurzeln ein ganz kleiner, 
hellgelber Fleck) wie bei der var. Jiyalinata] auf jedem der 
vier Flügel unter dem Nodulus ein recht großer, hoch-rost- 
gelber dreieckiger Fleck, auf den Oberflügeln zieht sich dieser 
Fleck bis zum Flügelmale (Pterostigma). Diese hübsche Va- 
rietät, die eigentlich einen Übergang von der var. liyallnata 
zur typischen Form bildet, nenne ich zum Andenken an Fräu- 
lein Erna v. Hahn: var. Ernae. 

28. S. dana'e (Sulzer, 1776) = scoticum Don. Von Ende Mai bis 

Anfang Oktober überall gemein. 

4. Gattung Leucorrhinia (Britt., 1850). 

29. L. pedoralis (Charp., 1825). Das einzige aus Ösel (Rannaküll) 

stammende Exemplar (cf, 5./V. 1895) befindet sich im Mu- 
seum in Arensburg (Sammlung T. v. Poll). 



(Aus dem Institut für vergleichende Anatomie an der Univer- 
sität Krakau (Vorstand Prof. Dr. Heinrich Hoyer). 



Beiträge zur Herpetologie von Grriechenland. 

Von 

R. Ebner (Wien). 

Mit 2 Textfiguren. 
(Eingelaufen am 24. Mai 1913.) 

Auf der Wiener Universitätsreise nach Griechenland im Früh- 
jahr 1911 beschäftigte ich mich ziemHch eingehend mit der Beob- 
jachtung und dem Fange von Reptilien und Amphibien. Die her- 
; petologischen Ergebnisse waren im allgemeinen recht interessant 
und sind daher in der folgenden Arbeit kurz besprochen. Bei der 
Bearbeitung wurde ich von Herrn Prof. Werner mit Ratschlägen 

20* 



308 



R. Ebuer. 



und Literaturaiigaben ^) in sehr dankenswerter Weise unterstützt. 
Die Bestimmung der mitgebrachten Exemplare der Gattung Lacerta 
übernahm Herr Prof. Dr. L. v. M6hely (Budapest), dem ich des- 
halb ebenfalls sehr zu Dank verpflichtet bin. 



üeptilia. 
Chelonia. 

Teskido graeca L. — Bei Olympia unter Gebüsch und im 
Grase nicht selten, 12. IV. 1911. 

Testudo marginata Schoepfif. — Diese große Landschildkröte 
wurde in mehreren Exemplaren bei Pikermi und am Pentelikon 






r'i;^. 1 und \' r.ui/cr von 'J'cMndo viarffinala von oIxmi und von unicii. 
(Pliot. Dr. V. Raab.) 



I'. Wrrncr, I'.citiiif^c zur KcnntniH der Ilopfilicn und Anipliibicn 
iiru'A \n'u]nu(\H. Archiv für Natur^-oHch., 78. ,]iihr^., AhivW. A, r». Iloft, 1Ü12. - 
M'li /!iblr('i('.li(! IJt(!riitur!iii{,'.ab(!u, 



In di 



AllM it fl 



Beiträge zur Herpetologie von Griechenland. 



309 



(19. IV.) gefangen. Ein kleines Tier von letzterem Fundorte fand 
ich auch unter einem Stein. In Katäkolou sahen wir einige er- 
wachsene Exemplare dieser Art auf dem Markt, ohne aber erfahren 
zu können, woher sie stammten. Die meisten der beobachteten 
Schildkröten waren an der Basis der Gliedmaßen mit großen Zecken 
besetzt. Die genauen Unterschiede zwischen T. marginata und 
T. graeca haben Siebenrock und Werner angegeben. 

Der mir noch vorliegende Panzer eines männlichen Tieres 
vom Pentelikon zeichnet sich durch auffallend starke Gelbfärbung 
der mittleren Platten der Rückenseite aus. Am Bauchpanzer treten 
die dunklen Flecke gegenüber der hellen Grundfärbung zurück. 
Die Mediannaht ist stark gesägt, wie aus der Abbildung zu er- 
kennen ist. Länge des Rückenpanzers in der Luftlinie 27 cm, in 
der Krümmung gemessen 32 cm, Höhe des Panzers 11cm. 

Clemmijs casjnca Gmel. var. riviilata Val. — Ein halbwüch- 

'siges Exemplar dieser Art erbeutete Prof. Schiffner in einem 
kleinen Graben in Phaleron bei Athen (19. IV.). Das Tier lebte 

j in Wien noch lange und wurde mit Regenwürmern und Insekten 
ernährt. Vermutlich gehören auch einige Schildkröten, welche in 
Pikermi in einem großen, tiefen Wassertümpel beobachtet, aber nicht 

i gefangen werden konnten^ dieser Art an. 

Lacertilia. 

Hemidactylus turcicus L. — Mehrere, meist junge Exemplare 
auf Delos (15. IV.) unter Steinen. Die Anzahl der Tuberkelreihen 
bei sechs untersuchten Exemplaren beträgt in allen Fällen 14. 

Gymnodactijlus Ttotsclnji Steindchr. — Gemeinsam mit der 
vorigen Art auf Delos, aber seltener. Anzahl der Tuberkelreihen 
|bei zwei Exemplaren in beiden Fällen 12. 

Agama steJlio L. — Der Hardun war auf Delos unter Steinen 
nicht selten anzutreffen und wegen des kühlen, regnerischen Wetters 
m diesem Tage nicht sehr lebhaft und daher leicht zu erbeuten. i) 
Oberseite schwärzlich oder aschgrau und dunkler gefleckt, Total- 
änge bei zwei noch vorliegenden Tieren 21 und 25 cm, Schwanz- 
änge beim ersten Exemplar 12 5, beim zweiten 14 5 cm. 

R.Ebner, Zoologische Beobachtungen auf Delos, Urania, V, Wien, 1912. 



310 



R. Ebner. 



Verbreitung: Saloniki (Klaptocz), Zykladen, Kleinasien, 
Syrien und Ägypten. 

Anguis fragilis L. — Zwei junge Tiere auf Korfu unter Stei- 
nen (11. IV.). 

Beide Exemplare besitzen noch die schwarze, vorn gegabelte 
Mittellinie, welche vom Hinterkopf bis zur Schwanzspitze reicht. 
Diese Zeichnung ist für die Jungen ganz charakteristisch, während 
sie bei den erwachsenen Tieren gewöhnlich verschwindet. 

Lacerta viridis Laur. subsp. major Blgr. — Mir liegt nur ein 
junges Exemplar vor, das noch die hellen Längsstreifen besitzt. 
Ich erbeutete es am 22. IV. bei Delphi unter einem Stein. Ein 
großes Tier von demselben Fundort, das ich messen konnte, war 
43 cm lang. Die Smaragdeidechse wurde während der Reise von 
anderen Reiseteilnehmern noch an mehreren Orten beobachtet, so 
bei Tiryns, Athen, Phaleron und Pikermi. Wahrscheinlich handelte 
es sich auch bei diesen Exemplaren um die Subspezies major, 
doch konnten die Tiere nicht gefangen und genauer besichtigt 
werden. 

Lacerta mural'is subsp. erhardi Bedr. — Pentelikon bei Athen, 
19. IV., 1 d" mit gelbroter Unterseite; Delos, 15. IV.; Santorin: 
Thera und Nea Kaimeni, 14. IV. Auf Thera in der Nähe von Phird 
namentlich in den Weingärten häufig und nicht schwer zu fangen, 
am Gcorgios auf Nea Kaimeni ebenfalls nicht selten, aber schwie- 
riger zu erbeuten, da sich die Tiere daselbst ziemlich rasch ein- 1^ 
gruben. 

Lacerta jonica Lohrs. — Am Weg von Tiryns nach Mykenii 
mehrere Exemplare gefangen, 17. IV. 

Lacerta petoponnesiaca Bibr. — Olympia, 12. IV.; Tiryns. 
17. IV.; Mykenä, 17. IV. 

Alf/iroides nlfjropimctatus D. B. — Korfu, 11. IV., 1 (,). 

llalHbandschildchen 9; Schenkelsporen rechts 15, links K»; 
'J Scliildchen vor der Analplatte. 

y\fjlrj/h(irns )KuniO)nrus Fitz. Olynjpia, 12. IV.; Delos, 15. iV. 

Ophidia. 

Ti//)hh/})S rcrniculariü Mcrr. Die \Vin*mK(;l)I;iii^<'- lic-^t mir 
in drei Exemplaren vor, eines von Delphi (leg. Ilofrat v. VVctl 



Beiträge zur Herpetologie vou Griecbeulaud. 311 



stein, 22. IV.), die beiden anderen von Pikermi {leg. Prof. Abel, 
Mitte Juni 1911). 

Die wichtigsten Maße zeigt nachstehende Tabelle. 



Nr. 


Fundort 


Totalläüge 


Schwanz- 
länge 


Durchmesser 


Verhältnis der 
Totallänge zum 
Durchmesser 


1 


Delphi 


170 mm 


4 mm 


4 mm 


42-5 : 1 


2 


Pikermi 


168 mm 


3 mm 


4 mm 


42 : 1 


3 


Pikermi 


250 mm ? 


3"5 mm 


5"5 mm 


45-5 : 1 ? 



Nr. 3 ist stark verletzt, da der vorderste Teil samt dem Kopfe 
1 fehlt, die Totallänge des vorliegenden Stückes beträgt 240 mm. 
I Wie mir Prof. Abel mitteilte, wurden die beiden Exemplare 
von Pikermi bei den Ausgrabungen mehrere Meter tief im voll- 
kommen kompakten Pikermiton gefunden. 

Eryx jacidiis L. — Pikermi, Mitte Juni 1911 (leg. Prof. Abel). 

Totallänge 38 cm. Schwanzlänge 5 cm, Sq. 45, V. 175, Sc. 30, 
'9 Supralab., rechts 8 und links 7 Schildchen um das Auge, zwei 
Schuppenreihen zwischen Auge und Supralab., fünf Schuppenreihen 
zwischen den Augen. 

Färbung oben braun mit größeren, zum Teil miteinander ver- 
bundenen hellgelben und kleineren schwarzen Flecken. Unterseite 
weißgelb, namentlich an den Seiten mit kleinen schwarzen Flecken. 
Sporne neben der Afterspalte deutlich vorragend. 

Tro})idonotus natrix L. var. jje/'sa Pall. — Pikermi (leg. Prof. 
jAbel, Mitte Juni 1911), zwei Exemplare. 



iNr. 


Total- 


Schwanz- 






Sc. 


Supr 


alab. 


Präoc. 


Postoc, 




länge 


länge 




rechts 


links 


rechts 


links 


rechts 


links 




1 


75 cm 


15 cm 


19 


180 


66 


7 


7 


1 


1 


3 


3 




2 


67 cm 


14-5 cm 


19 


179 


73 


8 


7 


2 


2 


3 


3 





Bei Nr. 2 berührt auf der linken Seite das 3. und 4. Ober- 
lippenschildchen das Auge, auf der rechten Seite das 4. und 5. 
Das 3. Oberlippenschildchen ist auf dieser Seite das schmälste. 



312 



R. Ebner. 



Tarhopliis fallax Fleiscbm. — Olympia, 12. IV., ein junges 
Tier unter einem Stein. Bei Delphi (22. IV.) wurde ein größeres, 
verletztes Exemplar erschlagen aufgefunden. 



Fundort 


Sq. 


V. 


Sc. 


Supralab. 


Anmerkung 


rechts 


links 


Olympia 


19 


204 


63 


9 


9 


Das 7. Schildchen auf der 
rechten Seite reicht nicht 
bis zum Rand der Ober- 
lippe. 


Delphi 


19 


215 




8 


8 


Schwanz stark verletzt und 
nicht vollständig. 



CoelopeUis 7nons2)essulana Herrn, var. neumeyeri Fitz. — Ein 
ungefähr l'öm langes, frisch getötetes Tier wurde bei Olympia 
gefunden. 

Vipera ammodytes L. var. meridionalis Blgr. — Die Sand- f 
viper scheint auf Delos recht häufig zu sein, denn während unseres 
mehrstündigen Aufenthaltes wurden sechs Stück gefangen. Sic 
hielten sich wegen des schlechten Wetters unter Steinen auf, blieben 
nach dem Umdrehen des Steines ziemlich ruhig und konnten so 
verhältnismäßig leicht und gefahrlos erbeutet werden. 

Nachstehend die wichtigsten Angaben über vier genau unter- 
suchte Exemplare. 



! 
i 


chlecht 


Totallänge 


(ü 
a 

p 

c5 








^ Supralab. 


Schilder um das 
! Auge ohne das 


große Augen- 
brauenschild 


Schuppenreihen 
zwischen Auge 


und Oberlippen- , 
schildern 


mreihen zwischen 
en Augenbrauen- 
schildern 


en anf der Ober- il 
s Schnanzenhorns 1 




Ges 


Sehl 


CT' 


> 


ZJ 


rechts 


CO 
M 

a 


rechts 


links 


rechts 


links 


Schuppe 
den beid 




1 


juv. 


27 cm 


3 cm 


19 


137 


31 


9 


9 


11 


10 


2 


2 


(1 


8 


2 


cf 


43-5 cm 


5 cm 


21 


145 


33 


9 


9 


10 


10 


2 


2 


5 


8 


8 




.'iO cni 


8'5 cm 


21 


140 


30 


9 


9 


10 


11 


2 


2 


7 


8 


1 




10 cm 


38 cm 


21 


141 


30 














7 


8 



Beiträge zur Herpetologie von Griechenland. 



313 



Charakteristisch ist die geringe Größe der erwachsenen Tiere. 
Bei Nr. 4 ist der Kopf stark verletzt, so daß die Anzahl der Schilder 
nicht vollständig festgestellt werden konnte. 

Bezüglich der Färbung ist folgendes zu bemerken. Nr. 1: 
Sehr lebhaft gefärbt, da das dunkelbraune, schwarz eingesäumte 
Zickzackband sich von der hellgrauen Grundfarbe deutlich abhebt. 
Unterseite grau gesprenkelt, Bauchschilder vor dem Hinterrand 
dunkler. Die kreuzförmige Eopfzeichnung ist nur rechts mit der 
Rückenzeichnung verbunden, während der linke Ast sich verschmä- 
lernd knapp hinter dem Mundwinkel den Längsstreif erreicht, der 
vom Hinterrand des Auges bis zum Mundwinkel zieht. Flecken- 
zeichnung der Lippenschilder typisch und sehr deutlich. Nr. 2: 
Ebenfalls sehr lebhaft gefärbt. Am Hinterkopf hebt sich ein heller, 
hinten zweilappiger Fleck deutlich von der dunklen Grundfarbe 
ab, welche sonst kaum eine Zeichnung aufweist. Lippenschilder 
wie bei dem ersten Exemplar. Rückenband aus Rautenflecken be- 
istehend und wegen der schwarzen Ränder sehr scharf hervortre- 
itend. Nr. 3: Kopfzeichnung mit Ausnahme des Längsstreifens, der 
aber nur nach unten deutlicher begrenzt ist, überhaupt fehlend. 
iLippenschilder nicht gefleckt. Auch sonst sehr undeutlich gezeichnet, 
IZickzackband dunkel gerändert, aber undeutlicher wie bei den frü- 
leren Tieren. Nr. 4: Kopfzeichnung, soweit sie überhaupt erkenn- 
jar ist, wie bei dem vorhergehenden 9. Rückenband hell, aus 
'^autenflecken bestehend, Begrenzung nach außen sehr undeutlich 
!md meist nur au den Ecken dunkler gefärbt. Bauchseite wie bei 
len früheren Exemplaren. 

Amphibia. 
Caudata. 

Molge vulgaris L. subsp. graeca Wolt. var. corcyrensis Wolt. — 
Corfu, 11. IV., Kaulquappen in einem Tümpel. 

Ecaudata. 

Bufo viridis Laur. — Korfu, ein sehr buntes Exemplar; Athen, 
8. IV.; Pentelikon, 19. IV.; Pikermi, 19. IV.; Liwädhi am Parnaß, 
2. IV., unter Steinen. 



314 



R. Ebner. 



Hijla arhorea L. — Kleine Larven in einem Tümpel auf 
Korfu, erwachsen bei Pikermi beobachtet. 

Bana ridibunda Pall. — Larven von Korfu, 11. IV.; Tiryns- 
Mykenä, 17. IV.; Pikermi^ 19. IV.; auch bei Phaleron beobachtet. 

Von Pikermi liegen auch einige Kaulquappen vor, die von 
Prof. Abel mitgebracht wurden (28. V. 1911). 

Bana agilis Thomas (= dalmatina Fitz.). — Korfu, 11. IV., 
ein Weibchen. 

Hieracium sabspeciosiim N. P. subspec. nov. 
Aastianum Murr et Zahn. 

Von 

K. Aust (Wien). 
(Eingelaufen am 18. April 1913.) 

Anlaßlich einer Ende Juli 1911 von mir in das pflanzenreiclie 
Gebiet des von der krummen Steyerling durclifiossenen Boding- 
grabens bei Windischgarsten unternommenen Exkursion fand ich 
am Wege von Haslers Gatter gegen Mayerreith im dolomitisciieii 
Kalkgrus ein Hieracium, welches seiner Gestalt nach auf den ersten 
Blick einem Hieracium vidgatum Fr. ähnelte, der Gestalt der 
Blätter und der Behaarung nach an ein H. oxyodon Fr. erinnerte. 
Ich legte dieses Hieracium Herrn Prof. Dr. Murr vor, welcher es 
für eine Zwischenform von oxyodum-vidgatum hielt, es aber vor- 
Hichtsweisc an den rühmlichst bekannten Ilieraciologen Herrn Ilcr- 
niaiiii Zahn übersendete. Letzterer erklärte die Pflanze als eine 
Zvvischenform von H. oxydon und scorsoncrifolium Vill ssj). pscudo- 
]Kndoirlchum Zahn, respektive H. hifidum Kit. 

Zahn gibt folgende Diagnose: 

Hieracium subspeciosum N. P. subsp. nov. Austianam 
Murr et Zahn (e grege Patidnm N. P.). 

(Uinlei ad .7.'"» cm altus, gracills, striaiufi, pityllopodus. FoUa 
ramularia ^ — /5 (sar))e longe) pciiolata, exlcriora ovala ohlusa flo- 
rmdi tempore jdernmfpie rmarcida, relypia elli))(ico — vel ohlongd 
vel lüle Uuiceolata jdcrumipie suhmagna, denliculaia vel levittt 



Hieracmm mhspeciosum N. P. subspec. nov. Amtiamim Murr et Zahn. 315 



sinuato- et acute pluridentata, cito aciiminata; caulina 2 — 4 cito des- 
crescentia circiim radicalihtis simile hreviter et late alato-peiiolatum, 
reliqiia lanceolata longe aciiminata hasi angustata sessila, simimum 
lineare, omnia viridia suhglaucescentia et saepe siiblutescentia nibri- 
gidiuscula, margine saepe (praesertim caiäina) suhundtdata. In- 
I florescentia alte furcata parum supra fastig iata (1 — ) 2 — 5 (—10) 
cephala (sed rami inferiores et capiiula partim ahorta). Äcladium 
5 — 8 cm longum, rami 1 — 3 ( — 5) valde remoti gracile, ohlique 
erecti vel siihsqtiarrosi. Ordines axium 3. Involucrum 11 — 12 mm 
denique late ventricoso-glohostim dejyressum. Squamae latiusculae lan- 
ceolatae acuminatae acidae v. nonnuUae apice acutiusctdae ohsciirae 
pilei floccisque canescentes, interiores viridi-stihmarginatae. Bracteae 
2 — 3 suhidatae. Pili diluti in involucro densiusctdi 1'5 mm longi, 
in caidomatihus ± densiusculi 2 — 3, hasin versus ad 5 mm longi 
mollissimi, in foliis supra modice numerosi vel subdensiuscidi, mar- 
i gine suhtusque numerosiores, in nervo dorsali petioUsque densiusctdi 
, suhlongi mollissimi intertexti. Glandidae in involucro peduncidisque 
I superne sparsissimae minutae. Flocci in involucro subnumerosi hasi 
densiusctdi, peduncidi canotomentosi, catdis superne canescens, de- 
orsimi cito minus floccosus hasin versus efflococosus. Folia effloccosa, 
catdina super iora tanttim in nervo dorsali parcefloccosa. Ligidae 
(et styli) luteae apice non ciliatae. Aclienia hritnnea. 

Die beschriebene Form steht der Subspezies patidum N. P.; 
II, 151, sehr nahe, unterscheidet sich davon aber durch breitere, 
ioberseits stärker behaarte Blätter, die Drüsen an den Hüllen und 
Kopfstielen und den gelben Griffel. Sie ist als Zwischenform zwischen 
H. scorsonerifolium Vill. ssp. pseudopantotrichmn Zahn (pantotricJium 
N. P., II, 133, nec p. 27) und H. oxydon Fr., respektive U. hifidum 
Kit. anzusehen. 

H. Austianum wächst in Gesellschaft von H. oxyodon Fr., 
H. suhspeciosum N. P. ssp. melanopJiaetim N. P., H. scorzonerifolitim 
Vill. ssp. pseudopantotrklmm Zahn, H. hifidum Kit. und H. glahra- 
tum Hoppe, 1196 m m. adr. 

Die Pflanze ist sehr selten, indem ich trotz emsigen Suchens 
in der eingangs bezogenen Stelle im Jahre 1911 nur zwei Exem- 
olare und im Jahre 1912 ebendaselbst nur vier Stück auffand. 



316 



Paula Deraelius. 



Beitrag* zur Kenntnis der Cystiden. 

Von 

Frau Paula Demelius. 
VI. 

(Mit Taf. VI u. VII.) 
(Eingelaufen am 4. Juni 1913.) 

Auf Tafel VI befinden sich die wegen Raummangels auf Tafel II 
des V. Beitrages ausgebliebenen Abbildungen 4, 5 und 23. 

An neuerer Literatur ist zu erwähnen: 

Fayod, Prodrome d'une histoire naturelle des Agaricinees in 
Annales des Sciences Naturelles, VII, Serie 9, 1889. 

Ricken, Die Blätterpilze Deutschlands etc. 4. — 8. Lieferung. 

Knoll, Untersuchungen über den Bau und die Funktion der 
Cystiden und verwandter Organe. Pringsheims Jahrbücher für 
wissenschaftliche Botanik, 50 Band, 1912.^) 

Mit den Angaben der Autoren Patouillard, Gill et, Brcsa- 
dola stimmt mein Befund überein bei: 3Iarasnims erythrojms Vers.^ 
Ladarius volenius Fr. {Ladarüis ladifluus Sch.), Bussida ddica Fr., 
Inocyhe scabella Fr. (mit kantigen Sporen), Ilyplioloma pyrotridium 
Ilolmsk., (Ilyplioloma lacrymahtmdum B.). 

llnssula fragilis var. oUvaceo-violascens Gillet zeigt Cystiden 
in den auf Taf. I, Fig. 8, Bd. LXI und Bd. LXII, Taf. I, Fig. 15a, ,] 
und 12b abgel)ildclen Formen (Formen gleicli 15b fehlen). Die 
zahlreichen keulcn- und spindelförmigen Ilaare der Ilutepideruiis 
sind häufig violett oder gelblich. 

Ilnsmla inicyra L. Exemplare aus Sch()ngrabern zeigen außer 
den Bd. LXII, Taf. I, Fig. 16 abgebildeten Cystiden auch die dort 
fllr Jlnsfinla ladea gegebenen Formen (von denen nur die kculcii 
förmige fehlt j. Die Hasidien sind ausgesprochen keulenförmig, 

I}('/j'i{;Iicli (Irr dort bcIiniKlclIcii ( 'yHtidcncxkrctiojHüi von CoUyln" 
cHcukntu vor^'lciclic, dio A^^,^'lb(!Il in inoincrn I. IJoitnif^e. Die (Jysiidcn dt i 
I.,'iiii«'ll<nfl:irli(; \ (»ii Vsji I Ii ipclla disscviinalu erwiilinl Knoll nicld. 



Beitrag'zur Kenntnis der Cystiden. 



317 



36:7-2 — 8*4 u. Die Epidermis des Hutes zeigt ein Geflecht ans 
schmalen Hyphen, welche in lineare und spindelförmige Cystiden 
enden. 

Hypholoma hydrophilum B. Meine Exemplare zeigen die von 
Voglino, Atti del Royal Istituto etc., Fig. 40 und von Patouillard, 
1. c, Fig. 116 für Hyxjlioloma fascicidare gegebenen Cystiden- 
formen. Die von Voglino, 1. c, Fig. 42 gezeichneten konnte ich 
nicht finden. 

Bei Hypholoma fascicidare Huds. fand ich außer den von 
Brefeld, 1. c, VIII, Taf. 4, Fig. 1 dargestellten Formen, die häufig 
gelben Inhalt hatten, solche von der in Fig. 33 der Taf. VII 
dieses Beitrages gezeichneten Form. Die Schneide der Lamellen 
war mit Büscheln keulenförmiger Haare besetzt. 

Abweichend von den Autoritäten Voglino, Gill et, Corda 
und Boudier sind meine Angaben bei folgenden Pilzen: 
I Polyporns hrumalis Pers., Hydnum repandum L., Fluteiis pelli- 
\tus Pers., Fluteus cervimis ysly. patricius Schultz, Entoloma rJiodo- 
\polium Fr., Pholiofa praecox Fr., Hypholoma Candolleammi Fr., 
Psalliota campestris L. 

Auch Fayod betont die starke Variation der Cystiden, 1. c, 
p. 259. 

Viele Pilze zeigen an der Schneide abweichend gestaltete 
'Cystiden, die „Randhaare" mancher Autoren. Sie sind meist keulig, 
keulig-fädig, gestielt-kugelig, seltener spindelig, oft in Büscheln an- 
geordnet; man vergleiche die Abbildungen 30b, 28b, 29b und 27a, 
und kommen auch bei sonst cystidenlosen Pilzen vor.^) Bei Inocyhe 
dulcamara sind die Stiele der Kugeln bisweilen septiert. Ricken 
gibt ähnliche, aber braune Cystiden für Inocyhe caesariata an. Auch 
an der Stielepidermis von Inocyhe geophila fand ich keulen- und 
spindelförmige Haare mit septierten Stielen. Doch scheinen sie im 
allgemeinen selten zu sein. Cystidenartige Haare finden sich häufig 
jan der Epidermis des Hutes und Stieles bei Pilzen mit und ohne 

^) Fayod, I.e., p. 260, erklärt die Cystiden für ein Zwischenstadium 
nterme moyen" zwischen Paraphyse und Basidie und warnt, sie mit den Rand- 
jliaaren „poils hymeniaux" zu verwechseln. Nach seiner Ansicht entstehen 
iiiese zumeist durch Verlängerung- irgend eines Teiles des Hymeniums, in- 
)egriflfeü die jungen Sporen, veranlaßt durch große Feuchtigkeit des Standortes. 



318 



Paula Demelius. 



Cystiden an den Lamellen; meist sind dieselben den Cystidcu des 
Hymeniums ähnlich, seltener sehr abweichend in der Form. Man 
vergleiche diesbezüglich die Abbildungen 22 und 22 c, 29 b und 
29 e, 27 a und 27 d. Büschel keulenförmiger Haare zeigt der Hut 
rand von Folyjjorus arcularius; der Stiel von Folyporus squamosus 
und Marasmius ureus ist mit Büscheln spindel- und keulenförmiger 
Haare besetzt. 

Zum Schlüsse möchte ich noch den Herren Hofrat Franz 
Ritter v. Höhnel, Herrn Abbate Jakob Bresadola und Herrn 
Kustos Dr. Alexander Zahlbruckner meinen herzlichsten Dank 
aussprechen, den beiden erstgenannten Herren für die freundliche 
Durchsicht und Berichtigung meiner Bestimmungen, dem Leiter 
der botanischen Abteilung des k. k. Hofmuseums für die h'ebens- 
würdige Erlaubnis, die Bibliothek des Museums benützen zu dürfen. ! 

Tolypoms elegans Fl. D. Taf. VI, Fig. 1. 

Sporen elliptisch, hyalin, tr. 8-4— 10 2 : 3-6— 4 2 n. 8-4 bis 
11*4 : 3'6 — 4-8^ mit 1 — 3 Oltropfen. Bd. schmal keulenförmig, 
12—19 : 4*8 |u. Cystiden linear, spitz, 24 — 29 : 3-6— 4*8 ^, wie die 
B. in die Tr. tibergehend, welche ein Geflecht aus sehr schmalen 
bandförmigen Hyphen darstellt. E. des Hutes besteht aus gelblichen, 
keulenförmigen Hyphen, zwischen welchen sich lineare und ge- 
gabelte befinden. Ähnliche Hyphen und außerdem spindelförmige 
zeigt die E. des Stieles. Bisweilen fehlen die C. des H. und di( 
Tramahyphen enden in Cystiden. 

Durchmesser des Hutes 17 — 38 mm, des Stieles 3— 8mni, 
Länge desselben 9 — 35 mm. ! 

Hochramalpe, Buchenwald, auf einem l^uchenstrunk. Juni, i 
Via Sojdiicnalpe liieglcrhütte an Lärchenwurzeln. Juli, liroders- 1 
dorf, Bu(;henwald, auf abgefallenen Ästchen. 

Code des Couleurs, Nr. 108, 103 D., 102. 

Polyjwrns hrumalis Pers.^) Taf VI, Fig. 2. 

Sj)oren hyalin, elliptisch, an einem Ende zugespitzt, bisweilen 
hakig, mit drei kleinen Oltröpfchen, r,— 7 2 : 2-4— 3 T». kurz, 
kfMilenfnnnig, 1 2— 14*5 : 3-ß— 4 8 ^, meist in die Tr. übergehend, 

*; ViTtrl. <li(! iiM Beitrag /in l'ii/(l()r;i Aiihh(M!h für l'olyporus hrumaUt 



Beitrag zur Kenntnis der Cystiden. 



319 



j selten findet sich die Andeutung einer S. H. aus rundlichen Hy- 
phen. St. 2*4 — 4*8 fx. C. keulentörraig-, zugespitzt oder linear und 
wellenförmig gebogen mit abgerundetem Ende, 19 — 24:4-8 — 12 (x. 
i Die Hyphen der Tr. enden entweder in C. linear oder schmal keulig, 
I oder die keuligen Enden liegen fest aneinander, wobei sich bis- 
! weilen eines umbiegt und auf den benachbarten ruht. Tr. zeigt 
i ein dichtes Geflecht schmaler bandförmiger Hyphen. Im H. finden 
sich hyaline und dunkelgelbe Kristalle und Körner. Die E. des 
Hutes besteht aus schmalen, bandförmig verflochtenen gelblichen 
Hyphen, deren Enden hyaline keulenförmige Haare bilden. Der 
Rand des Hutes ist mit Haarbüscheln besetzt. 

Durchmesser des Hutes 1 — 2-3 cm, des Stieles 1'5 — 3 mm, 
Länge des Stieles 15 — 22 mm. 

Via Hütteldorf — Laudongrab^ auf lebenden Eichen. November. 
Brodersdorf, auf abgefallenen Buchenzweigen. Juli. 

Code des Couleurs, Nr. 102 -f 103. 
j Polyporus adustns Wild. Taf. VI, Fig. 3. 
; Sporen oval, hyalin, 4*8 — 6 : TS — 3 fi. Basidien kurz, keulen- 
' förmig, 9-6—12 : 3 6 ^. St. 3-6 u. C. flaschenförmig, 19—24 : 4-8 bis 
7-2 (.1, sehr selten. Tr. besteht aus schmalen, bandförmig verfloch- 
tenen Hyphen, die häufig braun sind. Das H. enthält viele Oktaeder 
■ von der Farbe des Rauchtopases. Die E. des Hutes zeigt ein Ge- 
flecht von in keuHge Haare endenden Hyphen; einzelne enthalten 
• braune Körnchen, andere sind gelbbraun. Die Röhrenmündung 
ist oft mit linearen Cystiden besetzt. 

I Durchmesser des Hutes 2-5 : 3-5 — 6-5 cm, Dicke desselben 
' 0*5 cm. 

Purkersdorf, auf Cornus sanguinea. Mai. Schöngrabern, imWarm- 
jhaus, an bearbeitetem Nadelholz (Orchideenkübeln). September. 
Britzelmayer, Polypori, Fig. 35. 
Lenstes variegata Fr. Taf. VI, Fig. 6. 
B. schmal keulenförmig, in die Tr. übergehend, 24 — 29 : 4-8 
Sterile B. kleiner, 19—24 : 4-8 fi. St. 2-4—4-8 ^i. C. linear mit spitzen 

^) Siehe die Abbildung bei Patoiiillard, 1. c., Y\g. 135. Patouillard 
^bt keine C. an. Auch ich fand sie nicht bei den Exemplaren aus Aussee. 
iBei dem Exemplar aus Brodersdorf war der Stiel mit ähnlichen Haarbüscheln 
! gewimpert. 



320 



Paula Demeliiis. 



oder runden Enden, flaschenförmig oder spindelig mit abgerundetem 
oder in ein Köpfchen abgesetztem Scheitel, auch keulenförmig und 
im oberen Drittel 1 — 2 mal eingezogen, gelb oder hyalin, manchmal 
hyalin mit gelbem Kern, 36 — 48 : 4*8 — 7 2^, in die Tr. übergehend, 
auf der Fl. ungemein häufig, so daß ihre Zahl der der B. bisweilen 
gleichkommt. Tr. ist ein großlückiges Geflecht von hyalinen, band- 
förmigen Hyphen, welche im Verlaufe der Tr. oft keulenförmig oder 
zugespitzt enden. An der Sehn, lagern sie sich wagrecht aufein- 
ander, verschlingen sich wohl auch. Ihre keulenförmigen Enden 
enthalten reichlich dunkelgelbe Körnchen. Die E. des Hutes zeigt 
gelbe und hyahne lineare, spitze Haare, auf diese folgt eine gelbe, 
dann erst eine hyaline Schichte. ,j 

Durchmesser des Hutes 4—5 : 3—3*5 cm, Dicke des Hutes 
1-5 cm. 

Via Purkersdorf — Troppberg, auf Buchenscheitern. November, j 
Bulliard, 1. c, Taf. 537, Fig. 1 (deutlicher gezont). ' 
Lenzites ahietina B. Taf. VI, Fig. 20. 

Sporen elliptisch, öfter hakig, n. mit 2 — 3 Oltröpfchen, tr. 7-2 bis 
9-6 : 3-6— 4-8 ^f, n. 8-4— 11-4 : 3-6 ^, hyalin. B. keulenförmig, 19:6 
bis 7 2 (.1. St. 2 4 ^. C. linear oder spindelförmig mit spitzem, abge- 
rundetem oder in ein Köpfchen abgesetztem Scheitel, selten mit j 
Exkretionen bekrönt, 29—36 : 3'6— 7*2 {.i. Alle Hyphen, sowohl die | 
des Hymeniums als auch die des Fruchtkörpers, sind gelblich. C. un- 
gemein häufig^ auf der Fl. oft mit den B. alternierend oder sie an 
Zahl übertreffend. Tr. besteht aus schmalen bandförmigen Hyphcii, 
welche in lineare, selten spindelige Cystiden enden. Die E. des 
II. zeigt ein Geflecht von schmalen, bandförmigen braunen Hyphen 
mit vielen LuftlUcken. 

Durchmesser des Fnichtkiirpcrs 2 — 3 cm :12 cm. 

Schöngrabern, auf bearbeitetem Holz. An der Innenseite des 
Deckels eines Fischbeliälters. August. | 

Bulliard, 1. c., Taf. 541, Fig. 1. 

J/j/<hvitn rrpandmn L.') 'J'af. VI, Fig. 7. 

Sporen kugelig, hyalin, n. und tr. 4*8 — 6 : 7 2^/. Ii. kurz, breit i 
keulenförmig, 1 2—14-5 : 7-2/<. St. 2-4— 3 (J. an der Fl. schmal i 

') V*!-;,'!. (!or(|ri, I.e., UI. \"\<s. i:;r). (.'oidn ^ihl kcino ('. iUi. I 



Beitrag zur Kenntnis der Cystiden. 



321 



spindelig mit spitzen Enden oder schmal keulenförmig in eine Spitze 
ausgezogen. (Bei beiden Formen ist die Spitze häufig gekrümmt.) 
26-5— 62*5 : 4*8 — 6 (.i häufig, oft wie die B. in die Tr. übergehend. 
Tr. besteht aus rundlichen und bandförmigen Hyphen, die an der 
Spitze des Stachels abgerundet cystidenförmig enden. E. des Hutes 
ist ein dichtes Geflecht von gelblichen, sehr schmalen, bandförmigen 
Hyphen, deren spitze Enden wenig abstehende Haare bilden. 

Durchmesser des Hutes 4-5 — 5 cm, des Stieles 12 — 22 mm, 
Länge des Stieles 3*5 cm. 

Via Troppberg — Rekawinkel, Tannen- und Laubwald, auf 
Erde. Oktober. 

Bull., 1. c, Taf. 172. 

Hijdnum repandum f. alhum Quel. Taf. VI, Fig. 8. 
Sporen hyalin, kugelig oder fast kugelig, 7*2 — 8*4:6 — 7-2^. 
B. keulenförmig, 19— 24 : 7-2— 9-6 ^. St. 2-4— 4'8 ^i. C. wie bei 
i der gewöhnlichen Form auf der Fl. häufig 31 — 38*5 : 7-2 ft. Tr. zeigt 
blasige rundliche und etwas länghchere Hyphen. E. des Hutes ist ein 
i lockeres Geflecht mit großen Luftlücken von breiten, bandförmigen 
Hyphen, welche von kleinen gelblichen Körnchen erfüllt sind. 

Durchmesser des Hutes 4'5— 6*5 cm, des Stieles 6 — 15 mm, 
Länge des Stieles 4 — 7 cm. 

Mauerbach, gemischter Laubwald, Eichen und Buchen, zwi- 
, sehen Blättern auf Erde. November. 
I Hydnum graveolens Del. Taf. VI, Fig. 9. 

Sporen kugelig, warzig, hyalin, n. oft mit einem Oltropfen, 
n. und tr. 3 — 3*6 ^i. B. schmal keulig, 12 : 3 6 in die Tr. über- 
gehend. St. 1'2 (.1. C. flaschenförmig mit runden Enden, 19 — 21*5 : 
I 7-2 in die Tr. übergehend, unauffälHg. Tr. besteht aus schmalen, 
bandförmigen Hyphen. E. des Hutes zeigt keulenförmige braune 
Hyphen, aus denen Büschel sehr breiter, bandartiger, langer Haare 
emporragen. Diese enden abgerundet, selten spindelförmig, sind 
manchmal tief gegabelt und mit feinkörnigem Plasma erfüllt. 
! Durchmesser des Hutes 7 — 23 mm, des Stieles 4-9 mm, Länge 
!des Stieles 8—28 mm. 

Mauer, Föhrenwald, auf Erde. 

Farbe des Hutes Code des Couleurs, zwischen Nr. 172 und 147. 
I Farbe des Stieles Code des Couleurs, Nr. 137. 

Z. B. Ges. 63. Bd. 21 



322 



Paula Demelius. 



Hydniim ochraceum Pers. Taf. VI, Fig. 19. 

Sporen elliptisch, selten an einem Ende zugespitzt, hyalin, 
n. mit 1—3 Öltropfen, tr. und n. 8-4— 104 : 4-8— 6 ^. B. schmal, 
keulig in die Tr. übergehend, 12—17 : 3-6— 4-8 |W. St. 2-4 ^t. C. keulig, 
mit Körnchen besetzt, 50 — 65 : 6 — 8*4 ^tt^ sehr häufig an Fläche und 
Spitze des Stachels. E. des Hutes (oder des den Hut vertretenden 
Randes bei der resupinaten Form) besteht aus schmalen, bandartig 
verflochtenen Hyphen, die keulenförmig enden. Viele gelbe und 
braune Körnchen sind dem H. und der E. aufgelagert. 

Durchmesser des Fruchtkörpers 4 — 11 mm. 

Resupinate Form. 

Via Laab— BaunzeU; Dachsgeschleif, auf modernden Buchen- 
ästeii. Oktober. 

Rand weiß, Hymenium Code des Couleurs, Nr. 146. 

Boletus x)acliypiis Fr. Taf. VIT, Fig. 31. 

Sporen elliptisch, tr. hyalin, mit dunkelgelbem Rand und einem 
elliptischen gelben Öltropfen, 10-2 — 13-6 : 4-8 — 5-6 jw, n. hellgelb, 
mit 5 — 6 kleinen weißen Oltröpfchen, bisweilen hakig, 10*2 — 14 4 : 
4 2 — 5 4 |U. B. schmal, keulenförmig, 12:4*8^«, in die Tr. über- 
gehend. St. 2 4 — 3'6 (.1. C. schmal oder breiter spindelförmig, manch- 
mal mit 1 — 2 Einschnürungen oder keulenförmig mit in ein Spitz- 
chen ausgezogenem Scheitel, gleichfalls in die Tr. übergehend, 
welche aus einem Geflecht schmaler, bandf()rmiger Hyphen be- 
steht. Ein ähnliches Geflecht von gelber Farbe mit aufgelager- 
ten gelben und braunen Körnchen zeigt die E. des Hutes. Die C. 
finden sich an der Röhrenwand häuflg und sind mit feink()rnigem 
Plasma erfüllt. 

Durchmesser des Hutes 6 — 7 cm, des Stieles 15 — 1-7 cm, 
Länge des Stieles 8 cm. 

Jjrodcrsdorf, llolzschlag, zwischen Gras; in gemischtem Wald, 
Buchen, Eichen und Föhren. Juli. 

Oillet, 1. c, Taf. 439 (etwas heller). 

JJaedalca qiiercina L. 'Jaf. VJI, Fig. 32. 

Sporen hyalin, oval bis elliptisch, bisweilen hakig, meist mit 
einem selten mit zwei oder ohne Öltropfen, n. und tr. 3-6 — 7*2: 
3-6— 4-2 /<. B. langgestreckt, schmal, 36 : 6—8-4 |w. St. 4-8 ^. C. spin- 
delig bis Hchmal keulenförmig mit spitzem oder in ein Köpfchen 



Beitrag zur Kenntnis der Cystiden. 



323 



abgesetztem Scheitel, 48 — G7 : 6 ^a, an der KöhrenmünduDg. Tr. be- 
steht aus schmalen, bandförmigen, manchmal gegabelten, vielfach 
verschlungenen Hyphen. Die E. des Plutes zeigt ein Geflecht von 
schmalen, bandförmigen Hyphen, welche in keulen- oder spindel- 
förmige, mit rundem Köpfchen versehene Haare enden. Auf der 
Epidermis finden sich viele gelbe und hyaline Körner. 

Durchmesser des Fruchtkörpers 7 — 14:4— 10 cm, Dicke des- 
selben 3 — 4 cm. 

Siegenfeld, gemischter Wald, Eichen und Tannen, auf Eichen- 
strünken. September. Sofienalpe, auf Eichenstrtinkeu. Oktober. 

Bull., 1. Taf. 352, 442, Fig. 1. 

Clitocyhe inversa Scop. Taf. VI, Fig. 21. 

Sporen elliptisch, manchmal fast kugelig, hyalin, mit einem 
Oltröpfchen, 4'8 — 5*4 : 4*8 ^. B. kurz, keulenförmig, 17 — 19 : 5*4 fj.. 
St. 3*6 — 4-8 (,1. C. spindelförmig, zugespitzt, nur an der Sehn, selten, 
29 — 36 : 4-8 — 7*2 ^a. S. H. besteht aus kleinen rundlichen Hyphen. 
Tr. ist ein Geflecht von sehr schmalen, bandförmigen Hyphen. Die 
E. des Hutes zeigt ein Geflecht von etwas breiteren, gelblichen 
Hyphen, dem gelbe und dunkelbraune Körnchen aufgelagert sind. 
Im H. finden sich gelbe Kristalldrusen und braune Körnchen. 

Durchmesser des Hutes 1 — 4 cm, des Stieles 4—8 mm, Länge 
des Stieles 1-5 — 3 cm. 

Via Roter Stadel — Btirgersitz, auf Humus in der Nähe von 
Buchenstämmen. Dezember. 

Code des Couleurs: Hut etwas dunkler als Nr. 77, Stiel Nr. 127. 

Bussida emetica Harz. Taf. VII, Fig. 22 (außerdem C. gleich 
denen im V. Beitrag, Bd. LXH, 1912, Taf. U, Fig. 7 c und I. Bei- 
trag, Bd. LXI, Taf. I, Fig. 8 abgebildeten). 

Sporen kugelig oder fast kugelig^ mit einem Häkchen, tr. grau, 
n. hyalin, stachelig, 7-2— 9-6 : 7-2— 8*4 |W. B. keulenförmig, mit fein- 
körnigem Plasma erfüllt, wie die C, 29— 36 : 9 6 ^i^. St. 7-2— 8-4^. 
C.^) Spindel- bis walzenförmig, erstere spitz oder zugespitzt, manch- 
mal hakig, 43 — 48 : 8-4—15 zahlreich auf Fl. und Sehn. S. H. be- 
steht aus kleinen blasigen Hyphen, Tr. aus größeren. Die E. des 

Vergl. Corda, IV, Fig. 138; Fayod (Annales des Sciences naturelles, 
I VII, Serie 9, 1889), Prodrome d'une histoire naturelle des Agaricinees, PI. VI, 
I Fig. 7 i. 

21* 



324 



Paula Demelius. 



Hutes und Stieles zeigt neben linearen auch spindelförmige Haare, 
welche von feinkörnigem Plasma erfüllt sind und den C. ähneln. 

Durchmesser des Hutes 6 5 — 7*5 cm, des Stieles 8 — 9 mm, 
Länge des Stieles 3*5 — 4 cm. 

Brodersdorf, gemischter Laubwald, auf Erde. Juli. 

Cooke, 1. c, Taf. 1030. 

Volvaria media Schum. Taf. VI, Fig. 10. 

Sporen oval bis elliptisch, manchmal an einer Seite zugespitzt 
oder hakig, tr. gelblich mit braunem Rand, n. gelb mit rosa Rand, 
häufig mit einem Oltropfen, 16 — 19 : 9'6 — 115 B. breit, keulen- 
förmig, 36 : 17 die sterilen sind bedeutend kleiner. St. 2*4 — 3*6 [i. 
C. flaschenförmig, spindelig mit gekrümmter Spitze^ keulig mit zu- 
gespitztem oder breitgedrücktem Scheitel, 50 — 75:13 — 24^ (eine 
besonders breite maß 75 : 38*5 {.i und war von feinkörnigem Plasma 
erfüllt), nicht sehr häufig, nur auf der Fläche. S. H. besteht aus 
rundlichen, Tr. aus schmalen, bandförmigen parallelen Hyphen. 
E. des Hutes zeigt ein Geflecht von sehr schmalen, linearen spitzen 
Haaren, in welchem violette Kriställchen und Körnchen eingebettet 
sind. Im Hutfleisch befinden sich auch gelbe Körnchen, aber minder 
häufig. 

Durchmesser des Hutes 3-2 — 6-5 cm, des Stieles 5—8 mm, 
Länge des Stieles 7— 13 cm. 

Schöngrabern, unter Gebüsch, auf Erde. Juni, Juli. 

Cooke, 1. c., Taf. 299. (Volva meiner Exemplare ist weiß.) 

Pluteus pellitus Pers. Taf. VII, Fig. 24. 

Sporen oval, rosa, n. mit gelblichem Inhalt, tr. und n. 6 — 7-2 : 
4-2— 4-8 fi. B. keulenförmig, 20—24 : 6 ^, wie die C. mit feinkör- 
nigem Plasma erfüllt. St. 2 4 — 3'6 ^. C. spindel- bis flaschenförmig 
mit den verscliicdenartigst gestalteten Enden abgerundet, in eine 
Spitze ausgezogen, mit aufgesetztem Spitzchen, in 2 — 3 Spitzen oder 
abgerundete Lappen geteilt, den C. des Pluteus ccrvinus ähnlich, 
auf der Fl. zahlreich, an der Sehn, vereinzelt, oft in tiefere Schichten 
der Tr. hinabreichend. S. H. besteht aus blasigen Ilyphen, geht in 
die Tr. über, welche ein Gefllccht von stark scpticrten, bandför- 

') Yrr^l. F;iy(Kl, 1. c, p. ?,CA. 
«) V.-.r^M. (;ill(!t, I. c, T'.if. 2UH. 



Beitrag zur Kenntnis der Cystiden. 



325 



migen Hyphen bildet. Dem H. und der E. des Hutes sind gelbe 
Kristalle aufgelagert. Die Hutepidermis zeigt breite, bandförmige, 
septierte, mit feinkörnigem Plasma erfüllte Hyphen, die miteinander 
verflochten sind und hie und da in spindelförmige oder keulen- 
j förmige Haare enden. Außerdem finden sich in ihr hyaline 
I Kriställchen. Die E. des Stieles ist gleichfalls ein Geflecht von 
bandförmigen, septierten Hyphen und mit keulenförmigen Haaren 
besetzt. 

Durchmesser des Hutes 6-5 cm, des Stieles 7 mm, Länge des 
Stieles 3-5 — 4 cm. 

Schöngrabern, auf Erde, neben einem Pfahl. August. 

Cooke, 1. c, Taf. 597 (viel kleiner, die Lamellen meines 
Exemplares reichen nicht bis zum Hutrand). 

Fhiteus cervmus ysly. patricius Schultz. Taf. VI, Fig. 11. 

Sporen kugelig oder fast kugelig, rosa, mit einem Oltropfen, 
tr. und n. 5'4 — 6-6 ^a. B. keulenförmig, etwas verschmälert, 
29 : 8*4 ji^. St. 3 6«. C.^) auf der Fläche breit spindelig, mit abge- 
rundetem Scheitel oder oval, blasig, 53 — 67 : 20*5 — 22 ^, an der 
Sehn, racketförmig, spindelig, mit rundem, abgerundetem oder in 
ein Köpfchen abgesetztem Scheitel, auch keulenförmig in der Mitte 
und unterhalb des Scheitels etwas eingezogen, 48 — 67:8-4 — 20 ^w, 
gehäuft. Sämtliche C. sind von feinkörnigem Plasma erfüllt, ebenso 
die Haare der E. des Hutes und Stieles. S. H. zeigt kleine, rund- 
i liehe Hyphen. Tr. ist ein Geflecht von bandförmigen, häufig ge- 
; gabelten Hyphen, in welchem graue Kristalle eingebettet sind. 
E. des Hutes zeigt neben linearen, keulen- und racketförmige Haare 
von der Form der C. an der Sehn., der Stielgipfel gleichfalls Büschel 
keulenförmiger Haare. 

Durchmesser des Hutes Tö— 4-5 cm, des Stieles 4*6 mm, Länge 
des Stieles 1-2 — 3 cm. 

Via Hameau — Hermannskogel, auf einem Strünke von Acer 
I campesiris. Juni. 
' Cooke, 1. c, Taf. 565. 

Entoloma rliodopolüun Fr. Taf. VI, Fig. 12. 



^) Vergl. Gill et, Atlas des Champignons, PI. 260 und Bon die r, Icones. 
— C. von der typischen Form konnte ich nicht finden. 



326 



Paula Demeliu 



Sporen tr. rund oder fast rund mit wenigen Kanten, Rand 
dunkelrosa, 9-6 — 11 : 9-6 — 12 ^f, n. rund oder rundlich, kantig, rosa, 
mit einem Oltropfen, 9-6—11:11 — 145 ^tf. B. breit, keulenförmig, 
34_38-5 : 12—14-5 ^i. St. S B— 4-8 ^i. C^) keulenförmig, der Scheitel 
in ein Köpfchen ausgezogen, 43 — 48 : 12 jit, mit feinkörnigem Plasma 
erfüllt, nur an der Fl. in der Nähe der Sehn, zerstreut und selten. 
S. H. besteht aus kleinen, rundlichen Hyphen. Tr. aus bandförmigen, 
parallelen oder fast parallelen Hyphen. E. des Hutes zeigt sehr 
dickwandige eckige Zellen, der Zellsaft der obersten Schichte ist 
gelblich. 

Durchmesser des Hutes 5—5-5 cm, des Stieles 6 — 9 mm, Länge 
des Stieles 3'5 cm. 

Schöngrabern, auf Weg, auf Erde unter Gebüsch, aufwiese. Juni 

Patouillard, 1. c, Fig. 388 (etwas heller). 

Leptonia euchlorum Lasch. Taf. VI, Fig. 13. 

Sporen kantig, polyedrisch, rosa, mit einem Öltropfen, 9*6 bis 
7*2 fL. Exemplare aus dem Leithagebiet hatten beträchtlich größere 
Sporen, 8-4— 12 : 10*8— 16-8 B. schmal keulenförmig, 29—31: 
7-2 fi. St. 2-4—4-8 (.1. C. spindelig mit verkürztem Scheitel, 58 : 14 |U, 
nur an der FI. selten. S. H. besteht aus rundlichen, Tr. aus schmalen, 
bandförmigen, parallelen Hyphen. E. des Hutes zeigt keulenförmige 
und kugelige gestielte Haare, deren bandförmige, basale Enden 
sich zu einem Geflecht vereinigen. An anderen Exemplaren fand 
ich die Haare sehr schmal keulenförmig, auf sie folgte eine zellige 
bräunliche Schichte, welche dunkelbraune Körner und Kristalle 
enthielt. In der Tr. finden sich hyaline Oktaeder. 

Durchmesser des Hutes IG— 17 mm, des Stieles 2 — 3 mm, 
Länge des Stieles 3-5 cm. 

Aussee, Sixlcitenwcg, auf Erde. Juli. 

Code des Couleurs, Nr. 252. 

Pholiota praecox Fr. Taf. VI, Fig. 14. 

Sporen oval bis elliptisch, inanchmal an einer Seite zugespitzt 
und kantig, ockergelb, 7 2— 8 4 : 4-8— G ^w. B. keulenförmig, manch- 
mal in das S. II. übergehend, 19-24 : 6—7 ^li. St. 24-6 |U. C«) 

' I':itf)ii ill.iid, I. (•,., TMf'. 38M, ^nht kvuw, (!. hu. 

') V^.T^H. (.'(»rda, IcoiicH fim^^onini, III, Fi^,'. 110, Voffliiio, Nnovo (lior- 
nalü iJotaiiico Ituliano, Vol. XIX, Nr. :j, 1887, Fig. .'30. ratouillurd, i. 0., 



Beitrag zur Kenntnis der Cystiden. 



321 



j flasclienförraig bis spindelig-, spitz oder abgerundet, manchmal keulig 
und in eine hakige Spitze ausgezogen, gelb oder hyalin, mit grob- 
körnigem Plasma erfüllt, häufig von goldgelben Kugeln bekrönt, 
an denen die Sp. haften,^) 30—50:13—20^. Bisweilen fehlt der 
obere Teil. S. H. besteht aus kleinen blasigen, seltener aus band- 
förmigen Hyphen. Tr. zeigt bandförmige, schmale parallele Hyphen. 
E. des Hutes ist ein Geflecht von schmalen, bandförmigen Hyphen, 
die manchmal abgerundet enden. Auf eine hyaline Schicht folgt 
eine gelbliche. Bei manchen Exemplaren ist das H. übersäet mit 
hellgelben Körnchen. 

Durchmesser des Hutes 2-5— 3'5 cm, des Stieles 3—4 mm, 
Länge des Stieles 5—6 cm. 

Via Mauer— Roter Stadel, auf Walderde. Mai. 

Cooke, 1. c, Taf. 360. 

Via Perchtoldsdorf— Kaltenleutgeben, auf Walderde. Juni. 
Britzelmayer, Dermini, Fig. 3. Patouillard, 1. c, Fig. 112. 

Cortinariiis coUinittis Sow. (Myxacium collinitum) . Taf. VI, 
Fig. 15. 

Sporen tr. und n. elliptisch, an einem oder beiden Enden 
spitz, seltener ist ein Ende rund, das andere hakig, goldgelb punk- 
tiert, 14-5 : 7-2- 8-4 ^, B. keulenförmig, 29—36 : 9-6— 14-Ö ^i. Häufig 
finden sich unter den B. gleichfalls fertile, gelbe von derselben 
Länge, doch nur 7*2 breit. St. 4*8 (.i. C. euterförmig, 48 : 14 
bis 17 ^tt, bloß an der Sehn., auch hier nicht häufig. S. H. besteht 

I aus ovalen blasigen Hyphen, Tr. aus bandförmigen, schmalen, gegen 
die Mitte zu breiteren, gebogenen Hyphen. E. des Hutes zeigt 

I keulenförmige Hyphen, zwischen denen lineare, oben abgerundete 
Haare emporragen.-) 



Fig. 112 und Gill et, 1. c, Fig. 292. Ein Teil der von mir beobachteten Cystiden 
stimmte mit den von Voglino abgebildeten und den diesen entsprechenden 
Cordas überein. Die eiförmigen Cystiden Cordas sowie die von Patouillard 
und Gill et angegebenen Formen konnte ich nicht finden. 

^) Diese Exkretionen sind weder in Wasser noch in der Fixierungs- 
flüssigkeit, Alkohol, Glyzerin und Formaldehyd, löslich. 

-) Vergl. die Zeichnung der Epidermishaare für Collyhia velutiiKS bei 
Biffen, Journ. of the Linn. Soc, Vol. 34, 1899, p. 147. 



328 



Paula Denielius. 



Durchmesser des Hutes 3-5 — 4'5 cm, des Stieles 9— 12 mm, 
Länge des Stieles 4*5— 5*5 cm. 

Mauer, Eichen- und Föhrenwald, auf Erde, zwischen Moos. 
Oktober. 

Bulliard, 1. c, Fig. 549 B. 

Inocyhe petiginosa Qu61. Taf. VII, Fig. 25. 

Sporen elliptisch, gelb, n. und tr. 5*4 — 6 : 3*6 — 4-2 fj,. B. keulen- 
förmig, 19:6|ii. St. 2-4|U. C. meist spindelförmig mit Exkretionen 
am Scheitel; wie sie für Inocyhe rimosa bekannt sind, seltener 
flaschenförmig ohne Exkretionen, 43 : 9 — 13 ft, mit feinkörnigem 
Plasma erfüllt, auf Fl. und Sehn, sehr häufig. An der Sehn, finden 
sich unter den anderen C. in Gestalt ovaler Blasen, ähnlich denen 
des Coprinus micacetis, 24 : 13 /t. Cystidenförmige Haare aller dieser 
Formen in Büscheln angeordnet zeigt die E. des Stieles. E. des 
Hutes besteht aus einem Geflecht von gelben, reich septierten, band- 
förmigen Hyphen. S. H. zeigt blasige Hyphen, Tr. fast durchwegs 
parallele, bandförmige, reich septierte Hyphen. 

Durchmesser des Hutes 1 cm, des Stieles 1*5 — 2 mm, Länge 
des Stieles 1-8 cm. 

Via Hütteldorf-Bad — Knödelhütte, Buchen- und Eichenwald, 
auf nackter Erde. Juni. 

Hut, Code des Couleurs, Nr. 128, Stiel weiß und Nr. 103 D. 

Inocyhe diilcamara Pers. Taf. VII, Fig. 26.^) 

Sporen elliptisch, manchmal mit einem Häkchen verschen, tr. 
gelblich mit dunklerem Kand, 8-4 — 9*6:6 — 7*2 |U, n. goldgelb, mit 
feinen Körnchen erfüllt, 8'4— 11 : 4 8 — 6 ,a, selten 12:6^. B. schmal 
keulig, hyalin, mit feinkörnigem Plasma, hie und da goldgelb, 
24 : 6 (.1. C. nur an der Sehn, keulig, in Form gestielter Kugeln, 
manchmal mit septiertcm Stiel oder aufgesetztem Spitzchen, selten 
spindelförmig, in Büscheln angeordnet (Kandhaare einiger Autoren), 
29—41:11—19^. S. 11. besteht aus kleinen blasigen Hyphen. Tr. 
ist ein Gcileclit bandförmiger, reich scptierter Hyphen. In 11. und E. 
finden sich häufig hyaline Kristalldrüsen oder Anhäufungen von Körn- 
cli(in, auch einzelne goldgelbe Körner. Die E. des Hutes zeigt ein 



>) Ver^l. l'atouillard, I.e., Fif?. 540 



Beitrag zur Kenntnis der Cystiden. 



329 



Geflecht von braunen, reich septierten, bandförmigen Hyphen, welche 
in keiüige, manchmal gegabelte Haare enden. 

Durchmesser des Hutes 6 — 22 mm, des Stieles 2— 4 mm, Länge 
des Stieles 1 — 2 5 cm. 

Schöngrabern. zwischen Balken, auf Erde, an Wurzeln. August. 

Heleloma spoliatum Fr. Taf. VH, Fig. 27. 

Sporen oval, an einem Ende zugespitzt und mit einem Häk- 
chen versehen, tr. hj^alin mit gelbem Öltropfen, n. gelblich mit 
weißem Öltropfen, 8-4— 9-6 : 4-8— 5'2 B. keulig, Inhalt fein- 
körniges Plasma mit 1—2 Vakuolen. St. 2-4 — 4*8 ^i. S. H. besteht 
aus blasigen Hyphen. Tr. an den Seiten zellig, zeigt in der Mitte 
ein Geflecht von bandförmigen septierten Hyphen. C. linear- bis 
spindelförmig mit runden Köpfchen, von feinkörnigem Plasma er- 
i füllt, nur an der Sehn, reihenweise. Dieselben Cystiden mit keu- 
ligen gemischt zeigt die E. des Stieles. Die E. des Hutes ist ein 
Geflecht von band- und tropfenförmigen Hyphen. 

Durchmesser des Hutes 1"5 — 3 cm, des Stieles 4 — 7 mm. Länge 
des Stieles 1 — 2 7 cm. 

Mauer, Eichen- und Föhren wald, zwischen Moos, auf Erde. 
Oktober. 

Hut Code des Couleurs, Nr. 152 in der Mitte, Rand weiß, 
Stiel weiß und Nr. 128 + 128 D. 

Hehehma diffractum Fr. Taf VII, Fig. 28. 

Sporen oval, an einer Seite zugespitzt, tr. hellgelb mit gold- 
gelbem Rand, n. goldgelb, 9-6— 11 : 6—7-2 a. B. keulig, 24: 7-2 a, 
zeigen wie die C. feinkörniges Plasma mit kleinen Vakuolen. S. H. 
zellig, Tr. besteht aus parallelen bandförmigen Hyphen. C. schmal- 
keulig, selten spindelig, 48—60 : 4'8 — 9 6 ^a, in Büscheln nur an 
der Sehn. E. des Stieles gleich der Tr. E. des Hutes ist ein Ge- 
flecht von band- und tropfenförmigen Hyphen. 

Durchmesser des Hutes 2-5 — 4-5 cm, Durchmesser des Stieles 
5 — 7 mm, Länge des Stieles 2*5 — 3-5 cm. 

Schönbrunn, Botanischer Garten, auf Wiese. Oktober. 

Hut weiß und Code des Couleurs, Nr. 127 oder 152+ 152D. 
.^tiel weiß, am Grunde, Code des Couleurs, Nr. 128D. 

Xaucoria pijgmaea Fr. Taf VII, Fig. 29. 



330 



Paula Demelius. 



Sporen tr. oval oder fast kugelig, hyalin mit goldgelbem Rand, 
6 — 7*8 : 5-4 — 6 n. elliptisch, oftmals an einer Seite zugespitzt, 
mit einem größeren und mehreren kleineren Öltröpfchen, 8-4—9 : 
5-4— 5-6 ^. B. keulig, 22 : 6—7-2 ^. St. 3-6 ^. C. langgestielte Kugeln 
in Büscheln angeoidnet, nur an der Sehn. S. H. zellig. Tr. besteht 
aus parallelen, tropfen- und bandförmigen Hyphen. E. des Hutes 
zeigt tropfenförmige bräunliche Hyphen, denen Büschel von flaschen- 
förmigen bräunlichen C. aufsitzen. Sämtliche Hyphen des H. und 
Hutes sind von feinkörnigem Plasma erfüllt. 

Durchmesser des Hutes 1*6 cm, des Stieles 1*5 — 2 mm, Länge 
des Stieles 1-2— 1-7 cm. 

Schöngrabern, auf einem Rüsterstrunk. Juni. 

Britzelmayer, Dermini, Fig. 251. 

Hyplioloma Gandolleamm Fr., Taf VI, Fig. 16. 

Sporen tr. graubraun, mit einem Oltropfen, n. dunkelbraun, 
oft mit einem Oltropfen, oval bis elliptisch, sehr selten an einem 
Ende spitz, 7-2— 9 : 4-8— 6 ^. B. keulenförmig, 19— 24: 7-2 |U. 
St. 2-4— 3-6 Q}) schmal oder breit keulenförmig, 36:7-2— 13^t, 
nur an der Sehn., gehäuft. S. H. besteht aus kleinen rundlichen 
Hyphen. Tr. zellig. E. des Hutes zeigt große blasige Hyphen. 
Der Stielgipfel trägt Büschel keulenförmiger Haare gleich den C. 
der Sehn.; doch finden sich auch walzenförmige, mehrmals keulen- 
förmige im oberen Drittel eingeschnürte, stiefeiförmige und solche 
in Gestalt gestielter Kugeln. 

Durchmesser des Hutes 2-5-3-5 cm, des Stieles 3 — 4 mm, 
Länge des Stieles 3 — 4 cm. 

Schöngrabern, auf Erde, in der Nähe von Wurzeln. Juni. 

Britzelmayer, Melanospori, Fig. 11 L 

Cooke, 1. c, Taf. 546. 

Uyplioloma eplxanlhum Fr. Taf. VI, Fig. 17. 

Sporen oval bis elliptisch, tr. hcllviolett mit einem Oltropfen, 
4.8-6:3— 4-2 n. heller, ohne Oltropfen, 4-8— 7 2 : 3 6— 4-2 jtt. 
B. klein, keulenförmig, 14-5-19 : 3-6—4 8^, St. 2-4— 4*8 ^t. C. keulig 
mit aiifgcHctztcm Köpfchen, von feinkörnigem Plasma erfüllt, 29 bis 

Cor<i;i, I.e. iiml I'm ton i 1 1 :i id , I.e., ^'•ohon für II. dcuidoUeanUtn 
koioo C. an. 



Beitrag zur Kenntuis der Cystiden. 



331 



31 : 9 — 14 5 1.1, häufig, regelmäßig über die Fl. verteilt. C. der Selm, 
gehäuft, fiDgerförmig, spindelig mit abgerundetem Köpfchen, keulig 
(häufig mit abgesetztem Köpfchen) und oval, unten und oben in 
ein Spitzchen ausgezogen. Die letzteren enthalten meist einen 
gelben, anscheinend festen Kern, alle übrigen sind mit feinkörnigem 
Plasma erfüllt, 24— 34 : 4-8— 8-4 ^a.i) S. H. zeigt kleine rundliche, 
Tr. schmale, bandförmige, geschwungene Hyphen. E. des Hutes 
ist ein lockeres Geflecht von schmalen, bandförmigen, großenteils 
gelblichen Hyphen mit großen Luftlücken. Hutfleisch und E. ent- 
halten gelbbraune Körner und Kristalle. 

Durchmesser des Hutes 2—3 cm, des Stieles 6 — 9 mm, Länge 
des Stieles 1 -5 — 5-5 cm. 

Via Hütteldorf — Laudongrab, auf Buchenstrünken. November. 

Fries, 1. c, Taf. 133, Fig. 2 (etwas heller). 

Hyplioloma fatimm Fr. (PsatJiyra fatna). Taf. VI, Fig. 18. 

Sporen n. und tr. oval bis elliptisch, rotbraun, 7'2 — 8-4 : 4'8 ^a, 
B. schmal keulenförmig, 19:4-8— 7 2^. St. 24 ^t. C. auf der Fl. 
häufig, keulenförmig, im oberen Drittel eingeschnürt oder kopfförmig 
abgesetzt, auch am Scheitel abgeplattet und gespalten, 38 — 50 : 
9*6 — 19 ,u. An der Sehn, finden sich neben den beschriebenen Formen 
noch flaschenförmige, sie sind überhaupt kürzer und breiter, 31 — 38 : 
14 — 19 Ii. S. H. zeigt kleine blasige Hyphen, Tr. schmale, bandför- 
mige, parallele. E. des Hutes besteht aus großen blasigen Hyphen. 

Durchmesser des Hutes 2-25—5 cm, des Stieles 3—6 mm, 
Länge des Stieles 6-5 — 9 cm. 

Via Purkersdorf-^Troppberg, Buchenwald, zwischen Laub auf 
Erde. Oktober. 

Bernard, Champignons des environs etc. PI. 26, Fig. 3. 

Hyplioloma fatuum Fr. f. minor. 

Sporen 8-4: 5-2— 6 ^u. B. 14-5: 7-2^. St. 3 6 ^t. C. 24— 29 : 
9-6— ll/(, nur flaschenförmig. 

Durchmesser des Hutes 6 — 7 mm, des Stieles 1 — 2 mm, Länge 
des Stieles 2 cm. 

Hietzing, Garten, Wiese. Juni. 

^) Bei Davcaufsicht sind alle C. gelb. Mau sieht auch solche, deren 
Scheitel fehlt, die aber doch den gelben Kern enthalten, was für seine feste 
Beschaffenheit spricht. 



332 



Paula Demelius. 



Bernard, Champignons des environs de la Rochelle, PL 26,, 
Fig. 3 (viel größer). I 

PsaUiota campestris L. Taf. VII, Fig. 30. ' 

Sporen oval bis elliptisch, dunkelbraun, tr. 6 — 7*2 : 4-8 — 6 
n. 7-2— 8-4 : 4-8— 6 B. schmal keulig, 24— 29 : 4-8— 7-2 ^t, mit( 
zwei Sterigmen. St. 2 4 — 4'8 ju. S. H. zellig. Tr. an den Seiten 
zellig, in der Mitte aus hyalinen bandförmigen parallelen Hyphen 
bestehend, zwischen welchen sich einzelne bräunliche befinden. 
Nur an der Sehn, stehen keulenförmige, mit feinkörnigem Plasma 
erfüllte C./) 22 — 36:9*6 — 11 ^. Ähnliche C, aber von bräunlicher 
Farbe zeigt die E. des Hutes. Auf derselben finden sich hyaline, 
dunkelbraune und gelbliche Körner. 

Durchmesser des Hutes 3 5 — 5*5 cm^ des Stieles 1*3 — 2 mm, 
Länge des Stieles 3 — 6 cm. 

Schöngrabern, Champignonkeller. August. 

Erklärung der Abbildungen. 
Taf. VI. 

1 Polyporus elegans Fl. D., la Hymenium, Längsschnitt, Ib Sporen. 

2 VolyporuS hrumalis Pers., Hymenium, Querschnitt, 2 a Sporen. ; 

3 Polyporus adustus Wild., 3 a Hymenium, Längsschnitt, 3 b Sporen. 

4 Polyporus sulfiireus B., 4a Hymenium, Längsschnitt, 4b Sporen. 

5 Polyponis pallescens Fr. {Polyporus wiberlis B.), 5a Hymenium, 
5 b Sporen. 

G Lenzitcs variegata Fr. Hymenium, Querschnitt. 

7 Ilyänum repandum L. Hymenium, Längsschnitt, 7 a Enden der Tramal 
liyijhen, 7 b Sporen. 

8 llydnum repandum f. alhum (iuel., 8a Hymenium, Längsschnitt) 
8 b Sporen naß, 8 c trocken. 

9 llydnum yraveolens Del., Hymenium, Querschnitt,, 9a Si)()ren. 

10 Volvaria media Schum., 10a Laniellenfläche, Querschnitt, 10b Cy^ 
stiden von abweichender Form, 10c Sporen trocken, lOd naI3. i 

11 J'lulcus cervinus var. ^^afnaws Schult/, IIa Ijamellenflächo, Quer 
Hchnitt, Iii) Lamellcnachneide, Querschnitt, 11c S])oren. 

12 Knloloma rhodopolinm Fr., 12a Lamellenlläche, Quer.schnitt, 12ll 
ystide, 12c Sj>oren trocken, 12 d njd5. 

') Voglino, Nuovo (ilornnle Botunico ItMliniio, Vol. XIX, Nr. 3, 1887 
ribf für PsaUiota camjicstris keine (J. an. 




Autor delin. 



{ 



Beitrag zur Kenntnis der Cystiden. 333 



13 Leptonia euchlorum Lasch, 13 a Lamellenfläche, Querschnitt, 13 b 
Sporen naß, 

14 PhoUota praecox Fr., 14 a Lamellenfläche, Querschnitt, 14 b 6 Cysti- 
den von verschiedener Form, 14 c Sporen. 

15 Cortinarius collinüiis Sow. (Mijxaciiim coUinitum), 15 a Lamellen- 
fläche, Querschnitt, 15 b Cystide von der Schneide, 15 c Sporen. 

16 Hypholoma Candolleanum Fr., 16 a Lamellenfläche, Querschnitt, 16 b 
Schneide, Querschnitt, 16 c Sporen naß, 16 d trocken. 

17 Hypholoma epixanthum Fr., 17 a Lamellenfläche, Querschnitt, 17 b 
Schneide, Querschnitt, 17 c Cystide, 17 d Sporen. 

18 Hyplioloma fatimm Fr. (Psathtjra fatua), 18 a Lamellenfläche, Quer- 
schnitt, 18b Schneide, Querschnitt, 18c Sporen, 18 d drei Cystiden von ab-' 
weichender Form. 

19 Hydnum ocJiraceum Pers., Stachelfläche, Querschnitt, 19 a Sporen 
naß, 19 b trocken. 

20 Lenzites aUetinaB., 20 a Lamellenfläche, Querschnitt, 20 b Schneide. 
Querschnitt, 20 c Sporen trocken, 20 d naß. 

21 CUtocybeinversaSaoi)., 21 a Lamellenfläche, Querschnitt, 21b Sehneide, 
Querschnitt, 21c Sporen. 

23 Hydnum aurantiacum A. et S., 23a Hymenium, Querschnitt, 23 b 
Jystide, 23 c Sporen. 

Taf. VII. 

22 Eussula emetica Harz. Lamellenfläche, Querschnitt, 22 a Sporen naß, 
12 b trocken, 22 c Epidermis des Hutes, Querschnitt, 22 d Cystiden von ab- 
reichender Form. 

24 Pluteus pellitus Pers. Lamellenfläche, Querschnitt, 24 b Sporen, 24 c 
Inden von Cystiden, 24 d Cystiden von abweichender Form. 

25 Liocybe peüginosa Quel. Lamellenfläche, Querschnitt, 25 a Sporen 
5 b Cystide von der Schneide. ' 

26 Inocyle dulcamara Pers., Lamellenfläche, Querschnitt, 26 a Schneide 
merschnitt, 26 b Sporen naß, 26 c trocken. 

27 HeMoma spoliatum Fr. Lamellenfläche, Querschnitt, 27 a Schneide, 
luerschnitt, 27b Sporen trocken, 27c naß, 27d Epidermis des Stieles, Querschnitt. 

28 Hebeloma diffractum Fr., 28 a Lamellenfläche, Querschnitt, 28 b 
ßhneide, Querschnitt, 28 c Sporen trocken, 28 d naß. 

29 Naucoria pygmaea Fr., 29 a Lamellenfläche, Querschnitt, 29 b Schneide, 
uerschnitt, 29 c Sporen trocken, 29 d naß, 29 e Epidermis des Hutes, Querschnitt' 

30 PsalUota campestris, Lamellenfläche, Querschnitt, 30 a Sporen, 30 b 
ßhneide, Querschnitt. 

31 Boletus pachypus Fr., Hymenium, Querschnitt, 31a Sporen naß 31b 
ocken. ' 

32 Daedalea quercina L., Hymenium, Querschnitt, 32 a Sporen. 

33 Hypholoma fasciculare, Cystide. 



334 



K.W. Verhoeff. 



Erscheinung'szeiten und Erscheinungsweisen 
der reifen Tausendfüßler Mitteleuropas und 
zur Kenntnis der Gattungen Orobainosoma 
und Oxydactylon, 

(über Diplopoden 64. Aufsatz.) 
Von 

Dr. K. W. Verhoeff, 

Pasing bei München. 
Mit Taf. VIII. 
(Eingelaufen am 17. Juni 1913.) 

I. Die jährliclien Ersclieinungszeiten (Horiolioren') der 
entAvickelten Diplopoden in Mitteleuropa. 

In meinem 38. Diplopodenaufsatz, betreffend die nordböhmisch- 
säcbsische Fauna und ibre Bedeutung für die Zoogeograpbie Mittel- 
europas babe icb u. a. auf p. G6 zum ersten Male die verscbiedenen zeit- 
licben Entwicklungsweisen, und zwar mit Rücksiebt auf die Er- 
scbeinung der gescblecbtsreifen Individuen, bervorgeboben.^) 
leb unterscbied damals die folgenden drei Gruppen: 
y^a) Kopulation im Frübling, Sommer und Herbst, obne Ver- 
scbwinden der Entwickelten im Sommer, so z. B. bei Fohf- 
dcsnius; 

h) Kopulation im Frübling oder Herbst, bei Absterben der 
Entwickelten, früber oder später im Spätfrübjabr oder Friih- 
Homiiier, z. B. bei (Jras^jcdosoma im Mai^ bei (kthoc/wrdrimn 
im Jiuii. Hier kommt also eine namentlicb für Juli oder 
August geltende sommcrlicbe Unterbrccbungszcit zu 
Stande, innerbalb welcber entwickelte Tiere nicbt existieren; 

/) wQc (lio .IaIir(!8Z(!it und ioQioi — reif, entwickelt. 

A l.li.iii'll (I. naturwlHH. GcHellHcli. „Isis" in Dresden, 1010, llell 1. 



Erscheinungszeiten usw. der reifen Tausendfüßler Mitteleuropas. 335 



c) Kopulation im Herbst und überhaupt nur herbstliches 
Auftreten der Geschlechtsreifen, so bei Orohainosoma und 
Hetero]}oratia, wo dieselben also im Vergleich mit den 
Diplopoden unter a) kurzlebiger sind." 

Meine Diplopodenstudien der letzten Jahre haben mir ge- 
zeigt, daß die jahreszeitlichen Erscheinungsweisen noch mannig- 
faltiger sind, so daß wir für die mitteleuropäischen Tausend- 
füßler noch mehr Horiohorengruppen unterscheiden müssen. Ich 
möchte jedoch von vornherein, um nicht mißverstanden zu werden, 
verschiedene Einschränkungen treffen. Es liegt auf der Hand, daß 
die vertikale Verbreitung auf die Erscheinungsweisen von großem 
Einfluß ist, indem eine Art, welche z. B. nur drei Monate unter 
Winterkälte zu leiden hat, sich anders verhalten muß als ein Hoch- 
gebirgstier, dem nur drei Monate günstigen Klimas zur Lebens- 
entfaltung zur Verfügung stehen. 

Für die Hochgebirge sind ganz besondere Untersuchungen 
erforderlich, \) ebenso wie für diejenigen Gegenden, welche mit 
Rücksicht auf zeitweise starke Trockenheit einen Steppencharakter 
zeigen. 

Für meine nachfolgenden Gruppen handelt es sich zunächst 
um diejenigen Verhältnisse der Ebenen, Mittelgebirge und unteren 
! Hochgebirgsgebiete, welche sich von besonderen Extremen frei- 
. halten, doch führen zwei Gruppen ( Orohainosoma und Dendro- 
i monomeron) biologisch bereits herüber zu den Hochgebirgstieren. 
I Auf diesem phänologischen Gebiet sind wir erst in den An- 
fängen und bin ich bisher auch fast der einzige, welcher dieser 
Richtung der Diplopodenforschung Aufmerksamkeit geschenkt hat. 
jEs handelt sich also zunächst um gewisse Grundlagen. Daß später 
' viel Neues und Ergänzendes wird hinzuzufügen sein, ist von vorn- 
, herein selbstverständlich. Als Beispiel dafür, daß das Klima die 
|zeithche Erscheinungsweise von Angehörigen irgend einer Gruppe 
bedeutend beeinflussen kann, möchte ich die Mastigophorophyl- 
liden hervorheben. In unserem Mitteleuropa treten geschlechtsreife 



') Einzelne von den typischen Verhältnissen abweichende Erscheinungs- 
izeiten aus Hochgebirgslagen über 1700 m sind weiterhin beiläufig erwähnt, um 
auch daran zu zeigen, daß wirklich wichtige Gegensätze zu studieren sind. 



336 



K. W. Verhoeff. 



Tiere der Gattungen Heteroporatia und Mastigopliorophyllon aus- 
scbließlich im Herbst (Sommer) auf. In Oberitalien dagegen konnte 
ich die Entwickelten der verwandten Gattung Tliaumaporatia so- 
wobl im Frübling als aueb im Herbste nachweisen . 

An die Frage nacb dem jabreszeitbcben Auftreten schließt 
sich weiterhin die Frage nach der Lebensdauer. Schon jetzt kann 
ich hervorheben, daß unsere Juliden im ganzen genommen (d. h. 
ohne Rücksicht auf noch ungeklärte Ausnahmen) eine längere 
Lebensdauer zeigen als die Ascospermophoren, eine Erscheinung, 
welche damit zusammenhängt, daß die Angehörigen der letzteren 
Gruppe einen besonders zarten Körperbau aufweisen, der Wehr- 
drüsen ermangeln und in bezug auf die Feuchtigkeit von Boden 
und Luft mehr oder weniger stark empfindlich sind. Die Lebens- 
dauer hängt auch mit der Frage zusammen, ob ein Diplopode nur 
eine oder mehrere Fortpflanzungsperioden mitmachen kann. Das 
völlige Verschwinden der entwickelten Craspedosomen in den Sommer- 
monaten (abgesehen von ihrer Hinftilligkeit in der Gefangenschaft) 
ist ein Zeugnis dafür, daß sie höchstens zwei Fortpflanzungszeiten 
(Herbst und Frühjahr) durchmachen können. Ob jedoch unter be- 
sonders günstigen Umständen oder wenn eine Frühjahrskopula nicht 
zustande kam, entwickelte Craspedosomen sich in die Tiefe 
zurückziehen können, um nach Verlauf der Sommermonate sich 
dann im Herbst fortzupflanzen, ist ebenso eine offene Frage, wie 
die, ob ein und dasselbe Tier sowohl im Herbst als auch im nach- 
folgenden Frühjahr zur Paarung gelangen kann. 

Aus der Beobachtung zahlreicher Insekten ist es uns eine ge- 
läufige Vorstellung, die Larven und die Entwickelten meist an total 
verschiedenen Plätzen anzutreffen, wie z. B. bei unseren Cule.i'- 
Arten. Diese Vorstellungen gelten aber in weit geringerem Grade 
für Diplopoden, d. h. wir können im Gegenteil an zahh-eiclien 
Stellen dicht nebeneinander Larven und Entwickelte antreffen, 
namentlich wenn wir nur die älteren Entwicklungsstufen ins Aug» 
fassen. Dennoch habe ich auch genug Beobachtungen zu ver 
zeichnen vom Auftreten der Entwickelten allein oder der Larven 
stufen allein. Immerhin können wir auf statistischem Wege zu sehr 
wichtigen ErgcbnisRcn li})cr das Auftreten der einzelnen Stände gc 
langen und sind daher berechtigt, aus der Tatsache, daß wir z. V)- 



Erscheinungszeiten usw. der reifen Tausendfüßler Mitteleuropas. 337 



von Craspedosoma simile oder Cr. alemannicum Verh. in den Sommer- 
monaten in den Mittelgebirgen nur Larvenstufen anzutreffen ver- 
mögen, den Schluß zu ziehen, daß die Reifetiere spätestens Ende 
Mai absterben. Da wir im Frühjahr und Herbst beobachten, daß 
sich die Entwickelten und Larven dem Klima gegenüber gleich 
verhalten und an denselben Plätzen angetroffen werden können 
(nicht müssen I), so ist nicht einzusehen, weshalb die Entwickelten 
sich im Sommer anders verhalten, also in der Tiefe verstecken 
sollten. Wenn das wirklich nachweisbar sein sollte (vorläufig be- 
zweifle ich es), so wäre es mir nur als Ausnahme dann erklär- 
lich, wenn bei Ausfall der Frühlingspaarung ein feuchter Sommer 
die Erhaltung des Lebens begünstigen sollte. 

Daß nicht nur das Klima einer bestimmten Gegend, sondern 
auch eines bestimmten Jahres die Fortpflanzung der Diplopoden 
beeinflußt, habe ich schon im 38. Aufsatz a. a. 0. ausgeführt und 

' möchte nur noch betonen, daß das vor allem für diejenigen Arten 
gilt, welche auch im Sommer fortpflanzungsfällig sind, d. h. ein 

I nasser Sommer ist den meisten derartigen Spezies günstig, schäd- 
lich dagegen den wenigen xerophilen Arten, wie z. B. Scliizophijl- 
lum rtit Haus oder JBrachyiidus unilineatus. 

Um die jahreszeitlichen Erscheinungsweisen richtig zu beur- 
teilen, müssen wir dreierlei biologische Phänomene scharf ausein- 
anderhalten : 

1. das Vorkommen von Entwickelten in bestimmten Monaten; 

2. das Vorkommen von Kopulationen und 

3. die Eiablagen. 

Wenn wir zu einer bestimmten Zeit eine Diplopodenart in 
I entwickelten Individuen beobachten, z. B. Craspedosoma im Spät- 
herbst, so folgt daraus noch nicht, daß sich diese Ascospermophoren 
auch im Spätherbst fortpflanzen. Selbst die Feststellung von Kopu- 
lationen kann nur dann als ein Beweis für nachfolgende Eiablagen 
gelten, wenn sie im Frühjahr oder Sommer erfolgen. 

Es kann jetzt kaum noch einem Zweifel unterliegen, daß in 
Mitteleuropa für die Diplopoden normalerweise nur eine Eiablage- 
periode in Betracht kommt, und zwar nach meinen direkten Beob- 
achtungen von Ende März bis Anfang August, wofür ich fol- 
gende Arten nennen will: 

Z. B, Ges. 63. Bd. 22 



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K. W. Verhoeff. 



Pohjdesmiis complanatus, Eiablage 13. April, 

JBracliydesmiis supenis, Ende Juli bis Anfang August, 

Strongylosoma pallipes, Ende Mai, 

Glomeris piistidata, Mitte Mai, 

G. conspersa, Mitte Mai, 18. Mai, 17. Juni, 

G. guttata, Mai bis Juni, 

Gervaisia gihhtda, Mitte Juni, 

Tachypodoiulus aTbipes, 23. März und Mitte April, 

ScMzopliijllum sahtdosiim, Ende Juli, 

Folyzonium germanicum, 14. April. 

Dennoch ist hiermit die Zeit der Eiablagen noch nicht für alle 
Diplopoden angegeben, weil durch andere Beobachtungen wenig- 
stens für einige Gattungen indirekt der Beweis erbracht wird, daß 
auch noch im Herbst Eiablagen zustande kommen, für welche 
bisher nur wegen der Verborgenheit der Erscheinungen keine un- 
mittelbaren Feststellungen vorliegen. 

Vom Rath, übrigens der einzige, welcher sich außer mir näher 
mit diesen Fragen beschäftigt hat, schrieb bereits 1891 in seiner 
„Biologie der Diplopoden":^) „Ich bin zu dem Resultate gekommen, 
daß für Deutschland die Zeit der Kopulation bei Poly desmiden, 
Juli den und Glomeriden das Frühjahr und der Anfang des 
Sommers ist; da ich aber auch im Spätherbst frisch ausgeschlüpfte 
Larven von Juliden und Polydesmiden im Freien an geschützten 
Orten, beispielsweise hohlen Weidenbäumen, angetroffen hatte, 
schien mir die Wahrscheinlichkeit, daß im Herbste bei Juliden 
und Polydesmiden auch eine Begattung stattfinden mUsse, sehr 
groß zu sein. In diesem Herbste habe ich mich davon überzeugt, 
daß letztere Annahme sehr berechtigt war, indem ich von Ende 
August bis Mitte November die Kopulation von vielen Poly des 
miden im Freien und in der Gefangenschaft beobachten koimtc. 
Die Anzahl der Pärchen, die ich in Begattung sah, war im August- 
eine geringe, im Se[)tcmber und Oktober eine große und nahm von 
der zweiten Hälfte Oktober bis Mitte November wieder ab. Icli 
habe somit den Beweis liefern können, daß bei den Polydesmiden 
und Wold auch bei den Juliden die Begattung zu allen Jahres- 

r.. ii. I)t( (I. iiMtinlorHcli. GchcIIhc.Ii., VvvWmvir i. I',r., IM. V, Hoff 2. 



Erscheinungszeiten usw. der reifen Tausendfüßler Mitteleuropas. 339 



Zeiten, mit Ausnahme der kalten Wintermonate, etwa vom 15. No- 
vember bis Ende Februar^ und der heißen Sommermonate Juli und 
August, in Deutschland stattfinden kann. Die Angabe Fabres, daß 
der September für die Juli den und Polydesmiden die Zeit der 
Liebe sei. stimmt somit mit meinen Beobachtungen sehr gut überein, 
nur hat Fahre eine Kopulation im Frühjahr nicht gesehen. Bei 
den Gl